Nr. 209
Der Stzehener Anzeiger
erschein! läßlich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wocbeiillich tblrbenerjfamilienbtätter; ziveiinalwöcbeniI.Nreir- dlallsürdenlireikSicben (Dienstag »nd>vvcitaci); zweinial inanall. pand- wirtschaftlichr öeilsragen sternlorech - Anjchlüsje: iür die Redaktion 112, Verlag », Exvedilion öl Adreste iür Devcschen: Nnzeiger «rieten. Ainnrhm« von dinzcigcn Iür die TagcSrinnnner bis vorniitlagS 9 Uhr.
Erster Blatt
X64. Jahrgang
Montag, 7. September Ml
General-Anzeiger für Oberhessen
8 e z u g 4 vr. iK:
nionc llich75 M.,v>eriel- >ähr i'lf. 2.20; durch Abhc'.e- u. Ztoeigstelien monatlich 65 P!.; durch die Po't Pik. 2.— viertel» jähri. ausichl. Bettelt^ Zeilenpreis: lokal lbPst auswärts 20 Pienniq. Lhetredakleur: A. Goey. Verantwortlich fiit den volit. Teili Aug. Goey; Iür .Feuillcton', ,Ber- mijchles' und„Gerichls» >nal": Karl ?ic„rnth; iür »Stadl »nd Lana";
Rotationsdruck und Verlag der tzrühl'schtn Univ.-Snch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7. Auze>q^,uea':' H? BeL
mn Solls von Maubeuge gefallen. General Kreuch merkt 5-e deutschen Absichten.
Trotzes Hauptauarticr, 6. Sept. (Amtlich.) <3e. Majestät der Kaiser wohnte gestern den A n g r i f f ö -- kümpscn um Die Befestigungen von Naney bei. Kon M au b eu g c sind zwei Forts und deren Zwischen- stellnngen gefallen. Das Artillcriefener konnte gegen die Stadt gerichtet werden. Sic brennt bereits an mehreren Stellen. — Aus Kavieren, die in unsere Hände gefallen sind, geht hervor, daß der Feind durch das Vorgehen der Armeen der Generalobersten v. K l u ck und v. B n - low nördlich der belgischen Maas vollständig überrascht worden ist. Noch am 17. Aug. nahm der Feind dort nur deutsche Kuvallerie an. Die Kavallerie dieses Flügels unter der Führung des Generals v o n d e r M a r w i tz verschleierte also die Armeebewegungen vorzüglich, trotzdem würden sie dem Feinde nicht unbekannt geblieben sein, wenn nicht zu Beginn des Aufmarsches und Vormarsches die F e l d- postsendungcn zurückgehalten wären. Bon Sce- reSangehürigcn und deren Familien ist dies als schwere Last empfunden und die Schuld der Feldpost beigemessen morden. Im Interesse der arbeitssrcndigen und pflichttreuen Beamten der Feldpost habe mich verpflichtet gehalten hierüber Aufklärung zu geben. Generalquarticrmeister von Stein.
London. 6. Scpt. (Nichtamtlich.) Von dem Prcssc- burem: wurden gestern nachmittag l IV- Uhr nachstehende Berichte des Generals French veröffentlicht.
Die Lage auf dem Kriegsschauplatz ist nicht wesentlich verändert. Die Stellungen der Verbündeten werden noch «behauptet. Es bestehen Anzeichen, daß die Bewegungen der Deutschen sich nach Osten und nach Südosten entwickeln.
Das Interesse unseres Kaisers für militärische Tinge zeigt sich auch in diesen ernsten Tagen. Er ist überall. .Hatte er vor einigen Tagen der Schlacht beigew-ohnt, in der die Franzosen auf Verdun zurückgewarfcn wurden, so erfahren wir heute, daß er den Angrissskämpfen »in Nancy bei- gewohnt hat. Das Heer des Kronprinzen Rupprecht von Bayern ist also nicht untätig und hat wieder neue.Erfolge errungen. Auch im Norden Frankreichs steht die einzige noch im Besitz der Franzosen befindliche Festung Maubengc vor dem Fall; zwei Forts -und dgrcn Zwischenstcllungen sind bereits gcnoinmcn worden. Ta nichts mehr im Wege steht, nun auch das Feuer ans die Stadt selbst zu richten, wird, der Konimandant wohl zur llebergabe naigen.
Die Erklärung dafür, daß cs den Generalen vd Much und v. Büloiv gelungen ist, so erstaunlich schnell in Nord» srankrcich vorzudringeni lieg! nun auch vor; der Feind ist einfach völlig überrascht worden und kam überhaupt nicht dazu, die erforderlichen Stellungen einznnehmen. Kaum sahen die den Eindringlingen enkgeg.'ngeschickten Truppen den Feind, so iraren sie hon diesem auch schon besiegt, ltzeneral French, der englische Kommandant in Frankreich, batte auch nichts gemerkt. Mer jetzt scheint er besser aufzupassen. Wenigstens hat er einen Bericht über die Lage herausgegebcn, in dem er erklärt haben soll, die Anzeichen deuteten darauf hin, daß die deutschen Truppen ^n Nord- srankrcich sich nach Osten und Südosten wendeten, also vorläufig von Angriffen auf Paris absähen. Ein holländisches Blatt ltnll* wissen, der Präfekt des NorddepartcmentS sei durch die Deutschen gefangen genommen. Von der Präfektur in Lille seien 7 Millionen, in Armantieres eine halbe, in Amiens eine Million Kricgsabgabc gefordert worden.
lieber die Vorgeschichte des Krieges, soweit die Haltung Englands in Frage koinmt, veröfscntlicht die englische Regierung neuerdings in einem Weißbuche weitere Einzelheiten. Davon ist natürlich am interessantesten die Darlegung des bisherigen britischen Botschafters in Berlin, Sir Goschen, der über die letzten entscheidenden Gespräche mit den Leitern der deutschen Politik berichtet. Sir Edtvard Grey hat iin englischen Unterhausc in den letzten Tagen erklärt, die von der deutschen Regierung veranlaßte Veröffentlichung des deutsch-englischen Telegrammwechsels sei unvollständig. Die ,,Nordd. Allg. Ztg." widerlegt diesen Vorwurf sehr gründlich. Es handelt sich in der Hauptsache am jene von Sir Grey angedcutcte Möglichkeit, daß Frankreich und Deutschland sich nur bewaffnet gcgenübcrstehcn sollten und um die Anfrage Englands, ob Deutschland geneigt sei, im Falle der Neutralität Frankreichs von Angriffen aus dieses Land abzustehen. Hand in Hand damit gingen die Erörterungen um Belgiens Neulraütät.
Wir können diese angeblichen „Ndißvcrständnrsse", die nach Sir Grey ans deutscher Seite vvrgeherrscht haben, auf iich beruhen lassen. Die Haupts ack>e ist, daß der deutsche Botschafter, nach der „Nordd. Allg. Ztg.", in seinem Bericht cm die deutsche Regierung feststellte: „Auf meine Frage, vb er unter der Bedingung, oaß wir die Neutralität Belgiens wahrten, mir eine bestimmte Erklärung über die Neutralität Englands geben könnte, erwiderte
Minister, das sei ihm nicht möglich, doch würde ^cse Frage eine große Rolle bei der hiesigen öffentlichen Meinung spielen." Wir meinen, diese Antwort spricht Bände. Englands Heuchelei bei den entscheidenden Verhandlungen ist erwiese»!
Heute erfährt die Welt aus einem Telegramm der „Frkf. Ztg." aus Tokio, daß der japanische Minister des Aeußcrn im Parlament erklärt habe, anfangs August habe Großbritannien mit Hinweis auf den Vertrag Hilfe von Japan erbeten, da deutsche Kriegsschiffe den englisck>-jspanischen Handel bedrohten undman sich in Kiautschau auf den Krieg vorzubereiten scheine. Also auch hier Hetzerei und Heuchelei!
A in st c r d a in , 6. Scpt. Aus London wird ossziell gemeldet: Sir Edward Grey, Paul Cambon und Gras Bcnckendorff haben eine Erklärung unterzeichnet, nach der England, Rußland und Frankreich sich gegenseitig vcr - pflrchten, während des gegenwärtigen Krieges keinen Separatfrieden zu schließen. Tie drei Regierungen sind übcreingckommen, daß für den Fall der Beratung von Friedensbedingungcn keine der verbündeten Regierungen Friedensbedingungen stellt, ohne zuvor die beiden Verbündeten befragt zu haben. Von Belgien ist in der Erklärung nicht die Rede. (Franks. Ztg.)
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Tic belgische Stadt Termonde beschossen?
L o n d o n , 6. Sept. (Nicht amtlich.) Aus Ostende wird gemeldet, daß die Deutschen Termonde beschießen.
Termonde hat etwa 10 000 Einwohner und liegt zwischen Gent und Antwerpen.
Aus Paris.
Paris, 6. Sept. (Nicht amtlich.) Eine amtliche Mitteilung an die Armee besagt: Die Bewegungen der entgegen stehenden Armeen haben sich vollzogen, ohne daß heute Ausfälle gegen unsere Stellungen gemacht wurden. Die deutschen Flieger haben es von gestern ab unterlassen, Paris zu überfliegen.
Berlin, 6. Scpt. (WTB. Nichtamtlich.) Die „B. Z." meldet aus Genf: Der Polizeipräfekt von Paris gibt bekannt, baß von jetzt an nur eine gewisse Anzahl von Toren für bas Publikum geöffnet bleibe; die übrigen werden geschlossen. Die Militärzonen und gewisse Punkte des nördlichen Weichbildes werden geräumt. In den Außengemeinben würben auf Anordnung der Maires die Fahnen eingezvgen.
Englische Schiffe beschossen!
Wien, 6. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Wie an unterrichteter Stelle verlautet, liegt im Hafen von Alexandria ein schwer beschädigter englischer Krcuzer, der deutliche Spuren einer Beschießung aufweist. Außerdem liegen dort ein zweiter englischer Kreuzer, ein Torpcdojäger und zwei Torpedoboote, die nach Port Said flüchteten, im Dock in Reparatur.
Ronen von de» Franzosen geräumt.
(WTB.) Kopenhagen, 5. Sept. Einer weiteren Meldung zufolge haben die Franzosen Rouen geräunkt.
Die deutsche Post in Belgien.
Berlin, 5. Sept. (WTB. Amtlich.) Im Bereiche des kaiserlich deutschen Generalgouvernements Belgien wird in den nächsten Tagen eine dem Reichspostamt unterstellte Po st- undTelegraphen Verwaltung eingerichtet. Mit der Leitung dieser Verwaltung ist Oberpostdircktor Geheimer Obcrpostrat R o n g e (Erfurt) betraut, dem die Posträte Fleicher und Schüller und die Oberpostinspektoren Pohl, Steinmann, Orth und Reinhold sowie das erforderliche Bnreaupersonal zugewiesen sind. Die Postverwaltung von Bayern und Württemberg sind ersucht worden, auch ihrerseits Beamte zu der deutschen Post- und Telegraphenverwaltung in Belgien anzuordnen.
Kein Arbcitermangel in Lüttich!
Berlin, 6. Sept. (Amtlich.) Das Gouvernement Lüttich warnt bringend vor Z u zu g v o n A r b e i t e r n n a ch Lüttich, ba infolge starker Arbeitslosigkeit und des Stillstandes der Betriebe Arbeitsmöglichkeit gänzlich ausgeschlossen ist.
Wie sich die französische Regierung in Bordeaux cinrichtet.
Bordeaux, 6. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die Stadt ist sehr belebt, seitdem die Mitglieder der Regierung und der gesetzgebenden Körperschaften, sowie zahlreiche Pariser, deren Auswanderung aus Südwesten fortdauert, hier an- gekonrmen sind. Präsident Poincare wohnt in der Präfektur, Ministerpräsident Viviani im Rathause, Kriegsministar Millerand im Generalkommando und der Marineminister Augagneur in der Marinescmitätsschulc. Die Botschafter haben in Bordeaux, die Gesandtschaften in Arcachon Wohnung genommen. Es kommen immer mehr Pariser hier am
Der Reichstag für den Ausbau der Marine!
(WTB.) Berlin, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Im An-' schluß an frühere ähnliche Besprechungen fand heute im R e i ch s t a g s g c b ä u d c unter dem Vorsitze des ersten Vizepräsidenten Dr. P a a s ch e eine Beratung führender Mitglieder der bürgerlichen Parteien in der Absicht statt, den festen Willen der Abgeordneten zu bekunden, die sicher den Reichstag und das deutsche Volk hinter sich haben, auch im Kampfe zur See alle Kräfte der Nation bis zu Ende einzusetzen. Der hohen politischen Bedeutung des gefaßten Entschlusses entsprechend wurde sogleich nach Abschluß der Beratungen nachfolgende Mitteilung dem Staassekreltär des Reichsmarineamts zur Kenntnis gebrachte Tic Unterzeichneten Mitglieder des Reichstages erklären sich bereit, in ihren Fraktioiren und im Reichstag dafür einzutretcn, daß alle Maßregeln des RcichSmarineamtcs, welch« die Kreigsnot erheischt, in etatsrechtlicher Hinsicht und bezüglich der Rechnungslegung genehmigt werden. Insbesondere sind sic bereit, einzutreten erstens für den sofortigen Ersatz verlorener Schiffe, zweitens, für die sofortige Durchführung aller 1912 beschlossenen Maßnahmen, drittens für den sofortigen Bau des 1915 fälligen Ersatzes, viertens für die Herabsetzung der Lebensdauer der Schisse von zwanzig auf fünfzehn Jahre.
Unterschrieben und gezeichnet: Dr. Paasche. Freiherr v. Gamp. Erzberger. Gröber. Dr. Wiemer. Graf Westarp. Schulz-Bromberg.
Angst der Engländer.
Malmö, 5. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) „Sydsvenska Dagbladet" meldet ans Istad: In den englischen Hä- s e n herrsche große Fur cht v or d er d e u t s che n Fl o t te. In Hartlepool würden an jedem Abend vor den Docks Torpedonetze ausgespannt. Die Nervosität wegen der deutschen Minen an der britischen Küste sei nnbeschireiblich. Außerhalb des Tyne seren an einem Tage fünf Fahrzeuge in die Luft geflogen, drei englische und zwei fremde/ Die Re kru t e n a n wc rb nn g für die britische Armee gehe langsani vor sich. In einer Stadt von 70 000 Einwohnern hätten sich nur 100 Mann gemeldet, größtenteils Strolche und andere heruntergekommene Menschen. In England herrsche strenge Zensur. Das Volk erfahre den wirklichen Zustand auf dem Kriegsschauplatz nicht; die Niederlagen der Engländer würden von den Zeitungen als Bagatelle hingestellt. Im großen und ganzen herrsche wenig Begeisterung für den Krieg. In mehreren großen Jndustrie- bezirken liege die Arbeit darnieder.
Tic englischen Freiwilligen.
(WTB.) Kopenhagen, 5. Sept. (Nichtamtlich.) „Berlinske Tidende" meldet aus London: Das Parlamentarische Komitee der Trade Unions billigt in einem Manifest die Teilnahme der Arbeiterpartei an dem Kriege. Wenn das F r e i w i l l i g e n s tz st e m die Probe nicht bestehe, sei die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht unvermeidlich. Seit dem Beginn des Krieges meldeten sich 26000 Mann zu den Fahnen; in öer letzten Zeit sei der Zustrom gewachsen.
(WTB.) London, 5.Sept. (Nichtamtlich.) Den Zeitungen zufolge sind Schritte getan worden, um einen parlamentarischen Rekrutierungsansschuß zu bilden, an dem alle Parteien teilnchmen. Präsidenten sind Asanith, Bonar Law, der Vertreter der Arbeiterpartei Arthur Hendersen.
Deutsche und Oestcrreicher als Kriegsgefangene in Südafrika zurückgehalten.
(WTB.) L o n d o n, 5. Sept. (Nichtamtlich.) Das Rcu- tersche Bureau meldet aus K a p st a d t: Etwa 800 deutsche undöstcrreichischeReservistcn werden in einem besonderen Lager bei I o h a n n i s b in: g als Kriegsgefangene zuriickgehalten. Ter Prinz von Salm-Salm und andere Offiziere erhielten besondere Quartiere in Bloemfontein.
Eine Auszeichnung des Generals v. Hausen.
(WTB.) Dresden, 5. Sept. Ter König verlieh denk Generaladjutanten Generalobersten Freiherrn v. Hausen das Ritterkreuz des Militäv-St. Heinrichsordens und ließ ihm folgendes Telegramm zugehen:
Ew. Exzellenz spreche ich meinen herzlichsten Glückwunsch auS zu dem großen Anteile, den meine Armee unter Ihrer Führung an der gewaltigen Schlacht an der Aisne genommen hat. Ich glaube keinem RLürdigeren als Ihnen das Ritterkreuz meines Militär- St. HcinrichsordenS verleihen zu können, der Ihnen sobald tvie möglich zngehen wird. Friedrich August.
Heldentat des Prinzen Friedrich Karl von Preußen.
Prinz Friedrich Karl hat sich in sportlichen Kämpfen der vergangenen Monate allen Mitstreitern gegenüber als Meister erwiesen. Damals war cs friedlicher Wettstreit,. heute ist es Krieg. Den Siegermur, den der Prinz in friedlichem Kampfe zur entscheidenden Geltung brachte, hat er auch im Kriege bewährt. Wir Deutsche wissen alle, von dem tollkühnen Husarenoffizier, der aus flinkem Roß in Lüttich, die derzeit noch wasfenstarrende Stadt war, hineinsprcngte. Wir alle haben mit dankbarem Herzen diesen draufgängerischen Heldenmut als,Zeichen der Kraft bewundert, die vernichlend über unsere Feinde hinrastc. Heute


