Ausgabe 
11.11.1914
 
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Er. 265 Zweiter

Erschein, lüg sich n,rt AnSxahme des Sonntags.

DK«Ufimr Lamiliendlätter" roertxn dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das .Frekdlatl für den «rek Sietzen" zweimal wöchentlich. Di«randwirtschastlichen Seit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt 164. Jahrgang

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, fl. November 1914

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Unwersiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul­strabe 7. Geschältsstelle u.VerIag:LE51,Schrijt- leitung: ^- zK 112. Adresse iür Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

versagen die Uriegr-Darlehnrkassen?

8om Rerchstagsabg. Dr. Werner erhalten wir soll genüc' Schrift:

Bor einiger Zeit hieß, es in denLeipziger Neuesten) Nachrichten", offenbar sei das Geldbedürfnis des Mittel­standes nicht bedeutend, tveil die Darlehnskassen so wenig in Anspruch genommen würden. Genau die gleiche Meinung vertrat der Präsident Havenstein in seinem kürzlichen Bericht über die Lage der Reichsbank.

Daß. in gewerblichen Kreisen ein geringes Kreditver-- larrgen bestellen soll, dürfte mit den tatsächüchen Verhält­nissen allerdings so ungefähr gar nicht übereinstimmen, und ans keinen Fall darf die mangelhafte Ansprechung der Dar­lehnskassen etwa als Kennzeichen wirtschaftlicher Festigung der mittleren Betriebe aufgesaßt werden.

Der Bundesrat hatte bei Ausbruch des Krieges ein un- bÄnngteS Morawrium (Zahlungsaufschub), für das auch, ich ans dringenden Wunsch gewerblicher Kreise eingetreten war, mit immerhin ausreichenden Gründen abgelehnt. Ein be­dingter Ze.hluiigsausschub und die genannten Tarlehnskassen sollten Helsen rochon die Tatsache aber, daß sich vielerorts aus Mittelstandskreisen gesonderte Genossenschaften für Dar­lehen bildeten, zeigte, daß der Regierungsversuch mit wenig taugllichen Mitteln unternommen wludde und daß in der Tat von einem Mangel an Kreditibedürftris im Mittelstände keineswegs ernsthaft gesprochen .werden darf, wenn es der Handwerker und Kaufmann nicht als Verhöhnung anf-

Wie steht es nun mit den staatlichen Darlehenskassen?

Ein unter der Ungunst der Lage schwer leidender Thü­ringer Fabrikbesitzer teilte mir darüber einiges mit. Er schrred unter anderem:

Aus Grurrd der beiliegenden Schriftstücke ist der Nachweis geführt, warum die Darlehenskassen bisher nur beschrankt gear­beitet haben, rmd daß diese ihren Zweck, der großen All­gemeinheit M dienen, in keiner Weise erfüllen, denn es wer den von diesen Kassen nur wenige ko st bare Rohstoffe und auch diese so gering besiehe n ietwa 40 Pooz. des inarktgängigen Wertes ist das Normalei, daß der Besitzer von derartigen Rohsiossen es sich dreimal überlegr, ehe er zur Darlehenskasse geht: außerdem tritt noch ein weiterer Uebclstand tfiv%n in Natur der außerordentlich hohen Verzinsung inkl. Spesen, die der Darlehens­nehmer bezahlen muß.

Nach mir gewordenen Eröffnungen eines Darlehenskassen- jchätzers erreicht die Berzinsungssumm« inkl. Spesen di« gerade- »» wucherische Höhr von 12hz Proz. und riskiert ein Darlehensnehmer außerdem noch, falls er in drei Monaten das Darlehen nicht znrückzahlen kann, die Versteigerung seines Unter­landes, woraus fidj ferner noch die geringe Inanspruchnahme dieser Kassen zur Genüge erklärt.

Wie Sie aus meiner Eingabe an den Mmdesrat vom 7. Sep­tember ersehen, bin ich in dieser Angelegenheit bereits beini Bnn- drsvat vorstellig geworben, habe jedoch bisher noch kein Sterbens­wörtchen Antwort auf diese Eingabe erhalten, weshalb ich Sie bitte, Ihren Einfluß int Interesse des gesamten noilsidendeit deutschen Mittelstliiides an allen geeigneten Süllen geltend mnchcm 8» wollen"

Von dem Anhalt dieses Schreibens gab ich sofort dem Herrn Reichskanzler Kenntnis und bat ihn um Llbhiffe des gerügten Mißstandes. 'Daraufhin erhielt ich aus dem Reichs- amt des Innern folgende Antlvort des stellvertretenden Reichskanzlers, Staatsministers Dr. Delbrück:

Berlin, den 30. Oktober 1914.

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich ans die gefällige Zuschrift vom 12. ds. Mis. namens des Herrn Reichskanzlers zu erwidern, daß ich die gegen die Verwaltung der Darlehenskassen erhobenen Vorwürfe nicht als berechtigt anzurrkennen vermag. Nach §_4 des Tarlehens- kassengesetzes vom 4. August 1914 kann die Sicherheft für Dar­lehen in Verpfändung aller dem Verderben nicht ausgesetzten Waren in der Regel bis zur Hälfte, ausnahmsweil e bis zu zwer Dritteln ihres Schätzungswerts je nach ihrer Verkäuflichkeit be­stehen. Wesentlich ist die Marktgängigkeit der Waren, weil sie die Gewähr bietet, daß bei einem etwaigen Verkam ein dem Darlehen entsprechender Erlös erziell wird. Demgemäß hat die Hauptverwaltung der Darlehenskassen die Beleihung solcher Waren allgemein bis zu 50 Proz. des vorsichtig geschätzten marktgängigen Wertes, bei einzelnen Waren ausnahmsweise darüber hinaus bis zu zwei Dritteln dieses Wertes zugelassen. Innerhalb dieser Grenze muß es dem psliäckmäßigcn Ermessen der einzelnen Dar­lehenskasse überlassen bleiben, bis zu welcher Höhe des Beleihungs­werts sie bei der Übergabe des Darlehens gehen darf, da sich hierfür allgemeine Regeln nicht aufstellen lassen. Der Zinssatz für die bewilligten Darlehen ist von der Hcnrptverwaltung ent­sprechend dem 8 8 des Darlrhenskassengesetzes, wonach der Zins­fuß der Regel nach höher sein soll als der öffentlich bekannt gemachte Prozentsatz, zu welchem die Reichsbank Wechsel ankauft, aus 6 1 /» vom Hundert festgesetzt, Ferner «rlspricht es dem 8 9 a. a. O., daß das llnterpfand außer für Kapital und Zinsen auch für die Kosten z. B. der Aufbewahrung. der Abschätzung des Pfandes usw. haftet. Wenn sich dadurch für die Darlehens­aufnahme eine Steigerung der Gesamtkostcn ergibt, so ist dies eine unausbleibliche Folge. Das Maß dieser Steigerung ist nach Lage des Einzclsalls völlig verschieden. Auch nach dieser Rich­tung können allgemeine Vorschriften nicht gegeben iverden.

Ans den Anlagen Ihrer Eingabe habe ich ersehen, daß dir Hauptverwaltung der Darlehenskassen durch Bescheid vom 2. Sep­tember ds. Js. die Beleihung der in einem Einzelfalle zur Ver­pfändung angebotenen Porzellanwarcn der der Darlehenskasse in Gera abgelchnt hat, nachdem diese Waren von dem zur Begutach­tung seteins der Darlehenskasse herangezogrnen Sachverständigen als nicht marktgängig erachtet wordeir waren. Ich bin zu meinem Bedauern nicht in der Lage, diesen Bescheid zu ändern.

Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst

Delbrück.

Man form nicht behaupten, daß diese Rückäußerung den Kern der Dinge trifft. Einmal ist in dem K 4 deS Darlehns- kassengesetzes nichts davon gesagt, daß die Waren marktgängig sein müssen. Zum andern berichtet die amtliche Darlegung nicht, wie denn den geldbedürftigen Gewerbetreibenden geholfen werden soll, die der Ausfuhr- indtlstrie angchören oder nicht hochwertige Naturerzeugnisse besitzen. Es ist keine Frage, daß j. B. Porzellanfabriken, die im wesentlichen Ausfuhrware Herstellen, von ihren Gläu­bigern hart bedrängt, zugrunde gehen müssen. So wird mir eben der Zusammenbruch zweier alter Geschäfte dieser Art mit insgesamt 250 Arbeitern gemeldet. Bei anderen steht das Ende bevor, wenn keine ünife kommt. Hat man auch schon an dieses Schlachtfeld des Mittelstandes gedacht? Soll dieser Krieg, wie so viele seiner Vorgänger, Reichtum und Gründer aus der einen, ungezählte Verarmung

auf der anderen Seite herbeiführenj? Es ist große (stesahr im Verzüge, und jedenfalls sind diejenigen ini Vaterland«, denen an der Erhaltung und Bernrehrung der Selbstwirt- schafter gelegen ist, nicht gesonnen, hierbei den gleichmütigen Zuschauer zu spielen.

Berlin, 10. Rvv. (WTB. Nichtamtlich.) Die Darlehns- k a sscn haben bis zum 7. November 1120,6 Millionen Mark Darlehen gegenüber 1110,9 Mftlionen Mark bis zum 31. Oktober erteilt. Bon diesen Darlehen entfielen am 7. November 801,9 Mlll. (31. Okwber 778,3 Mill.) auf solche Darlehen, die sür Kriegs­anleihe-Zahlungen hergcgeben waren. Insgesamt waren aus die Kriegsanleihe bis einschließlich den 7. November 3578,2 Millionen Mark bei der Reichsbank eingezahlt, so daß sür diese die Zahlungen der Darlehnskassen nur in relativ geringem Maß« in Anspruch genommen worden sind.

Lin Brief aus Argentinien

wird uns von der Firma Heyligenstaedt L Lo. in Gießen zur Verwertung freundlichst zur Verfügung gestellt. Er stammt von einer deutschen Firma in Buenos Aires, die sich über die Stimmung des Volkes in Argentinien und die Lügenmeldungen der Engländer wie folgt ausläßt:

Buenos A i r e s, 9. Oktober 1914.

Wir begrüßen es mit großer Freude, daß in unserem Liek- rantenkrcis in Deutschland heilige Anstrengungen gemacht werden, »ns in Znkunit regelmäßig wenn auch nur durcb Zeitung oder Brie! mit Nachrichten vom europäischen Kriegsschauplatz zu be­dienen, die sich an die offiziellen Berichte des deutschen General- stabcs hallen. Sind wir doch a»! diese Weise einigermaßen an! dem Lanienden über die sich gegenwärtig drüben zuiragenden be- denliame» Ereignisse, und es war höchüe Zeit, daß auch der in Frankiurt a. M. neugegründeteNachrichtendienst' helfend ein- gegrtssen hat.

Tie gesamte Presse der Republik Argentinien veröffentlicht last ausschließlich Nachrichten englischen und iranzösbche» Ursprungs, in denen man die Lage Deutschlands so »»günstig als möglich hin- znstelleii versucht und die wie sich später imnier herausstellt nie den Tatsachen entsprechen. Ja, die meisten Zeitungen haben eine osiene antideutsche Haltung angenommen und wälzen z. B. die Schuld nn diesen schrecklichen Kriegswirren einzig und allein gui das .kriegsdnrstige' deutsche Volk und hauptiächlich ans unseren Kaiser. Auch werden Illustrationen über das deutsche öeer und deutsches Wesen veröffenllicht, die jeder Beschreibung spotten.

Durch diese Lügen-Nachrichien, die leider von einem großen Teil des hiesigen Volkes als bare Münze genommen werden, wird das Anseben des Teulichtums hier in Argentinien stark gefährdet.

Man kann säst sicher behaupten, daß diese unwürdige Haltung der hiesigen Landespresse durch Bestechung seitens der englischen und französischen Reaierung bewirkt worden ist, und zwar in dem Bestreben, mit dem Gewinnen der öffentlichen Meinung auch den deutschen Handel so stark wie möglich zu schädigen und vollständig lahm zu legen. Von den hier ansässigen englischen und französischen Industriellen und Handelshäusern ist ein Boykott gegen deutsche Waren in Bewegung gesetzt worden, dem sich allem Anschein nach auch das allgemeine Publikum anschließt.

Die zwei hiesigen deutschen Zeitungen tun da? denkbar Mög­lichste, um Aufklärung zu schaffen, und erfreulicherweise wird schon in den allernächsten Tagen eine Ausgabe der hiesigen »Deutsche La Plata Zettung" in der Landessprache lipanischj erscheinen, um zu ermöglichen, diesem unwürdigen, deulschieindlicben Treiben durch Verbreitung der wahren Tatsachen über den Krieg energisch ent­gegen zu arbeiten und das englisch-iranzösische Lügengewebe zu zer>einen. Dies wird hier in deutschen Kreisen allgemein mit großem Jubel begrüßt, denn diejenigen, die unter den eben ge­schilderten unerireulichen Verhältnissen zu leiden haben, sind die vielen Tausend Ausland-Deutschen, die hier in Südamerika »aus verlaffenen Posten" stehen.

Durch die Krieqswirren ist die seit Monate» auhaltende beitige Krisis noch mehr verschärft worden und das ganze Gcschästsleben ins Stocken geraten.

Die 'Aussichten, Bestellungen nach drüben >u geben, sind daher äußerst gering: man erhofft aber, falls die nächste Ernte (Januar) gut eingebrachl wird, eine Belebung des Marktes Aniang nächsten Jahres.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 11 . November 1914 .

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

kAus Hessen und den Nachbargebieten.l Kriegsfteiw. sind. ing. Otto Schmidt aus Frredberg. Oberstleutn. Hermann Mülle rJfrüher Kommandeur des Land- wehrbeziirks Friedberg). Off.-Stellv, Jean En gelter, Jnf- Regt. 168 aus Friedberg. Brzefrfdw. d. R. Alfred Raetz, Jnf.-Regt. 8 aus Biedenkopf. Kriegsfteiw. Franz Kurt Mo­dus, Jns.-Regt. 248 aus Oberscheld. Osf.-Stellv. Philipp Brand, Jnf.-Regt. 118 aus Wiesbaden. Landwehrmann Metzgermeister HerNi, Zuckscdwerdt in Wiesbadeir. Land - wehrin. .heryrarm P reu ß, Jnf.-Regt. 80 in Wiesbaden. Off.-StrflvttFritz Schmitt, Jnf.-Regt. 168 aus Worms. - Off.-Stellö. Fritz Breidcnbent in Worms. Res. und Lehrer Friedrich W e b e r , Jnf.-Regt. 116 aus Crumstadt. Unterofs. d. R. Wilh, Stein, Jnf.-Regt. 116 aus Stumperten­rod. Res. Georg Klee, Jnf.-Regt. 115 aus Ofsenbach a. M.

Landwehrm. PH. Dieh!, Jnf.-Regt. 116 aus Ober-Sorg.

Mnsk, Rob Fischer, Jnf.-Regt. 168 aus Biskirclren. Hornist-Gefr. Adert Triesch, Kaiser-Mex.-Regt. Nr. 1 aus Manderbach. Kriegsfteiw. Warf Zierenberg, Jnf.-Rgt. 234 in Kassel. Res. Carl Müller, Jnf.-Rgt. 116 aus Schotten.

Landwehrm. Karl Bernhardt, Jns.-Regt, 116 aus Hcrchcn- hain. Res. Ernst Hinkel, Jnf.-Regt. 116 ans L>ödel. Mnsk. Jioses Sieber t, Jns.-Regt. 117 ans Mainz. Bize- feldw. Klug. Lemb, Jns.-Regt. 80 aus Mainz. Dragoner Hcinr. Spöhr er, Dvag.-Regt. 24 aus Darmslxrdt.

** Ritter des Eisernen Kreuzes: Leutn. Otto Müller, Garde-Fußart.-Regt., aus Gießen (Sohn des Professors H. Müller). Leut», d. R. im 15. JNs.-Regt, Ernst Müller in Marburg. Gcrichtssekretär G o t t s ch l i ch von Neustadt bei Kirchhain. Bizefeldw. Schindewolf. Ober- jäger Franz H e n s e l im Jägerbat. 11 nt Marburg. August Henkel, Jnf.-Regt. 167, aus Wallau. Heinz Weller, Oberjäger im 8. Jägerbat,, aus Wetzlar. Rechtsanwalt Dr. Engelmann, Off.-Stellv, beim Feldart,-Regt. 63, aus Wetzlar. Architekt Max Gen sei, Leutn. d. R. im Pion,- Bat. 21, aus Dillcnburg. Einj.-Uffz. Willy Fuchs aus Worms, Jns.-Regt. 117. Lehramtsafs. Hermann Schott- Darmstadt, Leutn. d. R. im Jnf.-Regt. 116. Einj.-Gesr. Alb. Mayer aus Worms, Jns.-Regt. 118. Friede. Boß aus Worms, Jnf.-Regt. 118. Res. Heinrich M o a s aus Donsbach. Landwehrmann Emil Simon und Ussz. Ernst Haas aus Nenderoth. Oberlt. Kienitz-Ger losf aus Weilburg von Ider Maschinengewehr-Komp, des Jns.-Rcgts, 116. llsfz.

IB r a h m aus Arfurt, Fcldart.-Rgt. 27. Foldw. Franz N e i s

aus Oberlahnstein, Jnf.-Regt. 111. Herbert Wiedmann, Leutn. irn Jnf.-Regt. 118. llsfz. Valentin Trost aus Worms, Jnf.-Regt. 88. Joh. Kin schert aus Wrkenau, Jnf.-Regt. fftr. 118. Leutn. d, R. im Feldart.-Regt. 25 Reg.-Ass. Me­li o r, ein Sohn des früheren Kreisrats in Alsfeld.

** Von der Universität. Wie aus allen deut­sche» üiochschulen hat der Krieg auch aus die Gießener Uni­versität einen fühlbaren Einfluß ausgeübt. Der größte Pro­zentsatz der Hörer ist ins Feld gerückt, und auch ins Profest- sorenkollegium hat der Krieg manche Lücke gerissen. Immer­hin beträgt die Zahl der bisher eingeschriebenen Studieren-z den einschließlich der im Examen stehenden Kandidaten 250; 83 von ihnen besuchen zum erstenmal eine Hochschule. Für das wirlschaftliche Leben der Stadt ergibt sich aus dem Rück­gang manch fühlbarer Ausfall. Wie von so manchem Fenster, hinter dem sonst ein flotter Musousohn sein Heim für ein; Semester um diese Zeit schon längst aufgeschlagen hatte, noch der Zettel winkt mit der Auffchrift:Zimmer zu vermieten", so fehlen im Straßenverkehr völlig die bunten Farben der Verbindungen, die dem Ernst der Zeit Rechnung tragen wollen, und deren Angehörige statt des drersartigen Bandes heute zumeist das Grau der Felduniform tragen.

** Stadttheater. 2lm nächsten Sonntag nachmittag abends fällt wegen des Knothekonzertes das Theater aus wird bei kleinen Preisen WildenbruchsR a b e n st ei ne r i n" gegeben. Sicher wird das kraftvolle Werk, das seit 1907 nicht mehr aus- gcführt worden ist, starkes Interesse erregen, zumal ihm unter Regie von Tirekwr Steingoelter eine sehr sorgfältige lffeueinstu- dierung zuteil wird.

** Militärische Vorbereitung derJugend. Heule abend findet in der Turnhalle der Oberrealschule um 8V- Uhr die erste Zusammenkunft des Ausschusses stall.

** Abgabe von a u s r a n g ie r t e n Militär- v f e r d e n usw. Samstag, den 14. ds. Mts., vormittags 9'/- Uhr werden aus dem Pferdemarktplatz in D a r m st a d t einige 40 Stück unbrauchbarer Mili- tärpferdc trächtige Stuten und Fohlen durch die Landwirtschaftskammer versteigert. Zur Versteigerung wer­den nur Landwirte zugelassen, die sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie während der Kriegs- zcit nicht zu verkaufen. Die Versteigerung erfolgt gegen Bar­zahlung.

Kleis Alsftld.

h Alsfeld, 10. Nov. Gute Jagdbeute brachten die Jagden in den Forstorten Steinfirst, Homberg und Rainrod. Hier erlegte man 62 Rehe, 54 Hasen, 2 Füchse, 2 Schnepfen und einen Dachs.

Kreis Lauterbach.

h. Schlitz, 10. Nov. Die 16,2 Kilometer lange normal- spurige Nebenbahn Schlitz Niederaula mit den Bahnhöfen Rimbach, Niederjossa, Oberwegfurth, Queck und Hutzdors wurde heute sür den Gesamtverkehr eröffnet. Die neue Linie hübet in Schlitz die Verlängerung Nebenbahn Bad SalzschlirfSchlitz nach Norden und schließt in Niederaula an die Nebenbahn Treysa Hersfcld an. Sie verbindet somit durch Vermfttlung der genannten Nebenbahnen di« Hauptbahn GießenFulda mit der Hauptbahn BebraFrankfurt (Main).

Kreis Schotten, h. Schotten, 10. Nov. Me hiesige Kriegsfürsorge errichtete in Gemeinschaft mit dem Landesverein vom Roten Kreuz ein V e r e i n s l a z a r e t t mit 30 Betten.

Kreis Frievbcrg. b Friedberg, 10. Nov. Be, starkem Nebel stießen heute vormittag ein Güterzug und ein Pcrsonenzug zusammen Durch den deitigen Anprall wurden mehrere Wagen stark beschä­digt. 'Menschenleben kanien nicht zn Schaden.

h. F r i e d b e r g , 10. Nov. Die vom Kreisamt vor zwei Wochen festgesetzten HöchstpreisefürKartoffeln haben jetzt eine Erhöhung erfahren. Ter Doppelzentner Karwfscln kostet nunmehr statt 5Mk. 6,50©ZI. beim Verkauf durch den Produzenten an Ort und Stelle. Bei freier Lieferung außerhalb des Wohnorts durch den Produzenten kostet der Doppelzentner 7 Mk.. durch den Händler 7,50 Mark. Im Kleinverkaus (höchstens 10 Pfund) darf das Kilogramm beim Produzenten höchstens 8 Pfg. und beim Händler 9 Psg. betragen.

X Friedberg, 11. Nov. Der Kommandeur des Land­sturmbataillons Friedberg hat der Presse des Ba­taillonsbezirks folgendes Schreiben übermittelt:In dem am 2. d. M. am Bernhards-Stein, südwestlich von Markirch, statlge- sundcnen größeren Gefecht haben die 3. und 4. Kompagnie des Landsturm-Jnfanterie-Bataillons Friedberg mit großer Bravour und Auszeichnung mitge- k ä m v s t, so daß sie das uneingeschränkte Lob des führenden Offiziers, Oberst Petersen vom Landwehr-Regiment 80 ernteten. Leider ist der Angriff aus die stelle Höhe, die von Apenjägern in zwei hintereinander liegenden Schützengräben besetzt war, nicht ohne schmerzliche Verluste verlaufen. Von der 3. Kompagnie starben den Heldentod fürs Vaterland: der Landsturmmann Heinrich Will aus Rodheim v. d. H., der Landsturmmann Philipp Wilhelkm R ü b l aus Pohl-Göns von der 4. Komvagnie, Gefreiter Otw Müller aus Bad-Nauheim, geboren in Karlsruhe, und Heinrich Sommer aus Stockheim, Kreis Büdingen. Letzterer ist gefallen durch einen Granatschuß am 3. 11. bei Pflanzenschule, östlich Col de Ste. Marie. Ich habe durch die Bürgermeistereien die Ange­hörigen benachrichtigt und ihnen im Namen des mir unterstellten Bataillons mein tiefgefühltes Beileid ausgedrückt. Des weiteren wurden von der 3. Kompagnie leicht verwundet die Landsturm­männer Friedrich Appel aus Büdingen, Phllivv Johann Kap- v e s aus Bad-Nauheim, Johann Friedrich Wilhelm Stern ans Selters, Kr. Büdingen; schwerverwundet Landsturmmann Friedrich Wolf aus Düdelsheim, Kr. Büdingen: von der 4. Komvagnie wurden leicht verwundet die Landsturmmänner Gefteiter Phllivv K ö v V l e r aus Vilbel, Kr. Friedberg, und Gefteiter Friedrich Höhr aus Fauerbach, Kr. Büdingen." Die anderen Kompag­nien des Batalllons waren an dem Kampfe nicht akttv beteiligt, mußten vielmehr unter Führung des Kommandeurs, der zugleich Platzkommandant von Marlftch ist, wichttge Ortsausgänge besetzt

? Pohl-Göns, 8. Nov. Heute wurde hier der Landsturm- nn WUh. R ü h l vom Landsturm-Bataillon Friedberg best a t - t, der, wie an anderer Stelle mllgetellt, infolge einer schweren rwundung im Gefechte bei Markirch (Elsaß) am d ) >ts.

: dem Transport zum Lazarett Schlettstadt den Hrfdentod starb, r großer Leichenzng voran Trommler und Pfcrser. dann jener- Arbeiter- und Turnverern, Schulkinder und ein großes auergefolge beivegtc sich vom Traucrhause nach dem nahe- egenen Friedhof, der bereits von einer unabsehbaren Menge dtragender aus der näheren und weiteren Hingebung besetzt war. ch einem Gesang der Schulkinder und einer tieiemvfundenen anerrede des Ortsgeisllichen legten die Vorsitzenden der drei Ver c Kränze am Grabe nieder.

Hessen-Nassau, b A u S d e r R h ö n, >0. Nov. Durch das planmäßige Aus- »neln von Eicheln erzielte dte Gemeinde B u r g s i n n aus !n Waldungen einen G e w i» u von aimäherird 10 000 Mart.