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Dienstpflicht zwischen 18 und 52 Jahren in Frankreich.

Kopen Hage n , 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.)Poli­tiken" meldet aiis Paris : Ter K r i e g s m i n i st e r will ein Gesetz vorlegen, wonach jeder waffenfähige Franzose zwischen 18 und 5 2 Jahren dienst­pflichtig ist.

Fürst Bülow« Abreise nach Rom.

Berlin, 15. Dez Fürst und Fürstin Bülow verließen Dienstag abend Berlin, um sich nach Rom zu be­geben. Ter Fürst hat die letzten Tage seines Aufenthalts in Berlin noch zu den notwendigen Besprechungen wird zum Studium des diplomatischen Materials benutzt. Dienstag mittag besuchte ihn noch der italienische Botschafter Bol- l a t i, der mit dem Fürsten und der Fürstin seit langem in sreundschaftlicher Beziehung steht.

Berlin, 16. Dez. Zu der gestern abend erfolgten Ab­reise des F ü r st c n Bülow und seiner Gemahlin hatten sich zur Verabschiedung aus dem Bahnhof erngcfun- den; der italienische Botschafter Bolatti, der frühere Staats­sekretär der Reichslande Fürst Wedel mit Gemahlin, der frühere Botschaster Freiherr Mumm von Schwarzenstein, der Minister des Innern v. Löbell, Geheimrat Hamann vom Auswärtigen Amt und Kommerzienrat Arnold mit Ge­mahlin.

Die Aussprache über die italienische Regierung« ertlärung.

Rom, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Im Senat wurden die Mitteilungen der Regierung besprochen. Alle Redner sprachen dem Kabinett Salandra ihr Ver­trauen aus zu dem Vorgehen, das den Interessen Italiens vollkommen entspreche, und billigen die Neutralitätserklä­rung.

Ter schweizerische Handel.

Basel, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Schwei­zer Handolsdcpartement veröffentlicht eine Tabelle, welche zeigt, wie sehr die Einfuhr in den ersten drei Kriegs­monaten zurückging. Tie Blätter weisen überzeugen» nach, oaß die Schweiz ihre eigenen Bedürfnisse nicht decken konnte und daß daher die Behauptung, sie bezöge Waren für andere Staaten, gänzlich unhaltbar ist. Die Tabelle weist auch darauf hin, wie schwer die schweizerische Volks­wirtschaft unter den E i n s u h r s ch w i c r i g k e i t c u leide, welche bei deren Fortdauer zu Arbeitseinstellungen in den verschiedensten Industrien führen würde.

Tollkühner Fluchtversuch eine« deutschen Offiziers.

lieber oen tollkühnen Fluchtversuch eines jungen deut­schen Leutnants in einem Koffer aus oem Gesangenen- läger in Dorchester berichtet dieTimes" folgende Ein­zelheiten :

Der Kvsser wurde mit dem übrigen Gepäck der Fremden über- gesührt, die aus dem Konzentrationslager Dorchester entlassen worden waren. Diese Leute hatten alle das dienstpslichtigc Alter überschritten und wurden unter militärischer Bedeckung nach Tilburp geschickt, um von dort niit dem holländischen SchissBatavia" nach Rotterdam übergeführt zu werden, von wo sie die Möglichkeit haben sollten, nach Deutschland zurückzukehren. Vor dem Bahnhot in Tilburv wurden sie an Bord des Schisses durch das Transport­schiffKalherine" gebracht. Erst bei der Uebersührung der Koster trat die merkwürdige Entdeckung zutage. Nichts an dem Kotier erregte Verdacht; es war einer jener gewöhnlichen für den Versand von Streichhölzern benutzter Koster. Er trug die AusschrittNou- voisomrus Sasrty Matches". Er hatte auch die verschristsmäßige Größe und war mit einem billigen Hängeschloß versehen. Der Koster lvurdc mit dem übrigen Gepäck in den Güterwagen bis nach dem Bahnhofs Tübury versandt und dann auf dem Transport heruntergrworsen, wo er etwa sechs Fuß tics heruntcrstel. Man sah, wie der Kosser bei dieser Behandlung sich überschlug und sehr hesttg aus ben Boden ausstreß, aber kein Laut verriet, daß in hem Koster ein lebendes Wesen sei. Auf dem Transvorlhos wurde eine Menge anderer Gepäckstücke aus den Koster gestellt, und das blieb so, bis man dieBatavia" erreichte. Zwei Arbeiter zogen ihn nun aus dieBatavia". Bei dieser Gelegenheit ging der Kosfer aus­einander, und zum großen Erstaunen der Arbeiter kamen der Kopf und ein Arm eines Mannes zum Vorschein. Er wurde rasch heraus­genommen und aus der Lage befreit, in der er so viele Stunden zuge­bracht hatte. Er konnte nicht mehr stehen und war vollständig erschöpst. Es dauerte einige Zeit, bis er wieder imstande war, zu reden. Ter Kapitän stellte sofort eine Untersuchung an, und der Flüchtling gab an, Otto K ö h n zu beißen. Er habe sich auf derPotsdam" eingeschifst, um von Amerika aus nach seinem Regiment in Deutsch­land zurückzukehren, wo er Leutnant sei. Das Schiff wurde unter­wegs angehalten und nach Southampton gebracht, von wo er als Gefangener nach Dorchester transportiert wurde. Er hatte fünf­zehn Stunden im Koster zugebracht. Ter Kapitän nahm den Flücht­ling wieder an Bord des Transportbootes und übergab ihn der Polizei. Eine Untersuchung des Koffers stellte fest, daß sich darin zwei mtt Wasser gefüllte Flaschen bcsanden, eine Flasche mit Fleischextrakt und etwa ein Dutzend Bananen. Die zwei Ecken des Kotters waren mit Schlingen versehen, um die Arme darin sest- zuhaltcn. Eine dieser Schlingen war gerissen, in der anderen hatte der Flüchtling noch seinen Arm, als die Entdeckung erfolgte Am nieistcn überraschte ein mit Sauerstoff gefülltes Kissen, dos offenbar dazu dienen sollte, die Luft in dem lleinen Raum des Koffers zu ersetzen.

Tic kanadischen Hilfstruppcn für England.

London, 15. Dez. -WTB. Nicküanttlich.) Der Staats­sekretär der Kolonien crhicU eine offizielle Erklärung des kanadischen Premierministers Borden, die besagt; Anr 19. Oktober wurde von den, Premierinmister eine offizielle Er­klärung über die Verteidigung Kanadas gegen eventuelle Einfälle und Angriffe, über die Organisierung, Ausbildung, Aus- rüstnng und Abseirdung des Expedstionskorvs abgegeben. Damals wurde vorgesehen, ungefähr 8 06 0 Mann Miliz für die itzarnisoncn und Grenzposten in Kanada unter den Waffen zu Italien, 30 000 Mami sofort zu rekrutieren und ausznbUden, in Abteilungen von 10 000 Mann über See zu schicken, sowie ferner, daß die ausziehenoen 30 000 Mann sofort durch die gleiche Zahl ersetzt würden Inzivischen iraien von den, Kriegsamt in Lon­don Mitteilungen ein, die für das zweite Expeditions­korps folgende Zusammensetzimg voriMngcn; 17 000 Offiziere ,md Mannschaften, 1765 Pferde, 58 Feldgeschütze und 16 Ma- schinengeweh«. Diese Truppe schließt Infanterie, Artillerie, tech­nische Abteilungen, Signal- und Radsahver-Kompagnsen, Tram, Feldambnlanzen, Munttionspark, Regervepark usw. ein. Dieses Korps wird so schnell wie m ög l ich ausgerüstet werden. Zwei Infanterie-Brigaden loerden in Kürze fertig sein, falls das .Kriegsamt sie braucht. Geschützankäuse ,verden bei der bri­tischen Regierung für Rechnung der kanadischen Regierung ge- nmcht werden. Inzwischen werden Feldartillerie-Ubteilungen mtt Zwölfvtündern, wie sie im Bnrcnkriege benutzt wurden, ausge­bildet werden Der Prennerminsster hatte mehrere lbonserenzen mrt dem Milizminister und dem tRmeralstabschei über die Anzahl der Menschen, die zur Verfügung gestellt werden können, wodurch sich die gesamte kanadische Streitmacht aus 91 000 belaufeit würde. Sobald ein zweites Kontingent abgeht, werden 17 000 rekrutiert werden, wodurch die Gesamtzahl aus 108 000 Mann steigt. In ben ivestlichen Provinzen ist eine graste Zahl guter Reiter zur Benügung. Tie jüngsten Kabelnachrichten der britischen Regie­rung losten basten, baß diese Männer bald auf deni Knegsschlau-

verwendet werden können Die Beschaff,mg de, Waffen und der lusrüstung ist die schwierigste Frage. Tie kanadische Regimmg

arbeitet jedoch h-ierin mit der britischen Reglern,rg erfolgreich zusammen. (In,panierend sind diese Zahlen nicht gerade, wenn wir die deutschen Reserven betrachten! D. Red.)

Ein neue« Raturalisiernngsgefctz in Großbritannien.

London, 15. Dez. <WTB. Nichtamtlich.) Ein neuesNa- turalisierungsgesctz, das am 1. Januar 1915 in G r o ß - b r i r a n n i e n in Kraft tritt, gibt dem Staalssekrctär des Innern die Vollmacht, Naturalisicrungsscheine, bei denen der Verdacht be­steht, daß sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt wur­den, zu annullieren. Wer sein Zcrttstkal nach der Annullierung nicht zurückerstattet, kann mtt Geldbuße bis IM Psnnd Sterling bestraft werden. Tas neue Gesetz erkennt Personen, die innerhalb des britischen Weltreiches geboren sind, sowie Personen, die im Auslände geboren sind, deren Väter jedoch brittsche Untertanen sind, ferner auf britischen Schffsen (Geborene als brittsche Unter­tanen an. Ein Kind britischer Untertanen ist als im Herrschasts- bereichc des brittsche» Königs geboren zu betrachten, wenn es in einem Orte geboren ist, in dem der britische König die Recht­sprechung über die britischen Untertanen ausübt. Eine Person, die aus einem fremden Schiffe geboren wird, wttd dadurch, daß sich das Schiff zur Zeit der Geburt in britischen Territorialgewässern ausgehalten, nicht britischer Untertan. Als für die Naturalisierung geeignet zu betrachten sind Personen, die nicht weniger als fünf Jahre ans britischem Gebiet gelebt oder im Dienste der britischen Krone gestanden habe». Eine solche Person muß unbescholken sein, genügende Kenntnisse des Englischen besitzen und die Absicht haben, wenn die Naturalisierung gewährt wird, auf britischem Gebiet zu wohnen oder in den Dienst der Krone zu treten bezw diesen Dienst sonzusctzcn. Eine naturalisierte Per­son im Besitz aller Rechte eines britisch geborenen Untertanen kann jedoch nicht Mitglied der Privy Councils und des Parlaments werden und ist auch von den verantwortlichen zivilen und mili­tärischen Aemtern ausgeschlossen.

Au« Portugol.

London, 15. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Das Reu- terschc Bureau meldet aus Lissabon: Ein Vertrauens­votum für die Regierung ist in der Abgeordnetenkammer mit 63 gegen 39 Stiminen, dagegen ein Mißtrauensvotum im Senat mit 27 gegen 26 Stimmen angenommen worden.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 16. Dezember 1914.

Dezember.

Immer rarer macht sich die Sonne. Die Lampe beglei­tet uns nicht nur zu Bett, sie empfängt »ns auch beim Auf­stehen. Wenn die Milchwagen in der Frühe durch die Straßen rasseln, die Bäckerjungen ihre Ware austragen und durch die dämmerigen Treppenhäuser tappen, dann brennen noch die Straßenlaternen. Und nachmittags, kaum ist der Kafsectisch abgeräumt, da werden die Winkel der Zimmer alsbald wieder geheimnisvoll. Die Kinder rücken mit dem Buche näher zum Fenster, aber es hält nicht lange vor.Du wirst dir die Augen verderben", warnt die Mutter und kann doch selbst kaum mehr ihre Handarbeit erkennen. Und die Scheiben lau­sen an, die Fenster werden hell, und alle Stuben, in denen Kinder atmen, füllen sich mit Weihnachlsahnung. Nur schüch­tern zwar wagt sie sich heute ans den Herzenstiefen, in denen sic das Jahr über verborgen geruht, und wo die Last der Zeit sie hatte verschütten wollen. Aber sie ist da, und ein zar­ter Abglanz von der fröhlichen, der seligen Weihnachtszeit breitet sich auch über die verhärmtesten Gesichter.

Freilich, die Natur draußen hat sich noch nicht mit dem Winter befreunden können. Nebel und Feuchtigkeit füllen die Tage, von denen man klares Frostwelter oder schimmernde Schneeflächen erwartet. Me eine feste Wand liegt es manch­mal morgens über Land und Bergen. Ab und zu blinzelt die Sonne zweifelnd durch die Wolken, bringt für Stunden etwas Licht in die Landschaft und beschaut sich wohlgefällig den glänzenden Spiegel der Lahn. Dann ziehen die Abend- nebcl wieder ihren Vorhang vor das Angesicht der Strah­lenden, aus dem sie in gedämpftem Rot hervorschaut und Purpur und Gold auf die leise bewegten Wellen des Flusses wirst. Hinter der blassen Nebelwand versinkt dann wieder allgemach die Ferne ....

Von der weihnachtlichen Geschäftigkeit langer Friedens- jahre zeigen die Straßen wenig. Auch die Kaufleute sind nicht mit der sonst üblichen Ueberzeugung an die lockende Fest- stimmung erzeugende Ausstattung ihrer Auslagen hcrange- gangen. Trotzdem: Mnn abends die Lichter in Straßen und Schaufenstern ausflammen, und Soldaten, Kanonen, Pup­pen, Eisenbahnen, Peitschen und Trompeten in ihrer gan­zen Herrlichkeit zeigen, dann trifft es sich doch mitunter, daß man einen Kinderblick auffängt, so voll Staunen, Freude, Erwartung und Glauben, daß auch dem Erwachsenen das Herz wieder weiter wird, daß die Erinnerung an die eigene Kinderzeit voll süßer Feiertagsstimmung an das See- lensensterlein pocht, hinter dem sie knisternde Weihnachtse heimlichkeft und kindliches Hoffen so gerne entdecken möchte. Und wir horchen leise auf das vertraute Stimmchen, das aus Kriegslärm und Not zu uns herüberdringen, uns eine frohe Botschaft von einer neuen Welt mit tieferem Menschen­tum ahnend erzählen möchte ....

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Wcihnachtseinkäufe.

Mit Genugtuung kann nran festsbellen, daß die Ar­beitslosigkeit immer mehr zurückgeht, ein Zei­chen dafür, daß unser Wirtschaftsleben nach den Stockungen der ersten Wochen und Monate wieder in Gang gekommen ist, daß Verdienst und Beschäftigungsmöglichkeit in Ge­werbe, Handel und Industrie zugenommen haben. An den Stockungen der ersten Zeit dürften woht auch etwas mit schuld gewesen sein die Aengstlichkeit und die übertriebene Vorsicht weiter Kreise, die sich über das notweichige Maß lffiiweg einschränkten und alle nicht unbedingt nötigen Ein­käufe gänzlich vermeiden zu müssen meinten.

Nun stehen wir in der Weihnachtszeit, in der mehr als zu anderen Zeiten eingekanft zu werben pflegt, weit es gilt, nach alter Sitte Angehörige und Freunde zu beschenken. Da tauchen jetzt hier und da Ratschläge auf, man solle das Geld, das man fönst dafür ausgab, in diesem Jahre sparen und für wohltätige Zwecke ver­wenden. Diese Ratschläge sind gewiß gut gemeint, wenn man ihnen aber folgt, bann nimmt man mit der einen Hand, was man mit der anderen geben wollte. Arbeit und Ver­dienst zu geben, ist besser, als Wohltaten zu erweisen. Es kommt hinzu, daß für viele Zweige des deutschen Gewerbes das Weihnachtsgeschäft eine Existenzfrage ist. Ein schleckttes Weihnachtsgeschäft würde sie ko schwer schädi­gen, oaß sie Arbeiter uno Angestellte entlassen müßten and es könnte sie sogar, angesichts der au fick, so schwierigen Zeiten, dem Gedanken einer weitgehenden Einschränkung oder gar der Aufgabe des Geschäfts näher bringen. Auck, das Wohl und Wehe der Bevölkerung ganzer Gegenden man denke nur midie Spielwarenindustrie hängt von einem guten Weihnachtsgeschäft ab. Im gegenteiligen Falle würden viele Betriebe schließen müssen, und große Arbeitslosigkeit würbe gerade in den ärmsten Gegenden un­seres Baterlanoes entstehen. Auch vielen kleinen Geschäften, die bisher noch so gut wie gar nichts verdient haben, kann ein gutes Weihnachtsgeschäft wieder vorwärts helft».

Darum möge man seine Weihnachtseinkäufe, wenn nur irgend möglich, wie in früheren Jahren machen; locr aber dazu imstande ist, möge sogar noch mehr als früher ein kau fen und damit den Armen, die dazu nicht in der Lage sind, eine Weihnachtssrcndc machen. Auch sollte inan schon jetzt eintau sen und nicht die Einkäufe auf die allerletzten Tage vor Weihnachten verschieben. So manche Betriebe mußte» wegen der bisherigen schlechten Geschäfte die Zahl ihrer Arbeiter uno Angestellten einschränken oder eingezogenes Personal ourch wenig aus-gebildete Hilfskrästc ersetzen. Die alte schlechte Gewohnheit, erst im letzten Augen­blicke cinzutanfen, würbe darum gerade in diesem Jahre bas Personal der Geschäfte besonders schwer treffen.

Jede Mark, die durch solche rechtzeitige Einkäufe aus­gegeben wird, und jeder Einkauf über das notwendige Maß hinaus schafft irgendwo Verdienst und Arbeitsmöglichkeit, dient der Gesunderhaltung unseres Wirt­schaftslebens, hilft besonders dem kleinen Mittelstände, den Angestellten und Arbeitern und ist deshalb eine soziale Tat.

Die Aufbewahrung der Speifekartofseln.

Schon jetzt werden vielsach Klagen laut, daß die.Halt­barkeit der diesjährigen Kartoffel n mangelhaft sei. Besonders die Verbraucher, die nicht über geeignete Lagerräume verfügen, werden dadurch empfindlich ge­troffen. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse machen es zur Pflicht, alle verfügbaren Vorräte, auck). die kleineren Haushaltungsvorräte, tauglich zu erhalten. Sie dürseu nicht infolge falscher Behandlung verderben.

Die vollkommene G«sundl>eit der zur AufbemohruuV bestimmten Kartoffeln ist die erste Bedingung für ihre Hatt- barteit. Sie müssen gleich nach dem Einkäufen sorgfältig verlesen werden. Alljährlich finden sich uuter den ge­ernteten Kartoffeln angesaulte Knollen, in diesem Jahre sogar ziemlich viele. Da infolge des Krieges der Versand vielsach auf Schivierigkeiten stößt und verzögert wird, koun- tcn auch in sorgfältig verlesene Kartosieln während der Ver­sendung noch Fäulnis eintreten. Bei dem raschen Wsatz war ei» neues Verlesen nach dem Ausladen wähl meiste»? wrcha niehr möglich. Der Käufer wird also immer einige schlechte Kartoffeln in seinem Vorrat finden. Es liegt in feinem eigensten Interesse, vor dem Aufbewahreu aufs sorgfLltigftx alle tranken Knollen auszulesen. Kranke Knollen zeigen nasse, eingesunkene Fleckenbei ganz verfaulten Kartoffeln ist das ganze Fleisch in eine übelriechende, breiige Mchsft verwandelt oder blauviolette, ebenfalls eiagefunLne Stellen, unter denen beim Durchschneiden das Fleisch brann>- versärbt ist. Bon der Fäulnis werden in erster Linie die­jenigen Knollen angegriffen, die Mrgefreffen oder sonstwie verletzt, gedrückt oder angesioren sind. Auch alle solche Kartoffeln müssen also gewissenhaft anSgelesen und. rasch verbraucht werden. Zu achten ist außerdem auf Knallen mit Druckflecken, die ebenfalls leichter faulen als gefunde.

Die Kartoffeln sollen an einem kühlen, luftigen, dunkeln Orte ausbewahrt werden. Am besten eignen sich hierzu frostfreie Keller oder Speicherräume. Sinkt die Temperatur des Raumes auch nur einige Tage auf den Gefrierpunkt, so erfrieren" die Kartoffeln: sie werden süß und sind zu Speisezwecken unbrauchbar. Durch mehrtägige Lagerung in mäßig warmen Räumen (Küche) Wunen sie allerdings wieder genießbar gemacht werden, erhalten aber wohl nur aus­nahmsweise ihren vollen Speisewert wieder. Sind die Kar­toffeln auch nur kürzere Zeit größerer Kälte ausgesetzt es genügen meist3° C., so gefrieren sie, sterben ab und verfaulen rasch. Wer auch zu w a rm e Räu m e, besonders solche, in deren Nähe sich Heiznngsanlagen befinden, sind zur Aufbewahrung ungeeignet. Die Kartosieln keinem leicht aus. Sie werden, wenn die Luft sehr trocken ist, wie bei Zentral- Heizung, bald welk und sind dann auch schlecht zu Speife- zivecken zu verwenden. Durch sorgfältige Lüftung ist für Eut- sernung der Feuchtigkeit aus dem Raume zu sorgen, wobei zu bedenken ist, daß die Kartosieln selbst viel Wasser ent­halten und stettg in Dampfsorm an die Luft abgeben. Wärme und Feuchtigkeit beschleunigen die Entwicklung der Fäulnis- errcger und vermindern die Widerstandsfähigkeit der Knol­len. Verfügt man nicht über geeignete Aufbewahrungs­räume, so verzichtet man besser auf die Beschaffung eines größeren Kcrrtoffelvorrates für den Haushalt. Der durch Verfaulen oder Welken entstehende Verlust ist größer als die geringe Mehrausgabe bei wiederholtem Einkauf kleiner Mengen. Ueberdies ist durch die Anordnung von .Höchst­preisen das Hauptbedenken gegen den Einkauf im Kleinen im wesentlichen beseitigt worden. Die Kartosieln sollen nicht in Säcken ausbewahrt werden, da diese keinen genügenden Luftwechsel gestatten. Man breite, besonders anfangs, die Kartoffeln in möglichst dünner Schicht, bis sie oberflächlich trocken sind. Auch bei der späteren Aufbewahrung etwa in offenen Lattenkisten (nicht in Fäsiern) lege man sie so flach wie möglich.

Während des Winters müssen die Kartoffeln öfters nachgesehen werden. Etwa iwersehene oder nachträglich angefaulte Knollen sind zu entfernen. Treiben die Kartof­feln, wozu in diesem Jahre Neigung zu bestehen scheint, stark aus, so sind; sie von Zeit zu Zeit abzukennen.

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** Probevorlesung. Tr. phil. Hubert Erhard, bH- her Privatdozent an der Uittoersttät Münster i. W., der sich an der Landesumversttät für 'Zoologie zu habilitieren wünscht, hält heut« Mittwoch., den 16. Dezember, 614 Uhr, in der Kleinen Aula seine Probevorlesung über Moderne Probleme der vergleichenden Physiologie.

** Das Eiserne Kreuz erhielten: Fcldunterarzt Tr. Fritz Deipel aus Gießen und- Assistenzarzt der Re­serve vom Jnf.-Regt. 168 Dr. med. W. Seal in g, Schotten (geb. in Gießen).

** Auszeichnung. Wcingroßhändler Lu d w ig Cullmann in Heidelberg. Leutnant der Reserve beim Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 5, zurzeit Adjutant im 2. Bad. Grenadier-Regiment Nr. 110, hat^das Eiserne Kreuz erhalten. Herr Cullmann ist der Sohn des Herrn Generalmajors Cullmann in Gießen.

** Eine schöne Rücksichtnahme aufs Volks- empfinden zeigt die Fe l d p 0 st mit der Aufstellung fol­gender Gesichtspunkte für die Rückgabe unbestellbarer Feldpostsendungen, deren Empfänger vermißt wird oder tot ist. Es besteht bei der Rcichspostvcrwal- tung seit jeher die Bestimmung, daß die Postbcstellcr sie den Absendern in rücksichtsvollster Weise auszuhän digen haben und daß, wenn der Absender nicht in dem Post­orte sondern auf dem Lande lebt, der Landbriefträgcr der­artige Fcldpostscndungcn an die Ortsbehörde oder den Orts- gcistlichen ausliefern soll, damit die Angehörigen auf diesem Wege schonend vorbereitet werden können. Verschie­dene, seit Ausbruch des jetzigen Krieges angestelltc Versuche ergaben, daß sich dieses letztere Verfahren auch in größe­ren Orten hat dnrchsühren lassen. Die Rcichspostverwal- tung erweiterte deshalb die bisherigen Bestimmungen dahin.