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*C. 238

Zwetter Blatt

M- Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?.

DieSiehenrr Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgelegt, das Kreisbiatl ffir den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Dielantmirtschaslltchen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gichener Aiyeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

Zamrtag, lO. Oktober

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul­strabe 7. Expedition und Verlag: sEbl. Rcdaktion:«-^I1L. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

I

Nr. 8: Portugal.

Ms dieser Tage der Besuch eines englischen Kriegs- cfses in Lissabon inibgeteilt wurde, wußte man in den verrichteten streifen bereits, daß der Dreiverband, dem der Erkenntnis ferner Unterlegenheit gegenüber Deutsch- rd und der Donaumonarchie selbst der Äörnn im Monde ; Bundesgenosse nicht zu schlecht erscheint, Portugal mit hr oder minder sanftem Druck utnrmxfrt. Nach dem eng- Heu ist auch ein französisches Kriegsschiff, der Pcrnzer- uzer Dupettt-Thonare, angeblich zur Terlmchme an der hresseier der Proklamierung der Republik (die am 5. Lk- ^er 1810 erfolgte) vor Lissabon eingetrchfen und dort von : Bevölkerungbegeistert begrüßt" worden. Man nrerkt M>sicht, aber man wird nicht verstimmt, und die weitere tldnng, wonach es nicht als ausgeschlossen angesehen wird, S die portugiesische Negieruirg aus Drängen der eng- hen Regierung Deutschland den Krieg erklären rde, kann nicht überraschen, aber sie kann uns auch völlig Tjchgiiltig lassen; ja, sie mutet fast wie ein grotesker Witz : Weltgeschichte an.

D« Kriegsflotte Portugals, das heute noch von den Lnnerungen an Heinrich den Seefahrer und Vasco de wa uird von den Erträgnisse» des StaatsbMrkcrotles lebt, mit chven 27 Fahrzeugen und 9 sogenannte» Hilfsschiffen, lche sämtlich keinen nennenswerten Gesechtstvcri haben, vnso belanglos wie das portugiesische Heer, dessen nomi- Lle Friedensstärke 30000 Mann beträgt, während die Niegsstärke" von 175380 Mann lediglich in den Staats- ndbiichern ein veilchenhaft bescheidenes Dasein fristet, «gerische Daten hat die Armee >vie die Flotte Portugals x verrichtet bei den zahlreichen Meutereien und vor allem i dem vor vier Jahren erfolgten Sturz der Monarchie,

Wenn daher seht gemeldet wird, datz portugiesische Hilfs- rppen angeblich über Nantes nach Orleans gebracht wer- rt sollen, so möchte man frage::, ob es einen Sinn hätte, seren Truppen noch mehr Kanonensntter entgcqc»zu­llen, Jrnmerchin sp-iirde es ein Zeichen sein, wie trostlos die immung in England und Frankreich bereits sein mutz, mn sie sich bilfesucksend an das kleinstaatkichc Portugal mdeu, Oder handelt es sich etwa um den Ausbruch eines iten Grützerrwahnes, der Portugal veranlaßt, dem großen mder zu Helsen? Dem großen Bruder^ dem: man weiß, sj zwischen: dem Dtitenreiche und Portugal ein Bündnis ßteht aus Grund der Formel: lind willst du nicht mein rüder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.

Ein böser Bruder, dieser ländergrerige John Bull, Im ich« 1879 ztvang England die Portugiesen zu dem Lorenzo- crrqwe^Bcrtrag, worin dem Britenreick,c der Bau einer fenbahn von Lorengzo-Marquez nach Pretoria eingeräumt »rde 1880 raubte es den Portugiesen durch ein lUttmatnin s Makolololand, wovon diese später nur mit Hängen und Logen einen kleine:: Teil zuriickerhielten. Ms Portugal m« 1892 Staatsbantzerotleur wurde, verstand es England, «h die Herbeiführung der Finanzkontrolle das Keine Endchen ganz unter seine Abhängigkeit zu bringen. Die iscn des Landes standen seitdem der englischen Flotte offen, x welche die portugiesischen Kolonie:: Stützpunkte und »hlenstavionen wurde::. Schon im Bnrenkrrege benutzte »gland die portugiesische Beirabahn für die Beförderung Mischer Truppen und machte sich znm Herrn der Delagoa a. Kann man sich da Wundern, roeim di« Briten auch "jetzt m Portugiese:: kommandieren: Aus in den Kamps!

Portugal selbst kann einem dabei leid tun, auch tvenn c törichten Lissaboner den englischen und französischen chissen zujubelu. In Portugal "herrscht sckwn jetzt bittere ot infolge schlechter Ernte :rnd daniederliegenden Wirt- xofislebens; die Arbeitsnot wächst ebenso bedrohlich wie rrallcl, damit die moncrrcknsttsckze Uinsturzbewegung, Glaubt cm etwa, nach dem Rezept Napoleons III, die Unzufrieden­st im Kriegsalarm ersticken zu können? Angeblich wer- :n bereits portugiefisä^e Truppen nach Afrika befördert, n in deutsches Kolonialgebiet einzusallen, und es lseitzt, rtz England Portugal fiir seine .Hilfe einen Teil von eutsch-Ostafrika und des Dawavalandes versprochen habe, ngland ist freigebig auf anderer Leute Kosten, aber der

Bär, dessen Fell man zerteilt, benutzt zurzeit kräftig seine Tatzen, Statt der deutschen Kolonien könnten die Portu­giesen nicht :mr deutsche Hiebe, sondern, was für sie anr Ende noch schlinnner iväre, ihren Manuel bekommen. Heißt es doch, daß der encMche PI«u im Bunde mit den portugiesischen Monarchisten dahin geht, die ausrückenden uns vor allen: die daim t«eder entrückenden Tritppen zu einem nronarchistisckxm Putsch zu benutzen. Doch das sind innere portugicsisckK Angelegenhellen Wenn es sich aber wirklich bestätigen sollte, daß das kleine Portugal, sei es freiwillig oder auf Zureden oder von dem großen Bruder gezimingen, sich uns entgegenstellen ivill als Geg­ner Nr, 8, dann soll es sich ll: acht nclMen!

Au§ dem Reiche.

Berlin, 9, Okt, (WB. Nichtamtlich.) Die Prefseabtellung des General st abes spricht für die Einsendung ausländ: scher Zeitungen seinen verbindlichsten Dank aus, bittet aber nur solcize Zeiwngen einsenden zu loollen. die bei ihren, Eintrest'en in Berlin nicht älter als l-öchitens vier bis sechs Tage sind,

Karlsruhe, 9, Okt, ;W, B, Nichtamtlich) Der Stadt- r a t beschloß in seiner gestrigen Sitzung, bei dem Bürgcrausschuß die Beimlligung einer Gabe von 10 000 Mark für die Hilfsbedürf­tigen in Elsaß-Lothringen zu bcanttagcn, die dem Kaiser- lichcn Statthalter sür Elsaß-Lothringen zur sachgemäßen Verwen­dung zur Versügung gestellt werden soll,

K a r l s r u h e. 9, Okt. (W, B, Nichtamtlich) Für die morgen stattfindendc Landtagsersatzwahl in Karlsruhe-Ost für den au, dem Felde der Eine gefallenen Dr, Frank haben die Zen- trumspartei, die Nationalliberalcn und die Fortscknittlcr von der Ausstellung eigener Kandidaten abgesehen, so daß die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Dr, Marum als gesrchcrt erscheint, _

Au» Stadt und (and»

Gießen, 10. Oktober 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefallen.

(Aus Hessen und den Nachbargcbieten.)

Lt, Fritz Schiele, Landw,-Jns,-Rgt, Nr, 48, aus Gießen,

Landwehrm, Phil, Amend, Jns,-Rgt, 116, aus Treis a, d, Lda, Obermatrose d, Res,-Matr,-Art, Ludwig Jung, aus Klein-Linden, Gell, d. Res, Milh, Peter, Jnf.-Rgt, 116, aus Reiskirchen, Lt, Earl Beck, Jnf.-Rgt, 68, aus Hanau,

Unterosf, Jos, Aug, Seipel, Ins, Rgl. 88, aus Hanau, Res, Friedr. Wilh, H o s h e i n z aus Manderbach, Res, Will), Ad, Kreckel, Res,-Jnf,-Rgt, 81, aus Eibach, Lehrer Weinert aus Dillenburg, Ost,-Stellv, Dr, ing, Wilh. Zeh, Jnj.-Rgt, 6b, aus Darmstadt, Ost,-Stellv, Oberlehrer Hermann Hand­werk, Res,-Jnf,-Rgt, 116, aus Groß-Umstadt, Hornist Otto Bach, Jnf.-Rgt, 81, aus Essolderbach, Unterosf, d. Res, Kon- rad Wols, Jnf.-Rgt, 116, aus Wolf b, Büdingen, Hermann Kühl aus Inheiden, Lt, d Res, Gerichtsass, Mardorf, Res,- Jnf,-Rgt, Metz, aus Marburg, Gell, Anton Weller, Res- Jns,-Rgt, 81, aus Atzbach. Landwehrm. Wilh. Lutz, Jnf.- Rgt 81, aus Burgsolms, Res Karl Schaub, 2, Matr,-Art,-- Rgt,, aus Wetzlar,- Res, Wilh, Eckhardt, Jnf.-Rgt, 116, aus Dlllheim, Osf.-Stellv, Otto Rutenick aus Ossenbach a, Main, Musk, Chriswph Klees. Jnf.-Rgt, 168, aus Osten- bach a, M, Bizefeldw, d. Res, Hans Seid aus Ostcnbach a, M,

Res. Frickrich Walther aus Herborn,

** Das Eiserne Kreuz wurde perliehen dem Lt. d. Res, im Res,-Jns,-Regt, 60 Hans R ei der aus Gießen, dem Fähn­rich Eberhard v. Jhering aus Gießen im Jnf.-Regt, 83 sür wichtige Meldungen in den Kämpfen bei Insterburg beim Abmarsch der Ristsen,

** T ie bisherigen Verluste der Maschineu- gewchrkompagnie In f,-Regt s, 116, Hauptm, Po ly, Chef der Maschinengewehrkompagnie Jnf.-Regt, 116, hat dem Be­zirkskommando die nachsolgeüde, käs zum 1. Oktober reichende Verlustliste seiner Kompagnie zugesandt: Am 22. August

Oberl. Kienitz schvw, Lt, de Harde schvw, Einj,- Unteross, Mörschel tot, Unterosf, Kersting schvw, MuSk, Jung schvw, Musk, Stapf schvw, Am 27. Aug.: Res, Erb tot, Res, Becker schvw Res, Krall schvw, Musk, Schäfer lvw, Eins-Gell, Scherz Armbruch.

Am 28, August: Feldwebel Voets lvw, Gefr Badonin lvw, Musk, Hubertus lvw, Musk, Wolf lvw. Musk, Baumsch eidt lvw, Musk, Hohmeyer schvw.

** Der Ortsgcwerbeverein hat seine Mllglieder und deren Söhne, soweit sie ins Feld gezogen sind, in der h e s s i s ch e n

Kricgsversicherung mit je l Antrll versichert. Weiter« Anmeldungen zur Versicherung, die durch das 'Ausrücken des Landsturmes und der Freiwilligen in den letzten Tagen notwendig werden, nimmt die Schuldienerin int Geiverbelzaus (Kirchstraßej entgegen,

Kreis Lautcrbach. , Lauterbach, 7.Okt. Unter zablreicher Beteiligung sand aeüern die Beerdigung des Rietelellchen KainmestekrelärS Knapp slait, der im Lazarett zu Kassel an seiner aus dem Sclilacbt- ielde erhaltenen Wunde gestorben ist, Tie Frclherren Riedesel und deren Beamte, sowie die hiesigen Vereine gaben ihm die letzle Ehre.

. Frisch born, 8. Okt. Wir bericktelen kürzlich, daß ein Landwehrinann von hier in s r a n z ö s i Ich e 6) e s a n g e n s ch a s t geraten sei; verleide hat jetzt einen Genossen gelunden in den: von hier stammenden Kaukmann August Li st mann, der beim aktiven 81er Regiment i» Frankiurl stand. Er erhielt eilten Schuß durch die Wnde »ud ivurde vom Schlachllelde g c s a g e » nach Rocheiort gebracht In einem Briele teilte er mit, es sei ihnen mir ertaubt, einen Brief von höchstens Zeile» iigch Hause zu schrelbeii.

, Sick e ii d o r s. 8, Okt, Das hieüge Lazarett des Herrn Baron R i e d e I e l isl jetzt gelülll, Io daß bereilS e:n Reservelazarett in Benutzung genommen iverdcn mußte,

Starkcnburg und Nlsdinhcsscn.

in, O ffenbach, 9, Okt, In der gestrigen 5. Kriegs­sitz u n g der Stadtverordneten bildete die Frage der G e >v ä h r u n g von M i c t S z u s ch ü s s e n durch die Stadt an Angehörige von Kriegsteilnehmern und Arbeitslosen den Hauptgcgcnstand der Beratungen, Der Osfenbacher tzaus- und Grundbesitzervercin hatte hierzu ein Gesuch gestellt, nach dein die Stadt 50 Prozent der von den .ikricgsteilnchmerir oder Arbeitslösen nicht bezahlten Alieten von der Stadt übernommen merbeit sollen. Dadurch würde die Stadt nach den angestelltcn Erhebungen eine monatliche Belastung von rund 150000 Mark erfahren. Dieses Gesuch wurde aus dieser Grundlage abgclehut. Dagegen wurde beschlossen, in nach­gewiesenen Fällen dringender Not und Bedürftigkeit den be­drängten Mietern Mietszuschüsse aus den sür die Kriegssürsorge zur Verfügung gestellten Mitteln zu gewäh­ren und die Prüfung und Entscheidung darüber den Orga» neu der städtischen Kriegssürsorge zu überlassen. Für die städtische Mithilse sollen jedoch noch besondere Grundsätze von der Stadtverwaltung mit der Kriegsfürsorge vereinbart wer­den etwa auf der Grundlage, datz auch die Verinicter einen Teil der Miete Nachlassen sollen. Für die städtische Kriegs-- fürsorge wurden bisher 218000 Mark verausgabt, tvvvvn 104 000 Mark bisher durch freiwillige Spenden getilgt wer­den konnten.

Hessen-Nassau.

k, Königsberg. 9, Okt. Bei dem hiesigen Pfarramt gingen 45 Mark sür Ostpreußen ein,

b, Biedenkopf, 9, Okt, Für dll Notleidenden rn Ostpreußen suü> bis jetzt hier insgesamt 1683,45 Mark eiiv gegangen,

h, Hartenrod, 9, Okt. Unteroffizier August Debu i (Res,-Jnf.-Rgt. 83, 11. Komp ) starb den Heldentod fürs Vaterland,

w, W a l l a u, 9, Okt, Lehrer Afons Bernhard (10, Kvmp, Res.-Jns,-Rgt, 83) wurde mit dem Eisernen Kreuz aus­gezeichnet,

h W a l 1 a u bei .Hochheim, 9, Okt Eine der Marner Militär­behörde gehörende Schafherde wurde bier nächtlicherweile von wildernden Hunden überfallen. Etwa 200 Schafe kamen! dabe: ums Leben, Nunmehr erhielten die Schäfer vom Gouvcr- neurrnent Gewehre und die Anweisung, all« wildernden Hunde sofort zu erschießen,

-s- Beb ra, 8, Okt, Die seitherige Internationale Schlafwagcngesellschast läßt jetzt an ihren Eisenbahn­schlafwagen das Wort .Internationale" durchDeutsche" ersetzen, _

3ut'3fltffIäVUltg* jniiete Mutter sind der Ansicht mit dem Nestle'ichen ilindermebl ein ausländisches Erzeugnis zu lausen. De,» ist aber nicht so. Die Neittcstche Kindcrmebl GeseUschai: in Berlm und eine ,Fabrik gleichen NaineuS in Bauern wurden mit Schweizer Kapital gegründet, und werde» bei der Herstelluni unicrcS KindermebieS Tcutschc erstklvisige Robvrodiiktc beson> derS die vollrabmbaltigc Allgäuer Alvciiinilch verarbeitet. Um atze Mütter von der Güte dieses seit eine», batben Jabrbundert beliebten Näbrinittcls z» überzeugen, werden von der Nestle Ge- sellschast. Berlin W. 57, Gratisvrobcn srnnko versandt. I1«518ss

Lin Brief und ein Lied von Hermann Lön§.

Als Kriegsfreiwilliger ist am 27, September vor Reims u Dichter der deutschen Heimatskunst gefallen, der präch- ge Schilderer der Lüneburger Heide, der Sänger so manchen hten Volksliedes: Hermann Löns, Der scharfäugige und ellhörige Jäger war bc: ihm eins geworden mit dem wissen- haftlich ticfdringenden Beobachter und Erforscher der Pslan- :n- und Tierwelt, und was der Freund alles Waldgeiiers, :r Verehrer der Heideblumen, der uns klassische Prosastücke citurwissenschastlicher Darstellung hinterlasscn, geschaut, das ehielt neues Leben im Spiegel seiner Dichtung, Seine wich- gsten kleineren Werke stehen in demgrünen Buch", das vor llcm der edlen Jägerei gewidmet ist, und in seinem braunen Buch", das Erde und Ackerscholle des Lüneburger mides besingt, das ihm, dem geborenen Wcstpreutzen, zur euen Heimat geworden war. Sein künstlerisch Bestes hat c in seinem kerndeutschen Roman ausdemDreißig- ährigen KriegeDerWchrwols" gegeben, der venso wie die reinste Sammlung seiner schlicht-schönen Volks- ,ederDer lleine Rosengarten" im Berlage von Eugen Tie- erichs in Jena erickstenen ist. Der Mann, aus dessen Werke r jeder Zeile deutscher <3ntn und deutsches Herz sprechen, vnnle nicht müßig bleiben, als die große Stunde kam, da, c>s Vaterland seine besten Aiänner forderte. Als ernsacher eüsilier zog er im Mler von 48 Jahren ins Feld und stand eim 10, Armeekorps im 73, Infanterie-Regiment, Welche Besinnung ihn dabei beseelte, geht aus einem seiner etzten Briefe hervor, den er kurz nach der Kriegserklä- ring und vor seinem Eintritt ins Heer schrieb und ans dem >ir einige charakteristische Sätze Mitteilen können:

Mein Kriegslied von 1914 bade ich 1910 geschrieben, nn .Dehnvoli". Ich wollte in den Jahren hinterher einen grotesken ionian, der den Dreifrontcnkrieg behandelt, schreiben, kam -bet ans allerlei Gründen nicht dazu und bin darüber froh, denn «s Buch wäre doch hinter den Taten zurückgeblieben. Von allen Seiten mahnt man mich, aber cs kommt mir dumm vor, das zu rtzen und zn dichten, wo andere, ältere, schwächere, als ich. ihre knochcn vor den Feind bringen. Ich sitze bis cm den Hals voller söitk und Galle, Vielleicht entlädt sich das in Liedern, vielleicht, »iclleicht auch nicht. Ich kann schießen, habe Äilsnaugen, kann

schleichen wie ein Fuchs und sitze hier noch untätig. Das ist nieder- ziehcnd. , , Ich war bei der Kriegserllärung in der Heide aus der Jagd, Die Haltung des Volkes war herrlich. Mein Wllt gab vier Söhne sott, der Schulmeister desgleichen. Man sah den Leuten keine Veränderung an."

Eins der schönsten Kriegsliedcr unserer Tage ist Löns noch gelungen; es ist schon mehrfach vertont worden und wird, besonders der trefflichen Melodie, die es in de« Diederichsschen SammlungEmpor mein Volk" begleitet, als würdiges Testament dieses echten Volksdichters gewiß in weite Kreise dringen. Es heißtDeutsches Mal ro­sen lied" und lautet:

Heute wollen wir ein Liedlein singen,

Trinken wollen wir den kühlen Wein,

Und die Gläser sollen dazu llingen.

Denn es muß, cs muß geschieden sein.

Gib mir deine Hand, deine liebe Hand,

Leb wohl, mein Schatz, leb wohl;

Denn wir fahren gegen Engeland,

Unsre Flagge und die wehet aus den» Maste,

Sic verkündet unsres Reiches Macht;

Denn wir wollen es nicht länger leiden.

Daß der Englischmann darüber lacht.

Gib mir deine Hand, deine liebe Hand,

Leb wohl, mein Schatz, leb wohl;

Denn wir fahren gegen Engeland.

Kommt die Kunde, daß ich bin gefalle».

Daß ich schlafe in der Mecresslut;

Weine nickt um mich, mein Schatz, und denk^

Für das Vaterland, da floß mein Blut.

Gib mll deine Hand, deine liebe Hand,

Leb wohl, mein Schatz, leb wohl;

Tenn nur fahren gegen Engrland,

»

Eine oberbayrische Uraufführung, Man be­richtet uns aus Halle a, S,: Hans Werner, der vortteff- lichc Charakterdatsteller des Denggschen bezw, MethschenBau- erntheaters hat seinen zahlreichen Stücken, von denen einige recht gut sind, ein neues, vom ictzigen Kriege dikticttes hinzugetügt: N a t i o n e n". Das Stück gelangte durch Melhs Schliersecr Bauerntheater, das seit einiger Zell im Halleschcn Walhallalhcater spielt, zur Uraufsührung. Es gibt in vier Bildern die Stimmung

in einem Dorf an der bayrisch-österreichischen Grenze während der eiTsten Mobilmachmrgstage der daraufsolgenden Wochen wieder. Drei Nationen sind vettreten, Deutsche, ein Oesterreicher und ein Ita­liener, Ter Oesterreicher dient bei einem bayrischen Bauern als Knecht, ist ein lleuzbraver Mensch und liebt die Tochter seines Diensthcrrn, Als der österreichisch-serbische Krieg ausbricht, muß er sofort mit. Er nimmt den Sogen seines Herrn zu dem Bunde zwischen ihn: und der Bauerntochter mit sich. Bald daraus wird auch der Bauer selbst als Lairdsturmmaim eingezogen, Deutschlands und Oesterreichs Wasienbrüderschast wird in dem Stück natürlich hoch gefeiert; schlechter komm: der Italiener weg, der sich seine Zei- ttmgen nachschicken läßt und im ganzen Dorf schadensroh aus- strnii, daß die Deutschen und ihre Verbündeten schlimm dran wären. Obwohl seine Dienstzeit er ist Ziegelarbeiter im Dorf bald um ist, wird er um seine verdiente Tracht Trüget nicht herum­kommen, Das Mißlichste an dem Sttick ist, daß es wie alle von dem jetzigen Krieg inspiriettcn Schöpfungen nur Stückwerk sein kan». Der Schluß ist gezwungen und muß unbefriedigt lassen. Dazu kommt noch, daß manche Szenen des Stückes überaus vhrasenhast anmuten. Dagegen si:ü> Gesinnung und die Charakterisierung ein­zelner Geslallen lobenswett; außerdem enthält das Stück einige markante und llastvollc Dialoge. Die ausgezeichnete Darstellung, an der Hans Werner selbst, und Joseph Meth großen Anteil hatten, tat das übrige, um der Uraufführung eine äußerst beifällige 2(ufr nähme zu bereiten.

Leoncavallo auf dem Index, Aus Köln wird uns geschrieben: Die llndanllmrkeit'und Dentschserndlichkeit, die Leoncavallo anläßlich des Protestes gegen die airgeblrckie Zer­störung der Kathedrale in Reims offenbatte, bestimmten den Leiter der Kölner Stadttheater, Hollat R e m o n d, gleichsam in letzter Stunde den ,^8ajazzo" vom Spiclolan abzu- setzen. Das Publikum war offensichtlich mit dtesenr, von ,chänem Patriottstirus zeugenden Schritte einverstanden, obwohl das aus- oerkauste Haus vor derCavalleria" Lconcaoallos H per enoartet hatte, und zeichnete die stall dessen gebotenen muukalua>en und deklamatorischen Vorttäge mit osletttalrveni Beifall ans Unter diesen befand sich freilich auch eru neues, kur^S Lied des be­kannten neuzeittgen Tonlyrikers Fritz tflccfXet heilig« Zorn" Meinhold Volker , das zeigte, daß au, Flecks, d«s Tangers oetträumter Wcvcn, Leier auch mächiige, heroische Tdne llingen und das, von Menzinskv ausdrucksvoll gesungen, die Sen­sation des Abcnos bildete. Es dürste das Markigste und Wett- vollsle sein, was die musikalische Kriegslyrtt bis heute hervor» gebracht hat. - £. W.