Nr. 241
Zweites Blatt
Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntag?.
164- Jahrgang
Die „Eirtzeaer Kamüienblätter" werden dem ^Anzeiger, viermal wöchentlich beigelezt, da? „Kreisblatt fflr den Kreis Sietzea" zweimal wvchenllich. Die ^andwirtjchaftüch«» iell- erscheinen monaklich zwennal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oderhessen
Mittwoch. 14. Moder M4
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Stckndruckerei.
R. L au g t, Kiesten.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echol- strahe 7. Expedition und Vertag: bl.
SRcbattance^llS. Tetz-AdrrAnze^erGretzen.
-Stz—
War wird aus Belgien?
Ein deutscber <Saoßkausinann, der fittrfzehn Jahre lang in Brüssel gelebt hat, schreibt uns:
Keine Furcht, lieber Leser. Hier aus dem Papier wird über das Schicksal Belgiens nicht entschieden. Wir greisen der Entwickelung nicht vor und verraten keine Geheimnisse. Unsere Betrachtung wird vor der strengsten Zensur besteh«,. Was wir zu sagen haben, ist svlgendes: Acht Neuntel des belgischen Staates sind heute in Händen der deutschen Militärmacht, nämlich die sieben Provinzen Belgisch-Luxemburg, Lüttich, Belgisch-Linchurg, Namur, Brabant, Antwerpen und der Hennegau. In Ostslandern haben die deutschen Truppen ihre Gegner jchnschen Termonde und Gent angegriffen. Bei Audenarde standen die Feldgrauen schon am 9. Oktober. Es blieb den Belgiern und Engländern, die von Antwerpen flüchteten, nur der.närdlicktte Streifen Ostflanderns als Rettungsweg übrig. Bleibt also nur Westslandern, ern 9ieun- trl des Landes übrig, das man militärisch und politisch als belgisch ansprcchen dars. Wollen die Brüsseler nun immer noch wie die Kinder auf das große Wunder ivarken, das üjt: Gebiet wieder „gründlich von den Deutschen säubert?" Belgien glaubte äks Freund Frankreichs und Englands seine Zukunst sichern zu können, es wählte seinen Play unter den Feinden Deutschlands und hat alles, aber auch alles vergessen, was es diesem Deutschland verdankte und was immer die Anderen an Belgien verschüldet und gesündigt haben, fflit wollen nicht auf die alten Römer zurückgreifen. Es genügt der Hinweis daraus, wie Belgien unter spanisch- ivelscher Herrschaft litt und blutete. Erst das Regiment Erzherzogs Albert von Oesterreich führte Wohlstand und Ruhe herbei, und in die Zeit jener ersten deutschen Regicrirng! in Belgien fällt die Blüte der .Künste >rnd Wissenschaften. Als dann das Land an Spanien zurückfiel, hielten Krieg und Verwüstung wieder ihren Einzug, namentlich während der Regierungszcit Ludwigs TV. Kaum war Belgien durch den Rastatt« Frieden an Oesterreich gekommen, trat abermals eine Periode ruhiger Entwicklung ein. Bis in unser« Dage gedachten die Belgier mit Dankbarkeit der Milde Adaria Theresias und ihres Stellvertreters Karl von Lothringen, und doch verstanden die Belgier die wohlgemeinlen Reform versuche Josephs II. nicht. Tie Brabanter Revolution brach aus und gab den Truppen der französischen Republik Gelegenheit, ins Land zu bringen- Auch damals kamen die Franzosen angeblich als ,Befreier", in Wahrheit als habgierige Aussauger und Räuber der besten wirtschaftlichen Werte Belgiens. Zwölf Jahre lang mußte das Land die Geschicke Frankreichs, die Zerrüttungen der Revolutionszeit und den zerstörenden Dtilitarismus Napoleons teilen. Und als nach der holländischen Periode Belgien sich endlich selbständig machen wollte, da «klärte sich am schroffsten gegen die Duldung des neuen „revolutionären" Gebildes — Rußland! Und wer ermöglichte die friedliche Anerkennung Belgiens durch die Londoner Konsercnz der Grotzmächte? Kein anderer Staat als Preußen und sein König Friedrich Wilhelm III., der Oesterreich zu der gleichen Haltung bestimmte.
An das alles muß gedacht werden am Vorabend einer Neugestaltung Belgiens. Glauben die Belgier wirllich, daß diese Neugestaltung unter dem lodernden Feuer des Deutschenhasses günstiger und zukunftsreicher für sie aussälll, als wenn sie sich der gewaltigen Beziehungen und Gemeinsamkeiten erinnern, durch die sie mit Deutschland, mit dem Großsi deutschland der Zukunft unlösbar verknüpft sind? Es ist ja nicht wahr, daß Ott Einfluß Deutschlands und des Deutsch- tums in den legken Jahren in Belgien zurückgegangen war. Nach der letzten Erhebung über die Sprachenverteilung in Belgien läßt sich beweisen, daß von der gesamten belgischen Einwohnerschaft noch nicht ein Drittel nur französisch sprach. Zweieinhalb Millionen sprachen deutsch. Mehr als dreieinhalb Millionen sprachen rein flämisch. Die Verfügung der deutschen Militärmacht, daß die Zeitungen in deutscher Sprache erscheinen müssen und daß die deutsche Sprache jetzt als Hauptlandessprache neben der französischen zu gelten habe, war deshalb nicht im mindesten eine „Vcrgewalttgung", wie es der Chor der Rache so gerne darstellen möchte. Es darf, auch nicht vergessen werden, daß schon vor Ausbruch des Krieges die deutsche Sprache verfassungsgemäß zu den in Belgien als gebräuchlich zugelassenen gehörte. Auch seit der Abtrennung Luxemburgs von Belgien erhielten sich deutsch- sprechende Gemeinden, bei denen der deutsche Volksschulunterricht zugelassen ist. Die deutsche Sprache ist ausdrücklich
rm Artikel 4 des belgischen Gesetzes über den Elementaruntev- rrcht vom 15. September 1895 erwähnt. Endlich nimmt das belgische Wahlgesetz in Art. 152 auf die deutsche Sprache Rücksicht. ‘
Das sind alles Tinge, die bei der künftigen Neugestaltung historisches Material bedeuten, auf dem man weit« bauen kann. Was da in Belgien deutsch wird, ist nicht die Folge „brutaler Invasion", sondern es war schon immer da und braucht nur entwickelt und anerkannt zu werden. Wollten die Belgier sich ferner ablehnend dagegen verhalten, so wäre das nur gegen ihr eigenstes Lebensinteresse.
Berlin, 13. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt des Rerchspostam ls enthält eine Verfügung, ltwnach zunächst nur zwischen Deutschland und Brüssel gewöhnliche und eingeschriebene offene Briese, Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Gcschäftspapiere in deutscher und französischer Sprache, ferner Telegramme in offener Sprache zugelassen werden und zwar Telegramme narb Brüssel nur in deutscher, aus Brüssel in deutscher und französischer Sprache. Die Gebühren sind dieselben wie vor dem Kriege.
Nriegrbriese aus dem Osten.
Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck. auch auszugswcffe, verboten)
In den Schützengräben.
Armee-Oberkommando Ost, den 8. Oktober.
Die Kämpfe um Suwalki.
Am 6. Okwber setzte der russische Offensivstoß van Grodno gegen Suwalki ein. Dic neu organisierte russische Armee stieß mit üärkeren Kräften, dem 3. sibirischen und Teilen des 22. ilirni- schen Korps aus Auqustowo-Suwalki vor. Die deutschen Korps hielten mit stacker Artillerie den russischen, im Anfang energisch gesühcken Angriff aus, bis genügend Kräfte gegen den nördlichen Flügel der Russen angesetzt iverden konwen.
Tie hier kämpfenden Truppen schwenkten dann so wett herum, daß sie tatsächlich mit dem Gesicht nach der deutschen Grenze zu fochten. Die Wirkung mackste sich sehr bald bemerkbar. Die russische Offensive kam zum Stillstand und der deutsche Angriff setzte mit gutem Eckolg ein. Die Russen mutzten aus Heller Flucht ein paar tausend Gefangene und 6 Batterien lassen. Dre völlige Ausnutzung des Sieges wurde nur dadurch verhiudeck, das- die russische Heeresleitung, um sich Luft zu schaffen, Wetter nördlich vom Njemen aus Olita der nec Tr»w>en heranwarf, so daß die nun cm Rücken gefährdeten deutschen Truppenteile kerumgezogen werden mußten.
Ern wenig später hatte von Kowno her eine nordwestliche russische Bewegung gegen Wirballen eingesetzt. liniere ganze Linie stand in stacken Feldstellunge». Me Kämpfe auf diesem Abschnitt dauern sock.
Am Tage fanden heftige Ackilleckekämpfe statt, die gegen Abend heftiger wurden. In den Nächten setzte russischer Jnsantecke- angckff ein, der die russischen Kolonnen bis an unsere Drahthindernisse brachte. Bor ^unserem vernichtenden Schnellfeuer kam er hier jedemals zum Stehen und zum Rückwärtsjlnten Die Drahtscheren konnten nur an wenigen Stellen arbeiten. Die russischen Becknste müssen erheblich gewesen sein.
. Nachtgefecht.
Am späten Abend, in der Nacht zum 7. Oktober, sichren wir auf Landwegen zur Front Nachmittags schon um 5 llhr sing tue Dämmerung an, die hügelige Landschaft zu verschleiern, um 7 Uhr sah man nur di« Dinge, die in dem gelben LichtlvM unserer Wagenlateruen lagen. Ab und $u blinkte Licht ans einem Bauerngehöst, das der Krieg verschont hatte.
Das Licht aus den Fenstern in der Nacht hat sonst Freundliches und Heimeliges für den späten Reisenden auf der Landstraße. Diese Häuser sahen wie mit ängstlichen Augen rn die Dunkelheit. Wenn sich eine der bunten Gardmen Wrückschob, zeigten sich spähende Gesichter mit beküurmeckem Ausdruck. Strecken und Strecken lang aber lagen die ausgestorbenen Döcker in noch tteserer Dunkelheit als Acker und Weide, wett die Schatten der Brandruinen und die Giebel der Gutshöfe das matte Restchen Licht tranken, das von den Wolkenrändern auszugehen schien.
Da, plötzlich wurde der Horizont zu unserer Rechten, wo die russisch« Grenze lag, blaßrot. Dünn sah es nach einiger Zeit aus, als ob die Morgensonne über dem massigen, dunklen Wald anfsteigen wollte. Dabei kam hinter flattrigen Wolkensetzen der Mond zum Durchbruch. Eine zweite Sonne leuchtet neben der ersten auf, eine dcktte, eine vierte^ Der Hrnkmel wurde dunkelrot, und man sah über dem hellen Schem schwarze ©eJjnwben.
Hinter der nächsten Giegamg ift auch der 'Donner der Geschütze zu hören. Er rollt in Salven, es domreck einzeln, nach kleinen; Pausen ist es, als ob am ganzen Horrzout entlang das dumpfe Grollen der iGeschütze zu hören ist.
Der Nachtwind wird schneidend. Ich denke an die Truppe, dic setzt den Angckff erwartet, sehe förmlich, wie aus dem Grau der Ebene die grau-braunen Gestalten vorspringen, wie plötzlich
die Scheinwecker ausblmkcn und die Rechen Mtt dem spitzen langen russistben Bajonett vorwärts stürmen, wie das Feuer unserer Maßt inengcweh-re losknatteck und die leichlrit Feldbatterien über die Stürmenden funken....
Unsere Pferde gehen Schritt für Schrttt, der Weg ist grundlos. I» den Pausen des Geschützdonners hört man das Schnauben der Gäule und das Knickchen des Lederzeugs.
Ein Blitz geht über den Wald, eine kurze, leuchtende Bahn. Bald blitzt cs vor uns in schneller Reihenfolge.
Morgen iverden wir die Granaten nahe kennen lernen, die wir jetzt nie fernes Feuerwerk sehen. Morgen sind nnr aus dem Schlachsielde.
Zur Front.
Diesmal fahren wir in unserm Wagen über dl« Gvcuze. TaS russische Schilderhaus ist inzwischen nock, mehr zusammen- gckallen. Man könnte das Zeichen annehmen.
Tie rusiische Provinzstraße ist unkerdcsien an deutsche Ordnung gewöhnt worden. Man hat alle Löcher (sie hatte mehr Löcher als gute Stellen! sorgsälttg mit Ziegclsteüien auSgestopst und die deutschen Kolonnen haben die Stckne dann klein und gleich gefahren. Nun ist die große Einfahrtssttaße nach Rußland rot wie kalifornischer Goldboden
Tie Gräber der llnsrigen zu beiden Setten smd letzt mtt festen Holzkrcuzen geschmückt. Aus einigen lzaben rastende Kolonnen wieder diese rührenden Herbstblumen gepflanzt.
Tie Kirche des llcmeu russischen Ortes, die beim letzten Bckuch noch nicht beschädigt loar, hat inzivischsn erneu Granatschuß bekommen.
Wir fahren schnell durch den Ock, vor uns dröhnt der Donner einer heftigen Ärtttleckeschlacht. Tie Einwohner sind scheinbar mcht besonders aufgeregt über den Kampf in ihrer Nähe. Maut gewöbut sich au die Kanonade wie au alles und lernt schnell die Entfernungen abzuschätzen und die mögliche Gefahr zu berechnen.
An einer großen Windmühle lassen >vir Pferde und Wagen zurück. Erstens erlauben es die Woge nicht mehr, daß sic weitcr- kommen, und zwettcns die Ruffcn. Wir sind aus dem Schlachtfeld.
Anders als bei Trengfurt, wo wir von der Höh« wie in «inert Kessel hineinblickten, zeigt sich Wer die Schlacht. Dort war vor« dem typischen modernen Schlachtfeld nichts zu scheu, denn man sah viel zu viel. Das hügelige Terrain, die vielen Ortschaften und die schon gebrochene Widerstandskraft der Russen ließ altes näher kommen und in lebhafter Bewegung sein, gab jarbigere Bilder, als es sonst möglich ist.
Hier sehen wir zunächst nichts als die wetten Stovvckfelder, ferne einzelne Gehöfte. Ern« wette offene Landschaft mit Sonne und, einzelnen wuchtigen weißen Wolken darüber. Keine Truppen.
Mur eine Kompagnie Jäger, blusiimge Freitottlige, die zuM ecktenmal ins Gefecht kommen, zieht vorüber. Ihr« neuen Extra- unisormen und dic schönen Dachsfelltornister fallen auf, da mau sonst nur Truppen sieht, die zwei Monate unter allerschwerftent Bedingungen im Felde gestanden haben. Nach ganz kurzer Zett ftttt» sie aber auch wie vom Erdboden verschluckt.
Wir gehen über die Höhen wetter mtt Richtung auf ein größeres 1 Gehöft. Das Krachen vor uns wird stäcker, und durch den dumpfen Geschützton klingt ein Heulen und Zischen, als ob der Sturm durchp altes Mauerweck klagt: Granaten
Wem» man den hohen Ton zum ecktenmal höck, ist ein e m der Geschützdonner wie freundliche Musik dagegen Das singende An- und Abschwelleu rckßt an allen Nerven Aber im Felde hat man: natürlich keine, die Dinger parieren auf einmal lote ans mili- täcksch s Kommando.
Hinter cknem Heuschober stehen Bespannungen und AckDerir- mrmuschaften Einzelne Soldaten gehen mtt Kochgckchirrcn langsam über das Feld.
Unsere Gruppe muß sich auslösen. Die Russen pflegen kleine Gruppen aus freiem Hügel besonders und mtt Vorliebe zu beschießen.
Ferne sehen wir durch das Glas denllich die weißen Ticrnw einer ruffischen Kirche. Auf russischer Seite scheint ein Dock in Brand geschossen worden zu sein. Aber außer leichtem Ranch ist nichts zu erkennen.
Ein Soldat erzählt uns, daß das Gehöft vor uns vor kupzeot unter Granatfeuer gestanden hat.
In einer Neinen Senkung, ein paar Hundeck Met« vor uns, sehen wir dic Schützengräben Links vor uns war das uicder- trächsiq singende Geräusch ab« stärker. Wir glauben ab« nicht recht daran, daß ber Gruß unH galt. Ta sunrmtt es dicht üb« uns. Fünfzig Meter hint« uns stckgt eine braune Erdwckle hoch, ein noch unangenehm«« Laut als vorh« entsteht dabei. Fast wie hohes Gelächt«.
Wir können dieser russischen Ehre ja doch keine Gegenhöflig- kctt qcgenüb«setzen und gehen schnell den Abhang zum Schützen- graben Wnunt«. Da saust lirtks vor uns, diesmal noch nähert die braune Erdwelle hoch.
„Niederwecken!" schrett d« uns führende Oberleutnant. Wir liegen zreinlich schnell am Boden. Ebenso wie die Soldaten, die uns am nächsten stehen, und »vacken d« Dinge, die da kommen sollen
Dorläusig ab« haben die Ruffen genug Munition für uns Verschwender Es bleibt ckne Wette stütz
Beide Granaten krepieckcn. Ab« nach Wes« p«söittichen Eckahrnnq außervrdenttich schlecht. Soldaten erzählten denn auch
Der Urieg aus der Vogelperspektive.
Das ganz neuartige und seltsame Bild, das der Krieg dem Flieger aus sein« hohen Luftwarte darbietet, schildert bin englisch« Wegerleutncrut in anschaulichen Briefen an seine Mutt«, die die Daily Mail veröffentlichtz „Das Leben hi« draußen und hoch oben ist so völlig »«schieden von allem, was Du Dir vorstellen bannst, daß es fast unmöglich ist, es zu beschreiben. Laß Dir mein gewöhnliches Tagewerk «zMen Um 6 Uhr morgens nimmt man in aller Eile sein Frühstück, und dann geht es los. In we- ickg« als einer Stunde ist man 30 Klm, entfernt üb« einer Schlmht, die dicht unt« dein« Rase todt: Hundecke und Tausende von Menschen, die in den verschiedensten Stellungen aus den verschiedensten Gräben und Schanzen aufeinander losschiehen, und wicht zu wenige schießen auch auf einen selbst. Das alles sieht von der Lust h« so komisch und merkwürdig aus, weil man die Geschuhte auf beiden Setten der Kämpfenden und von jedem Standpunkts aus sehen kann, während die da unten in den meisten Fällen nicht einmal das sehen, worauf sie schießen Gs ist ein durchaus wissenschaftliches Hrwschlachten. Eine Battecke erfährt z. B„ daß «n Drupp. k>« Fchnde an cku« bestimmt», Stelle sich eingograben hat: sie richtet ihre Kanonen auf diese Stelle, ohne zu sehen, welche Wirklmg ihre Geschosse haben. So hatte ich z. B. neulich Kanonen gesehen, die Granate üb« Granate auf eine bestimmte Stelle niederhageln ließen, und doch war auf einem Umkreis von Kilometern kein Mensch dort. Borgestern sah ich, wie einige deutsche Granaten mtt gewaltigem Gedröhn mitten in einem unser« Schützengräben explodierten. Eine nach d« andern. Die Verluste müssen furchtbar gewesen sein. Es ist ein ge- walttger Anblick von oben. Wir kckogen auch unser Teil
ab, denn sie haben besondere Kanonen, mtt denen sie gegen Flugzeuge schießen, und diese gefährlichen Dinger lauern überall aus uns, ganz abgesehen von dem Gewehrfeu« und den Schrapnells.
Neulich machte ich einen Erkundungsslug von etwa 200 Klm.; ich war völlig erfroren, aber da cknem das täglich passiert, so gewöhnt man sich daran. Es war fein besonders interessant« Aufklärungsflug. Wir warfen ckn oder zwei Bomben auf cknige Biwaks, die dadurch doch etwas in ihrer Ruhe gestöck wurden, denn sie fingen an, auf uns mit Gewehren zu schießen. Tann aber kamen diese deutschen „Anti-Flugzeug-Kanonen", und das ist ckne recht unangenehme Sache. Diese Kanonen feuern ckne Art Schrctt»- nell, das in einer bestimmten Höhe explodiertz Sobald sie unsere Höhe h«ausgefunden haben, dann schleudern sie mit diesen Kanonen so sieben vd« acht Schrapnells zu gleicher Zett, die alle um einen herum explodi«en. Jedes Schrapnell ist mtt runden Kugeln geladen, etwa so groß, w-ie die Murmeln, mit denen wir als Kind« spielten, und die pfeifen cknem rrun um die Ohren. Eine von diesen Kanonen hat es bckouders auf uns abgesehen und trifft mit ckn« tvahrhaft instinktiven Sich«hckt. Wtt haben ihr den Spitzrramen „Archibald" gegeben. Während mein« Feuertaufe bei Maubeuge blieb ich noch von ihr verschont. Wir flogen damals in Wolken wckt üb« die feindlichen Stellungen, uird als wir glücklich zurückkamen und die französischen Annen erblrckteu, da gingen wir tiefer herunter und wurden plötzlich mit cknem Feuer aus Wohl tausend Gewehren begrüßt. Mau hatte mich für einen Deutschen gehalten, wckl meine Maschine von den andern verschieden ist. Das war mckne Feuertaufe, die ich nie vergckjen werde. Wein erstes Gefühl war lleberraschump
der sogleich ckne Ack Furcht folgte, die dann in ein« Art Bezauberung überging. Ich war wirNich fasziniert von den Löchern, die in den Tragflächen «schienen, wenn eine Kugel durchschlug; es waren glücklicherweise nur wenige. Ich guckte aus meinem Apparat herunt«, um zu sehen, in was für ckn« Höhe ich, war, als mir ckn Holzsplitteo an die Stirn flog, den eine Kugel losgeckssen; glckchtzcktig zerschlug ckne Kugel den Pettoleumbehält« und alles Petroleum floß aus. So mußte ich denn herunt« und konnte froh sckn, daß ich glücklich landete. Das nächste Mal machte ich Bekanntschaft mit „Archibald". Wir waren bck Baten- ciennes aufgesttegen, und plötzlich sah ich fünf od« sechtz dicke Rauchwolken um mich, und dann regnete es Kugeln. Das alte Ding ckchtck jeden Dag bei uns Schoden an. Das Flugapparatmodell, dos auch meine Maschine hatte, hat großes UnMck gehabt. Es waren nur vt« solch« Apparate, und sie sind alle futsch Der «sie fand sein Ende bei Annens; « stürzte zu Boden wnd ging in Flammen, auf, wob« Flieg« und Mitfahr« mrbrannten. Der zweite wurde zwischen Amiens und Maubeuge herunttrgeschossen. Der dritte war mckn«; « zerbrach beim Lmideu, mü> ich Eant wie durch ein Wund« davon. Die vierte Maschine wurde »«bräunt gefunden, nachdem man sie sckt zwei Tagen vermißt hatte Bon dem Schicksal des Fliegers wußte man nichts, bis ein Kckegskomckpondent, d« von den Deutschen gefangen genommen worden war, berichtete, er hätte das Grab des Flieg«s bck Enghien nördlrch von Mvns gesehen Die Deutschen hatten ein Kreuz darauf gestellt, auf dem geschrieben stand: „H«r Wer". (Wer englisch für das deutsche.Flieger".)


