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Rr. 2 IQ Zweiter Blatt t64. Jahrgang

Loschen,! lägiich mit Ausnahme des Sonntags.

DieStetzeaer Zaniilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegh das Xreisblatt für -en Kttis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen z«it-

fraze»" erscheinen monallich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Freitag. l8. September *9^

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitcits - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Kebaftiome^lK. Tel.-Adr.:AnzcigerGießen.

Rnegsdriefe mi$ dem Westen.

Von unserm KMgsbersthterstatter. stdchrrrchkigtll Nachdruck, auch ausNigsweise, ver-oten,)

Dir rückwlinigrn Verbintzlurgen,

Großes Hnup t gnar tie r, 11. Septcinber,

Auf dem Wege zwischen den Armee-Oberkommandos und den kämpfenden Fronten, den wir Kriegsberichterstatter im 'Westen nun schon mehrere Male in den verschiedenen Derlen des Krirgsgebietes von Belgien bis zu den Bagesen haben durcheilen können, bekommt man einen Begriff davon, was baS heißt: Die rückwärtigen Verbindungen. Die rückwär­tigen Veckbrndungcn, ioelche in der modernen Kriegsgeschichte -eine so große Rolle spielen, durch deren Versagen Napoleon in Rußland feine Weltherrschaft zlffainmetchrechen lassen mutzte, deren MangelHastigkeit den rassisch-japanischen Krieg Junngunsten der Russen entschied und die im Balkankrieqe das Schicksal von Armeen bedeuteten. Unsere deutschen rück wattiger, Verbindungen versagen nicht!

Die Vorstellung, die man sich von den reisigen Kriegs- ^rgen älterer Zeit macht, trifft heute nichtlehr zu. Wie der Heerwurm, der in seinem Namen einen seit mehr als 'hundert Jahren veralteten Vergleich bewahrt hat, bohrten stütz die Armeen des Mtertnms und des Mittelalters, selbst Die Massen, die der Dreißigjährige Krieg in Soldatenstiesel stockte, in das feindliche Land ein und suchten dessen Herz und Lebensadern zu treffen. Wollte man in uifferenr naturge­schichtlichen Zeitalter einen dem Sprachgeb rauche und Einp- ffinden einstweilen weniger geläufigen, aber der Wirklich- fkrrt näheren Vergleich für das Gesamtbild des modernen Äcieges siiü>eu, so müßte man an schwammartige, ungeheuer hchnetl wachsende hsebildc denken, welche von ihren Wurzel- Punkten im Baterlande aus sich über die feindlichen Grenzen ausdehn,'» und das gesamte Angrifssgebict überwuchern und Hudeckrn Zwei solche Schwämme wachsen gegeneinander an. Bald zeigt sich, wo der eine dank seiner energischeren Kon­stitution und Säftezu-fuhr den andern unterkriegt, bis schließe sich der Kampf ans einzelnen Gebieten und zuletzt auf der ganzen Linie entschieden ist und das Feindesland zugedeckt .ist durch die lebenssähigere Energie des Angreifers.

Ich weiß sehr wohl, daß es für die landläufige Auf­fassung nichts weniger heroisches, weniger kriegsmäßiges gibt, als diesen Vergleich, aber na tu rwiss enschastll ch betrach­tet und wir glauben doch fest, daß die Natur aller Dinge Lehrmeister fft liqgt in der Heranziehung der ewigen Winpse ums Dasein ch der niederen Lebenswelt nichts errt- >«rdigeudes für einen so fech organisierten, mit so emp­findlichen Nerven und so voMlirtigen Adern ansgestatteten Kriey, wie wir ihn jetzt entsprechend der Höchswusbilduug, rueuschlicher Waffenkunst führen.

Die Adern uud Nerven oder, welche die Lebenstätigkell der vorgeschobenen Kampfe Schon t regeln und ermöglichen, das fft das, ioals im Heere mjit denrückwärtigen Verbin­dungen" bezeichnet wird. Ihr Zweck ist, die Lchbagfertigkeit der im Entscheidungskanipse befindlichen Druppe dmiernd auf 'derselben .Höhe M halten. Geschütze können unbrauchbar werden: Das darf uns nicht aufhalten. Aus den rückwärtigen Verbindungen heraus muß sich sofort Ersatz in die Front einschieben. istach heißen Kampfesstunden kann sich, die Mu­nition erschöpfen. Unerschöpflich muß aus den rückwärtigen Verbindungen der Ersatz nachqliffllen. Die Verpflegung von Menschenmasscn, die in Friedenszeiteu eirr für die ihrer Kopfzahl entsprechenden Großstädte nur mit Kopfzerbrechen sorgfältiger und zeitraubender Erwägung der wirtschaft­lichen und verkehrstechnischen Möglichkeiten zu lösendes Problem fft, diese Verpflegung muß hier aus dem vollen heraus und mit einer keine Stunde versagenden Pünktlich­keit herbeigeschasft werden. Ein alter Grundsatz besagt, daß keine Verpflegung teurer ist als eine schlechte! Die Feldpost stellt sich als ein vom Standpunkte der reinen Notwendig­keit vielleicht luxuriöses, in ihrer Bedeutung für die mora­lische Fertigkeit der kämpfenden Truppen aber ungeheuer loichtiges Zwischenglied der rückwärtigen Verbindungen dar.

Dann liegen den rückPärfigen Verbindungen noch die kaum weniger wichtigen Rücktvansporte ob. Die dem Feinde ab- genommcnen Beutestücke, die Gefangenen, daun die eigenen Verwundeten und Kranken, das unbrauchbar gewordene Kriegsmaterial, kurz alles, was in der Front hinderlich wir­ken könnte, das muß nach hinten abgeschoben werden.

Daraus ergibt sich hinter der Front ein unablässiges Hin- und Herfluten von Kolonnen, die ununterbrochen in den Kriegsgebieten vorwärts und rückwärts ziehen. Das Etappenwesen, dem die hier geschilderten Ausgaben obliegen, ist bei aller Robustheit, die seine Leistun­gen erfordern, ein wahrhaft künstlerisch fein durchdachter Organismus, der ganz für sich zu wirken scheint und iu Wahrheit doch rmr im Anschlüsse und Dienste der kämpfen­den Heereskörper wirkt.

Das Etappenwesen zerfällt hanptsächl-ich in Met Ab­teilungen, in die des Operationsgebietes und des weiter rückwärts liegenden eigentlichen Etappengehiedes. Die Grenze zwischen beiden" wird nach der augenblicklichen Kriegslage vom Armee-Oberkommando bestimmt. Bei der Zahl der Truppen und der Ausdehnung des Kampfgebietes im modernen Kriege wird selbstverständlich nach RLüglich- keit die Eisenbahn verwendet. Daraus erllärt sich, mit wel­cher Planmäßigkeit unsere Feiride, besonders die Russen, ver­sucht haben, auch nach dem Aufmärsche noch unsere Bahn­linien zu zerstören. Daraus wird- ferner verständlich, mit tvelcher Wachsamkeit wir die für uns wichtigen Bahnlinien im Feindeslande, sobald wir sie in Händen haben, durch ununterbrochene Postenketten zu schirmen suchen, sowie die wohlvorbereitete Schnelligkeit, mit der wir die vom flüch­tenden Feinde zerstörten Eisenbahnen wieder betriebsfähig machen.

Jedes Armeekorps besitzt zwei Munitionskolonuen-,Ab-> teilungen, deren jede zwei' Jufanterie-Munitionskolonueu und vier Artülcrie-Munitionskolonnen enthält. Ferner ver­fügt jedes Armeekorps üiher eine entsprechende -Anzahl von Fußartilleriekolonnen.

Die rückwärtigen Verbindungen erstrecken sich von den känipsenden Fronten bis tief hinein ms Vaterland. Sie stellen, wenn man sie aus der Vogelschau betrachtet, ein ununterbrochenes Netz zwffchen den: Heimatsgebiet und den in Rußland, Belgien niro Frankreich vordringenden und fechtenden Armeen dar, in dessen Adern in gleichmäßigem Takffchlage die Zufuhren und Rücktransporie pulsieren. Tief im Innern von Deuffchland beginnen die Kanüle, die an täglich vorgeschobenen Platzen fern im Feindesland münden.

Auf den Fahrten im Rücken der kampfenden Heere er­kennt man an den alle Straßen in langer Kette bedeckenden Kolonnen, ob man sich iwch fern der Frpnt oder ihr schon ganz nahe befindet. Es sind da drei Glieder der Kolonnenbewegungen deutlich zu unterscheiden: die EtappeuLollonuen, oie Proviant- und die Fuhr­park k-olon n ein. Die Tiefe eines aus einer Straße mit Sicherunasabständen vormarschierenden Armeekorps betrögt einschließlich aller Kolonnen und Drains etwa 60 Kilometer, d. h. rund zwei Tagesmärsche. Da sich' nun der Weg und die Zahl der gebrauchten Kolonnen ganz nach' den jewelligen Bedürfnissen der Truppen richten, so kann es' leicht vor-» kommen, daß auf einer Straße zeitweilig sehr viel Wagen mehr zurück als vorwärts fahren. Oder es kann geschehen, wenn z. B. nach- Anlage eines neuen Feldmagazins die Wagen cm einem vorgeschobenen Punkte abgeladen sind, daß dann in einem Durchfahrgebiete viele Kolonnen rück­wärts ziehen, um neue Last aufzunehmen. Dieses Rücksahren ist nachgewiesenermaßen sowohl in Belgien wie in Frank­reich von den Einwohnern wiederholl mißverstanden worden. Sie glaubten, da sie gleichzeitig aus allen Nachbarorten die Meldung von lauter rückwärts gerichteten Kolonnen- zügen erhielten, daß die Deuffchen geschlagen seien und sich auf der Flucht befänden. Dieser verhängnisvolle Irr­tum, gemeinsam mit den von den feindlichen Regierungen verbreiteten Lügenmeldungen über große Siege der Russen nsw. hat wiederholt Anlaß zum 'Ausbruche von Frank-, tireurunrnhen gegeben

Zranzösische Mauerliteratirr in Ariegszeit.

Wieder sind die deuffchen Heere bis in die nächste Nähe von Paris vorgedrnngen, ivieder ist die französische Regie­rung aus ihrer Hauptstadt geflohen, und wieder beginnen die Franzosen in ihrem ohnmächtigen Zorne sich ganz wie vor 44 Jahren in großen Worten zu ergehen: der Kehrreim dieses Maulheldeillumes ist der gleiche wie einst: Frank­reich verteidigt die Kultur, Frankreich hat den Frieden ge- ioollt, aber das barbarische Deuffchland will nun Frankreich, den Hort der Zivilisation, zerstückeln. Sv entsteht eine neue Auflage der Hetz- und Aufrufsliteratur, wie sie 1870 in Form von Maueranschlägen in Paris und in ganz Frankreich gang und gäbe wac. Mit Bertausclmng einiger Namen hätte das folgende Stück aus dem Jahre 1870 auch heule verfaßt sein können:

Wie alle Welt weiß, ist der Piruhenköirig weiter nichts, als ein alter Haudegen und eingefleischter Soldat. Unzugänglich oder als Herrscher voll von angeborenem Haß gegenüber dem höheren Stre­ben unserer Zest, ist er unfähig zu begreifen, daß es noch etwas Erhabeneres als militärischen Ruhm gibt. Dieser Mann rückt nun gegen Paris heran. Seine beiden Helstrshelscr, Bismark lohne c) und von Molke (ohne t), die bekanntlich die rückwärts schreitende Politik des Krieges und ebenso unmenschliche wie mittelalterliche Ideen verkörpern, sind dazu da, mn diesen Apostel des Absolu­tismus, diesen gekrönten Feind der Republik und zweiten Herzog von Braunscbweig zu leiten, der aber glücklicher ist, als sein Vor­gänger vom Jahre 1792. Mit ihm naht das feindliche Heer, be- sehligt von deuffchen Fürsten, Edlen und Krauffnnkern, die daran gnoöhnt sind, einzig und allein das Waffenhändwerk als ihrer würdig zu betrachten. Für sie ist das Heer nur dazu da, um ihnen euren unverschämten Triumph zu veffchasse». die Republik zu er- niedffgen, ja womöglich zu stürzen, Frankreich zn verheeren und die Kassse Preußens mir Summen zu füllen, die sie nach altpreußischer Uebcrlieferung für ihren nächsten Krieg anfsparen werden."

Zu dem eigentlichen Inhalt diesesAufrufes der Repu­blik des Abendlandes", der am 10. September 1870 erschien, kommt der Verfasser erst nach vielen weiteren großen Wor­ten. Eine Reihe weiterer Blüten, die O. Simon in seiner reichhaltigen Sammlung verzeichnet, seien herausgegrifsen. Alle haben die größte Aehnlichkeit mit den jetzigen Ausrufen und Protesten Frankreichs. Was tat Preußen 1870? Nach einem Ilnsrof vom 3. Oktober 1870 (Urteil" überschrie­

ben) brach es in die friedliche Bürgerwerkstall, in der sich eine erhabene Schöpfung gerade vollendete, durch Verrat, Feuer und Schwert herein, brichtdadurch mit dem Westen Eurovas, lehnt sich gegen die große Völkergemeinschaft, die den Fortschritt der Menschheit verkörpert, auf, verleugnet und beschimpft die Zivilffation und wird von der Menschheit in Acht und Bann getan.... Dieses Verbrechens hat sich Deutschland schuldig gemacht. Völker des Westens: Ita­liener, Spanier, Engländer, die ihr insgesamt Mitglieder jener großen Republik seid, in deren Schoße seit Jahrhimder- ten die Anschauungen, Sitten und Einrichtungen, die die Welt beherrschen, zur Reife gelangten, wollt ihr einen solchen Frevel dulden?... Infolge seiner barbarischen Gelüste und unbezähmbaren Raubsucht, sowie der von ihm begangenen Diebstähle, Verbrechen und Mordtaten wird Deutschland Hiermil für vogelfrei erklärt und darf auf den Schutz der Gesetze kernen Anspruch mehr erheben. Möge der Fluch der Well dieses Land treffen und sein Geschick sich bald erfüllen ...." Es kam aber anders:Die Stunde des Sieges oder Todes hat geschlagen!" so beginnt ein etwas späterer Aufruf,der Enffcheidungskampf hat begonnen. In unseren reichen Provinzen wird von den Barbarenhorden des zweiten Attila alles hingeschlachtet, geschändet, eingeäschert und ver­wüstet. Sic erfreuen sich sogar, Paris, die heftige Stadt, die Hauptstadt der zivilisierten Well, zu bedrohen!"

Je mehr die französische Herrlichkeit sich ihrem Ende näherte, desto wüster wurde der Ton der Aufrufe und so heißt es im Februar 1871:

Wollt ihr emtz wie ein verächlliches Stück Wild das Fell Über die Ohren ziehen lassen? Wer schweigt, willigt ein. Aus Liebe zum Vaterland weihten sich die Römer den Göttern der Unterwelt. Wollen wir Pariser uns um der Ruhe der Welt willen dem Gotte der Schande weihen? Wer schweigt, wMgt ein. Schon rüstet sich der preußische Nebukadnezar, um sich vor unseren Gat- ffnnen, Töchtern und Bräuten zu brüsten. Zur Verherrlichung dieses Festes hat ihm sein Eunuche Bismark (ohne c) eine deutsche Anweisung im Welle von mehr als einer Milliarde vorgeschossen. Denn soviel wird uns diese Orgie kosten. Sollen die Preußen unser Hllm verwüsten? Wer nichts erwidert, willigt ein . . ."

Das Tollste vom Tollen rst schließlich ein Beschluß der französischen Freimaurerlogen, der im März 1871 in Lyon gefaßt wurde:

Das Generalkommando kennt zn jeder Zeit die Stel­lung und die Bewegungen der Kolonnen ebenso genau wie die der marschierenden und kampfenden Truppen und bleibt auch mit den Kolonnen in jedem Augenblick in voller Verbindung, so daß es deren Verschiebung stets in der Hand hat. So wichtig sino die rückwärtigen Verbindungen, deren großzügige uni» doch bis in die kleinsten Einzelheiten, bis zum Hufbeschlag jedes Pferdes und zur Nabe icdes Wagenrades durchgcarbellete Organisation ihr volles Teil dazu beiträgt, um unsere Truppen so schlagfertig zu er­halten, wie sie es bisher aus ihrem Wege bis an die Tore von Paris geblieben sind.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Cm Brief des Bürgermeisters von 5aarburg i. 5.

Unter Berufung auf §11 des Reichsgesetzes über die Presse ersucht uns der Bürgermeister der Stadt Saarburg in Lothringen um Veröffentlichung folgender Aussichrüngen. Wir wissen zwar, daß eine Berufung auf das Pressegesetz hier nicht angängig ist und daß es sich um keineBerichti­gung" im Sinne des Gesetzes handelt. Wir geben aber dic Ausführungen im Interesse einer Klärung gern wieder, ob­gleich der Verfasser sich einiger Krcfftausdrücke besser hätte enthalten sollen. Das Verhallen mancher Einwohner Saar- burgs bei der Besetzung durch die Franzosen bedarf wohl noch der Klärung durch eine amtliche Untersuchung. Aus der Ver­öffentlichung in Nr. 210 unseres Blattes war hervorgegan­gen, daß der Verfasser dic Stadl Saarburg schon von 1871 her kannte und seither dic wetteren Verhältnisse ebenfalls aus eigener Anschauung kennen gelernt hat.

Der Brief des Bürgermeisters lautet:

In Nr. 210, zweites Blatt des Gießenn Anzeigers vom Dienstag, den 8. ds. Mts. knüpst der Verfasser eines AllikelsDie Schandtaten in Saarburg iu Lothringen" an die Behauptting, dre Franzosen hätten gelegentlich ihrer dlnwesenh.nt !?iernntll Füh­rung von tothllngischen Einwohnern die Wohnungen der deutichär Ofsizierc und Beaniten zerstört und geplündert" eine Reihe mm Betrachtungen, die ebenso unllchffg zrnd boShast sind wie jene Behauptung selbst.

Was zunächst dic Zefftörung von Wohnungen mrgeht, ist folgendes zu bemerken: Die Franzosen bezogen keine Ooortiere. lagerten vielmehr auf den Bürgefftllgen der Tttaßen. wo sie Stroh ausgebreitet hatten. Sie drangen daher' säst ausschließlich nur m solche Wohnungen ein, deren Leersteheu sie von ihrcm Lagerplätzen aus bemerken komiten: in anderen Häusern beschränkten sie sich meistens aus die Zerstörung von .Telephon und Klingelanlagen. Daraus erklärt es sich auch, daß in einer Reihe von Sttaßen, die von Franzosen znm Lagern nicht benutzt wurden, Beschädigungen an Oisiziers- und Beamienwohrmngcn nicht ober mit in ganz beschränktem Umfang vvrkamen.

Die Annahore einer Führung durch ortskuirdigc Einwohner erschien daher von vornherein wenig wahrscheinlich. Als daun dre auch in dem in Rede stehenden Artikel enthaltene BehaupttmA austauchte:Saarburger Bürger" seien so gemein gewesen, die bestialische Zerstörung von zurückgcsassenem Dllvateigentnm von Beamten- und Ofsizierssamilien zu veranlassen,wurde eine Untersuchung durch das zuständige Kllegsgellcht oorgenommen. Ein Beweis für die ungeheuerliche Behaupttmg fft in keüier Weise erbracht worden. Hiermit fällt auch dll geradezu niederlläckstige Vorwurf:die besseren Teile der Bürgerschast und des Gemcinde- rats hätten dieser bestialischen Zerstörung untällg zugesehni", in sich zusammen. Auch die unvornehme rhllorische Frage: .hatten sie kein Mitleid mit den armen Ttzrauen, die ihr Eingebrachtes, teure Erinnerungen, alles was sie zu einem geordnllen Fmnilien- leben brauchen, nun in Trümmern und Feyen wiedersinüen?", hätte sich der Herr Einsender füglich sparen können.

Es ist übrigens nur schwer cffichtlich, wie ich als Bürgern meister und die Herren des Gememderats, die mit mir von 'An- sang der Franzoscnherrschaft an in Haft auf dem Bürgermeistllamt zichringen mußten, diesen Schutz gegenüber einem Feinde hätten gewähren sollen, dll uns mit Bajonett und geladenem Gewehr in Hast lnelt. Was ich tun konnte, habe ich gelmi: Ich l>abc den französischen Kommandanten, dem ich bei mcinn Verhaslnng vor- gefühll wurde, dringend um Schutz für Leben und Eigentum dll Einwvhnll gllictcn.

Im übllgcn schllnen die Bettachtungen des Herrn Effscndlls übll die Schandtaten in Saarburg mir als Rahmen dienen zn

Wilhelm >md snne beiden Genossen, Bismarck und Moltke. die Geißeln der Menschhnt, durch ihren unersättlichen Ehrgeiz die Ur- hebll so vieler Räublleien, Brandstiftungen und Mordtaten, werden wie drei tolle Hunde für vogelsrci erklärt. Allen unseren Brüdlln in Deutschland und auf dem ganzen Erdenrund ist die Vollstreckung des gegllvoärngen Beschlusses aufgctragen. Für jedes dll drei vllurteilten ivilden Tiere wird eine Million Fran­ken erworben, die von den sieben Großlogen an die Ausführendert odll dllen Erben bezahlt werden."

Deutschland der Medizinmann der Welt. Aus Christiania wird uns geschrieben: eine eigentümliche und peinliche Folge, die dll Weltkrieg für Norwegen - und auch iür die arrdllcn neuttalen Ländll Skandinaviens mit sich geführt hat, ist der Mangel an Medizin, und überhaupt an allen Erzeug- irissen zur Krankenpflege. Diese Arttkel wurden nämlich bisher zu ganz überwiegendem Teile aus Deutschland geliesett: jetzt aber stockt die Liesllung vollständig, weil deutschllseits die Aussuhr aller Erzeugnisse dieser Art wöbrend dll Dauer des Krieges verboten worden ist. In Norwegen ist nun über den voraussichllichen Mangel an Medizinen, Vllbandsswsfen usw mit dem man zu rechnen hat, lebhafte Beunruhigung cingettllen, und man hat den Beffuch ge­macht, ob man nicht aus Amllika Ersatz schassen kann. Es wurde dahll ein Ausschuß von 3 norwegischen Fachleuten nach Amerika mit dem Austrage gffandt, doll möglichst umiangreiche Einkäuje für die norwegischen Apotheken zu machen: auf diese Weise hätte also Amllika auf diffem Gebiete als Lieferant an Deutschlands Stille treten können. Diese Sendung ist jedoch, wie man jetzt er­fährt, mißglückt. Zunächst nämlich erwies es sich, daß die Preise aller ?loothekllivoren in Amerika llwo ö0 v H, höher waren als in Norwegen. Ülbll selbst wenn man diese hohe» Preise hätte zahlen wollen, so hätte man doch nicht die nötigen Waren einkausen kön­nen, da nämlich auch Amerika für dieses Gebiet sich dauplsächtich aus die deuffche Einfuhr angewiesen sieht. Für die Mehrzahl der .Kulturländll ist eben Deutschland in Friedenszcitcn der große Me­dizinmann. Borläusig hilft man sich nun in Norwegen, :oie man eben kann. Alle Aerztc sind angewiesen worden, mit Medizinen und Verbandsstoisen so sparsam wie möglich umzugchcn, und inan merkt auch bereits bei Einkäufen in den norivcgischen Apotheken, daß diese Anweisung befolgt ivird. Inzwischen wird vllmullich dic norwegische Regierung siä> in Deutschland um die völlige oder teilweise Aufhebung des deutschen Ausfuhrverbotes bemühen ob mit Erfolg, ist sreüich bei den gegenwälligen Verhältnissen nicht abzusehcn.