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Zweit« SIE
1-4. Jahrgang
Erscheint täglich trtö Ausnahme des Sonntags.
Die „«ietzener LamMenblätter" werden dem »Anzsigee' »iermal wöchentlich beigeiegi, das .^lreir-latt ftir de» Km; Sietzen" zweimal wöchentlich. . Die .Landwirtschaftlichen Seft- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
wir und die Buren.
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejfen
Donnerstag, 24 . September \ 9 \%
Rotationsdruck >md Verlag der Brädl'schen Umverfuäts - Bnch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Verlag: oji § ) 51. Redaktion: Tel.-Adr.: AnzcigertSietzen.
Bon einem Deutschen, der lange Jahre in der ehemaligen Burenrepublik Transvaal und dann im Gebiet der jetzigen südafrikanischen Union gelebt hat, wird uns ge- schrieben:
STö der von Frankreich, England und Rußland seit langem geplante und ebenso gründlich wie heirntückisch vorbereitete Weltkrieg ausbrach, blickten die Engländer mit einiger Besorgnis und viele Deutsche mit einigen Hoff» rnrngen nach dem Kolonialbesitz, weicher das jüngste und lange Jahre hindurch das Sorgenkind des englischen Mutterlandes darstellte, nach dem Gebiet der beiden einstigen Bnrenrepublrken Transvaal und Oranjestoat, die an, 1. Juni 1216 mit der Kapkolonie und Ratal zu dem südafrikanischen Bund vereinigt worden waren. Als die beiden tapferen Bureiwölker nach zweiundeinhalbjährigeui heldenmütigem Widerst« itd der englischen Uebermacht erlagen und im Mai 1602 zun, Frieden gezwungen wurden, teilten die durch die barbarische entmische Kriegsiihru,«g dezmiierten Buren sich in zwei Lager, Die von Bvtha und Smuth geführten Ber- söhnlichen beschlossen, sich in das Unvermeidliche zu fügen und ihren endgültigen Frieden mit den Engländern zu Machen Manche von chnen, wie den ebenso eitelen als geschäftstüchtigen General Bot ha, der sich nicht entblödete, »l Amerika KriegssPiele vorzuführen, erkannte man schon damals als Streber, der unter allen Umständen Karriere machen wollte. Nun, er hat sie ja auch gründlich gemacht, hat es bis zium Mini sterp r ä side n t e n des Bundes gebracht und erfreut sich des uneingeschränkten Vertrauens der Eirgläitder, aber nur eines Teiles der Buren, Denn die andere Partei, die sich damals unter Herzog und Fischer bildete, die Partei der Unversöhnlichen, ist seitdem durchaus nicht zurückgegangen und besteht heute noch >vie vor zivölf Jahren, trotzdem der englische Öberkvmmissar alles, was in feinen Kräften stand, getan hat, um die Buren für das britische Regime zu gewinnen, Das Endziel dieser Burenpartei war und bleibt die Erstarkung des geeinigten Südafrika, um dadurch die Kraft zu gewinnen, sich dereinst von Eirglaud losKureitzen, wie es im achtzehnten Jahrhundert den nord- amerikanischen Kolonien Englands gelungen ist.
Allein das Regiment hatte im Südafrikanischen Bund dank der Unterstützung durch die Engländer Botha und seine Partei an sich gerissen, und bei dieser Strebernatur mutzte oran darauf gesatzt sein, datz er auch jetzt mit seinen eug- brschen Brotherren durch dick unld dünn gehen werde. So kann es eigentlich nicht wundernehmen, wenn der Renegat Lo-uis Botha im Seimt zu Kapstadt dem englischen Volke, tvclches über diese Eröffnung sicherlich sehr verblüfft ge» ioesen ist, bezeugt hat, datz es mit reinen Händen in den Krieg gezogen sei. Auch teilte er mit, datz die Regierung dem Wunsche der Reichsregierung gemäß beschlossen habe, einige Telle Südwestaffikas aus strategischen Rücksichten zu besetzen, Bei der Llussprache im Senat, über die man leider nur weniges aus englischen Quellen erfahren hat, gehörte der General Delarey zu denen, die zwar auch zugunsten Englands und zu ungunsten Deutschlands Stellung nahmen; aber er wollte eine Beteiligung an dem Kriege doch nur für den Fall, datz EnglischsSndaftika von den Deutschen angegriffen würde. Zum Dank dafür ist er denn auch jetzt von gedungenen Schandbuben ermordet worden, und zwar an der Seite des Oberbefehlshabers der südafrikanischen Miliz, des Generals Beyers, der teils wohl infolge dieser auf das englische Konto zu setzenden Schandtat, teils wegen der Haltung Bothas sein Koirrmairdo nieder-- gelegr hat.
Diese anerkermenswerte Haltung eines ehrenhaften Buren wirft ebenso iv-ie die Meldung der „Times", wonach das südaftikanisch« Abgeordnetenhaus im Gegensatz zum Senat die Anträge auf Beteiligung am Kriege abgelehnt hat, ein grelles Licht auf die Unstimmigkeiten
»i Britisch-Südarrika, welche die Engländer vergeblich zu vertuschen suchen. Es ergibt sich daraus, datz die Mehrheit der Buren sich nicht zu Handlangerdiensten für die verlogene Politik Englands hergeben will ganz abgesehen davon, datz sogar die englischen Asrikander aus Besorgnis vor der Haltung der stets unsicheren Basutos, Zulus und Swazis Bedenken haben, durch die Eröffnung von Feindseligkeiten gegen Deutsch-Südwestasrika einen neuen Krieg zwischen den Weitzen zu entfesseln. Die Meldung aber, wonach angeblich Truppen ans Deutsch-Südwest in das Kap- land eingedrungen sind, stellt wohl nur einen-neuen englischen Trik dar zu dein Zweck, die Buren auszuputschen. Ge- witz denkt von diesen niemand daran, seine Hanl für Deutsch- land zu Markte zu tragen, wie sie sich andererseits nicht so leicht zu einer Ofsensive, trotz aller Beschwörungen Bothas, bewegen lassen werden. Das aber sbeht für jeden Kenner der südafrikanischen Verhältnisse fest: Wenn die englische Weltherrschaft erst, was der Himmel gnädigst füge, einen ernstlichen Knacks bekommen haben wird, dann werden sich nicht nur die Inder und Egypter regen, sondern dann werden sich auch die Buren daran erinnerii, in wie schändlicher Weise sie von den länüergierigen, blutdürstigen Briten um Heimat und Freiheit gebracht worden sind. Wer auch nur dann, erst dann werden sie sich daran erinnern. Und auch daraus erhellt die Notwendigkeit, datz wir siegen, datz >vir unsere Gegner bis zur Vernichtung schlagen. Das Wohlwollen der unsicheren Kantonisten wie der Neutralen ist bei den .stärkeren Bataillonen".
Wir erhalten heute noch folgende Meldung:
Kapstadt, 23. Sept, (WM, Nichtamtlich,) Botha übernimmt das Oberkommando gegen Deutsch- Südwestafrika.
Baudenkmäler in Rriegrzeiten.
So bellagenswell es auch sein würde, wenn bei der Beschießung von Reims die altberühmte Kathedrale der Stadt Schaden erleiden würde, so abgeschmackt, ja man darf selbst sagen: heuchlerisch ist es doch, wenn Präsident Poincars sich veranlaßt glaubt, darüber eine „Beschwerde" an die Adresse der neutralen Mächte zu richten. Wenn stch ein Heer in einer befestigten Stadt, wie es Reims ist, verteidigt, so liegt es eben in der Natur des Krieges und ist unvermeidlich, daß bei aller Vorsicht und Schonung bei der Beschießung des Platzes auch hervorragende Baudenkmäler zu Schaden kommen können. Das sst immer so gewesen und ein einsichtiger italienischer, Verfasser, der jüngst im „Marzocco" über das Schicksal von Kunstwerken im Kriege einen Aussatz veröffentlicht hat, sagt ganz verständig: „Ich finde das äußerst natürlich und richtig," Die Truppen Ludwigs XIV, haben nicht den geringsten Anstand.genommen, bei der Belagerung von Brüssel im Jahre 1695 die schönen alten Bauwerke an der Grande Place unter ihr Feuer zu nehmen. Ebensowenig konnten die Engländer an die Schonung der ko-stbaren Baudenkmäler von-Delhi denken, als sie nach heftigem Bombardement am 14. Seprember 1857 znm Sturm ans die Stadt schritten. Bei der Belagerung von Rom durch die Gari- baldianer scheute Nino Bixio nicht vor dem Plane zurück, den ganzen Vatikan unter Geschlissener zu nehmen. Hervorragenden Baudenkmälern gebührt nach moderner Anschauung die größtmögstsichste Schonung bei allen kriegerischen Operationen, aber das letzte Wort sprechen im Kriege eben immer doch die Bedürfnisse des Krieges, Wch die Menschen der Renaissance, die so groß in der Schaffung gewaltiger Bauwerke waren, haben nie anders gedacht und gehandelt, Bei dem Sacco di Roma i, I, 1527 wurde die Engelsburg bekanntlich als Festung benutzt und Benvenuto Cellini leitete von ihrem Dache aus das Bombardement, das natürlich die Feinde nach Kräften erwiderten. Bei der Belagerung von Florenz durch die Kaiserlichen bildete der erst halbvollendete Glockenturm der köstlichen Kirche von SM Miniato ein bevorzugtes Ziel der Artlllerie der Belagerer, und es war kein Geringerer als Michelangelo, der sein erfinderisches Genie in den Dienst der Aufgabe stellte, die Plattform des Domes zu einer Position für die Artillerie der Florentiner auszunntzen, In der Umgebung der Stadt haben damals die Florentiner rücksichtslos alle Bauwerke niedergerissen, die dem Feinve bei seinen Operationen etwa als Stützpunkte dienen konnte. Prachtvolle Kirchen, Klöster und Villen fielen damals zum Opfer; darunter Mch das schöne Kloster vor dem
Russische Erinnerungen.
wXzze von Hermann Steingoetter.
(Schluß.)
Neben den Gestalten der Orthodoxie herrschen jüdfich-polnische Demente in der Bevölkerung vor und geben Kiew zugleich das tzepräge der bedeutenden Handelsstadt. Die Hauptstraße der Kreschtafik bekunücr das durch zahlreiche Bankgeschäfte und Läden. Der Kreschtafik, der sich in einem schmalen Tale hinzieht, ist rbrigens eine der wenigen ebenen Straßen der Stadt. Der hügeligen Lage haben sich Mch die Verkehrsmittel angepatzl und die schon wüher erwähnten iswoschtschiks (der Name bedeutet sowohl Fuhrwerk oic Kickscher), die in allen russischen Städten Mzutreffen unö bei xm erforderlichen Feilschen preiswert zu haben sind, bewältigen >as Gelände oft in vcrblüssender Weise, wie ich selbst erfahren sollte. Wfi hatten Ms einmal zu zweck einem solchen Wägelchen anver- rant und mutzten eine abwärts sührende Serpenlinenstraßc be- lützrn. Unser iswoschfichik machte es mm wie ein Fußgänger, der Weg «Stürzen will, und fuhr in rasendem Tempo quer über die Hänge hinab. In dem schmalen Gcsährt nrutzten wir Ms krampi- »ift festhallcn, nm nicht hinansgeschleudert zu werden, Md unser Anspruch, soweck er bei der tollen Hetze möglich war, erzielte bei >em Knficher nur ein vergnügtes nckschewo (macht nichts!)._ Er tat ich nachher offenbar noch etwas zugute Mt sein Wagestück, wir rber waren überzeugt, daß wck Mseve heilen Glieder nicht seiner Kunst, sonder» nur der derben BMarr des niederen Geiährtes ind der Trcktsicherheck des braven Psecdchens zu verdanken hatten. Diese llcinen charakteristischen Steppenpferdc werden auch von inigen Kosakenstämmeu geritten und besitzen trotz unscheinbarem Ansfichens manche Vorzüge, so namenllich große Ausdauer, Sie sind m JMern Rußlands sehr billig zu kaufen — Mch mir wurde in Kiew ein solches Tier für 25 Rubel Mgcbolcn,— und wenn bei 8eginn des Krieges nach ZeitungsmeldungM desertierende Kosaken hre Pferde für 20 Mark losschlagen wollten, so sind sic gar nicht o sehr Mter ihrem ortsüblichen Rnbelpreis geblieben.
Da ich gerade bei den Kosaken bin, so sei hier emgeflvchten >aß wir in allen russischen Städten nrck dem MUitär in nähere Beziehungen kamen, denn alle größeren AusführMgen ersorderten 50—200 Mann als Statisten. Erlaubte es mm die Oertlichkeck, oic gerade in Kiew, so wurde während der Probepausen zum Klang iner MMd- oder Ziehharmonika von den Soldaten wohl ein stattonalianz vorgcführt, denn der gewöhnlich« MMN Ms dem Bolle, ob nun Groß- oder Kleinrusse, ist von HMse Ms leicht zu Spiel und Tanz geneigt. Da lernten wir u, a. die Kamarinskaja uch die Kasatschka kennen, die wie die meisten russischcir National- ö.ize durch Mimik, Gcberden und Bewegungen gMze dramatische Szenen darstellen und durch das charakteristische „in-die-Knie- inken" besonders eigenartig wirken. Auf der Bühne selbst ver
standen unsere militärischen HUfskräfte schwer die Wirklichkeit VM der Illusion zu unterscheiden, und der letzte Mt von Julius Cäsar mü seinen Kämpfen schien ihnen gute Gelegenheit, ihren Heldenmut zu beweisen. Alle Belehrungen konnten sie nicht von der Meckiung abbringen, es gelte einen wirllicheu Gegner zu bewältigen, und so habe ich, trotz aller Deckung mit dem keinen römischen Schulde, schon vor Jahren auf dem Schlachtfelde von Philippi ehrenvolle Wunden im Kampfe gegen russische Uebermacht davongetragen.
Die letzte Strecke Mserer Kunstfahrt führte bis ans schwarze Meer durch ein von Touristen selten Msgesuchtes Gebiet nach Odessa. Diese verhältnismäßig jMge Stadt, am Stellabfall der pontischen Steppe gegen das Meer gelegen, erhält chrcn besonderen Charakter durch die südliäre Lage und durch das eigentümliche Völkergcmisch, das zum Teil Ms Asien herüberslutet, Hochgewach-- scne Kaukasier in kleidsamer Nationaltracht wandeln am Hafen neben geschäftigen Griechen, Inden und Armeifier neben früher eingewanderten LandÄenten, welch letztere in der Umgegend ganze Kolonien mit deutschen Neunen, z, B. Kleinlijebcntal, bilden. Dazwischen trotten ab und zu Bauern, die Wein ans der benachbarten Krim in Ziegenschläuchen feilbieten, lebhaft an homerische und altlestamentarische Gestalten genrahnend.
Herrlich ist der Ausblick von den höher gelegenen Stadtteilen, namentlich dem prächtigen BMlevard, über Unterstadt, Hafen und Leuchtturm auf das tiefblaue Meer, und unzählige heiße Wünsche mögen von hier Ms schon die nach Südwest fahrenden Schisse begleitet habe», wenn sie Konstantinopel znsteucrn, dcut geheimen Herzensziel jedes echten Russen,
Nur geringer Phantasie bedarf es hier, um sich in die Riviera zu träumen, namentlich wenn zur Blütezeck der Mazien, die als Meebänme zahlrfich angepflanzt sind, betäubender Duft über der ganzen Stadt lagert. Aber die rMhe Wirklichkeit — wenn man bei 30° Reanmur im Schatten so sagen baff — mahnte immer wieder daran, daß wir uns noch im Reiche der Kirnte und der KvrrMfion befanden. So mußten wir mckansehen, daß von einer deutschen BrMstube sofort zur Polizei geschickt wurde, als einmal drei der ja in ganz Rußland durch die Uniform leicht kenntlichen Studenten sich zu einen: harmlosen Glas Bier zusammengefimden hatten. Diese „AnsammlMg revolutionärer Elemente" hätte ohne Meldung dem Wirt verhängnisvoll werden können. Was Wunder, daß bei solch hochwichtiger Beschäftigung den Verwaltungsorganen keine Zeck für Äeseittgung wckcklicher Mißstände bleibt. Da wird dann manchmal das Unglaubliche Ereignis und der Fall, daß mitten in dieser modern gebauten Stadt während eines Gewitters ein FnhrmMN mit zwei Pserden in einem Wassefftrudel umkam, der sich wegen schlechter Kanalisation in einer niedrig gelegenen Sfiaßenkreuzung gebildet hatte, svficht Bände! In ivcsscn Taschen mag das Straßeizbaugeld geflossen sein? Ja, ja, des seligen Gogols bekannte Kämdüie „Der Revisor" wird für Rußland nicht
Tore San Gallo, das Lorenzo der Prächtige von Guiliano da San Gallo dort hatte erbauen lassen, — es ist damals spurlos zugrunde gegangen. Und itcim die Meldung richtig ist, daß die Belgier auf dem Turme der LicbjrMenkirche zu Antwerpeit eine MaschinengcwehrabtcilMg eingerichtet haben, wer könnte ihnen das verdenken, nur solleir sie dann keine heuchlefischen Klagelieder anstiinmen, wenn auch wir unsere Maßregeln danach einriäüen.
Ein anderes Kapitel sittlich bilden die mutwilligen Zerstörungen hervorragender Bauwerke durch kfiegführendc Parteien, Und aus diesem Gebiete halten die Franzosen, die sich als das Kulturvolk par excellence zu brüsten lieben, sreckich fiir immer den Rekord. Sie haben ihren Melun, und die Ruine des Heidelberger Schlosses spricht noch heule von den kriegerischen Ruhmestaten dieses Kulturvolkes.
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Zur Beschießung von ReimS,
Ans unserem Leserkreise erinnert jemand an folgenden Do» gang:
Als infolge des Treniningsgesetzes für manche französische Kirchen die Mittel zur Erhaltung fehlten, forderte Maurice Barres im Jahre 1912 die Regierung Ms, Sorge zu tragen, daß künstlerisch und historisch wertvolle Gebäude nicht zugrunde gingen, ,Mck 291 gegen 245 Stimmen verwarf die Kammer den Wfiag,
Wien, 23. Sept. (WTB. NichtMitlich.) Zu der Gefahr, welche der Kathedrale von Reims durch die Beschießung der Festimg droht, schreibt die „Neue Freie Presse":
Reims ist von den Verbündeten im Feldzug gegen Napoleon und Don den Deutschen im Kriege gegen Louis Napoleon nicht beschossen worden, weck es keine befestigte Stadt war. Erst nach dem Frieden von Frankfurt niachten die Franzosen aus ihr einen der wichttgstcn Verteidigungsplätze und befestigten sie durch zwölf Forts. Diese sagen in der Sprache der Kriegswissensckiast einem jeden, daß Frankreich aus militäfischen Rücksichten der Gefahr nicht achtet, die es für die Kathedrale mit dieser Notwendigkeit in dem Augenblick heroorrnft, wo ReimS aushört, eine offene Stadt zu sein. Deutschland soll Rfims nicht beschießen, weil die Kirche beschädigt werden könnte, Frankreich darf jedoch den Weg sperren; Batterien sollen hinter der Kirche verborgen sein. Werl die Franzosen aus die deutsche Gemütsart rechneten, wußten sie, daß die Artillerie den Auftrag bekommen werde, die Kathedrafi zu schonen, Was ist häßlicher, als der Versuch, den historische« Sinn und die bei den Deutschen natürliche Achtung vor Kunstwerken auszubeuten, um einen milckäfischcu Vorteil zu erreichen und Platz zu gewimien, der, von der Ehrfurcht des Gegners geschützt, Gelegenheit zu Angfiffen, die nicht erwidert wcfixn können, bietet? Das ist „Tartüff" ins Militäfischc übersetzt, eine List, welche die vornehme Gesinnung des Feindes zu seiner lieber» ivälfigung benützen möchte. Wenn die Kathedrale durch das Bombardement ernsthaft leiden sollte, wckd die französische Armee dafür verantworUich sein,
B rü ssel, 23, Sept, (WTB, Nichtamtlich.) Ans dem brennenden Bethaus in Eppeyhcm bei Mecheln hat ein deutscher Offizier zwei größere Altargebäude altvlämischerMeister gerettet. Er überwies die Kunstwerke dem Verlvaltungschef beim Generalgouvernement, der sie seinerseits der Verwalttrng der belgischen Museen zur Verfügung stellte.
Aus dem Reiche.
Die neue Gebührerwrdnimg für Zeugen und Sach- verständige, die der Reichstag im Mai d, I, verabschiedet hatte, tritt am 1, Oktober d. I, in Kraft, Durch die neue Gebührenordnung werden bekanntlich die Zcugengebüh- ren und Sachverständigenhonorare erhöht und die Aufwandsentschädigungen (bisher 3—5 Mk.) auf 4Vs—7 Mk. gesteigert, 'Die Frage, ob eine Erwerbsversänmnis eines Zeugen statt- aefnnden habe, wurde bisher unter Berücksichfigung der Lebensverhältnisse und der regelmatzigen Erwerbstätigkeit des Zeugen vom Gericht beantwortet, meist nicht zur Befriedigung des Zeugen. Um Klagen vorWibeugen, soll in Zukunft bei selbständigen Gewerbetreibenden und bei Angehörigen freier Berufe stets ohne besonderen Nachweis Erwerbsversäumnis angenommen werden.
Der Staatssekretär des Rcichstwstamtes Krackte begeht ain 7, Oktober d, I, die Feier seines 5 0 j ä h r i g e n D i e n ft» jubiläums. Am 7. Oktober 1864 begann der Staatssekre-
so leicht veralleu. Und das hat mMchmal auch seine guten Secken, denn durch ein paar dem betreffenden PristMs in die xxmb gedrückte Rubelscheine ersparte ich mir vor der Abreise von Odessa große Scherereien, wenn nicht Unannehmlichkecken, die durch ein lleincs Formvcrsehen Mf meinem Reisepaß zu entstehen drolsten. Im allgemeinen wurden dergleichen, für den Einzelreiünden höchst uncrqnickliche Formalitäten durch Mseren Rcisentarschall erledigt. Diesem, beziehungsweise seinen Empfehlungen hatten wck es auch zu danken, daß wir überall gut Mfgenommen wurden, wie überhaupt weitgehende Gastfrcundichaft für jeden, der eingcführt ist, eine svmpathische Seile der russischen Gesellschaft bildet. Bei solchem Verkehr mußten wir immer wieder bewundern, wie rasch sich Msere Gastgeber sicmde Sprache aneignen koMtcn; der Russe, wie der Slawe im allgemeinen ist in diesem Punkte dem GerniMen und gar dem Romanen entschieden überlegen. Dafür mangelt dem Durch- schncktsrnssen aber jegliche Initiative und das zeigt sich Mch jetzt wieder im Kriege, wo dieser Gegner seine besten Leistungen in der Defensive Mfwcist. Trotzdem gerade Odessa uns herrlichstes Sommerwettcr und unvergeßliche Stunden in den nahe gelegenen Seebädern Lansherou, Klfin-Fontml und Groß-Fontan bot, atmete- doch alles aus, als es hieß; „Morgen tzehts heim nach Thüringen!" - Welche Zauberkraft liegt doch in dem bloßen Gedanken „Heimat"!' Da schreckte auch die bevorstehende Dauerreise von drei Tagen und drei Nächten nicht. Schon der Anblick der schwarz gelben, Grenzpfählc bei Podwobozvska wurde mit Hellem Jubel begrüßt, war man doch im Lande des Bundesbru-ders! Und dann vorder am jetzt schlachtum.tobten Lemberg und dem türmerrcichen Lrakair, bis bei Myslowitz die deutsche Grenze winkte. Das dreimalige Hurra, das da spMtM ertönte, kam wirllich Ms vollem Herzen!
Manch kräffiges Hurra mag auch in diesen Tagen erkümgcn sein, als unsere wackeren FeldgrMen in umgekehrter Richttmg nach Rußland hin die Grenze überschritten. Man hat sie ge- znnrngen, die Kultur mck dem Schwelle binübcrzutragen! Mögen die Jungen dafür von dieser ihrer russischen Reise Mch Höheres heimbllnge», als wir von damals, denen nur „Errnncrnngcn" geblieben. Mögen sie erobelle Mostowiteriahnlli zurückfiagm und ruhmvollen Flleden fiir ein Jahrhundert!
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— Ein historisches Dorf. Der kleine Ort Bötheny, den Msere Truppen beim Vorgehen gegc:, Rerms am 21. Sept. genommen haben, ist trotz seiner geringen Einwohnerzahl von iiur 1000 Menschen eine Stätte, die in der Geschickte eine Rolle gespielt hat rnid deren Vergangenheit sich durch Jrhrtauscndc zu» rückvcrfolgcn läßt. Bereits zur Römcrzcit bcuand hier eine An- siedlmig, die den Ülamei, Bctheneium trug; noch früher scheint an dieser Steile ein l>cscstigtcs Lager Beniilacum bestanden zu haben, Tie tätige archäowgische Gestlljchast von Reims l>ar auf dem Gebiet von Bstheiry systcmafische GvabMgen Dttaaftattä,


