Ich koste« das Egen, das ich tn den Baracken sah, es war da reinlich und nn'hi aecävnet, beinahe zu sehr, denn die Luft war voll von Knrbblgernch, wie in einem Hospitale Es klrngt vielleicht wunderlich, aber das Ganze mackste den Eindruck eines Irrenhauses,
AdteÜuns für ungefährliche Patienten. Diese Mömrer, die, die einen schneller, die anderen langsamer, umhcrgingen und von denen sich manche »u stniumeu Gruppen sammelten, während dann wieder hier und da einer einsam stand und nachsann: das war wirklich, als wenn man sich im Garten eines Gruses von Gcistes- krnnlen befände. Mrzu auch noch der Arzt in langem weißen Nüttel, der mit eniMlnen sprach. Wir gingen weiter, schliesslich sah ich viele, dir uni einen Tisch saßen und standen. „Sie spielen Karten," sagte nreiu Führer „sie spielen sogar falsch," fügte er mit einem Lächeln hinzu! „Wit haben deswegen zwei Russen scstgruanimen und in Zellen eingesperrt. Sic erwarten ihre Strafe
Der Kommandant zeigte mir mehrere offene, in deutscher Sprache geschriebene Briese, die mit der Post in die verschiedenen Länder versandt werden sollen. Ich habe mir einen abgeschrieben
— hier ist er: „Kleine Wanja, ich hoffe. Du erhältst diesen Brief über einen neutralen Staat Ich leide nicht körperlich. Ich leide an Sehnsucht nach Dir. Ich weine oft. Ick» denke hier, alle können Dich mir nehmen, so weit bin ich fort. Gott, unser guter Gott
— möge er mich Dich bald Wiedersehen lassen, Ich küsse Dich. Dem Iwan Petko." Ja (so fügt Björnson ivehmütig hinzu) ja, lieber Iwan, das wünschen wir alle - denn dann ist der große Friede wiedcryekchck. . .
Der erste Verkehr im Panamakanal.
Eine „traurige Ironie" nennen amerikanische Blätter die Tatsache, ,chaß d!er Pauamakanal für den Welthandel in dem Augenblick eröffnet wird, da es keinen Handel für chm gibt." Die glückliche Vollendung dieses gewaltigeit Frie» denswerles hat sich fang- und Äanglos vollzogen; die große Eröffnungsfeier hat man bis auf den nächsten Früh-, fing vertagt. „Zur festgesetzten Zeit verließ der Dampfer „Sfacotr" dae Stadt Colon," so schildert die New Horker World die Erö-ffming des Kanals, „passierte die schleusen und gelaugte innerhalb von zehn Stunden in die Wasser des Stillen Ozeans bei Panama. Innerhalb von 24 Sinn-« den hatte eine kleine Flotte von .Handelsschiffen ihre Dnrch-s fahrt gemacht. Nun liegt der Kanal offen für alle Böller der Well: unter gleichen Bedingungen. Diese Gerechtigkeit ^bedeutet einen nicht minder eindrucksvollen moralischen Triumph als der .materielle Sieg, der von den Ingenieuren Wer die Natur errungen wurde." Die Amerikaner sind voll Stütz darüber, „d«ß sie dcümrch der Welt, die durch andere BMer jetzt so viel Schaden erleidet, mit diesem Kanal ein segensreiches Geschenk gemacht haben."
DärneLen tvrü> die Bedeutung des Panama-s Parvalls für dem Krieg viel erörtert. Man betont, daß der Kanal neutral bleiben muß. „Die Kriegsschiffe jeder der Nationen, die jetzt im Kriege find, können den Kanal unter bestimmten Bedingungen benutzen; dabei ist chnen natürlich verboten, ihn zu blockieren, in ihm irgend-, ein Kriegsrecht ausznübew oder eine feindselige Handlung zu vollbringen. Fahrzeuge der Kriegführenden dürfen sich uach den Bestimmungen nicht mit Lebensmitteln oder , irgendwelchen Waren versorgen, die über das Maß hinaus« gehen, das fie notwendig brauchen. Die Durchfahrt solcher Fahrzeuge soll mit möglichster Beschleimigung erfolgen und nur mit solchen lluterbstechluigeu, wie sie durch den Dienst im Kanal erfordert^werden. Kerner der .Kriegführenden darf hier Truppen, Munition oder Kriegsmaterial einladen oder ausladen. Anszerdem wird gefordert, daß die Kriegsschiffe eines kriegführenden Staates in den um den Kanal herrrmliegenden Gewässern nicht länger als 24 Stunden bleiben, ausgenommen im Falle einer Schiffskatastrophe. Ern Kriegsschiff einer kriegflihrenden Natioit darf den Kanal nicht passieren, bevor nicht 24 Stunden seit der Durchfahrt eines Lriegsfclffffes einer kriegführenden Nation verstrichen sind."
Cm Zeldbries aus dem Osten
wird von der „R. W. Z." veröffentlicht:
Nim . . . willst Du voll mir einen Schlachtenbcricht haben, den kann ich Dir aber im Brief schlecht schilderri, doch will ich es versuchen, so gut cs geht. Nach andauernd strengen und langest Märschen kwnen wir am 25. August, abends gegen 8 Uhr, ins Biwak. Das ganze RegimeM bezog Vorposten. Das erste Bataillon, besonders (wie immer) die 1. Kompagnie, am weitesten gegen den Feind. Es war uns von unfern Dragonern gemeldet, daß er das Dorf A. schon besetzt hätte und sich im Marsch auf B. besindr. Wir befanden uns ungefähr 6 Kilometer von ?(., das nächst Dorf hieß L. Wir kochten ab. Tic Bewohner batten, alles Bi«h, Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel im Stich gelassen. Dieses lief hungrig im Felde umher. Kaum hatten wir Zelte gebaut und uns zur Ruhe begebest, als alar
miert wurde. Wir besetzten vor uns eine Höhe, von dar wir uns im Falle emes Angriffs auf das Gros znrückziehcn mußten. In der Nacht kamen Patrouillen zurück und meldeten, daß der Wald vor uns, 200 bis 300 Meter entfernt, von Russen besetzt ici. Der Patrouille waren die Pferde unterm Leibe wcggeschossen. Als es nun hell nmrde, dachten wir, die Russen würden uns an-- greisen. Wir konnten nicht angreisen, wir warteten ans die Verstärkung des . . Korps, welches endlich nach langem Warten um 7 Uhr eintraf. Auch jetzt hieß es noch für uns, ein Mann muß gegen fünf kämoscn. Als die Husaren unsere Linien passierten, meldete unsere Kompagnie dem Führer, einem ganz, zungen Leutnant, daß sie nicht werter reiten sollten, der ganze Wald sei vbn den Russen besetzt. Hierauf sagte der Leutnant zu seinen Leuten, dann wollen wir mal sehen, wo sie stecken. Im Galopp ging es gegen den Wald vor, aus dem ihnen ein mörderisches Feuer entgegen- schlug. Trotzdcu' wurden die Russen von unseren Husaren attackiert und aus dem Walde vertrieben. Unsere Leute gingen direkt wild dran und in kürzet Zeit war das Gefecht im,' Gang. Unsere Landwehr-Brigade mußte zurück. Wir wurden um einen großen See dem Feind« in die linke Flanke geführt. Einen russischen Ossizier hatten unsere Leute schon früh des Morgens gefangen. Derselbe erzählte, daß unsere Artillerie vorzüglich treffe. Gegen 4 Uhr nachmittags gingen auch wir vor. Jetzt erst begann dann das große Jnsanteric-Gefecht, bisher war es nur hauptsächlich die Artillerie, die gekämpft hatte. Die russische Artillerie und auch die Maschinengewehre schossen sehr gut. Dagegen die Infanterie schlecht. Alle Geschosse gingen über unsere Köpfe hinweg und nur wenige trasen. Der Feind wkr an diesem Tage besonders hartnäckig, er hatte sich Ibis über die Ohren eingegWben und war sehr schwer zu sehen, denn die Uniform ist auch ßeldgrpu. Tic feindlichen Maschinengewehre hatten sich gut aufgestellt und brachten unseren vorgchcnden Reihen schwere Bevluste bei. Unsere Kompagnie blieb vorläufig noch in Deckung liegen, es sollte die Sturmkonrpagnie sein. Wir brauchten niclK lange zn liegen, da kam das Signal: Seitengewehr pflanzt ans, und mit Hurra ging es draus auf den Feind. Wenn die Russen sahlm, daß sie an unsere Seitengewehre sollten, warfen sie die Waffen fort, hoben die Hände in die Höhe und ergaben sich. Es hatte in dein Reihen des Feindes viele Tote gegeben. Die lagen haufenweise, umher. In einem lleinen See war eine vollständige Brücke vor« ihren Leichen. Lange aber sollte es Mir nicht vergönnt sein^so in Reih und Glied weiter zu kämpfen, nach dem 4. und 5t Sturmi traf mich das Geschoß und ich stürzte zusammen. Ich hotte noch, der Feind flieht, dann verlor ich die Besinnung. Als ich« dairaus erwachte, war ei» Krankenträger bei mir, unter seiner Unterstützung ging ikb zn Fuß zum Verbandsplatz. Wir blieben hier liegen auf Rasen, mit einer Decke zngedeckt, bis Kunr anderen Morgen.
A«» Stadt twö
Gie ße n , 22. September 1914.
Aus dem Kclde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargcbieten.)
Unlerosf. d. Res. Postassistent Karl Henn, Jnf.-Rgt. 116 aus Romrod. — Hauptm. d. Res. n. Ober-Postpraktikant Reinhard Baum garten, Jnf.-Rgt. 118 aus Darmstadt. — Kanonier Karl Beil aus Erbenheim. — 2t. d. Res. Oberlehrer Ernst Keller, Jnf.-Rgt. 116 aus Gießen. — Bizeseldwebel b. Res. Oberlehrer Wilh. Wild, Jnf.-Rgt. 168 aus Biedenkopf. — Bizefeldtoebel Heinrich Eichhorn, Landwehr-Rgt. 81 aus Frankfurt a. M. — Einj.-Gesr. Max Herzbcrg, Zns.-Rgi. 81 ans Frankfurt a. M. — Landwehrmann August Zcier aus Frankfurt a. M. — Res. Fritz ö artmann, Res.-Feldart.- Rgt. 25 ans Groß-Bieberau.. — Landwehrmann Karl Klar, Landw.-Jnf.-Rgt. 81 aus Frankfurt a. M. — Soldat Carl Funk aus Frankfurt a. M. — Res. Robert Kaminski, Jnf.- Rgt. 117 ans Mainz. — Bizcfcßdwebel Heinrich ©ruber, Jnf.-Rgt. 80 ans Rodhcim v. d. H. — Hauptm. d. Landw. Dr. Paul Remtz aus Worms. — Kanonier Otto Betz, Art.-Rgt. 25 aus Kefenrod. — Oberl. Egon Hoffbaur, Jnf.-Rgt. 88 aus Mainz. — Hauptm. Ernst Albrecht, Gcneralstab des 9. Res- Korps «ins Wetzlar. — Untcroff. d. Landw. u. Präparanden- lehrcr im Gren.-Rgt. 6 -uis Oberkleen. — Gesr. Wilhelm Schütz, Res.-Jns.-Rgt. 116 aus Oberndorf. — Musk. Peter £ lau bl), Jnf.-Rgt. 88 ans Nauborn.
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" Psarramtsbestätigung. Die Großherzogin hat den von dem Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die evan- gelische Psarrstelle zu Ober-Mossau präsentierten Pfarr- assistenten Friedrich Müller zu Darmstadt für diese Stelle bestätigt.
** Ordensverleihung. Der Großherzog hat die Tapferkeitsmedaille seinem Generaladjntanten Generalleuts nant von Hahn verliehen.
** Ruhestandsversetzung. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Gedern- Karl Schwartz, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Menst« mit Wirkung vom 1. September 1914 an und ihm aus diesem Anlaß bas Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen.
** Aus dem Schuldienst. Uebertragen wurde dem Schulamtsasprranten August Ru hl aus Heidenfahrt, Kreis
.treu, hiell er «ms unb bewies unzählige Male den mäunlickzei» Mut, mit dem er 1808 am Geburtstage der Königin Luise, einen Blumenstrauß <m der Brust, auf der Bühne erschien, vom Publikum nminbclt: aber mul) der Vorstellung wsnrdc er dafür ver- tzasttt, ,ILüßte ich, bei längerer Dauer, um halben Gehalt dienen aber um weniger noch — auch darauf bin ich gefaßt und ohne Trauer", schttcb er damals. ,^Jch kenne nur ein llnglück, iveirn BerLn einen andern Herren erhielte! Dann kann ich hier nicht blechen. Mcht, weil ich nicht wckl, sondern iveil ich nicht kann." Bei seiner Rülkkchr erkannte das Königspaar seine Verdiwiste auf das herzlichste an und zeichnete ihn ans: er wurde Generaldirektor. Aber die ungeheure Anstrengung und Aufregung batten seine Kraft gebrochen, unb so darf man >oohl sagen, daß er, der stets ans der „Welt des Scheins" in die Well der T«ll htnausgestrebt hatte, als ein Opfer Neuer Pflichterfüllung den Tod fürs Vaterland gestorben ist.
Lin römisches Militärdiplom ans Wiesbaden.
Eine llrruuoe von vaterländischer Bedeutung, die zugleich eine wichtige Geschichtsgnelle für die Kämpfer der Römer mit den alten Germanen darstellt, ist das römische Militärdiplom des Kaisers Despasian, das als erster Ankauf der neugegründeten „Bereinigung der Freunde an- -iker Kunst" für das Berliner Antiquarium erworben lvurdc. Im neuesten Heft der Amtlichen Berichte aus den königlichen .kmustsamnilnngen würdigt Professor Wiegand dies "interessante Dokument. Die Urkunde, die in Wiesbaden nabe dem einstigen Rönrerkastell zum Vorschein tam, besteht aus zwei auf beiden Seiten beschriebenen Bronzeplatten von 19,3 Zentimeter Höhe, 15 Zentimeter Breite und 2 Millimeter Dicke, die durch einen Drahtverschluß aus Bronze zusimrmenqehalten werden. Me jetzt verlorenen wächsernen Siegel von sieben Zeugen waren durch ein halbzhlindrisches Bronzeblech geschützt. Me große Bedeutung dieses Diploms für unsere rheinisch-römische Geschichte besteht darin, daß hier Ereignisse, die uns bisher nur aus der Germania des Taeitus überliefert waren, durch eine mit den Vorfällen gleichzeitige Originalurkunde bestätigt werden. Nach dem siegreichen Vordringen der Germanen und der Zerrüttung der römischen Militärverwaltung um die Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts sandte Bespasian im Sommer 77 u-Ehr. die niederrheinffchc .Armee, durch spanische Trup
pen verstärkt, zil einem energischen Vorstoß Mer den Rhein. Es gelang den Römern, bis an die Ems vorzudringen und dabei auch die berühmte Seherin Belcda gefangen zu nehmen, die dann im Triumph-zng des Imperators durch Roms Straßen geführt wurde. Ans dem Wiesbadener Mili- tärdiplvm erfahren wir das genaue Datum dieser Kämpfe, höre,: von der besonderen Auszeichn «mg eines tapferen gallischen Reiters Tertius und vernehmen, daß die Originalurkunde dieses Mplo-ms, also das eigentliche Edikt des Kaisers, in Rom angehesiet wurde „aus dem Kapitol, hinter dem Hause des Romulus," einer pietätvoll erhaltenen Hütte im Bezirk des Fupitertempels. Me Ueber- setzung des Diploms lautet: „Der Imperator, Läsar Bespa- sianus Augustus, Pontifex maximus mit tribunizischer Vollmacht zum neunten Mal, Imperator zum neunzehnten Mal, Vater des Vaterlandes, Zensor, Konsul zum achten, desig-, nierter Konsul zum neunten Mal verleiht hiermit: Den Reitern und den Fußsoldaten, die in den sechs Schwadronen der Norici, Sigulares, Mvesica, Afrorum veterana, Si- liana, Dulpicia sowie in der Cohorte I Flavia Hnspanorum in Germanien unter Quintus Julius Cordinus Ruttkius Gallicus Kriebsdienstc tun und sünfundzwanUg oder mehr Dienstjahrc hinter sich haben, deren Namen auch unten vermerkt sind, dcis Bürgerrecht für sie selbst, ihre Kinder und stkachkomnren sowie das Eherecht für die Frauen, die sie zur Zeit der Verleihung des Bürgerrechts hatten oder, falls es Unverheiratete sind, fiir die Frauen, die sie später heiraten, wohlverstanden in jedem Ernzeffalle. Gegeben am 15. April unter den Konsuln Novius PriseuS und 2. Gio- nius Eommodus. An die Moesische Schwadron, zu Händen des Präfekten Titus Staberius Secundus, Sohn des Titus von der Tribus Quirina sür den Soldaten Tertius, Sohn des Marcus an? Trier. Wgescchrieben und geprüft nach der Erztafcl, die zu Rom angebracht ist im Kapllol hinter der Hütte des Romulus." Der Soldat Tertius, dem mit anderen Tapferen hier die große Bergünstigung des römischen Bürgerrechtes für si«ch und seine Nachkommen und die Möglichkeit einer sonst den Soldaten nicht gestatteten rechtsgülttgen römischen Ehe gewahrt wird, hat sich augen- scheinlich als Veteran in Wiesbaden angekauft, und «rus seinem Anwesen unweit des Kastells stammt das Diplom.
Bingen, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Lürer^Völl» stadt, Kreis Friedberg.
** Rotes Kreuz. Für die Verwundeten bittet das Rote Kreuz um Stiefel, Stöcke und schivarze BeinlleKer. Die Sachen können in der alten Klinik abgcliefert werden.
**HerrenloscrJagdhund. Bei Großh. Polizeiamt ist ein junger Jagdhund als herrenlos eingeliefert war» den, der Eigentümer kann ihn dort in Empfang nehmen.
** D a s Gro ßhe rzo gliche Hessisch« Reg-ve- rnngsblatt Nr. 33 von Darnrstadt, 18. rSeptember, enthält: 1. Wiederaufleben des Hessischen Militär-Sanrtäts-Kreu- zes vom 25. August 1870 betteffend. — 2. Bekanntmachung, Aendernng der Postordnung voni 20. März 1900 betteffend. — 3. Bekanntmachung, bettepend Verbot des vorzelligen Schlichtens von Vieh. — 4. Bekanntmachung zur Ausführung der Verordnung des Hundesrats vom 11. September 1914, betteffend das Verbot des vorzeitigen Schlachtens vvn Pich. — 5. Berichtigung.
Kreis Schotten.
- Eichel8 dors, 21. Sepi. Ilnleroifizier Wendelin Baur vo» hier, der beim Inlanterie-Regiment Nr. 83 in Kassel dient, hat sür vorzüglichen Ansklärungsdienst bei Lüttich das Eiserne Kreuz erhalten.
Kreis Wetzlar.
X K i n z e n b a ch, 21. Sept. Der Winierschuldircktor Dr. K och ans Wetzlar hielt am gestrigen Sonntag bei Gastwitt Ludwig Pensch eine» Vorirag über e r b st d ü n g u » g und Fütterung unserer Tiere w ä h r e n d des Winters', zn dem sich ca. 50 Zuhörer eingesunden hatten.
Hessen-Nassau, h. Frankfurt a. M., 21. Sept. Der grüßte Umzug, den Frankfurt bisher zu verzeichnen hatte, twrr die jetzt beendete Uebersicdlung des Polizeipräsidiums vom alten Hause in das neue Heim. Das mit dem Umzug bttraut gewesene Transportgejchäit H. Delliehausen brauchte dazu 10 Tage Und rund 120 große Möbelwagen.
h. Frankfurt a. M., 21. Sept. Ein Antrag der städtisän» Lebensmittel-Versorgnngskomuttssion aus Bewilltgung von 106 009 Mark für den Ankauf von 1000 Schweinen wurde von der großen KrieKkommission abgelehnt. Me Schweine sollten be: den gegenwärtigen billigen Preisen abgeschlachttt und als Gefrrersteisch auilewahrt ivcrden. Nach Abzug aller Unkosten hätte das Pfund Fleisch im Verkaus 75—80 Pfennig gekostet Me Kricgskommisswn leh«rrc den Anttag aber mit der Bcgttindung ab, daß mit dem Geftterfleisch ein zu großes Risiko verbunden sei unb daß 1000 Schweine bei dem großen Fleischbedalfe Frankfurts nichts zu bedeuten hätten.
h. Frankfurt a. M., 21. Sept. Da das Rhein-Mai- nische Verbandsthcater unter den gegenwärttgen Umständen sttnen Bttrieb nicht auftecht erhallen kann, beschloß die Verbandsleitung die Einstellung des Unternehmens. Die Mnstlerschast des Theaters ist durch dieic Maßnahme in eine mißliche Lage geraten.
h. Vom Main, 21. Sept. Als Sonntag nachmittag ein Lazarettschiss aus dem Main an dem Torfe Okriftel vorbeisnhr, wollte der 22jährige Heinrich Rink von einem Boot aus den Verwundeten Liebesgaben übergeben. Dabei kentcrte das Boot. Der junge Mann ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werdcg konnte.
Der 300-Mi8lardeMrieg.
Amerikäniichc Blätter haben die tägticheü Kosten des Weltkrieges auf 200 Millionen Vttrrk geschätzt. Der bekannte Physiker Nikola Tesla hält jedoch diese Summe für viel zn nirdttg. und kommt ans Grund einer eingehenden Bercchnimg bahin, daß die täglichen Kosten sich auf mindestens 1500 Millionen M«rrk belaufen, wobei er die Kttegsdaner mit 6—7 Atonalen, rnnit 200 Tagen ansetzt. Die täglichen Kosten der militärislhen Operationen schätzt Tesla allerdings auf nur IM bis 120 Milkivnvr Mark, wobei nach seiner Ansicht 20 Millionen Soldaten im Feld stehen. Größer sind schon die Verluste an privatem und ^02»' lichem Eigentum, wozu er auch den täglichen Verbrauch vvn Kriegsmaterial aller Art, einschließlich der Geschosse rechnet. Arsen Posten beziffert Tesla ans 200 bis 300 Atillionen Mark. Der Schcidcn, den Jndnsttie und Handel durch den Krieg etteid«, nimmt er dann mit 20 bis 30 Prozent des gesamten stieichttwii der am Krieg beteiligten Völker an. Da sich dieser Natwnap rcilchtum nach seiner Schätzung auf 12M Millarden bckäust, kwm der Verlust sich nicht unter täglich 4M Millionen bewegen. Sodann erleidet der Nationalreichtum der Völker aber selbst ttn« nicht unbeträchtliche Einbuße, die Tesla mit 10 Prozent in Anrechnung bringt, ivas täglich 660 Millionen Mark ergibt. MS letzten, echt amerikanischen Posten fühtt Tesla den Bettust an Menschenleben nmgcsetzt in Geldeswert <mi. Im Balkankrieg belief sich die Zahl der Toten sowie der an Munden und Seuchen erlegenen ans 25 Proz. der Gesamtstreitkrästc. Für den Wellknez ivill Tesla bei der höheren Kultur der nnsteuropäischen Mächde,^ die Kriegsseuchen leichter verhindern können, nur 15 Prozent in Anrechnung bringen. Also 3 Millionen Menschen würden dem Kttcgc erliegen. Da Tesla das einzelne Menschenleben mit 10 000 Ml bewertet, würde dies eine Gesamtsumme von 30 Millionen ergeben. Diese 5 einzelnen Posten zusammengezählt, ergeben die täglichen Unkosten des Wellftieges mit nahezu 1500 Millionen Mark. Btt ttncr Kriegsdauer von 200 Tagen tvürde also der Kriea allen daran betttligten Völkern 3M Alilliardell^ d. h. ein Viettel ihres gesamten Nationalrecmögens kosten. Unter den günstigsten Umständen kann, wie Tesla 'meint, diese Summ« erst in 40—50 jähriger schwerer Arbeit von den betrossimen Staaten wieder ttngebracbt iverden. Ein halln's Jahrhundert mÜMe ■ also vergehen, che die Wiumden des WcltkttegcS wieder geheilt sind, vorausgesetzt, daß er nur ein halbes Ja hr dauert. ___
Der Krieg und die ammtanische Vücherwelt.
Unter den Handelsziveigen, die in Amerika durch den Krieg schwer geschädigt werden, befindet sich ancki der Bucker» markt. Dabei kommt es weniger in Betracht, daß die Bereinigten Staaten von dem größten Zinnliefercrnten her Welt, von England, abgeschntttcn werden und daß dadurch die MctälltNpen der Setzmaschinen eine große Teuerung erleiden. Biel wichtiger ist, daß es Amerika auch allnrählich an gewissen Papiersorten fehlen dürfte. Die Vereinigten Staaten sind zwar zugleich Exporteure und Importeure von Papier, und zwar halten sich Export und Import die Wagschale, sic betragen etwa 10M Tonnen täglich. Aber zum Unglück für den Buchhandel besteht der Import zmn großen Teck in Buchpapier, und deshalb dürfte bald in allen Papieren, die zum Druck von Büchern verwendet werden, eine beträchtliche Teuerung eintreten. Ein großer Teil der Bücher, die ans den amerikanischen Markt koinnren, ist in England gedruckt, so besonders viele illustriette Prachttverke und zahlreiche wissens«chaftliche Bücher. Ae Amerikaner, die nun im wesentlichen auf die elgerre Bücher« Produktion angewiesen sind, werden Angen machen, so meint die Ehagaoer Eventtrg. Post, wie verändert die Bnchläden bald auSsehcn werdewund welch eine weitgehende literarische Umwälzung damit etngelettet ist. „Der Charakter der Romane und Dichtungen, die jetzt gedruckt werden, wird sich von Grund auf verändern, denn man will nur noch Kriegs« geschuhten hören, und eß ist sehr zweifelhaft, ob bei dieser Nachfrage die wertvolle Literatur siegt. Auf der andear Seite kann man aber hoffen, daß die bedeutenden Achter hier einen ihrer würdigen Stoff finden werden und ihn zu wirklich vlnstlerischen Dichtungen gestalten künnar" Blicken so die Buchhändler und die Leser Amerikas no* Trauer auf die Folgen des Krieges für den Blichermarkt,
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