Ausgabe 
28.9.1914
 
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Nr. 227

Zweiter Blatt

164. Jahrgang

Erscheint täglich mft Ausnahme des Sonntags.

Die»ietzener FomiliendiStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigclcgt, das lleeirdlatt für den lieft» Sietzen" zweimal wöchentlich. Di-Landwirtschastlichen Sett- Iragen" erjchemeu monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

Montag, 28. September

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichcn UniversitätS»Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktion:L^li2. Tel.-Adru AnzcigerGießen.

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Anjere Geldrüstung und der englische Urämerlrieg.

4400 MWonen sind es rund, die das deutsche Volk Deckung seiner Kriegskosten im Handumdrehen auf» tjat; Dieser Beweis seiner finanziellen Leistnngs» rft in seiner Bederüung einer gewonnenen Schlacht _ _ gu achten. Er ist noch höher zu bewerten, da er unserem gdmnng)ten Gegner, England, die Augen darüber öffnen tortt*, bats tmr wirtschaftlich ebenso starksind wie militärisch. ll»s«e eherne Rüstung hat im Lause der Jahrzehnte eine starke Goldverbeämung bekommen, sie ist zur schinrmern- ven Wehr geworden, ohne dabei etwas von chrer eisernen Widerstandskraft verloren zu haben. Militärisch, tech» »i^ch, wirtschaftlich, finanziell hat uns dieser Lrieg ans gleicher Höhe gezeigt, die selbst die kühnsten ttttorrümgen ubertrifft. Einem exakten militärischer! Auf- Varrsch unserer Heere folgten die ersten Wafsentaten in offener Feldsckstacht urtD die Einnahme einer Anzahl rnoder- jstx Festungen. Die Leistungen unserer technischen Wafsen, -insbesondere unserer schtveren Artillerie, setzten die Welt -in Erstaunen, Den Wirkungen unserer 42 cm Kruppschen Mörser können selbst moderne Festungsbauten nicht wider» stehen. Das waren unsere militärisch-technischen Ueberrasch- tunaen. Die wirtschaftlich-finanziellen gipfelten in dem Aus­bleiben eines allgemeinen Zcttstungscriiffchubs (Moratorium) in Deutschland, den beinahe alle kriegführenden und neu­tralen Festlandsstaalen einschließlich Englands bei Aus- Vruch des Krieges einzuführen gezwungen waren; sie kom­men jetzt in der Aufbringung einer Anleihe von 4,4 Mil­liarden aus eigener Kraft zum Ausdruck, Auf den Kopf der Bevölkerung kommen etwa 73 Mark gezeichnetes Ka­pital Diese Milliarden werden unserem lieben Vetter jen­seits des Kanals, der aus seinen Geldbeutel so stolz ist, arg in die Glieder gefahren sein. Er sindet bestätigt, was er lange befürchtet hat, daß, Deutschland nicht nur eine starke Militärmacht, sondern auch eine starke Mrtschafts- macht geworden ist, und daß der Krämerkrieg, den es in seinem Lande und auf den Weltmeeren, mft Hilft der schwanen und der gelben Rasse gegen uns eingeleitet hat, archt so rasch zum Ziele führen wird. Auch hier ist seine Rechnung falsch, seine Hoffnung, daß es uns durch die Hänge des Krieges und die wirtschaftlichen Schädigungen orr Erschöpfung bringen könne, trügerisch. Der russisch« und französische Bcmkerott wird sicher eher eintreten als der unsere, vtelleicht auch wird es in England sich rascher be- »rrlBar machen als bei uns. Denn England hängt viel Ktrtcr vom .Ausland öß als wir; es ist für dte Lebens­haltung seiner Bevölkerung vollständig auf die überseeische Änftchr angewiesen, während wir durch unsere Landwirt» öhast von der Lebensmitteleitrfuhr unabhängig sind. Wenn England jemals such in den Folgen eines Geschästskrieges -t und nur solche Wiege kennt es geirrt hat, so dürste s dieser sein, denn sein Ziel, unsere wirtschaftliche Ei> »voffelung, wird nicht erreicht werden.

Mit Neid hat England fest Jahren unsere Wirtschaft- iche Entwickelung, die Leistungen unserer Jndnstrft, den Aufschwung unseres Handels verfolgt. Selbst an große Ar- ftttsamkeit nicht gewöhnt, sah es mit steigernder Wiß- pknst, wie ein mit Gründlichkeit, Fleiß und Ausdauer aus illen Gebieten ans gestattetes Volk sich langsam aber sicher n friedlicher Arbeit die We l t eroberte, Deutsches Eisen, »entscher Stahl verdrängte sowohl der Menge, wie der Süte nach die englische Erzeugung von seiner beherrschen- «t Stellung. Deutsche Erzeugnisse eroberten sich die großen Absatzgebiete in Südamerika, in China ,md dem Orient, deutsche Großreedereien schrieben die Preise am inter» »tionalen Frachtenmarkt vor. Die deutsche Schiffsbau- echnik bereitete der englischen schwere Konkurrenz imt> feilte allmählich den Ruf der berühmten englischen Wersten n Liverpool, Belfast in den Schatten, Ein großer Teil der mSwärtigen Aufträge wunderte nach Deutschland. Hand n Hand mit diesem industriellen Aufschwung begann das

deutsche Kapital sich in den Dienst unserer wirtschaftlichen und politischen Interessen zu stellen und den englischen gefährlich zu werden, Deutsche Großbanken gründeten an wichtigen Plätzen der Welt Niederlassungen und traten als Geldgeber auf. In Südamerika, in Ostasien und nanrentlich im nahen Orient, ans dem Balkan und in Aegypten durch­kreuzte die deutsche Finanzpolitik oft in recht geschickter Wehe englische und auch ftanzösische Interessen, Die Bra­silianische Bank, die Bank für Chile, die Deutsä)-überseeische Bank, die Deutsch-asiatische Bank, die Deutsche Palästina­bank, Zentralamerikanische Bank sind derartige deutsche Gründungen, So ist es der Koickurrent, den England durch diesen Küeg aus dem Felde schlagen will, der ihm un­angenehm und gefährlich ist, weil er die britische Welt­stellung bedroht. Mit ehrlichen Mitteln ist uns auf dem Wirtschaftsgebiet nicht beizukonrmen, deshalb müssen Russen, Franzosen, Serben, Japaner, Hottentotten mithelfen, das Ziel zu erreichen. Sie müssen in erster Linie für englische Interessen bluten, während das schlaue Albion die Klein­arbeit gegen uns verrichtet. Recht und Gesetz tritt außer Kraft, wenn es sich um deutsches Gut handelt. Brutal ivird das Völkerrecht zum alten Eisen geworfen und deut­sches Privateigentum annektiert, deutsche Patente gestohlen, um deutschen Ersindungsgeist sich mühelos zunutze zu machen. Wer die letzte Proklamation der englischen Regie­rung vom 10. September prüft, auf den muß die an Wahn­witz grenzende Art, mit der lleinlicher Krämergeist alles Deutsche unterdrücken will, einen säst komischen Einoruck machen. Mit solchen Mitteln kann der deutsche Kaufmann und Pionier, deutscher Fleiß und deutsche Arbeit nicht aus dem Felde geschlagen werden. Die englischen Krämer müssen schon einen höheren Einsatz wagen. Aber das hüten sie sich. Ihre Flotte setzen sie nicht ein. Erst müssen dft Bundesgenossen bluten; denn wenn die Flotte verloren ginge, dann wäre die allgemeine Pleite auch in England nicht mehr aufzuhalten.

Zn der gcuerlinic.

Eine Schilderung seiner Erlebnisse und seiner Verwundung in der Riesenschlacht in Nordfrankreich, die die Eindrücke d.s modernen Krieges ansclaulich wiedergibt, bietet ein französischer Reserv-i I, der im bürgerlichen Leben ein gefeierter Sänger der Pariser Komischen Oper ist. Er entging nur mit genauer Not dem Tode und befindet sich jetzt im Lazarett von Bordeaux, wo er dem eng­lischen Korrespondenten Hamilton Fyfe sein Schicksal in einem packenden Gericht erzählte.

Die Schlacht dauerte schon sechs Tage, als die bescheidene Rolle, die ich in diesem ungeheuren Kftegsdrama gespielt, ihr Ende fand, Ich will Ihnen nun erzählen, wie eS geschah. Wir waren seit dem Morgen marschiert und hatten den ganzen Tag über gekämpft ohne Nahrung und Ruhe Die Truppen uns gegenüber waren Bayern. Um Mittag warfen wft sie durch einen Bajonett­angriff ans ihren Stellungen und kamen so in die kleine Stadt D. hinein. Sie war in Brand gesteckt. Dreiviertel der Häuser brannten lichterloh, Ivanen und Kinder und Greise liefen unS schreiend ent­gegen und erzählten uns, was sie erduldet hätten. Die Bayern aber ließen sich nicht so leicht vertreiben, sondern sie kamen weder, und so wogte der Kampf bis 6 Uhr abends hin und her. Da kam ein Befehl für zwei Kompagnien, zum Sturm oorzu gehen. Der Feind stcmd jetzt m einer .stark befestigten Stellung, die rasch zur Verteidigung vorbereitet worden war. Sie hatten ihre Stellung m der grössten Ordnung eingenommen und überslntetcu uns mft einem Regen von Kugeln und Schrapnells, während zugleich ihre Maschinenqsoehre cntseslichen Schaden unter uns anrichleten. Trotz alledem kamen wft 6 bis 700 Meter.vorwärts. Das Schlimmste war, daß wft nirgends auch nur einen einzigen Deutschen sehen konnten. Das einzige Ziel, das wr hatten, waren die kleinen Rauchwölkchen ihrer Gewehre, die immerfort in die Höhe stiegen. Wo aber befand sich die Infanterie, die wft aus ihrer Stellung herauswerfcn sollten? Unser« Lentt zögerten und stoctten und sahen einander an, als wüßten sic nicht, was sie tun sollten. Die Reihen wankten. Da schrie unser Major:Versucht am hie Spitze jenes Hügels, gerade über uns, zu koinmen, Bon dort aus werden wft sie sehen können," Ms wft hinranMen, überkaui mich plötzlich die Uebevzeugnng, daßwrrinderTtntefaßen. Ich hielt mich an der Spitze meines Trupps, um die aridern zn ermutigen, aber ich wußte, daß es ein Wunder wäre, wenn ich ans den Hügel käme. Und ich hatte recht. Ich war kaum dreißig Schritte

ivefter, als ich plötzlich zu Boden sturste wie ein Bündel schmutziger Wäsche und einen surchlbarcu brennenden beißenden Schinerz in meinem Fuß fühlte, der mein Bein völlig unbeweglichmeine. Tie LeMe rannten über nrich fort. Ms sie vorbei waren, sah ich einen Graimtensplitter aus meinem Stiesel herausaucken Ich zog daran, aber ich konMe chn nicht herausbekommen. Es kostete mich viele Mühe und viele Versuche, bevor er heraus war. Ich drückte mich eng an den Boden, so fest ich konnft und versuchte, meinen Kops mit meinem Arm zu schützen, Das ivar die schlimmste Viertel­stunde, die ich je erlebt habe, .ikugeln bohrten sich riirgs um mich in den Boden ein, Granateii schlugen rings um mich alle drei oder vier Mirruien nieder, viele ohne zn explodieren. Eine tan etwa einen Meter von meinem Gesicht enlfernr aus. Eine andere wühlte sich in die Erde, so daß die Erbstücke über mich hinspritzten, Ich konnte mich nicht beioegcn. Ich konnft imr aufpassen und jeden Moment erwarten, daß mein Kopf zersplittert oder mein Rückgrat gebrochen wäre. Ich sah mich schon in zwei Stücke geschleiften oder mit zerschossener Brust, Ach, loieviel lftber würde id» inTosca" oderCarinen" an der Komischen Oper gesungen haben! 'Dann schlug ein schrakliches Galoppieren von Pjerden an meure Ohren: Unsere Kavallerie, die einen Angriff gemacht hafte, stürzte zurück, 'Nun, dachte ich, ist es ans, Tie Deutschen mußten hinter ihnen sein; niern Schicksal war besiegelt. Ick) fühlte nach meinem Revolver, aber er war soft. So biß ich die -Zähne zusammen und kroch ans allen Vieren fori, Kugeln ivaren auch hier meine Bcglefter, aber ich schleppte inich schließlich glücklich zn einer geschützten Stelle hinter einen Heuschober, Von hier aus konnte ich sehen, >me unsere Offi­ziere ihre Kompagnien wieder sanrmelten und ftische Truppen hcrankamen, wie unsere Maschinengewehre in Tätigkeit traten, mn denen des Feindes zu anftvorlen. Das gab mft etwas mehr Mut und ich schleppte mich bis an einen Bach, wo ich hinsank. Da fandet mich zwei unserer Soldaten und führleit mich zu einent Radfahrer; der nahm mich aus sein Rad und brachte mich so wefter, bis nur zn einer Fcldambulanz kamen," ö.

Deutsche Kolonien.

Aus Deutsch-Ostafrika.

Berlin, 26, Sept, lW, B, Amtlich.) Aus Den t s ch--O st - a f r i k a sind zum ersten Male fest Kriegsausbruch Privatnach­richten hier eingeftoffen. Aus den Vermerken auf den Briefen und Karten geht hervor, daß die Postsachen die englische Zensur passiert haben, Dft Engländer halten also offenbar die deutsch - ost - afrikanische Küste blockiert, Daressalam wurde als offene Stadt nicht verteidigt. Die englischen Kreuzer haben auf die Funkenstation Schüsse abgegeben, darauf wurde die weiße Flagge über der Stadt gehißt, und es sind bis zum Abgang der Post, etwa am 20, August, keine wefteren Angriffe ans Daressalam erfolgt. Der Turm der Funkenstation ist nach den hier vorliegenden Be­richten von den Deutschen selbst zerstört worden. Die weißen Frauen und Kinder befanden sich bis Abgang dieser Post offenbar noch in Daressalam, Ob infolge der ansgebrvchenen Kämpft tm Innern die Engländer taisächlrch, wie dft englische Admftaliftft meldet, später Daressalam zerstören liehen, darüber liegen Nach richten von deutscher Seite nicht vor. Dagegen wurde bestätigt, daß TavetavondeuDeutscheubesetzt worden ist. In San­sibar ist es nach einem hier vorkiegetchen Prftattelegramm vom 27, August den Leftern der deutschen Firmen gestattet worden, da­selbst zn bleiben, doch stehen die Deutsche» mfter behördlicher Aus­sicht, Eine gewisft geschäftliche Betäftgung ist ftmcu erlaubt. Sie dürfen Gelder einkassieren und die vorhandenen Warenlager ver­äußern, Die deutschen Angestellten sind schon am 7, August nach Tonga gebracht worden. In Mombassa sind alle Deutschen sofoft nach Ausbruch des Krieges festgenommen und später nach Nairobi übersühft worden. Irgend welche amtliche Nachrichten sind beim Reichskolonialamt noch nicht eingeftoffen. Auf etwaige Anftagen konnte daher auch nur mftgeteftt werden, was in dieser Meldung enthalten ist.

Aus Deutsch-Ncu-Gumea,

London, 26, Sept, (Nichtamtlich,) Wie die Admiralität mitteilt, hat sie von dem Vizeadmiral P a i e y ein Telegramm des Inhalts erhalten, daß Friedrich-Wilhelmshasen, der Sitz der Re­gierung von Deutsch-Neu-Guinea, von australischen Trup­pen besetzt worden ist, ohne bewafsneten Widerstand zu sinden. Der Feind ist offenbar bei Herbeftshöhe versammelt gewesen, wo Kämpfe statigcsunden haben. In Fricdftch-Wfthelmshassl wurde die britische Flagge gehißt und eine Garnison eingeftchtet.

Heer und Flotte.

Berlin, 26, Sept, (Priv.-Telsgr.) Wie der .Lokalanz." hört, erhielt der Leutnant im 5, Garde-Regiment Otto von der Linde, der Sohn des Amtsgeftchisrats von der Linde in

Wilhelm 5chmidtbonu§ szenischer PrologiM'j

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Eine bedeutsame, sich in die große Stimmung unserer Zeit -Tüchtig ftnfügeude Veranstaltung war der Premieren-Abend, «i das Deutsche Theater am Freitag oeranstalteft. Das irneste Werk des begabten Wilhelm Schmidtbonn, ein szenischer trolog1 9 14" leftcte ein. Der Schöpfer desZorn des Achilles" ft der erste unter den deutschen Dichtern, der eine künstlerische öestaltung der großen Erlebnisse der letzten Wochen unternahm, die Wfthestrmmung, icke die andern in packenden Gedichten fest- ehaltcn, lftß er in großen symbolischen Figuren hervottreten, dft junge Bäuerin, dft den Segen des ernteschivereu Sommers etne|en will und in glücklicher Ruhe den Frieden preist, wird lötzlich von dem grausigen Kfteg überrascht, der unter den Mitzen eS Schwertes und dem Darinergerassel der Trommel blnigeftänkt ct ihr steht. Vergebens sucht die den schrecklichen Unhold abzu- »ehren von den fruchtbaren Feldern, den blühenden Gärten, den lücklichcn Hänsern, Er schftitrt über sie soft und läßt die Zn- rurmengebrvcheift in ihrem Schmerz liegen. Doch anders empfindet }i Mann, der Bauer. Den heftigen Ernst der Stunde erkennend, sirft er die Senfe Haft und ziftcft danach, das Gewehr zn er- rrften zum Schutze der Seinen, zur Rettung des Baterlcmdes, stit ihm vereinl sich der Arbeiter «ms der Fabrik, der allen Groll ergißt und sich glücklich preist. Mit seinen Landsleuten unter loftes freiem Himmel kämpfen zn könrien mft dem gleichen Recht, sin Leben hingeben zu duften für das Heftigste, Und den beiden esftll sich der ftiche Fabftkherr; auch er hat alle Gegensätze und llasscnunterschiede vergessen; er reicht ihnen die Däride, und in egeisteftcn Woften schwören sie Treue dem Boden, der sic gebar nd der sie eint, schwören Rache nnd Bcsftasimg den übermäcksiigen ieindrs und fluchen des Urseindes England, das den Deutschen icht fr« atmen lassen will in der Well, Ihr Beispiel rftßt die rngr Frau hin, so daß sic gelobt, den Herd zu hüten, Ordnung zu alten zu Haus und gefaßt der Zukunft entgegen zu gehen.

So merkwürdig die Gestalten unserer nächsten Wirklichkeit in ieser Ssilisftrung wirkten, es kam die stolze Größe der Zeft doch urftvvll zum Ausdruck, der Jubel über dft Einheit Deutschlands, ce siegesgewftse Zuversicht von Deutschlands Weiterblühen, der staube mi den Kulturkampf unseres Volkes, In flnchftgcm Umftß ud rasch gefügten Versen, aber mft hinrftßender Leidenschaft und arker Wucht ist in diesem Werk Mm Ausdruck gebracht, was uns lle beseelt, und diese Gemrinsamkeft des Denkens und Fühlens «rr eS, die dir Zuschauer der Dichtung begeistert zwcimmen ließ.

An den Prolog schloß sich eine farbenprächtige und reichbelebte larstftlung von Schillers.Wall««.stetns Lager". Rein­

hardt hatte für eine prachtvolle Massenenffaltung in dem tollen Lageftrechen gesorgt, und so fremdartig auch die maleftsche Bunt­heft dieses vergangenen Sölduerlebcns wirkte, man mußte doch die ahnende Seherschäst des Dichters bewundern, der in den Woften des Kürassiers die neue Ehre des Soldatenstandes im HVolk m Waffen" bereits so wundervoll dargestelll. Die einzelnen schau­spielerischen Leistungen ftaien hinter der überwältigenden Wirkung des Ganzen zurück. Doch zeigte Diegelmann als Wachtmeister Würde und feinen Humor, D anegg er gab den ersten Jäger mit jugendlichem Schwung, E b e r t sieh dem ersten Kürassier Mel und Kraft und W a ß m a n n war ein ftwas phlegmrfthischer, aber überwälttgend komischer Kapnzmer, In dem Prolog schwebte die warme Glockenstimme der Lucie Höflich weihevoll über dem sonoren Dreillang der geeinten Vertreter des deutschen Volkes.

Dr. P, L

»

Saint Mihiel und sein Römerlager.

Mitten zwftchen Toul und Verdun liegt an einem 8-förmigen Bogen der Maas die Mftitärstadt Saint Mchiel, überragt von dem jetzt von unseren Truppen erobcftcnCamp des Romains", wohl dem stärksten Sperrsoft der sich im Tale der Maas entlang ziehenden französischen Festungskettc, Breft strömt der durch künst­liche Bauten schiffbar gemachft Strom dahin, über den sich die Bogen einer alten, steinernen Brücke spannen, des Verbindungs­gliedes der von Osten, also aus der Gegend von Metz, über das Gebirge kommenden Straße mit der großen, westwärts durch den südlichen Ausläufer der Argouueu hiuüber in das Tal der Äisne führenden Chaussee, Saint Mihiel üt ein kleines Jndustftestädtchen von kaum 10000 Einwohnern mit Sttckereien und Leinwaudwebe- reien. Doch das bürgerliche Leben in den von alten Klosterbauten und Pftvctthäusern aus der Blütezeft des gottschen Stftes einge­rahmten Straßen verschwindft vollständig unter dem Treiben der hier in Garnison liegenden Soldaten. Erreicht schon in FriedenS- zeiten die Zahl des MllitävS die der Einwohner, so übeftteigt sie diese im Kriege nm das mehrfache. Oben auf den kahlen, südlich der Stadt gelegenen Höhen, die mau durch die Vorstadt von Nancy crrncht, ragen drohend schwere Befestigungen, um Saim Mihiel mit seinem wichttgen llebergang über die Maas zu vefteidigen. Schon Roms Legionen sollen hier verschanzte Lager bezogen haben, woher sich der NameCamp'des Romains" erhalten hat. In neu­erer Zeft spielt der Platz jedenfalls bei der Verteidigung der fran­zösischen Ostgrenze eine große jstolle. Nur ö Klm, unftrhall» von Mihiel mündet ja der dieCotes Lorraines" ttef durchschneidende Engpaß von Spaixr in das Tal der Maas, Hier llegt das Sperrfoft Los Pawo-chas, doch auch die weittragenden, das Tal

beherrschenden Geschütze des Römerlagers, sollen den Ausgang des Engpasses schützen. Nur 10 Klm, sind es über das Gebirge bis in die östlich gelegene Ebene von W o e v r e, 10 Kllometer, von denen un­sere Truppen jeden Fuß breit unter schweren Kämpfen den Fran­zosen abftotzen mußten. Durch seine großen Kasernen und mfti- täftschen Vorratshäuser erschftnt Saint Mihiel viel größer, als es in Wirllichkftt ist. Ein nicht unbedeutender Hasen vermittelt den Schiffsverkehr auf der Maas, die ebenfalls mftitäftschen Zwecken dienstbar gemacht ist. In der gottschen Kirche Saint Michael sinden wir Werke des ans Saint Mihiel stammenden lothftngiick>en Bild­hauers Ligier Richier, während die Kirche Saint Ettenne eine nicht unbekannte Grablegung desselben mittelalterlichen Künstlers aus­weist.

Ein vaterländischerLrederabend ist, wie uns

aus Jena gcschfteben wftd, von den sämtlichen 16 Männer- Gcsangverftncn der Stadt veranstaltet worden, bei dem ein patfto- ttsches eigenarttges Programm zu Gehör gebracht wurde. Gesäugt aus den Befteiuugskftegen und Kriegslieder aus de, Gegenwart, darunter Kompositionen zu Gerhart Haupt­manns und D e h m e l s Gedichten kamen zum Voftrag, Prof, Fritz Stein, der sich im Juli bei seiner Berufung nach Mei­ningen als Nachfolger Negers nur in einem kleinen KveiS ver- abschiedtt hatte, sagte mit diesem Konzeft Wgleich dem Jenaer Publikum Lebewohl, da er in den nächsten Tagen znm Dienst im Feldlazarftt abreist, Dr, R, B,

Shackletons Ausreise zum Südpol, Loiftoner Blätter vom 19. September melden mit nüchternen Woften als die selbstveftländlichste Sache von der Welt die Wreisc der von Sir Ernest Shackltton seit langem vorbcrrfteten Südpolarerpebitton, Die Reisenden verließen Lorrdon in zwei Abteftungcn, iuerst ael,l die von Leutnant Rkc Jattosh geführteAurora" ab, oeren Zftl zunächst das Roß-Meer ist, wo sie überwuilcrn soll. 2,r Ernest Shackleton, der die andere zunächst muh dem Webüell-Merr be- stimmle Abteilung leitet, hofft mit der andern Abteilung im ?ttuft 1915 oder, wenn dies nicht gelingt, im Mai 1916 ziyamnieuzu- tressen, Shacklewn begibt sich mit seiner isdxn: imiäcbn nach Buenos Aires, das er am 18, Okwbcr mit seinem Cttpcditious- schifsEndurance" verlassen will. Er crllärte vor der Abrttse, daß seine Pläne durch den Kfteg in nichts verändert wr-rden: nur wären seine Kosten dadurch erhöht worden, weil zahlreiche in Deuffchland bestellte Instrumente nicht hätten abgeliejert iverden können. Nachdem scinc Abteilung im Weddell 'Mcer gelandu ist, wird dieEndurance" nach den Fallland-Juselu zurückkehren und Ende Januar die ersten Rarhrichteu von, den Forschern bruigru

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