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geschiffte» Truppen sich nicht äußern; sie sei aber loeft großer, als mau sie sich vorstelle.

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Eine neue Art des englischen Lügenseldzuges.

Tie englische Regierung begnügt sich nicht damit, den Lügenfeli^ug gegen uns durch die Zeitungen zu führen. Sie ^-.breitet neuerdings unter den deutschen Kriegsgesangenen in Frankreich und 'England auch Broschüren über die Vor­geschichte des Krieges und seine angeblichen Ursachen. Natür­lich w-ird dabei ganz einseitig die Darstellung verfochten, daß unsere Feinde frei von jeder Schuld au dem Weltkriege seien.

Wenn England etwa hoffen sollte, auf diese Weise in den deutschen Kriegsgefangenen neue 'Apostel für die Ver­breitung dieser bewußten Geschichtsfälschungen zu sinden, so täuscht es sich.

Tie gewissenlose Selbstsucht, mit der man von London aus seit langen Jahren den jetzigen Vernichtungskampf aller gegen alle vorbereitet hat, ist durch die eigenen Urkunden unserer Feinde beglaubigt und liegt so offen zutage, daß der Versuch, das Gegenteil zu beweisen, nur bei denen Be­achtung finden wird, die ihre eigene Mitschuld verschleiern mochten. Deutsche Ohren sind gegen diese Einflüsterungen taub.

Wieder ein Erfolg deutscher Unterseeboote?

München, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) DieMün­chener Neuesten Nachrichten" melden aus Amfterdain: Das englische DampfschiffEarl o s A b c r d e c n" wurde, wie dieCentral News" berichtet, zwischen Aberdeen^ und Hulk durch ein deutsches Unterseeboot zum Sin­ken gebracht. Die Mannschaft tonnte gerettet werden. (Notiz des WTB.: Nach anderer Meldung soll der Dampfer ein englisches Unterseeboot gerammt haben, in Hüll festgc- halten und Kapitän und Besatzung verhaftet sein.)

Tie Neutralität der Schweiz.

Berlin, 3. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur. Bei Besprechung der Verletzung der schweizerischen Neutralität; durch englische Fli e ge r o ff i z i e r e wird in einem Teil der schweizerischen Presse ein von süddeutschen Blättern gemeldeter angeblicher Neutralitätsbruch, begangen durch den britischen Gesandten in Bern, Grant Duff, erörtert. Es ist richtig, daß Anfang Noveinber der englische Gesandte eine Autom'obilsahrt in der schweizerischen Rhein- und Bo­denseegegend unternommeii und sich in Rom ans Horn aufgehallen hat, wo er mft Erlaubnis des dortigen katho­lischen Psarrers oen Kirchturm bestieg. Es wird sestgestellt: 1. daß an dem betreffenden Tage nebliges Wetter herrschte und Friedrichshafen und das deutsche Bodenseeufer, wenig­stens mit bloßem Auge, nicht sichtbar waren; 2. daß keiner der drei an dem späteren Fluge beteiligten Aviatiker den Gesandten begleitet hat. Ferner ist zu bemerken, daß der englische Gesandte zur Erlangung des nötigen Passierschei­nes dem Armeestab im voraus genaue Angaben über die von ihm zu befolgende Route gemacht hat. Anspielungen auf eine vom Bunoesrat beantragte oder zu beantragende Abberufung des Gesandten entbehren ebenfalls der Be- griindung. l

Griechenlands Rüstung zur Sec.

K o n st a n t i n o p e l, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Der Dänin" erfährt, Griechenland werde in vierzehn Tagen wie­der zwei Kreuzer mit je 3000 Tonnen Raumgehalt und vier Torpedozerstörer von je 1000 Tonnen erhalten, die auf eng­lischen Werften erbaut worden seien. Die Besatzungen von 1300 Mann seien schon bereit.

Unruhe» iu Mazedonien.

Sofia, 3. Dez. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der ..Agence Bulgare": Nach authentischen Mitteilungen aus Salonik griffen, wie bereits gemeldet wurde, bewaff­nete mazedonische Rebellen die Wache an der großen Eisenbahnbrueke über den War dar zwischen den Stationen Gradetz und Demirkapn an, töteten sie und sprengten die Brücke in d i e Lu ft. Sodann wandten sic sich gegen die kleine Brücke über den Fluß Wodissi südlich Gradetz, die sie gleichfalls mit Dynamit in die Luft sprengten.

Diese Anschläge sind das Ergebnis einer .Herrschaft der tyran­nischen Unterdrückung, die man im serbischen und g r i e ch i - schenMazedonien zur Ainvcndung bringt. Sie werden plan­mäßig von den serbischei^und griechischen Zeitungen den sogenann­tenBanden" in die Schuhe geschoben, die angeblich aus Bul­garien gekommen sein sollen. Um diese Behauptung zu entkräften, braucht man nur an die von den Berichterstattern großer russischer Blätter selbst im Verlause ihrer Reise angestcllten Umfragen in den griechischen und serbischen Grenzgebieten zu erinnern, aus denen hcrvorgeht, daß tatsächlich eine Bewegung der mazedonischen Bevölkerung gegen die bulgarische Grenze, aber keineswegs eine solche gegen das Innere Mazedoniens existiert. So siel letzthin eine Gruvvc von Flüchtlingen, die aus den Bezirken Prilcp und Wclcs ienseits des Wardar sortgezogen waren, uni im mazedonischen Ge­biet gegen die zahllosen Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, Schutz zu suchen, in einen serbischen Hinterhalt nahe an der bul­garischen Grenze. Die serbischen Soldaten erössneten das Feuer aus die unglücklichen Flüchtlinge. Da aber unter diesen einige Leute mit alten Flinten aus der Zeit der Organisation der Revo­lution bewaffnet Ovaren, schossen sic zurück. Das Gewehrfeuer dauerte mehrere Stunden, bis die Flüchtlinge die Grenze über­schritten hatten. In diesem Gesecht wurden zwei Bulgaren verletzt. Dies ist die wahre Lage an der serbisch-bulgarischen und griechisch­bulgarischen Grenze!

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ve wet gefangen genommen?

London, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Rcuterschen Bureaus: Amtlich wird aus Pretoria ge­meldet, daß de Wet gefangen genommen sei.

Pretoria, 3.Dez. (WTB. Nichtamtlich.) (Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Kommandant Brits berich let, daß er am I.Dezember de Wet aus der Farm Waterburg 100 Meilen östlich von Maseking gefangen genommen habe, de Wet überschritt in der Nacht vom 21. November den Baal- Fluß und betrat Transvaal, von dem Kommandanten Dutoit im Automobil verfolgt. Er entkam ober mit vier Anhängern und traf ein kleines Kommando, das sich im geheimen in den, Bezirk L-chweizerrencke gebildet hatte und hauptsächlich aus Buren bestand, die aus dem westlichen Freistaat geflüch let waren, de Wet rückte mit dieser Truppe so schnell in west­licher Richtung vor, daß die Bemühungen der Regiernngs- truppen, ihn zu umzingeln, ergebnislos blieben. Eine Reihe schwerer Gewitter begünstigte de Wet, da es unmöglich mar, aus den schlechten Wegen Automobile zu benutzen, de Wet überschritt am 25. November die Eisenbahnlinie nördlich De- vondale. Kommandant Brits begann die Verfolgung von Brijburg aus und nahm am 27. November einen Teil des Kommandos de Weis unter dem Unterkommandanten Woh- marans gefangen, de Wet hatte am Tage zuvor diese Abtei­lung verlassen und »vor weiter westlich gezogen. Die Berfob- gung wurde ununterbrochen fortgesetzt. Am 1. Dezember holte

Brits de Wet auf der Farm Waterburg ein. Die Buren, 52 Manu stark, ergaben sich, da sie umzingelt waren, ohne einen Schuß abzufeuern. Die Gesamtzahl der von Brits Ge­fangenen beträgt ungefähr 120 einschließlich des Kommarv- danten Oost und 5 Feldkornets. Die Verfolgung de Weis von Brijburg aus geschah mit Hilfe des Aulomobilkonlingents von Witwatersrand unter Oberst Jordaans. Nur ein Bur wurde verwundet.

I o hau n esb urg , 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Abteilung Buren hat sich! in den Bergen 'des M ag a l r e s - Gebirges im Bezirk Krügersdorp festgesetzt und sendet Abteilungen aus, um Pferde und Gewehre aus den Farmen zu requirieren.

Die Japaner in Tsingtau.

Berlin, 3. Dez. (Priv.-Telegr.) TieBoss. Ztg." meldet: Tie Petersburger Telegr.-Agentur berichtet aus Tokio: Der Hafen von Tsingtau wurde zum japa­nischen Kriegs Hafen erster Klasse erklärt, den Han­delsschiffen wird kein Zutritt gestattet.

Ein Ausfuhrverbot in der Türkei.

Konstantinopel, 3. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Auf Beschluß des Ministerrates wurde die Ausfuhr von Mehl, Brot­getreide, Reis, Butter, Zwiebeln, Oliven, Oel, Hafer, lebenden Tieren, Petroleum, Benzin und zahlreichen anderen Lebensmitteln, sowie Drogen und Metallen verb oten, _

Au» Hessen.

Der neue Präsident der Ersten Kammer.

rb'. Darmstadt, 4. Dez. (Drahtber.) Der Groß- Herzog hat den bisherigen Vizepräsidenten der Ersten Kammer, den Fürsten zu Solms-Hohensolms- Lich, anstelle des verstorbenen Grasen Schlitz gen. von Goertz zum 1. Präsidenten berufen. Der Fürst ist be­kanntlich ein Schwager des Großherzogs und war bereits eine Reihe von Jahren Vizepräsident der Ersten Kammer.

Rücktritt des Prälaten Flöring.

Ä Darmstadt, 4. Dez. DieDarmstädter Zeitung" meldet in ihrem amtlichen Teil:

Seine Königliche Hoheit der G r o ß her z og haben Allergnädigft geruht: Am 20. November d. I. den Ober- konsistorialrat und Superintendenten der Superintendentnr Darmstadt v. vr. Friedrich F l ö r i n g auf Nachsuchen der Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche zu entheben und dem Superintendenten der Superintendentnr Manzz Geheimen Oberkonsistorialrat Ferdinand Euler die Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche, mft der Sitz und Stimme in der Ersten Kammer der Stärtde verbunden ist, zu verleihen. Ihre Königliche Hoheit die Groß-her­zogt n haben Allergnädigst >gernht: Am 2. Dezember d. I. dem geistlichen Mitglied und Rät bei dem Oberwnsistorinm, dem Superintendenten der Superintendentnr Darmstadt D. Dr. Friedrich Flöring anläßlich seiner Enthebung von der Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche des Grotz- herzogtnms den Eharakter als Geheimerat zu erteilen."

An anderer Stelle bemerkt das genannte Blatt hierzu: Bezüglich des in der Würde des Prälaten erfolgten Wechsels erfahren wir, daß Superintendent v. vr. Flöring aus Gründen der Gesundheit um Enthebung gebeten und Super­intendent v. Petersen den Wunsch ausgesprochen hatte, von seiner Person abzufehen. Selbstverständlich bleibt die Stellung des bisherigen Prälaten O. vr. Flöring als Mit­glied des Oberkonsistorinms und Älperrntenden ten der Pro­vinz Starkenburg hierdurch unberührt."

Wie wir erfahren, dürfte der Hauptgrund für den Rücktritt des Prälaten nach der Ansicht ein geweihter Kreise darin liegen, daß- dieser gelegentlich der Beratung der Vor­lage über die Revision des Ordensgesetzes, der gegen­über er als oberster -Vertreter der evangelischen Kirche Hes­sens eine eingehend begründete ablehnen deStellnng einnahm, von den anderen Mitgliedern im Stich ge­lassen wurde und sich schließlich als einziger dagegen zu stimmen veranlaßt sah.

Aur dem Reiche.

B e r l i n, 3. Dez. (WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung desBundesrates wurde dem Entwurf von Bestimmungen über die Einlösung beschädigter oder unbrauchbar gewordener, so­wie über die Vernichtung nicht mehr umlausssähiger Darlehns­kassenscheine die Zustimmung erteilt.

Heer «nd Flotte«

B e r l i n, 3. Dez. (WTB. Nichtamllich.) Nach derKreuz­zeitung" ist dem General der Infanterie Freiherrn von Scheffer-Boyadel der OrdenPour l e Msrite" durch folgende Käbinettsorder verliehen worden:

Tie schweren Kämpfe, die Sie in den letzten Tagen mit dem 25. Reserve-Armeekorps durchgesochten haben, werden für immer ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte bleiben. Ich verleih« Ihnen den OrdenPour le Mente" und ersuche Sie, Ihre» un­vergleichlichen Truppen meine königliche Anerkennung und mei­nen Tank auszusprechen. Gott schenke Ihnen weüere Erfolge. Wilhelm I. 8."

Aus Mextto.

London, 3. Dez. (WTB. 'Nichtamtlich.) Me Firnes" meldet aus Washington: Man verfolgt hier die Ent­wicklung der Dinge in Mexiko mft großer Besorgnis. Zapata beherrscht die .Hauptstadt, Carranza ist in Beröeruz und Villa irgendwo nördlich der Stadt Mexiko. Es scheint mindestens drei revolutionäre Präsidenten zu geben. Me Presse unterzieht die mexikanische Polftik Wil- s o n s besonders die Zurüctziehung der Truppen aus Veracruz einer scharfen Kritik!

Aur Stadt und Land.

Gieße n, 4. Dezember 1914.

**DiePaketbefördernngandieFeldheere. Der Versuch, Pakete für die im Felde stehenden Truppen durch Vermittlung sogenannter Paketdepots zu versen­den, ist jetzt abgeschlossen worden und kann, wie der Kriegs­minister den Eisenbahnbehörden mitteilt, als wohlgelun­gen angesehen werden. Infolgedessen sollen die Paketdepots während des Krieges als ständige Einrichtung bei­behalten werden. Insgesamt nahmen die 26 Paketdepots während der Probezeit über 3 250 000 Pakete an. Aus den Berichten der Paketdepots geht hervor, daß der günstige Er­folg des unternommenen Versuches mit den Depots nur durch das Entgegenkommen und die Unterstützung der Eisenbahn­verwaltung möglich war.

** Die Landesversicherungsanstalt Großher­zogtum Hessen hat in ihrem Verwaltungsgebäude, Darm­stadt, Wilhelminenstr. 34, eine Kriegsauskunstsstelle sür Arbeiter- und Angcstellteirversickwrung eingerichtet und ist be­reit, allen im Großherzogtum Hessen nwhirenden Kreigsteilnch- mern, sowie deren Angehörigen und Hinterbliebenen kostenlos

niünblich und schriftlich Auskuirst in Angclegrnheüeu der Arbei­ter- (Kranken-, Unfall-, Invaliden- und Hiuterbliebemenversiche- tungl und Angestelltenversicherung zu erteilen.

** Ter Schotte Carlylc, Deutschland und Eng­land. Tie Vortragsreihe, die eine große Zahl von Mitgliedern des Lehrkörpers unserer Hochschule in den letzte» Wochen zum Besten der Hinterbliebenen gesallencr Mitbürger veranstaltet hat, ging ge­stern abend zu Ende. Geh. Kirchcnrat Prof. O. Eck beschloß sie mit einem Vortrage über Carlyles Verhältnis zu seinem und un­serem Volke. Tie ungemein starke Zuhorcrsckmft, die gestern abend die Aula der Universität fast bis aus den letzten Platz füllte, hotte die Stimme eines in meisterliche Form gekleideten und tief inner­lich packenden Idealismus, unter dessen unwiderstehlicher Gedanken­wucht bei manchem die Vorstellungen vom Wesen der Zeit gülttgere, echtere Gestalt annehnicn mochten. Ter Redner führte aus:

Das Leben der Volker, dem des Einzelnen gegcnübergehalten, ist unübersehbar groß und gewaltig, wenn auch ihm seine Grenzen gezogen sind. Von jeher sind die Völker darauf angewiesen, die Güter, die der Nachbar erobert, gewinnt, vcrliett, sich anzireigncn; oder einzutauschcn gegen andere Werte. So ist es auch heute. Die Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Nationen sind so nian- nigiach und ttes, daß man eines einzelnen Volkes Geschichte los­gelöst von der der anderen Völker nicht schreiben kamt. Betrachtet man die Weltgeschichte in diesem Zusammenhang, so drängt sich die Frage auf, wie das Volk, mit dem wir durch Beziehungen aller Att am engsten verbunden waren, das englische, uns den Hand­schuh hinwersen, unser grausamster Feind werden konnte. Wie konnte es kommen, daß der wenn auch schmale Weg der Ver­ständigung, der bis in die letzte Zeit vor unseren Besten mit heißem Bemühen gesucht wurde, abbrach, versank? War er ein Traum oder ein Wahngebilde? Können wir den Gedanken, daß eine Ver ständigung mft England sür möglich gehalten wurde, auslüschen? Nein! Wir müßten denn den größten Geist, den unser Voll gezeugt, den Namen JohannWolfgangvonGoethe, aus­tilgen, der ohne eine ttese Beziehung zu England nie zu denken ist, der bis in sein Alter über die Möglichkeit grübelte, wie ein Mensch das Problem eines Hamlet erdenken konnte, der mft einer wahren Andacht von Walter Scott sprach, der sich mft abgründiger Liebe in Bvron versenkte und dem Vererhrten im Faust ein Ewig­keitsdenkmal gesetzt hat.

Im Jahre 1824 kam zu Wcftnar ein kleines Paket ans Schott­land an den alten Gotthe an. Es enthiett zwei Bücher, ein Lik« of Schiller und eine englische Uebersetzung von Wertheäs Leiden und einen bescheidenen Bttef des 28 jährigen Dichters Carlyle. sie gütig ausnehmrn zu wollen. Gotthe antwortete in der patriar­chalischen Art seines Alters. So sparurcn sich zwischen dem Alten und dem Jungen zuerst höfliche, dann herzliche, dann srenndschajt- schastliche und zuletzt Beziehungen von einer kein Geheimnis ken­nenden Jnnerlichkttt an. Die beiden gewalttgen Geister leben sich ineinander ein. Was zog sie an? Das war nicht allein der ästhetische Genuß auf des anderen dichtettschen Höhenpsaden, das war vor allem die Erkenntnis von der erhabenen Größe des wahrhaftigen Menschentums, die der eine beim andern immer Narer erschaute. Ueber die Bcdeuttmg des gewaltigen BegttffsW e l t l i t e r a t u r" spttcht Gotthe mft dem jungen Freunde. Sie soll Bande schließen, nnttt deren mildem Zwang die Menschen die Worte des 'Apostels: Liebtt Euch untereinander! besstt verstehen lernen sollen. Carlhle liest Gotthe Werke als Konfession der Seele des Gewalligen. Er entwickelt aus ihnen die aus Schmerzen geborene Kraft und Frriheft des Ent­sag enkönnens, des Tätigkeitswillens, d« sich an dieser Kraft entzündtt, und der Ehrfurcht vor dem, was über, um und unter uns ist. Diesen erhabensten, christ­lichsten Gedanken Gotthes von der Ehrfurcht begrttst und stttlt Carlyle mft einer Klarheft heraus, die für sich allein die ewigen Beziehungen zwischen ihm und Gotthe, den er seinen gttsttgen Vater rühmt, begründen. Wer mft der Ehrfurcht vor dem Unbegrttslichen über uns die vor dem Leid, der Sünde unter uns verstehttch verttnen kann, der wird den Brüdern um uns die Hand rttchen, und seien sie noch so gering. Diese Gedanken Gotthes hat Carlyle über die Sozialpolitik des 19. Jahrhunderts gesetzt, und er ist ganz E r, wo er diese Donnerworte seinem Volke znrnst.

Einen wärndeftichen, unwegsame Pfad« wandelnden Roman hat Thomas Carlyle geschrieben,. Den Roman vom geflickten 'Schneider, der die Philosophie der Kleider betreibt. Kleider machen Lenke. Der rote Mantel triunchhiett über die blaue Bllise. Wie abtt, Ivenn heibe fallen? Hie «Stützer, hie Lastträger, so muß eines Tages das soziale Feldgeschrtt lauten. Zwtt un­heimliche Wetterwolken mit ungeheuren Exploschstoffen ballen sich zusammen und werden eines Tages auseinander prallen, So der Held des Romans. Es ist Carlyle selbst, der aus chm spricht, der Carchle, der als Bildungshungriger die englische Wissenschaft des Mechanismus

mit dem Zusatz der Nützlichkeit lernen, den Kausalnexus über sein Leben setzen sollte wie seine Landslstte, und der solcher Vergewaltigung des gttsttgen Lebens ein flammendes, absolutes Nein entgegenschrie, der in Trotz und Berzweislung und ans unendlich weitem und dornigem Wege, durch das Eis der Piste und die Gluten der Wüste zu einer inneren Freiheit sich rang, die die Schwäche des Sichbeugens unter den Mechanismus nicht kennt, die ihn nicht fürchtet und glüherck die Wirk- lichkttt gttsttgen, settischen Lichens bejaht, auch wenn sie cs nicht begrttst, die dm Glauben zur die innere Wahrhaftigkeit des Pflichtgebots besitzt, das keine Nützlichkeit kennt, son­dern die Seele sich unter die eigene Größe beugen läßt, Carlyle aber schaut sein Voll in hie Mtzlichkettssorderung verstrickt. Das empört ihn, treibt ihn auf die Bah» des Reformers: Goethes Ehrfurcht-Gedanke soll England rase Wege weisen, Den Prophttm Carlyle hat ttne kleine Gruppe gehört. Sie war m Nein, das Verderben aufzu halten, Sie vermochte nicht, das an die Nutzensvage tausendfälttg geheftete und gen ietete VE los-

zurttßen.

Nach dem dentschftrmrchstschm Kriege schrieb CarVBc in der Doms": Daß das fromme, ernste, tiefe Deutschland anstelle des gestikulierenden Frankreich die Königin des Konttnents wer- dm solle, stt das größte Ereignis, das er erlebt Habel Einest Orden, dtt ihm von England kam, hat er abgttehnt: als ihm Bismarck ttne sichtbare Änerkmnung Deutschlands sandte, nahm er die Auszeichnung an. In seinem Monumentalwerk über dm Großm Friedrich ruft er mft dem Seherange des sterbendm Königs seinen Lesern zu: Eine größere Weisheit als die der Pflicht gibt es nicht, und sei» Lttxrisbeld dieses Königs, des Königs, bewttst es allerorten.

Sollte dieses Bild England nicht vieles zu sagen haben?

Landkreis Gießen.

f. Watzenborn-Steinberg, 8. Dez. Die wackeren Krieger a»S unserer Gemeinde haben sich schon ttne ganze Anzahl Eiserner Kreuz« errungen; ihrer acht sind damit aus­gezeichnet wordm. ES sind die?: Feldwebel Ludwig Harnisch aus Watzenborn, Vizeteldwebtt Fink von Watzenborn, Karl Weiß. Unterolfizier bei den 21. Pionieren (Mainz), von Watzen- dorn, Tambour Karl Philivp von Watzenborn, Feldwebel Karl M ö ck e l von Watzenborn, Dragoner Georg RuckelShausen von Steinberg, Karl Jung, Sleinberg, Feldwebel bet der Feld- stieger-Abteilung Nr. 21, und Landwehrmann Karl Burger II., Steinberg.

Kreis Lauterüach.

-t-Bermutshain, 3. Dez. Von den 50 von hier ins Feld ausgezogenen Kriegem sind bis jetzt 3 tot, einer ist gelangen und einer wird vermißt. 17 Mann sind verwundet, davon auch einige schwer.

Starkenburq und Meinhessen.

m. Osfenbach a. M., 4. Dez. Die gestrige Stadtvcr- ordnetensitzung stand im Zttchm der Iveiter zu ergrttfm- den Maßnahmen gegen die schädigendm Einwirkungen des Krie­ges. Einmal handelte es sich dabtt um die Bewilligung lotttercr Mittel sür die Kriegssürsorge, zun, anderm um Abänderungen der Grundsätze sür die städtische Arbeitslosenunterstützung während der .tzriegszcit. Die in der ersten Kriegssitzung vom 6. August be willigten 500 000 Mark für die Kriegssürsorge sind nämlich bis auf