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Nr. 285 Zweiter

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Dir«itferoer Zamiliradlätter" werden dem

.Anzeiger' »ierma! wöchentlich beigelegt, das Xrelrblatt für den Kreis Kletzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt *64. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

Zrettag. 4* Dezember IW

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfilätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Sieben.

Schristleitrinq.Geschältsslelle ».Druckerei: Sch»i- strabe 7. DesitiäitsstelIeu.Vcrlaq:s-»sdö1,SchrisI- Icitung: Adresse für Drahtnachrichten:

Anzeiger Sieben.

Portugals hilsstruppen für Aegypten.

Ms am 24. November öcr portugiesische Moitgrcfi die Negierung ermächtigte, auf Grund des Bündnisses mit Eng­land in den Weltkrieg einzugreifen, konnte man einiger­maßen neugierig fern, welcher Art die militärische Hilfe des kleinen, von seinem übermächtigen Verbündeten gedrängten Portugal sein würde. Die Antwort auf diese Frage wird uns jetzt erteilt. Die portugiesischen Hilsstruppen des Drei­verbandes sollen nach Aegypten gehen, um Englands arg bedrohten Besitz zu schützen. In Alexandrien und Kairo >vei­len bereits portugiesische Offiziere, die die Borboten ,der erwarteten portugiesischen Streitkräftc sind. In der ersten Dezemberhälste sollen die Truppenkontingente aus Lissabon und Oporto nach Aegypten abgehen.

Schon die langen, verzweifelten Bemühungen der bri­tischen Diplomatie, das kleine, schwache Portugal zur Hilfe­leistung zu zwingen, haben gezeigt, daß England im Gefühl seiner eigenen Schwäche auch die Hilfe des schwächsten Bun­desgenossen nicht verschmäh!. Ader man konnte immer noch glauben, daß sich die portugiesische .vvLCfe auf die Entsendung von Truppen nach Asrjka beschränken würde Wenn England setzt die Krieger der portugiesischen Republik nach Aegnpten transportieren läßt, so ist das der beste Beweis, daß die Lage der Engländer im Okkupationsgebiet am Nit geradezu verzweifelt zu werden beginnt. Für diese Expedition kann nämlich nur eine ganz geringe Truppenzahl in Betracht kom­men. Das portugiesische Heer hat sich schon seit vielen Jahren nicht mehr in einer sonderlich guten Verfassung be­furchen, und die revolutionären Wirren, die das Land bis in die letzte Zeit hinein erschütterten, haben rridit dazu beige- >ragen, die herrschenden Mißftände zu beseitigen Auf dem Papier besitzt die Armee Portugals, wie au dieser Stelle früher schon einmal dargelegt würde, zwar eine Stärke von 30 000 Mann, uno die portugiesischen Staatsmänner, die letzt englischen und französischen Berichterstattern eilfertig Unterredimgen gewähren, behaupten sogar, daß ihr Vater- land imstande sei, unter Zuhilfenahme der sogenannten Territorialarmee etwa 100000 Mann in den Krieg senden kann, aber in Wirklichkeit dürfte die Zahl der ausgebildeten Mannschaften viel geringer sein. Allerdings ist das Prinzip der allgemeinen Welxrpflicht auf Grund des Militärgcfetzes vom 2. März 1011 in Portugal eiugeführt, und jeder Portu­giese vom 16. biS zum volleirdeteii 45. Lebensjahre ist wehr­pflichtig. Die Dienstzeit mit der Waffe ist jedoch nur kurz; der Kavallerist, der noch am längsten übt, dient 210 Tage, der Artillerist nur 140 und der Infanterist gar mir 105 Tage. Hierauf tritt er in den Beurlaubtenstand über, und sein« einzige militärische Tätigkeit besteht darin, alljährlich noch zwei Wochen die Jnstruktionsschiule zu besuchen und an Schießübungen teilzunehrnen. Bon den 30 000 Mann der Feldarmee find 21000 Infanteristen, 3600 Artilleristen und 1500 Kavalleristen; der Rest entfällt auf die tzlenie- und Per- waltungs tr upp en.

Allein diese Feldarmee dürste sich in einer genügend vorbereiteten Verfassung befinden, um nach Aegypten ein­geschifft zu werden, denn die portugiesische Territorialarmee, die sich aus der Jugend von 16 bis 20 Jahren und den alten gedienten Mannschaften von 40 bis 45 Jahren zusammen- fetzt, besitzt fiir deutsche Begriffe fast gar keinen militärischen Wert. Ein Teil des Feldheeres wird aber sicherlich in Por­tugal Zurückbleiben müssen, um die immer wieder hervor­brechende revolutionäre Regung des Volkes zu unterdrücken, die erst kürzlich wieder in Lissabon in einer gefährlichen Verschwörung zum Ausdruck kani. So schrumpft die .Hilfe, die England von dem kleinen Portugal erpreßt, merklich zusammen, und wenn es hochkommt, werden etwa 20 000 Portugiesen am Suezkanal dem Ansturm der Türken ent- aegengeworfen werden. Mit der Entsendung portugiesischer Truppen nach Aegypten wird jedenfalls der schöne Traum der Franzosen, ein portugiesisches Hilfskorps in Frankreich zu begrüßen, gänzlich zuschanden. Das stolze Lllbion braucht leine Verbündeten selbst, und wenn Aegypten in Gefahr ist, denkt es nicht daran, das frcntzösische .Heer zrr verstärken,

Schlachtfeldsagen.

An dem Ort. an denl eine große Schlacht geschlagen worden, dastet Jahrhunderte lang eine denkwürdige Erinnerung, und die VolksvhaMasie ist geschäftig, diese Stätte mit einer unheimlichen Stimmung und dem Reiz des Wundersamen zu umgeben. Sicherlich werden in ferner Zukunft auch von den Schlachtfeldern in Belgien, Frankreich, Polen und Ostpreußen, auf denen jcBt die blutige Kriegsarbeit tobt und getobt hat, merkwürdige Sagen im Volke umgehen, und vielleicht wird dann dies geheime Raunen abends um Herd, dies Geschichtcncrzählen alter (Kroßmütter der einzige Wiedcrschein sein, der noch von mancher Heldentat aus dem Dunkel der Vergangenheit in die Helle der Gegenwart hinüderlcuchtct.

Die Erinnerung an viele Schlachten der Borzeit ist uns heute nur noch durch die Sage aufbcwahrt, die lairg zurückliegende Vor­gänge in dem Dämmerlicht ihrer Geichichten lebendig erballen Hai. Die Schlachtseldsagen sind zu der großen Gruvvc der Sagen von den Serien der Toten zu rechnen. Der heidnische Deutsche, der noch Pichls von Himmel und Hölle Mißte, ftagtc natürlich nach dem Hieiä, und der neuen Heimat der Toten, und mannigjacke Bor- ßellungen wurzelten da in den Gemütern, die noch beule unter ums in Sage und Märchen iortlcben. Man glaubte, daß die Toten- scrle in der Nähe ihres Leibes bei der Grabstätte bleibe, mit spuk­haftem Treiben das Bett ihres Körpers umkreise und bisiveilen wieder irdische Gestalt annehme, als Geist hervorsteige aus dem virale und daun mit deni Wind durch dir Lüfte iabre, oder man nahm auch an. daß die Toten in Bergen und Hügeln ihre Wohnung fänden und dort weiterlcbten grade io wie die Menschen. Die Geister- sammeln sich dann zu großen Heeren, und wie im irdischen Leben .wird ein Ritter, rin Heerführer oder ein Fürst ihr Beiebls- lmbcr, 'und sie kämpfen große Schlachten aus mitten im Wolkeu- iviel stjlrmischer Nächte oder auf alten Walstätten, die die Geister besonder s anziehen. Wie das Totenhcer des müden Jägers, so gibt es '-auch andere kriegerische Geisterhcrre, und die Sage von den Gefallenen in der Schlacht aus den katalaunischen Gefilden, die in der Lust den grimmen Streik iottsetzten, ist nur ein großes Symbol jeirer heißen Kämvie. die die Seelen der^geswrbencn Krieger immer wied'er über chren Gräbern auf den Schlachtfeldern aus- srchten Rdci stens steigen diese gespenstischen Scharen am Jabrestag der Schlachte in der sie den Heldentod fanden, zum alten Kampf wieder her vv < Außerdem behauptet die Sage, daß der Boden der alten Kanlpts.'äNrn noch Jabrhunderte lang rot gesärbt bleibe.

3u sanei.n inhaltsreichen Werk über die deittschc Volkssage hat Dl. Otto Böcke! eine Reihe solcher Schlachtteldiagen ptt'am- nwngestEt. S» > knüpfen sich an die lleberretie einer alten Römer- sckwnze bei Alk'eien in der Mark Erzählungen von einer mörde-

soirdern hält sich wie Shylock an de» Biutpertrag, der Portu­gal verpflichtet, aui Verlangen hilic zu senden. Als che portugiesische RevubUt dieses Ahtoinmen mit England schloß, glaubte sie freilich nicht, daß sie es sein würde, die einst dein mächtigen Verbündeten zu Hilfe würde komme» müsse», llnter ocn Soldaten, Waffen nnd Schissen, von denen in dem Bündnisvertrag die Rede ist, und die zur Ber teidigung für den angegriffenen Verbündeten verwendet werden sollen,gleichviel, ob auf dem europäischen Konti­nent oder in uberseeisäuu Kolonien", haben sich die portu­giesischen Diplomaten die englische .Hilfe vorgestellt, die ihnen zuteil iverden würde, wenn das beinah wehrlose Por­tugal angegriffen werden sollte. Zchnungslos sind sie in die Schlinge gegangen, die ihnen der schlaue Sir Edward Grey legte, und heute müssen sie parieren, und ihr ruhebedürftiges Voll in alle schrecken des Krieges stürzen. Portugal ist nicht das einzige Land, das bald dem Bündnis mit Eng­land fluchen wird.

Krtegsbricfc aus dem Osten.

Von unserem zum Ostheerc entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auck, auszugsweise, verboten.) Kämpfe auf dem Eis der Seenplatte.

Schloß . . . Nacht vom 20. zum 30. 'Nov.

Die Scheite sprühen noch clnmol auf und sallen daun zu­sammen. Die rotweißc Glut leuchtet durch den großen Saal. Der Teetisch wird fertig gemacht. Tie Herren versammeln sich ivieder. Da meldet ein Offizier:Herr Rittmeister, melde geborsamst, die Ziegelei ist in unserer hattd." Alles springt aus.Verluste?" fragt der Kommandant.Melde gehorsanist, nein. Ei» Pscrd ist ersoffen "

Tic Stimmung ist von jetzt an von den hübschen Bildern nicht mehr cittsernt, die uns von anno 70 her berichtet sind. Es werden sogar richtige Reden gehalten. Gäste, wir nämlich, und Gastgeber das Lssizierkorps dieser Abteüung triirlen aus die gegenseitige Gesun cheit und aus die verschiedensten hübschen Dinge, aus die man trinken kann. Eine neue Meldung wird von einer Ordonnanz ge­bracht:Melde geborsamst, Herr Rittmeister, eine größere Anzahl von Gesaiigcnen steht iwch nicht fest/!

Das sind unsere Russen vom Sceufer", sagt mein öster­reichischer Kainerad.

In zwei Stunden soll der Transport hier sein, Herr Ritt­meister."

Wir sitzen an niedrigen Tischen, in den schönen ttefen Stühlen.

haben wir nicht mal kurz hintereinander in New Bork Ur­aufführung gehabtM fragt mich plötzlich der Rittmeister Negelcin.

Ich hätte meine Sünden in diesem Sturm von Erleben und Fühlen wirklich fast vergessen. Jetzt wars mir wieder näher: .ja­wohl, HerrAustauschlcutnant"."

Sic sahen mir gleich so verdächtig «ms", sagt der Rittmeister, und ivrr reden ooin Jrvington-Placc-Theater und Berlin, sprechen von dem neuen Stück Ncgeleins wessen Namen ich unter kernen Umständen verraten werde, es beißtder Regimentsbefehl"), be­schließen, eine Karte an Rudolf Presber zu schreiben da meldet eine Ordonnanz: Festung Lotzen am Telephon. Herr von Negelcin legt den Bleistift und die Zigarette bei Seite und Rittmeister Negelcin ist für die nächste Zeit dienstlich sehr in Anspruch ge­nommen.

Aus der kleinen Kapelle im ersten Swck kommen Orgelklänge. Ein Landwebrmann, der sonst Küster irgendwo in Schlesien ist, sitzt an der kleinen hausorgct nnd spielt einen Choral. Soldaten und Offiziere stehen zusammen hinter den Noten und singen. Im Hintergrund stimmen ein paar Mägde mit kräftiger Stimme ein. Der halbdunkle Raum ist ganz erfüllt von den wuchtigen Tönen.

Wir tteten

Zum Beten

Zu Gott dem Gerechten,

Er schaltet und waltet

Nach strengem Gerrcht.

?luf einmal schallt die erste Strophe vonDeutschland, Deutsch­land" wie ein selbstverständlicher Anschluß empor. Dann wird es still: aus der kl einen Orgel singt und jubelt eine Fuge von Bach.

Aus der Treppe sind schwere Schritte zu hören. Die Gefangenen werden zum Verhör herausgebracht. Sie grinsen und lackten, als sie die vielen deutschen Osfiziere sehen und bald merken, daß ihnen hier die Ohren nicht abgcschnittcn werden. Drei Landwehr- männcr stehen mit aufgepstanztem Seitengewehr daneben. Der eine Mann, ein Pole, bittet denPanie rottnistrzu" um ein Stück Brot, Sie erbrüten Kommißbrotschnitten, und ihr Wohlbefinden hat

rischen Sckilacht, deren Mitstreiter iwch immer nicht genug haben, sondern in stürmischen Winternächten aufeinander loshauen, daß ine Schwerter klirren und dumpfes Scklachtqeheul durch das Dunkel hallt. Es handelt sich» dabei ioahrscheinllch um einen Kamps, der 010 zMschen Hunnen und Bojoarlern liier stattge- fundcn hat. Bon einem Hügel in der Nähe des Oedlis-Berges im Aarg«iu ging ebenfalls die jsxxge, daß dort (Rüsterscharen mit­einander kämpften. Als man im Jahre 1835 den Hügel öffnete, fand man OKuippc und schwarze Asche darin, offenbar Ueber- rcste von Kriegern, die in einer Schlacht gefallen waren. Ein heidenkirchhos bei Radeburg in Sachsen, aus dem sehr viele Aschenurnen gestruden wurden, ffl von der Bolkssage zunr Sclmu- platz fechtender Gelstrrheere gemacht worden; ebenso wird oon den Walstätten der alten Wendenkämpfc berichtet, daß hier die Schlacht zwischen den Geistern weiter tobe, und besonders hell­sichtige wollen unabsehbare Scharen erblickt haben, die gegen­einander zogen. Nach einer von Schöppner ausgezeichneten Sage aus Bayern kamen aus entern Berge bei Neuleiningen in ge­wissen Nächten bewaffnet: (üeisterschoren hervor, die sich aus der naben Ebene in Schlachtlinien ordneten. Die Führer spreng tcn auf feurigen Rossen voran, und deullick- hörte man das Klirren der Waffen, das Rasseln der Panzer, Pseldgeschrei und Stöhnen der Verwundeten. Mit der neunten Stunde habe sich dann das Heer wieder in den Berg zurückgezogen. Eine Hoch­ebene bei Frankenberg in Kurhessen wird dieTotenhöhe" ge­nannt. 'Auch hier soll in grauer Borzeü eine Schlacht geschlagen worden sein, und icdesmal. wenn der Jahrestag dieses blutiges Geschehnisses wieder kehrt, erheben sich in der Nacht die Geialle- nen und beginnen von neuem das grausige Spiel. Me Walt rrt seiner -Sammlung hessischer Sagen aufgi^eichnet hat, sahen in einer Winternacht Holzhauer, die über die höhe gehen wollten, diese Kämpfe der Toten, die so ingrimmig und wild aufeinander cinhieben, daß dumpf der Boden dröhnte. Voll Schrecken und Angst warsen sie ihre Aerie weg und eilten den heinrischen Hütten zu. Ms sie am Morgen wieüerkamen, um ihre Aexte zu suchen, fanden sie sie iricht, sondern iahen nur ihvc eigenen Fußtritts im Schnee. Amsteinernen Kreuz" bei Selb im Fichtelgebirge sollen allnächtlich die Kaiserlichen und die Schweden miteinander kämvien, wie sie es im Dreißimührigen Kriege taten, und von Geisterichlachten zwischen Schioeden und Kroaten wirb berichtet, die alle sieben Jahre beim Dorfe Waldsisch bei Möhra in Thüringen stattffnden sollen. Selbst aus so naher historischer Zeit, wie 1806, sind Sagen im Schwange; sic haben sich besonders mit dem Schlachtfeld bei Jena beschäftigt und erzählen, daß aus den Massengräbern der Gefallenen dort allnächtlich die GeMr ausstchcn und Preußen und Franzosen uriteinauder weiterringen.

sich mir das Aeußcrslc^ gesteigert. Niemand von ihnen kann Deutsch. Stillgestandcn!"Stoj eickwkominandiert der Hauptmann, Bcz krokn, inarsz!" Ohne Tritt Marsch! Und die Gesell- ickiast scyt sich unter ihrer Bedeckung ivieder nach unten in Be­wegung. Es sind alles Reserveinänncr des Regiments 303.

Inzwischen ist auch unser Führer vovi Vormittag zurück­gekehrt und berichtet, daß die Ziegelei total zerschossen sei. Ein paar verwuirdelc Rnssen Milden noch über bas Eis transportiert. Der Stabsarzt wird benachrichtigt.

Die Batterien sollen noch in nächtlicher Beschießung ein Ge­bäude unter Feuer nehmen, von wo die deutschen vorgeschobenen Patrouillen beschossen wurden. Ziel ist bekannt. Beschietzung daher mit hilssrichtung durch Lichtsignal möglich.

Wir gehen durch den nächtlichen Park, in dem Nebel quirlt. Mau kann keine zehn Schritt sel>eu. Die Bäume sehen wie Uw- gehcuer aus. Die Kauoniere der Batterien stehen in Reihen hinter ihren halb in den Boden vergrabenen (beschützen. Der Donner bei den Batteriesalven ist hier bei den schivcren Flugbahngcschützeit kaum zu ertragen.

In den blitzsauber gearbeiteten Erdhütten brennen kleine Stall- lampc'ii. Ein Freiwilliger liest mit gleichmäßiger, twckcner Stimme einen Brief seines Bruders vor, der in Frankreich steht. Wort für Wort ist deutlich zu dören: . . . Seit den letzten September- tagen ist nickit-s Neues, Wir sind Vorposten iwftlid) Verdun, haben großartige Feldbescstiguiigen angelegt. Mal schießt der Feind, niat schießen wir. Aus den Argounen klingen die täglichen und die nächtlichen Kämpfe herüber. (Hestern abend kani die Nachricht vom chilenischen Seesicg unserer üreuzer. Nnsere Division feierte cs dadurch, daß wir Württemberger um zwöls Uhr nachts dreimal Hurra schrien. Ter Eftolg war >rroßarttg. Es begann io fort ein wüstes Schießen der Franzosen, die in deni Novembernebrl einen Angriff wohl vernnitelcn. Eine halbe Sttinde pfefferten sic sogar mit Lchrat'ilclls und Granaten . . .

Batterie feuert". Das Donnern bricht den Brief mitten durch.

Wir gingen zurück nach deni Sckiloß. 'Aus einem kleinen Hause vorher schiinmert ein ioarnies, gelbes Licht, das jrch tapfer gegen den Nebel behauptet. Plötzlich tätlt »nr ein, daß heute der erste Mvent war. Rolf Brandt, KriegÄierrchterstatter.

Zum Soll Belgrads.

Belgrad, serbisch Beograd (weiße Burg), die nun ge­fallene Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Serbien, ist an der Stelle gelegen, wo sich, die hier 400 Meter brette «ave in die 750 Meter breite Donau ergießt Die Stadt besteht aus einer Festung uird der eigentlichen Stadt, die durch einen Stadtpark verbunden sind. Die Festung zer­fällt wiederum in zwei Teile: der obere liegt auf einem Bergrücken, der gegen die >-oave steil (47 Meter) abfällt, zur Donau dagegen sanft sich neigt, und durch eine UM moderne llmwallung mit Mauern und Gräben gegen Westen rrnd Südwestcn geschützt ist. Die untere Festung, Wasser­festung genannt, beherrscht beide Flüsse. Schon in römii- schcr Zeit hatte in der Stadt, die damals Singtdnnum hieß, eine Legion chr Standquartier. Am Mittelalter nannte man Belgrad Mba graeca (Grieckstsch-Weißenbürg). Sie war vom 7. bis 0. Jahrhundert im Besitz der Avaren, im 10. herrsch­ten in ihr die Bulgaren, in den beiden folgenden Jahrhun­derten stand sie unter der Botmäßigtzett des byzantinischen Kaisers. Die Mongolen richteten in den Jahren 124142 bedeutende Verwüstungen in Belgrad an. Erst im 14. Fahr- hiliidert gelangte die Stadt unter serbische Herrschaft, ging als ungarische Grenzfestung am 20. 'August 1521 an die Tür­lei verloren, denen sie von den Deutschen und Ocsterreichern 1688 und nach dem berühmten Sieg Prinz Eugens 1717 ent­rissen wurde. Trotzdem fiel Belgrad nach dem in ihren Mauern abgeschlossenen FricdenSvertrag 1730 nebst einem Teil Serbiens an die Türkei zurück, limrde aber 1789 noch einmal von den Oesterreichern erobert. Nach der serbischen Erhebung im Anfang des 10. Jalfthunderts wurde Belgrad Hauptstadt des neuen Fürstentums, doch blieb die Festung in den Händen der Türken, welche erst im Jahre 1867 durch diplomatische Verhandlungen zu ihrer Aufgabe veranlaßt imlrden.

Die heittige Stadt ist in sieben Bezirke geteilt, und namentlich das ehemalige Türtenviertel macht in seiner modernen Ausgestaltung mit schönen breiten Straßen einen stattlichen Eindruck. Die Bevölkerung hat stark zugenom- mcn, sie betrug 1884 nur 26 651, heilte 00 000 Menschen, in der '.lAehrzahl Serben, neben ihnen Serbo°Ä)tazedonier, Grie» chen, Zinzaren uno eimge wenige Deutsche, Tschechen und Ungarn.

Budapest, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DerPesfi- Hirlap" meldet aus Semlin: Die schweren Geschütze unserer Akk o n i t o r e begannen vor einigen Tagen die Festung Belgrad unter hefttges Feuer M nehmen. Die ausgezeich­nete, energische Arbeit hatte bald einen entsprechenden Er­folg: Die 28-Z e n tim e ter-Ge sch ütze des Fein­des; die französischen Ursprungs sind, wurden zum Schweigen gebracht; ihre Mannschaft erlitt schwere Ver­luste. Ms der Bericht über die vernichtende Wirkung unserer schweren Geschütze erstattet wurde, vollführten unsere am Seinliner User stehenden Truppen eine Bravourleistung: Sie setzten über die Donau, gelangten nach Eiqenerie, nacki der Zigeunerinsel und von dort in die feindliche Hauptstadt. Gestern früh, noch während der beiderseitigen heftigen Kano­nade, begann der Uebergang unserer Truppen aus der Eisenbahnbrücke, die für den 'Fußverkehr wieder hergestellt worden war. Inzwischen warfen bei der Zigeirnerinsel unsere eingedrungenen Truppen die Settben ans den nächst dem Bahndamm gelegenen Deckungen hrnaus und nahmen Top- tschider und den ganzen Westteil der Stadt. Zugleich drang jener Teil der Truppen in die Stadt, der nach der Einnahme von Obrenowatsch an der Save entlang vorgerückt war. Iln sere Truppen begannen noch im Laufe des Tages mit der Herstellung einer Schiffbrücke. Die von der Heeres­leitung zur Verfügung gestellten Sckftffe sind von Neusatz auf Semlin unterwegs, um bei der Abwicklung der Trans­porte behilflich zu sein.

B u d a p e st, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter drücken ihre Freude über den Fafl Belgrads aus. DasNeue Pester Journal" schreibt:

Mit der Eroberung Belgrads wird die ziveite Etappe des serbischen Feldzuges beginnen, deren Ziel kein anderes sein kann als die vollständige >l n t e r w c r s u n g des Königreichs. Daß aus dem Wege zu diesem Ziele noch mancherlei große und harte Schwierigkeiten zu überwinden sein werden, und daß das serbische Heer, so sehr cs anch bis her gelitten, sich uns doch noch mit dem Mute der Berzweis lung eutgegcnstcllen wird, darstker.täusch, ff<i, sck,ii es-'ift,