Ausgabe 
15.12.1914
 
Einzelbild herunterladen

«r. 29*

Zweites Blatt

M- Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags,

DieKiehener Kamliienblätier" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das lireirblalt für den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Di-Landwinschüftlichen Seit

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Sichem? Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesjen

Dienstag. l5. Dezember X9X4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriltleitung.Geschäslsstelle ».Truckerei: Schul- strabe7.Geschältsstelleu.Perlag^^Eb1,Schrisl- leitung: s^K112. Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Rriegrbnese aus dem Gsten.

Bo« unserem zum Ostheerc entsandten Kriegsberichterstatter

(vobercchtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

In der Feuerlinic au ver ostpreußischen Grenze.

Divisionsstab, den 1t. Dez.

Gehöft, ....

Bor der Straße ist ein Perhau von gefällten Bäumen und Draht. Rechts und links von ihm blinkt ein mattes Licht auf, das Licht aus den Erdhöhlen des Schützengrabens. Es leuchtet nur nach rückwärts und ist nur wie ein etwas Heller Nebel. Die Kompagnie bezieht ihre Stellungen, die Pferde werden zurückgeschickl.

Die Leute kennen die Lage der Unterstände, alles vollzieht sich mit großer Schnelligkeit. Wir gehen in den Gräben entlang; in den meisten Hütten sind Oesen.Es gibt noch heißen Tee mit Rum", sagt mein Begleiter zu dem Feldwebel.Schön, Herr Oberleutnant."

In die Schützengräben mit einbezogen, drei Meter hinter ihnen, liegt ein Neines Gehöft, das den Offizieren als Schlafstelle dienen soll. Ehe wir uns aus die Such« machen, will sich der Oberleutnant noch überzeugen, daß die Feldwache richtig abgelüst wird. Wir stolpern nach der Straße zurück, überllettern das Verhau und gehen in die Dunkelheit vor uns hinein. Nach ein paar Metern haben wir die Drahthinderüisse zu beiden Seiten der Straße hinter uns gelassen. Wir sind zwischen den beiden Linien. Me paar Minuten machen wir uns gegenseitig auf Stolperdraht aufmerksam. Es gibt noch ein großes Hindernis, das ich nicht sehe, bis ich mft pcn Füßen dagegen stoße. Die graubraunen Baumstämme heben sich von dem braun-grauen Schlau,m der Straße auch dann nicht ab, wenn man dicht an ihnen ist. Eine Gestalt steht dicht vor Uns. Ich habe sie weder kommen hören noch kommen sehen. Der Feldruf wird getauscht. Der Oberleutnant hat eine kurz« Unterredung mit dem Sergeanten und wir können zurückgehen zuunserem" Ge­höft. Der Boden guatscht unter unseren Füßen, wir überspringen Gräben, sinken bis zum Knie ein, taumeln, stützen uns gegen­seitig, bis wir die Umrisse eines Gehöftes erblicken. As wir aus ein paar hundert Meter heran sind, nnrd cs plötzlich taghell. Eine russische Leuchtrakete steht über unseren Linien, Man sieht bei der Helligkeft deutlich, daß das Gehöft vor uns eine jalte Brandruin« ist. Unsere Schützengräben liegen links vor uns, wie wir jetzt erkennen können. Nur wenige Sekunden lang steht das blendende Licht am Himmel, dann ist die Dunkelheit umso un­durchdringlicher. Sehr weit nach rechts scheinen jetzt Maschinen­gewehre ihr Hämmern anzufangen, bei der absoluten Stille hört man jedes Geräusch ziemlich deutlich. In der Ruine ist Bewegung. Sie liegt zwischen den Linien. Wir halten still: Nichts mehr zu hören. Der Regen setzt stärker ein und jedes Geräusch ertrinkt unter den Tropfen. Wir schreiten so schnell aus, wie wir können, und treffen plötzlich aus unseren Feldruf. Rechts schreit ununterbrochen letzt laut in auffallend regelmäßigen Abständen ein Käuzchen.Die B«mdc hat tvas vor", sagt mein Begleiter.Wer meistens über­legen sie es ffch dann wieder." Ein Soldat mit großem Bündel in der Hand steht vor uns.

Ich habe bloß meine Gans abgeholt und nun habe ich mich auch verlaufen."

Ihre Gans?"

Göttchen, ich hörte sie immerfort schnattern in dem leeren Stall, in dm ersten dunllen Nacht wollte ich sie uns holen. Nun ward heute so weft."

Nach kurzer Zeft ist jetzt das richtige Gehöft erreicht. Wir sinken noch einmal bis zum Knie ein und kommen dann in eine lleine Bauernstube, in der eine Lampe brennt. Die Fenster dieses Raumes gehen nach dem Hof hinaus, trotzdem sind sie dicht ver­hangen. Im Nebenzimmer, das nach der russischen Seite blickt, darf kein Licht gemacht weiden. Der Ofen pustet Wärme von sich, er riecht scheußlich, es wird mit Torf geheizt. Ein Hauvtmann und ein Oberleutnant sind noch in dem Zimmerchen, in dem man die alte Salchurger Uhr sorgfältig ausgezogen hat. Wir teilen unsere Borräte, mein Freund hat die unglaublichsten Tinge als Liebes­gaben erhalten, trinken ein Glas ostpreußischen Maitranks und die Betten" werde» hereingebracht. Eine dicke Lage Stroh wird in der Ecke ausgebreitet. Ich habe meinen Schlafsack init, die anderen Herren nehmen ein paar Wolldecken. An Ausziehen ist für sie so wie so selbstverständlich nicht zu denken. Das Stroh knistert und flirrt.Gedroschen?" fragt der Hauvtmann den Burschen, der es

mit größter Sachkenntnis auffchüttct.Nein, Herr Hauptmann. Dos gibt es nicht." Ich greise hinein in die schweren vollen Aehren und lasse sie durch die Finger gieileu. Mir ist es, als sähe ich den Mann mir dem doppelten Antlitz über die Felder stampfen. Wir werden still. Tie Lampe verlöscht. Die Wachen werden noch einmal genau instruiert.

Das Stroh ist weich, meine Gedanken sind hart. Ich denke in eineni Stroni von Bildern und Satzreihcn immer wieder fast gualvoll an das Wort, das sie hier sagen als Schlußwort zu allen Sätzen:Gott strase England." Tie Uhr schlägt die Stunden. Ich zähle bis Mitternacht. Da ist draußen leises Sprechen. Posten­ablösung. Ich zähle drei Uhr, da fallen unsern ein paar Schüsse. Wir springen aus. Die elektrischen Lampen leuchten grell über die weißgetünchten Wände. Ter Oberleutnant geht hinaus und meldet nach einer Weile:Feldwache auf Gehöft N. hatte lleine Schießerei. Wir können wefterschlasen." Ich falle bald darauf in traumlosen Schlaf, aus dem mich erst mein Freund weckt.Wenn wir nach P. wollen, müssen wir aufbrechen, es wird hell heute."

Es grbtKasfee mft kondenfferter Mftch. Ter Hauvtmann müht sich ab, in seinen Kanonenstiesel zu kommen. Während mein Ober­leutnant aus einer Tube Marmelade auf ein Stück Kastenweißbrot schmiert.So leben toir, so leben wir, so leben nur nicht alle Tage," summt er dabei.

Wir verlassen das Haus und gehen in die Schützengräben hinein. Tie Leute schlafen noch meistens.

Im Osten ist der Himmel blaßgelb und an einer Stelle glüht er wie eine bellrote Wunde. Uber leichte Wolken schlittern schon wieder über die Farben.

Trotzdem kann ich die Gegend wett erkennen. Drüben die dunkelblauen Bergketten sind schon Rußland. Das große weiße Gebäude rechts ist in russischen Händen; in weften Bogen parallel den unseren ziehen sich die russischen Steilungen der 73. und 55. Division, die diesem Wschnüt gegenüberliegen. Die Entfernung zwischen den Linien geht von 2000 Metern bis zu 500 Metern an der nahesten Stelle, die wir jetzt erreichen wollen. Das Gelände dazwischen ist vorläufig für Infanterie kaum passierbar, lleber diese Aecker. in die man bei jedem Schritt knietief in den zähen Boden einsinkt, kann so leicht kein Jnfanterft- angrifs geführt werden. Die Russen haben nicht so völlig unrecht, sich über dieSeesestung" Ostpreußen zu beklagen.

Die Unterstände sind sehr verschieden. Je nach der Geschicklich­keit ihrer Berserttger. Am saubersten ist dasGasthaus zum bluti­gen Knochen" gearbeitet, das richtig lleine Fenster mft Läden und Bänken und Tischen hat. Streckenweise steht das Wasser so hoch im Graben, daß ivir außen entlang gehen müssen. An der Trocken­legung dieser Strecken wftd eifrig gearbeitet. Freilich ein wenig Aehnlichkeit mft der Tätigkeit des seligen Sysiphus hat diese Arbeit.

W ttrer Stelle liegt etwa 200 Meter hinter dem Graben ein größeres "abgebranntes Bauerngut.Dort soll unsere Weih­nachtsfeier sein," jagt meftr Beglefter.Es sintz dort große Keller, die sind geweißt worden. Ein Zeichner von der zweiten Kompagnie hat die Wände bemalt, Tische und Bänke sind in; Arbeit. Hofsentlich benehmen sich die Russen anständig."

Wir gehen derweile vorwärts. treten ans dem Graben über eine lleine Lichtung, um die Gehöfte vor uns zu erreichen, da summt es vorbei, so daß wft doch vorziehen, in möglichster Deckung an das Gehöft heranzickovrmen. Wir sind eben vor der Tür, da fallen vor den Feldwagen ein paar Schüsse. Es wird beschlossen, doch nicht unnötig die Aufmerksamkeit der Russen zu erregen; und in Deckung von einem Bahndamm vrosichtig in fünf Meter Ent­fernung gehen wir zu den Schützengräben zurück. Dort frühstückt man jetzt. Mft ernsten Gesichtern meist. Dieser Krieg hier an der ostpreußischen Grenze hat nicht einmal das grimmige Lächeln, das der Krieg im Weften und in Polen zuweilen haben soll. Ein paar Kilometer hinter den Linien stehen die Häuser und Felder der Ostpreußen, die buchstäblich hier mft ihren Leibern die Heimat decken. Weil sie hier bis zum Lech in Dreck und Wasser stehen, wochenlang, weil sie hier Tag für Tag auf der Grenzwacht sind, kann der Ü-Zug ein wenig tvefter rückwärts fahren, können die Frauen an ihren Herden stehen und in ihren warmen Häusern sitzen. Es handelt sich bei allen anderen Fronten um dasselbe natürlich, aber die Riesenentsernungen machen es nicht so greifbar für das Gefühl. Hier weiß jeder Mann, wenn ich zurückgehe, flammt meine Stadl, meftr Dorf, mein Haus in Funkengarben aus. Sie werden nicht zurückgehen, aber ihr Gesicht ist erzsckpver und ernst. Ich möchte niemandem von dem Drttgestftn, das mit dem Krieg spekulierte, raten, durch die Schützengräben hier an der ostpreußischen Grenze zu gehen.Gott strafe Ätglaud!"

Wir verlassen den Graben, um vom Giebel des Hauses, in dem wir geschlafen hatten, bei dem klaren Wetter in die seftch- lichc Seite zu blicken.

Der Boden eines Bauernhauses, in dem es sehr ordentlich zugegangcn sein muß. Es ist eine von den prvtestanttschen Salz­burger Familien, die zurzeit der Gegenreformation hier ange- siedett wurden. Ein paar alte Holzsacken stellen in der Eftrünrpel- eckc. Sauber sind die Abteilungen ftir Obst, für Gerste, für Geräte, für Federn. Alles ist durch sckMale polierte Wände ge­trennt. Das kloim Fenster, das noch halb zugepappt ist, blickt genau über die russischen Stellungen. Mau sieht nftt dem Glas deutlich, wie sic anfangeu, neue Drahthindernisse zu bauen. Sic sällen am Waldrand Bäume, schleppen mit großer Selbstver­ständlichkeit alles zum Bau Erforderliche in die neuen Linien. Als sie an einer Stelle, an der ihre Festsetzung nichterwünscht" ist, in ziemlick) dichten Kolonnen ankommen, gibt unsere Feld­wache Feuer. Die Russen lassen Draht und Pfähle liegen und laufen eiligst zum Waldrand zurück. Hinter dem weißen Gebäude steigt Rauck auf, und wie ich oben ftt den Trahtsirst Nettere und durch eine kleine Luke hinühersehe, kann ich deutlich die Russen in Kompagniestärke etwa erkennen. Es wird Meldung an unsere Artillerie erstattet, daß sie einmal hineinftrnkt.

Hinter den schwarzen Fensteröffnungen im Giebel des weißen Hauses ist die Dunkelheft an ein paar Stellen hellgrauer als an den stbrigen. Bon dott beobachten russisch« Offiziere uns, wie 'oft sie. Einmal kann man einen Kops erkennen.

Wir.müssen zurück. Die Russen haben die Eigent.ftnlichleit. bei aufllärendem Wetter dos ganze Terrain mft Granaten zu bestreuen; vor allem die großen Straßen. Man sagt sichAus Wiedersehen!"

Wie ich aus der Sttaße nach dem L-tabsgehöft gehe, vor dem mein Wagen wartet, muß ich an die lusttge und feste Redensatt des Oberstleutnants denken:Kommste übern Schwanz, so lommstr übern Hund!"

liniere Batterien beginnen gleichmäßig Ul feuern.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Märkte.

Gieße», 15. Dez. Marktbericht. Auk dem beutigen Wochenmarktc kostete: Butter bas Piund 1,101,20 Mk.; Hühner­eier 1 Stück 13I t Plq., 2 Stück 00 Mg.; Enteneier 1 St. 0 Piq. 2 St. 00 P'g.; Gänseeier 1 St. 00 Ptg 2 St. 00 Piq.; Käse das Stück 1012 Piq., Käiematte 2 Stück 56 Piq.; Tauben das Paar 1,001,40 Mk., Hühner das Stück 1,002,50 Mk., Hahnen das Stück 1,00 - 2,50 Mk., Enten Vas Stück 2,508,00 Mk., Gänse das Pid. 8070 Pig.; Welsches5 Mk.; Ochlensleisch daSPfd. 6696 Pig., Rindfleisch das Piund 80 94 Psa, Kuhfleisch 8090 Mg., Schweine­fleisch das Piund 8090-96 Pig. Kalbfleisch das Md. 80-84 Pig. Hammelfleisch das Piund 7090Mg.; Kartoffeln 100 Kilo 7,00Mk,, 1 Kgr. 8Piq-, Weißkraut das Stücks15 Pig.; Zwiebeln der Zte 12,0015,00 Mk.: Milch das Liter 22 Pig.; Aeviel der Zentner

1520 Mk.; Birnen das Piund 1215 Pig, Nüsse 100 Stück 4050 Pig. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 14. Dez. tOriq.-Teleqr. desGieß. Aiq.») Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen lhiestger) Mk. 27.5000.00, Kurhesflscher Mk. 27.6000.00, Wetterauer Mk. 00.00-00.00, Roggen lhiestger) Mk. 28.50 00.00, GerstelWetterauer) Mk. 22.0000.00, Gerste, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00 . 00 - 00 . 00 , Haser Mk. 22.1000.00, Mais Mk. 00.00 bis Mk. 00.00. Alles ab Station. Weizenmehl 0 Mk. 00.0000.00, Weizenmehl I Mk. 00.00-00.00, Weizenmehl QI Mk. 00 00 bis Mk. 00.00, Roggenmehl 0 Mk. 00.0000.00, Roggen­mehl 0/1 Mk. 00.0000.00, Roggenmehl I Mk. 00.0000.00, Weizenkleie Mk. 0.000.00, Weizenschalen Mk. 0.000.00, Roggen­kleie Mt. 00.00 -00.00, Malzkeirne Mk. 00.00-00.00, Biettreber CiO.OO - 00.00, Futtergerste Mk. 00.00 - 00.00. Alles per 100 kg ab hier.

Briefkasten der Redaktion.

<«nonyme Anfragen bleiben ««berücksichtigt.)

Gütcrrrcht. Nach der von Ihnen zu veranlaffenden Ein­tragung ins Güterrechlsregister des hiesigen Amtsgerichts muß die Bekanntmachung in der dafür zuständigen .Darmstädter Zeitung' eriolgen.

Verantwortlich fürFeuilleton",Gettchtssaal" u.Vermischtes": I. V.: A u g u st G o e tz.

vollslieder von der Zront.

Das reiche Blühen der deutschen Lyrik, das der Krieg mft einem 'Schlage hervorgelockt hat, beschränll sich nicht nur aus die Beruss- dichter und die literattsch Gebftdtten, sondern auch aus dem sonst stummen Munde des Volkes haben unzählige Stimmen gesprochen. Was aber von diesen eigentlichen Volksliedern wahr, rein und stark Ningt, das ist zum allergrößten Tell von Soldaten gedichttt, denen ein großes Erleben, der emvotteißende Schwung des Hcldengefühls die Zunge loste. Man hat mft gutem Recht schon srühtt gesagt, «daß der uralte . Baum des Volksliedes eigenftich nur noch in dem einen Ast des Soldatenliedes junge frische Zweige treibe, und imdich­tenden llnterosfizier" sah man den modernen Nachsolger des allen Barden und fahrenden Sängers. Der deutsche Soldat hat diesen Rui in dem großen Kriege trefflich bewährt und uns schöne echte Pollslieder geschenkt. Einige neue und charalleristische Gedichte dieser Att finden sich in der soeben bei Eugen Diederichs in Jena erschienenen Sammlung vonGedichten aus dem heiligen Krieg" Der Kamps". Da singt z. B. ein Muskttier des Jnsanterie- Regiments 88 bei Pargny sur «aulx am 10. S-eptembei ein weh­mütig gefaßtes Lied im schönsten Volkswn, von dem wft die erste und die letzte Sftophe iviedergeben;

Die Wälder stehn im weften Rund lind träumen in die Nacht;

Die Nebel ziehen auf dem Grund

Morgen,

Ja, morgen ist tue Schlacht!

Ich denk an dich, auf stiller Wacht,

'lebt fernes Heimattal,

An Pater und an Mutter Biel tausendmal.

Die Sterne gehn am blauen Zelt In ewiger Himmelsvracht;

Ach, was ist aller Sfteit der Welt!

Morgen,

Ja, morgen ist die Schlacht!

Und sterb ich dann nach treuer Wacht

t m frühen Sonnenstrahl.

o schütze, Gott, mein Vaterland Und meine Lieben all!"

Ein Tilsiter Soldat, der Geftefte Knrschat, denkt am Biwak- seuer bei Brüssel an die ferne Heimat zurück und dichttt d-ie fol­genden schlichten Verse;

An der Memel Strand bin ich zu Haus, lieber» deutschen Rhein zog ich hinaus.

Durch das Moseltal, über die Maas.

Doch den Heimatstrom ich nie vergaß . .

Großer Schlachtcnlenker, der du oben bist,

Dtt kein treu Soldatenblut vergißt,

Schirm du meine Heimat in der Fern,

So ich für sie sterben soll, so tu' ich's gern."

Ein anderes anonymes Lied meldtt vom Kampf der Manen in Polen:

Mit stolz gebauschten Fahnen.

Die Wehr in bester Hand,

So reiten Ivir Ulanen Ins grüne Polenland.

Es stamnit ein helles Blitzen Bor unsern Reihen her.

Die blanken Speere schützen Des Deutschen Reiches Ehr . . .

Du Zar im festen Schlosse,

Hab deiner Falschheft acht,

Es brausen flinke Rosse Durch die gestirnte Nacht Es schlagen scharfe Klingen Dein Söldnervolk ins Grab,

Und Reitersüuste zwingen Dir Heilgen Frieden ad."

Ein prächtiges Requiem haben Kameraden von der 6. Kom­pagnie des 107. Reserve-Regiments ihrem gefallenen Hornisten Klein bei seiner Beerdigung gesungen.Spielmanns Tod" heißt es: Die Schlacht ist aus, ein Tag zu End,

Es reichen Freunde sich die Händ,

Dann ward zwei-, dreimal abgezähll.

Gar mancher fehll, gar mancher fehll.

Und mit dem nächsten Morgengrans Die Krankenträger zogen aus.

Wen bringen sie so bang und schwer Aus blutbefleckter Bahre her?

Der Spielman» ist's, mein Kamerad,

Der hier den Tod erlitten hat.

Jjch schau ihm still ins Angesicht,

Er sieht mich nicht, er sieht mich nicht.

Wir legten ihn ins kühle Grab,

Daß er sein Ruhebette Hab.

Und wenn ich dran vorübergeh,

Wirds mir im Herzen weh, so weh.

Auss Grab, mit Blumen überdeckt.

Ward noch ein Kreuzlein aufgesteckt,

Gott gebe ihm die ew'ge Ruh,

Laßt singen uns ein Lied dazu.

Wer weiß, ob nicht schon diese Nacht Die Kugel uns ein Ende macht?

Man grub uns ein ini grüne» Wald,

Wer weiß wie bald, wer weiß wft bald."

'Andere dichtende Soldaten Ammen mehr bewußt in den Volks­ton ein, so der Dichter des ,Liedes von Donchery", Wilhelm Her­manns, der also anhebt und schließt:

Das war der Tag von Donchery,

Und wer es sah, vergißt es nie.

Das todbereite Ringen!

Da lag die Maas, ein Silberband:

Und drüben hoch die Hügelwand,

Bon Schützengräben überspannt.

Die sollten wir bezwingen...

Und der das Lied gesungen hat.

Der lag vor Donchery, der Stabt Im heißen Kugelregen.

Er trug im Httzeu ein Gebtt:

'Du Geist, der durch dft Wellen weht,

Verleihe, daß im Kampf besteht Alldeutschland allerwegen!"

Mft gutem Humor erzählt im Tone desKönig Wilhelm saß ganz Hefter" den kühnen Handstreich, der bei der Belagerung von Antwerpen zur Uebergabe des Fott Lizele führte, Alex. Bärwald, und so lebt die gute alle Sangesftadition im deutschen Heere fott.

Die deutsch-österreichische Bündnismode. Die Wiener Frauenmode ttägt in ihren jüngsten Schöpfungen den großen politischen und militärischen Vorgängen der Zeit in gesckück ter Weise Rechnung. Besonders in Blusen, ftir die starker Bedarf sich fühlbar macht, weft die Bluse bei der herrschenden Einfachheit besonders zur Geltung kommt und man sie auch statt eines Abend Neides ttägt, macht sich eine deutsch-österreichische Bündnisnwde gellend. Ta ist zunächst dft sogenannte Bündnisbluse, die nach einer Schilderung desKonfektionärs" aus seldgrauem Tuckw hergestellt ist, eine lleine Brusttasche und am Halse einen Steh ttagen mit schwarzwttßem Borstoßc bat. Dazu gekört eine Kra walle, die ohne Schleife inir aus zivei hängenden Enden besteht. In diese ist der österreichische Adler in Gold und der deutsche Im Silber eingestickt. Auch das Eiserne Kreuz, von einem gleichfalls gestickten Blätterkranze ttngerabiiit, bildet einen sehr schönen Aut putz dieser Krawatten, die am Halse von einer Sicherbeftsnadel gehalten iverden Neben diese Bündnisbluse tritt sodann eine Reibe vonFeldherrnblusen". DieH i n d e n b u r g b l u s e" ist gleich falls grau mft einem runden Kragen in den deutickeu Farben ge stickt ans weißem Grunde. DieBeselerbl nie" ist weiß mit schwarzem rundem Seidenkragen, während die blaugraue Bluse Hötzcndors" ganz militärisch zugeschnitten ist. Wie aus den hier gegebenen Farbenzusammenstellnngeu ersichtlich ist, zeigt auch die Frauenmode gegenwärtig allgemein eine Neigung zum Ern sachen, zur Vermeidung alles Ausfallenden: und diese Wirkung des Krieges aus die Mode ist geiviß als erfreulich zu begrüßen.