Nr. 2T\ Zweiter Blatt M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deL Sonntags.
Die „Sietzenee Lamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Xrekdlatt sür den Kreis Sieh«»" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- ftagen" erscheinen monatlich zweimal.
Gchener Anzeiger
General-Anzeiger für Cberhesjen
Samstag. 2\. Novemoer
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Stcindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schrfttleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schulstrabe 7. Geschäftsstellen. Verlag: Schrist-
leitung: «^112. Adresie iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
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Die Erneuerung der hessischen Parlaments.
Unser Darmstädter Mitarbeiter schreibt uns: Die gewaltigen Ereignisse des gegenwärtigen Weltkrieges lassen naturgemäß die Geschäft« und Sorgen des einzelstaatlichen Betriebes säst vollständig in den Hintergrund treten. Es versteht sich ganz von selber, daß die innere Politik der Bundesstaaten und die Arbeit ihrer gesetzgebenden Körperschaften währeftd dieser ernsten Zeit sich auf das allerTwkwendigste Maß der Tätigkeit beschränken. Andererseits aber muß doch dafür Sorge getragen werden, daß die verfassungsmäßigen Vorschriften und Ausgaben auch in Kriegszeiten in möglichst legaler Weise erfüllt iverden. Eine solche, ganz besonders schwierige Aufgabe fällt zurzeit auch unserem Großherzogtum durch die gesetzlich für den Herbst 1914 vorgeschriebene Erneuerung der Land stände zu. In normalen Zeitläuften würde sich die Ergänzungswahl zur Zweiten Kammer anstelle der jetzl ausscheidenden Mitglieder an dem dafür bereits angesetzt gewesenen Termin l 6. November) vollzogen haben, und es ist bekannt, daß die Regierung schon die Borbereitungen zu der Wahl mit der Anweisung an die Bürgermeistereien und Gemeindcvorständc eingeleitet hatte, die Wählerlisten anzuferligen, deren Neuausstellung und Offenlegung nach Art. 32 des Wahlgesetzes bei jeder Erneuerungswahl erfolgen muß. Die Kriegsereig- uisse haben nun inzwischen einen sehr großen Teil der Wählerschaft' weit von der Heimat fortgeführt, und es ist vorerst gar nicht abzusehen, wann unsere braven Vaterlands^ Verteidiger und wie viele von ihnen wieder an den häuslichen Herd zurürkkehrcn werden. Unter diesen Umständen war es eine selbstverständliche Pflicht der maßgebenden Faktoren des Landes, einen möglichst einfachen und zweckmäßigen Weg zu finden, um den Willen des Gesetzgebers auch unter den veränderten Verhältnissen nach Möglichkeit zur Geltung zu dringen.
Für die E r st e K a m m e r der Landstande gestaltete sich die Sache ziemlich einfach. Sie hat sich keiner Regeneration durch Neuwahlen zu unterziehen, denn oie dort durch Geburt zugehörigen Standesherren und die durch Berufung des Großherzogs aus Lebenszeit in das Haus ein- getretenen Mitglieder bleiben auch beini Beginn einer neuen Legislaturperiode aus den chnen beim Eintritt überwiesenen Sitzen, sofern sie nicht infolge Ablebens ihrer Vordermänner weiter hinaufrücken. Eine Ergänzung der Ersten Kammer ist nur erforderlich durch die für jede Landtagstagung erfolgende Berufung von fünf Repräsentanten für die wichtigsten Korporationen des Landes: Landesuniversität, Technische Hochschule, Handel und Industrie, Landwirtschaft, Hand- Ivrrkt. Die Berufung dieser sünf Vertreter ist bekanntlich bereits in der vorigen Woche durch di« Großherzogin in) Stellvertretung des Landesherrn erfolgt. Wenn nun noch an Stelle des verstorbenen Präsidenten der Kammer, Grafen von Görtz-Schlitz, vom Großherzog ein neuer Kanrmerpräsi- dent ernannt worden ist, so ist das Haus beschlußfähig.
Ungleich verwickelter liegen dagegen die Verhältnisse bezüglich cher Zweiten Kammer. Ihre Mitglieder werden bekanntlich durch allgemeine direkte Wahlen auf sechs- Jahre gewählt und zsttzir in der Weis«, daß <rlle drei Jahre die Halste ausscheidet und crn deren Stelle Neuwahlen erfolgen. Nachdem nun am 3. November 1911 auf Grund der Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes vom 3. Juni desselben Jahres die Hälfte der Kammer durch direkte Walsten erneuert worden ist, sollte jetzt das Mandat der vor sechs Jahren noch nach dem alten, indirekten Wahlsystem gewählten 'Abgeordneten — darunter di« Mandate sämtlicher zwölf städtischen Vertreter — erneuert werden, was durch den LÜis- bruch des Krieges unmöglich geworben ist. Um diese schwierige Lage zu überwinden, lzMen sich nun Regierung imd Ständekammern dal)in verständigt, daß zunächst für die ver- sassungsmäßige Erledigung wichtiger sinairz-technischer Fragen des Landes im nächsten Monat noch emtnai die alte Kammer zu einer sog. Notstandstagung ernberusen wird, wie dies auch schon in einer früheren Tagung gelegentlich einer unvorhergesehenen Notlage der Landwirtsck,ast erforderlich war. Dann soll etwa im Februar n. I. die Erneuerungswahl vorgenommen werden. Da diese Wahlen aber nicht auf Grund neu aufgestellter Wählerlisten und in Anwesenheit der ganzen Wählerschaft sich vollziehen könnten, so würden che sich irur dann ermöglichen lassen, wenn alle Parteien .der Kammer einmütig darin waren, und die Wahlen im ganzen Lar,de unter Wahrung des gegenwärtiger! Besitzstan- cheS ohne Wahlkampf erfolgten. Wre schon früher erwähnt, ging der Vorschlag zu dieser kampflosen Vollziehung der Bahlen vom M>A Ulrich auS und man konnte damit annehmen, daß sich die sozialdemokratische Partei mit ihm einverstanden erklären würde. Inzwischen hat sich aber in der Presse dieser Partei ein starker Widerspruch dagegen erhoben und in der jüngsten Besprechung der Parteien ist er in verstärktem Matze erhoben nwrden und ebenso wurden von anderer Seite mancherlei Sonderwüusche für den Fall der kampflosen Wahlen geltend gemacht. Man beschloß deshalb, nach erneuter Fühlungnahme mit den Parteien in 14 Tagen noch einmal zur gemeinsamen Beratung zusammenzutreten.
Es kann von der öffentlichen Meinung nur der dringend« Wunsch geäußert werden, daß in jener Sitzung unter > allen Umständen eine Verständigung erzielt werden möge.
1 Der Forderung auf bedingungslose Zustiinnrung zur Beibehaltung des gegenwärtigen Besitzstandes der 'Parteien beizutreten und alle Bedenken zurückzustellen, ist für manchen der Parteivorstände gewiß kern Leichtes. So kann man beispielsweise annehmen, daß es in der Stcftft Offenbach den liberalen Parteien vielleicht nicht allzuschwer fallen könnte, wenigstens eins der beiden städtischen Mandate zurückzuerobern. Eigenartig liegen auch die Verhältnisse in der Stadt Gießen. Sie ist jetzt bekanntlich durch zwei Angehörige der freisinnigen Vokkspartei vertreten; es wurde aber gelegentlich der letzten Reichstagswahl mit den National- liberalen ein Uebereinkommen dahin getroffen, daß ihnen bei der nächsten Laiwtagswahl, also jetzt, eins der beiden Landtagsmandate überlassen werben sollte. Auch sonst sind mancherlei Umstände vorhanden, die dazu führen könnten, vom parteipolitischen Standpunkt aus den Gedanken kanrpf- loser Wahlen zu verwerfen. Es wird aber dagegen mit Recht betont, daß zurzeit aller Kampf und Hader der Par- steien schweigen und der gemeinsame vaterländische Gedanke
auch hier in der vollen Einmütigkeit aller Parteien zum Ausdruck kommen müsse. Die große Masse der Wählerschaft würde es jedenfalls nicht verstehe», wenn es anders wäre. Beiden insgesamt 31 Neuwahlen hat die natio- nalliberalc Partei 11, die fortschrittliche Bolkspartei 7, die Fraktion des Bauernbundes 6 und Zentrum und Sozialdemokratie je 3 Mandate zu verteidigen, wozu noch ein parteiloses Mandat (Nauheim-Butzbach) kommt. Bei der kampflosen Wahl würde verhältnismäßig die fortschrittliche Volkspartei am günstigsten gestellt sein, da ihr bei ihren 8 Mandaten nach 3 Jahren nur l 'Mandat zu verteidigen erübrigt. Die nationallibcralc Fraktion zählt im ganzen 17 Mitglieder, das Zentrum 9 und die Sozialdemokratie 8 Mitglieder.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Der rote Schein.
Armee-Oberkommando Ost, 18. Nov.
Es war nach Hohenstein, der Krieg war vor mir wie ein Riese, dessen stickichter Atem meine Gedanken nicderwarf. Die Mondnächte waren von einer zauberhaften Weichheit in diesen September - tagen in Rössel. Von der Studierkammer des Kaplans, bei dem ich in Quartier lag, sah ich Wend für Abend in die lichlweiche Dämm- rigkeit des Domplatzes und Wend für Abend fuhr der Nachlwind mit zärtlichen Fingern durch die Büsche/ die sich blauschrvarz in dem weißen Lichte bogen. Am Tage lag der Staub in ungeheuren grauen Wolken über allen Straßen, den Feldern und den kleinen! Gehöften, soweit man dom Walle des alten Schlosses in die Ebene blicken konnte. Die Kolonnen zogen nach Gerdaucn, nach Nordenburg, sie marschieren der Armee «Rennenkampf eMgegen. Ich hielt es nicht aus in dem Mondschein und dein blitzenden Mittagslicht der kleinen blitzblanken Stadt, ich bat den Herrn Kaplan, mich oben au) den Kirchlurm zu führen, von dem man weiten Blick haben mußte. Wir schritten die knarrenden Stufen hinauf, vorder an den Nestern von Raubgesindel urrd alten verstaubten Bildern, an mattblauen, verschlissenen Chorstühlen nnb altem Gerümpel von Leuchtern imd Holzschnitzereien. Das schwere Glockenseil zitterte, so oft ich es streifte. Oben aus der Plattform und bei den Glocken wehte ttoydem nur ein leichter Wind.
Man tonirte weit in das Land sehen, über die roten Spieb- zeugdächer vom Rössel hinweg, hinweg über den Staub der Kolonnen bis hinten an die wellige B-rglirrlie, vvn der seltsame, schwarze Wolken ausstregen. Ehe die Dämmerung über die Dörser und Hügel schläferte, färbte sich der Absendhimmel hellrot und als die Schürtcn unserer Körvcr nicht mehr auf der Plattform blieben, sondern lang und seltsam weiter- wanderten, wurde der Himmel dunkelrot. Es war wie der Schein von brennenden Dörfern, lote ich ihn schpN formte, aber es war noch greller. Der rote Abendshimtftäl log Mer dem ßetzlt dnNllen rmd stillen Land, als ob er niemals ablassen wollte. Ehe ich niederstieg in die heimeligen Schallten der schmalen Gassen, hörte ich wie fernes Gewitter die Kanonen.
Dann stund eine Woche lang, zwei Wochen läng, — ich weiß es nicht mehr, wie lange — ■ der rote Schein über Ostpraltznr, der seltsam dunkelrot glühende Abendhimmel.
Jetzt flockt der Schnee in dichten weisen Schwärmen vor meinem Fenster. Die Kirche auf dern kleinen Platz trägt weiße Hauben und lange weiße Bänder. Die Bäume haben dicke weiße Pelze an. Das dunkelrote Rotschloarz des Turmes aber, schwerer und dunkckler durch die weißen Tupfen, hebt sich von dem roten Schein des Nachthimmels. Sehr fern brennen Gehöfte, der Schein ist über bem sternenlosen Wvemberhimmel. Er Int jede Nacht über der Grenze gestanden, er geht nicht mehr ans meinen Augen. In seinem Lichte sah ich Viehherden zu Tausenden die anfge- waichten Wege entlang ziehen und Wagen mit Flüchtlingen, die angstvoll nach dem roten Lichte sahen, nach dem Zeichen, daß ihre Heimat verbrannte. In jedem der vielen, vielen kleinen Städte und Flecken und Dörfer, irr die mich die Kriegswölle spülte, ging ich des Abends himurs, bis das Licht der Laternen oder der Schatten der Häuser nicht mehr hinderten, und irgenduu' am Horizont, oft nahe oft fern, war der rote Schein.
Nerrlich bei einem mächtigen Fäb-rikbrande mitten in der Schlacht flog das rote Licht drrrch die Scheiben in den trüben Nachmittag und lag über den Gefallenen, daß sie aus ihrer Un- sichtjichkeit — es ist merkwürdig. >vie wenig man sie oft sieht und wie man im Fieber der Schlacht über sie hinwegsseht — plötzlich sichtbar wurden. Es schien mir wie eine Gloriole über den Gesichtern. Es ist hart draußen, bitterhart, — > man hat zuweftien den Eindruck, als ob man sich die bittere Größe in den große» Städten nicht mehr vorstellen kann, rmd es ist schmerzhaft bis znm körperlichen Schmerz, vieles zu lesen, was mft guter Meinung in der Wärme des Lebens geschrieben wird, —> cs ist kalt draußen, aber mir wurde es warrn in dem ftackrigen, roten Licht des Krieges. Dann, die rote Glut auf den Gesichtern, den springenden rote» Widerschein auf den Basonetten, sangen unsere Truppen. Rückten vor und sangen. Wir brauchen nicht Beschönigungen, es ist unerhört, was unsere Truppen leisten, es ist gräßlich urrd zermalmend für tausend GcsMle und Gesühkchen, wie der Krieg Mann nnd Leben verschftngt. Es gibt nur eins, das in dtesem rote» Schein leuchtet: Heldentum Jünglinge sind Männer, Männer sind Helden. Durch Dreck mrd Not nnd Tod nnd Jammer gehen sie durch, vorwärts. Der heftige Wille znm Sieg brennt in allen diesen Augen. Die Zeft schwimmt wie eine Wolle im Sonnner- hftnmel. Was gesteny was heute, was morgen! Immer mrc wieder der Sieg leuchtet mft rotem Schein durch die grauen Tage, die man nicht abzählen kann, nicht wägen.
In der Nacht, als ich vom letzten Schlachtselde fuhr, ritt eine Kavalleriepatrouftle Mer einen Hügel, der scharf gegen den roten Himmclschein stand, unter dem das Nachtgefecht wefterloderte. Die Reiter hoben sich scharf imd schrver ab, ihre Lanzen zeigten nach Osten. Es sah ans, als ttalten sie in den roten Hftnrnel hinein. Die Hufe ihrer Pferde klapperten hart nnd Stahl klirrte hart an das Njen ihrer Bügel.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Die Mohammedaner in Rutzland.
Die Millionen von Mohammedanern, die in Rußland wohnen, bedeuten natürlich eine schwere Gefahr für das Zarenreich in seinem jetzigen Kampf gegen die Türkei. Denn diese russischen Untertanen empfinden als Anhänger des Propheten eine starke Sympathie für die Vormacht des Islam. Merkwürdigerweise sind mm die Träger der panislamitv- schen Bctvcguug nicht in erster Linie die russischen Mohammedaner in Asien, sondern der Hort dieser gegenwärtig so bedeutsamen Strömung sind, wie Prof. Otto Hoetzsch in seinem vor kurzem erschienenen Werk über Rußland aus-- führt, die Wolgatataren, die hauptsächlich in den Gouvernements Kazan, Simbirsk, Astrachan und jenseits der Wolga sitzen. Rußland hat klugerweise dem Islam immer große Freiheiten gelassen, und einzelnen Teilender Bevölle-- rung gegenüber hatte man auch leichtes Spiel. So sind z. SB.
die Kirgisen und Turkmenen nur dem Namen nach Anhänger des Islam; sie beobachten die Gebote des Korans nicht und gehen nicht nach Mekka. Ganz anders aber ist die Lage bei den mohammedanischen Tataren des Nordens, au der Wolga und in Westsibirien. Der nüchterne und zuverlässige, dabei sehr verschlagene Tatar hängt mit Leib und Seele am Glauben des Propheten, und unbeabsichtigterweise hat die Regierung dazu beigetragen, ihn darin noch zu bestärken. Das geistliche Oberhaupt der mohammedanischen Bevölkerung Rußlands ist närnlich der Mufti von Orenburg, und dieses Orenburger Muftiat wurde von Zar Nikolaus!, begründet, der dadurch einen Mittelpunkt des russischen Islam schuf. Durch diese Zentralisierung erstarkte die Macht des Jstam in Rußland, und die „tatarische Bewegung" hat der Regierung schon viel zu schaffen gemacht. Rußland zählte 1880 11 Millionen Muselmänner, deren ganze Literatur an gedruckten Büchern nur 7 bis 8 betrug; diese 11 Millionen verfügten über eine Buchdruckerei, 4 Führer nnd 12 Leute mit höherer Bildung, von denen einer in Westeuropa studiert halte. 1910 dagegen war die Zahl der Moslems auf 18 Millionen gewachsen, sie hatten über 1000 gedruckte Bücher, 14 Druckereien-und 16 periodische Schriften, in Rußland Höhcrgebildetc 200, in Westeuropa Studierte 20, etwa 100 Literaten, 6 höhere und 2000 niedere Schulen, 37 Wohl- tätigkeitsanstalten, drei kleine Banken und drei Torfbanken. So ist eine große muselmännische Bewegung in Rußland entstanden, die sich im strengen Gegensatz zu dem Staat und der von ihm vertretenen Kultur fühlt. Ihre Bedeutung zeigte sich zuerst, als sie 1905 irr das politrsche Leben ciugriff. Vom 28. Januar bis zum 5. Februar 1906 fand sogar ein besonderer mohammedanischer Kongreß in Petersburg statt, aus dem die russischen Moslems betonten, sie wollten sich keiner der schon vorhandenen Parteien anschließen, und für sich auf je eine Million Mohammedaner einen Abgeordneten verlangte». Die Dumen haben dern: auch bisher
immer eine Anzahl mohammedanischer Abgeordneten gehabt. Wie sich diese Bewegung in den letzten 10 Jahren kulturell entwickclte.^bcweist die Tatsache, daß bei den Tataren heute auf 150 Seelen 1 Moschee und 1 Mollah kommen, bei den Russen und Fremdstämmigen derselben Gegend erst auf 1500 Seelen ein Priester. Bei den islamitischen Tataren kommt eine Schule aus 100 Seelen beiderlei Geschlechts, bei den Christen auf 1500 bis 3000, und die Buch- und Zei- tuugsliteratur ist bei den Tataren verhältnismäßig noch viel größer. So zeigt sich die islamische Bewegung der russischen Kultur überlegen, und sie hat den Anschluß an den Panislamismus gesunden, den sie auch unter den bis dahin ganz ruhigen Sarten nnd Kirgisen Turkestans verbreitete. Man darf also bestimmt erwarten, daß das Feuer der Erhebung, das heute die ganze rnohammedanische Welt durchlodert, seine Uannnen auch im Innern Rußlands entfesseln wird.
Spirlplaii der Sletzener Stadttheaterr.
Direktion: Hermann Steingvettcr.
Sonnlaq, den 22. November (Totensonntag), keine Vorstellung. Mittwoch, den 25. November, abends 7 V, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (erinäßigt, Gutscheine haben keine Gültigkeu): Fes!«VorstclIuirg zur Feier des Geburtstages Er. König!. Hoheit des Grobherzogs von Hesseir nnd bei Rhein. Ter Reinertrag wird einein vaterländischen Zwecke zugewiesen. Ouvertüre zu „Titus', von Wolsgang Amadeus Mozart, ausgesiihrt unter Leitung des Groß!,. Musikdirektors K r a u ß e. Hierauf : Gastspiel des Hos- schauspielerS Oskar Bahn de vorn König!. Hoslheater in Kassel: „Wallensleins Tod." Ein dramatisches Gedicht in 5 Arftzügen von: Friedrich von Schiller. Ende gegen 10A Uhr. Freitag, de Ni
27. November, abends 8 Uhr, bei gewöhnlichen Preisen (ermäßigt),
3. Freitag-Abonnements - Vorstellung: „Ter Strom." Schauspiel
in 5 Auszügen von Max Halbe. Ende WA Uhr. Samstag, den
28. November, nachmittags 3'/, Uhr, bei Volkspreisen: Schüler-.
Dorslellmrg : „Minna von Barnhelm." Ende gegen 6 Ubr. Sonntag, den 29. Roveinber, nachmittags 37, Uhr, bei Volksvreisen ; „Im weißen Röß'l." Lustspiel in 3 Auszügen von Oskar Blumen- thal u. Gustav Kadelburg. Ende 5A Uhr. Abends 7*/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Tie Rabensteinerin." Schauspiel in 4 Akten von
Ernst v. Wildenbruch. Ende WA Uhr.
|t|»' "»i— Märkte. .. <-»• 4|
Gießen, 21. Nov. Marktbericht. Aul dem heutigen^ Wochenmarkte kostete: Butter das Mund 1,29—0,00 Mk.: Hühnereier 1 Stück 12—13 Plg., 2 Stück 00 Mg-: Enteneier t St. 0 Plq.
2 St. 00 Mg.; Gänseeier 1 St. 0-0 Mg., 2 St. 00 Piq.; Käse das Stück 10—12 Mg., Käsemalte 2 Stück 6—6 Mg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—2,50 Mk., Hahnen das Stück 1,00 — 2,50 Mk., Enten das Stück 2.50—3,00 Mk., Gänse das Ptd. 65—70 Pta-: Welsche 4—5Mk.; Ochsensletsch dasMd. 86—96 Mg.,, Rindfleisch das Psund 90 -94 Ma., Kuhfleisch 80—90 Psg., Schweinefleisch das Mund 80—80—96 Mg , Kalbfleisch das Wd. 80 - 84 Mg., Hammelfleisch das Psund 70—90 Mg.; Kartoffeln 100 Kilo 7,00—Mk., lügt. 8 Ma-, Weißkraut das Stück 8—15 Mg.; Zwiebeln der Ztr 12,00—15,00 Mk.: Milch das Liter 22 Mg.; Aeplel der Zentner 15 —20 Mk.; Birnen das Plund 12—15 Psg, Nüsse 100 Stück 40—50 Plg. — Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.
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Meteorologische Beobachtungen der Station Gietze»
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Niederschlag: 0,1 mm.
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