Nr. 215
Zweiter Blatt
164- Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Di« „Eiehener Zcnailienbiäktrr" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis «ietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberhejsen
Montag, 14. September 1914
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schcn Univerfitäts - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Rcdaktion:S^l12. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
In und um Verdun.
Rriegsbrieft aus dem Osten.
Bvn unferem zmn Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Durch Ostpreußen nach dem Siege,
Arm ee»Oberkommando Ost, 8, Sept,
In der kleinen Stadt, nnserm augenblicklichen Standort, der jetzt voll deutscher Soldaten ist, waren vor acht Tagen noch tfte Russen, Die Bortruppen benahmen sich verhältitis- mätzig gut, bezahlten zum Teil und ließen die Einwohner sogar von Eingnartierung frei. Das war beim ersten Besuch. Beim zweiten Mal, da man ihnen schon Unruhe nnd Eile anmerkte, verlangten sie innerhalb von zwei Stnnden ZÜOM Mark Kontribution, Der Kaplan, mi den sie sich gewandt hatten, lies von Haus zu Haus in der leeren Stadt, die von Ellen Wohlhabenden verlassen war. Er bekam die Summe Krsammen; die meisten gaben das Allerletzte her. Der Oberst strich das Geld ein und ließ tausend Mark zurück, „Beil ihr unsere Verwundeten gut gepflegt habt!" Ich bin überzeugdaß von dieser Kontribution die russische Regierung nicht viel Wi sehen bekommt, ©§ soll übrigens ein Garderegiment gewesen sein, das auf diese Weise Geld ein- trieb, !
Als die deutschen Truppen nahten, steckte man rnxtf schuetl den Bahnhof in Brand, Die Mauern sind völlig ausgebrannt, Aus allen Stationen, die wir durchfuhren, konnte man die Brandrainen der Bahnhöfe sehen inti> noch leicht rauchende Gehöfte auf den sanften Hügeln, die Seen und herrliche Tannenwälder umschließen. Der seltsam rote Abend- Himmel, der nun seit drei Wenden über Ostpreußen steht, glänzte durch die zerschossenen Fenster und umzog die schwarzen, verkohlten alten Bäume wie mit Hellen Gold- limen Auf der andern Seite schien der Mond wie eine kupferne Platte auf dem dunkleren Himmel, Verlaufene Herden suchten auf den Stoppeln nach Nahrung, Fohlen hatten sich nrit den Köpfen zusammengestellt,
Uebevoll hört man die Geschichten von erschossenen, harmlosen Bürgern. Es steigt ein kalter Hatz hoch, der einen zu würgen droht. Wenn Armee gegen Armee kämpft, ist der Schrecken groß, aber die Schlacht der Männer hat in ihrer lArausigkeit etwas, das hinüberträgt über jedes Gefühl, etwas Großes, das jedes Kleine verstummen macht. Der Kampf gegen Frauen und alte Männer, den die Russen führen, urßt den Haß auffteigen, der nur vernichten Willi Ungeziefer nuitz beseitigt werden. Es wird geschehen,
Jlch habe den vielen Berichten über die Russengreuel einige Vorsicht entgegengesetzt, denn ich habe zu sehr erfahren, wie im Kricgslande die Gerüchte fliegen und die Uehertreibungen, Aber gestern abend hat mir mein Quartierwirt, ein katholischer Gersllicher, der ganz famos in dieser Zeit hier an seiner S-tÄllc gewirkt hat, so vieles bestätig!!, daß nicht mehr viel zu bestätigen übrig bleiben Wird. Sie haben zehn Mann an die Mauer gestellt und erschossen ohne Grund, sie haben Krankenschwestern in der barbarischsten Weise getötet, sie haben den tüchtigsten und geschicktesten Handwerker 'der Gegend in seinen, Keller erschossen wie einen tollen Hund, Sie haben auf den Feldern Schießübungen nach jeder Zivilperson angestellt. Die russiscl,« Regierung wußte, daß die Kosaken keinen Gefechtswert haben, daß sie nur Heeresballast bilden, sie hat sü aus uns gehetzt, wie nwnt wilde Tiere losläßtl. Sie wird die Folge tragen müssen. Mit wilden Tieren kämpft man nicht, inan vernichtet sie.
Es ist zu verstehen, daß vor dem Ansturm solcher Horden manchen, die Fsiüht als der Tapferkeit besserer Teil erscheint, Wer: sS gibt Unterschiede, In manchen Städten, die nicht weit vom Schuß waren, hat man die Sachlage gefährlicher angesehen als in anderen, in die eben die Kosaken einrittem Die gute Stadt Marienwerder fühlt sich getroffen, daß ich von ungünstigen Eindrücken dort bericki- tete. Sie meint, daß mir der Sinn für die richtige Aussi fasfung der .Verhältnisse zu fehlen scheine. Niemand wird
der schwierigen Lage der oftpreususcheic Städte leichter Gerechtigkeit widerfahren lassen, als jemand, der in dieser schweren Zeit den Vorzug hatte, den Opfersinn der ostpreußische n Städte und Städtchen im weitesten Sinn kennen zu lernen. Ich mag wirllich jetzt nicht polemisieren, aber da Marienwerder selbst meint, „von einzelnen Ausnahmen abgesehen", ließe es auch die Bürgerschaft nicht fehlen, so nehme ich mH daß ich das Pech hatte, gerade nur von diesen Ausnahm'en zu hören.
In den, kleinen Ort, von dem aus ich schreibe, hat man einen Kriegsbürgermeister, einen Lehrer der Taubstummen anstalt, gewählt. Das ganze Städtchen ist des Lobes voll. Was ich von Anordnungen hörte, ist mustergültig, Ter Herr Hauptlehrer hat, da keine Aerzte da waren, auch Geburtshilfe geleistet. Es ging sehr gut: „Und der Kaiser braucht Jungens !"
Der Verwalter der Poststelle blieb hier, bis die Russen seinen Apparat zerstörten: bis dahin war er Dag und Ruht in der Arbeit und konnte durch Aufrecht erhaltung des Telephoitdienstes außerordentlich nutzen.
Der Sieg, dem wir hier so nahe ins Gesicht blickten, sieht aus dieser Menschen nähe anders aus als aus der Ferne, Ihm fehlt die fertige Glätte; ,die Truppen marschieren weiter, ihre Arbeit Ich nur gut eingesetzt, sie muß weitergehen, nnd die Bevölkerung kehrt in die verlassenen Wohnstätten zurück und denkt mi das Wiederaufbanen, Gestern abend ging ich durch das dunkle Städtchen mit seinen engen Gassen, über denen der sternendurchwirktc Nachthinrnrel .stand. Das Backsteingemäuer des massigen Domes reckt sich dunkel und hoch über den stillen Häusern, die Linden und nüickftige Hollunderbüsche bewegten sich, im Nachtwind, Man hörte seinen Schritt Hallen, Da )ai) ich hinter einem offenen Fenster eine einfache Frau, sie las halblaut das allgemeine Kirchengebet, Tann sagte eine Männerstimme: „Herrgott ich danke Dir, daß, Du cms errettet hast! — Alte, morgen um fünf muß ich einmal sehen, was aus den Kartoffeln geworden ist," Das Licht verlöscht, Ich fand das wie ein Bild Ostpreußens nach dem Siege: Ein Schrei zu Gott und dann ein Denken an die neue Arbeit,
Nene Operationen stehen bevor. Wir dürfen darüber nichts schreiben. Man muß eben im Lande Geduld lernen. Der militärische Erfolg steht an erster und einziger Stelle, er kann durch jede Mitteilung beeinträchtigt werden. Es ist augenblicklich jedes „zu wenig" besser als irgend ein „zu viel". Nach einiger Zeit wird genug zu berichten sein,
Ws Briefen, die an mich, gelangten, ersah ich,, daß' man sich die Kriegsberichterstattincg in etwas unwirklichem Lichte vorstellt. Man erwartet etwa eine durchge führte Schllderung der Schlacht von Tannenberg, Das ist gcinz- lich ausgeschlossen. Ein Schlechtfeld, das über 80 Kilometer 'Ausdehnung hat, eine Schlacht, die aus mehreren) hundert Ernzelgefechten besteht, Gefechten in dem Umfang einer „früheren" Schlacht, kann kaum ein Jahr danach' in der richtigen Zusammenstellung aus hundert Einzelb'erich- ten so geschildert werden, daß man ein wahres Bild des Riesenkanrpses bekommt. Unwahre Bilder aus dem Mund eines Mitkämpfers eilig zusammengerafst, lassen sich natürlich weitertragen. Wer es wird meine ganze Mühe nnd Arbeit darauf gesetzt sein, ^em Kriegs k l a t s ch auszuweichen, DLan soll an dieser Stelle emen .Abglanz sehen des über alle Maßen herrlichen Lebens und Siegens unseres deutschen Heeres, Die nicht dabei sein dürfen, sollen nicht den Staub der Gerüchte, sondern den stillen Glanz unseres Ostheeres von weitem zu sehen glauben. Es wird hier keine Zelle der Zelle willen stehen, Wan muß' eben Geduld und immer wieder Geduld haben, Aas Vertrauen, das wir irgendwie weiter«eben können, der Heimat weitergeben, wird sich hoffentlich auch! zu den deutschen Kriegsbericht-- erstatiern einstellen. Nach lleberschreiten der Grenze wird der Strom reichlicher fließen. Wahrscheinlich schon vorher, wenn die Kanonen, die stündlich vor unfern Fenstern vorbeirasselten, den Russen aufs Neue „Victoria!" zu gebrüllt haben werden, Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter,
Dort, wo der deutsche Kronprinz den Widerstand des französischen Heeres erneut gebrochen hat, im Südwesten von Verdun, erhebt sich über dem Flüßchen Acre das Plateau von Sonilly. Das ist ein eintöniges, wenig anziehendes Land, großenteils von Wäldern entblößt, an deren Stelle sich stattliche, aber nüchterne Dörfer niedergelassen haben. In einer großen Krümmung klinrmti die Eisenbahn von Bar-le-Duc dies Plateau empor. Da liegt der Hauptort des ganzen Bezirkes, das große Dorf Sonilly inmitten gut gehaltener Wiesen, Aber die Gegend behält ihr charakterloses Gepräge, und erst, wenn man nordwärts in das Tal lsinabsteigt, las die Eisenbahn nach Paris dnrchcllt, ändert sich das Bild, Da stößt man mit einem Male auf Verdun, Schon zeigen die flach gedrückten Höhen zu beiden Seiten Befestigungen, Hier liegen Reglet und Gloricux, die den Lesern Goethes aus seiner Schilderung des Feldzuges von 1792 ivohl bekannt sind. In diesen Orten bc- fanden sich die Lager der Preußen, bevor sie zu der verhängnis-- vollen Kacconade von Balmy oufbrachen: auch Goethe hatte damals in Berdnn geweilt, und dadurch, daß die preußischen Soldaten die erst halb reisen Trauben der Weinberge dieser Hügel aßen, zogen sie sich jene Krairkhcit zu, die nachher die Reihen der Braven so schwer gelichtet hat,
Glorceux ist schon ein Vorort der Stadt selbst. Jeder Schrüt weiter bezeugt aufs kräftigste, daß Verdun unter dem Zeichen des Mars steht. Um den Bahnhof gruppiert sich ein ganzes Viertel von militärischen Bauten, Die Stadt ist voll von Soldaten: ihre Besatzung zählt zuzüglich der der umliegenden Forts über ein Drittel der gesamten Bevölkerung, Das beste Blld von Verdun gewinnt man, wenn man Stadt und Umgegend von Bellevillc her betrachtet, einer Höhe, die im Norden der Stadt belegen ist. Das Bild, das sich von hier ans öffnet, ist merüoürdcg genug und man vergißt es nicht leicht wieder. Die Verduner Landschaft wägt im ganzen einen ttaurigen, wenig ersieulichen Charakter, hier und da ein Hügel, selten einmal ein Gehölz, es fehlt der Natur an Frische und Reiz, Sie hat hier gegen die Stadt hin eine Art von Riesenzirkus gebildet, dessen Abhänge von Weinpslanzimgen und Häusern bckeckt sind, Bon Zeit zu Zeit eine Kuppe, und jede Kuppe ist von einer Befestigung gekrönt. Alle diese Befestigungen sind untereinander wieder durch Batterien und gedeckte Stellungen verbunden. Ganz in der Mitte dieses mächtigen Halbkreises liegt Verdun, welches sich von hier aus gar klein ausncmmt, Es drängt sich da um seine Kathedrale und uin seine Zitadelle, und es scheint zu schlafen.
Steigt inaic aber dann hinab, so sieht man sich doch in einer recht lebhaften Stadt, In den engen und gewundenen Straßen herrscht ein ziemlich reger Verkehr; er erscheint bedentender dadurch, daß man in der Stabt eigentlich nirgends recht Raum und Platz findet. Dazu muß man erst zur Maas hcnabstecgen, Dort gelangt man auf einen stattlichen Platz und zu der breiten Brücke, die den klar fließenden Strom überspannt. Von hier aus ist der Blick auf Verdun anziehend. Er sälkt auf den Hügel, auf dein fisch die älteste Ansickelung, das anttke Verröuiucm, niedergelassen hot, und den heut die Kathedrale krönt. Seine Abhänge sind ganz bedech mit alten Häusern, die sich um stelle Hügcltreppen drängen. Hier unten, am Flusse, dehnen sich stattliche Uferstraßen: und hier stehen auch die hübschestecc Neubauten der Stadt, ein flottes Theater und das Hans der Ofsiziersmesse, Die Maas selbst teilt sich in fünf Arme, so daß die Viertel der Stadt am liccken Ufer Inseln bilden, Uebcigens ist die ganze Stadt Verdun an Geschichts- und Baudenkmälern herzlich arm. Sie hat ein hübsches Stadthaus von 1623 und einen imponierenden Turban an der Porte Chaussee, Die Ansichtskartenäbblldungen von Verdun müssen sich mit den Wbildungen von Kasernen und einzelnen schnurrigen alten Häusern behelfen. Der interessanteste Teil der Stadt bleibt immer die Oberstadt, Das ist eine Stadt für sich, eine Stadt in der Stadt, Da steht die kalte, schwesiällige Kathedrale, der Bcschofspalast und das Seminar: da erheben sich stark und drohend die Zugänge ;ui alten Zitadelle, und da befindet sich auch der elegante Spazierweg der Stadt, die Promenade de la Roche,
Das ist Verdun, unter den vielen traurigen Provinzstädten Frankreichs wohl eine der wenigst anziehenden. Und eine Ironie des Schicksals wlll, daß diese von Waffen starrende Stadt und Festung in Frankreich vor allen Dingen wegen ihres Zuckerwerkes bekannt ist. Die Bonbons von Verdun kennt jedes Kind in Frankreich: und wenn der Pariser Zug die Stadt vassiert, dann kaufen sich die Reisenden am Bahnhofe Verduner Zuckerwerk, wie man etwa bei uns in Deutschland auf dem Lübbener Bahnhof saure Gurken oder auf dem Nürnberger Lebkuchen ersteht.
Schiller und der Urieg.
Unter den guten Genien, die das deutsche Volk in schwerer Stunde als geistige Helfer heransbeschwört, steht unser Nationaldichter Schiller mit an erster Stelle, und neben den Worten Friedrichs des Großen, Bismarcks nnd Moltkes hat ncan auch diesmal am häufigsten Verse Schillers gehört, wenn es galt, die Herzen zu erheben und die Begeisterung zu entflammen. Und wahrlich! Der Schöpfer des „Wallenstein" und „Teil" ist gerade jetzt der rechte Prediger und Prophet der Seinen, denn unter den deutschen Poecen ist er so recht eigentlich der Sänger des Krieges, und der Pulsschlag seines Tcchtergeistes schlägt kaum je so voll und stark, als wenn er sich in Kriegszett und Kriegsleben bewegt. Man merkt es ihm an, daß er ein Soldatenkind war, ausgewachsen unter dem Rasseln der Trommeln und dem straffen Ton des Befehls, Dem lebhaften .Knaben erzählle der Vater vom Lagerleben, aus dem Feld, von seinen kecken Husarenzügen in den Niederlanden, von dem Feldzug 1757 in Schlesien und Böhmen, von der Schlacht bei Leuthen und von andern Kriegszügen, die er ttn württcm- bergischen Dienst ncttgemacht Hätte Schiller doch beinah« cm Lager das Licht der Welt erblickt, schwebten doch um den heimischen Herd die heldenhaften Bilder einer wehrhaften Zeit! Freude an Heer und Krieg beseelt den Karlsschüler, der seine beiten Jugendfreunde unter Soldaten findet, in Scharffenstein, Kaps und andern. Diese Lust an der Gestaltung des „wilden eisernen Würfelspiels" kommt schon in seinem mächtigen Jugendgedicht „Die Schlacht" zum Ausdruck, und echte, edle Kriegergestalten sind die Männer, die er sich nach dem unreifen Heldentum des Räubers Moor zum Gegenstand der Dichttmg wählt; ernstlich denkt er an Mn Epos, das die Taten Friedrichs des Großen verherrliche, dann, trittihm Gustav Adolfs königliches Kämpfen und Fallen mit leidenschaftlicher Lebendigkeit vor die Seele, und schließlich bleibt der innere Blick an jenem düstern, großen Heerführer haften, dessen strenges, gepanzertes Blld er aus den Grund jener reisigen, rauhen und wüsten Zeit des dreißigjährigen Krieges zeichnet. In den meisten Dramen Schillers llirrcn und blitzen dtt Schwerter, schmettern die Trompeten und wiehern des Menschen tapfere Kampfgenossen, die Rosse, Aber sein eigentlicher Kriegsgesang ist doch diese ge- wälttge Wallenstein-Trllogce, von der man richtig gesagt lßtt, daß ein Pnlvevgcriich sie erfülle, in der der eherne Waffenlärm des durch Napoleon entfachten Weltkrieges wcderhallt, wie es der Dichter im Prolog selbst bedeutend ausspricht. Und rn dieiem dramati- schen Hy nchrus aus Heldentum Mp, Hechenkampi ist Pas künstlerisch
Höchste das Vorspiel der tragischen Handlung, sWalleusteins Lager, in! dem sich lichter Humor mit stolzem Ernst zu einer einzigartigen Verllärung des Soldatengeistes vereinigt, Ws dem leichtsinnigen Toben und Treiben der Söldner, aus dem dumpfen und wilden Gelärm dieser farbenbunten Wasfenwelt steigt spie eine dämonische Geffterjagd das wilde Heer der Höllischen Jäger ans, lemistet der sittliche Gehall eines höheren Zweckes in den hochgestttninten Worten des ersten Kürassiers, erhebt sich die finster erhabene Gestalt des vergötterten Feldherrn, „und der Geist, der cm ganzen Korps tut leben, reißet gewallig wie Wücdesweben auch den untersten Retter mit". Wie hier die Ehre des Soldaten über das verworrene Dunkel einer entsittlichten Zett ttttcmphiert, so wird in des Dichters späteren Dramen die Idee des Krieges geläutert und aus jene menschliche Höhe gehoben, in der seither das Schcllersche Ideal des Krieges dem deutschen Volk in allen seinen Kämpfen vorangeleuchtet. So hat er den Krieg als sittliche Forderung in jenen berühmten Versen der „Braut von Messina" besungen: „Wer der Krieg hat auch seine Ehre, der Beweger des Menschengeschicks ,,." Als der große Lehrmeister der Nation erscheint er hier, der den Menschen, der „in Frieden verkümmert", znm Bewußtsein seines Mutes und seiner Kraft bringt, ihn auf sein kleines Eigenglück verzichten läßt, um es dem Gesamtwillen der Nation zum Opfer zu bringen; als der große Arzt offenbart sich der Krieg, der das Ungesunde aus dem Volkskörper ausstößt und „alles just Ungemeinen erhebt", Kraft nnd Größe ans Licht bringt. In diesem Gedanken der Erhebung eines Volkes zum Schutz seiner Herde nnd Altäre, des bedrohten Vaterlandes, von Weib und Kind wird der Krieg zu einer heiligen Handlung, und in der Wunder- gestalt der „Jungfrau von Orleans" tritt so der Genius eines gerechten Krieges hervor, der geführt wird um die höchsten Güter eines Volkes, Noch näher aber ist Schiller dem Atem einer nahen großen Zeit in seinem „Tell" gekommen, in dem das „Volk in Waffen", der Befreiungskampf so wundervoll vorausgeahnt ist, daß das Wort des Dichters zur Wirklichkeit wurde, da die Zett erfüllet war. Als leuchtende Sterne schweben allen Kämpfern Deutschlands stets Worte voran wie die: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles fteudig setzt an ihre Ehre", „Was ist unschuldig, heilig, menschlich, gut, wenn es der Kamps nicht ist ums Vaterland?" „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern," „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich an,,." Das Natioual- gefühl, das der Dichter hier in unvergänglichen Versen seinem Volke eiccgeprägt und in den Sinn gehämmert, es ist dir kösllichste Gabe. die der stechende.Seher Ms httrterlassen. Sein Deutschtum,
geboren aus dem Geist eines heiligen Krieges, sttebte in jener Zett, da deutsches Volk und deutsche Eigenart von einem fremden Eroberer mit Füßen getreten wurde, znm Wsdrnck in einer ge- walttgen vaterländischen Dichtung, von der leider nur wenige Trümmer spät ans Licht getreten sind. Gerade heute aber, da wir Schillers als eines der geistigen Führer unserer Heerscharen gedenken, müssen wir an jenen unvollendeten Gesang von „Deutscher Größe" erinnern, den Schiller schon 1797 plante und der uns erst vor zehn Jahren bekannt geworden ist. Der Dichter ttäumt hier von der wundervollen Zukunft seines Vaterlandes, da deutsche Größe, die „eine sittliche Größe cst und in der Kultur und imCharakter der Nation wohnt", die Welt beherrschen wird. Dem Deutschen „ist das Höchste bestimmt, und so, wie er in der Mitte von Europens Völkern sich befindet, so ist er der Kern der Menschheit, jene sind dce - Blüte und das Blatt", Weh dem, ,cher des Briten toten Schätzen huldigt und des Franken Glanz!" „Deuffche Größe bleibt bestehen!"
— Die Wiederanheilung einer abgeschnittenen Hand, Man schreibt uns: Ein schönes Beispiel dafür, welche Erfolge sich in der Chirurgie mit konservativer Behandlung — bekanntlich dem herrschenden Prinzip in der Kriegschcrurgie — erzielen lassen, bildet ein interessanter Fall, den Dr, Schlößmann in der Tübinger Universttätsllcnik behandelt bat: Einem ,'inaben war die rechte Hand von einer Futterschneidemaschine glatt ttn Gelenk abgeschnitten worden. Alle Sehnen, Nerven, Blutgefäße waren dnrchgctrermt; die einzige Verbindung, die übrig geblieben war, bestand in einem 3 Zenttmeter breiten Hautfnel zum Arme hin. Sofort nach der Verletzung war der Handstumn an die Ilmer armwundiläche gepreßt und ein .Notverband angelegt ivvrden. Noch vor wenigen Jahren hatte kein Chirurg auch >uir einen Augenblick gezweifelt, daß die Hand verloren sec. Heute, wo man, w:e gesagt, auf dem Standpunkt des Abwartens steht, vcriuchte man cn der Tübinger Klinik das verletzte Glied zu erhallen. Man nahte zunächst die Kicochenhant, dann die Gelentblätter und scl-ließlr.; die Sehnen, zwecnndzwanzig an der Zahl, ^cc Mlgewandte Muhe wurde durch einen vollen Eriolg betohnt, denn die Vaud tu wieder angehellt und in gewissem Grade funktwnslähcg, Mlerdmgs haben zu diesem überraschenden Resultat mehrere günstige Umstände bec- getragen, wie der zweckmäßig hergcstellte Notverband, der dce Forternährung des abgcschnittencn Gliedes ermöglichte, und tvetter das Ausbleiben jeder Eiterung, die den Anheilcmgsprozcß unterbrochen hätte.


