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vr. 268 Drittes Blatt 16§. Jahrgang

ittscherm «tzüch mtt AuSxoha» des Sonntags.

Die ^»»r»«er LemllieubläUer" werd« dem .Anzeiger^ »irrmal wöchenllich beigelegt, das KiciibUtt ftr de» Hrtis Kleben" zweimal wöchenllich. Di« ^Lmid«iktschastlichen Zeit- erschein«« monatUch zwennal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Samstag. H. November \W

Rotationsdruck und Verlag der Brüh Ischen Univerfiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Sieben.

Schrffttettung, Geschäftsstelle ».Drucker« Schul ftraße?. Geschältsstelle u.Verlag:«^8öl,Schrist- leitung: ^qK112. Adresse sür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Das christliche England und der welttrieg * 9 ^.

Don Prof. D. Martin Schian-Gießen.

(Nachdruck verboten.)

England trifft die Verantwortung für diesen Krieg. Rußland hätte ihn, selbst mit Frankreich verbündet, nicht gewagt, wenn es nicht auf England hätte zählen können. Es ist eine furchtbare Schuld, die auf England lastet. Auf dem christlichen England!

Das christliche England! Ich setzte das Eigenschafts- wort n icht inAnführungsstriche: England will wirklich christ­lich sein. Man kann chm das Prädikat christlich mindestens so gut zuerkennen, wie man es Deutschland zuerkennt: und es verdient es ohne jede Frage mehr als Frankreich, das früher einmal als das allerchristlichste Land galt, und mehr als Rußland, mit seinem zwar reilweis mystisch innigen, aber durchlveg der sittlichen Energie entbehrenden und bei den Massen noch äußerlichen orientalischen Christentum. Eng­land und Schottland zeigen das, was wir oft vergeblich er­sehnen; einen gut kirchlichen Protestantismus. Man mag über den englischen Sonntag denken, wie man will uns wird der deutsche lieber sein aber ein mächtiges Zeugnis für den Einfluß christlicher Gedanken ist er doch. Man mag die Einseitigkeit des Methodismus mißbilligen; in jedem Fall stellte und stellt er noch heut eine religiöse Bewegung von ungeheurer Wucht dar. Man mag die Heilsarmee wun­derlich finden und vieles gegen sie cinzuwcnden haben; in ihr steckt doch eine religiöse Angriffs- und Hilfskraft, über die man staunen muß. Man mag die katholisierendcn Neigungen iu der englischen Staatskirche befremdlich finden; auch sic zeigt, wie jeder Beobachter bezeugt, ein kraftvolles Leben. Es gibt auch in England (ja, gerade in England) große Massen, die dem Christentum entfrerndet sind, und selbst die allerlebendigste Evangelisationsarbeit hat dieser Entfrem­dung nicht begegnen können; aber die entscheidenden Volks­schichten sind christlich. Und was hat England in einer mehr als Jahrhunderte allen Arbell für die Ausbreitung des Chrrstentuins getan!

Dieses christliche England trägt die Verantwortung für den ungeheuersten Krieg, den die Welt gesehen hat. Wir sind alle der Ansicht, daß es sic deshalb auf sich genommen hat, weil es Deutschlands wachsende Konkurrenz im weltweiten Wirtschaftsleben zerschmettern will. Sein Erwerbstrieb, sein Brotneid haben das Furchtbare veranlaßt. Zwar England selber sagt es anders. Es gibt vor, die belgische Neutralität schützen zu müssen. Kein Verständiger glaubt ihm das. Es verletzt ja selbst ununterbrochen die Neutralität anderer kleiner Staaten: Spaniens, Aegyptens, Chinas. Es kümmert sch in seiner Kriegsführung auch sonst nicht um Recht und Unrecht. England tut das alles! Das christliche Eng­land!

Also ist Englands Christentum einfache Heuchelei? Hundertmal drängt es uns, dies Urteil auszusprechen. Und dennoch wollen wir es nicht so formulieren. Es mag auch in England Heuchler genug geben, auch christliche Heuchler. Daß alles Christentum jenseits des Kanals Heuchelei sei, wäre doch zu viel gesagt. Vertreter englischer Kirchen haben sich dahin geäußert, daß sie um des Rechtes willen hätten Jmeg führen müssen; Deutschland trage mit seinem Ein­marsch in Belgien die Schuld. W i r in Deutschland sehen deutlich, wie fadenscheinig diese Beweisführung ist. Aber ob die englischen Christen das ebenso deutlich zu sehen in der Lage sind? Sie, die ihre Regierung dauernd belügt? Denen eine gewissenlose Presse die Dinge täglich in falschem Licht zeigt?

Wir wollen alle mildernden Umstände von Herzen gern gellen lassen. Nicht bloß um der Christen loillen, um die es sich handelt, sondern auch um des Christentums selber

willen, das unter dem Verhalten seiner Bekenner leidet. Wir wollen uns im Gedächtnis halten, daß einige englische Christen im Anfang dem Krieg widersprochen haben, daß andere wahrscheinlich nur aus Patriotismus ihren Wider­spruch nicht laut äußern mögen. Wir unterscheiden acich zwischen der Regierung, die die größte Verantwortung trägt, und zwischen dem Voll. Aber wir können alles in allem nicht anders urteilen, als daß England, als Ganzes genommen, das christliche England, ein welt­geschichtliche Schuld von ungeheurer Größe auf sich geladen hat. Das christliche England hat leidigen Gewinnes wegen dem deutschen Brudervolk den Krieg erklärt. Das christliche England hat Frankreich und Rußland den Rücken gestärkt, daß sie gegen uns vorzugehen wagten. Das christliche Eng­land hat das heidnische Japan, mit dem wir niemals Streit hatten, zu siechem Raubzug gegen uns gehetzt. Das christ­liche England zwingt das unbeteiligte Portugal, Truppen gegen uns zu schicken. Das christliche England vergewal­tigt gegen alles Recht Aegypten, so daß seine Hilfsmittel gegen uns in die Wagschale fallen. Das christliche England sieht zu, wie der japanische Bundesgenosse die chinesische Neutralität verletzt. Das christllche Eirgland führt Hilfs­truppen .aus nichtchristlichen Ländern nach dem christlichen Europa. Das christliche England trägt den Krieg in das Herz Afrikas unv schlägt der Missionsarbeit unheilbare Wunden. Das christliche England führt gegen Rechtssätze, die es selber anerkannt und, als es ihm zugute kam, sür sich reichlich ausgenuyt hat, einen wahren Seeräuberkrieg gegen unsere und die neutrale Schiffahrt. Das christliche England raubt schamlos deutsche Patente. Das christliche England behandelt die Deutschen, die in seinen Grenzen bleiben mutz­ten, mit unerhört brutaler Geivalt. Das christliche England verteidigt durch einen seiner verantwortlichen Minister skrupellos die entsetzlichen Greuel taten belgischer Zivilisten gegen deutsche Soldaten. Das christliche England belügt täg­lich die ganze Welt und verleumdet alles, was deutsch ist, in der ungeheuerlichsten Weise. Das christliche England!

Spricht denn Englands Gewissen nicht? Schweigt drü­ben alle Gerechtigkeit? Ist die einfachste Menschlichkeit dem Volk verloren gegangen? War wirkllch nur Firnis, was uns Christentum schien? Wir stehen vor Rätseln. Vor den größ­ten und schwersten Rätseln, die die Wellgeschichte uns je­mals aufgegeben hat. Wir finden jetzt für sie keine andere Lösung als die, daß der dem englischen Volk eingeborene, in seinem Herzen fest verwurzelte Erwerbstrieb, sein heißes Verlangen nach Besitz zurzell alle anderen Regungen er­tötet oder in seinen Dienst gezwungen hat. Habsucht und Brotneid hat Englands Gewissen eingeschläfert, hatten sei­nen Blick getrübt, sein Urteil verdunkelt. Es klarmnert sich an Vorwände, es sucht moralische Scheingründe, es nimmt die Pose des gerechten Pharisäers an. Es sieht nicht klar, lveil es nicht sehen will. Es häuft Unrecht aus Unrecht und betet für uns, daß Gott uns das Unrecht vergebe.

Wir tragen Leid um das christliche England. Nicht etwa, well es uns in harten Zeiten bitteren Schaden bringt, sondern weil es dem Christentum Schande macht.

Wtt tragen Leid nm Eirgland. Auch wenn wir cm die Zukunft denken; denn Gott sitzt im Regimente. Und seine Wettgeschichte ist das Wellgericht.

Au» Stadt und Land.

Gießen. 14. November 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefalle«.

(Aus Hessen und den Nachbargcbieten.) llffz. d. R. Gg. Trümmer, Jnf.-Regt. 118, aus Worms.

Res. Wilh. Schmidt, Jns.-Regt. 118, aus Pseddcrsheinr.

Res. Gg. Klee, Jns.-Regt. 115, aus Offenbach a. M. Landwchrin. Ang. Müller, Jnf.-Regt. 116, aus Soden r. T.

Musk. Hans Sch ü tz, Jnf.-Regt. 117, aus Offenbach a. M.

Lanbwchrm. Karl Grüneberg, Jnf.-Regt. 116 ausOffen--

bach a. M. Obekl. d R. Erwin Mrttermaier, Jnf.-Regt. 118, aus Frankfurt a. M. Kanonier Wilh. Eber 6, Feld­art.-Regt. 27, aus Herborn. Uffz. d. R. Heinrich Opperts- häuser, Jnf.-Regt. 116, aus Obergleen. Res. Wilhelm Klein, Pionier-Bat. 7, aus Tecbcnbach. Landwehrm. Karl Leihmann, Res.-Jnf.-Rgt. 116, aus Maulbach. Res. Louis Weishaupt, Jnf.-Regt. 116, aus Wohnseld. Uffz. Heinr Klemann, Jnf.-Regt. 116, aus Burgsolms. Res. Heinr Baumann, Jnf.-Regt. 116, aus Neukirchen. Premier Franz Wiebling, Eismb.-Regt. 2, aus Holzhausen. Kriegsfreiw. Carl Hofsmann, Res.-Jäger-Bat. Marburg. Rittm. d. R Rechtsanwalt Dr. Alexander B o p p , Drag-Regt. 24, aus Darm- stodt. Geft. d. R. Heinr. Weinberger, Ich.-Regt. 116, aus Lanzenhrin. Drag. Heinrich Schrimps, Drag.-Regt. 23, aus Schlechtenwegen. Uffz. d. R. Wilh. Falter, Jns.-Regt. 116, aus Tarmstadt. Res. Otto Will». Ruths, Jnf.-Regt. 116, aus Beedenkirchen. Fahnenjunker Ludw. Schmidt, Jnf.-Regt. 88, aus Mai uz.

** Ritter des Eisernen Kreuzes. Leutn d. R. Hockelmann (Gewerbeinspektor in Wetzlar), Res.-Jnf- Regt. 13. Oberlt. Schneider (Amtsrichter), Landw.-Jnf.- Regt. 81, aus Wetzlar. Kriegsfreiwilliger Gefr. Paul Heep (Referendar), 23. Res.-Jäger-Bat., ans Wetzlar. Off.-Stellv. (Lehrer) Batz aus Allendorf, Kr. Wetzlar. Uf^>. Cloosz Res.-Jnf.-Regt. 81, aus Wetzlar. Hauptmann Heinrich Gru now aus Schlitz. Dr. jur. Otto Böckner, Leutn. d. Rt im 2. bayr. Jnf.-Regt., aus Schlitz. Mzefekdw. Wilh. Bätz aus Schlitz, Res.-Jnf.-Regt. 116. Wachtmeister Johannes Ritz aus Nieder-StoÄ. Gefr. Felix Mitschke, Jsabellen- hütte bei Dillenburg, Dragoner Anton Joppmann aus DWenburg. Viktor Wunderlich aus Dillenburcp Leutn. im Jns.-Regt. 159. Bizewachtmeister Wilhelm Gerlwch (Diplomingenieur), 14. Bad. Fußart.-Regt., aus Wetzlar. Feldw. Scheller, Jnf.-Regt. 116 (früher 168), ans Butz­bach. Vizefeldw. d. R. Off.-Stellv. Karl Seipp, 12. Res- Fns.-Regt., aus Biedenkopf. Oberlt. v. Lynker, Lcibgarde- Jnf.-Regt. 115, aus Darmstadt. Wilhelm Le in web er aus Schupbach, Jns.-Regt. 145. Rechtsanwalt Dr. H. Lieber aus Camberg, Leutn. lt. Kompagnieführer im bayr. Jnf.- Regt. 8. Gefr. Philipp Gönner von Buchenau, 3. GMde- Regt. z. F. Res. Ernst Viehmann aus Kinzenbach, Jns.- Regt. 116. Sergt. Heinr. Dieter, Leibgarde-Jnf.-Regt. 115. Einj.-Freiwillige im Jnf.-Regt. 115 Fritz Krämer und Karl S ch a r d t im Res -Jnf.-Äiegt. 116, aus Darmstadt. Uffz. Ph. S ch a a b aus Rimbach, Jnf.-Regt. 118.

** Knote-Riemann- Abend. Knote wird morgen ©onrp tag singen: Gebet vor der Schlacht, von Weber; Lohengrins Ab­schied;Fanget an, so rief der Lenz in den Wald", aus den Meister­singern; SteuermannsliedMit Gewitter und Sturm", aus dem Holländer; Monolog Sigmunds:Ein Schwert verhieß mir der Vater", aus der Walküre; Schmelztied:Nothung, Nothung, neid- liches Schwert", aus Siegfried. E. Riemann wird vortragen: Toccata und Fuge, von I. S. Bach, für Klavier, von Tansrg, Fantasiestücke von Schumann, Heldcnsang (Evotta) und Ungarische Rhapsodie von Liszt.

** Der Ortsgewerbeverein Gießen e. V. hält heute abend um 9 Uhr im Postkeller seine diesjährige Hauptversammlung ab, die sich u. a. mit Maßnah­men während der Kriegszeit beschäftigen wird.

** Der StenographenvereinStolze - Schrey" e. V. zu Gießen hielt, wie man uns schreibt, am vergangenen Dienstag seine diesjährigeordeMlicheGeneralversammlung ab, die gut besucht war. Aus dem erstatteten Jahresbericht sei hervorgehoben, daß auch in dem abgelaufenen Bereinsjahre reiche Arbeit getriftet worden ist. Die Zahl der Unterrichteten und Mit­glieder hat wiederum zugenommen und die auf den Wettschrerben erzielten Erfolge sind außerordentlich gM, wenn man berücksichtigt, daß das in Hungen angcsetzte Bezirkswettschreiben uMer den jetzigen Verhältnissen nicht abgehallen werden kcmMe. Es wurden ins­gesamt 61 1. Preise, 12 2. Preise und 6 3. Preise errungen. Für die im Felde stehenden Mitglieder wurden Liebesgaben versandt, die nach den eingelaufenen Dankschreiben große Freude bereitet haben. Der engere Vorstand setzt sich jetzt aus dem 1. Vorsitzenden K. Reitz, 1. Schriftführer E. Müller, Kas-

Schiller im deutschen Krieg.

Man hat Schiller in diesen Tagen, da sein Geburtstag zum 155. Male wiederkehrte, nfit besonderer Liebe und Verehrung genannt, und wahrlich ist die Zeit gerade jetzt dazu angetan, dieses größten deutschen Sängers von Heldentum und Vaterland zu gedenken. Schillers Werke wandern hent wieder an die Front, in die Schützen graben, nm erhebend und begeisternd zu wirken, ganz so wie 1813 und 1870 derTttl" und die ,Zmtgsiau" in manchem Tornister den Marsch nach Frankreich mitmachten. Schiller ist ja in den Gefrerungs- wie in den Einignngskriegen der eigent­liche ,Lprtäus" unseres Volkes gewesen. Wie es einst in fernen Zotten das Recht des schwäbischen StcmrmeS war, des Reiches Stnrmsahue dem Heere vorantzuttagen, so leuchtete der Geist von Schwabens größtem Sohn in Zeiten des KMntffes und der Ge­fahr den Tapferen als stolzes Siegeszeichen voran. Während der Freiheitskriege war es nach einem Wott Jmmermanns ein lckderrschastlichcs Liebes band, das dir Ingrid an Schiller schelte Unsere Begeisterung für ihn ging bis zur Andach. Es war uns wunderbar, daß ein solcher Mann hatte sterben können. Das Bewußtsein, daß sein Tod erst vor wenigen Jahren erfolgt sei, schärfte noch die mythisch EmpsftidMNg... So schritt uns Schü­ler als Schatten noch umher... in einer unserer Zusammenkünfte, etwa 1813, rief einer plötzluh:Wenn er noch lebte, wollt« ich gern einen Finger meiner rechen Hand darum geben," Dieser (Äser blieb nich ohne Nachahmung Ein zweiter setzte die Hand, ein dritter beide Hände dran. Friedrich Förster, einer von den Lützotvcr Jägern, erzählt uns, daß seine Kameraden keinen an­dern Dichter als Schiller gelten lassen wollten. Das Relletticd aus Wallensteins Lager war ihr Schachgesang, und Körner iäweibt:So singen wtt beim Champagner aus vollem Herzen: Frisch auf! eh der Geist noch verduftet." 'Der zweite Mann muß verloren sein, daraus sind wtt alle gefaßt." Ein preußischer Offizier, der sich ch Sommer 1813 von seinen bei Bautzen er­litten« Wunden in Karlsbad erholte, kam an der Wchstaftl mtt seinen ihm persönlich unbekannten Nackchar ms Gespräch. Der Kriegsmann äußerte sich sehr abfällig über denWerther", und aus die Bemerkung des andern:Da gesallen Ihnen die Räuber von Schller wohl besser?" antwortete er:Allerdings: Schller ist der Mann der Soldaten; er erweckt in der Brust uns den Mut und fcuett die Seele zu Taten an." Der Rittmeister von Schvanenseld, der hier an der Karlsbaoer Wittstafcl die Mei- mmg des ganzen kriegerischen Deutschand also ausdrücktc, erfuhr erst später, daß er mtt Goethe gesprochen hatte.

Und nich nur die Kämpfer, sondern das ganze Volk sand rn Schliers Werken die Töne angeschagrn. die mm in seiner eigenen Brust lebten.Das Theater mische sich fortdauernd ein," c-rzätzlt Gubitz .pWallcnfteius Lager mußte ftetj neue Kriegs­

lieder gefallen lassen. Gras Dunois wurde mtt überlaut getrennt hervorgehobener Rede Ausrufer gegen Fmnkreich bet jauchzendem Zustintmeu." In Wien timrde sogar eine Bearbeitung des Schil- lerschen VorspielsDas österreichisch Feldlager" mtt großem Erfolg gegeben, und in Berlin bildete am (Änzugstage Porcks dasLager" den Schuß der Theatervorstttlmig: der demWohl­auf, Kameraden" erhob sich das ganze Publikum und stimmte begeistett ein. 18 7 0 ereigneteu sich ähnlich Szenen Wieder waren Aufführung« desWilhelm Tell" der Mttttlpwrkt höch stcr vaterländrsther Begeisterung, wieder spürte inan chLager" den krrezerijchu Geist dieses Dichters, der wie kemer fernem Bott in Kanchsestzeft aus der Seele gesprochen: das Rertcrsied wurde tzu einer Mtdeutscher Marseillaise".Wer das Jahr 1870 mtterlebt hat," schrieb der bekannte Wpchttolsge Theodor Bttt in der Erinnerung an dich Vorgänge,der wird dies unser Schiller nie vergessen", llnd auch ch Mde war der Dichter dabei.Wtt, die wtt 1870 nkit gleicher Begeisterung che die Jugend von 1813 und unempsindkich gegen alle Beschwerden des Krieges für das Vaterland gestritten haben, waren erfüllt von Sckällecschen Idealen," so schreibt ein alter Offizier, der Archäologe Ernst Bötücher, und Schillers Dramen, Schillers Geduhte führte so nmncher damals in einerFeld- und Zelt- ausgaltt' mtt sich, wie sie auch heute wieder die edlen Begietter ucherer Smeger sind.

Deutschland, Deutschland über alles!" Noch dem Bericht unserer obersten Heeresleitung vorn II^Rovember haben junge deutsche Regimenter aus dem westlichen Kriegsschau­platz bei Langemarck unter dem Gesang« vonDeutschland, Deutsch­land über alles" die erste Linie der feindlichen Stellungen ge­nommen. Unser herrliches Trntzlied,das Lied der Deutschen", wie es sein Dichter Heinttch Hofftnann von Fallersleben genannt hat, begeistett also seit dem Beginn des europäischen Weltttteges nicht nur die in der Heimat zurückgebliebeiten Deutschen, sondern es fenctt auch unsere tapferen Truppen zmn Kainpse an. llnd wenn die jungen heldcnmüftgen Krieger gerade ans diesem Schlacht­felde den VersVon der Maas bis an die Memel" sangen, so hat dies für uns noch eine ganz besondere Bedentuugt Der Dichter desLiedes der Deutschem^ war einer der eifrigsten Förderer und Vorkämpfer der vlämischen Bewegung, die sich auf das entschiedenste in der Mitte des vorigen Jahrhuudetts gegen die llnterdrückung germanischen Wesens und der germanischen vlä- nnschen Sprache in den einst zu Flandern gehörigen Gebieten Bel­giens und Nordfrankreichs wandte. Das Land der Maas und ganz Flandeni überhauvt war unserem unvergeßlichen Heinrich Hoff­man» von Fallersleben in ganz besonderer Weise an das Herz gewachsen, und er hat noch in den letzten Jahren seines Lckens in der in Amsterdam erscheinenden vläönschen Zeitschrist

De Zweep" so manches begeistette Gedicht in vlämischer Sprache vcröffentjicht. Als er vor 73 Jahren das ,fifted der Deutschen" ans Helgoland niederschrieb, gehötte die Insel iwch unseren Fein­den, den Engländern; l»eute ist Helgoland deutsch . . . Die Tau­sende und Abettausende von Deutschen, dieDeutschland, Deutsch- jaud über alles^^ singen, legen dem ersten Verse gervöhnlich die Bedeutung bei, daß ihnen ihr Vaterland über alles geht. Es fft aber darin weit mehr eMhalten. Man beachte dasWenn" am Beginn des zweiten Verses, und man wird dann finden, daß in der ersten Sttophe des Liedes derselbe Gedanke zmn Ausdruck ge­bracht wttd, den schon Goethe im Jahre 1814 in seinem zur Ber­liner Siegesfeier bestimmten FestspieleDes Epimenides Erwach«" als Mahnung an seine Landsleute in die nachstehende Form gegossen hat:ZusammenhalteteurenWert, undeuchistnie- mand gleich." Ein Freund unseres Hofftnann von Fallersleben, der Breslauer Professor G. H. Stenzel, hat dieselbe Mahnung in seiner bereits 1820 erschien«« SchriftGeschichte der Kriegs- Verfassung Deutschlands" in folg«der Form nnedergegeben:In seiner Kriegsversassung wttd das gemeinsame Vaterland ein Mittel sind«, daß es in Nirovv, in der Welt wiedeckhalle:Deutsch­land über alle, wenn es nur will." Diese Stelle stand sicherlich dem Dichter unseres Nationalliedes vor der Seele, al-. er 21Jahre später auf der Insel Helgoland den unsterblichen Sang niedefichtteb. Er hat uns also mit dem ersten Verse sagen wollen - Deutschland ist allem und allen überlegen, wenn esstets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhült." Äe heiitiqc Zctt macht das tvahr, was einst der prophetische Geist des Dichter- vorausgesagt hat.

Gletschern des Karakorum. Bo» der ^xveortion De Filrppi zum Karakorum ist in Rom ein uener- Bericht eingetroff«, d« Tr. De Fllippi am 30. August 1914 von Suget Karaill in Chincsisch-Turkestan abgesandt hat. Er be handelt die verschick»«« wichtigen llnternehmung« vom 7. April dieses Jahres ab, bei denen eine Reihe bisher unbekannter Gebiete erforscht wnrd«. Am 15. Mai brach die ganze Expedition von Leh zum Karakorum auf und gelangte nach 5 Tag« nach Shyoh. einem armselig« Dorf in 3700 Mtt. Höhe, dem äußersten be wohnt« Ort im Tal. Auf dem weiter« Marsch stun man durch ttese Schlucht«, die so eng waren, daß man lange Streik« durrli dtt Strudel des infolge der Schnee schwel w angeschwoll«« Sturz baches wände« mußte, und am 2. Juni erreichte die Expedition ihr Lager ftn höchst« ivestluh« Teil des Devsang in 5300 Mtt Höhe, das über 2'/, Monatt das Hanptguatticr sür alle llnter nehmung« wurde Der Depsang ist eine Art ungeheurer Terrasse, die mtt Stein« bedeckt ist und auf der kein Grasholn, nächst. Dtt Hochebene will» von der Karawaimnsttaße Mittelasien- durchschnft t«, die durch eine lange Reihe wm Skcketten gefallener $faä»r Esel irr* .Kamele bezeichnet wird. Die Hauvtnnt er net uu umi be