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Zweite; Blatt

Jahrgang

Cstch«»! lägllch mit Ausnahme des Soiintag;.

DieGießener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Ureirblatt für den Kreis Siegen" zweimal wöchentlich. DieLan-wirlschastllchen Seit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

Srcltog, B. Dezember

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts»Buch- und Steindruckerci. R. Lange, Gießen.

Schri!tleitung,Geschästsstelle u.Druckerei: Schul- straße?. Gejchäitsstelle u. Verlage Sch riit-

leitung: «-SK112. Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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Die irische Gefahr für England.

lieber die Bewegung aus dersmaragdenen Insel" sind wir nur aus englischen Quellen unterrichtet, die selbst­verständlich nach Möglichkeit verschweigen und vertuschen. Wenn also schon dieTimes" über öfsenlliche Prolest- vcrsammlungen berichtet, die von bewassnelcn Bürgerivehren gegen eine Sprengung durch Polizei oder Militär geschützt wurden, Versammlungen, aus denen zum Gelöbnis des Nichl- eintrilts in die englische Armee ausgesordert wurde, so spricht das deutlich genug. Derartige Berichte kommen aber keines­wegs überraschend, denn man weiß, daß schon am 15. vorig. Monats in Dublin eine große VolkSvcrsaminlung staltsand, aus der einstimmig beschlossen wurde, immer nur sür Irland zu kämpscn und nimmer zu ruhen, bis Irland als freie und unabhängige Republik unter den Völkern dasteht." Erklärte doch gleichzeitig das jetzt von der Regierung unterdrückte BlattIrish Volunteer":Der einzige Weg zu deni ruhm­reichen, glücklichen Irland unserer Träume führt über den Zerfall des britischen Reiches".

Die jetzige Gärung iin Reiche Alt-ErinS, die eine Neu­auflage der während des Burenkricges dort herrschenden Be­wegung bildet, kann wicht Ivundernehmen, denn in den mehr als sieben Jahrhunderten, welche seit der im Jahre 1171 er- iolgten Eroberung Irlands verflossen sind, hat zwischen den beiden Ländern niemals Friede geherrscht, auch dann nicht, als nach langen blutigen Kriegen endlich im Jahre 1801 die Bereinigung der beiden Königreiche äußerlich vollzogen wurde. Den letzten LoSrcißungsocrsuch hatten die Iren iin Jahre 1793 gemacht, als England in einen Kampf auf Leben und Dod mit seinem jetzigen Bundesgenossen, mit Frankreich, verwickelt war. Der Ansstand wurde blutig niedergeschlagen.

Aber wenn auch die offenen BesreiungSveriuche seitdem aufgehört Häven, so fanden sich die Iren doch keineswegs mit ihrem Geschick ab, und das ganze neunzehnte Jahr­hundert hindurch hat man immer von der Tätigkeit der Gcheimgesellschasten, der Fenier, der Laudliga, derMond- scheinbanden", von ihren zahlreichen Attentaten und von dem Boykotten (daS seinen Namen von dem Kapitän Boy­kott ableitet) gehört. Die englischen Herren sorgten durch ihre Ausbeutetaktik, durch ihre Politik, deren Ziel es nach Jones Mitchells Ausspruch ist,von Pol zu Pol zu rauben", dafür, daß der durch die Verschiedenheit des Stammes, der Sprache und der Religion (Irland ist überwiegend katho­lisch) genährte Gegensatz nicht nachlicß. Dies nach Glad>- stoneS Zeugnisebenso schikanöse und niederträchtige wie grausame System" hat ein sehr patriotischer Engländer, Burke, alseinen mit großem Scharfsinn erdachten und ausgearbeitcten Mechanismus" bezeichnet, so gewiß ein Volt zu unterdrücken, arm zu machen, herabzuwürdigen und in ihm die menschliche Natur selbst zu erniedrigen, wie nur je einer aus dem bösen Witz der Menschen hervor- gegaugeu ist. Die Bevölkerung der grünen Insel ist zu besitzlosen, ausgebeuteten Pächtern herabgedrückt worden, und Irlands .Handel hat England ganz in seine Gewalt gebracht. Bon den 61 Millionen Pfund Sterling einheimi­scher Erzeugnisse, die aus Irland ausgeführt werden, gehen 53 Millionen nach England, dennIrlands Fisch ist Herren- fisch und Irlands Vieh ist Herrenvieh", und von den elf Millionen, die ins Ausland gehen, werden über zehn von englischen Häfen verfrachtet, während die zahlreichen vor­trefflichen irischen Häsen öde und brach liegen. Ist doch trotz der hohen Geburtenziffer Irlands die Bevölkerung seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts von 8>/s ans 1> gesunken, weil die englische Politik und der Hunger die Mehrzahl der Bevölkerung auS der Heimat nach dem freien Amerika vertrechen.

Dort, in der Nordamerika nischen Union, ist auch der Herd der jetzigen cuitienglischen Bewegung Irlands, und von dort aus wird die Agitation im Mutter- iande betrieben. Weiß man doch ganz genau, daß die Grcy und Genossen den Ausbruch des Weltkrieges nicht zuletzt deshalb beschleunigten, um die seit dem Ulsterkonflikt nicht mehr einzudämmende irische Gefahr zu beseitigen. Man will die Homerule-Jren als Kanonenfutter benutzen, um sie aus diese Weise bequem losznwcrden, und eben dagegen richtet sich die Agitation auf der grünen Insel, denn wenn man dort schon kämpfen will, möchte man für sich selbst Kämpfen. So sind es denn auch fast ausschließlich die Ulster- Freiwilligen, die Homerule-Gegner, welche sich zum.Heeres-

vie Duelle des Amazonenstromes entdeckt.

Dem Forschungsreisenden James Campbell Besieh ist cs auf einer langen, an Abenteuern und Gesahren reichen Expedition ge­lungen, die wahre Quelle des Amazonenstromes^zu entdecken. Zwar glaubte bereits der amerikanische Geograph Squires vor vierzig wahren, die Quelle des Ricsenstroms gesunden zu haben, doch bat (sich seine Behauptung nunmehr als falsch erwiesen. Im World Magazine gibt Campbell Beslcy jetzt einen ersten anschaulichen ^Bericht über seine bedeutende Leistung, die ein altes Geheimnis der Geographie endlich löst. Mit zehn Gefährten verließ er New Port im Juni 1013; das Ziel seiner Reise war, die unbekannten Gebiete der Quellgewässer des Amazonenstromes zu erforschen und die Statten der Jnkaansiedlungen, die er bei einer srüheren Ex­pedition entdeckt hatte, näher zu studieren. Außerdem wollte er überhaupt Leben unb Charakter der Eingeborenen dieses Gebre- tes von Südamerika näher kennen lernen. Der Weg führte zu­erst nach dcui Chanchamaya-Gcbict, einem wahren Fieberloch, in dem man sich sür dsle solgenden Strapazen akklimatisieren wollte. Tic gefährlichen Uta-Fliegen machen liier das Leben zur Hölle, und dieEspiuidia", eine Krankheit, die an den Knochen Geschwüre hcrvorrust, so dick und so rot wie Tomaten, ergreift säst jeden Europäer. Von den elf Mitgliedern der Expedi­tion wurden iüns so krank, daß sic die Weiterreise ausgebcn muß­ten; zwei andere starben nachher, der eine an einer Krankheit, der andere an der Verwundung durch einen vergisteten Pfeil, der ihn während der Kämpse nrit den Eingeborenen getroffen batte, io daß nur noch vier von der Reise glücklich zurückkehrten. Nach­dem man die Espundia überstanden hatte, fuhren die Reisenden an der südamerikanischen Küste entlang von Lima irach Mollendo, und von dort mit einer kleinen Estenbahn ins Land hinein bis Sicuani, von wo mit einer Schar eingeborener Träger und elf Lamas der Ansmarsch zu einer dreimonatlichen Reise inS Innere erfolgte. Ihr Weg führte nordöstlich durch Peru zum Titicaca- 2cc und dann über die 18 000 Fuß hohen Felsklivpen der An­den herunter nach dem säst grenzenlosen Plateau im Cuzco-Ge- biet, wo es ein halbes Dutzend Zuflüsse gibt, die wahrscheinlich oen Amazonenstrom weiter nordostwärts erreichen. Hier begann nun die Suche nach der wirklichen Quellet.Wir spürteir". er­zählt. Campbell Beslcy,etwa 25 Kilometer von den» Ort, den

dienste melden und die sich für Kitchener und French, die selbst Iren sind, begeistern, während die überwiegende Mehrzahl der Irländer auf den Standpunkt Sir Roger Casements, dem unlängst seitens des deutschen Auswärtigen Amts versichert wurde, daß Deutschland dem Jrenvolke nur natioitale Wohlfahrt und nationale Freiheit wünscht, stellt, nämlich auf den Standpunkt:Wenn dieser wirklich ein Krieg für die kleinen Nationen ist, wie seine Urheber ihn nennen, möge er dann für eine kleine Nation daheim beginnen."

Im übrigen sind wir in Deutschland weit davon ent­fernt, überschwängliche Hoffnungen auf diese irische Be­wegung zu setzen, aber sie zeigt doch, ebenso wie der schon! so "oft fälschlich totgesagte Burenausstand und die immer weiter um sich greifende Erhebung des Islam, daß has britische Imperium an allen Ecken und- Enden wankt. _

LineEmden" vor 450 Jahren.

Die Heldentaten des Kapitän v. Müller stehen gewtß bis jetzt einzigartig da in der kurzen Geschichte unserer Flotte; aber es hat auch schon früher tapfere und kühne deutsche Seefahrer gegeben, die sich vor Englands Meerherrschast nicht fürchteten und dem stolzen Mbion viel Schaden zu­fügten. Als einen solchen Vorläufer des Kapitäns der Emden" kann man PaulBencke von Danzig betrachten, dessen von Gustav Freytag prächtig der Chronik des Reimar Kock nacherzählten Abenteuer der neueste Jnsel-Almanach wieder abdruckt. Es war im Jahre 1173,daß die Englischen großen Mutwillen trieben gegen alle Osterstädte, Lübeck, Hamburg, Wismar, Danzig, und' wiewohl viele Tageleistun- gen derselben geschehen sind, konnte doch ein Vertrag der Sache nicht geraten. Deshalb wurden die Osterstädte genötigt, Schiffe in der See mit Volt und Geschütz zu halten, welche die Kaussahrt vor den Englischen betvachen ninßten. Da be­gab es sich, daß die Englischen ein großes Schiss in der See hatten, welchesJohannes" heißen mußte, nick» sic ließen sich höre», sie wollten damit die ganze See über­wachen und die Lsterlinge zwingen. An dies große Schiff der Englischen kam ein Schisser von Danzig, mit Namen Paul Bcnete, welcher auch ein Orlogschisf führte, und kam mit den Englischen in Kampf und gewann das große Schiss und brachte es seinen Herren nach Danzig." Benetc wurde nun zum Hauptmann des Schisses gemacht und setzte sich bei den Engländern bald in Respekt. Im Auftrag der Eng­länder und mit englischem Geld rüsteten einige Floren­tiner Finanzmänner zu Brügge ein großes Schiff aus, eine Galleye", die das Wappen des Herzogs von Burgund trug, mit Welschen besetzt war und einen Lombarden zum Kapitän hatte, damit man den englischen Ursprung nicht merke.Ms dies Paul Beneke hörte, "hatte er Verlangen, die Galleye zu besehen. Nicht lange dcwauf kamen die Florentiner mit der Galleye zur See, nicht anders als wem: da eine Burg oder Schloß Hergeslossen käme. Paul Beneke näherte sich der Galleye, bot ihnen seinen Gruß und frnA. woher sie kämen und wohin sie den Willen hätten." Der Kapitän der Galleye gab eine spöttische und freche Antwort,Aber er fand einen rechtschaffenen deutschen Mann vor sich. Deshalb sprach Paul zu dem Lombarden, er sollte die Flagge streichen und die Güter von sich geben, die nach England zu Haus ge­hörten, und wenn er nicht in gutem wollte, so sollte ey dennoch streichen und damit das Schiff und Gut verloren haben. Diese Worte achtete der Welsche für große Torheit, daß der Deutsche ans seinem Schiffe dem Welschen in. so großer unangreifbarer Galleye dürfte so trotzige Worte geben. Msbald war Paul Beneke und sein Volk fertig und drückten zu der Galleye heran und hielten mit dem Wel­schen eine Zeitlang Schußgefecht." Dann besaht Beneke, nachdem er seine Leute ermuntert und <rn die alte deutsche Tapferkeit ermähnt hatte, den Angriff und ließ sein Schiff an die Galleye steuern.Da entsiel den Welschen der Mut, und da begannen sich die Preußen als Deutsche zu beweisen, unverzagt wie die Löwen zu den Welschen hinzndrängen und zu schlagen, und ehe die Welschen sich das versähest, waren die Deutschen bei ihnen in der Galleye und begannest zu würgen, was ihnen vor die Hand kam. Da ließ sich Paul Beneke abermals als ein Deutscher hören und sehen; denn wiewohl die Welschen nichts Gutes mit ihren spötti­schen Worten von den Deutschen verdient, so konnte es doch das edle deutsche Blut nicht lassen, sondern mußte Barmherzigkeit beweisen gegen die, so jetzt überwunden

man bisher als die Quelle angenommen hatte, ein winziges Flüßchen ans, das weiter führte. Bis zu meinem Sterbetag werde ich diese Suche und dieses Finden nicht vergessen. Wir waren in das Herz der Araranca-Bevge eingedrungen, und der nächste bewohnte Fleck war eine elende Ansiedlung schmutziger Indianer- Hütten, genannt La Raya. Von drangen wir weiter durch Dschungel mid Morast vorwärts, eine Meile nach der andern. Und noch immer floß das trübe Wässerchen nach Nordosten. Wir erkannten, daß wir noch nicht bis an unser Ziel gekommen waren. Wir mußten die Stelle sinden, wo das Wasser westwärts sloß; dann erst wußten wir, daß wir weit genug gekommen waren, daß die Quelle des Amazonenstroms sich irgendwo herum bestndeu mußte. Und endlich fanden wir diese Stelle! Wir waren in der Mitte eines riesigen Sumpfes, erfüllt mit dem schmutzi­gen Wasser, das hernieder sickerte von den Bergen, die ans dter Ferne ungewiß herleuchsttcn. Der Fuß keines Menschen hatte je diesen Ort betreten. Ueberall schien das Wasser bewegungslos; wir folgten ihm etwa drei Kilometer, und dann bemerkten tviv plötzlich eine leise Bewegung: das Wasser floß westlich! Die Quelle des größten «tromeS des ungeheuren Flußgebietes, das das halbe Südamerika beherrscht, war gesunden, der Ansang des Ricscn- sttomes, der an Länge und Breite und Wasserinhalt nicht seines­gleichen hat aus der Erde. Es war kaum ein Bächlein, nur ein winziger Quell von 1 bis 5 Zoll Breite; aber das

Flüßchen, das von ihm ausginig, stoß nach Osten, nach

dem Atlantischen Ozean. Alles ringsum war schlammig »ich sumvsig, und dazwischen standen ein paar Gräser und zog sich Naretamoos. Wir untersuchten jeden Zoll des stehenden Wassers. Es ergab sich unzweifelhaft, an welcher Stelle das Wasser der Rich­tung des Stillen Ozeans entgegengesetzt floß; die unbestreitbare Quäle des Amazonenstroms war gesunden, der Anfang jener mehr als 6000 Klm. von Krümmungen und Windungen, die den Lauf dieses ungeheuren Flußgebietes ausmachen. Voll Eifer folgten wir dem Lauf des Bächleins. Es wurde größer. Nun war es einen Fuß breit, nun zwei, bald war cs ein richttger Fluß, der durch un­zählige Rinnsale von dem schmelzenden Schnee der Berge gespeist wurde. Verschiedene Bächlein mündeten in ihm, mehr und mehr, alle herkommend aus der schlammigen Wüste, und so folgten wir dem Quellsluß, bis er schließlich in den Vilcanota strömte, einen der westlichsten Zuflüsse des Ainazonenstroms auf seinem Wege

sich demüttgten und Gnade begehrten." Die Engländer führten nun vergebens Beschwerde, und auch als sie den Herzog von Burgund anfhetzten, der Beneke Schiff und Ware zurückzugeben befahl,iriegte dieser Legate von Paul Beneke und den «einen eine solche Antwort, daß er lediA wieder uach Hause ziehen mußte."Diese Historia habe ich gern so fleißig geschrieben dem deutschen Helden zu Ehren," schließt der Chronist.Aus dieser männlichen Tat des Paul Beneke entstand so viel, daß die Englischen deir deutschen Kaufmann zu Brügge bearbeiteten, man möchte an die Herren der Städte schreiben und noch einmal einen' Tag zu Utrecht ansetzen, sie wollten sich in allen Dingen/ billig finden lassen und nach dem Frieden trachten. /Der Kaufmann schrieb an die Herren von Lübeck, Hamburg, Danzig, der Tag wurde gehalten, die Sache vertragen. Und so ward der Fehde ein Ende, die so manches Jahr ge­währt, und die Englischen mußten geben den deutschen Kaufleuten für ihren Schaden 10000 Pfd. Sterlinge d. i. 60 000 rhein. Gulden, den Gulden zu 24 Schillinge."

Au» Hessen.

Zur bevorstehenden Kammertagung.

rb. Tarmstadt, 10. Dez. UMer dem Vorsitz des Staats­ministers Tr. v. E w a l d fand heute nachmittag im Staudehause eine V a r l a m e n t a r i s ch e B e s p r e ch u n g zwischen der Regierung und den Vorständen der l>eiden Kammern, sowie deren Finanz- und Gesetzgebungsausschüssen statt, in welcher die sür die bevor- stehenden Kammerverhandlmigen notwendig gewordenen Gesetzes­vorlagen einer allgemeinen Aussprache unterzogen wurden. Tie Regierung legte zunächst ein sog. Notgesetz vor, durch welches eine Abäiiderimg des Wahlgesetzes vom 3. Juni 1911 dahin­gehend erfolgen soll, daß die 36. Landtagsperiodc die Gülttgkeit der jetzt abgelausenen .30 Landtagsmandate bis zum Herbst 1915 verl tim gern wird. Weiter kam eine Regierungsvorlage zur Besprechung über die Gewährung von Darlehen an bedürftige Gemeinden, wofür ein Betrag bis zu acht Millionen zur Verfügung gestellt werden soll.

Eine andere Vorlage bettisst die Wanderung des Finanz­gesetzes. Es sind in den Etatsjahren von 19111914 für außerordentliche Ausgaben insgesamt rund 38 Millionen Mark .gesetzmäßig bewilligt worden, die bisher nicht durch Anleihe be­geben wurden. Im Finanzgesctz ist nun besttmmt, daß die crsorder- tichcn Staalsmittcl nur bis zum Betrag von 10 Millionen Mark durch) Schatzanweisungen beschafft werden kömren. Da mm jetzt die Flüssigmachung weiterer Staatsmittel erforderlich wird und die gcgcnwättige Zeit für die Begebung von Staatsanleihen nicht geeignet erscheint, so schlägt die Regierung in dem Gesetzentwurf vor, zuzustimmen, daß ein Betrag bis zu 38 Millionen auf dem Wege der Schatzanweisungen bczw. Wechsel begeben werden kann.

Eine weitere Vorlage bepvccke die Abänderung des Enteignungsgesctzes in einigen Punkten, welche die Be­schaffung von Arbeitsgelegenheit und die Beschäftigung von Kriegs­gefangenen usw. betreffen. Ferner wurde ein Gesetzentwurf vor- gclegt, in rwWient die Bestimmungen über die Beschlußfähig­keit der Stadtverordnetenversammlungen und Landgemeinden nach der Landgemeindeordnung eine änderung erfahren sollen. Endlich wurde noch eine Regierungs­vorlage bekannt gegeben irnd erörtert, nach welcher für das Da r M- städter Hoftheater ein Zuschuß von 50000 Mark bewilligt und ihm weiter ein Darlehen im Betrage von 50 000 Mk< gewährt werden soll. In der Versanrmluirg wurden sämtl«i>e Vorlagen eingehend erörtert und ibncn im allgemeinen zngesttmmt. Eine feste >8eschlußfassung oder Abstimmung darüber konnte bei der verttaulicksen Beratung natürlich noch nicht erfolgen.

Au; dem Reiche.

Hannover, 10. Dez. (WTB. Nichtatnllich.) Dr. S t r e s e ni a n n ist demHann. Cour." zufolge bei der Reichstagsersatzwahl für den verstorbenen Dr. Semmler im Wahlkreise Aurich-Wittmund bei starker Wahl­beteiligung mit über 8500 Sttmmen, die bisher gezählt wurden, gewählt worden. Zwanzig Bezirke stehen noch aus.

Berlin, 10. Dez. (WTW. Amttich.) In der heittigen» Sitzung des Bundesrates gelangten zur Annahme die Vorlage betreffend Aenderung der Grundsätze über die Besetzung der Deamtenstellen mit Militäranwärtern, der Entwurf einer Bekanntmachung über die Versagung des Zu­schlages bei Zwangsversteigerungen von Grundstticken, die- Vorlage betreffend Lzöcksstpreise sür Kupfer, altes Messing usw. und die Vorlage bettesfend Höchstpreise siir schwefel- saures Ammoniak.

zum Meer. Ter Vilcanota geht in den llmbamba, der wieder in den Ucayali mündet, und dieser strömt in den Pntamayo und bildet so­mit den Amazonenstrom. Der Sirmps, aus dem der Riesenfluß ent­steht, ist in Peru nahe an de^ Grenze von Bolivien. Dicht da­bei sind die Vilcanota-Berge. Squires war mcht bis zur richtigen Stelle gekommen. Wir aber erttchteten ein dauerndes Denkmal von Steinen, um den Fleck tzu bezeichnen, weim wieder einmal ein Reisender hierher kommen sollte." Im Verlaus seiner wei­teren Reise fand Campbell Besley die Spuren der beiden ameri­kanischen Forschungsreisenden Cromer und Seljan, die verschollen waren. Nach einem langwiettgen Durchbruch durch» den dichtesten Urwald, bei dem er ihre Fußstavfen verfolgtt, kam er schließlich an die Stelle, wo sie von ihren eingeborenesnt Trägern ermordet worden waren. Auch er selbst hatte furchtbare Kämpfe mit den Wilden zu bestehen. Bor einem Ueberfall rettete sic nur die Wachsamkeit ihrer Hunde. Nachdem die Reisenden: dem Hagel der vergifteten Pfeile entkommen waren, hinten sic nach achtmonatlicher Wanderung in diesem Lande der Sümpfe und des Urwaldes, von dem große Tälle nlnr von pfeifenden Assen! bewohnt und mit wilden Bananen bestanden sind, cm Floß und fuhren die Zuflüsse des Amazonenstroms herunter, bis sie an dem Einfluß des Ucayali und des Pntamayo den HauptstrvM erreichten, und nun glücklich an das Ende ihrer gefahrvollen und erfolgreichen Fahrt kamen.

Hansin schrifken im Kriegsjatzr. Uitter deni Einfknß der großen weltgeschichtlichen Ereignisse, die schon so manches halbverschüttete edle Gut im dentsckien Volke wieder ans Tageslicht beföldcrten. entttand auch die solgenbc hübsche I n - schrift, die in Kassel der iBaumeistcr eines soeben fertig- gestellten Hauses seineni Werke zu Stutz und Frommen kommen- den Geschlechtern mit auf den Weg gegeben hak:

1911 .

In großer Zeit büi ick» geschaffen,

Wo deutsckie Mt und deutsches Schy>crt Sich gegen eine Welt in Waffen In blut'gem Kampfe neu bcivähtt.

Es ivätt hochettrcnlich, loenn die liebe alle Sitte der- Hausiii- schttsten sich wieder einbürgern würde.