Kr, 285 Zweites
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Tie „Sietzener.tzamillenblätter" werden dein »Anzeiger' viermal wöchcnllich bciqelcgt, daS „Äreirdlatt für den Krets Liehen" ziveimal wöchentlich. Tie „Lindwirlschasllichen Zeit- fr»-««" erscheinen nionallich zweimal.
Blatt Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhessen
Mittwoch, 2. Dezember
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universstäls - Buch- und Steindruckerci. R. Lange, Gießen.
2chriitleltung,chcschäitSstelIe».Druckerei: ^chcil» straße7.GeschäitssteNeu.VerIng:s^D51,Schrlsl- lcilung: e^ll2. Adresse sür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Leldpostdrief eines Arztes aus Nordfrantreich.
Der folgende Feldpostbrief eines Arztes zeigt die seldst- lofe, hilfreiche Art, die unsere Aerztc im Felde auch den Feinden zuteil werden lassen:
Nun bin ich glücklich 4 Wochen hier in Nordirankreicb in CH. und habe mit Ausnahme eines Tages dauernd französische Verwundete verarztet. Ich gebe zu, ich hatte damals, als ich freiwillig incrnr Praxis aufgab, um dem Vaterland« meine Dienste zu tveihcn, rnir meine neu« Tätigkeit anders vorqestellt. 'Aber Mensch ist Mensch und ein verwundeter Franzose ist für den Arzt ein kranker Mensch, kein Feind, lind schließlich gibt man sich doch der .Hoffnung hin, die Sorge, welche wir aus unsere venoundctcn Gefangenen verwenden, möchte mid könnte auch unseren Landsleuten, die sich in gleicher Lage befinden, zugute kommen.
Zm ganzen sind etwa 100 Franzosen meiner Obhut anvertraut. Unter ihnen sind alle Trnppeimrten und Völkerschaften Frankreichs vertreten. Merkwürdigerweise rechnen die Franzosen übrigens Marokko zu Frankreich. Auch Senegalneger und Turkos habe ich zu behandeln. Zum Verbinden kommt noch ein «tabsarzl. Kleinere Eingriffe machen wir selbst, die größeren nimmt ein Chirurg aus Berlin vor, einig« Male ist auch ein Leibarzt des Kaisers, der seine Patienten nachher mehrfach besuchte, bei uns läng gewesen. Das Lazarett selbst befindet sich in einem Lehrerinnenseminar, das dazu wirklich wie geschaffen ist: große, luftige und sonnige Räume. DaS schönste aber ist unbedingt der Garten mit seinen herrlichen alten Bäumen. unter denen die Verwundeten stundenlang sich sonnen und erholen. Die Verpflegung der Verwundeten ist glänzend, zweimal täglich warmes Essen und Fleisch. Zur Pstege wurden svanzäsische Helserinncn belassen, die zum Teil recht geschickt , zum Teil aber die Krankenpflege mehr als Sport betreiben, wir vor einem Monat das Lazarett von den französischen Satten übernahmen, war da größte Teil da Wunden rn einem recht bösen Zustand. Dank unserem regelmäßigen Babandwechsel sehen die Wunden heute ganz andas aus, was sogar zuweilen von den französischen Pflegerinnen zugegeben wird. Ms vor ivenig Tagen einem Schwaverwnndelen da Arni ttotz zweimaliga Operation doch amputtat werden mußte, da erklärte mir di« verständigste da Damen, sie hätten alle unsae Basuche, dem Manne die Amputation zu ersparen, bewundert. Nach ihren Erfahrung«!» dätten die französischen Militärärzte nicht mit svlcha Ausovsaung versucht, den Arm zu erhalten. Beim Vabinden des eben genannten Patienten alebte ich eirrc recht bezeichnende Geschicke, welche dir vorgefaßte Meinung da Franzosen, daß wir gleich ihnen Dumdumgeschosse benutzten, deutlich erkennen läßt. Ms eine Pflegerin die große Opaattonswunde sah, ries sie mit verständnisvollem Lächeln ans: „Llh, ein Explosivgeschoß!" Eine zweite kommt des Weges: „Atz, ein Explosivgeschoß!" Eine dritte ebenso. Nichts kann sie überzeugen, daß wir Deutschen den Gebrauch da Dumdumgeschosse als unsa unwürdig verabscheuen. Za: „Was ich denk und tu, trau ich andern zu."--
Einige Male habe «h auch für meine Verwundeten requiriert und habe aus diese Weise einen glänzend ansgestatteten Operations- saal zusammrugetwocht Am schönsten war es aba doch, als ich neulich bei einem geflohenen Bandagisten Stöcke und Krücken er» deutet hatte; wie Kinda haben sich die Leute gefreut. Nur schcche wieder, daß es keine Landsleute waren, sür die man so sorgen konnte. Wir laffen jetzt, um die Mnskclemartung, wie sie sich so häuffg injolgr Nicht gebrmuheus da Glieda nach Valetzungcn rinstellt, zu bekämpfen, die Vawnndetcn durch einen deutschen Sanllätsgesreiten, da im Frichen Obawärta des Professors L. >n D. ist, regelmäßig maffierrn. Das behagt den größtenteils cmp- sindlichen Franzosen wenig. Es ist aba fiir späta notwendtig. Roch dem Krieg werden uns die Leute, wenn sie ihre Glicher Wieda völlig gebrauchen können, aus den Knien danken.
Zum Schluß noch ein kleines Erlebnis. Vor einigen Tagen wurde mir uachmillags ein Auto mtt ztvei deutschen Offiziacn gemeldet. Da eine da Haren kam gleich aus mich zu und setzte mir auseinanda, a habe in R, etwa 6 Kilometa von Ijia, einen
Monn, der trotz der Warnnngssignole versucht hätte, noch unmittelbar vor dem Auto auf die andere Seite der Straße zu ge» I langen, übcrsabrcn. Tie Herren nahmen den Veriinglückten, da heftig klagte, sofort in ihr Aula und brachten itm i» unser Lazarett, Sodann fuhren sic zum Bürgermeister, um zu veranlaffen, daß die Frau des Baleyten bennchrichligl würde, und kamen noännals zurück, um sich nach dem Ergebnis der Iliitasuchung zu erkundige». Zu ihrer Freude konnte ich ihnen Mitteilen, daß die Hauptsache ein Nervcnchoc war, daß im übrigen nur Haiiiaubiänirniiigen vorlägen. Wir haben den Mann, der seit 2 Tagen sich nur von rohem Obst ernährt hatte, noch länga als notwendig hier behalten, um ihn etwas hcrausziijütter». Za, wir Barbaren!
Dr. Kurt Ochsenius.
Der Untergang des „Audacious".
Der „New Korker Staatszeitung" entnehmen war folgende Schilderung des Untergangs des großen englischen Panzerschisses „Audacious":
Nach ei na Exfftenz von tveniger als zivci Jahren liegt der „Audacious", da da King-George V)-iNafsc angehörte und an Ramngehalt und Bestückung das drittgrößte von Sr. Majestät Kriegsschiffen lvar, an da ilkordküste von Irland auf dem Meeresgrund. Er wurde kurz vor 0 Uhr am 'Morgen des 27. Oktober entweder von «man Torpedo garoffcn oder von einer Mine zerstört. Mit Ausnahme von vielleicht einem oda zwei Mann tvurde die gmize Besatzung von 800 Lffiziaen und Acairnschaften von lleinen Booten da „Olvnrpic" gerettet.
Tie Rettung in ciua ungestümen See war äußerst schtvicrig, aber sie wurde durch glänzende und kühne Leistungen der Mannschaft des Withe-Star-TampferS glücklich bewerkstelligt.
Ta Hüsernl des Schlachtschiffes wirrde von dem Funkcn- spruch-Telegraphisten da „Olympic" aufgefangen, die nur etwa zehn Meilen entfernt lvar, Da Tanipfa eilte mit Volldamps nach da UnglückSstöttr, während seine Mannschaft sich für das Rettungswerk serttg machte. Freiwillige wurden aufgefordert und mehr als die zur Bemannung da Rettungsboote erforderllche Zahl meldeten sich. Das beschädigte Kriegsschiff wurde wenige Mi- mtten nach 9 Uhr erreicht und noch vor Mfttag waren alle Mann bis auf 100 von dem' „Audacious" auf die „Olympic" überführt.
Mittlerweile hatte das Schlachtschiff sich beträchtlich am Heck, wo es gaade unta da Wassalinie getroffen worden war, auf der Seite gelegt. Zwei da Maschinen waren unbeschädigt, aba die ein« am Achterdeck tvar außer Betrieb gesetzt.
Nachdem alle Offiziere und Mannschaften übernommen, welche ihr Schiff valassen wollten, richtete Kapitän H a d d o ck von der „Olympic" sein Augenmerk der Rettung des Schlachtschiffes zuz Tem' Schlachtschiff wurde ein Kabel zugcworfen, aba es riß, als es scstgemocht ward. Inzwischen begannen die Schotten nachzugeben, und es war alsbald klar, daß es unmöglich war, das Schiff an Tauen fortzuschaffen oda längere Zell üba Wcffs« zu hallen. ,Da Kreuza „Liverpool" und mehrere andere KricgsscÄffe, welche ltaangcko-nrmen waren, hielten Obachi. Späta am tzkachmlltäg entschloß man sicky den „'Aupacivus" aufzugebeni, Ae Offiziere und Mannschaften, welche sich noch an Bord befanden, verließen ihm
Tie Flotte von Rettungsschiffen blieb nocks länger an da Unglücksstätte, und zwar Äs 9 Uyr'abends, als sich eine fürchterliche Explosion ereignete. Da „Audacious" sank mll dem .Heck voran und war in einem Augenblick verschwunden.,
Tie Explosion ist wahrscheinlich durch Geschosse vaursacht worden, welche losgegangen tvaren, weil das Schiff sich auf die Seite legte. Ein Stück einer Panzaplatte, welches von dem finkenden Schiff sich losgerissen hatte, traf die „Lioapool" und riß eincur Fcuerwerka die Beine weg, Ter Mann war in kurza Zeit'tot. Den „Audacious" erreichte sein Schicksal 25 Mellen von der irländischen Küste entfernt, längs welcher die „Olympic" dahinfuhr. Ta Dampfa war am 21. Oktober von New Bork nach Glasgow abgefahren. Er war vor deutschen Minen bei
Cine neue Landplage in Böhmen.
Wie rasch sich aus einer sckMnbar geringfügigen Ursache eure Landplage von ungeheurer LluÄXchntnng entwickeln kann, das beweist das seuchenarttgr Auftreten da Bisamratte in Böhmen, das Äe Teichwirtschaft des Landes und mll ihr ganz Oesterrech bedroht- In da Umsckzau macht Dir. O. Haempel nähac Mittellungen üba diesen bisha in Europa ganz unbekannt ge- Schädllng und betont, daß die durch ihn hervorgernsene zu eua Katastrophe sichren kann, loenn nicht in kurzer Zait Mlltel und Wege gefunden waden, um sch von dem Unge- presa zu befreien. Vor 8 Zähren wurden- von da Fürstin Eolloredo-Manssrld tmt Pärchen da amaikanischen Wühlmaus, auch Blisonrvatte oda Ondatra genairnjt, aus Kanada zu Zagd- zwerken noch Dobvrsch in Böhmen gebracht und hia cmsgesetztz Die Tiere alllimattsiaten sich in allerkürzesta Zell und oer- mehrten sch so ins Ungehcitre, daß ihre Zahl heute in Böhmen aus zwei Millionen Stück geschätzt wird« Me Bisamratte hat sich in da neuen Heimat, die für sie sehr güntfttge Lebens- beÄngnngen bietet, sehr verändert, Während sie in ihra ttgeill- llchcn Hemmt Nordamerika einen dichten glattanliegenden Pelz von braunem bis rötlichem ^lussehen besitzt, vaänpcrte sich das Fell da böhmischen Ratte rm Lause der Zeit, ivurde lichter, dabez grob und verlor vollkommen seinen Glanzz So fällt das einzige Wertochekt dieser WülilmanS, das in Amerika ichr geschätzt wird, sür die böhmischen Excmvlarc lveg, denn ihr häßliches Fell läßt sich nicht Vena verkaufen, und io fehlt auch die Niöglichkell, datz man ine Tier« wn ihres Petzes willen ausrotten würde, -Sodann vermehren sch dce neuen Schillinge in Böhmen noch viel vafcher, als sie cs schon llr Amerika tatenh Tic lährllche Produkttvllät emes Pärchens wird mit cttva 40 Stück angegeben. Auch in Bezug auf ihre NahruNgsbedürstnsse hat die böhmische 'Bisamratte di« GeivohnÄllen ihra amerika- illschcu Arkgenossm vielimic anfgegebeiz. Während die amerikanisch- Schivesta haupffächlch Pftenzcnireffcr ist und nur ans- nahmsloeise durch Verzehren von kleinen Fichen wid Fischlaich znm Fleischfresser wird, hat sch die böhmische Wühlmaus in den letzten Zähren llnma mehr zum reinen Fleichsreiia cittwickelt.i So ist sic zu eina wahren Landplage geworden, und nach ihrem numnehr 8,ährigen Mffcnthall in Böbmen steht man, welches Tanaageschenk dem Lende init der Einführung Äeses Tieres gebracht wurde. Tie Ä tagen üba die Sckiäden, die durch diesen istaga verursml>t waden, lchisen sich von Jahr zu Jahr. Bereits aut dem letzten östareickischrn Fischaeitage sprachen die ank wesenden böhmisck'en Teichwirre von eina zlätastrophe und forderten von da Rcgiaung die Bekümviuntg des Ungezieias. Tie Bisamratte, di« eine große Tauch- und Schwimmkünstlerin ist, dnrchwühlt mit ihrer Miniaarbeir die Tanunanlagen und weiht selbst die mächtigsten, jahrhundcrtEen Tcichdänrme dem Unta- gang. Solche Fälle sind bereits zahlrech festge/tellt; so ist aut da Tomäne Sck)lüssciburg von sämtlichen 140 in Regie stehenden Teichen kein einziger von da Bisamratte vaschont gcbliebar, und dort tvurde auch ein großer Daiumbriuh von 4 Pieta Länge und 2 Meta Tiefe festgesrellt. Neben diesen zerstörenden Wühlarbeiten fügt die Bisamratte dem Teich» und Landtvirt aba direllen Schaden zu: sic verzehrt besonders gern Jnng- ftschc, da diese für sie lechtcr zu afage» sind, doch hat man a;ch schon ein Bisamrattenpärcheni dabei cattdeckt, ivie es eineit 6 rlllogr. schweren fGenaattonskarchen anfraß. Ter 2iaga beißt
zuast die Bauchseite des Fisches an, frißt die Eingeweide heraus und nagt alt dann das Fleisch vom Skelett ab. T-i« größten Vahcaungen rick>tet Äe Bisamratte in den sog. Wmterteichen an, wo Äe Karpfen auf engem Raum zusammensredrängt den Winterschlaf halten. Und hat hia dcnr Fischbestanp schon sech- sckivae Verluste zugeftigt. Außer Fischen ftißt sie mit Vorliebe Fi sch eia, Krebs« und Muscheln, wagt sich auch an schwimmende Stock- und Blmcenten, die sie geschickt verfolgt. Bisanrrattenk sind auch schon bei da Zerstörung von Fasanengelegen aschossen worden. Und Nicht nlrr die Fischzucht und die Forstwirtschaft haben uuta diesem ftirchtbarm Naga zu leiden, sondan auch die Landwirtschaft, denn die Bisamratte beißt bei ihren Wühlarbeiten zahlreiche Wurzeln ab, die dann ein Absterben da Pftanzen zur Folge haÄn, und frißt stehendes Und gemähtes tßetreide, besonders gern Weizen^ stiasche uns) durchgreifende Abhilfe tut hia not, denzc da sich die Tiae inj einem Jahre um das Vierzigsacbe vernrehren, so können^ Äe vorhandenen zwei Millionen schnell ins Ungemessene wachsen,
'— Die Lage der Pariser Theater. Wie unendlich viel schwaa und drückenda da Krieg auf allen Verhältnissen des französischen Lebens lastet, geht deutlich aus der Lage der Pariser Theata hervor. Während in Deutschland überall gescheit wird, war Äs vor kurzenr selbst in da Hauptstadt Frankreichs Äe Eröffnung da Theata von da Regierung verboten. Nun ist ihnen gestattet worden, Matiners und Wendvontellungen bis 11 Uhr zu geben, aba sie kommen dieser Erlaubnis gar nicht oder nur in sehr beschränktem Umfange nach. Zunächst hat noch gar kein Theater sich zuni Spielen entschlossen. Für die vom Staat sichventllmiatcn Thsütre wird da endgültige Enffcheiü von da Rückkehr des Untastaatssekrelärs der schönen Künste Daliinier a- wartet, da zu einem kurzen Besuch nach Paris kommen wird. Aton nimmt allgemein an, daß die Große Oper, die Overa Comiauv und das Odeon weita geschlossen bleiben. Nur das Theater Fran- ychsc wird wahrschanlich in absehbarer Zeit seine Pforten öffnen und Mittagsvoniellungen ernsta llossischa Stücke veranstalten, daen Eiuncllimen zum Besten der Verwundeten verwendet waden sollen. Die Privattheater können an eine Wiedereröffnung nicht denken. Wie da Mrektor des Gnmnase-Theaters, da zugleich Vor- sitzenda da Gesellschaft da Parisa Theaterdirektoren ist, im „Pettt Parisien" ausführt, stehen dem zu große Hindernisse entgegen. Me Mitten sind so hoch, daß man sie nicht herauswirtschaften könnte, und außttdem gilt es sür fast unnwglich, gute Ensembles zusammenzubringen, da fast sämtliche „jugendliche Helden" in da Feua- linie stehen. Wemr deshalb auch die einzelnen Tirckwren nicht an eine Wiederaufnahme ihres Geschaits denken können, so sollte doch nach da Ansicht Francks etwas gttchehen, und zwar will da Direkter Atittagsvorstellungen am Donnastag und Sonntag im Tro- cadao, im Chüteltt und im Gaite-Theater«veranstalten, wobei die Stadt, die die Besitzerin ditta Lokale ist, die Räume unentgeltlich zur Vasügung stellen soll. Franck hofft,, eine Gesellschaft von Schausvieleru zusammenzubekommcn, die umsonst sviclen, und da Erlös da Vorstellungen soll daun den nolleidenden Schauspielern zugute kommen, die sich in eina gaadczu erbarmenswaten Lage befinden und vielfach deni Vahnngern ausgesetzt sind. Den Kinos geht es etwas bcssa als den Theatern: sie haben zahlrncher ausgemacht, doch waden auch sie gebindert durch die strenge Poliztt- zensur ihres Programms und Äe großen Prozentsätze der Einnahme, die sie ftir Wohltäffgkeftszwccke abgcben müssen.
Tory Irland a e w a r n t worden, und Furcht vor diesen Minen wurde offiziell als Grund angegeben, tvarum der Da mp irr ganz unerwartet in Lo u gI» Swill y anlegte. Me Passagiere der „Olynipic" bemerkte» das Ausblitze» der Explosion und sahen das mächtige Schlachtschiff sinken. Tann drehte chr Schiss, den Bug nach Lough Swlll». Kleine Boote klätten die Route, »in sich zu veriichern, daß sie frei von Mnen sei. Vom 29. Oktober bis 'sum 2. November lag die „Olympic" tu Lough Swilly und während dieser Zeit durfte niemand außer Marinepssizicren an Bord tem» inen. Tiefe beganiieii sofort eine llittersuchung der Umstände des Untaganges des Scktlachffcbiffes. Charles M. Schwab ioar da clli» zige Passagier, der das Schiff valieß, bevor cs am 2. November in Belfast dockte.
Vizeadmiral Sir John B. Jellicoc, Befehlshaber der britischen Httmalslotte, stattete der Unglücksstätte am 1. November einen Besuch ab und nahm dann Herrn Schwab mit nach London.
Selbst Beamte da White Star Linie wurden in Lough Swilly nicht an Bord der „Olympic" gelassen, und alle Voaäte ivurden von Leuten der Marine auf das Schiff gebracht. Ms da 'Tampftr in den Hasen von Belfast cingesahren war, ivurde einer da Kellner an Bord als verdächtiger Spion vahaslet und für ein Verhör sestgchallen.
2Iu» fn’iiiit.
Vom Landtag.
lrb) D a r m st a d t, l. Tcz. Die beiden Kammern d c r L a » d st ä n d e sind nunmehr offiziell sür Mittwoch, den 16. Dezember zur Abhaltung einer außerordentlichen (ber 36.) Landtagstagung cinberusen worden.Dic Eröffnung der Tagung wird diesmal nicht, wie sonst stets, iin lssroßh. Residenzschloß mit einer Thronrede durch den Großherzog persönlich (der sich bekaiintlick, schon seit Montag voriger Woche wieder im Felde befindet), sondern iin Sitzungssaal der Zweiten Kammer durch Staatsminister Tr. v. Ewald erfolgen. Am selben Tage um 10 1 » Uhr vormittags sind die Mitglieder der beiden Kammern nach ihren Sitzungssälen zur Kammcr- konstituierung eingeladen, die durch die für diesen Zweck bereits ernannten Regicrungskommissnre zu erfolgen hat. Die Mitglieder beider Kammern dürften außer dem inzivischcir verstorbenen Präsidenten der Erste» Kammer (tzrascn v.Görtz-Schlitz und deni bereits den .Heldentod fürs Vaterland gestorbenen Abg. Dr. Boxheimcr, sowie den im Felde befindlichen Mitgliedern beider Kammern vollzählig am Platze sein, da die für die Zweite Kanuner die bisherigen 80 nach dem Gesetz zur Ausscheidung bestimmt geivesenen Mitglieder wieder einberufen und die bei jeder neuen Tagung eintretenden fünf berufsständischcn Vertreter bereits ernannt find, auch die Wahl der beiden Vertreter des grundbcsitzendcn Adels in diesen Tagen schon erfolgt ist.
Darmstadt, l.Dez. (Priv.-Tcl.) Staatsnrinister Dr, v. Ewald hat sich der „Darmftädter Zeitung!" zufolge in dienstlichen Angelegenheiten nach Berlin begebeir.
Darm stad t, l. Dez. (Privat-Telegr.) (Gegenüber den immer wiederkehrendeit falschen Gerüchten wird der „Darinst. Ztg." von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß Prinz Jos eff von Battenberg und Gemahlin sich seit End« Juli d. I. ummterbrochen lli der Schweiz anfhalten und nicht, wie behauptet ioird, in Montenegro.
^eer und Flotte.
Die englische G r o ß k a in p f s ch i f f f l o t t e. Z>l diesem Artikel in unserer letzten Samstag-Nummer erhielten wir von einem zurzeit in Gießen weilendcii Oberleutnant der Marine eine kleine Richtigstellung, die wir lfter gern wiedergeben. Es war gesagt worden, daß durch den Verlust der G r o ßk am Pf s ch i fs e „Audacious" und „Bul- wark" die Zahl der gegenioärtigen Großkampsschifse von 33 auf31 sinke unter Einrechnung der den Türken weggenommenen. Unrichtig ist hierbei, dm „Bulwark" als Großkampfschiff zu bezeichnen. Er ist ain 18. Oktober 1899 zu Wasser gekommen und somit eines der ältestetr Liinenschiffe der englischen Flotte, mag er auch 15 250 Tonnen zählm und vier 30,5-Zentimeta-, sowie zwölf 15-Zmti- meter-Kanonen haben. Der „Bulwark" gehörte nicht zu den von Jhnm aufgefnhrten Großkampsschisfklassen, sein Untergang kann also die Zahl dieser nicht verringern.
kanvel.
— Rheinisch-Westfälisches Kohlen syndikat, Effe». Man schreibt uns: Es besieht die Absicht, die Kohlen- preis« um Mk. IX pro Tonne zu erhöhen, wobei sür einzelne stark begehrte Sorten der Aulfchtag noch etwas höher geplant ist. Aus der anderen «eite soll auch Neigung vorhanden sein, die Koks- preife zn erniänigen, um der verstärkte» Produktion gegenüber einen flottere» Absatz zu erzielen. Die Nachiraqe nach Kohlen sür den Hausbrand hat sich stark vermeyrt, so daß die Zechen noch nicht annähernd den Bedari decken können. Die demnächst z»- sammentretende Zechenbesitzer-Versammlnng wird sich über die Preise erst schlüssig z» mache» haben.
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Meteorologische Beobachtungen der Station EieheL
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Sprühregen
Höchste Temperatur am 30. Nov. bis l. Dez. 1911 =* + 10,6 • c. Niedrigste . , 30. , , I. , 1914 = -f- 7,3' ,
Niederschlag: 3,4 mm.
Terantwottlich für „Feullleton", „Gaichtssaal" u. „Bcrnuschtes": I. V.: A u g u st G o e tz.


