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Nr. 261

Der Siebener Anzeiger

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Erstes Blatt Jahrgang grettag, 6. November IM

Bezugs» reis: monatl. 75 Vs., viertel»

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Rotations&rud und Verlag der vrühl'schen Unio.vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Zchriftleitung, Seschäftrstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Anzeigen""":' l" 1 Beck.

Ein Ausfall der Belgier mühelos abgewiesen, vergeliungs- Mhregeln gegen die in Deutschland lebenden Engländer.

(WM.) GrohesHauptquartter.S Nov., vormittags. (Amtlich.» Gestern unternahmen die Belgier, unterstützt von Engländern und Franzosen, einen heftigen Ausfall aus Nieuvort Mischen Meer und dem Ueberschwemmungsgebiet. Sie wurden mühelos abgewiesen.

Bei Ipern und südwestlich Lille, bei Berry-au- Bac, in den Airgonnen und in dar Vogesen schreiten unsere Angriffe vorwärts.

Auf dem östlichen Kriegsschauplätze hat sich nichts wesent­liches ereignet.

. . ,

In England scheint man sich allinählich aus den für den Dreiverband ungünstigen Ausgang des Feldzuges in Belgien und Frankreich vorzubereitcn. Charakteristisch für diese Stimmung des Vcrzagcns ist die in den nachstehenden Meldungen enthaltene Aeußcrung derDaily Mail", die von derbitteren Tatsache" spricht, daß die Landstrcitkräfte der Verbündeten zurzeit unzureichend seien. Damit stimmt denn auch die neueste vorstehende Meldung aus dem deutschen .Hauptquartier vollständig überein. Ein belgischer Ausfall mühelos zurüchgöwiesen! Das Verlegenheitsgrfasel der Morningpost" spricht ebenfalls Bände. Hervorstechend darin ist die geistreiche Feststellung,Deutschlands zentrale Lage sei ein großer militärischer Vorteil, den es sehr ausnutze". .Gesetzt aber den Fall, wir hätten uns, wie England, auf unsere militärischen Lorbeeren gesetzt und die Instand­haltung unseres Heeres vernachlässigt was dann? Dann hätten wir denVorzug", das; von allen Seiten die Feinde über uns herfalleu könnten. DieMorningpost" sollte doch nicht klagen. Vorläufig ist die insulare Lage Englands noch ein Vorzug: denn sie schützt seine Bewohner vor deitt-- schen Schlägen. Vorläufig, wie lange noch, das ist ungewist: Dunkelheit und (Verlöschen der Lichter sind nur ein sehr müßi­ger ntilitärischer Vorteil. DieMorningpost" leistet sich noch folgende Sätze:

Die Lage kann zugunsten Frankreichs nur durch überlegene britische Kräfte ausgeglichen werden, die nicht zu spät in die Wag­schale geworfen werden dürsen. Das ist die Kardinalwahrheit über den Krieg. Die sür Englaitds Vorbereitungen zur Verfügung stehende Zeit ist nicht unbeschränkt. Ein entscheidender Sieg der Deutschen auf dem westlichen Kriegsschauplätze inürde Armeen frei machen, um eine Invasion nach Engl and zu versuchen, die unausführbar ist, solange die britische Flotte die See beherrscht. Aber eine Invasion in Deutschland würde dieses Projekt sofort hinausschieben. Es mus; die Ausgabe der Verbündeten sein, diese in dem ersten Augenblick zu unternehmen, in dein cs die Stärke ihrer Streitmittcl gestattet.

Wir denken: vor einem Einbruch in Deutschland schützt uns nun doch wieder dessen zentrale Lage und was drum und dran hängt! DieWenn" und ,Qb" derMorniugpofii" werden aber ln Frankreich und Belgien nicht ungehört ver­hallen. Dort weist man jetzt, wo die Schuld liegen wird, wenn die Sache für den Dreiverband schief geht.

Erfreulrcherivei.se hat die deutsche Regierung den Rat befolgt, der ihr in Bezug auf die schlechte Behandlung un­serer Landsleute aus deni britischen Znselland mehrsack, er­teilt worden ist, indem für die in Deutschland lebenden Eng­länder dieselben Anordnungen getrosfen worden sind. Das deutsche Konzentrationslager befindet sich bei Berlin. Vielleicht wird man mis London jetzt bald Vorstellungen lsörcu, ob nicht doch noch eine Wereinbarung in diesen Fragen getroffen werden könne. Man muh eben den harthörigen John Bull auf seine eigene Weise behandeln. Es darf in) diesem Zusammenhang darauf hingewicsenstvcrden, daß auch Jane Bull wieder einmal rühmlich von sich reden macht, nicht zwar die famosen Wahlwciber, wohl aber die, sagen nur mal weibliche Soldateska.Dailh Mail" meldet: Es wurde beschlossen, daß von dem närlisten Montag ab in den Wirtschaften Groß-Londons den Frauen keine berauschenden Getränke vor 11 1 1 Uhr vor­mittags ausgeschänkt werden dürfen. Die Londoner Polizei- richtcr klagten in der letzten Zeit über die Zunalnue des Trinkens bei den Frauen, namentlich den Sol­daten f rau e n."

Vor 11'/-Uhr vormittags: das ist auch noch zeitig ge­nug! Möglicherweise aber hcchen die Pvlizeirichter den Hebel nicht an der richtigen Stelle angesetzt: vielleicht ist es nur die zunehmende Dunkelheit in London, die diesen Mchrbestand von Nachtschatten auch noch in das Morgengrauen hincin- wirst. So lange aber die deutsche Gefahr besteht, wird diesen Erscheinungen nicht'abzuhelfen sein.

Tie bittere Tatsache."

London, 5. Nov. (23258. Nichtamtlich.) DieDaily Mail" schreibt: Die bittere Tatsache besteht, daß alle Land- streitkräste der Verbündeten weitaus unzulänglich sind, um die Deutschen ans Belgien hercmszu treiben und Ostende wieder zu nehmen, sie aus der Aisne-Linie herauszuwcrfen, wo sie imnier noch 60 Meilen von Paris stehen, sowie ihren Rückzug von polnischem Boden zu erzwingen. Der Geschütz­donner des deutschen Geschwaders wird an der englischen .Küste gehört. Das Erscheinen der Türkei im Felde als Ver­bündeter Deutschlands enthält neue Gefahren für das Britcnretch. Größere Anstrengungen sind nötig: selbst Kit- cheners Million könnte sich als unzureichend erweisen. Das Blatt bekliggt sodann die Zensur, die verhindere, daß das

! Britcnvolk die Notwendigkeit weiterer Austreugnugen er­kenne. Das Prinzip des freiwilligen Dienstes sei unter diesen ! Umständen unhaltbar. Tie Regierung müsse das Volk die Wahrheit über den jlpieg wissen lassen oder die allge­meine Wehrpflicht werde bald unvermeidlich sein.

Englische und französische Berichte.

Berlin, 6. Nov. Während aus London gemeldet wird, die Deutschen hätten das linke Dserufcr ge­räumt, erwähnen die Franzosen die starken feindlichen Stellungen an diesem Ufer zwischen Dixmniden und Nieu- port. Namentlich geben sie aber zu, daß die Deutschen im Zentrum erfolgreich vorgcdrungen sind, denn sie erwähnen, daß die Franzosen in der Umgebung von Vailly viel Gelände verloren haben.

Zwei Flieger über der englischen Küste.

Berlin, 6. Nov. DerVossischen Zeitung" zufolge haben zwei deutsche Leutnants als erste deutsche Offiziere in diesem Kriege den Kanal zwischen Calais und Dover überflogen und ans ein Mstcnwerk in unmittelbarer Nähe von Dover zwei Bomben herabgeworfen.

Tic Furcht vor der Invasion.

(WTB.) London, 4. Nov. (Nichtamtlich.) Das Kricgsamt teilt mit, daß nichts in der gegenwärtigen Lage die Annahme rechtfertige, das; eine Invasion wahrschein­lich sei oder bevorstehe. Verschiedene Verteidignngs- !wcrke, die im Vereinigten Königreiche errichtet seien, bedeuten mir notwendige Vorsichtsmaßregeln, die jede See­macht zu Kriegszeitcn ergreife.

General Frcnch schwer verunglückt?

Berlin, 0. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) DerLokal- Anz." meldet: Ein aus Holland nach Berlin zurück- gekehrter Freund unseres Blattes berichtet uns, daß nach zuverlässigen Meldungen der Oberkommandiereudc der eng­lischen Armee in Frankreich, Feldmarschall French, vor eini­ger Zeit bei einem Autoinobilunfall schwer verunglückt und zurzeit noch an der persönlichen Ausübung des Oberkomman­dos verhindert ist. 1

Tas Seegefecht bei Narmouth

(WTB.) London, 4. Nov. DieTimes" melden: Ein Seekampf fand gestern bei D a r m o u t h, ganz dicht unter Englands Küste, statt. Mehrere deutsche Kriegsschiffe kamen gestern früh auf der Höhe in L)ar- jmouth in Sicht und eröffneten eine furchtbare Kanonade gegen die Küste. Von dem Kreuzer Halcyon", der leicht beschädigt wurde, ist ein Mann schwer, vier oder fünf leicht verwundet. Außer dem UnterseebootD.5", das wenige Stunden später auf eine Mine lief, sind noch zwei Dampsbarkassen auf Minen gestoßen und im Laufe von 20 Minuten gesunken. Die starken Detonationen riefen eine unge­heure Aufregung in Darmouth hervor, wo die Leute zum Strand stürmten, jedoch infolge des Nebels nichts sehen konnten. Nur die Umrisse der großen Sck)iffe mit vier Schornsteinen waren sichtbar. Einige Geschosse stelen ans das Ufer in die Nähe der drahtlosen Station, die meisten fielen jedoch ins Meer.

Die englische Presse beschäftigt sich sehr erregt über das letzte Seegefecht bei Pannouth. Ein Bericht unterstellt, daß irgendwo ein geheimer drahtloser Appa­rat sei, der die deutsche Flotte warne und informiere.

* . *

Gegcnmaßregel gegen die Engländer in Deutschland.

Die deutsche Regierung hat sich nun doch angesichts der skandalösen Behandlung der in England lebenden Deutschen entschlossen, nach fruchtlosen Versuchen, ein Abkommen mit England zu treffen, die ähnlichen Verfügungen zu treffen, wie sie drüben angewendct werden. Das Wolfs-Bureau bringt folgende amtliche Darlegung:

WTB. Berlin, 6. Nov. (Amtlich.) Seit langer Zeit schlve- bcn Verhandlungen zwischen Deutschland und England wegen der Behandlung der beiderseitigen Staatsangehörigen, die sich bei Be­ginn des Krieges auf dem Gebiet des anderen Teiles aushiclten. Dabei stand die deutsche Regierung auf dem Stand­punkt, daß nach völkerrechtlichen Grundsätzen diese Personen, so­weit sie sich nicht verdächtig gemacht hatten, auf freiem Fuße zu belassen seien, auch ungehindert in ihre Heimat abreiscn dürften, das; jedoch den Engländern in Deutschland selbstverständlich keine bessere Verhandlung zuteil werden könnte, wie den in England be­findlichen Deutschen. Als daher die britische Regierung so gut wie sämtlichen Deutschen die Erlaubnis zur Abreise versagte, sind die in Deutschland befindlichen Engländer in gleicher Weise behandelt wor- den. Den deutschen Vorschlag, die beiderseitigen unverdächtigen Staatsangehörigen sämtlich abreiscn zu lassen, lehnte die bri­tische Regierung ab. Doch wurde eine Vereinbarung dahin getrosfen, daß alle Frauen und alle männlichen Personen bis zu 17 Jahren und über 55 Jahren, sowie ohne Rücksicht auf ihr Alter, alle Geistlichen und Acrztc ungehindert abreisen dürsten. Die männ­lichen Personen zwischen 17 und 55 Jahren wurden nicht in die Vereinbarung eingezoge», weil die britische Regierung alle Wehr­pflichtigen zurückhalten wollte, und'cals solche auch die Männer zwischm 45 und 55 Jahren ansah.

Inzwischen wurden die in England zurückgehaltencn Deutschen in nicht unerheblicher Anzahl sestgenommen und als K r i e g s - gefangene behandelt. Nach zuverlässigen Nachrichten ist diese Maßnahme in den letzten Tagen ans fast alle wchrpilichtigcn Deutschen ausgedehnt worden, während in Deutschland bisher nur verdächtige Engländer iestgciwmmen worden sind. Die völker­rechtswidrige Behandlung unserer Angehörigen hat der deutschen Regierung Anlaß gegeben, der britischen Regierung zu erklären, daß auch die wehrvslichtigen Engländer in Deutschland sestgenommen werden würden, wenn nicht unsere Angehörigen bis zum 5. November aus der englischen Gcsangenschast entlassen wer­den sollten. Die britische Regierung hat diese Erklärung un­beantwortet gelassen, so daß nunmehr die Festnahme derenglischenMänner zwischen 17 undböJahren angeordnet worden ist. Tie Anordnung erstreckt sich vor­läufig nur auf die Angehörigen von Großbritannien und Irland, würde aber auch auf die Angehörigen der britischen Kolonien und Schutzgebiete ausgedehnt werden, wenn die dort lebenden Deutschen nicht auf ^freien Fuß belassen lverden sollten. Die von den mili­tärischen Stellen unter dem 6. November erlassenen Besehle lauten:

1. Me männliche» Engländer zwischen dem vollendeten 17. und 55. Lebensjahr, die sich innerhalb des Deutschen Reickres befinden, und denen als Aerzten oder Geistlichen nicht das Aus­reiserecht zusteht, sind in Sicherhcitshaft zu nehmen und nach Anordnung der stellvertretenden Generalkommandos nach dem Lager Ru hieben bei Berlin zu überfübrcn. Das gleiche gilt für inaktive Ossiziere auch über 55 Jahre hinaus.. Für die AlterSbcrechnung ist der 6. November maßgebend. Die Uebcrführung der in Berlin verhafteten Engländer nach Ruhleben crsolgt mit Rücksicht au; die besonderen örtlichen Verhältnisse auf Anordnung und nach dem Ermessen des Oberkommandos in den Marken.

2. Ausnahmen von der in Nr. 1 genannten Anordnung können von den stellvertretenden Generalkommandos und dem Oberkommando in den Marken mir dann gestattet werden, wenn schwere Krankheit, die den Transport unmöglich macht, von amtsärztlicher Seite bescheinigt wird. Sobald das Befinden den Transport gestattet, ist die Ueberführung nachzuholen.

3. Me erwachsenen Personen englischer Natiimalüät, die dann noch frei in Deutschland leben dürfen, sind zu täglich zweimaliger Anmeldung bei der Polizei verpflichtet und dürfen den Ortspolizeibezirk, über dessen Grenze sie polizei­lich zu unterrichten sind, nicht verlassen. In einzelnen Fällen kann da sür den Ausenlhaltsort zuständige stellvertretende Ge­neralkommando (Oberkommando in den Marken) oder Mcrrinc- stationskommando Ausnahmen gestatten.

4. Die uw-tr 1 und 2 genannten Maßregeln sollen zunächst nur Anwendung finden ans Angehörige desVereinigten König­reichs von Großbritannien und Irland".

5. Sofern für den Transport fahrplanmäßige Züge nicht ausrcichen, sind von den stellvcrirc-tnden Generalkommandos Sonderzüge mit den Linienkommandanluren zu vereinbaren.

Eroberungsgcldcr.

Berlin, 5 . Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Eine Kaiser» liche Kabinettsordcr genehmigt, daß für die im' gegenwärtigen Kriege von den Truppen der preußischen Armee und den in sie aufgenommenen Kontingenten er­oberten Feldzeichen, Maschinengewehre und Geschütze Er ob e r u n g s g e ld e r an die Truppen ge­zahlt werden und zwar erhalt der Truppenteil, dem die Er­oberer angehürten, für jedes feindliche Feldzeichen (Fahne oder Standarte), das im Kampfe genommen wird, sowie für jedes feindliche Maschinengeloehr oder Geschütz, das in der Schlacht oder im GsseckJ während des Gebrauchs bei feind­licher Gegenwehr mit stürmender Hand genommen wird, s i e b e n h u n t> e r t s ü n f z i g Mark. Die Geldbeträge sind nicht an die einzelnen Eroberer zu verteilen, sondern ver­bleiben dem Tvuppentcil.

Tic Kriegskontribntion von Brüssel.

Paris, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) DerGaulois" schreibt: Nach einer Depesche aus Berlin wurde die Kriegs­kontribution von Brüssel aus 45 800 000 Franks er­mäßigt, welche in Raten von 2V- Millionen pro Woche ab gezahlt werden sollen.

Eine Erfindung.

(WTB.) Berlin, 5. Nov. (Amtlich.) In auswärtigen Blättern befindet sich die Meldung, daß die Beduinen bei ihrem Vorgehen gegen Aegypten von deutschen Offizieren geführt worden seien. Wir können fcststellen, daß diese Mel­dung erfunden ist.

Das neue italienische Kabinett.

Rom, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Durch königliche? Dekret wurde Salandra mit der Bildung des Ka­binetts betraut. Wie dieAgeuzia Stefcmi" aus zuver­lässiger Quelle erfährt, fetzt sich (das neue Kabinett folgender­maßen zusammen: Salandra: Vorsitzender uich Junc- res; Sonnino: Aeußeres; Martini: Kolonien: Orlando: Justiz: Carcano: Schatz; Tmieo: Finanzen; Ciufellis: Oefsentliche Arbeiten: Elrippo: Unterricht: Cvasola: Acker­bau; Zuppeli: Krieg; Wale: Marine; Riccio: Post. Die Mi­nister werden heute nachmittag vereidigt.

O senpc st, 5. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) DerPestcr Llohd" bespricht die Lösung der italienischen Kabinettskrise. Er sagt:

In Oesterreich. Ungarn undDmhchlanb wird es mit aufrich­tiger Genugtuung begrüßt, daß der bisherige Prcmieruunister, getragen von dem Verträum seines Monorchm und gestützt von der Zustimmung der Kammer, wieder von neuem an die Spitze