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Fürst Bülows Reise nach Rom.

Rom. 7 Dez. Fürst Bülow wirb mrmuttidj am Don­nerstag in Rom ein treffen. Nach seiner An kauft begibt sich Botschafter von Flotvw nach Neapel. Fürst Bülow durfte in der Billa Malta Wohnung nehmen.

An» Italien.

R o m , 7. Dez Heute erschien die erste Nummer eines neue», von einer Gruvve angesehener Intellektueller gegründeten Wochenblattes. Tos Programm sagt, das; diese Gruppe sich gegen diejenigen Parteien gebildet habe, die unter allen llmständen und sofort den Krieg an der Seite des Treiverbondcs wollen, und die trotz ihrer weitschallendcn Stimme nicht die Ansicht der groben Mehrheit des Landes vertreten; beim sic wollen diesen Krieg nicht iür die Nation, sondern für die Partei. Mir sind, so heißt es in einem programmatischen Leitartikel, weder fiir die Zentralmächte, noch für den Dreiverband, weder a priori für den Krieg noch für den Frieden. Wir sind für unser Land, pro Italia nostra. .Jtaüa nostra" ist denn Mich der Titel des Wochenblattes,

Tie energische Wahrung der schweizerischen Neutralität.

Bern, 7 Dez. (WTB. Nichtamtlich,.l Aus die Börstel- langen, die der Bundesrat bei der britischen und der französischen Regierung wegen des Ueberfliegens schlveizerischen Gebietes durch englische Flugzeuge erhoben hat, gab der französische Botschafter eine Erklärung des französischen Ministers des Aeußern ab, die dahin geht, daß er den Vorfall, sofern er erwiesen sei, aufrichtig bedauere. Der Bor fall könne gewiß nur einer Unachtsam­keit zugeschriebcn werden. Im übrigen lege die französische Regierung mehr als je Gewicht auf die schweizerische. Neu­tralität; sie wolle, daß diese durch ihre Truppen beobachtet werde, einerlei, ob es sich um das eigentliche Gebiet der' Eidgenossenschaft oder den darüber liegenden Luftraum handle.i Die britische Regierung ließ durch ihren Gesandten dem Bundesrat eine Note überreichen, in der sie ausführt, daß die Flieger, die an dem Angriff auf die Zeppelin-Werft teilnahmen, bcstinrnrte Weisung hatten, schweizerisches Gebiet nicht zu überfliegen. Wenn sie es den­noch taten, sei das auf Unachtsamkeit und die Schwierig- feitcn, iit großer Höhe die wirkliche Lage des Luftfahrzeuges scstzustcllen, zurückzufiihren. Aus Grimd der ihr von schwei­zerischer Seite unterbreiteten Beweise für das Uebcrftiegen schweizerischen Gebietes halte die britische Regierung darauf, dem Bundesrat zu versichern, daß dieses entgegen ihren Älhsichten geschehen sei, und spreche chm dafür ihr leb­haftes Bedauern aus. Die britische Regierung wünscht im Anschluß daran festzustellen, daß aus ihren den Fliegern erteilten Instruktionen und dein dem Bundesrate wegen ihrer Nichtbeachtung ansgefprvchencn Bedauern keine all­gemein e li S ch l ü s s e auf die chrerseitige Anerkennung des nicht unbe st ritten geltenden völkerrechtlichen Grundsatzes betr. die Gebietshoheit über dem Luftraum ge­zogen werden können.

Der Bundesrat dankte den beiden Regierungen für ihre Erklärung und benutzte die Gelegenheit, der britischen Regierung neuerdings mitzuteilen, daß mit Rücksicht darauf, daß keine völkerrechtliche Beschränkung der Gebietshoheit über den Luftraum bestehe, er letztere in v oll ein Umfange geltend machen müsse und schon bei Gelegenheit der Mobili­sation der Truppen entsprechende Weisung znm Schutze der, selben erlassen habe.

Rücktritt des portugiesischen Kabinetts.

Lissabon, 7. Dez. (WTB. /Nichtamtlich.) Das ganze portugiesische Kabinett ist zurückgetreten. Es soll ein Ncrtio- nalkabinett aus Mitgliedern aller Parteien gebildet werden.

Die Stimmung in Spanien.

Berlin, 7. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Madrid gehen uns folgende vom 28. November datierte Meldungen zu: Die allgemeine Stimmung ist unverändert freundlich für Deutschland. Die Presse bespricht hauptsächlich die englischen Schiffsverluste, das völlige Versagen der eng­lischen Flotte und schildert ferner die wirtschaftliche Lage Deutschlands als günstig. Die ZeitungDebate" schreibt, Die Unabhängigkeit der wirtschaftlichen Lage ist heute lgrößer als jemals. Sie ist begründet in der eigenen Erzeugungs- kraft und der Festigkeit des inneren Handels, wogegen die Beschränkung des Außenhandels wenig in die Erscheinung tritt. Die Aussichten für die Heimkehr deutscher Wehrpflich­tiger sind gleich Null. Die Franzosen und Engländer unter­suchen peinlichst die neutralen Schiffe. Zuverlässige Nach­richten aus Marokko bestätigen die schwere Nieder­lage der Franzosen bei Kenifra, südlich von Me- kines. Die Verluste der Franzosen betrugen 30 Offiziere und achthundert Mann. Ferner erbeu­teten die Berber 8 Geschütze. Die Nachricht rief in ganz Marokko große Bewegung hervor, besonders machte die Er­oberung der Geschütze Eindruck. Die Franzosen brin­gen jetzt alte, aus Marokko her a us gezoge n e Truppen über Marseille wieder zurück. Ein französisches, auf Veranlassung der französischen Gesandt­schaft gegründetes Handelskomitee in Tanger ver­sucht, bei dem Generalrcsidenten in Rabat zu erwirken, daß die Deutschen und Oesterreichern gehörigen Vermögensstücke durch die marokkanische Regierung gleichwie in der französi­schen Zone mit Beschlag belegt werden, ebenso auch das bei der Gründung der marokkanischen Staatsbank beteiligte deutsche und österreichische Kapital sowie der Anteil der deutschen Banken beim marokkanischen Dabakmonopol.

Tie englische Rekrutierung.

Kopenhagen,?. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der mi- lirärischc Mitarbeiter derBerlingske Tidcnde" schreibt: Kitchcner hat ungeheure Schwierigkeiten mit der Ausbildung des neuen Heeres für die Verbündeten. Wäh­rend Deutschland die junge Mannschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt mit altei, Hilfsmitteln in die Kasernen der alten Mannschaft zu systematischem Unterricht einberust, ist der Militärdienst in England ein Erwerbszweig mit h o h c n L ö h n e n und bedeutenden Pensionen für die Hinter­bliebenen der ffstsallenen und Verwundeten. Die Kasernen aber sind nur für eine geringe Anzahl berechnet. Neue Rekru­ten treten täglich ein und erschweren somit den Unterricht. Offiziere und Unteroffiziere fehlen. Es ist schwierig, den Sol­daten militärische Disziplin beizubringen, da sie darin keine Vorschule haben.

Rene englische Schiffe.

London, 7. Dez. lWTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. In der Flottenliste für Dezember be­finden sich unter den neuen Schissen die leichten .Kreuzer E a m b r i a n",W a l l a r o c", der PanzerkreuzerI m - verieuse" und verschiedene Torpedoboote. Das Flaggen-« schiss einer Flottille erhielt den NamenB o t h a". Der Pan­zer sür das neue PanzerschissRoyal Oai" ist fertig; es soll bald in Dienst gestellt werden.

Schwedische Dampfer auf russische Minen gestoßen.

Stockholm, 7. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) 'Die schwe­dischen DampferL u n a" aus Stockholm undEverild e" aus Helsingborg sind bei Mäentyluoto in den Finnischen Schären auf Minen gestoßen und gesunken. Bon derLuna" wurde die ganze Besatzung gerettet, von derEverildc" nur ein Mann

Die deutsche Politik in Südafrika.

" erlin, 7. Dez. (WTB. Amtlich.) Deutschland und die südafrikanische Union: Bon burischer Seite wurde die Kaiserliche Regierung um die Abgabe einer Erklärung über die Stellung Deutschlands zu der Südafrikanischen Union während des gegenwärtigen Krieges gebeten. Der Staats­sekretär des Reichskolonialamts hat daraus folgende Er­klärung abgegeben:

lim den in keiner Weise provozierten Einfall englischer Trup­pen in das Schutzgebiet von Dcutsch-Südwestasrika zu entschul­digen, und um in den Augen der bolländischen Bevölkerung Süd­afrikas, deren überwiegende Mehrzahl gegen eine solche Maß­nahme war, diesen Schritt zu rechtfertigen, haben Mitglieder des Ministeriums sowie des Parlaments der Südafrikanischen Union össentlich und vrivatim behauvtet, die deutsche Regierung beab­sichtige im geheimen, Südafrika in Besitz zu nehmen und cs zu einer deutschen Kolonie zu machen. Die deutschen Streitkräste in Deutsch-Südwestafrika hätten das Territorium der Union verletzt, ehe Feindseligkeiten von seiten der südafrikanischen Regierung unternommen worden seien. Deutschland habe also den Angriff provoziert. Falls man keine Gegemnaßregeln ergriffen hätte, würde das Schutzgebiet von Deutsch-Südwestafrika als Basis für militärische Operationen gegen die britischen Schisse, welche den Verkehr zwischen Südafrika und Europa besorgen, benutzt und der tlnion unabsehbarer Schaden zugesügt worden sein. Ta die deutsche Regierung dem Eindrücke zu begegnen wünscht, den diese falschen Nachrichten auf alle Slldasrikaner gemacht haben, erkläre ich fol­gendes: Die deutsche Regierung hat niemals den Wunsch oder die Absicht gehabt, das Territorium der Südafrikanischen lllnion vorübergehend oder dauernd zu besetzen, noch auf irgend eine Art die deutsche Herrschaft über die tlnion oder über Teile dieses Lan­des zu erzwingen, weder durch militärische Einsälle von Deutsch- Südwestairika aus, noch in irgend einer anderen Weise. Soweit der Kaiserlichen Regierung bekannt gcivorden ist, ist das Terri­torium der tlnion, ehe die Südafrikanische Regierung den Angriff aus Deutsch-Südwestafrika anordnete, von dort weder zu Lande noch zu Wasser angegriffen worden. Deutschland ist überzeugt da­von, daß die Ursache dieses Krieges zwisckien Deutschland uiw Eng­land Südafrika in keiner Weise berühre. Deutschland wünsche viclmelw, die Feindseligkeiten, die ihm durch die Regierung der Südafrikanischen Union ausgezwungen worden sind, ernzustellen, vorausgesetzt, daß auch die Regierung der Union von weiterem feindlichem Vorgehen gegen deutsche Territorien Abstand nimmt und die bereits besetzten Gebiete wieder räumt. Die deutsche Regierung ist in diesem Falle, bereit, zu versichern, daß keinerlei Feindseligkeiten von Deutsch-Südlvestasrika aus gegen die süd­afrikanische Union unternommen werden sollen. Sollte es den Südafrikanern gelingen, einen selbständigen Start zu errichten, so wird die deutsche Regierung ihn anerkennen und seine volikische Unabhängigkeit imd serm: territoriale Integrität respektieren.

Aus dem Reiche.

Aus der Grenzfestung Straßburg. Angesichts der Meldung aus Paris, daß die Wheb,ingen bei den französischen Sparkassen seit l. Januar dieses Jahres 101 Millionen Mark be­tragen, ist die Meldung derStraßburger Post" von besonderem Interesse, daß bei der Straßburger Sparkasse schon Ende August die Einlagen die Rückzahlungen wieder übertroffen haben, und daß Ende November der Einlagenbestand sich gegen 25. Juli um 1 523 000 Mark erhöht hätte. Diese Summe würde sogar 2,275 Millionen betragen, wenn nicht 752000 Mark an Zeichnungen für die Kriegsanleihe zurückgezogen worden wären. TieStraß­burger Pos?' bemerkt dazu: 101 Millionen Rückzahlungen in Frankreich, 2,225 MUlionen neue Ersparnisse allein in der Grenz­festung Straßburg, das sind zwei beträchtliche Zeugnisse sür die wirtschastliche Kraft und Widerstandsfähigkeit in Frankreich und Deutschland.

Ueber die Behandlung der Engländer in Rüh­le b e n herrschen vielfach falsche Anschauungen. Namentlich ist die Ansicht verbreitet, daß die Behandlung zu gut sei und das Lager­kommando würde vom Publikum häufig aufgesvrdert, den inter­nierten Engländern eine möglichst schlechte Aufnahme zutell werden zu lassen. Demgegenüber muß bemerkt werden, daß die Behand­lung, wenn auch human, so doch im übrigen durchaus streng ist. Den Internierten ist jede Gelegenheit, eine Neigung zu ver­feinerter Lebensweise zu befriedigen, unterbunden. Sie erhalten alles, was sie zum Lebensunterhalt benötigen, aber nicht mehr. Jeder Luxus bleibt ans dem Engländerlager in Ruhleben fort. Damit wird dem durchaus berechtigten Empfinden weiter Bolks- kreise Rechnung getragen, angesichts der menschenunwürdigen Be­handlung, die unsere Landsleute in englischen Konzentrationslagern zum Teil zu erdulden haben.

Deutsche Fürsten auf fremden Thronen.

Europa zähll gegenwärtig im ganzen 17 Monarchieen. Darunter befinden sich nur 6, deren Herrscher nicht deutschen Fürstenhäusern entstammen; dies sind Schweden, Spanien, Italien, die Türkei, Serbien und Montenegro. Dagegen wer­den nicht weniger als 11 Monarchieen von Häusern regiert, die deutschen Blutes sind. Es sind dies Deutschland (wenn man nämlich das Reich in dieser Zusammenstellung als einen einzigen Staat betrachtet), Oesterreich-Ungarn, England, Rußland, Belgien, Dänemark, Norwegen, Rumänien, Bul­garien und Griechenland. Bon Vorteil ist die Besetzung euro­päischer Throne mit Fürsten deutscher Abkunft, wie der be­kannte Staatsrechtslehre! Professor .Konrad Bornhak im neuesten Hefte derGrenzbotcn" anssührt, für Deutschland niemals gewesen. Unter den Verbindungen deutscher Slamm- länder mit ausländischen Staaten, wie Sachsens mit Polen, Hannovers mit England, Schleswig-Holsteins mft Däne­mark, hatte nur das deutsche Stammland zu leiden, und an­dererseits verlieren erfahrungsgemäß die deutschen Fürsten-- Häuser im Auslande sehr bald das Bewußtsein ihres Ursprun­ges und lassen an Deutschfrindlichkeit nichts zu wünschen übrig. So stehen uns auch gegenwärtig drei Völker nntey deutschen Dynastien als Feinde entgegen. Das sind Belgien, England und Rußland. Das englische.Königshaus ist so rein deutsch, daß man Jahrhunderte zurückgehen muß, um nur einen Tropfen englischen Blutes zu finden. Indem Königin Viktoria, die Erbtochter des Welfenstammes, sich mit dem Prinzen Albert von Sachsen-Koburg-Gotha vermählte, wurde ein frisches deutsches Reis aus den seit Menschenaltern bereits in Englatü, ansässigen, im übrigen rein deutschen, englischen Königsstamm gepflanzt, tzioch vor SO Jahren war die Fami- liensprache am englischen Hofe deutsch. Und die englische Kö­nigin ans dem Hanse Teck stammt aus einer vom württem- bergischen Königshanse als unebenbürtig ausgeschiedenen Nebenlinie. Wenn di« Engländer mit ihrer Verfolgung des Deutschtums fortfahren, und auch die in England naturali­sierten Deutschen in Konzentrationslager einsperren, so können sie mit ihrem ganzen Königshause anfangen. In Rußland hat mim noch vor kurzem preisend mit viel schönen Reden die dreihundertjährige Jubelfeier der Dynastie Ro­manow begangen. Die Russen mußten es glauben, daß sie von echt russischen Romanows regiert wurden, anderswo hatte man dafür nur ein Köpsschütteln. Mit demselben Rechte

könnten die Hohcnzollern sich Welfen nennen, weil einmal von weiblicher Seite im 18. Jahrhundert welsisches Blut in ihre Adern gekonimen ist. War wirklich Kaiser Paul ein Sohn Peters III. und der Kaiserin Katharina II., so gehört das russische Kaiserhaus zum großen Gcsamihause Oldenburg und insbesondere zur Linie Holstein-Gottorp. Echte Slawen vom Mannesstamme her wären sie nur, wenn nicht Peter III., sondern Katharinas Günstling Soltikow der Vater Pauls I. war. Also die russischen Romanows scheiden ganz aus. Ent­weder sind der russische Kaiser und seine Großfürsten Deutsche, oder wenn sic Slawen sind, haben sie kein Recht auf den russischen Thron."

Au» Stadt »ind Land.

Gießen, 8. Dezember 1914.

**EineSitzungderStadtverordneten findet am kommenden Donnerstag nachniittag 5 Uhr statt. Die Stadtverordneten werden sich mit folgender Tagesord­nung zu beschäftigen haben: 1. Mitteilungen. 2. Gesuch des Heinrich Heyne um cstenehmigimg zur Errichtung eines Anbaues am Hause Walltorstraße 5. 3. Gesuch des Ludwig Müller um Belassung eines Firmenschildes am Hanfe Neu­stadt 15. 4. Gesuch des Ludwig Kohlcrmann wegen Anbrin­gung eines Firmenschildes am Hause Bleichstraße 10. 5. Ge­such des C. Zimmermann um Genehmigung zur Anbrin­gung eines Firmenschildes am Hause Neuenbäue 15. 6. <&> \ richtung eines Garten Häuschens auf Flur 28 Nr. 161 durch Karl Amcnd. 7. Gesuch des Heilstättenvereins um pachtweise Ueberlassung städtischen Geländes. 8. Bereitstellung eines Kredits für die Herstellung von Hausanschlüssen durch das Elektrizitätswerk. 0. Fahrplan der Straßenbahn. 10. Fahr­preis der Straßenbahn während des Krieges. 11. Gesuch um Gaszuführung in ein städtisches Gebäude. 12. Gesuch des Vereins für Länglingsfürsooge um Gewährung eines wei­teren Zuschusses. 13. Rechnung 1313/14 der Löberschen Stif­tung. 14. Voranschlag 1914/15 der Löberschen Stiftung.

** Ueber die Weihnachtsarbeiten im Gie- ßeuer Roten Kreuz schreibt uns in herzlicher Art eine Augenzeugin wie folgt:

Was Frauensleiß und mütterlicher Sinn vermögen, sah ich wieder so recht, als ich etwa vor einer Woche «new Blick tun durfte in die Geschäftsstelle des Roten Kreuzes. Die Weihnachtspakete fürs Feld wurden vor­bereitet und gepackt. Nicht nur die Wohlhabenden, nein auch die Unbemittelten, ja selbst die Aermsten hatten ihr reich­liches Scherflein bcigesteuert für die Weihnachtsbesch e- rung unserer Krieger. Viele freudige, opferwillige Liebe tat sich hier kund: manches Geschenk erzählte ungewollt eine Geschichte, so ursprünglich und ergreifend, daß man sich kaum der Tränen erwehren konnte. Wahrlich, solche Liebe wird denen da draußen das Herz warm machen und Weih­nachtsfreude auch denen bringen, welche daheim niemanden haben, der ihnen Gaben senden könnte. Die Damen des Roten Kreuzes und ihre Helferinnen hatten miteinander gewetd- eifert, um oft durch die originellsten Erfindungen den Wün­schen und Bedürfnissen unserer Krieger Rechnung zu tragen. Und neben dem Nützlichen fehlten nicht die Leckereien, die nun mal zu einem richtigen deutschen Weihnachtsfeste gehören? neben dem Praktischen kam auch die Poesie durch Weihnachts- I lied und Tannenztveig, durch sinnige Ausschmückung jeder Art vollgültig zum Ansdruck. Ein Stück echter deutscher Weih­nachtsfeier wandert da nach Ost und West zu unfern tapferen Kriegern und wir wünschen von Herzen, daß die Freude an diesem heimatlichen treuen Gruße ihnen noch erhöht werde durch den Jubel über neue herrliche Siege!"

** Ein Wohltätigkeitskonzert großen Stils steht für den Januar in Aussicht. Dem Beispiele anderer Städte folgend, wollen nunmehr auch die Sänger Gießens ihre Kunst in den Dienst der Wohltätigkeit stellen. Mit der sreundwilligen Zustimmung des Herrn Oberbürger­meisters haben sich verschiedene hiesige Gesangverein? zusammengetan und den Entschluß gefaßt, im Monat Januar einen vaterländischen Abend bezw. ein Konzert unter der bewährten Leitung des Herrn Franz Bauer zum Besten unserer durch den Krieg so schwer heimgesuchten Ostpreußen und Elsaß-Lothringer zu veranstalten. Die schon bekannte Kriegsfreiwillige" Kapelle des Herrn Musikdirektor Krauße hat ihre Unterstützung bereitwillig zugesagt. Am Mittwoch abend 9 Uhr findet die erste Gesangsprobe imFel­senkeller" statt, zu der alle sangeslustigen Männer Gießens freundlichst eingeladen sind.

** Den Verwundeten in der alten Klinik und dem kath. Vcreinshaus wurde am vergangenen Sonntag eine große Freude bereitet. Der Bauersche Gesangver- ' ein trug dortseM eine große Anzahl seiner schönste» Bolkslis- der vor.

** Angenehme Unterhaltung wurde den in

Steins Garten urttergebrallsten Verwundeten am letzten Sonntag geboten. Nachdem am Vormittag Schülerinnen ans der höheren Töchterschule durch eine Reihe schöner Lieder zur Unterhaltung der Verwundeten beigetragen hatten, erschien am Nachmittag die Gesangsabteilung dess Evang. Arbeitervereins, um unter Leitung chres Dirigenten, Musrklehrer Gernhardt, den Verwundeten durch Vortrag von gemischten und Frcmenchören eine an­genehme Abwechflüng zu bieten. Abends 5 Uhr fand daun noch ech Gottesdienst dort svatt, bei welchem Pfarrer Schwabe die Predigt hielt.

** Lichtbilder Vortrag für Vater ländische ZweL«. Der Leiter des BcröffeMlichungsdieustcs der Hamburg-Südwuer»- kanischen Dampffchisfahrtsgesellschast, Herr A S i m m i g, hat sich erboten, hier in Gießen sür einen vaterländischen Zweck einen mit 100 Lichtbildern ausgestatteten Vortrag über die im vergangenen Früdiahr nnternvnrinene Südmnerikafahtt des Prinzen Heinrich und seiner Gemahlin zu hallen. Die Reise wurde aus deni Schiss Cap Trafalgar" ausgefühtt. Tie Bilder veranschaulichen die Einrichtungen des schönen Schiffes, schildern die Seefahrt null, Rio, brasilianische und argentinische Landschaften und die Anden fahrt bis Santiago und Valparaiso. Ihre Ausnahme ist von dem Borttagenden selber veranlaßt worden, der ent genauer Kenner des ganzen Rriseweges ist. Die Universität hat die Ver­anstaltung des Vortrages übernommen und hofft im Hinblick auf den wohltätigen Zweck ans regen Besuch, der wohl um so mehr zu erwarten ist, als ja die Verttne, die sonst derartige Votträge so zahlreich in unserer Stadt zu veranstalten pstegen, in diesem Winter davon Abstand genommen haben. Der Vottrag wird am Donnerstag den 10. Dezember stattffnden.

** Wilde Gerüchte machten heute vormittag wieder einmal in der Stadt die Runde, dergestalt, daß unser Redak­tionsfernsprecher zeitweise nicht zur Ruhe kommen Sonnte. 60000, 70000, 80000 Ruffen sollten gefangen genommen und Geschütze und Maschinengewehre nach merstelligen Zahlen erbeutet worden sein. All den Fragern, die sich ver­gewissern wollten, ob man die Fahnen auShängen müsse, mußten wir leider eine Enttäuschung bereiten. Wie schnell derartige Schwindelmcldungen die Runde mochten, zeigt der Umstand, daß nicht nur aus Gießen, sondern auch aus den verschiedensten Orten der Umgegend diesbezügliche Anfragen crn uns kamen. An einer Stelle den Rameql des Ortes >vollen ivir verschweigen hatte mau bereits