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aSttWifcigrn Tun abzutrgrn ES mögen jetzt schon an 200000 farbigeSoldaten" aus französischem Boden stehen. Ldoner Blätter sprechen schon von drei Viertel Millionen. Mer die sehen in ihrer geistigen Trunkenheit doppelt, dreifach und vierfach. Was in aller Welt diese Gattzing Soldaten gegen einen so furcht­baren Feind, wie es die Deutichcn schon für die gewiß nicht schlecht gedrillten Franzosen sind, ansangen will, darüber ist man sich, schernts, auch in den leitenden Kreisen des Generalstabes noch nicht klar geworden. Ilnifornr und Schuhwerk hat inan noch nicht cininal für die regulären französischen Truppen zur tstenügc übrig. An Waffen fehlt es schon längst. Man ist ,ctzt dabei, die Daffenläden auch in Italien aufzukausen. Womit solle» nun die Wilden fechten, schießen, wenn man auch annehmen will, daß sie sich dem Feinde in ihrer paradiesischen Nacktheit pcäsenticron wollen? In-Lyon wimmelt cs von Buschkleppern, Hottentotten, Kvngonegern, Marokkanern. Doch, wer kennt die Völker, nennt die Namen ..! Will Frankreich unb England eine große Afrikancrschau veranstalten? Es heißt, man will sie in die Feuerlinie vorsührcn, damit sieden Feind beunruhigen, mürbemachen, verwirren, peinigen", schreibt der Lyon Republicain", und die anderen schreibens nach, und alle, alle glauben es! Auf "den Glauben allein stützt sich ihre Hosfnnng. Niemand wagt heute mehr, diesen Glauben zu erschüttern. Nie­mand hat den Mut dazu, well er riur zu gut weiß, daß an die Stelle des Glaubens nur noch die Revolution, der Umsturz alles Bestehenden, der Untergang treten kann.

In der Verbreitung des unglaubwürdigsten Wahnsinns liegt Methode. Man wirft ihn als letzten Rettungsanker aus. Aprös nous le deluge! Frankreich erstickt in der Lüge. Es ist ein ein­ziges langes, ungeheuerliches, gegenseitiges Sichabschlachten durch Lng und Betrug. Die Rückkehr zur Wahrheit hat man sich abge- schoitten.

' Es ist unmöglich, einzelne Bilder des unbeschreib­lichen Elends fcstzuhalten. An Schlat denkt kein Mensch mehr. Mari hungert, durstet, stiert blöd in den blauen .Himmel, läßt sich von der Riesenwelle der Leidensgenossen und Soldaten beiseite schieben, läßt sich stoßen, treten, töten. Man hat den Willen zu leben verloren. Ich frage mich: hat es jemals in einem Lande soviel Elend in tausendfacher Gestalt gegeben? Jemals, so lange die Sonne scheint? Jemals soviel Elend wie ic&t in Frankreich? Nein, dies Elend kann nirgends überboten werden. Und ich sehe es nur im Süden Frankreichs. Leute, die aus denr Norden kom­men, versichern, im Süden könne man endlich zur Besinnung kommen . . .

wir armen Hamburger.

Ein Hamburger Mitarbeiter schreibt uns:

Es ist eigentlich ein Wunder, daß. ich von Hamburg aus noch eine Mitteilung in die Welt geben kann. Denn unsere schöne Stadt mit den gewaltigen Handelshäusern aus den Kais der Hafenbecken und dem reichen Villenkranz um den blauen Edelstein der Alster _Tiegt in Schutt und Asche. Unser Bürgermeister und nnser Senat sind verjagt und ein Hafenkommandani" übt herrisches Regiment über uns und gesiattet niemandem, das Weichbild der Stadt zu verlassen.

Man sollte es, obwohl wir doch bereits allerlei imponie­rende Beiveisc von der Lügcnsähigkeit unserer Feinde haben, iticht für möglich h-alten: aber all diese schönen Dinge wer­den den Franzosen und Engländern vorgelogen. Und zwar im PariserPetit Journal". In der in Hamburg vorliegen­den Nunmrer vom 2. September Nach allerbesten Informa­tionen aus Italien. Mit bestätigendem Signum des deutschen Botschafters in Rom! Also müssen auch wir in .Hamburg glauben, daß wir zerschmettert am Boden liegen.

Zuerst sind wir, nach den Mitteilungen desPetit Journal", von den eigenen Militärbehörden ausgeraubt worden.Die großen Lagerhäuser im Hafen," so heißt es wörtlich,in denen ungeheure Mengen von Getreide, Konserven aller Art, Pökelfleisch, Gemüse, Zucker, chemischen Produkten, Mehl, Kakao, Kaffee, Tee und andere Lebensmittel anfgehäuft sind, wurden gleich bei Beginn der Mobilmachung auf Befehl des Generalstabes geleert. All diese Vorräte wurden in Sonderzügen an die Front des Heeres gebracht, um dort an die Truppen ver- iellt zu werden." Und dann wird weiter von den schreck­lichen Folgen dieserBeraubung" erzählt :Die bevölkerte Stadt Hamburg, in der der Verkehr gänzlich unter­brochen ist, wo in keiner Werkstatt gearbeitet wird, in der alle Fabriken geschlossen sind, in der 1500 Schiffe mit ihrer ganzen Besatzung im Hafen liegen, ohne abfahren zu können, fängt an, die Hungers­notzuspüren. Die Preise für die notwendigsten Lebens­mittel sind enorm gestiegen. Vierzehn Tage nach der Mobil­machung wurde das Dutzend Eier für 10 Mk. verkauft. Frisches Fleisch war überhaupt nicht zu bekommen, weil alles Vieh nach dem Innern des Landes gebracht worden war. Es fehll an Milch und Futter. Für die kleinen Kinder gibt es weder Kuhmilch noch Kindermehle, und die be­sorgten Mütter versammeln sich in großer Zahl vor dem Rathaus und fragen, womit sic ihre Kinder ernähren sollen." Es folgen dann erschütternde Mitteilungen über den Protest des Senats gegen die Beraubung, über seine Absetzung und gerichtliche Verfolgung durch die Militärbehörde. Uiid im Anschluß daran koinmt dann die knappe Meldung von der Bombardierung und Zerstörung Hamburgs, Altonas und Kiels durch die vereinigte russische und engftsche Flotte.

Merkwürdig, daß ich noch immer ruhig vor meinem Schreibtisch sitze und hinter mächtigen Bäumen den Frieden der Mster sek^. Daß ich bei einer Fahrt durch den Hafen von den Schiffswerften her di« klingend« Melodie kraft­voller Arbeit hörte, und bei einem Gang durch die Straßen sah, wie ruhig das Volk von Hamburg in seiner überwiegen­den Mehrzahl der gewohnten Arbeit nachging. Vor dem Rat­haus erlebte ich keine Kundgebung armer, hungernder Müt­ter, sondern den Siegesjubel einer ungeheuren Menschen- niengc, die soeben aus dem Dtunde des Bürgermeisters eine gute Botschaft vom Kriegsschauplatz vernoncmen halte. Ach nein, wir leben noch, wir Hainburger und leben so intensiv, das; nur über die Rekordlügen der Franzosen ein ungeheures Gelächter anstimmen würden, wenn nicht draußen im Feld unsere tapferen Brüder mit Hieb und Stich und unter Strömen ^kostbaren Blutes die Lügen cruseinanderhauen nrüßten. Tag um Tag kommen jetzt Verwundete von den Schlachtfeldern nad) Hamburg. Sic werden mit Liebe und herzlichen Wünschen empfangen und in großen und ruhigen Lazaretten mit Hingebung gepflegt. Sie spüren nichts da- von, daß unser Harn bürg arm und verhungert am Boden liegt und in die Stille ihrer mit Blumen geschmückten Stuben düngt nichts von demGebrüll der aufrührerisch sich zu­sammenrottenden Arbeitslosen", von denen dieJnforma- tionen aus Italien" so phantasievoll zu lügen wissen. Daß sie unter dem Zeichen des deutschen Botschafters in Rom weitergrgeben werden, ist offenbar ein neuer Trick, aus Lügen Glaubwürdigkeiten zu machen. K. K.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 16. September 1914. Tr^nker-Fürsorgestellesür Stadt und LandkreisGieße», Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Dinnerklag abend 6 bis 7 /, Uhr -. .

" LandeSunioersität. Dem Assistenzarzt an der kiesigen Klinik für psychische und nervöse Krankheiten Dr. Matthias Heinrich Göring wurde die vsuia legendi bei der hiesigen medizinischen Fakultät für das Fach der Psychiatrie erteilt. Seine Habilitationsschrift handelt über: Die Gemeingesähriichkeit in psychiatrischer, juristischer und soziologischer Beziehung.

** 116er als Ritter des Eisernen Kreuzes. Der Musketier Fink von der 8. Kompagnie des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm hat in dem Gefecht bei Ankoy am 28. August eine feindliche Fahne erobert. Fink erhielt für diese Tat das Eiserne Kreuz 2. Klaffe. Der ebenfalls in der 8. Kompagnie dienende Vizeseldwebel Dutine, der sich auch in demselben Gefecht das Eiserne Kren,; 2. Klasse er­warb, hat am 10. September in einer Schlacht an der Marne mit wenigen Leuten eine feindliche Batterie ge­nommen. Für diese Wasfcntat ist Dutine zur Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz 1. Klaffe vorgeschlagen morden.

MnktdjeKmMlchkll!

** ®er Haftpflicht-Versicherungsanstalt der Hejsen-Nas säuischen landwirtschaftlichen Be- russgenossenschast gehörten Ende 1913 24 291 Mitglieder an, das sind gegen das Vorjahr 1380 Mitglieder mehr, während 1912 die Mitgliederzunahme nur 603 ausmachte. Ter Gesamt- arbcitsbedars dieser 24 291 landwirtschaftlichen Betriebe und der 62 selbständigen Gewerbebetriebe stellte sich aus 11839 788 Arbeitstage mit einem Geldwert der Jahresarbeitsleistling von 21 340 927,19 Mark. Die Flächengröße der versicherten Betriebe ist im letzten Jahre um 6306 Hektar gestiegen auf 278011 Hektar. Wie in allen Vorjahren ist cs auch in 1913 nicht notwendig geworden, eine be­sondere Umlage zu erheben. Die eingegangenen Beiträge von 45 536,84 Mark haben zur Schadcndeckung und den vorgeschriebenen Rücklagen ausgereicht. Von den im Lause des Jahres eingegangencn 248 Neuanmeldungen von Fällen wurden 120 durch Zahlung einer Entschädigung von 9821,43 Mark erledigt. 64 dieser 120 Schadens­fälle = 53 Prozent waren durch Tiere herbeigesührt und verur­sachten einen Aufwand von 5411,80 Mark. Der aus dent Jahre 1911 stammende schwerste Schadensfall, der seither di« Anstalt be­troffen hat, ist seinem Abschluß nahe gebracht. Nachdem das Reichs­gericht im wesentlichen die Klageansprüche dem Grunde nach für gcrechtscrtigt erllärt hatte, wurde ein Vergleich abgeschlossen. Es wurden danach an das z. Zt. des Unfalls annähernd 3 Jahre alte Kindl und seinen Vater für alle Ansvrück^ aus der Verletzung Ver­lust eines Beines durch die Mähmaschine 12 000 Mark gezahlt und die sämtlichen Kosten mit 2843,05 Mark übernommen.

** Für Postanweisungen nach den Nieder­landen und den niederländischen Kolonien gilt jetzt das Umrechnungsoerhältnis von 100 Gulden --- 178 Mk.

** Eilabhol um g und O r t s s ch n e l l d i c n st. Schon längere Zeit har die Telegraphenverwajtnng Verbesserungen i m Eilbotendienst eingerichtet, die verdienen, dem Publikum zur Benittzmig empfohlen zu werden. Das hiesige Telegraphenamt übernimmt es nicht nur, im sogenannten Ortsschneildienst Briefsendungen durch einen Eilboten abholen irnd unmlltelbor an­schließend an die Abholung durch den nämlichen Boten an einen Empfänger im Ort bestellen zu lassen, sondern es befaßt sich auch mit der sogenannten Eilabhvlrrn g, indem es gewöhnliche Bries- sendungen im Ortsbezirk durch einen Eilboten abholen und zur Postbesörderung abliefcrn läßt. Derartige Dienstleistungen können sowohl durch Anrufen der .hiesigen .Telegrammabfertigiingsstelle (Anschluß Nr. 0) bestellt, als auch mündlich an den Postjchaltcrn oder schriftlich beim Telegraphenamt angemeldet werden. Auch ist gestattet, Bestellschreiben kostenfrei in die Briefkasten zu legen oder dem bestellenden Boten mitzugeben. Die gewöhnliche Gebühr für einen Auftrag im Ortsschnelldienst ist am 50 Psg., für die Eil- abholung aus 2$ P,g. festgesetzt. Bei gleich;eitrger Ausführung mehrerer Aufträge ermäßigen.sich die Gebühren. Auskünfte in dieser Hinsicht erteilt das Telegraphenamt (Anschluß Nr. 0). Es wird bei dieser Gelegenheit noch aus Folgendes aufmerksam gemacht: Zur Beschleunigung des Ortsschnelldienstes ist es zulässig, daß sich diejenigen Auftraggeber, welche einen Fernsprechonschluß be­sitzen, die etwa crnmrtete Antwort vom Boten von unterwegs aus zusprechen lassen. Eine Gebührenerhöhung tritt hierher für die Ausführung des Aufttages nicht ein.

** Wied ereryreifung eines Lustmörders. Der Arbeiter Ludwig Waldschmidt, der wegen eines Lustmordes in Frankfurt vor zwei Jahren der Frren- anstaltHerborn zngefüchrt wurde und dort kürzlich ent­sprang, wurde am 14. d. M. wieder ergriffen.

Kreis Wetzlar.

X O b e r s ch e l d, 15. Sept. Holzhauermeister Georg H i l d feierte mit seiner Galttn das goldene H o ch z e i ts s e st. Dem greisen Jubelpaar wurde die goldene Ehejubiläums-Medaille über­reicht.

vermischte».

* DerFlaggenmann" im englischen Heere. Die Engländer sind bekanntlich auf ihr Söldnerheer, zu denr fte keine innere'Beziehung haben, so stolz, wie auf alles, was^Albion besitzt. Wenngleich sie den einzelnen Soldaten über die 'Achsel ansehen, so behaupten sie doch, ihr ganzes Heer sei glänzend organisiert, und weisen mit Genugtuung auf geivisse Einrichtungen hm, die ihrem militärisch nngeschulben Geist als höchst wichtig erscheinen. So weist z.B. eine englische Zeiffchrift voller Triumph aut die Signalleute hin, die sich bei jedem englisclxm Regiment befinden. Derminute-mgn" fft ein besonders aus gebildet er Soldat, der fähig ist.mit einer geioohnlichen Signalflagge die 72 Buchstabey und Zeichen, die das Morse-?llphabet enthaft, in 60 Sekunden zu übermitteln". Es ist also eine Artdrahtlose Heerestefegraphie", die man bei den englisckien Truppen eingesührt hat. Die Geschick- lichkeit dieser Leute grenzt nach den Aussagen ihrer Volkgenossen ans Wunderbare. Da einige der Buchstaben durch vier verschiedene Bewegungen der Flagge ausgedrückt tverdeir müssen, so muß der Signalist eine große Fertigkeit besitzen und die Fahne durchschnrü- lick, fünfmal in der 'Sekunde hrw- und herschwenken. 'Deshalb sind auch diese Soldaten im Heere besonders angesehen, imd obwohl ein großer Zudrairq zu diesen Posten ist, genügen nur sehr weurge den hohen Ansorderringen Das Regiment. das mehr als ein oder zwei solcherwinute-men" hat, gilt für besonders glücklich. Denn die englischen Militärsachverstäiidigen schreiben diesen Flaggen­signale» eine große Bedeunoig zu.Es ist Tattache," lautet eine solche Stimme,daß die Signalleute, obwohl man im Publikum wenig von ihnen weiß, in Kriegszeiten für jede Armee von höchster Wichtigkeit sind. Telegvaphendrähtc sind nicht immer zur Hand, und Fetdtelegvaphen sind auch viel zu schwerfällig zum Gebrauch bei den großen Ausdehnungen, die jetzt die Schlachtfelder haben Im Burenkriege haben sich dies« Signale durch Flaggen oder Lichter außerordentlich bewähtt " Im Frieden hat es der englische Signalmann gut. Er hat viel fteie Zeü und genießt eine Aus­nahmestellung, braucht keine schwere Ausrüstung zu tragen, mhält in der Kaserne einen eigenen Raum zugewiesen, und wenn er die jährliche Prüfung, die er ablegen mutz, gut besteht, bekommt er sogar noch eine Zulage zu seiner Löhnung. Im Kriege aber hat er schwere Zeit. Wenn das Regiment auf dem Marsche ist, dann kommt zuerst der Oberst, dann kommen die Pioniere, dann drr Signalleute, dann die Musikkapelle und dann erst die eigentliche Truppe. Die Signalleute müssen immer vornweg sein, stets bereit. Befehle weiterzugeben. Während die andern bei der Schlacht in guter Deckung liegen, bchtet das Flattern und dre BewegMg ihrer

Fahne oder das Aufblitzen ihres ISchtsiqnaS dem Fettche ein

treffliches Ziel, und so find denn in Südafrika besonders mefe minute-men getötet worden. Einem Mann wurde zweimal seine Fahne aus der Hand geschossen, ohm daß^er selbst verletzt war.

Mit diesen Signalen treilxm die englischen Soldaten auch manchen Spaß. So erzählte ein Signalist, daß er der einem inchschs, Ausstand mit seinem Regiment nach einem blirtigm Kampfe ein, Anhöhe crflommen hatte. Wie er über das Land steht, fällt ihm auf einmal in der Ferne ein Flaggensignal auf:0. 0. 0.". Dieses Zeichen ist eine Warnung, der eine Botschaft von höchster Wrckrtjg» feit folgt. Es wird nur m gefährlichsten Augenblicken an gewendet. 'Der Signalist cttvidert das Signal, und was bekommt er daraushh, für eine Mitteilung? Der andere Signalist, ein Spaßvogel, fragt; Ist es bei Euch sehr kalt oben?"

*DieerstedeutscheS>iegesfunkenbotschcrft nach Amerika.Eine deutsche Armee hat einen glänzen, den blutigen Sieg in der Miste von Metz in Lothringen, ge­wonnen." Das war die erste Negesnachricht. die die deutsche Gesandtschaft in Washingion ant 21. August direkt von Berkrn durch Funkspruch erhielt. Sie wurde von der Gesandtschaft sogleich an die Presse weitergegeben und eilte nun auf Flügeln des Drahtes" durch die Vereinigten Staaten. Der deutsche Geschäftsträger v. Hoimstansen, der von Reportern bestürmt wurde, erklärte, daß die Depesche in Geheimschrift gewesen sei.Es ist die erste Verbindung, die wir durch drahtlose Telegraphie mit Berlin erhalten staben. Ich hoffe, daß wir von jetzt an ans diese Weise nrit unserer Regierung in ständigem Einvernehmen bleiben werden." Die Depesche wurde von der Station für drahtlose Telegraphie in Tucker- ton in New Jersey ausgenommen, wo die Vereinigten Staa­ten einen besonderen Beamten angestellt hatten, der eine strenge Bewachung aller eingehenden oder ausgehenden Bot­schaften durchführen sollte. Die Nachricht rief überall großes Aufsehen hervor. fl

* Pavst Benedikt und das Tennisspiel. Im Giornale d'Jtalia' erzählt der srühere Abgeordnete Francesco Eroce, der seit langem in sreundschaltlichen Beziehungen zu Papst Benedikt XV. gestanden hat und ihn als Kardinal häustger in seiner Villa in Serravalle als Gast sah:Eines Tages tral der Eczbilchoi bei »iis ein, während gerade Tennis gespielt wurde. Ter Erzbischof legte de» leichten Mantel ab, nahm ein Racket in d>.e Hand und begann »utzuspielen Dabei sagt« er:Als Knabe habe ich in Pegli säst alle Tage gespielt; Tennis ist ein Spiel, das mir sehr viel Vergnügen mach!, und ich versichere Euch, daß ich es sehr gut gelvielt habe." Und er bewies i» der Tat, daß er noch immer ein tüchtiger Tennisspieler war."

Ein paar Zahlen zum vergleich.

Unwillkürlich schweifen namentlich bei den Nachrichten vom westlichen Kriegsschauplatz die Gedanken immer wieder rückwärts zu den Erinnerungen an die Ereignisse von 1870. Namentlich wird immer wieder sorgenvoll erwogen, ob nicht dieser Krieg von 1914 unsäglich viel blutiger und opferreicher für uns fei als der von 1870. Es ist merkwürdig, eine wie große Ununlerrichiethcit säst ganz allgeniein über die hier zuin Vergleich heranzuziehendcii Zahlen aus dem Kriegsjahre 1870 71 herrscht, obgleich es eigentlich sehr leicht ist, sie zu erfahren. Hier eine Auswahl und die Hauptdaten daraus: Es betrugen die deutschen Verluste 1870 in dem Gefecht bei Weißenburg 91 Offiziere und 1460 Mann;

bei Wörth: 489 Offiziere rmd 10000 Marm; bei Spichern: 4871 Mann: bei Colombay-Nouilly: 5000 Mmm, darunter 200 Offiziere:

bei Vionville-Mars la Tour: 16-000 Mann; das 24. Regiment allein verlor hier 1000 Mann und 52 Of- siziere, das zweite Bataillon des 20. Regiments alle Offi­ziere, die Brigade Wedell von 95 Offizieren rmd 4546 Mann 72 Offiziere und 2542 Mann;

bei Gravelotte-Saint-Pvivat: 2015SW«mn, darunter 899 Offiziere.

Die er st en 14 Tage des August am 4. August fand das erste Gefecht, das bei Weißenburg, statt, also die ersten zehn Tage seit Eröffnung des Kampfes, kosteten nach der Berechnung des Generalfeldmarschalls v. Moltke ftr seiner Geschichte des Krieges von 1870/71 die Deutschen in sechs Schlachten 50 000 Mann. Sedan kostete uns 460 Offiziere und 8500 Mann; eine für die meisten nach dem Porangegangcnen sicherlich überraschend geringe Zahl. Die Gesamtopfer des Krieges von 1870/71 betragen nach Moltke 6247 Offiziere und 123 453 Mann.

Alles in allem Summen, hinter denen das weit zurück­bleibt, was uns die Verlustlisten des Krieges von 1914 bis jetzt zu erzählen hatten.

Airchliche Nachrichte««

Evangelische Gemeinde.

Heut« abend 8 Uhr: Kriegsbetslunde in der Johanneskirche.

Pfarrer Bechtolsheim«r.

Meteorologische Beobachtungen der Station Eichen.

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Höchste Temperatur am 14 15. September 1911 = -ft 18,8 Niedrigste , . 14.-15. 1914 = + 14,1°

Niederschlag: 0.3 mm.

Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. G o etz.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Ausfuhrverbote.

Die nachstehende Bekanntmachung des stellvettretenden Reichs­kanzlers vom 9. September bringen wir zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 14. September 1914.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

Ür. U s i n g e r.

Bekanntmachung.

Aus Grmü> des 8 2 der Kaiserlickwn Verordnung vom 31, Juli d. Js, betreffend das Verbot der Aussuhr und Durchfuhr von Waffen, Munitton, Pulver und Sprengstofsen, sowie von anderen Artikeln des Kriegsbedarfs und von Gegenständen, die zur Her­stellung von Kriegsbedarssarttkeln dienen, bringe ich hierdurch in Abänderung der Bekanntmachung vom 1, August d, Js, (Sonder­ausgabe des Reichsanzeigers vom 1, August d, Js,) zur ösfent-' lichen Kenntnis, daß bei der Position

Baustoffe aller Art für Brückenbau und Befestigungszwecke. Zement von dem Ausfuhrverbot ausgenommen wird.

Berlin, den 9. September 1914.

Der Stellvcttreter des Reichskanzlers.

Delbrück.