IM $eäi* steht. 9hm lituTj er zahlen und wenn fern Vermögen nickt reicht, muß da» Brrmögen der Frau mittterangezoge» wer de», Gütergemeinschaft vormcSgesetzt. Gütertrennung iit aber sür ben erwerbstätigen Mittelstand nicht ratsam, lr>eil dein Chniann dadurch' der idrckit eingeschränkt wird, ahne den ein ersprießliches Erwerbsleben unmöglich gemacht wird. Und Gütergemecn- schaft? — Eigentlich ein so idealer Begriff: — ein E > nstehen "für einander mit Sab ititb Gut! — Wie traurig. Daß in Wirklichkeit gerade hierdurch die vertrauende Ehefrau in >o 'schwere Not geraten kann, wenn Bürgschaften und Wechsel ein- (gelöst werden müssen, von deren Portaneenscin Sie k ine 'Ahnung hatte. Wie viele schwere Notstände sind uns gerade in der jetzigen HEriegszeit bekannt geworden. Bürgschaften und Weü-cl hängen freilich mit dem .üredrtgeben im wirtschastlichen Erwerbsleben eng zusammen und lassen sich nwl:l nie bc'seittgcii: umsomehr 'foll aber gegen das B ü r g s ch a s t s u n w e s e n und gegen das kW ech s e l u n me s c n Protest erhoben werden, das schon so viele Inmitten dem völligen Ruin zugeführt hat.
Es ist unleugbar, dass viele solcher Notstände, wenn nicht Hervorgeusen, doch bedeutend beschälst werden, weit die Frau sich in Dolllbimit-nrr Unwissenheit den Bcrmögcusverhältnisfen gegenüber befand, und das ihr seitens des Mannes keinerlei geschäftliche oder vermögcnsrechkliche Entschließungen bekannt gegeben waren. Hier setzt min unser Mahnruf ein. Er richtet sich zunächst an die Fronen selbst:
Verharrt nicht länger in Gleichgültigkeit und beaucmcr Lässigkeit diesen Permögenssragen gegenüber! Es ist Pflicht und Rech« der Fra», sich Klarheit über Größe und Verpslichtungen des Ehevcrmögcns zu verschaffen, den Mann zu unterstützen, mit ihm zu beraten und zu besprechen, — so wie cs Pflicht i>es Mannes ist, der Frau darüber volle Auiklärung zu geben! Allerdings ist diese Pflicht des Mannes in vielen Fällen nur eine moralische, keine reebiliche, weil versäumt worden ist, bei der Eheschließung diese Rechte und Pslichten der Elfesrau festzulegen. Deshalb, ihr Mütter, gebt nicht zu, daß Eure Töchter eine Ehe schließen, ohne daß durch einen gut überlegten E h e v e r t r a g'alles, was das eheliche Güterrechl betrifft, geordnet ist! Das (Rietz kann nicht für alle gleich geeignete Festsetzungen geben: die Verhältnisse beim Besitzer eines großen Ladens, oder beim Arbeiter, beim Beamten, beim Gewerbetreibenden oder Industriellen sind zu verschiedenartige, als daß das Gesetz allen gerecht werden könnte, deshalb sorgt, daß Eure Töchter in die Ehe treten mit völlig klarem Bc- wußlscin ihrer Rechtszuständigkeilci! am Vermögen, und daß diese, den jeweiligen Erfordernissen gemäß, im Ehevcrtrag geregelt werden. Dankenswerterweise geben ja viele Standesämter den zu ihnen kommenden Brautpaaren eine diesbezügliche gedruckte Aufforderung und Amveisung. Und weiterhin, ihr Frauen, überlaßt nicht aus Begucmlichkcit alle Geldsorgcu dem Mann! Wie in einer ivirklich guten Ehe alles gemeinsam sein soll, so auch diese wichtige Frage der V e r in ö g c n s v e r w a l l n n g. Kümmert Euch darum, scheut nicht Mühe und Arbeit dabei, dann werdet ihr immer Klar heit haben, und Sorgen, wie die oben erwähnten, werden Euch erspart bleiben Ruck jetzt noch müssen Männer ins Feld, sei es, daß sie verwundet gewesen und geheilt zum zweitenmal ausziehcn, sei eS, daß sie jetzt erst dort nötig sind. Die meisten von diesen, die Geschäftsleute sind, werden ihrer Ehefrau Prokura erteilen — ihat doch sogar unser Großherzog ähnlich gehandelt) — und sic dadurch ermächtigen, vollständig über alles zn verfügen, und ihn geschäftlich zu vertreten. Aber auch die Männer, die nicht über ein Geschäft zu bestimmen haben, sollten es sich angelegen sein Hassen, ihrer Frau eine Vollmacht auszustellen, die sie zur vollständigen Vermögensverioaltung oder wenigstens dazu ermächtigt, bei Einnahme und Ausgabe den Mann selbständig zu vertreten, auch bei einem etwaigen Bankkonto. Indes selbst bei Erteilung der Prokura ist die Frau »och nicht hinreichend wirtschaftlich geschützt. Hat der Mann nicht das moralische Pflichtgefühl, was man bei jeder Gütergemeinschaft voraussetzcn sollte, die Frau bei Eingehung wirtschaftlich einschneidender Verpslichtungen in das Vertrauen zu ziehen, steht sie wieder schutzlos da, sobald der Mann sich auf den gesetzlichen Standpunkt stellt. Auch solche Einzelsälle sind uns begannt geworden, selbst von Frauen, die als geschäftskundig und geschäststätig bekannt sind.
Zuletzt richten wir noch eine herzliche Bitte an die Banken, Finanzämter, Ortsgerichte, Grundbuchsbeamte und ähnliche Institute um Unterstützung in dieser Sache. Wenn z. B. diese Institute darauf drängen, daß jedes Guthaben oder dergleichen auf Manu und Frau gleichzeitig übcrschrieben würden, alle Rechte und Pslichlcn von beiden Teilen ausgeübt werden sollten —, wenn die betreffenden Behörden auf die Ehevcrtrüge. auf Käufe und Verkäufe der Ehegatten ihre Aufmerksamkeit in dem Sinne richteten, daß sie nach Krästcn für ein eheliches Güterrecht ein- träten, das beiden Ehegatten gerecht wird, so wäre schon viel geholsen.
Wir sind uns zwar bewußt, daß keinerlei rechtliche Mittel dazu zur Verfügung stehen, aber ein freundlicher- Rat, eine Erklärung der Vorteile uiw. würde manches Gute wirken. Es käme dies nicht nur der Ehcirau als persönlicher Vorteil zugut, sondern würde beitragen zur Gesundung der Vermögensvcrhältnisse beider Ehegatten. Damit wäre aber auch zugleich der allgemeine wirtschaftliche Zustand günstig beeinflußt, und Staat, Kommune und Banken müßten doch das größte Interesse daran haben, daß ein kapitalkräftiger Bestand von Steuerzahlern erhalten bleibt, ein Umstand, der in der gegenwärtigen Zeit doppeli ins Gewicht fallen sollte.
so würde ich sagen," fügte Mr. Podsnap hinzu, indem er aus seine Landsleute umherbückte und mit feierlicher Stimme sort- suhr, „daß sich in dem Engländer eine Mischung von Eigcnschaf- te», eine Bescheidenheit, eine Unabhängigkeit, eine Ruhe, in Verbindung mit dem Mangel alles dessen, was geeignet ist, die Wangen einer jungen Person erröten zu lassen, vereinigt, wie man Ne vergeblich irntcr den Völkern! der Erde suchen würde."
Das ist just der Ton, in dem heut ganz England, die Presse, die Schriftsteller, selbst die amtlichen Verlautbarungen reden England ist einzig und seine Eigeirschafteu finden in der Welt kein Scitenstück — weswegen ihm billigerweise auch alles erlaubt lein muß. was anderen verwehrt ist. Der „Podsnapism", den Dickens geschildert hat, hat gesiegt: dieser furchtbare Krieg ist ein Werk des „Podsnapism".
— Ein „Deutscher Barbaren-Buird". Dem Vorsitzenden der »uiitgesellschast, Univerjiläts-Kiirator Tr. Meyer in Salle i Saale), ist nachstehender Brief zugegangen.
Neapel, 28. Oktober 1914.
Parco Margherita 44.
Die Deutschen werden heute im Ausland Barbaren genannt. Dadurch ist Barbar ein Ehrentitel geworden. Ich schlage vor, einen Barbarenbund zu gründen, dessen Ziveck die Förderung der Äunsl. Wiisenschait uns sozialer Fürsorge ist. Ich würde es mir als Schweizer zur Ehre anrechnen, eines solchen Bundes Mitglied zu sein, und stelle. Ihnen, falls Sie sich einer iolchcu Gründung annchmen wollten, sür die ersten Kosten 3000 Mark zur Verfügung.
Mit vorzüglichster Sochachtung ergebenst gez. Arnold Ruesch, Mitglied der Kantgesellschaft.
Diese glänzende Antwort eines politischen Ausländers auf die schamlosen Verleumdungen und Schmähungen deutsckwr Gesittung kann in ihrer lapidaren, den Nagel ans den Kops treffenden Kürze kaum überholen werden und verdient deutschen Tank. De Geschichte ist nicht ohne Beispiele dafür, daß Namen, die ursprünglich Beschimpfungen sein sollten, von den damit Bedach- len svälei als Ehrennamen getragen wurden Das bekannteste sind die „Geusen", jener Bund niederländischer, mit der spanischen Serrschaft unzufriedener Edelleute. Sic wurden der Statthalterin Magarete gegenüber von deren Umgebung spöttisch als „Bettler" (Geusen) bezeichnet, nwrauf der Bimd in stolzem Selbstgefühl diese Bezeichnung als Ehrennamen sür sich airnahm. So bat denn die —> gleichzeilig von einem hochherzigen Angebot begleitete — Anregung der Gründung eines „Deutschen Barbaren- bundes" ihren Reiz. Wer zu ihr das Wort zu nehmen wünscht, wolle sich an den oben genannten Vorsitzenden der Kantgesellschast ivenden.
Ans Stadt und Land,
Gießen, 12. Dezember 1914.
Auf den» Felde der Ehre siefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Kreisgeoineler Oss-Stcllv. Heine. Weber, Zm.-Rgt. 136, ans Butzbach. — Dehrnzaun Ang. Emil Müller II., Jni.-Rgt. 83, aus Biedenkopf. — Res. Tally Bergen st ein, Res.-Ziff.-Rgt. 83, aus Marburg. — Fahnenjunker Theodor T r a u l io e i u , Znl.° Rest. It8, ans Goßlclden — Vizestldwebel der 9icf. Ingenieur Adoll Wcstcndori, Jni.-Regt. 8, aus Marburg. — Geir. Kart Maas, Jnl.-Rgt. 116, aus Aiederiveijel. — 3ici Phil. Recken- heil, Jnl.-Rgt. 168, aus Osfcnbach a. M. — Geir. der Res. Karl Sonder in an«, Zni.-Rgt. 36, aus Alsleld. — Fahnenjunker Claus S o m »i e r in e >> e r, Pionier-Bataillon 4, aus Haiger. - Welirinanu Karl Riebe sing, Juk.-Rgl. 116, aus Büdingen.
*
** Ritter des Eisernen Kreuzes: Landivehr- inann A. Ritz, Landw.-Ins.-Regt. 116, ans Mücke, bisher Briefträger in Gießen. Oberlt. Rcgierungsrnt v. More n hofsen, Feldart.-Regt.63, ans Wetzlar. Oberlt. d.Landw. Oppermann ans Wetzlar. Feldwebel d. R. Gustav .Schwing, Landw.-Regt. 20, ans Wetzlar. Res. Wilhelm Schmidt, Res.-Regt.81, aus Stockhausen. Off.-Stellv. Heß, Landw.-Inf.-Regt. 87, aus Wetzlar. Vizefeldwcbcl Buch holz, Leibgarde-Regiment 110, aus Braunfels. Lt. d. R. Block in Biedenkopf. Kanonier Georg Meier, 33. Feldart.-Regt., ans Breidenstein. Ufsz. Hch. Th am er, 172. Inf.-Regt., aus Lauterbach. Uffz. d. Landw. Rahn, Art.-Regt. 25, aus Rixfeld.
** Ersatz-Bataillon des Inf.-Regts. l l 6. Es erhielten das Eiserne Kreuz 2 . Klaffe: die Feldwebel Schmelz, Qncckbörner, Plagermann und Harnisch, die Vizefeldwebel Decher und A l b r a n d. Tie genannten Unteroffiziere gehören dem aktiven Regiment an, sind jedoch zurzeit beim Reservr-Jnscmleric-Rcgi ment 81. — Bon der 5. Komp. Jnf.-Regts. 116 erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse der Musketier Reichel, und die Hess. Tapferkeitsmedaille der Musketier Erm el.
**Die Einqnartierungsgelder. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sollen die Verpflc- gnngsgclder für die während des Monats November hier untergebrachten Landstürmer noch vor Weihnachten zur Auszahlung gelangen. Wer für einen der neu (seit 25. November) eingezogenen Leute Vergütung zu beanspruchen hat, versäume nicht, dies am nächsten Montag im Stadthause - - Seitenbau — anzumelden. (Vgl. die Bekcmnt- machung in heutiger Nummer.)
** Mietsstreitigleiten. Das Gießener Mi e ts ein igungs amt, das seit deni 3. September in Wirksamkeit ist, hat sich, wie uns von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ausgezeichnet bewährt. Bisher sind unter dem Vorsitz" oes -Oberbürgermeisters 40 Fälle von Mietsstreitigkeilen vor dem Einigungsamte durch Vergleich erledigt. Nur in einem einzigen Fall haben die Parteien das Gericht angerufen.
** Weihnachtsfeier iit den Lazaretten. Wie uns mitgeteilt wird, haben die vereinigten Vorstände des Gießener Zweigvereins vom Roten Kreuz und des Alice-Frauenvereins in gemeinsamer Sitzung einstimmig beschlossen, sür die Weihnachtsbescherungen in den hiesigen Lazaretten 2000 Mk. zur Verfügung zn stellen. De kürzlich stattgehabte Sammlung hat für diesen Zweck allein nur einen Gesamtbetrag von 635 Mk. ergeben, während für Liebesgaben an die Truppen im Felde sowie sür beide und allgemeine Zwecke je ca. 6000 Mk. eingingen. Aus dem zuletzt erwähnten Sammelbetrag sind noch 1365 Mark für die hiesigen Weihnachtsfeiern zugelegt worden. Der Betrag von 2000 Mk. wurde an die einzelnen Lazarette nach Verhältnis der Zahl der belegbaren Betten, insgesamt 1488, verteilt, welche indes zurzeit nicht alle belegt sind. Dazu kommt noch ein Zuschuß, welchen der hessische Lcmdes- vcrein vom Roten Kreuz für jeden Verwundeten in Höhe von 1 Mk. gewährt. Die Christbäume werden den Lazaretten unentgeltlich zur Verfügung gestellt: auch sind- bereits größere Vorräte von Gebäck und Lebkuchen vorhanden. Kleinere Geschenkg-egenstände sind dem Roten Kreuz ebenfalls schon zur Verteilung an die Lazarette übergeben worden. Es ist hierdurch ermöglicht, die Weihnachtsfeier für die Verwundeten in angenehmer und soweit ihr Zustand erlaubt, behaglicher Weise zu gestalten und ihnen das Fernsein von ihrer Familie tunlichst zn erleichtern. Viele Verwundete werden ja Grüße und Weihnackftsgaben aus der Heimat erhalten, aber auch diejenigen von ihnen können mit solchen bedacht werden, denen ihre Lieben nichts senden können. — Ein -größerer Teil der Sammlung mutzte naturgemäß für die im Felde stehenden und zurzeit noch Anstrengungen und Entbehrungen aller Art misgesetzten Truppen verwendet werden, denen ein behaglicher Weihnachtsabend nicht bereitet werden kann und die mit dem Nötigsten verseifen werden müssen, woran unsere hiesigen Verwundeten aber nicht Mangel leiden.
** Lichtbildcrvortrag in der Universitätsauka. In der neuen Aula der Universität sprach am Donnerstag abend in sehr anziehender Weise, durch gute Lichtbilder unterstützt, Herr A. Simmig „lieber die Südamerikasahrt des Prinzen Heinrich u. seiner Gemahlin an Bord des Dampfers „Cap Trafalgar"." Mit großer Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer den interessanten Ausführungen des Redners, dem indessen im Hinblick auf den guten Zweck — 6er Reinertrag ist für vaterländische Zwecke bestimmt - und der Gediegenheit des Gebotenen ein volleres Hans zu wünschen gewesen wäre. Ter Vortragende führte etwa folgendes aus: Am 11. März traten Prinz Seinrich nebst Gemahlin und einer Anzahl von Mitreisenden aus dein großen, der Hamburg-Amerika- Linie gehörenden Ozeandampfer „Cap Trafalgar" von Samburg aus die Reise an. Tie Anspruchslosigkeit und außerordentliche Leutseligkeit des Prinzenpaares ist bekannt und zeigte sich auch bei dieser Fahrt auss neue. Ter Prinz verbat sich jede Bevorzugung und war bald der Allerweltsliebling. Was den Dampfer selbst betrifft, so gehört er jetzt auch der Vergangenheit an. Auf seiner dritten Ausfahrt in einen Silsskreuzer umgewandelt, wurde er von deni englischen Kriegsschiff „Earmenia" aus hoher See angegriffen. Nach tapferer Gegenwehr sank er, von der eigenen Bemannung gesprengt, in die Tiefe, wobei der Führer des Schiffes Korvettenkapitän W i r t h mit noch 2 anderen Ossizieren den Tod sanden. Das telegraphisch herbeigerufene deutsche Schiss „Eleonore W ö r m a n n" rettete die übrige Mannschaft und brachte sie mitten durch eine Reihe feindlicher Schisse hindurch „ach Buenos-Aires. Redner zeigte dann an der Sand vortrefflicher Lichtbilder den Bau und die innere Einrichtung des auf der Werst Vulkan erbauten stolzen Schiffes, das an prakttscher Einrichtung und Bequemlichkeit nichts zn wünschen übrig ließ und dem verwöhntesten Geschmack Rechnung trug. Bon dem Sasen Samburgs, dem au der Elbmündung gelegeneir Cuxhafen, gelangte man in die freundliche Nordsee, an Calais, Boulognc sur Mer und Southampton vorbei in den unfreundlichen Kanal. Durch dm von dm Schiffern mit Recht gefürchteten Golf von Biscaya landete man an dem spanischen Sasm von Vigo. Ter Empfang, dm die Bewohner dieser Hafenstadt dm SchiffSvassagiercn bereitetm, war über die Maßen herzlich, ebenso war cs auch in dm portugiesischen Landungsplätzen. Das ist heittc fteilich vielfach anders gewordm. Das Hosiannah hat sich vielerorts uns gegmüber in ein „Kreuzige" verwandelt. Ein
Volk aber macht eine rühmliche Ausnahme, das sinh die Spanier/
Sic beioahren uns das althergebrachte Wohlwollen in einer geradezu rührenden Weise. Ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ihr wirklich nobles Empsinden stellen sie hoch über viele anderen Völker. Das muß in den jetzigen schweren Zcitm dankbar anerkannt werden. So stellt beispielsweise die schon gmarmte Hasen- stadl Vigo Tag und 3,acht Wachtposten aus, um den deutschen Sandclsscinffcn eine sichere Zuilucht vor de» mglischm .(brenzern zu bieten. Am S. Morgm erreichte man Lissabon, das mft seiner fteundtichm Küste einen überaus lieblichen Anblick gewährt, - aber infolge verschiedener Erdbeben und anderer Einflüsse heute nur einen Schatten früherer Größe darstellt. Es folgte dann- im Bilde die auf der Rückreise angclanscnc herrliche Insel Ma-> J beim mit dem Sauptplatz Funchal, vom Safe» aus gesehen stufenförmig ansteigend. Als Verkehrsmittel dient hier der bergan: ron Ochsen gezogene, bergab von den Bewohnern selbst gelenkte Schlitten. 'Aus deni Wege von 'Madeira durch den Atlan- lischen Ozean nach der Südtüste Amerikas durchkreuzt man eine ' von Segelschiffen viel benutzte Säsiffslinie. Ein Tag der Lust und des Sckzerzcs vilcgt der Tag zu sein, an dem die Linie oder ! der 'Aeguator überfahren wird. Am Morgen setzte ein tropischer Rcgcnfall ein, der aber nickit hinderte, daß an demßelbm Tage an den 'Neulingen die 'Schiffstaufe vorgenommm wurde. An ' den: Kap Frio vorbei gelangte man in den Safm von Rio de Janeiro, der .Sauptstadt des ungchcurm brcffilianischm I
Reiches, das allerdings nur einige zwanzig Millionen Ein- 4 wohner Hai, seiner Große nach aber bei einer Bevölkerungsdichte wie Belgien die Bewohner der ganzen Erde ausnehmcn \ könnte. Die Sauptstadt Rio hat in letzter Zeit einen bedeutenden Aufschwung genommen und zählt etwa I Million Einwohner. Bedeutend ist der Sandel in Kaffee, der ganz in dmtichm Sanden liegl^ und von keinem andeni Platz übertroffm tvird. Obwohl die Stadt einen bedeutmdcn Flächmraum besitzt, ist es infolge der . guten Berkchrsbcdingungen leicht möglich, in rascher Zeft die wichtigsten SelwnSwürdigkeiten in Älugmschein zu nehmen. In dem Fremden viertel findet sich auch die deut che Kolonie mit Kirche und Schule. Infolge in letzter Zeit getroisencr gesundheillicher . Vorsichtsmaßregeln ist Rio de Janeiro jetzt eine gesunde Stadt geworden, in der auch der Europäer leben kann. Das gelbe Fieber ist so gut wie rerschlvnndcn. An Montevideo, der Sauptstadt von Uruguay, vorüber, das auf der Rückreise besucht wurde, siihr man in den La Plata oder Silberstrom, dessen Wasser aber durchaus trübe und schlammig aussieht und der infolge seiner Brette reckit viele seichte Stellen answeist, für die Schisfahrt also ungünstig ist.
An ihm liegt die durch ihre Ausftihr an Fleisch, Häuten und Getreide berühmte Stadt Buenos-Aires. Der Name bcdeulet „gute ' Lust" oder „gute Winde". In der Tat hat Argentinien ein sehr mildes Klima und einen fruchtbaren Weizenboden. Auf den Pampas (ungeheure Wicsenflächen) weiden die halbwilden Rinder, die von den berittenen Hirten (Gauchos) mit den Lassos (Lederriemen mit Bleikugeln) gefangen werden. Tie Liauptstndt besitzt viele Sehenswürdigkeiten, schöne Straßen und össentliche Plätze und zählt Im Million Einwohner, die ihre Stadt gern das südameri- kanische Paris nennen. Quer durch die Getreideebenen Argentiniens hindurch gelangt man mit der Eisenbahn nach'dem Wein- getände lNendozas und dann auf einer schmalspurigen Bergbahn über die Anden oder Cordilleren bis zur Paßhöhe von 3990 Metern, lieber den Kamni dieses Gebirges führt die chilenische Grenze, die man in einem Tunnel überschreitet. Wenn auch Pslcmzenwuchs und Tierwelt in den Anden nicht reichhaltig sind, so ist dieses Gcbirg doch die Seimat des mit ausgebreiteten Flügeln 3 Meter messenden Condors. Tie Umgegend der Safenstadt Valparaiso (Paradicstal) weist Weingärten, Obstanlagen und Palmcnhaine aus, das Sasenbild selbst zeigt regen Schisssverkehr. De 163 000 " Einwohner zählende entadt hat durch Erdbeben (zuletzt 1906) sehr gelitten. Ter Schisssverkehr ruht in deutschen Sünden. Tie Sauptstadt St. Jago liegt etwas landeinwärts und hat ungefähr % Million Bewohner. Das chilenische Seer- und Schulwesen sind nach deutschem Muster gebildet. — De Ausführungen des Redners i wurden sehr beifällig ausgenommen.
** Stadt und Festung Gießen im Zeitalter des 30jährigen Krieges. In den alljährlich herausgegebenen Mitteilungen des O b c r hessi schcn Geschichtsvereins (Neue Folge, 22. Band), die jetzt wieder erschienen und an die Vereinsmitglicder abgegeben sind, findet sich eine für unsere Lokalgeschichte hoch interessante Ab- , Handlung von Dr. phil. Fritz B e y h o f s- Gießen über die Wirtschaftsgeschichte der Stadl Gießen während des dreißigjährigen Krieges. Im Anschluß daran soll im konunendcn Jahre von demselben Verfasser auch die Kriegsgeschichte unserer Stadt während des Rcligionskrieges durch den Oberhessischen Geschichtsverein veröffentlicht werden. Es ist unseres Wissens das erste Mal, daß diese Epoche unserer Stadt im Zusammenhang dnrgestellt wird. Dr. Bcyhoff hat ein sehr großes urkundliches Material mit viel Fleiß zu einem ] historischen Bild gruppiert, welches für unsere gesamte Bevölkerung Interesse haben dürste. Es ivüre zu begrüßen, wenn der Verfasser oder der Oberhessische Geschichtsverein die Arbeit als Sonderabdruck erscheinen lassen würde, ura die Möglichkeit der Verbreitung unserer Lokalgcschichtc für die weitere Oesfeutlichkeit zu geben.
Landkreis Gießen.
— A l l« n d o r I a. d. Lda., 10. Dez. Gestern wurde hier eine S a ni in l u n g an Lcbensniittetn und Geld kür die Notleidenden in Ostpieußen veranstaltet. Beteiligung und Ergebnis waren recht erfreulich. — Bis jetzt erhielten zwei Kriegsteilnehmer das Eijerne Kreuz, nänilich Johannes Paulus und Mclchioi Paulus. Letzterer wurde gleichzeitig zum Feldwebel ernannt.
Kreis Alsfeld.
X. Alsfeld, 9. Dez. Zum Besten der hiesigen Kriegs- f,'i r s o r g e land heule in der wicderhergestellten Walpurgiskirchc eine k i r ch e n in u s i k a l i I ch e V e r a n st a l t u n g statt. Mitwirkende waren: Ter evangelische Kirchengesangverein und der S ch ü l e r ch o r der Volksschule, beide unter Leitung von Lehrer K. Becker, kerncr Lehrer H. Landzettel, Unterossizier am hiesigen Lazarett (Tenor), und Reallehrer K. Dotter tOrgel). Es kamen Werke von Job. Seb. Bach, Felix Aiendelssohn, Schumann, Schubert, OrlandnS Lasius, Arnold Ateiidelsjohn u. a. zum Vortrag. Das finanzielle Ergebnis war günstig. I
Märkte. * I
Gieße«, 12. Dez. MarkIb e ri cht. Aui deni heutigen Wochenmaikie kostete: Butter das Piund 1,10—1,20 Mk.: Hühnereier 1 Stück 12—13 Pia-, 2 Stück 00 Pig.: Enteneier 1 St. 0 Psg.
2 St. 00 Pig.; Gänseeier I St. 0-0 Pig., 2 St. 00 Pig.: Käse das Stück 10-12 Big., Kälemalte 2 Stück 5—6 Psg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—2,50 Mk., Hahnen das Stück 1,00 - 2,50 Mk.. Enten das Stück 2,50—3,00 Mt., Gänse das P!d. 60-70 Pig.: Welsche 4—»Mk.; Ochsensictsch dasPsd. 86-96 Ptzv, Rindfleisch das Piund 90—94 Psa., Knhfleisch 80—90 Psg., Schweinefleisch das Piund 80—90 —06 Big, Katbfletsch das Vid. 80-84 Pkg. pninmelfleisch das Piund 70—90Pig.: Kartoffeln 100 Kilo 7,00—Mk„
1 (igr. 8 Psg., Weißkraut das Stück 8—15 Pig.: Zwiebeln der Ztr 12,00—15,00 Alk.: 'Milch da? Liier 22 Psg.: Aeviel der Zentner ,
15—20 Vik.: Birnen das Piund 12—15 Pig, Nüsse 100 Stück 40—b0 Pig. — Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.
Dos- 30W9 «


