Ausgabe 
17.11.1914
 
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ur. rrv Drittes Blatt 164 . Jahrgang

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viermal wöchentlich beigelegt da; »rrtvdla» für dr» llrei» Oletzev" zweimal «öcheiultch. Die .^«»»irlschaflllchen Sett- ft»,eu" erscheine«, monatlich zweimal.

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General-Anzeiger für Gberheffen

vlenrlag, \T. November 1914

Äot«rtoreM>rucf und Verlag der Br üblichen UnioersucktS - Buch- und Steindruckeret R. Lange, Gießen.

Echriltteitung,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schui- straße 7. Gxschältsstelle u.Perlag:e^E51,Schrist- leitung: «-UA11L. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

hessische Landwehr.

Be« einem im Felde stehenden Offizier des 116. Lcrndwehr- Achmtkrie-Regiments erhalten wir ßftgendes, frisch aus dem Leben Stimmungsbild von dem Leben aus dem Schlachtselde: Stackfinstere Nacht; meine Kameraden liegen vorn im Schützengraben, dicht am Feirrd, im ewigen Feuertvechscl. Wir sind für einig« Tage zurückgezogen in Reservestellung, um den müden Körper und die mitgenommenen Nerven zu stärken und für treue Ausgaben ans,»frischen, Kor einer Stunde schickten uns die unruhigen Franzosen mit Anbruch der Dämmerung die letzten Seuuatrn; rechts und links von uns.gab es leider Verluste, wir selbst kamen heil davon und sammelten die noch warmen Spreng- ftiUk. Meine Kompagnie jumutt in den Erdhöhlen heimatliche Weisen: bor meiner Sohle, der ,L>ermannsburg", stampft der Posten aus und ab, und ich selbst sitze in derHermannsburg" sab schreibe diese Zeilen.

hessische Kunst! Was hat die mit der hessischen Landwehr M tau? So wird mancher Dahermgcbliebene fragen. Auch ich habe so gefragt. . beute frage ich nicht mehr. Und warulm chcht'? Das wall ich Euch, Ihr lieben hessischen Landsleute daheim, m kurzen Zügen erzählen.

Der Kaiser ries

Und alle, alle kau««»!

Das war vor mehr als drei Monaten, und nicht zuletzt waren es die Söhne des schönen Hesscnlandes, die freudig imb stolz voll Mut und Willenskraft dem Ruse des obersten Kriegsherrn folgten. Mit ihnen zog bcssens Lanüesfürst, Grobherzog Ämst Ludwig, ins Feld, dem alten Erbfeind entgegen. Landwehr und rm folgte». Meine Ansgabc wurde cs, im Landwehr-Ju- smlckkric-Rcgrment Nr. 116 Dienst zu tun. Anfangs träumte ich ton Etappendienst, war mißmnttg und schimpfte leidlich, denn ich »otltc vorn hin an! die Front, mo Kugeln pfeisen unid Schwerter klirren. Mein Wunsch wurde früh genug erfüllt. Bald stand das Regiment in vorderster Linie. Nachtmärschc, Sturm- «meiste, Aushalten im heftigsten Granatieuer lösten sich in bunter ab, und seit jenem denkwürdigen 8 . September bei Vftry sind »ir inunrr vorn und ständig dort gewesen, wo es gall, ganze »nb schwere Ardeft zu tun: Divisionsbefehl mft Anerkennung!

Ja. die wacheren hessischen Landwchrleute, die tapsercn Ge­selle» mft den Riesenbärten, ich habe sie schätzen und lieben ge kernt, beute bin ich gern mitten, unter ihnen und möcive bei chue» bleiben in Sieg oder Dod, denn sic sind Helden. Rresigc tLerhesseir, fröhliche Rheinhcsscn, gewandte und slotte Starken- b»rr«er, ernste und tüchtrge Obenwäldcr, sie bilden, im Regiment vermal, unter ihvem Führer, bcrrn Graf v. Schliefsen, die feste «ch neu die beste Kern truppe unscrrr ausgedehnten Stellung. I» Gefacht »,rd bei Sturmangriffen kämpften die ivackrren Fa- »ürenväter wie die Löwen: feit Wochen liegen sie in Schützen­gräben, oft 4050 Nieter vor der seindlichcn Stellung, schieben stich redlich und ehrlich mft französischen Alpenjägern, mit sran- tüßjcher iÄardc und mftschwarzem Gesindel" herum und Hallen aus, lrotz Sturm und Wetter, bagel und Regen, Nebel und Kalle, Not, Tod »ich Entbehrungen. An den westlichen Aus­läufern des Argonnenwaldes haben sie sich hincingcwühlt in Kalk- und Kreidefelsen und wachen, bis aus die Knochen natz und von welscher Erde durchkühtl. Tag und Nacht, Stunde sür Stunde, treu und gewissenhaft, mutig und unverzagt, für Deutsch­lands Ehre und hoffen aus Sieg.

Dem stolzen Regiment, dessen Reihen durch schwere Verluste arg gelichtet waren, die aber durch zweimaligen Ersatz wieder «chgepastt-t worden ftud, mürben bis jetzt zahlreiche Eisern« Kreuze

und auch mehrere Groscherp)glich beffischc Tapserkeftsmedaillen

verliehen. Auch Königlich Säckrsische Auszeichnungen für treue Waffenbrüderschaft sind unterwegs. Ja, was hat denn das alles mft hessischer Kunst zu tun? Ganz recht, nur Geduld, das kommt jetzt.

lieber den Krieg kann man denken wie man will, erzählen und schreiben darf jedoch nur der, der ihn miterlebt und mit- dnrchgekümpst Hai. So grob, so heilig und so gewaltig der Krieg sein kann, so häblich kann er sein: das gebe ich zu. Er löst das Höchste und das Schönste oft auch das Gemeinste aus: dennoch bleibt er die grobe, lzeilige Sache eines Volkes, der ,eder dienen solllc. Wir Deutsche kämpfen diesmal um Sein ober Nichtsein: es ist der grüble und schwerste Bölkcrkrieg, den die Weltgeschichte kennt. Doch, wir werden siegen, dessen bin ich geiuib. '

Unsere Vergangenheit muffte zur Gegenwart führen und dre Gegenwart führt uns mit und durch diesen Krieg einer Zukunft entgegen, in der die Welt an deutschem Wesen, deutscher Art, deutscher Kunst, deutscher Arbeit und deutscher Ehrlichkeit ge­nesen wird. Ja, auch an deutscher Kunst.

Schon die deutschen Feldbefestigungen in offener Feldschlacht reden eine gewaltige Sprache. Mit den einfachsten Behelssinitteln und unzureicheichcn Werkzeugen hergestellt, gleichen sie technischen Kunstwerken. Aus diesen Graben hinaus loird der Kampf hinüber in die seinlftiche Stellung getragen. Durchirostet, vom Regen über­schüttet, im Herbstncbel oder in sternenloser Nacht liegen die Schützen hinter der Brustwehr mit scharsem Auge, die Faust am Kolben der äußerlich verrosteten Gewehre uich halten scharfe Wache. Schrapnells krachen, Granaten bersten und Gewehrkugeln pseiscn in ständigem Wechsel. Nur mühsam und mit großer Vorsicht kann die Verpflegung in den Nachtstunden nach vorn getragen werden. Kalter Kaffee, kalte Suppe. Nur spärlich gelangt die Post aus der Heimat in die vordersten. Linien, Kameraden werden verwundet, andere fallen und sterben den Heldentod. Stumm, mft eisernen« Blick schreitet der Führer die Reihen im Graben entlang, von Gruppe zu Gruppe: von einem Flügel zum andern prüft er der Seinen Wachsamkeit. Ein hartes Leben, ohne Bewegung und ohne Abwechselung, einseitig und doch so gewaltig ernü und wich­tig. Endlich! Wir werden ahgelöst! Alle 4, 8 oder auch 12 Tage naht dieses ersehnte Ereignis. Dann geht es einige hundert Meter zurück in die Reservestellung im nächstem Waldstück oder hinter einen welligen bang. Bleibt man hier auch nicht vom Gcseckits- lärm verschont, denn es pseisen auch hier Granaten und Kugeln, so ist man doch einigermaßen dem direkten Schußfeld des Fein­des aus dem Wege gegangene Und in solchen Resservestellunaeer des Landwehr-Jnfanterie-Regrments Nr. 116 ist hessische Kunst zu ihrem Recht gekommen Was der Landesherr mit tiefem Kunstverständnis, mit viel Liebe und reichen Mit­teln, im gemeinsamen Wirken mft Künstlern, Kunstfreun­den und hessischen ehrbaren .Handwerkern daheim im schönen bessenland, besonders im Schmuckkästlein Dormstadt, geschafft und gewirkt hat, das blüh! hier in schlichter Natürlichkeit aus. Die Erdhöhlen schmiegen sich dem leichten hang in praktischer Form an, Kiefern geben stützen u nd Deckenbelag, Birken und MooSbeete zieren den Eingang und Borraum; verstohlen blinkt dort ein alter Fensterslüge! aus der Höhle eines Führers und heimisch grüßt uns ein hessisches Fähnlein, aus roten und weißen Taschentüchern her- gestellt. Bor den Höhlen breiten sich künstliche Ziergärten und nehmen der rauhen Wirklichkeit so manchen Schatten und herben Beigeschmack. Dicht hinler T. ... haben die wackeren Landwehr- leute unter der Leitung des Herrn Hoch- und Tiefbautechnikers (jetzt sceftich Vizejeldwebel) Bit zwei Quellen gcjaßt, mft Kalk­

stein und Kreidefelsen zwei einfache, aber schöne Dokumente hessischci

Kunst errichtet:

DenKaiser-Wilhrlm-Brunnen" und dieE r n ft«

Ludwig-Quelle".

Bei B.....grüßt uns das schmucke Erdböblenhtuschrn des

Regiments-Kommandeurs, Herrn Grafen v. Schliefsen, als sei es just mitten aus der Künstler-Kolonie hierber versetzt, und in der Nähe ist die komsortableHöhlenwohnung" des BataMonskommon- deurs, Herrn Major Müller, die zugleich als Geschäftszimmer dient. Hunderte von Höhlen und Häuschen liegen hingcbettct, als hätte Meister- und Künstler Hand sie hingezaubert und drinnen ruhen rauhe, bärtige Krieger, hessische Landwehrleute von Kamps und Arbeit aus und träumen von Herd und Heim, von Weib und Kind. Von derHermannsburg" und anderen schöne» Sachen schreibe ich später mehr

Heitte will ich schließen mft treudeutschem Grnß an alle wackere» Landsleute daheim, denen ich gleichzeitig die Versicherung gebe: Wir Hessen schreiben hier mit Blut und Eisen eine deutsche Ge­schichte, aber wir ertragen viel und kämpfen freudig für Kaiser und Reich, für Landessürst und Heimatland, und wir werden nie müde werden, neben den eisernen Kriegsklängen auch das zu pffegen und hochzuhaltcn, was uns weit über unsere Feinde stellt, und dos sind Heimatliebe, Familiensinn, das goldene Handwerk, deutsche Treue und eine grundehrliche, tieft und dennoch hefte«, edle Kunst." Gott segne Deutschland und unsere Arbeft!

Märkte.

Gieße«. 17. Nov. Marktbericht. Ank dem bnifMen

Wochenmarkte kostete: Butter da; Wund 1,200,00 Mk.i Hühner­eier 1 Stück 12'3 Pig., 2 Stück 00 Bia.: Enteneier 1 St 0 Big.

2 St. 00 Pig: Gänseeier 1 St 0-0 Big., 2 St. 00 Plg.: Käse

das Stück 1012 Piq., Kälemalte 2 Stück 6« Psg.: Tauben da; Paar 1,001,40 Mk., Hübner da; Stück 1 , 00 2,50 Mt, Hahnen das stück 1,00 - 2,50 Mk., Eriken das Stück 2,503,0u Mk Gänse das Pld. 6 >70 PI,.: Welsche 45Mk.: Ochlenüepch da; Lid. 68-98 Pig.. Rindfleisch das Piund 9094 Psa., Kubflelsch 8090 Psg., Schweine­fleisch das Pfund "09096 Pig , Kalbfleisch das Md 80-8. Pf^, Hammelfleisch das Pfund 7090 Big,: Kartosseln 100 Kilo 7,00Mt, 1 Ogr, 8 Big., Weißkraut das Stück 815 P'g.; Zwiebeln der Ztr. 10,0012,00 Mt: Milch das Liier 22 Psg.: Aepiel der Zentner

1520 Mt: Birne» das Piund 1215 Pig, Nüsse 100 Stück 40öO Pi,. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.

Herborn, > 6 . Nov. Aus dem heute abaebaltenen 12. dies­jährige» AI a r k! e waren auiqetriederi 230 Stück Ri»dv>eb und 534 Schweine. Es wurde» dczablt sür Fettvieh und zwar Ochsen 1 . Qualität 9093 Alk.. 2. Qualität 87-8 Mark, Kühe und cki'nder 1. Qualität 8385 Mk., 2 . Qualität 7882 Mark für öO Kilo Schlachtgewicht. Aul dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 2540 Mt, Läufer 4570 Mk. und Einlegichweiue 80120 Alt das Paar. Der nächste Markt findet am 14. Dezember 1914 statt.

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