Ur. 27J Zweiter Blatt Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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General-Anzeiger für Gberheffen
Mittwoch, November
Rotationsdruck und Verlag d« Brühl'jchen Universitäls - Buch- und Sieindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriitleitung.Geschäitsslelle ».Druckerei: Schul» straße7.Geichäitsstelleit.Verlag:s-E51,Schriit- leitung: L-^l12. Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Einer Engländers heim.
Erinnert man sich noch des Londoner Schcruerstückes „Eines Engländers Heim"? Es wurde vor etwa sechs Jahren auch ans deutschen Bahnen yeKeigt. Es war eines wie viele seiner Sorte. Das letzte hieß : „Defense Home" und schilderte, wie die ganze Britennation aufsteht, um einen deutschen Ueberfall abzuwehren, wobei jedes .Haus von seinen Einwohnern verteidigt wird. Das war noch Theater. Heute ist Krieg, und seit die deutschen Kugeln vor Darmouth niederfielen, erörtert die Londoner Presse die Frage, ob die englische Zivilbevölkerung, wenn die Deutschen kommen, ihr Heim mit Waffen verteidigen dürfen. Der Dichter Wells, ein bekannter Hitzkopf, schrieb der Times, er werde schießen, was auch die Folge sein möge. Ein anderer Msaun aber, der offenbar in Belgien etwas gelernt hat, der frühere britische Konsul zu Gent, Frank Lethbridge, sandte der Times ein Briefchen,, worin er recht vernünftige Ansichten entwickelt. Er meint, die heikle Frage sei gar nicht von den Engländern, sondern vion den — 'Deutschen zu beantworten, lvenn sie kommen. Die Meinung der Deutschen stehe aber nach den belgischen Erfahrungen fest. Nämlich wenn ein Nichtkämpfer auf einen deutschen Soldaten feuere, so sei es für die 'Deutschen gesetzmäßig, soviel Zivilisteil, als sie für angemessen halten, zu 'erschießen und diejenige L>tadt, in der geschossen wird, ganz oder teilweise zu zerstören. Löwen, Mecheln und andere Städte seien Beweise dafür, wie sehr die deutsche Regierung gewillt sei, ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen. Die Verteidigung des eigenen Heims sei also eine ganz verrückte Frage, und er, der Exkonsul. könne nur sagen: derjenige Zivilist, der dem Feinde Widerstand leistet, ist ein Feind seiner Mitbürger.
Ganz vernünftig, nicht wahr, wenn auch etwas versteckt- gekränkt. Wollen die Landsleute des .Herrn Lethbridge auf solche Stimmen der Besinnung hören? Nachrichten, die aus London herübergedrungen sind, besagen, man habe dort jeder Familie, soweit es ihr Oberhaupt wünscht, ein Gewehr überantwortet, und wöchentlich fänden mehrfach llebungen statt, um die Familienväter mit dem Gebrauch der Waffe vertraut zu machen. Sind das nun etwa „Land- sturm-tlebungen"? Ist es organisierte Bolksverteidignng? Oder ist es ganz gewöhnliches Freischärlertum, dessen Schrecken wir in Belgien zur Genüge kennen gelernt haben? Die Engländer, die bisher alles Völkerrecht in diesem Kriege mit Füßen traten, werden sich vielleicht jetzt nicht entblöden, ihrem bewaffneten Familien vor stand ein völkerrechtliches Mäntelchen umzuhängen.
Der Begriff der.erlaubten Bolksverteidigung ist tatsächlich schwer zu fassen. Sobald die Grenze zum „Landsturm" hin überschritten ist, unterliegt es keinem Zweifel, daß solche Freischaren, die der regulären Kriegsmacht angegliedert und unter deren Oberleitung gestellt sind, Teile der Kriegsmacht werden. 'Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß ihnen ein Freibrief für nceuchlerische Kriegführung ausgestellt ist. Das vierte Haager Abkommen — darf man es überhäufst: noch nennen? — erllärt, an der Spitze der Freischärler müsse jemand stehen, der für seine Untergebenen verantwortlich ist. Das kann jeder Ränberhauptmann von sich behaupten. Zweitens müßten die Freischärler ein bestimmtes Abzeichen tragen, drittens die Waffen offen führen und viertens „bei ihren Unternehmungen die Gesetze und Gebräuche des Krieges beobachten". Das sind alles schwer festzustellende und tausendfach umgangene Bestimmungen. Noch unklarer wird die Frage, wenn die Bevölkerung des Landes sich gleich in Massen erhebt, die sog, levöe en masse. Wollen sich die Engländer vielleicht hinter diesem Begriff verschanzen? Die vielberühmte ,Ordnung des Landkriegs" meint nämlich, die Bevölkerung eines nichtbesahten Mbietes, die beim Herannahen des Feindes aus eigenem Antriebe zu den Waffen greift, um die eindringenden Truppen zn bekämpfen, ohne Zeit gehabt zu haben, sich zn organisieren, müsse als kriegführend betrachtet werden, wenn sie die Waffen offen führe und die Gesetze und Gebräuche des Krieges beobachte. Damit ist die Nichtorganisierte Massenerhchung anerkannt, solange das Gebiet von der feindlichen Abachi nicht besetzt ist; über die Massenerhebnng gegenüber den bereits eingcdrungenen feindlichen Truppen sagt dieses Stubengelehrtenrecht nichts. Und man kann den Engländern nur raten, nach ihren vielen Völkerrechtssünden sich nicht mehr heuchlerisch hinter diese Maske zu verstecken. Die Deutschen, wenn sie kommen, wer-
Gretzener Stadttheater.
Zopf und Schwert.
Lustspiel von Karl Gutzkow.
Das Talent, verständig zn exponieren und die notwendige Spannung im Zuschauerranm zu wecken — ein Talent freilich, das häufiger und billiger ist als die Kraft, Leidenschaften zu schil- dcrn und die Handlung zu einer Katastrophe zusammen zu drängen — hat Gutzkows Dramen zu der Zeit, als die jungdcutschen Einflüsse der Bauernseld, Birch-Pseiffer, Laube usw. auf das Theater wirkten, eine recht leidliche Stellung auf den deutschen Bühnen verschafft. Zu diesem Talent kommt eine virtuose Geioandtheit, Theateressekte wie der Menge geläufige, immer bereitwillig angenommene Münzen anszugeben. Meistens aber, in seinen Trauerspielen immer, fehlt Gutzkow der poetische Mut, einen wirklichen Charakter zu schassen. Seine Heiden können in allen Süualionen Ja und Nein sagen. Das macht es in den ineisten seiner Werke unmöglich, den moralischen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung sinnlich zu verfolgen, und es entsteht eine Weichlichkeit und Verschwommenheit, die auf die Tauer trotz aller Si- tnationswirkungen nicht fesseln kann. Erfreulicher als
Gutzkows hochdramatische Massenproduktion sind zwei seiner Lustspiele: „Das Urbild des Tartüsfe" und „Zopf und Schwer t", das gestern abend unser Theater einem gut besuchten Hause zeigte. Es handelt sich, wie dem Leser von früheren Aufführungen des Stückes gegenwärtig sein darf, um ein Genrebild aus der Zeit Friedrich Wilhelms I., dessen Tochter Wilhelmine trotz der ehrgeizigen Pläne der Königin und der dito, nur einen anderen Weg einschlagenden Absichten des Königs, den lieben Prinzen von Bayreuth heiraten darf. Ganz im Geschmack der sranzösischeit Jntriguenstücte, voll von Sünden gegen die geschichtliche Wahrheit, mit allerlei kleinen und großen Umvahrscheinlich- kciten überhäuft, ist das Lustspiel dennoch von großer komischer Wirkung. Störend tvirkt allerdings, daß Gutzkow die Sucht, zu erbauen und zu moralisieren mitunter mit dem Bewußtsein, daß er rin Lustspiel schreibt, aus und davon geht. Wenn wir lachen wollen,
den es jedent bewaffneten Hausherrn ganz genau sagen, ob er ein ehrlicher Soldat oder ein schuftiger Franktireur ist. Auch in England wird gelten, was der König von Preußen am 11. August 1870 in jener wundervollen Proklanration aussprach: „Ich führe Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit den Bürgern Frankreichs. Diese werden demnach sortfahren, einer vollkommenen Sicherheit zn genießen, solange sie mich nicht selbst durch feindliche Unternehmungen des Rechtes berauben, ihnen meinen Schutz angedeihen zu lassen." Im Geiste jener schönen Worte füh-ä auch das heutige Deutschland Krieg.
Rrrr Stadt rrnd Land.
Gießen, 18. November 1914.
** Licbesgabentage. Man schreibt uns aus Barmen: „Kürzlich veranstaltete der Nationale Frauendienst in Barmen zum Besten des Roten Kreuzes einen allgemeinen Sammeltag für Liebesgaben. Die ganze Stadt war unter Zugrundelegung der Armenbezirke in kleinere Sammel- gebiete und diese wieder in Gruppen von zehn bis zwölf Häusern eingeteilt, die, nach Straße und Hausnummer genau bezeichnet, durch die Bezirksvorsteherinnen und Helferinnen des Vaterländischen Frmienvereins den einzelnen Sammlerinnen zugewiesen wurden. Vor dem Liebcsgabentag wurden die Mitbürger durch Veröffentlichungen in der Presse, durch Plakate an den Anschlagsäulen und in den Läden, sowie in deir Wagen der elektrischen Bahn auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. — Ms erfreuliche Begleiterscheinung trat im geschäftlichen Verkehr eine rege Kauflust hervor. Am Liebesgabentage selbst entwickelte sich in den Straßen ein lebhaftes Treiben. Von 9 Uhr morgens an begannen die Sammlerinnen, ausgerüstet mit großen Körben, ihre Tätigkeit. Freiwillige Träger und Trägerinnen begleiteten sie mü „Bollerwagen" oder lleinen Handkarren, um die Gaben in die nächste Sammelstelle zu bringen. Umfangreiche Gaben — Kisten mit Wein und Lebensmitteln, große Packen von wollenen Decken, Betten u. dgl. wurden auf Veranlassung der Bezirksvorsteherinnen gleich durch Fuhrwerk in die Hauptsammelstellen befördert. Die Sammlerinnen nahmen alles, was ihnen geboten wurde, und erhielten daher auch noch eine Menge Sachen für die Bedürftigen der Stadt. Geld erbaten sie nirgends, wiesen es aber natürlich auch nicht zurück; sie sammelten auf diese Weise über 6090 Ml. — Die Liebesgaben für die Truppen wlirden nach den Hauptsammelstellen gebracht und dort von Helferinnen des nattonalen Frauendienstes und des Roten Kreuzes geordnet und verpackt. Tüchtige Berufspacker gingen ihnen zur Hand, und schon nach acht Tagen konnten 1100 Kisten mit Liebesgaben im Werte von etwa 300 000 Mk. an die Front gesandt werden." — Diese enormen Zahlen, die an einem einzigen Tage erreicht wurden und die alle Aufrufe in Wochen nicht zusammenbringen, get«n zu denken und vermitteln die dankbare Anregung, das Beispiel, das im Bergischen Lande schon erfolgreiche Nachahmungen gesunden hat, mich hier bei uns anzuwenden. Namentlich im Hinblick auf die Weihnachtszett erscheint diese Art der Liebesgabcnsammtung zweckmäßig und vielversprechend.
** Die Liebes gaben-Abnahme st elle für die Marine (Geschäftsstelle im Reichsmarinecmrt, Leiter Vizeadmiral z. D. Winkler) macht bekannt, daß jetzt schon eifrig mit dem Herstellen der W eih n a ch ts pake t e für jeden Mann begannen ist nnd deshalb augenblicklich als Liebesgaben in erster Linie solche Sachen erwünscht sind, die sich zn Weihnachtsgeschenken eignen. Gar nicht genug kann an Rauchsachen gegeben werden: Zigarren, Tabak, Pfeifen, Tabaksbeutel, Lunten (mit Feuerstein, nicht Benzin), außerdem sind erwünscht: Taschentücher, Briefpapier, Notizbücher (als Tagebücher), Seife, Messer. Mundharmonikas, Schokolade, Pfeffernüsse usw. Sehr notwendig ist noch der weitere Eingang an Geldspenden zum Beschaffen solcher Gegenstände, die nicht in genügender Zahl eingegangen sind. Geldspenden sind zu richten an die Abuahmestelle für Liebesgaben für die Kaiserliche Marine, Reichsmarineamt, Berlin W. 10, Königin-Augusta-Straße 38/42. Hierher sind ebenso zu richten die Post- nnd Frachtscndnngen. Letztere werden nur unter der Bezeichnung „Liebesgaben für die Marine" frei befördert. Persönliche Entgegennahme von Liebesgaben an allen Wochentagen im Reichsmarineamt, Eingang Haust tportgk, in der Zeit von 10 bis 11 Uhr vorm.
" M u ! i f a l i f d) c Unterhaltung unserer Verwundeten Tie in der Medizinischen fi i i n i f, sowie im Katholischen Vereinshaus imtei gebrachten Verwundete» wurden am Sonntag dgrcki Gesanqsvorlräae des Gemischten und Frauenchors des E v a n g. Arbeitervereins besonders erneut. In der Medizniichen Klinik allein sang der Cbor au sechs verschiedenen Stellen und bat dadurch ollen dort »itter- gebracbten Verwundete» Rechnung getraaen. Tie Darbietungen sanvrn überall tesouderen Beiiall, so daß sich der Chor oit zu Zu
wollen wir nicht erzogen und belehrt werden. Dergleichen ist unnatürlich.
Man unterhielt sich gestern abend bei den bizarren Einfällen des zweiten Preußenkönigs recht angenehm. Dennoch lag eine gewisse Reserve über dem Zuschauerranm, der begreiflicherweise zn dem frcm- den Stil und der Prätcnston, mit der Nutzt w auchBinsenwahchetten behandelt, nicht so ganz in das rechte, ungezwungene Verhältnis kommen wollte. Fanden manche ©jenen, wie der von Walter Dworkowskis Regie lebendig geschaute und gestellte Versuch der politischen Verlobung der Prinzessin und die laute, witzige, mit Stichclreden nnd Abfuhren paradierende Heiterkeit des Tabaks- kolleginms die Zuhörer bereitwlllig znm Lachen geneigt, so möchten wir im Jnlerchse von deren dauernder Aufmerksamkeit manchen leicht zu verschmerzenden Stellen gerne den Blaustift wünschen. In den ansprechenden Widern der Regie wickelte sich die Vorstellung im übrigen lobenswert ab, wenn ihrem Schwung und Witz auch stellenweise eine größere Emanzipation vom Souffleurkasten zn statten gekommen wäre. Tie gemütvolle Grobheit und das überkonservative Polterwcsen des Königs liegen Paul Schubert aAsgezeichnet: seine Behandlung des vom Dichter übrigens Wohl getroffenen Porträts dürste aber ohne Schaden um einige Nuancen reicher sein. Die auf den Gothaischen Hos- kalender eingeschworene, politisierende Königin ^war bei Auguste Frenzel in guten Händen, während Marta Schild der mel- umworbenen Prinzessin liebenswürdige, natürliche .Herzenstöne lieh. Des verliebten Boyrcuther Erbprinzen nahm sich Ferdinand Steinhofer mit viel Frische und Humor an. Von Geist und Haltung war Clemens von R o g g e n h a u s e n in der Rolle des englischen Gesandten. Philine Wengerdt glaubte man es gerne, daß dem Sprühteusel von Hofdame das militärische Zcrenwnicll und das Strümpsestricken am preußischen Königshose nicht bebagte, und Rudolf G o l l als Kammerdiener Ewersmann, durch dessen Hände nnd Ohren die Geschicke des Staates gehen, war von köstlicher Salbung und devotem Selbstbewnßitsein. Wie man die Sache ansaßtc. und wie die Rollen besetzt waren,^ läßt i sich noch manche Möglichkeit aus dem nunmehr 60jährigen Stücke holen, wenn man nämlich dem sicheren Zusammenspicl noch einige 1 Konzessionen macht. Jedenfalls wird man dem Theater die Ver
gaben entschließen mußte. Eine Gegenleistung wurde den Sängern »r einer Baracke der Medizinischen Klinik durch die Tckiamalion einiger selbstversaßier Gedichte seitens etiies Verwundete» geboten.
" Das Kreiskoinitee sür Rotes Kreuz und Krieg Hille bittet utts, aus diesem Wege zur Kennitiis der Ortsausschüsse in den Landgemeinden ju bringen, daß nach einer ihm gewordenen Mitteilung stch die Samtnlung >tnd Versendung von Weibuachtsvakele» mit persönlicher Adresse au die im Felde siebenden Truppen durch Dermitleiimg des Kreiskomilees wegen zwischetizelttich ejngeirelener Schmierigkeiten leider nicht verwirkliche» läßt. Anders liegt es dagegen mit unpersönlichen Weihnachlspaketen, deren ats- valdige Einsendung aus den Landgemeinden an das KreiS- fomitee so, wie in der Sitzung vom 14. Rove-»ber l. Js hervor- gebobe», ü b e r a t, s erwünscht ist, und die vom Kreiskoiititce wetlerbeiörderi werden könne», lieber das Nähere wird eine ln aller Kürze m unserein Blatte erscheinende Bekanntmachung weitere Auskunst geben.
** Von den Gießener Märkten. Auf unseren
V i e h m ä r k t e n in 1913/14, welche im Gegensatz zum Vorjahr wieder sämtlich abgehalten wurden, waren ausgetriebeu: 5092 Stück Schweine (1754 in 1912/13), 31 321 Stück Rindvieh (8122), 783 Pferde und Fohlen (205). Die Einnahme aus Standgeldern betrug bei den Viehmärkten 3501 Mark (929 Mk.), ivozu noch sür die Abgabe von .Hallen an Wirte 455 Mk. kommen. Diesen Einnahmen stehen 900 Mk. sür tierärztliche Ueberwachung usw. gegenüber. Die sonstigen sür diese Märkte seitens der Stadt aufznwendenden Beträge für Herrichtung, Unterhaltung und Reinigung des Viehmarkd- platzes schließen einen Ueberschuß beim Viehmarktsbetrieb aus. — Die Krämermärkte brachten ein Platzgeld von 125 Mk. nnd für Schaubude». Zirrus ustv. 529 Mk. — zusammen 654 Mk. — Der Wochenmarktsverkehr am Brandplatz und Oswaldsgarten ergab eine 'Einnahme von 5605 Ml.; davon entfallen auf Pacht ans den Markts- lauben und auf die Jahrespacht für feste Plätze 2680 Mk. Die in der Stadt abgegebenen 7 Plätze zur Aufstellung von Trinkhallen ergaben eine Pacht von 811 Mk., sür 4 Obstverkaufsstände 711 Mk., zusammen 1522 Mk. Der Weihnacht s m a r k t ergab eine Einnahme von 182 Mk., darunter 140 Mk. für Plätze zuin Verkauf von Chriftbänmen.
**EinwahresGeschichtchen teilt uns ein Abonnent mit: Morgens um 7 Uhr. Schlafzimnier. Der noch nicht ganz einjährige H. in Vaters, der 4 h» jährige W. in Mutters Bett. H. will nicht unter der Decke bleiben, sondern arbeitet sich heraus. W., der H.'s Tun aufmerksam beobachtet, zur Mutter: „Mutti, eben kommt der H. a u s d e m Schützengrabe n".
Kreis Büdingen.
X Nidda, 15. Nov. Längere Zett wollte es in unserer Gegend mit der Jugendpflege und den Bestrebungen für Jnngdeutschland nicht recht voran, aber fest 14 Tagen hat sich in dieser Beziehung ein erfreulicher Umschwung vollzogen. Nachdem von Geh. Regiv- rnngsrat Boeckmann in Büdingen eine Versammlung von Interessenten einbernfen worden war, worin die Bestrebungen und Ziele der Bewegung eingehend erläutert wurden, fanden sich in allen Orten Männer verschiedener Bernfsstände, die längere Zett beim Militär gedient haben, gern berett, die militärische Ausbildung der männlichen Jugend vom 16. bis 20. Jahre in die Hände zu nehmen und wöchentlich nnd allsonntäglich Ucbungcn und Belehrungen mit den jungen Leuten abzuhalten. Die Anmeldungen dazu erfolgten bis jetzt schon reichlich, und man hofft, daß schließlich alle Jünglinge des betreffenden Alters freiwillig sich anschtießen werden. Gestern konnte hier die erste gern c i n s ch a s t l i ch e U e b u n g der hiesigen und Nachbarjngcnd- wchren aus acht Gemeinden abgehalten werden. Die llebungen zeugten von großer Hingabe der Führer sowie von reger Artteil- nahme und Begeisterung der Jugend für die edle Sache. An die llebungen schloß sich eine Aussprache der Vorstände. Dabei wurden bereits gesammelte Erfahrungen, Wünsche und Mittel erörtert, die zur Förderung der Jugendpflege im Bezirk Nidda nnd zum Verständnis derselben in den breiten Schichten der ganzen Bevölkerung bcirtagen können. — Gestern abend veranstaltete Thcaterdirektop B r e i h o l z von Windecken mit seinem Personal im „Gambrinus" hier einen vaterländischen Abend, von dessen Ertrag ein Teil zum Besten des Roten Kreuzes bcsttmmt war. Nachmittags hatte eine Vorstellung sür die Schüler von hier nnd Umgebung stattgefunden. Die beiden Ausführungen waren sehr gut besucht; 50Mk. konnten vom Reinertrag dem Roten Kreuz überwiesen werden.
Kreis Friedberg.
O Butzbach, 18. Aov. In der Werkstätte des Küle» uieisters Langbein da liier wurde beute nacht eu, Einbrüche» d i e b st a b l verübt. Gestohlen wurde» 3 Paar Herrenschuhe, 1 Paar Kinderschuhe, I Rock und 1 Schürze.
mtttlung des heiteren Werkes danken, zumal es Töne vernehmen läßt, die in ihrer Anssassnng von Franzosen- und Engländertum wie sür die allcrmodernste Zeit geschrieben scheinen. -a-
— Belgisches Theater in London. Eine belgische Schauspiclergesellschaft wird in den nächsten Tagen im Londoner Criterion-Theater eine Spielzeit mit belgischen Stücken eröffnen. Damit sott den belgischen Künstlern eine gewisse Entschädigung dafür geboten werden, daß sie in ihrem Vaierlande gegenwärtig kein Feld für Thcaterunternehmungen finden. Einflußreiche Kreise des Thcaterlebens in der englischen Hauvtstadt fördern das belgische Theater, und man hofft auf einen guten Erfolg beim Publikum, zumal es sich um anerkannte Schauspieler und Schauspielerinnen handelt, die interessante künstlerische Darbietungen versprechen. Als Eröffnungsstück ist ein dreiakttges Lustspiel „Ce Bon Monsieur Zoebebeek" gewählt worden, das in Brüssel einen andauernden Erfolg erzielt hat und auch in Paris sehr günstig ausgenommen worden ist. Die Hauptrolle wird von Libeau gespielt, eineni beim Brüsseler Publikum sehr beliebten Schauspieler, der bereits 300mal in dieser Rolle ausgetreten ist. Im zweiten Akt wird Marcelle Parys, die erste Sängerin vom Königlichen Theater in Antwerpen und Lüttich, eine Anzahl Lieder singen.
— Das entweihte Dante-Haus in Florenz. Im „Giornale d'Jtalia" führt ein Florentiner Beschwerde über die Art, wie das Dante-Haus in Florenz als Verkaufshaus Verwendung findet und so entweiht wird. . Die Gegenstände, tue die lieber- lieserung mit Dante verknüpft, sind aus dem Oberstock rn dais untere überftihrt worden, nnd während sie früher das Arbetts- zimmer und das Schlafzimmer Dantes vervollständigten, sind sie jetzt in den unteren Zimmern verteilt und hier desmden tie sich mitten unter den Tischen. Sesseln und Jmitatioiren von Stoßen narb antiken Mustern, dir ein Florcnttner Fabrikant herstellt. Dieser hat für 2Ö0 Lire im Monat das Haus gemietet, um für seine Waren Rellame zn machen. So dienen die Dante-Reliquien zur Erhöhung des Interesses in einer Rellameausstellunq und sind mitten unter Stoffen verstteut, bei denen di« aufgeh, -stete,, Preisangaben keinen Zweifel über die Bedattung d«L Ganzen lassen.


