dESmten Mustern nachempsimden. Volkstümlich wurde: „König Snjdau saß <jna$ heiter" und Emannel Geibels Gedicht: Am September 1870 „Nun lasset die Glocken von Turm zu Turm rchs Land frohlocken im Jubelsturm".
Ob die gewaltige Zeit, in der wir leben, Neues und Grobes ■ if dem Gebiet des Batcrlandsliedes bringt, laßt sich zurzeit noch . cht beurteilen. Mit der Feststellung der Tatsache, daß für uns ' r e^Lsche Wahlspruch: „Mein Land geht allem vor" nicht zu ; echt besteht, daß vielmehr das deutsche Rechtsbenmßtsein im Ein mg steht mit Recht und Gerechtigkeit, guter Sitte und wahrer eöormigkeit, schloß der Vortragende seine mit großer Wärme rgebotenen sehr beifällig ausgcnommcnen Ausführungen ** Bon der städtischen Straßenbahn. Das Vcr- hrsbild unseres Straßenbahnunternehmens stellt sich im 3. Viertel
Zahl der beförderten Personen:
Io 14
1913
1914
1913
1914
1913
Juki
98 026
70 710
57 364
47 296
155 390
118 006
Aug.
74 433
58 940
36 709
44 295
111142
103 235
Sept.
64 809
55 483
38 004
42 099
102 813
97 582
,us.
237 288
185 133
132 177
133 690
369 345
318 823
1914
mehr 52 135
weniger
1513
mehr 506:
12 Mk.
Einnahme aus
dem Personenverkehr
1914
Nk. 20 820
1913 18 078
grüne Linie 1814 1913
11528 13 057
ide Linien zusamnicn 1914 1913
32 358 31 135
I
1
l«
je(
914 mehr 2743 auf. weniger I529Mk. mehr 1213 21!k.
Es wurden gegen Marken befördert:
Rote Linie Grüne Linie beide Linien z»I.
1914 1913 1914 1913 1914 1913
Personen 94895 25205 53 517 15 802 148 412 40 807
mehr 1914 89 690 37 915 107 603
Hinsichtlich der Frequenz im Jahre 1914 muß allerdings be- cksichtigt werden, daß im 3. Quartal des Vorjahres der Verkehr is der Straßenbahn gegenüber dem gleichen Zeitraum in srühercn ihren sehr zurückgegangen war. Der Verkehr auf der Schützen- us-Linie hat sich um rund 52000 Fahrten vermehrt, ährend die Linie Marburger Straße—Friedhof um 1500 Fahrten rückgegangen ist. Trotz des Einnahmeaussalls aus dem Fahrgeld r nach Kriegsbeginn frei beförderten Militärpersonen wurde ch eine Mehreinnahme von 1200 Mark gegenüber dem eichen Vierteljahr des Vorjahres erzielt. Die im abgeloufenen iertcljahr voll in Wirksamkeit getretene Verbilligung der : arkenfahrten hat zweifellos die günstige Einwirkung auf e Benutzung der Straßenbahn herbeigeführt, wie die zur Ver- mdung gekommene Zahl der Fahrmarken im Vergleich zum eichen Zeitraum des Vorjahres beweist, die um rund 107 000 her war. Gewiß ist, daß wohl auch ein Bruchteil dieser Markcn- hrten gemacht worden wäre, wenn man die Verbilligung nicht »geführt hätte, daß aber trotz der im August und September gelassenen Freifahrten des Militärs die gleiche Einnahme erzielt irden wäre, wie im Vorjahr, ist zu bezweifeln. Die Verbilligung r Fahrmarkcn, wie dem Eintreten des Oberbürgermeisters für es« Maßnahme zu danken ist, hat sich bisher gut bewährt. Es damit der erwartete stärkere Anreiz zur Benutzung der Fahr- legenheit mit Ersolg gegeben, wodurch auch das bessere geldliche rgebnis herbeigesührt ist, und dies ist zweifellos der springende unkt. — Auch die Einführung des Fünfpfennigtarifs ir Militärpersonen dürfte auf die erhöhte Bcnutzungs- ffer nicht ohne Einstuß geblieben sein, wenn man auch in Bürgcr- nsen manchmal die Ansicht hört, es bedeute für die Militär- rsonen eine allzugroße Bevorzugung dem einsachen Manne gegen- >er, der auch bei Markenbenutzung die Fahrt immerhin auch mit 4 Pfennigen höher bezahlen müsse.
** Wünsche der 116er t« Feld«. Bon einem Offizier s Regiments erhalten wir mit der Bitte um Bekanntgabe folgend« ildpostkarte:
„Zu meiner großen Freude habe ich fcststellen können, daß e am 7. X. mit den Automobilen mitgeführten Liebesgaben tt Leuten irnd Offizieren sehr wohl getan liabcn. Wir sagen len Spendern, insonderheit den Herren, die die Kriegsfahrt it ihren Beschwerden mitgemacht haben, uni die Liebesgaben die richtige Adresse zu bringen, unfern herzlichsten Dank. —. ollte in diesem Feldzug nochmals ein Liebesanto an uns ab- hen, so darf ich vielleicht folgerrde Wünsche Mitteilen: Bitter »tig: Schuhschnriere (Schweinefett), Lichter, Streichhölzer, Ta- tenlompen, Briefpapier, Bleististe, Löffel, Taschenmesser, Seife, osettpapier, kleine ZusammenstclliS'Mp über den Krieg lpatr. ffestofs) außer all den anderen lieben Sachen, — UnS geht es cht gut. Wir machen unsere Hebungen hinter der Front und lden die prächtigen Freiwilligen weiter aus, die in ießen so gute Vorbildung schon genossen. Wir sind alle in ester Stimmung und denken schon an die Weihnachts- »rbereitungen im Fellw."
** Nicht schwätzen! Obwohl immer wieder darauf ingewiescn wird, den Verbreitern unkontrollicrbarer Ge- ichte vom Kriegsschauplatz kein Gehör zu schenken und e energisch abzuschütteln, tauchen mit Hartnäckigkeit fast ltäglich Redereien und Erzählungen auf, die die Ent- istung jedes Urteilsfähigen herausfordern. Merkwürdigereise sind diese Märchen niemals freudiger oder harm- ser Art, sondern je abgeschmackter und trauriger sie ingen, umso sicherer finden sie ein dankbares Publikum, n Straßenecken und Wirtshaustischen feiert der Klatsch ine bedenklichsten Orgien. So hat man neuerlich als dank- rres Thema die Haltung unserer Freiwilligen gewählt, s hieße, die Ehre unserer tapferen Truppen antasten, enn man auch nur andeutungsweise wiederholen wollte, as an empörendem Klatsch über diesen Gegenstand im inlauf ist. Trotz aller Mahnungen und trotzdem sich die chauergeschichten immer wieder als erlogen erweisen, fällt n grosser Teil der Oeffentlichkeit immer wieder darauf nein. Wie wir hören, hat das Garnisonkommando sich weits mit der Angelegenheit befassen müssen, und es äre im Interesse des Rufes unserer Stadt nicht begrüßens- ert, wenn öffentliche Maßnahmen getroffen werden müß- n, um dieser Beunruhigung der öffentlichen Meinung Ein- ilt zu tun. Die Sache hat auch noch einen Haken, als den >r Würdelosigkeit und des Kleinmutes, Unterhaltungen der 'nannten Art sind für unsere Feinde immer von Interesse, ie geben fremden Ohren Gelegenheit, Nachrichten zu mmeln, die nie und nimmer die Zensur passieren würden, lbst wenn sie wahr wären. Möchten doch hier die Betei- gten bedenken, daß der Krieg um unsere Existenz eine zu niste Sache ist, um über ihn etwa wie in einem Kaffee- änzchen zu plaudern. Möge man sich immer wieder ver- egenwärtigen, daß das Üeben unserer Väter, Gatten, ■rüber und Söhne auf dem Spiele steht und daß diese ichtfertige Mitteilsamkeit tausenden braven Soldaten das eben kosten kann! Es gibt auch einen Verrat am Baerl an de, der zwar nicht unter das Spionagegesetz fällt, ier eft mehr Schaden anrichtet als die Preisgabe eines rrch jenes Gesetz geschützten militärischen Geheimnisses, ■öffentlich wird dieser Hinweis endlich genügen, um den ch schuldig Fühlenden das Gewissen zu schärfen und ein ingreifen des Strafrichters unnötig zu machen!
Landkreis Gießen.
O Staufenberg, 6, Nov, Gestern wurde Polizeldiener ralt zu Grabe qe trogen. Derselbe wnr 25 Jahr in >serer Gemeinde al? Polizeidiener tätig. Der Orlsvorstand legle r seinem Grabe einen Kranz nieder. Der Verstorbene hatte ein lter von 74 Jahren erreicht.
A Ruttershausen, 6. Nov. Am vergangenen Sonntag zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags kam es in unserer Gemarkung am Abhänge voin Lutzenberg zwischen hiesigen und Odenbänser Bürschchen zu einer regelrechten Schlacht, wobei ein lbjähriger Bursche von hier durch einen Beinschuß verletz! wurde.
A Lich, 6. Nov. Nachdem der Eisenbahnsahrplan dem Besuche der L a n d w i r t s ch a I t I i ch e >, W l n t e r s ch u l e günstiger geworden ist, auch die Feldarbeiten ihren, Ende ziigehen, erinnern sich nniere Landwirte wieder ihrer Fachschule, um in dieser schweren Zeit auch nach dieser Richtung nichts zu versäumen. Ter Schulbeginn ist an, den 16. d. Mts. verlegt und es sind die Schulränine lnr den Schnlgebranch sreigemacht worden,
O 911 b a ch, 4. Roo, Gestern wurden aus unlerer Gemeinde i Wagen vost Liebesgaben, bestehend ans Kleidungsstücke» und Weißzena, Kraut, Gemüse, Karotte» und Kartofsel» und 26 aut. in bar für die Notleidenden in Ostpreußen an Herrn Oberlehrer Nolh in Lich abgeliesret 'Außerdem wurden am Ernte- Tanliest bei der Kiechcnkollekte für die alotleidendcn in Ostpreußen 103 Mark gewendet,
A Kloster Arnsburg, 6. November. Die Gemeinden Muschenheim und B e t t c n h g u s c n haben je einen Wagen mit Liebesgaben hierher gebracht.
Kreis Büdingen, d, Blofeld, 5, Nov, Unsere steine Gemeinde hat an der Kricgsfürsorge schon regen Anteil genommen. Die Geldsammlung für das RoteKreu z, welche wöchentlich vorgenommcn wird, ergab bis jetzt den Betrag von annähernd 300 Mk. Mitte Oktober wurden Liebesgaben, bestehend in Leibbinden, Ohren- ichützer, Tabak, Pfeifen, Schokolade, Strümpse, an unsere Soldaten abgcsandt, der verbleibende Rest der Geldsammlung wurde an die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und an die Kreiskasse Büdingen abgcführt. Das Reservelazarett in Reichelsheim lWettcrau) erhielt mehrere Körbe Obst, Heute ging ein hochbeladener Zweispänncrwagen mit Kartoffeln, Kraut, Obst, eingekochtes Gemüse an die Kreissammclstclle nach Büdingen ab, Frauen und Mädchen stricken fleißig Strümpse und Armstauchen. — Für den aus dem Schlachtfelde gefallenen Reservisten Heinrich Heß fand ein Gedächtnisgottesdienst statt, an dem die ganze Gemeinde teilnahm,
Kreis Friedberg.
4- Butzbach, 6, Nov. Gestern nahm Gendarnierie-Wacht- meister Rees in 'Butzbach in einer Wirtschait zwei russische Arbeiter seit, die dentichscindliche Rede», wie Deutschland müsse vernichtet werden, führten. Tie scechen Burschen wurden in sicheren Gewahrsnni gebracht, wo ihnen Gelegenheit gegeben wird, über ihr Auftreten nachzudenken.
h, B i l b e l, 5, Nov, Unter der Leitung des Lehrers Will tagte hier der dritte Bezirks kriegertag der „H a s s i a". Nach einer Ehrung der gefallenen Kameraden berichteten die Abgeordneten Flach (Großkarben> und Schwind < Kleinkarben) über den Verbandstag in Butzbach. Hauptmann Wald eck er sprach sodann über „Das Unterstützungswesen der „Hassia" während des Krieges". Die Regelung geschäftlicher Angelegenheiten bildete den Schluß der sehr stark besuchten Tagung. Die nächstjährigen Bezirkstage finden in Rendel und Holzbausen statt.
Starkenpurg und Rheinhessen. rb, D a r m st a d t. *. Nov. Eine ergreifende Trauerleier iand Mittwoch vormittag ans dem neuen Waldlriedho'e hier statt. Ter einzia« Sohn des Etantsmmisters Dr. v. E w n l d, der vor elwa sechs Wochen in den Kämrüen bei Brandeviste, nördlich Verdun, den Heldentod iürs Vaterland erlitt und dort auch bereits mit anderen Kameraden der Erde anvertrant war, wurde aus dringenden Wunsch der Familie in einem geschlossenen Metall- sarg mittelst aintomobils hierher ndergesnhrt und hier bestattet, Zn der heutigen 'Beisetzung hatte sich eine sehr zahlreiche Troner- vcrsammlnng eingenmden: auch die Großberzoqtn, die drei Minister und andere hohe Beamte, sowie eine Abordnung des 33. Dragoner-Regiments, dem sich der Verstorbene als Freiwilliger angeschloffen hatte, ivare» erschienen. Piarrer Vogel hielt eine ergreiseiide Gedächtnisrede und eine säst unübersehbare Zabl von Kränzen und Blumen reihte sich um die Grult. Der Verstorbene wurde ein Opler französischer Heimtücke, die schon so viele deutsche Krieger »ins Leben gebracht hat. Aus den bewaldeten Höhe» hatte eine albteiluna lranzösischer Soldaten die Waffe» weggeworien »nd die Hände hochgehobe» zum Zeichen, daß sie sich ergeben wollten. Als dann aber die denlschen Dragoner nahe herangekommen waren, ivnrde vlötzlich Feuer anl sie abgegeben, dem als einer der ersten v. Ewald zum Ovler fiel. Der Doriall ivnrde von anderen in der Nähe befindlichen deutschen Trnpventeile» bemerkt und die Strale iolgte an! dem Fuße, indem eine Abteilung bayerischer Pioniere mit ihren Spaten in der Hand vorgingen und die Verräter niederniachten.
m. Ossenbach a. M. ,6. Nov. Der Oberbürgermeister der Stadt Offenbach hat kür die K a r t o k s e I n i in Kleinhandel H ö ch st v r e i s e kcstgesctzt, die kür das Kilogramm 9 Psg. und für das Gescheit» von 3‘/ s Psnnd 15 Psg. mit Wirkung vom heutigen Tage betragen.
Hessen-Nassau. ,
m. Nus dem Kreise Kirchhaiii', 5. Nov. Feldwebe Hermann S t r i e ß e ans Langciistein, im Kaiser-Franz-Regiment, erhielt das Eiserne Kreuz. — Nach 30jähriger Tätigkeit in Langenstein trat Lehrer Wickert in den Ruhestand. Mehrere Generationen hat derselbe snr den Kamps des Lebens vorgebildet, zum Wahle der Gemeinde und des Vaterlandes, — Das Ergebnis der dritten Sammlung s ü r s 31 o t e Kreuz in Rüdigheim betrug 105 Mark.
b, Biedenkopf, 5, Nov. Für die Bedrängten in Ostpreußen sind bis jetzt hier 3563,25 Mk, eingegangen. Dazu hat der landwirtschaftliche Bezirlsvcrein für die notleidenden ostpreußischen Landwirte 600 Mk, gestiftet und zu der National- stiftnng für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen einen Beitrag von 300 Mk, geleistet,
■ X G l a d e n b a ch , 5, Nov, Den Heldentod für das Vaterland starben die beiden Lehrer E, W, B i e r wal d-Gönnern irnd Karl K ü h n - Hartenrod.
n. Nassaua.d. Lahn, 5. Nov. Das Manganerz b erg-, Werk „Gloria" wird am 14. Januar 1915 zwangsweise versteigert.
b. Bad-Homburg v. d. H., 5, Nov. Wie in der Stadt- verord n eten s i tzung .mitgeteilt wurde, haben hiesige Händler im nahen Eschbach den Doppelzentner Kartosseln zu 6 Mk. eingekaust und ihn dann mit 33 >/d Prozent Gewinn hier loszuschlagen versucht. — Die Stadt hat sich wegen der Einsühnung von Höchstpreisen für Kartoffeln an die Wiesbadener Regierung gewendet.
^ (h) Frankfurt a. M., 5. November. Die diesjährigen
Stadtverordnetenwahlcn finden am 26. November von 12 Uhr mittags bis 8 Uhr abends statt. Sie werden sehr ruhig verlausen, da zwischen allen Parteien wegen des Krieges Burgfrieden geschlossen wurde. Die Sozialdemokraten stellten gestern für ihre 11 freiwerdenden Wahlbezirke Kandidaten auf. Auch der Reichstagsabgeordnete Dr. Quarck wurde u. a. wieder aufgestellt.
Gcricdtrsaal.
Professor Lehmann-Hohenberg zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
~ Weimar, 4. Nov.
^ Die hiesige Strafkammer verhandelte in fünfstündiger Sitzung gegen den ehemaligen Professor an der Kieler Universität Lehmann-Hohenberg, der unter der Anklage stand, den Ersten Staatsanwalt Blochmann in schwerer Weise beleidigt zu haben. Professor Lehmann-Hohenberg steht bekanntlich seil Jahren im Streit gegen verschiedene Behörden, da er den Standpunkt verficht, daß die gegenwärtigen Zustände auf dem Gebiete der Rechtssprechung militärischer und Zivilgerichte, insbesondere auch aus dem Gebiete des Jrrenrechts- und Entmündignngswcscns unhaltbare seien. Von diesem Standpunkt aus hat er die Interessen des Obersten H ü g c r aus Ulm, des wegen seines Attentats aus den vierten Reicksaerichtsiemtt verurteilten Kaufmanns Gros sei.
der Frau Amtsgerichtsrat Burchardi in Meiningen u. a. vertreten. Professor Lehmann-Hohenberg ist im Jahre 1851 in Königsberg i. Pr. geboren und im Jahre 1900 wegen Beleidigung des früheren preußischen Kriegsmimsters v. Gotzler zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Während seiner Kieler Amtstätigkeit ist der Angeklagte auch mit dem verstvrbenenSozialpolitrker Oberstleutnant a. D. Moritz v. Egidy in Berührung gekommen, den er längere Zeit moralisch und materiell unterstützte. Er begründete auch die „Kieler Neuesten Nachrichten", wobei er jedoch in, einen Konflikt mit der Regierung wegen einer abfälligen KriUk des Kriegsminislers v. Goßlcr geriet. Rach einem längeren Prozeß kam es zu seiner Verabschiedung, jedoch behielt er den Prosefsoren- titcl und den ihm zustehenden Pensionssatz. Seit dem Jahre 1904 lebt der Angeklagte in Weimar, wo er u. a. den Allgemeinen Deutschen Kulturbund gründete.
Im November v. I. verhandelte die hiesige Strafkammer gegen Professor Lehmann-Hohenberg wegen Beleidigung des preußischen Ofsizicrkorps, die in mehreren Broschüren erblickt wurde. Der Angeklagte erhielt damals 600 Mark Geldstrafe, Besonders lebhaft gestalette sich der Kampf, den Professor Lehnmnn-Hohenberg in mehreren Jrrenrechtsafsären gegen die Autorität des Geheimrats Binswanger von der Jenaer Üniversität und dessen ersten Assistenten Professor Berger führte. Er erstattete gegen diese beiden Llnzeige wegen Meineides und ferner, als seiner Anzeige nicht stattgegeben wurde, eine zweite Anzeige wegen Rechtsbeugung gegen den amtierenden Amtsrichter Lemmerzahl. Da Erster Staatsanwalt Blochmann ans Beschwerde des Anqellagtm es ablehute, die dlnzcigen weiter zu verfolgen, beschwerte sich Professor Lehmann- Hohenberg bei dem Großherzoglicki Weimarischen Staatsministerium. Diese Beschwerde enthielt äußerst scharfe Angriffe gegen den Erste» Staatsanwalt Blochmann, so daß das neue Verfahren gegen den Angeklagten eingcleitet wurde. — Zu Beginn der Verhandlun-z stellte der Angeklagte den ?lntrag, die Richter möchten sich selbst als besangen erklären, woraus das Gericht aber nicht eingrng. Zu seiner Verteidigung führte der Angellagte an, daß er in Abivehr gehandelt habe, da c,r in früheren Prozessen durch den Ersten Staatsanwalt Blochn:ann schwer beleidigt worden sei, der ihn sogar als gemeingesährlich bezeichnet habe. Der als Zeuge ver- nomnicnc Staatsanwalt B l o ch m a n n bezog sich auf ein wissenschaftliches Urteil des Geheimrats Genfer (Dresden), wonach der bezcichnetc aiusdruck ans Professor Lehmann-Hohenberg anzuwenden sei. Eine Reihe von Beweisanträgen des Angellagten wurden, weil nicht zur Sache gehörig, vom Gericht abgelchnt. In seinen! Schlußwort suchte der Angeklagte nochmals seinen Standpunkt zu verteidigen und nahm die Wohltat des 8 193 StGB, in Lln- spruch. Bei der Schwere der Beleidigungen erkannte der Gerichtshof gegen den Llngcklagten aus eine ..Gefängnisstrafe von einem Jahre. _
» Letzte Nachrichten.
Schwierige Kämpfe im Ueberfchwemmungsgebiet der jstser.
Rotterdam, 6. Nov. Die französische Zeüung „Gaulois" schildert den heldenmütigen Angriff einer württem- bergischenBrigadc aus dem linken User der Mer folgendermaßen: Um 12 Uhr mittags hatten die Württemberger in großer dlnzabl unter dem Schutze ihrer Artillerie mit Hilse von Planken die User überschritten. Nach einem eine Woche anhaltenden. Kampf >var der Fluß durch gesunkene Boote, Baumstämme niw. geradezu verstopst. Die Deutschen schritten über diese Brücke aUjtUcrwcilc hatten die Verbündeten sine Stellung weit hinter der Front bffetzt. Die deutsche Infanterie, die sich am linleo User gesammelt hatte, bereitete den Sturmangriff vor. In jenem Auqenblick hörte man aus westlicher Richtung ein dumpfes Grollen Das Geräusch wurde deutlicher, es war dem Nahen der Flur ähnlich. Plötzlich brachen die strudelnden und schäumenden Wasser hervor. Von den deutschen Linien erhob sich ein Sehr« der Wut und des Entsetzens. Die Flut kam und sofort waren die deutschen Schützengräben überströmt. Die Württemberger retteten sich nach dem höheren Gelände, um aus dem Ueberschwemmungs- gebiet herauszukommen. (Ob der „Ganlais" die Vorgänge ganz richtig schildert, ist doch noch sehr die Frage!)
Die Fahrt der deutschen Flotte an die englische Küste.
i. Köln, 6. Nov. Die „Köln. Ztg." meldet ans Kopenhagen: „National Tidende" melden aus London: Die hiesige Presse gibt zu, die Deutschen verdienten Bewunderung für die Kühnheit, mit der sie ihre Kriegsschiffe an die englische Küste senden. Welche Wsicht die Deutschen damit verfolgten, wisse man nicht. Es sei unerklärlich, wie die deutschen Schiffe unb«schädig t die Minenfelder passieren konnten. Man glaube in England, die Deutschen unterhielten ein umfangreiches Spionagesystem und seien im Besitz genauer Karten der Anlage der Minenfelder. M:an wisse ferner nicht, wohin die von den Engländern verfolgten deutschen Schiffe den Kurs genommen haben.
Besserung der Lage im Oberelsaß.
Mülhausen, 6. Nov. Infolge der an der Grenze herrschenden Unsicherheit wegen der Kriegslage war im Ober-Elsaß der Wiederbeginn des Schulunterrichts bis auf weiteres verschoben worden. Da sich nun in der letzten Zeit die Lage wesentlich gebessert hat, wird der Unterricht mit dem 9. November »scher ausgenommen werden. Auch die Reichsbankstelle, die seil dem Einbruch der Franzosen in Freiburg im Breisgau amtierte, mmmt ihren Betrieb in Mülhausen wieder aus.
Der Kampf im Schwarzen Meer.
Mailand, 6. Nov. „Secoto" meldet aus Bukarest: Die Passagiere des von den Türken genommenen russischen Dampfers „Korolowo" sind nach Konsdantinopeb gebracht morden. Ein türkischer Kreuzer hat bei Sebastopol den russischen Dampfer „Großfürst Alexander" zum Sinken gebracht, nachdem die Passagiere und Mannschaften ausgeschifst und nach Kon- stanttnopel gebracht worden waren. Wahrscheinlich hat der russische Dampfer Jerusalem" dasselbe Los erfahren, da die von allen Stationen an ihn gerichteten radiotelegraphischen Teleg ramme unbeantwortet geblieben sind. _
Wetter allssichten in Hessen am Samstag, den 7. Nov. 1914 : Weitere 'Abnahme der Bewölkung; trocken, südöstliche Winde, in höheren Lagen leichte Nachtsröste.
Wachstuch- ■ Reste«
C“ Hpottbillig; "€
sind eingetroffen.
ßahnhofstranfie 14.
Stsnograplieit-
Gasellschaft
’CabelsbBrgsr'
Glessen.
Samstag, 9 Ohr „Gambriaüs".
11238D
Dir.: Hermann Steingoetter.
Freitag, den 6. Nov. 1914. abends 8 Ubr
1. Freitaa-Abonn.-Vorstellg. Gcwölmt.PrciiclermäßiatI
Zwiscko den Sclilacliten
Schanlviel in 1 Aufzug von Björnstierne Biärnwn.
Hierauf: 11235
MsltiißkiiiS Snfltr
oon Friedrich von Schiller.
Ende gegen 10 Ubr. Soldaten, vom Feldwebel abwärts, zahlen bei allen Porfielluiigen aus II. und I I I. Parkett nur halbe Preise.


