6rin Kaiser Wilhelm-Platz in Agram.
(WTB.) Wien, 16. Sept. Nichtamtlich.) Die „Süd- slaivrsckzc Korrespondenz" meldet and Agram: In einer der.nächsten Sitzungen des Gemeinderats wird ein Antrag eingebracht werden, einem, der schönsten Plätze Agrams den Namen Kaiser Wilhelms zu geben.
Wie in England rekrutiert wird.
Bern, 16. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Unter der Ueberschrift: „Wie in England rekrutiert wird" meldet der „Bund": Wie „Daily Mail" berichtet, haben die Frauen -angekündigt, dag sic den zu Hause bleibenden Männern eine weißeFederschenken wollten. Diese Drohung mit der öffentlichen Brandmarkung soll gewirkt haben. Lord Kitche- ner hat vorgcschlagen, daß Gesellschaften, besonders Sportklubs, gemeinsam in die Armee eintreten sollten. Die Architekten und Bauunternehmer sind diesem Rufe gefolgt und haben zwei Abteilungen Genietruppen geteilt. Birmingham hat ein Bataillon aus Angehörigen der freien Be rufe, Liverpool eine mehr als lausend Mann starke Truppe aus Kaufleuten gestellt.
Die deutsche Militärmission und die englische Marinemisfion in der Türkei.
Wien, 16. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Politische Korrespondenz" erhält von ihrem Gewährsmann aus K o n st a n t i n o p e l folgende Mitteilung:
Die Tätigkeit, welche die de u t s ch e M i l it ä r m i ss i o n in Konstantinopel entwickelt, hat nach dem Urteil von Angehörigen der Armee sowie ausländischer fachmännischer Beobachter, zu sehr ersprießlichen Erfolgen geführt. Tic Mitglieder der Mission arbeiten mit unermüdlichem Eifer daran, das ottomanische Heerwesen mit dem Geiste strengster Manneszucht zu erfüllen, alle Nachlässigkeiten und Korruption ausznrolten und auch den Geboten der Hygiene Achtung zu verschassen. Die Fruchte dieser Erziehung zeigen sich auch bei der Durchführung der Mobilisierung. Es ist nicht zu bezweifeln, daß zu der festen Haltung, welche die Pforte in der europäischen Krise gegenüber Rußland zeigt, auch das Bewußtsein beiträgt, über ein wo hl an--gebildetes Heer zu verfügen» Das vollständige Gegenstück zum Wirken der deutschen Heeres- instrnktvrcn bildet das der englischen Marinemission. Man hat allgemein den Eindruck, dast die englischen Marine- ossizicre die Ausgabe, um deretwilleu sie nach Konstantinopel berufen wurden, nie ernst genommen haben. In der kleinen otto- manischen Flotte war seit Ankunft der Mission nicht nur kein erhöhter Eifer, sondern überhaupt beim Tätigkeit zu entdecken. Die britischen Ossiziere widmeten ihre Zeit vornehmlich der Pflege von Tennis und Bridge. ES musste sich, zumal nach der Beschlagnahme zweier türkischer Großkampsschisse durch die englische Regierung die Uebcrzeugung ausdrängen, das; man von englischer Seite die türkische Marine in einem Schwächczustand zu erhalten suche.
Aus dem englischen Parlament.
London, 16. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Unterhaus, Das Gesetz, auf Grund dessen die Erledigung der Homerulebill und der Bill über die Entstaatlichung der Kirche aus ein Jahr ot>cr länger unterbrochen werden soll, wenn dann der Krieg noch nicht beendet sein sollte, wurde in allen Lesungen angenommen. Premierminister A s g » i t h erklärte, dast diese Regelung das von der Regierung gegebene Versprecinm einlöse, dast keine Partei im Zusammenhang mit dem Kriege irgendwelche Nachteile oder Vorteile haben sollte. Er führte aus, dast ein unbegrenzter Ausschub der Mastregcl», welche im ordentlichen Lauf der Dinge zur parlamentarischen Erledigung gekommen sein würden, am Eride der Session einen Nachteil für die ministerielle Partei bedeutet haben würde. Er versprach eine Abänderungsbill in der nächsten Session vorzulegen nud drückte dabei die Hoffnung aus, daß eine dauernde Regelung der Frage erreicht würde. Der Minister zollte dem Patriotismus der Ulstersreiwilligen Anerkennung und erklärte, dast iede Absicht, einen Zwang auf Ulster auszuüben, undenkbar wäre. Bona r Law erhob heftigen Widerspruch gegen das Vorgehen der Regierung, welches er als Bruch ihres Versprechens ansehe, aber, fügte er hinzu, „bis der Krieg vorüber ist, werden wir der Regierung mit allen Mitteln b e i st e h e n, die in unserer Macht sind, und ich gebe diese Zusicherung mit der vollsten Zustimmung eines jeden Mitgliedes unserer Partei."
London, 16. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Oberhaus. In llebercinstimmung mit der Haltung der Opposition gegenüber den Verhandlungen der H o m e r u l e b i l l, wie sie durch die Einbringung des Lansdowncschen Gesetzes gestern znm Ausdruck gekommen war, beschloß das Oberhaus beute mit 93 gegen 29 Stimmen, die Erörterung der zweiten Lesung der Homernlebill zu v e r - schieben.
Wechsel de« Kricgsministcrs in Bulgarien.
(WTB.) Sofia, 16. Sept. (Agence Bulgare.) Kriegs» minister B o j a d i e w ist an Stelle des Generals Fi t s ch o w, der das Portefeuille des Krieges übernimmt, znm Chef der dritten Armeeinspektion ernannt worden.
Kämpfe in Südafrika.
Kapstadt, 14. Sept. (23. B Nichtamtlich.) (Reuter- Meldung.) Eine südafrikanische Streitmacht von berittenen Schützen überraschte, nachdem sie zwei Nächte marschiert und sich bei Tage verborgen hatte, eine d e u t s ch e Tr u pp e n a b t c i l u ii g, welche ein Furt ungefähr 6V Meilen von Steinkop in Namaland besetzt hielt. Die Deutschen wurden nach scharfem Gefecht zur Uebergabe gezwungen.
Aus Italien.
R o m , 16. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Agenzia Stesani" meldet: Man verbreitet im Ausland falsche und unbegründete Nachrichten über die gegenwärtige Lage in Italien. Entgegen diesen Gerüchten ist die ö f s e n t- liche Ordnung in Italien u n g e st ö r t, die Lebensbediw- gungcn sind normale. Es sind keinerlei Maßregeln getroffen, die in irgend einer Weise eine Reise über Italien oder den ruhigen Aufenthalt dort beeinträchtigen könnten.
Aus den Niederlanden.
(WTB.) Haag, 16. Sept. (Nichtamtlich.) Der Finanz- Minister hat den Voranschlag cingebracht und eine Note hin- zugesügt, in der cs heißt: Trotz der Erspnrnngen im Budget werden die außergewöhnlichen Verhältnisse sowie auch die Verringerung der Einnahmen und fast aller Mittel die Forderung großer Opfer von der Nation nötig machen. Die erforderlichen Vorlagen werden zu diesem Zwecke eingebracht werden, sobald der erforderliche Betrag, wenn auch nur annähernd, fcstgestcllt werden kann.
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Das eiserne Kreuz.
Oldenburg, 16. Sept. (WTB.) Dem Großher- z o g wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen.
Hirchc ttttft Schule.
Der neue Erzbischof von Gnesen Posen.
Berlin, 16. Sept. (Nichtamtlich.) Wie der „Staatsanzeiger" meldet, ist unter Zustimmung der königlichen Staatsregierung der bisherige Kavitularvikar der Erzdiözese Posen, Domdechant und Weihbischof Eduard L i k o w s k i, zum Erzbischof von Gnesen- Poien ernannt worden. Der Kaiser hat mittelst allerhöchster Urkunde vom 6. September dem Erzbischof Likowski die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung als Erzbischos von Gnesen-Posen
erteilt. Die Urkunde ist dem Erzbischof am 16. September durch den Minister der Geistlichen Angelegenheiten ausgehändigt worden, nachdem der Erzbischos durch Verordnung vom 13. Februar 1887 den vorgeschricbenen Eid gel eistet hat. _
Au» Stadt und Land»
Gießen, 17. September 1914.
Zum Geburtstage unserer Großhcrzogin
haben die öffentlichen Gebäude geflaggt. Wir Huben in diesem Fuhre besonderen Anlaß, den Geburtstag der hohen Frau zu begehen. Hat sie doch in schwerer Zeit an Stelle ihres im Felde fteheniden Gemahls die Regierung unseres Hesscnlandes überitommen. Selbst einem lsessischen Fiirstem- hcruse entstammend, lag der Großhei^ogin stets die Wohlfahrt des Landes am Herzen, eifrig betätigte sie sich an den auch in Friedcnszeitc» notwendigen Wohltätigkeitsarbciten. Fetzt, wo unser Vaterland im Kampfe um seine Existenz und die Wahrung seiner durch lange Friedensarbeit erworbenen Güter steht, verpflichtet es uns znm größten Danke, die Frau Großherzogin auch im Dienste aller der Einrichtungen lätig zu sehen, denen unsere hessischen Frauen und Jungfrauen ihre Liebestätigkeit gewidmet haben. Unserer Großherzogin und dem Großherzoglichen Haufe gelten heute die frommen Segenswünsche aller Hessen.
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Rechtsanwalt Kurt Kausmann im Felde gefallen.
Eine traurige Nachricht ging gestern durch alle Bürger Gießens: einer unserer Bewährtesten und Tatkräftigsten ist im Kampfe tödlich getroffen worden: Rechtsanwalt Kurt Kaufmann. Er war als Offizier-Stellvertreter aus freiem Entschluß mit dem Landwehr-Regiment Nr. 116 an die Front gegangen und ist am 8. September in einem Gefecht bei Vitry durch einen Granatschnß getötet worden. Einem verwundeten Kameraden hat der Sterbende die letzten Grüße an die Heimat auf-getragen.
Ein ungemein vielseitig begabter, ein hervorragender und trefflicher Mensch ist mit frischem Mute von uns fortgezogen — um in fremde Erde gebettet zu werden. Einer, der fein Vaterland über alles liebte und durch hundertfache Bande mit der Heimat verwachsen war. Voll Schaffensfreude und Arbeitslust hat er an allem teilgenommen, was die Bedürfnisse der Heimat fördern sollte; unverwüstlich war seine Arbeitskraft, hinreißend sein Eifer und seine Begeisterung. Kaufmann war eine durch und durch praktische Natur, und da ihm neben packender Beredsamkeit auch ein zwingend logisch -arbeitender Verstand gegeben war, wußte er sich als Anwalt einen hohen Ruf zu erwirken. Besonders hatte er sich in der letzten Zeit bei großen Strafprozessen rühmlich hervorgetan.
Wenn man das weite Feld seiner öffentlichen Wirksamkeit überblickt, so fragt man sich unwillkürlich, was diesen Mann zu einer so ausgedehnten Tätigkeit innerlich getrieben habe. Neben seiner Berufstätigkeit, die er nicht vernachlässigte, widmete er sich den mannigfaltigsten öffentlichen Angelegenheiten. Als führender iiationalliberaler Politiker hat er manchen guten Strauß, dnrchgefochten, und auch seine Gegner werden ihm bezeugen müssen, daß er ein ehrlicher Kämpfer war und mit sauberen Waffen focht. Sein Ehrgeiz sührte ihn auf keine Abwege; er war kein eitler Streber, sondern ein an Interessen reiches, im besten Sinne fröhliches Menschenkind, das um der Sache willen wirkte und sich auch durch gute Gaben des Herzens beliebt machte. Er weilte gern bei der Jugend, die er in ihrer vaterländischen Organisation trefflich unterstützte, und er hielt es auch mit lustiger Geselligkeit, wobei ihm sein Hnnrvr zugute kam. An der Spitze zweier großer nützlicher Vereine, des Männertnrnvereins und des Vereins ehemaliger 116er, stand Kaufmann als einer der Fähigsten und Erfahrensten im Gießener Bereinsleben, und bei großen Veranstaltungen war er ein Meister der Organisation. 2Venn ihm das Wort keck ans der Zunge saß und ihm manche Werte verfeinerter Kultur verschlossen sein mochten, so war er doch bei alt urfö' jung, bei hoch und niedrig beliebt wegen seines offenen, herzhaften und zuverlässigen Wesens. Die Tausende, die ihn — auch in der Provinz — kannten, werden ihm die beste Erinnerung bewahren.
Kaufmann stand im 40. Lebensjahre. Er hatte das Gymnasium in Büdingen besucht und- in Gießen studiert. Seiner Witwe und seinen beiden Kindern wird man das größte Mitgefühl cntgegenbringen.
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Ans Hessen und den Nachbargebieten.)
Lt. d. Res. und Oberlehrer in Bieleseid Adolf Becker, Jnf.- Regt. 146, — Einj.-Gefr. Wilh. Ccllarius, cand. ttzeol. in Dormstadt. — Laudwelirmanm Wilh. JSlei aus Schlitz. — Leutn. Christel Jennewein, Ins.-Regt. 160 aus Okriftel. — Unterofs. d. Res. Hans Bock , Fin -Rcgt. 81 aus Franksuck a. M. — Unteroffizier der Landwehr Karl Wilh. Schellberg, Ins.-Regt. 81 aus Frankfurt a. M. — Landwehr nimm Leonhard ll lsen Heini er in Frankfurt a. M. — Dragoner Leonhard Peter, Drag- Regt. 23 aus Ärheilgen. — Stabsarzt d. Res Dr. Hermann Heper, Res.-Sanitätsk. 18 in Darmstadt. — Einst-Fr eiw. Edward Brückner, Ins. -Rcgt llö in Darmstadt. — Trompeter- Sergeant Ewald Storch, Feld-Art.-Regt, 61 aus Darmstadt. Portepoesähnrich Heinz Stciij, Jnf-Regt. 160 aus Aufenau.
— Lt. d. Res. und Rcgienmgsbviimiister To dt, JUf.-Regt. 116 aus Hancm. — Gefr. Herirr. Karl.Reisschneider, 2. Gardv- RcJ Ni sFust, aus Hancm. — Karl Wonczycki. Mitgl. d. Stadt- tlieAers m Hanau. — Res. Christ. <3 cf) er et, Pioniirbat. 21 aus Mainz. — Feldwebel Erdmanii Hapclt. Inf.-Regt. 117 iit Mainz.
— Unterofs. d. L. u. Gcometer 1. Kl. L. Gunder in Darmstadt.
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•• Ruhestands-Versetzung. Die Großherzogin hat den Universitäts-Rentamtmann Karl Weimer in Gießen mit Wirkung voni 16. September d. I. auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjäbrigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipp? des Großmütigen verliehen.
' Ernennung, Die Großherzogin hat den Ergänzungsrichter bei der Kammer für Handelssachen am Landgericht der Provinz Rheinhessen mit dem Sitz in Worms August Eller in Worms zum Handelsrichter und den Kaufmann Ludwig Rühl in Worin? zuni ErgänznngSrichtec bei dieser Kammer, beide für die Zeit bis zum 31. Dezember 1915, ernannt.
' Eisenbahn-Personalien. In den Ruhestand versetzt wurden der Rangierführer Bernhard Kaul in Nauheim bei Groß-Gerau, die Weichensteller Jakob Christ zu Dieburg und Jakob Niederhöscr zu Worms, sowie die Bahnwärter Jakob Schöne zu Lich und Heinrich Harth zu Nidda.
** Einquartierung. Gestern abend spät mußten noch etwa 2000 Mann durchreisende Truppen hier in Bürger - aiiartieren untergebracht werden. Es war nur teilweise möglich, diese Einquartierung in den einzelnen Häusern vorher anzusagen, da die Slnknnft der Truppen erst kurz vorher telephonisch angezeigt wurde. Bei dieser Gelegenheit muß wiederholt darauf hingcwiesen
werden, daß es in vereinzelten Fällm immer wieder vortommt. daß eine Verständigung der Hausbewohner über die Verteilung der Einquartierung auf Schwierigkeiten stößt, bezw. daß einzelne Bewohner sich vor der Einqarlieruug drücken möchten. Dies dürfte nicht Vorkommen, es nmßte sich Jedermann seiner Pflichten gegen das Vaterland und namentlich seiner Verteidiger bewußt sein. Wie uns von der Bürgernieisterei mitgetcilt wird, war für die gestern abend eingetrofsenen Mannschaften nur Quartier ohne Verpflegung vorgesehen. Da indes zurzeit noch nicht feststeht, wie lange die Einquartierung dauert, ist inzwischen Einquartierung mit Verpflegung für Osfiziere und Mannschaften angeordnet worden.
** Wer hat ein Fernglas oder eine Armee- pistole Übrig, die er gerne hergibt für die am 21. d. Mts. ns Feld rückende Truppe? Ferngläser sind bitter nötig für den Kampf, sie fehlen aber. Regiment 222 (Zeughauskasernej nimmt etwaige Gläsee und Pistolen gerne entgegen.
** Liebesgaben für das RoteKreuz. Von der Gemeinde Launsbach wurden zur Verteilung an die hiesigen Lazarette bei der Liebesgabcnsammelstclle in der alten Klinik drei große Wagenladungen mit Kartoffeln, Gemüse verschiedener Art, einigen hundert Eiern, Speer, Wurst, Fett, Butter, Gelee, Himbeersaft, Wein, frischem und gedörrtem Obst. Kolonialwaren, Brod, Zigarren, Zigaretten, Bett- und Leibwäsche und Handtüchern eingeliefert. Der Gemeinde wird für die sehr willkommenen Gaben bestens gedankt. Es wird von der Leitung des Roten Kreuzes gebeten, wegen der Zeit der Lieferung vorher anzufragcn, damit eine Häufung der Gaben und der Verderb nicht aufbewahrbarer Gaben vermieden wird.
** Unterbringung und Beschäftigung von 10 000 Gefangenen. Von geschätzter Seite erhalten wir folgende sehr beachtenswerte Anregung:
Es erscheint immöglich, die demnächst hier eintreffenden 10 000 gefangenen Franzosen hier ansreichend zu be- schästigen; die Folge wird eine Reihe von Unznträglichkeiten sein, wenn nicht gar eine Bedrohung der ösicntlickien Sichertest durch^Menterei, wie es ini vorigen Kriege in Köln der Fall war.
Sollte die zuständige Behörde nicht der Frage näher treten, etwa die Hälfte der Gefangenen na cckircm Vogclsberg zu schassen, um dort Kulturarbeiten, insbesondere durch Beseitigung der Oedländereien, vornehmen zu lassen? Schon seit mehr als 10 Jahren ist der Gcneralknlturplan für den Vogclsberg beschlossene Sache und wurde nur wegen Mangel an Geld noch nicht ansgeführt. Hierzu böte sich doch jetzt eine tresslichc Gelegenheit, zumal diese Arbeit nicht das Verdienst deutscher Arbeiter schmälern wird. Mit einigen tausend Menschen kann in kurzer Zeit ein großes Stück Land, das öde und steinig war, in Kulturland nmgewandelt werden. Verköstigung im Vogelsberg ist billig, Ueberivachungsdienst nicht schwerer als hier. L.
** Gießener Freilichtbühne. Am Sonntag, den 20. September, nachmittags 3 Uhr, veranstaltet unsere Freilichtbühne den dritten UntcrhaltungsnachMittag s ü r u n s e r e Verwundeten. Außer einigen Vorträgen vatrr- ländischen Inhalts gelangen noch zwei Schwänke von Hans Srchz zur Aufführung, dargestellt von Damen und Herren der GrsÄ- schaft, einstndiert von Walter Dworkowskst — Soweit der Platz reicht, werden hierdurch alle Freunde und Förderer der Freilichtbühne zum Besuche der Vorstellung cingcladen.
** Dic HeiINreisc der Russen. Täglich treffen in Frankfurt Russen ein, die bis jetzt noch in der Schweiz und in den süddeutschen Bädern weilten. Der ihnen vorgcschrie- bene Weg führt über Frankfurt—Berlin—Saßnitz—Stellt* borg (Schweden) und dann mit Dampfern nach Rußland, lieber Berlin hinaus nach Osten werden keine Russen mehr mit den Bahnen befördert.
** Schutzimpfung. Im Hinblick aus die zu erwartende Unterbringung von 10 000 Kriegsgefangenen aus dem Trieb mnp- stehlt sich dringend die Schirtzrmpftmg gegen Blattern. Der letzte Impftermin findet Freitag, den 18. September nachmsttags 4 Uhr im oberen Saal des alten Rathauses am Marktplatz statt.
** Obe rhessiseher Kun st verein. Die im Oberhesfi- schen Kimstverein ansgestellten 17 Pasteklgemäldc von I. M a n s k o p f (Danbhausen), für welche der Künstler die Preise um die Hälfte herabgesetzt und den Erlös znm Besten der 'K r t e g s - s ü r s o r g e bestimmt hat, bleiben nur noch einige Tage ansgestellt. Es handelt sich um wirllich gute Kunstiverke. Ein Bild „Abendstimmung im Westerwald" wurde bereits verkauft und geht in hiesigen Privatbesitz über.
** Der Selters-Sprudel Augnsta Viktoria in Löhnbcrg a. d. Lahn hat der Verwaltung des Roten Kreuzes zu Gießen für die in Gießen beftndlichen Lazarette 5000 Flaschen seines Tafelwassers unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Landkreis Gießen.
Li Lich, 14. Sept. Ein schönes und nachahmenswertes Beispiel, die Jugend in diesen ernsten Zeiten im Dienste des Vaterlandes zu heschästtgen. hat die hiesige Schulleitung gegeben. Unter Aufsicht ihrer Lehrer zogen in den letzten Wochen die Schulkinder — zuin Teil während der Unterrichtszeit, znm Teil in schulfreien Stunden, — zum Ae hren- lesen in das Stoppelfeld. Die fleißigen .Knaben nnd Mädch« lasen die Aehren zu Sträußchen zusammen; die Lehrer schnitten di« Halme ab nnd füllten die Aehren in die Säcke. Nach niedrere« Tagen emsiger Sammelarbeit gings dann gemeinsam zur Drrsch Maschine. Unter dem Gesang vaterländischer Lieder zogen von dort Lehrer nnd Schüler mit schwerem Wagen voll Körnern znm Rathaus, wo die Lehrer die Säcke abtrugen. Daraus erfolgte dann der Verkauf'des Getreides. Zu welchen ansehnlichen Summen die viele Kleinarbeit der einzelnen Aehrenleser und Aehr«- leserinncn sich addierte, das geht daraus hervor, daß z. B. am Ende einer Woche etwa 7, am Ende einer anderen Woche über 8 Malter Weizen von der Dreschmaschine weggefahren und verkauft werden konnten. Es hatten diese zwei Wochen fleißiger! Arbeit allein schon ein Ergebnis von über 300 Lltark, die dem Roten Kreuz überwiesen worden sind. Das ist ein stlstiner sOcitrag, den die Jugend selbsttätig im Dienste des Vaterlandes erarbeitet hat. — Wie uns noch mitgeteilt wird, hat auch Fürstin.Emma mit den Prinzessinnen sich in gleicher Weise Tag für Tag emsig betätigt. Ant einem lleinen Wagen fuhren die Herrschaften die gelesenen Aehren nach Hanse. Die ansehnlichen Erträgnisse ihrer fleißigen Sammelarheit slossen auch dem Roten Kreuz zu. Auch beim Grummctmachen halt die fürstliche Familie fleißig mit und ftihr dann abends mit dem Dienstpersonal aus dem Leiterwagen gemeinsam nach Hause. Jetzt sieht man Fürstin nud Prinzessinnen bei der Kartoffelernte helfend zugreifcn.
Kreis Friedberg.
h. Friedberg, 17. Sept. Hanptmann Schindler vom Friedberger Jnfanterie-lgataülon hat mit einer lleinen Abtelliwg im heftigsten Kugelregen eine französische Batterie erobert. Er imirdc mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
X Büdesheim, 16. Sept. Im hiesigen Schlosse der Gräfin Oriola ist eine Erholungsstätte für Verwundete des deutschen Heeres eingerichtet worden.
Starkrntmrg und Rheinhessen.
— Mainz, 17. Sept. Die hiesige Metzger-Innung hat beschlossen, aus ihrem seit Bestehen der Innung angesammelten Vennögen 20 00 j 231t. in der neuen Kriegsanleihe anzulegen ; begleichen werden die Krankenkasse und Häuleverwertnngs- (öenossenschast der Jnnuna mit größeren Beträgen sich beteilige".
Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 17. Sept. Das Lazarett der Bmdernsschen EischO werke (Neues Schlafhaus auf der Sophienhütte; ist nun schon längere Zeft im Betrieb. Die Zahl der anfaenonwienen Benonndetm beläuft sich «ii 90 bis 100. Durch da!s Hans geht der tRnst freudiger Hilssbereitschast, der alle zufrieden macht, auch mcw»
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