Ausgabe 
30.10.1914
 
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Mb maaaStXSgai T6m<M tfgH)rn NcryWayse angdnbat. Die

Besprichung, der seitens der Re nftitt»« die dr» Monster, dir

Staatsräte und ctnr cyröftere Anzahl anderer höherer Reyiernngs- bomnte» deiwohkrte. dauerte »ahchzr fünf Stunden und war streng vertraulicher Natur. Es fanden sowohl über die Ausstellung des nächstjährigen SdaatshwlshclllSetats, Nne über dir eventuelle Em-

dringvng einer Notstandsvvttage eingehende Erörterungen statt, doch wurden besttmurt« BeschlLffe nicht gefaßt- -buch Über die beabsichttgte Einberufung der Landstände Mi Abhaltung einer ftn yn verbstdag-rng wurde nach keine nähere Entschließung ge-

Sktzung der Stadtverordneten.

Gießen, 30. Okt.

Die Stadtverordneten hielten gestern nachnrittag 4 Uhr eine kur»e Sitzung ab, deren Beratungsgegenstände zum überwie­genden Teil im Zeichen des Kriegs standen. Boi Eintritt in die Tagesordnung gab der Vorsitzende, Oberbürgermeister Keller, Kenntnis von einem Dankschreiben ber Kumuli« beim anläßlich ba Testnohnle der Bersarmrstung beim Tode des Stadtverordneten Hchu, von einer Reihe von Dankschreiben der einzelnen Jvrmatto- ncn des Infanterie-Regiments 116 für di« gespendeten Liebes­gaben und von einer Eingabe der Giehener Kmobesitzer betr. die Foerstelving von der Bületsteuer.

Er führte weiter ans, auf das Schreiben, das er im Auf­trag« der Bersaurmlung an d«c Großh. Regierung in Sachen der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit in Gießen durch dir Fortführung der Staatsbantcn gerichtet habe, sei nunmehr die Antwort cingegangen. Das Großtz. FmanKnumisterium habe mit­geteilt, daß ferner Lttrsicht nach rn Greßen ei n Ar berts- mang«l nicht eintreten werde, da die Erbauung des grotzen Gefangenenlagers und die Fvrtführnnq der schon im Etat für den Winter v or g esehe n ei t Bauten genügend Beschäf­tig«» gsgel egen heit böten, llebrigens betrüge dreSimime der für dee Bchrperiade iu Gießen aasgewocseuen Gelder bereits 368300 Wart.

Weiter machte der Oberbürgermeister MttttAnng von dem

im Einverständnis mit der Stadtverwaltung an die Regierung gerichteten Anträge betr. die Verschiebung der nach dem Buch­staben des Gesetzes ersvrdettichen Ergän-nngswahlen z-ur StädtverordnetenversammOung. (Wrr'Haber küesen Antrag in Nr. 251 des Gieß. Hj% wickevgegeben.) Der Ober­bürgermeister und Bsig. .Juftrzwtt Grünewald begrürcketrn den Antrag tu kurzen Worten. Schließlich teilte d« Vor- irtzende noch nstt, daß der T he ater bau »erei n beschlossen habe, den Militär Personen Prersernrährgungen für den Besuch des Stadttheaters zu gewähren und den Laza­retten leweils eine Anzahl von Freikarten zur Verfügung ja stellen. Der privaten Liebestätigkeit seren dadurch keine Schrau- fen gctzogen, int Gegentcst würde es die Freanen» und dee^ Finan­zen öte Theaters nur günstig beeinflussen, wenn auch Prlvab- personc» sich diesem letztrn Vorgehen des Theaterbauvereins an- schlösftn. ,

Punkl S und 3, Baugefirche des Hubert Hern» be­treffend, wurden in die nächst« Sitzung verwiesen. Gesuche der Firma I. B. Noll und des Heinrich Launspach, das eme eine Gebührenfrage, das andere eine geringfügige Abweichung von der Ortspolrzeivervcknung betreffend, wurden int L-cnnc des Vorschlages der Baudeputation erledigt.

Ter Oberbürgermeister berichtete alsdann über die Anlage eines Ehrenfriedhofes für die in Gießen zu beerdigen­den Krieger. Auf seine Veranlassung sei auf dem neuen Friedhose schon ein Matz für diesen Zweck bestimmt, aus der Freund und Feind getrennt zur letzten Ruhe gebettet wecken sollten Man habe zunächst auf eine Zahl von 60 bis 80 Gräbern Bedach! gen-nn- mcn. Diese vorgesehene Größe des Platzes werde voraussichtlich ge­nügen, da ja eine Anzahl ba hier versterbenden Krieger in die Hermat gicholt würde. Es sei beabsichtigt, den Platz mit einer lebenden Heck« zu umgeben. ©non spätem ZeitpnnKr sei es dann Vorbehalten, den dort ruhenden Soldaten ein würdiges Denkmal za errichte». Ferner sei cS im Interest« einer einheit­lichen und stimmungsvollen Gestaltung dieses Ehrenfrftdbofes not­wendig, daß culsttveSe» die Genehmigung Mi Ausstel­lung von Sin »eldenksteine» nicht gegeben werd«. Für oi» erste» Adstagen beantrage die Verwaltung eine» Kre­dit von 8000 SK C Die Versammlung bewilligt« denselben »nb beschick im Sinne der gegebenen Anregung. Jo Verbindung mit diesem Punkt« wurde die Genehmigung zur Iftreitstellung von 3400 Mk. für Eiufassungsgräber ertestt, deren Vorrat er­schöpft ist.

Die Gieß euer Fleischerinnung hatte an die Stadt

das Ersuchen gerichtet, die Schlachtgebühren für Kälber

in Ansehung der BundeSratsvervrdnung über die Kälberschlachttmg neu zu regeln. In dem Antrag« wick ausgeführt, daß di« Be­stimmung, wonach Kälber unter 75 Klg. nicht geschlachtet werden dürfen, zur Folge Hab«, daß Kälber fast gar nicht oder doch nur zu sehr hohen Preisen ans den Markt kämen. Diese müßten aber so weit hergeholt Wecken, zum Test gar ans dem Auslande, daß schon der Transvort ihren Preis erheblich beeinflnste. Dazu komme nun, daß für dies« größeren Tiere die Schlachtgebühr für Großvieh von 8,50 Mk. fürs Stück gelte. Dies treibe natürlich den Preis noch weiter in die Höhe. Man müsse darin eine Härte erblicken, die der Gesetzgeber sicherlich nicht bedacht habe. Da man namentlich in den Lazaretten, aber auch in der Allgemeinheit von dem Gebrauch des Kalbfleisches in der Küche nicht ganz absehen könne, so sei es angebracht, für die Kälber über 75 Klg. die­selbe Schlachtgebühr sestzusctzen, die früher für Kälber all­gemein gegolten habe. Die Versammlung beschloß dem Anträge des Finanzausschustcs entsprechend die Schlachtgebühr auf 2,50 M k. lierabznsctzen.

Aus der Versammlung heraus wurde dann an dem Bescbluß des Bundesrats über die Kält-erichlnchtung Kritik geübt. Dieselbe nehme durchaus verkebrterweste nicht aus die verschiedenen Ver­hältnisse der Vietnucht Betracht, die dort schwere, an anderer Stelle, wie in Dessen, leichtereSchläge produziere. Beta. Justizrat Grünewald regte an, eine Aenderung des BundeSratsbelchlustes anznstreben. Aus westere aus der Ver­sammlung kommende Beurteilungen der Frage stellte der Ober­bürgermeister lest, daß der tz 2 der Verordnung eine Ausnahme gestalte, solern die Berhältniste dies rechtsertiqien. Zuständig seien die Kreisämter.

Der Vorsitzende verlas sodann ein Schreiben deS Präsidenten der Zweiten Kammer von Elsaß-Lothringen, in dem unter Hin­weis aus die großen Kriegslchäden gebeten wick, die Opser- f r e u d i g k e i t des Dolles auch a»s die schwer vom Kriege heimaesnchten Elsaß-Lothringer z» lenken, die in diesen Tagen ibre Treue zu Kaiser und Reich genau so gut ivie jeder andere deutsche Stamm bekundeten. Der Finanz-Ausschuß beantragte, für die Landsleute in den Reichslanden den Betrag von 1500 Mark zu bewilligen. Die Versammlung be­schloß dementsprechend.

Vunkt 3, betr. dle Unterstützung der Familien der einberuienen städtischen Beamten, Bediensteten und Arbeiter, wurde in die ge­heime Sitzung verwiesen. Unter Punkt 10 teilte der Borsttzende mit, er habe gleich nach Beginn deS Krieges die einberuienen st ä d i i s ch c» Bediensteten und Arbeiter bet der Orts- krankenkaise weiterveriichert, um die ffamillenlürsorge durch die Kaste stcherzustellen. Di« Siadikaste werde dadurch um monat­lich etwa 100 Mk. belastet. Tie Derlammlung erteilte dem Vor­gehen des Oberbürgermeisters ihre Zustimmung. Schließlich erteilte die Versammlung noch ihre Genehmigung zu einer Pollzei- verordnung über das Betreten des Kriegsgesangenen- l a g erS.

Stadtv. Gelwinrrat Prof. Dr. Sommer tragt- an, ob be- ett Naßregeln getrosten leien, eventuellen von dem Gesangenen-

ag r drohenden llnzuträglichseüen, wie Revolten u. dql durch die

eitstellung vonArbeit entqegenzuwirken. Ter Oberbürgermeister l n le mit, daß di« Vandevuiatlon sich bisher mit der Frage nicht ' ' - beschäftige» können, dies jedoch in der allernächsten Zeit tun 'de. UebrigenS sei die Angelegenheit mit Rücksicht aut die Ber- meidung jeder Konkurrenz iür den heimlichen Arbeiismarki mit der größten Vorsicht zu unteriuche».

Damil scurd di« ügentllche Sitzung ihren Abschluß.

A«r Statt mtö Catttt

Gießen. 30. Oktober 1414.

Stuf dem Feld« der Ehre gefalle«.

tAvs Hcsien und den Nachbargebftteu.)

llntervff. Georg Mainbnch, Füs.-Rgt. 80, auS Frftbberg.

Wchrm. Otto Fuhr!änder in Odersberg b. Herborn.

Unteroff. Christoph Döring, Juf.-Rgt. 164, ans Worws. Füs. Karl Ernst, Füs.-Rgt. 40, aus Wiesbaden. Eins^Freiw. Fritz Baer, Füs.-Rgt. 80, ans Wiesbaden. Gesr. Georg Zimmermann, Jns.-Rgt. 117, aus Rüffelsheim. Rechts­anwalt Dr. Julius Kahn in Mainz. Res. Heinr. Heß, Ins- Rgt. 87, aus Blofeld. Gefr. Peter Siebter aus Darmstadt

Lt. d Res. Großh. Regiernngsbauführer Ludw. Henneberg aus Darmstadt. Landwehrm. Wilh. Stumpf, Res.-Jnf.- Rgt. 116, aus Kirtorf. Res. Erich M eruhardt, Juf.- Rgt. 116, aus Darmstadt. Gesr. Wilhelm Guterding, Jnf.- Rgt. 116, aus Kröffelbach. Horn. Phil. Scholl, Jns.-Rgt. 117, aus Worms-Hcxhheim. Res. August Westeudorf, Jns.- Rgt. 117, aus Mainz. Ros. Jak. Brunnengräber, Jns.- Rgt. 117, aus Mainz-Mombach. Res. Phil. Jak. Halb maß , Jnf.-Rgt. 118, aus Mommenheim.

«

** Ritter i>es Eisernen Kren»«s. Lehrer San­der von Fischbach (Kr. Alsseld). ttffg. Otto Fischer ans Selters. Pfarrass. Hch. Hebbel aus Ortenberg. Musk. Otto Nahrung, J.-Rgt. 116, aus Ober-Mockstadt. Oblt. (Amts­richter) August Waldschmidt, Jnf.-Regt. 80, cms Wetz­lar. Oberlü. (Gerichtsassessor) Fink, 1. "Bayrisches Fels- Art.-Regt., aus Wetzlar. Wchor Frhr. Raitz von Frentz, Res.-Regt. 116, bisher bei der lluteroffitzimschul« Wetzlar. Leutn. Ritter v. Vogtländer, Kcmrhagniefuhrer imRes.- Jnf.-Regt. 78, von der lknteiwffiKierschule Wetzßar. Gesr. Aug. Perron aus SSü&e®, TLlegr.-Bat. in Koblenz. Dipl.- Jng. Plügge, Leutn. d. R. im Großh. Art.-Korps 25. Großh. Regiernngsbaufiihrer Bernhard Lonrx, Vizefeldw. im 1. Bayer. Delegrapheu-Bat. Mnsk. H'e n che aus Nieders­hausen, Jnf.-Regt. 88. OberregierungArat v. Wufsow, Mitglied der Verwaltung in Brüssel (früher Landrcrt des TillckreiseS). llffz. Bernhard Schnatz ans Diez, Eich -Freiw. im Jnj.-Regt. 160. Lenin, und Kmnp«g7riefiihrer im 67. Mcrchzeb Jnf.-Regt. Alfred Keller ans Darmstadt. Rechs- Amt des Feu>art.-Reglts. 27 Stabsarzt Dr. Siegfried Loeb. Fewrv. Jnl>. Schmidt, Großh. Förster ans Ohmes, und Gesr. d. Landw. Otto Lo i t s ch, Kaufmann ans Alsfeld. Wilheßm Kann und Heinrich Jüngst von Dillenbnrg, Wahl und SachtätsseEiw. Walter im 65. Fns.-Regt. ans Niederscheld, llffz. Friedrich Jüngliing, Mnschinengcro.- Abt. Leibg.-Regt. 115 aus Stockheim.

" Die Groß h erzo g liehe Hofbi bliothek in Darmstadt hat sich als Landesbibliothek seit Beginn deS KnrrgeS bemüht, sämtliche a uf den Krieg bezüglichen Drucksachen, soweit sie im Großherzogtum tzeriegt oder hergestellt werden, zu sammeln, um damit ein wertvolles Material, das sonst voraussichtlich fast spurlos verschwinden wird, für alle Zukunft zu erhalten. Es handelt sich dabei nicht nur um zusammenfassende Darstellungen, sondern auch um GetsrenheitSliteratur jeder Art, dichterische und künst- lerische Erzeugnisse wie Gedichte, Bilderbogen, Karikaturen, ferner Predigben, Maueranschläge, Karten und Pläne. Da diese Bemühungen leider nicht überall daS wünschenswerte Entgegenkonnneu gesunden haben, wendet sich die Direktion der Bibliothek auf diesern Wege an all« hessischen Verleger und Drucker mit der Mtte, ihr derartige Drucksachen in »wem. «ütuägitch »ber in zwei Exemptaren znjenden zu wolle».

A k, dem sicher Turn-, »«b G p iel-

pl«tz. D» Stadtverordneten genehmigten gestern in

nichtössentlicher Sitzung den Verkauf von 35000 Quadrat­meter Gelände an die llniversitätSbehörde unter ge« wiffen Bedingungen zu einem billigen Preise zur Anlage ein«? Akademischen Turn», Sport« und Spiel­platzes. Das Gelände liegt 2 Minuten von dem End- halteplatz der Straßenbahn hinter dem Schützenhaus »nd erhält seinen Zugang durch die Fortsetzung der Straße, die zwischen dem Schützenhaus und der Kaserne der Maschinen­gewehr-Abteilung von der Kaiser-Allee abbiegt. Der Uni­versität sollen von einem auswärtigen Gönner zum Erwerb und zur Herstellung deS Platzes 50 000 Mk. als Geschenk zur Verfügung gestellt sein.

** Deutschlands »nd Englands chemische In­dustrie. In der Reihe der Vorträge, deren Ertrag zum Besten der Hinterbliebenen im Felde .gefallener Gießen« bestimmt ist, sprach gestern abend Geheimer Hofrat Professor Dr. E l b s in der Universitätscrula überDie Entwickelung der chemischen Jn- dustrie in Deutschland und England". Er führte aus: UMer den nus zurzeit bekämpfenden Feinden ist England unstreitig der widerwärtigste und rücksichtsloseste Gegner. Nicht sittliche Werte haben ihm das Schwert m die Hand gedrückt, sondern einzig und allein wirtschaftliche Vortelle. Seit der vor 44 Jahren erfolgten Gründung des Deutschen Reiches hat das deutsche Volk ungeheure Fortschritte gemacht. Niemand gönnt sie uns, am wenigsten England. Uusere aufstrebende Industrie hat die englische Nation an der empsiitdlichsten Stelle getroffen, am Geldbeutel. Daß ein Volk Ideen hat und aus dem Gebiet der Forschung und Wissenschaft Hervorragendes leistet, daran liegt dem Engländer berzsich wenig, aber daß die Ergebnrffe der For­schung aus das Gebiet der Technik und vrakttscheu Verwertung übertragen worden sind, so daß wir unseren Wirt scha s tlichen Nebenbuhler vielfach überslügelte», das konnte man uns nicht verzeihen.

Mit am meisten kam die cheueisch« Industrie Eng­lands ins Hintertreffen. Sie strkst noch rm weserttlick^n aus dem gleichen Standpunll wie vor 30 Jahren, und es wird ihr nicht gelingen, den Vorsvrung einzuholen, den Deutschland vor ihr voraus hat. Es ist dies für England um so bitterer, als gerade es als das Mutterland der Farbrnindustrie an- zusehen ist. Allerdings waren fs deutsche Männer, wie der in Gießen geborene, aus der Schule Liebigs hervorgegangene W. Öofmann, sowie dessen Schüler, der Darmstädter .Karl Schor­le m e r und andere, die einem Rust nach Englaud folgten> aus dem Gebiete der organischen Chemie Großes leisteten. Durch die Tättgkeit dieser deutschen Forscher angeregt, brachte Perkins 1856 die erste Anilinfarbe, das Mauvein, das er fabrik­mäßig darstellte, in den Handel, und die Gebrüder R e n a r d von Lyon nahmen sich einige Jahre später Patente in Frankreich und England ans die Darstellung des Anilinrots oder Fuchsins, deffen synthettschen Ausbau Hosmann ausgearbeitet hatte. Es folgten dann wertere Farbstoffe' Fluoresrn, Eosin irnd Alizarin, wodurch der Krappbau vollständig aushörte. Me dstse Anllrnsarben stellt man aus dem bei der Gas- und Koaksbereitung als Nebenprodukt entstehenden Steinkvhlenteer her, der als solcher nur einen geringen Wert hat (1 Kg. Kohlenwasserstoff 20 Psg4, in seiner Durchbildung aber sehr wertvoll wird (l Kg. Farbstoff 2,60 Mk >.

Ilm die Darstellung eines anderen Farbstoffs des Jndigoblaus hat sich der Gelehrte Adolf Beyer große Verdienste erworben. Jnsolgcdeffen bat die Einfuhr des natürlichen Jndigo- farbstofss aus englischen Kolonien, die im Jahre 1880 noch 25 Millionen Mark betrug, jetzt ganz aufgehört, und Eng­land muß sich überlegen, wie es die hierdurch frei iverdende Boden- siächc mit anderen Kulturpllanzen anlogen soll. Der hierdurch in

Englaud mesgeibrochene Kampf trägt vollständig die Kennzeiche, des unlauteren WetLewerbs. Man machte geltend, der künstlich

hecgesteltte Jndigoiarbstoss sei giftig, unecht und unbrauchbar. Ae englischen Belwcken selbst warnten vor dem Gebrauch, da der syu- thcttsch hergestellte Indigo doch nur ein Surrogat sein. Heute ist dieser Kampf vockei und entschieden. Unabhängig von den Ernten der Kolonien wick diese Farbe für den vierten Tell des Preises des natürlichen Indigos geliefert. So hat sich denn bei uns die Ausfuhr dieser Teerstosse iu den letzten 40 Jahren von 900 Tonnen auf 88 000 Tonnen gesteigert, während die Ech- fuhr von 2l)00 Tonnen ungetähr dieselbe geblieben ist.

Den chemischen Kenntnissen und Erfahrungen sind die Fabrkk- einrichtungen entsprechend geändert und neu eingerichtet worden. Der deutsche Kausmaim hat neue Handelsbeziehungen auigesncht. Wie ans iwch anderen Gebieten, so besonders auf dem Gebiete der Farbcmindnstrie ist das deutsche Volk führend geworden. Es sei nur noch an die Herstellung der synthetischen Heilstofsc undSprengmittcl erllinert. Heute schon klagen nicht bloß dst mit uns rm Kriege lebenden Völker, sondern auch die m-ntralen Länder, wie Nockamerika, über den Mangel der aus Deutschland be­zogenen Handelsarttkel, wodurch ganze Industrien wie dre Woll­weberei und Tuchfabrikation brach liegen.

Spüren wir den Ursachen nach, durch die effl solcher Auf­schwung der chemischen Industrie in Deutschland möglich war. ß» ist zunächst die Llnnahnie, daß wir an genialen Forschern aus die­sem Gebiete reicher ivärrn, nicht berechttgt, wenn es auch richtig steht, daß der Engländer eine größere Vorliebe für die anorganische Chemie zeigt. Sehr zugut kommt uns aber die deutsche Att, fremde Leistungen anzuerkennen und hoch zu hal­ten. Wir haben von den Engländern gelernt, sie aber nicht von uns. England hält am bewährten Verfahren fest, nur suche» und forschen immer weiter und bemühen uns, jeden wiffenschaftliche» Fortschritt in die Tat umznsctzen. Infolge seiner Langsamkttt kommt der Engländer zu spät. Ferner hält der Engländer den Jugenieur für wichtiger als den Chemi ker nnb bchahlt ihn dementsprechend bester. Daraus ergibt sich der Nach» tnl, daß sich chemisch begabte Köpft sehr häufig nicht der Msftn- schaft, sondern der Technik zuwendeu, zum Schaden für die ganze Eutwickelung. Wissenschaft und Technik sind bei uns enger «ft einander veckunden. Man kennt bei uns die in England sehr häu­fig vorkommercken Chemikanden, dft wohl praktisch ganz gut dnrchgebildct, aber wissenschaftlich schlecht auszebüdet sind, wenig oder gar nicht. Sie sind zwar billiger, aber da ihnen te Grit icke für ihr Tun uiübekannt sind, können sie in ihrer Leistungsfähigkeit den Vergleich nicht anshaften. Bei llmwäl- znngen und Neuheiten kommt der Engländer nicht ruft. D« deutsche Chemiker weiß, daß die Wstsemschait etwas Flüssig«- ist. Er probiert rrnmcr noch einmal und ist au dft Auffaffimg gewohnt, daß sich an wiffen schaflliche llnterfuchnnqen und Erftlge rocht rncmer angenblicllick-e Werte anschLesien. Der ftoaktffche ©am btS Engländers aber legt sich nicht daraus ftst, er wlll sofort einen Erfolg sehen. Sodann kann uns die großartige Or­ganisation unserer großen Farbwerke, dft nrilitärffche Nrasf- heft deS glanzen Betriebs, dft in den Händen eines Stabes von wissenschaftlich durchgcchildetrm AnffvAspersonal liegt, das ^jrdeu Arbeiter soiort richttg einschätzt und verwendet, nicht ft leicht nachgemacht wecken. Wenn nun England durch seine rm großen in Szene gesetzten Patenckiebstäbft und andere Schikanen dns un­schädlich zu mache« vermeint, jo kann es dadurch weiter nick« erreichen, als daß es noch einen weiteren Schritt von ftrirer süd­lichen Höhe herirnterftergt. Es wick dadurch nicht reicher und wir nicht ärmer. Auch auf diesem Gebftte steht es bei uns gut, so daß wft ruhig durchhalten und mit dem Dichter sprecl-en können: Lieb Vaterland, magst ruhig sein".

** Die städtischen Laftwage-n beachten im letzten Recinmngssahre im ganze« Mk. 6621,85 lgegen Mk. 6587,76 im Vorjahres ein. Aus di« einzelnen Wage« entjallen: Neostädter Tor Mk. 4851 <Mk. 3881), Frankinrter Straße Mk. 8391 <Mk. 3463), Margareten Hütte SD«. 78 (Mk. 183). Die Wag« an der Neustadt hat nn letzten Jahre einen Mehr«lös von Mk. 370, eingebracht, während dt« beiden andere« Wagen einen Einnahme-Ausiall gegenüber dem Borjahre um Mk. 71, reft Mk. 104, mchoetft«.

Landkreis Metze».

F Watzenftorn, 30. Oft Von hier Ohrcte i» unserer Gegend, der Feldbestellung und dem Einfluß des KrckegeS auf beide und dft Bolkshaltnug plaudert einer unserer Mit­arbeiter wft folgt:23tr leben in einem gesegneten Land«, in einer guten Gegerch." Seü 25 Jahren lebt der Berichterstatter in dieser schöne» Gegend, es trat cckier in dftftr langen Zeü kein« Mißernte ein, wenn man das nicht etwa von 1893 sagen will, wo dft Feldfrüchte und die Kartofseln zwar noch befrftdigendeii Ertrag brachten, aber dft Mißernte an Heu und Futtergetvächsen vielen Landtvirten großen Schaden brachte. Unsere Gegend, ich meine das südliche Oberhessen nick dft an den Krrrs Gießen an­grenzenden Ortschaften, sind so ziemlich frei von Wetterkntastrophen, von lleberschwemmungen, verheerercken Stürmen und Hagelschlä­gen. Die Landwirtschaft nährt ihren Mann, der Obstertrag liefert durchschnittlich den laufenden Bedarf und bringt in manchem Jahr, wie im vergangenen bei den Zwetschen, beträchtlichen Ueberstust Die bei der Landwirtschaft nicht in Anspruch genoiirmenni Kräfte finden lohnende Arbeit, guten Verdierrst in der Industrie. Sv sind alle Bckingungen für das Gedeihen unseres Volkes gegeben. Es ist nun notwendig, daß die sich bietenden Gelegenheiten benutzt, dft Güter und Gaben, die uns eine günstige Zeit und unser Flerß iu den Schoß schüttet, zu Rate gehalten und mll gut wirtschaft­lichem Sinn und deutscher Einsachheit Haus g^alftu wecke. Daran hats in manchen Kreisen unseres Volkes bisher gefehlt, mftuTtter sehr gefehlt. Dft jetzige Stille und Waickluug der Verhältniffe wird uns dies zum Bewußtsein bringe». Als die Mobilmachung im Deutschen Reich angeordnet wurde, standen wir vor der Ernte.Wie wicks gehen, weit» ft viele fleißige Hände dem Lande entzogen wecken? Wick dft an sich gute, ja zum Tell reiche Ernlc zeitig eingebracht werden können? Wird nicht vieles verderben, umkommrn? Wer ftll dft Felder bestellen, wenn der Herbst kommt?" Das loaren Sorgen, dft nicht von der Hand zu weisen waren. Sie sind gehoben, Gott sei Dank. Die Erntoarbeiten, die Bestrllungsarbeiten sind mindestens ft zeitig erledigt worden, wie je in einem .Jahre zutvor. Eik schönes Zeugnis für den Fleiß und Eifer der Zirrückgebliebenen, aber auch ein Ruhmesblatt für unsere Stadtbevölkrrung, die durch ihr tatkräftiges Zugreisen bei den Erittearbeiten weseritlich zu diesem ft günstigen Erfolg beitrug! Das ist noch ein besonderov. Segen einer großen ernsten Zeit, daß sie dft edelsten Regungeft der Menschenftele. wahre Nächstenliebe, herzliche Anteilnahme an dem Geschick der Mitmenschen, erweckt und stärkt. Daß der Himmel mit einem anßergewöhitlich guten Erntewetter noch das Beste getan, das haben wir wohl seinerzeit alle dankbar empfunden.

vüchertisch.

»Der europäische Krieg. Historische Darstellung der KriegSereigniste vo» 1914.* Don A. Hemteraer. Mit vielen Bildern, Borträts, Karten und Plänen. Das Merk erscheint tu etwa 40 Hesten, jedes mit 4 Bogen Inhalt, Großolloviormat, 40 Pfennig. ( 51 - HartlebenS Verlag in Wien und Leipnq.) - I» dieser Zeit, die sich noch kaum Rechen'chakt über sich selbst geben kann, beginnt das groß angelegte Geschichtswerk:Der euro­päische Krieg*, eine historische Darstellung der KriegSereigniste, im geeigneten Momente zu erscheinen. Noch glühend von den ge­waltigen Eindrücken der letzten Wochen, im Banne des Miterlebtcn wird nach der Ankündigung des Verlags der Veriafler ein Zeit­gemälde entwerien seine Vorgeschichte »»Slübrllch darstellend -, das den Tatsachen wirklich gerecht wird. Das Erleben der Gegen­wart soll de» Griffel des Geschichtsschreibers sübren l denn nur so kann es möglich werden, ein znver'älstges und treues Bild der Geschehniste zu geben. Hembergers WerkDer europäische Krieg* ist keine .Kriegschronik, nus Zeitunosberichteii ziilammengestellt, londern ein ernstes historisches Werk ln sortlanlender Reihenfolge der großen Ereigniste, die sich jetzt vor »ns abspiele».

Verantwortlich fürFeuilleton",Gerichtssaal" u.Leruttschtefl*^ L- 8,: August Goeß.