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JtL 2-0 Zweiter Blatt Zahrgang Donnerstag. t0. Dezember

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieOietzener Familienblätter" werden bei» Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Nreirblett für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen »«tt

fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Akzetze?

General-Anzeiger für Gberhefien

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersiläls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung,Geschäitsstelle ».Druckerei: Schul- straße 7. Geschäftsstelle u.Berlag:^E51,Schrist- lcitung: s^KliL. Adresse lür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Ein englischer Heererlieserungz-Zkandal.

Es scheint für England unmöglich zu sein, Krieg zu fuhren, ohne daß der dringende Verdacht schwerer Mißstände bei den Heereslieferungen austaucht. Eine Bande gewissen- loser Geschäftsleute, die die Instinkte von Haifischen haben, bat das Kriegsministerium^ in ihre Macht bekommen, und das Ergebnis ist, daß der Staat für schlechte Ware fast de» doppelten Preis bezahlt, der für gute Ware angemessen sein würde." Diese bitteren Llnklageivortc sprach vor einigen Lagen im englischen Unterhaus ein liberales Parlaments­mitglied. In der Dat, wenn nicht alle Anzeichen trügen, steht England jetzt die Enthüllung eines Armeeskan­dal es bevor, gegen den die schlimmsten Mißstände im Londoner Kriegsamt während des Burenkrisges glänzend verblassen werden.

Der englische Kaufmann ist stolz darauf, einGentle­man" zu sein. Es ist das traditionelle Recht seines Standes, sich gleich fühlen zu dürfen mit dem Offizier oder dem hohen Staatsbeamten. Die moralische Heuchelei der großen Cich-Käusleute ist selbst in England beinahe sprichwörtlich geworden, und die berühmtesten englischen Romanschrift­steller haben sie oft genug mit beißender Satyre beleuchtet. Sie verleugnet sich auch heute nicht, wo England-, ivie seine leitenden Staatsinäuner nicht müde werden, zu erklären,

e r seine Existenz als Weltmacht kämpft. Selbst der Schrecken r drohenden deutschen Invasion, der das ganze englische Volk zittern läßt, kann die Londoner Geschäftsleute, die von der Regierung mit Lieferungen für das Heer betraut worden sind, nicht zu anständigeren Geschäftsmethoden be­kehren. Allmählich beginnt man sich nun in England über die schlimmen Mißstände klar zu werden, die seit Kriegs­ausbruch auf dem Gebiete der Heereslieferungen herrschen. Die Verwundeten, die vom Kriegsschauplatz in Flandern zurückkehren, erzählen unumwunden, daß das Khakituch ihrer Uiriformen von so schlechter Beschaffenheit gewesen sei, daß es schon ncnch wenigen Tagen in den Schützengräben in Fetzen auseinairderfiel. Die Soldaten des regulären Heeres, die gleich nach Kriogsbeginn nach dem europäischen Kontinent erngeschifft wurden, sind aber verhältnismäßig noch am besten ausgerüstet worden. Weit schlimmer steht es, wenn man den Anklagen glauben soll, die im Parlament und in der Presse jetzt erlwben werden, um Kitcheners neue Armee, um jene Million Rekruten, die angeblich in nächster Zeit schon in den Krieg ziehen sollen. Was diese Leute in Zuschriften an die Blätter erzählen, würde inan in Deutsch- larck> fast für unmöglich halten und spottet jeder Beschrei­burig. Es sind besonders die Stiefel, die bekanntlich bereits der französischen Heeresverwaltung so viel Sorgen machten, über deren Beschaffenheit sich die neuen Vater- lanbsverteidiger sehr bitter und anscheinend mit vollem RLcht beschweren. Die Soldaten eines Ueb rings Nigers in der Nähe von London berichteten einem Parlamentsmit- gliede, der sie darüber befragte, daß die Sohlen ihrer Stiefü bereits nach einer Woche sich völlig losgelöst hätten. Ms ein Regiment Walliser Füsiliere vor einigen Tagen an die Front ausrückte, untersuchte ein Sachverständiger die neuen Stiefel, die soeben an die Leute verteilt worden waren, und fand, daß man ihnen billige Fabrikwäre ge­liefert hatte, die den Anforderungen eines Feldzuges höch­stens ein paar Wochen genügen würde. Das Kriegsamt hat seine Heereslieferungen eben an ein paar große Firmen vergeben, die nnn nrit Erfolg berrrüt) l t sind, auf Kosten der Tüchtigkeit des englischen Heeres, ihre durch den Krieg an­gegriffenen Finanzen zu verbessern. Bezeichnend für die

Art und Weise, in der sich die Heeresverwaltung durch habgierige Lieferanten täuschen läßt, ist eine Geschichte, die das sozialistische BlattDaily Citizen" veröffentlicht. Während des Burenkrieges wurden für die Soldaten uwllene Leibbinden zuni Preise von 20 Schilling pro Dutzend be­stellt. Als der Krieg zu Ende war, hatte das .Kriegsamt aus irgend einem Grunde noch 1500 000 Leibbinden übrig. Diese verkauste die Heeresverwaltung an die Händler znin Preise von 4 Schilling pro Dutzend, was einen Berlust von über 2 Millionen Mark bedeutete. Beini Ausbruch des jetzigen Krieges stieg der Preis für Leibbinden wieder be­trächtlich, und derselbe Großhändler, der diese Ware seiner­zeit vom Kriegsamt erworben hatte, verkaufte die andert­halb Millionen Leibbinden der Heeresverwaltung wieder zum Preise von 18 Schilling pro Dutzend! Es ist kein Wunder, daß unter diesen Umständen der Ruf nach der alleinseligmachendenKommission" wieder ertönt, die Licht in diese dunklen Geschäfte bringen soll, und den räuberischen Lieferanten ihr Handwerk erschweren soll. Der Patriotismus der englischen Großkanfleute wird jedensalls durch diese un­lauteren Machenschaften in sehr seltsamer Weise beleuchtet. Me Erklärungen der Regierung, die bestrebt ist, die Wucht der erhobenen Anklagen nach Möglichkeit zu schwächen, können nicht darüber hinwegtäuschen, daß. dieseGentlemen" die Not ihres Vaterlandes in gewissenloser Weise ausbeuten. Lord Kitchener hat nicht nur mit chronischem Rekruten­mangel, sondern auch mit schweren Berwaltungsmißständen zu kämpfen.

Die finanzielle Lage Frankreichs.

Seit dem Ausbruch des gewaltigen Krieges, also seit länger als vier Monaten, sind alle Börsen der Welt und an ihrer Spitze die Berliner, Londoner, Pariser und New Parker Börsesgeschlossen eine Erscheinung, die ebenso wie die riesige Ausdehnung des Völkerringens, et­was noch nicht Dagewesenes bedeutet. Trotzdem hat sich, ohne daß, wie hier gleich angesügt sei, in der Regelung des allerdings sehr stark verminderten Wirtschaftsverkehrs, soweit Deutschland in Betracht kommt, eine nennens­werte Erschwerung bis heute nicht bemerkbar geinacht. Auch hierin offenbaren sich die ausgezeichneten Wirkungen der großartigen Neuorganisation des deutschen Kredit- und Handelswesens, die unmittelbar nach Ausbruch des Krieges in Kraft getreten ist, und die zusammen mit den glänzenden Erfolgen unseres Heeres und unserer Marine dazu beige­wagen haben, daß die deutsche Regsamkeit nach nur ganz kurzer Unterbrechung sich bereits wieder in stetig wachsen­dem Maße betätigen kann> in ebenso schroffem, wie er­freulichem Gegensätze zu unseren Feinden, deren wirt­schaftlicher Verkehr noch immer unter sehr erheblichen Stockungen schwer zu leiden hat. Am traurigsten liegen die Verhältnisse zweifellos in Belgien und Rußland und na­mentlich in Frankreich, wo das geschäftliche Leben völ­lig zum Stillstand gekommen ist. Ein recht trübes Bild bie­ten gleichzeitig die französischen Kriegsfinan­zen: Nach Angaben der französischen Blätter haben die Ausgaben Frankreichs im Kriegsmonat November allein rund 810 Millionen betragen, gleichzeitig betrugen die Ein­zahlungen bei den französischen Sparkassen, die, im Gegen­satz zu den deuffchen, vom Staate verwaltet werden, in der letzten Novemberwoche nur 509 000 FranE, die Auszah- lungen aber 6 450000 Franks und seit dem 1. Januar übersteigen die Rückzahlungen die Einzahlungen sogar nm 101 Millionen, obwohl die französische Regierung bei Kriegsausbruch sofort allerles Beschränkungen und- Erschwe-

Anzengruber-Geschichten. ,

Zu seinem 25. Todestag«, 10. Dezember.

Ein Vierteljahrhundert ist am 10. Dezember vergangen, Zeikdem Ludwig Anzengruber die Angen zum ewigen Schlum­mer geschlossen. Ein echter großer Dichter >var er, ein ur- deutscher Dramatitcr und Erzähler, voll männlich ernsten Lachens und tragischen HumorS. Das Leben hat ihn zu der stahlharten Persönlichkeit gehämmert, die so warmherzig und stark auS seinen Werken spricht: vom Schauspieler bis zum Witzblatlredakteur ein schwerer Gang durch die bunte Narrenwelt, ein ewiges Ringen um das Höchste. In dem jungen Anzengruber, dessen künstlerische Begabung noch dumpf gärte, drängten zuerst schauspielerisch: Neigungen ans Licht Wie glücklich war der Jüngling, als er auf dem von ihm später alstzarfenistenbühne" verspotteten Meid- linger Theater seine erstenRöllchen" spielen durfte! In einem spaßigen Narrikatccrenbnch ließ er später diese ersten Schöpfungen seines Geistes" in der Erinnerung austau- chen:Mischanf, ich kenne Dich, mein holder Junge," so ruft er dem Fiaker zu.Du bist mein erster theatralischer Versuch leb wohl!"Fehding! Du mein zweüer, bist teu- c rer, als der erste mir, gekauft 1 fl. 40 Krz., entfleuch." ,,Ha, > Stachllow, Du teuerster mit ausgeliehenem Bart, Du 50- i Kreuzer-Räuber, vergeh!"Francois, Du schweigsamer Do- c mestigne, den ganzen Abend sprachst Du sieben Worte!! ver­stumm auf ewig!"Vogt von Worms, in schwarzer Klci- dmcg. weißt Du, Ivas Deine schwarzen Strümpse kosten an barem, was an Müh Deine Schich-Zieraten, zieh dahin!" Schwul, ich weiß mich leider Deiner zu erinnern, an Del- nem Bart wog Spagat mid Draht vier Pfund." All diese Gestalten aus längst verschollenen alten Stücken brachten dem angehenden Minren kein Glück.

Bald befand sich der Zwanzigjährige auf ewigenKunst­reisen unter Verhältnissen, wo dos Reisen eine Ärmst war"; das Eleno der herumziehenden Schmiere hielt ihn gepackt, und fein edier stolzer Geist bäumte sich ans gegen die ewigen Statistenrollen und oie hohle Scheinwelt der Kulisse.Weißt Du nickst ein paar Häuser, wo ein Stiefelputzer, Kleider- bürster, Zimmerkehrer n. dgl. in. notwendig^ geworden?" fragt er in grimmigem (Galgenhumor seinen Freund Lipka. Sonst körmte man auch Lampenputzer. Prrdelivascher, Pferdestriegler rverdeu. Derm daß ich mir mit der Feder dasstsiitwenoige verdiene, das glaub' ich kaum, selbst iveun ick statt für die Bühne für die Bawalaffche (Harsenisten- Bühne- schreiben würde." To dünkte es ihm schließlich nock, ein Glücksfall, da er als unbesoldeterPraktikant" Arbeit bei der Wiener Polizei fano, Nun schrieb er tagsüber Steck­briefe ab; in seinen Freistnirden aber saß er in seinenr engen Kämmerlein über demPfarrer van Kirchselo", der

ihn mit einem Schlage znm berühmten Dickster machte. Unter dem Pseudonym ,H. Gruber" hatte er sein Werk bei dem Theater cm der Wien eingereicht, wo es einen starken Erfolg fano. Ein rühmender Aufsatz Laubes gab dem neuen Dichter einen Geleitbries, der ihm Eingang in allen dent- schen Landen verschasstc. Aber vom Rühm konnte er nicht leben. Rasch pochte wieoer die Not an seine Türe, und schließlich rettete ihn vor oem Schlimmsten nur eine hoch­herzige Gabe unbekannter Freunde, die wie ein Wink des Himmels zu ihm kam, ähnlich wie einst zu dem schwerkran­ken Schiller die großmütige Unterstützung des Herzogs von Augustenburg. Zur Vollendung seines MeisterromansDer Schandfleck" wurden ihm 1000 Gulden zur Verfügung ge­stellt, und Anzengruber hat zelllebens nicht erfahren, wer sein fürsorglicher Schntzgeist war. Erst nach seinem Tode wurde bekannt, daß es der Aesthetiker Prof. Wilhelm Bo- lin aus Helsingfors war, der nickst nur dem Dichter, son­dern auch der deutschen Literatur damit einen großen Dienst erwies.

Später übernahm dann Anzengruber die Redaktion des WitzblattesFigaro".Der größte Tragiker uns'rer Zeit / Der muß ein Witzblatt machen/Ein tragischer Witz bei meiner Seel' / Man möchte Tränen lachen," so hat sein Freund Rosegger bitter gereimt. Mit blutendem Herzen hat der Dichter dies Amt des Lustigmachers geführt, denn gerade damals brach schweres häusliches Unglück über ihn herein, und er mußte sich nach 16 jähriger Ehe von seiner Frau scheiden lassen. Nur in Her Kneipe, au seinem Stammtisch in derAnzengrirbe", die ermeist erschöpft und ausgehungert wie ein müde gearbeiteter Großknecht" betrat, zeigte der vom Leben Schwergeprüfte damals noch den ganzen Glanz seiner bezaubernden Persönlichkeit Wenn er seinen geradezu mär­chenhaften Riesenappetit gestillt hatte, erzählt sein Biograph Bettelheim, dann entfaltete er sein kernhaftes Urteil und seinen prächtigen Witz. Ein ordentlicher Wiener, meinte er einmal, gehe morgens ins Cafs und abends ins Wirtshaus und bleibe der Einfachheit halber gleich in einem von beiden, und als chm daraus erwidert wurde, bei solchem Leben werde man bald Kopffchrnerz haben und Gesundheit sei die Haupt­sache, antwortete er mit dem^größten Ernst:Kopfweh ist ja auch eine Haupt sacke." Seinen 50. Geburtstag feierte er noch in der Anzengrube; dann aber warf ihn seine Krankheit aufs Lager, unter Fieberträumen arbeitete er noch amFi­garo", bis er schließlich am 8. Dezember melancholisch in die Redaktion schrieb:Mir fallt nix ein!" Am Morgen des 10. schob er die Korrekturen mit den Worten fort:Schicken S' den ganzen Krempel zurück, sollen machen, ivas sie wollen!" Und bald danach verschied er nach kurzem Todeskamps. Mit I len aus den Eitelkeiten des Tages und der Arbeit ums liebe I Brot schwebte seine Seele empor in die Unsterblichkeit. . .

rnngen der Auszahlung von Sparkassen-Guthaben an­geordnet hat.

Andererseits sind cn den verflossenen vier Kriegs­monaten endlich 7 00 Millionen nationale Ver­teidig ungsscheinc mit Mühe und Not an den Mann gebracht worden, wozu nicht ivenigcr als eine Million Zeichner sich in Bewegung setzen mußten. Der Durch- schuittsbetrag der einzelnen Zeichnung stellt sich also nur aus 700 Franks, während von der deutschen Kriegsanleihe 1 177 235 Zeichner 4 460 701 000 Mark oder 5576 Millionen Franks, das ist mehr als das Siebenfache, übernommen habe». Dieser Vergleich ist für dasreiche Frankreich" äußerst beschämend und beweist aufs neue, wie wenig gerade die französische Großsinanz in der Lage ist, zur sinauziellen Rüstung, des Landes in dem erforderlichen Maße beizutragen. So sieht sich denn der Finanzminister genötigt, durch Ausgabe von weiteren Schadjvechseln, deren gesetzlicher Höchstbetrag sogar schon überschritten ist, sein dürftiges Flickiverk fortzusetzen, dessen jammervolles Bild er durch Nichtveröffentlichüng von Ausweisen der Bank von Frankreich so lange als irgend möglich zu vertuschen sucht. Wenn man hierzu noch den unbeachtet derSieges­meldungen" der Regierung auch im eigenen Lande nicht mehr unbelannten für Frankreich ungünstigen Stand der Kriegslage rechnet, so bedarf es keiner weiteren Begrün­dung mehr, daß die verdächtig laut angekündigte Wreder- öffnuug der Pariser Börse weirn sie überhaupt Mir versucht wird! weder für den Staat, noch für das Volk von irgendwelchem Vorteil sein kann.

vievrotversorgungveutschlandswährenddesttrieges.

Tie Verordnungen des Bundesrats vom 28. Oktober 1914 haben den Zweck, die Versorgung Deutschlands mit Brot bis zur nächsten Eriue uwer allen llmständen sicherzustellen. Dies tänn nur erreicht werden, wenn die Verordnungen im ganzen Volke Verständnis sinden und alle Kreis« ihre Lebens- und Wirt­schaftsführung dementsprechend einrichten. Eine kurze Inhalts­angabe dieser Verordnungen nebst ecnigen Erläuterungen, die wir hier folgen lassen, dürfte zweckdienlich sein,

Mahlfähiger Roggen und Weizen, auch in geschrotetem Zu­stande, ffioggen- und Weizenmehl dürfen nicht verflittert werdend Nur Roggcnverfüttericng kann ganz ausnahmsweise aus Antrag zugelasseu iverden. Roggen muß, bis zu 72 Proz., Weizen bis zu 75 Proz. durchgemahlen werden. Dem Roggenbrot müssen mindestens 5 Prozent Karloffelflocken, Kartoffelwalzmchl oder Kar- tofselstärkemehl oder 20 Proz. gequetschte oder geriebene .Kar­toffeln zugesetzt werden. Alehr Karwsteln enthaltendes Brot ist mitK" bezeichnet. Bei Zusätzen von Flocken usw. über 20 ProK. ist demK die Prozentzahl zuzlusetzen. Weizenbrot mutz min­destens 10 Prozent Roggenmehl enthalten. Tie Bundesratsbev- ordnung hierüber hat im Verkaufsraum zu hängen. Zuwider­handlungen sind mit Geldstrafe bis 1500 All. bedroht. Für den Großhandel mit inländischem Getreide sind Höästtpreise festgesetzt, die dem Landwirt einen auch für die heutige schmierige Zeit aus­reichenden Verdienst lassen. Eie betragen in Frankfurt a. M. für die Tonne Roggen 235 Mkl für die Tonne Weizen 275 Mk., in Mannheim je 1 ML mehr. Futter gerste muß in hiesiger Gegend für die Tonne 15 BÄj, billiger sein als Roggen. Der Höchstpreis, den der Müller für Roggen- oder Wcitzenfleie ver­langen darf, beträgt 13 Mk. für den Doppelzentner.

Tie Versorgung Deutschlands mit den wiästigsten Nahrungs­mitteln bis zur nächsten Ernte ist gesichert, mag sich der Krieg auch noch solange hiuziehen, wenn von vornherein sparsam mit den Vorräten umgegangeu wird. Unsere Feinde bauen darauf, daß Deutschland, möge es auch mit den Waffen Erfolge erzielen, schließlich doch durch Nahrungsmangel zu einem uugünsffgen Frie­sen gezwungen werden kann. Es ist die heilige vaterländische Pflicht der in der Dermal Zurückgebliebenen, jeder an seiner Stelle und in seiner Weis« dazu mitzuwirken, daß. diese Hoffnung nicht in Erfüllung geht. Sie wird nicht in Erfüllung gehen, wenn das Brot nicht vergeudet und das Brotgetreide nicht an das Vieh verfüttert wird. Alljährlich wandern große Wengen -Brotgetreide in die Futtertröge. Werden diese Mengen zur mensch­lichen Ernährung verwandt und wird mit den Nahrringsmitteln hausgchalten, so können wir unbesorgt der Zeit bis zur .Ein­bringung der nächsten Ernte cMgegeusehcir,

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