Nr. 205
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Zweites Blatt
m. Zahrgcmg
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Kies, euer Lomklünbiätt«" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „ttteirdlaN für den Urei; Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejsen
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och, 2. September TO
RotatiooSdruck und Verlag der Bpuhllfchen UnioersttÄs - Auch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: ^^<A. Redakttom^-^llL. Tel.-Adr.:Anzetg«rGießen.
Vollendung des Schlachtenfieges.
Dre Ereignisfe, die sich seit dem 20. d, M. aus dem westlichen Kriegsschauplatz zugetragcn haben, geben uns in ihrem ZusannireAhange das Bild einer neuzeitlichen Entscheidungsschlacht größten Stils, Unter diesem Gesichtspunkte müssen die Ereignisse betrachtet werden, um auf Grund kriegsgeschichtlicher Erfahrung eine richtige Vorstellung von ihnen und ein zutreffendes Urteil über ihre Tragweite zu gewinnen. Die Aufgaben, die in den Schlachten des vorigen Jahrhunderts den Armeekorps zusielcn, sind jetzt ans Armeen von durchschnittlich drei bis fünf Korps übergegangen, und die Armeekorps kämpfen in zwei- bis dreimal so großer Frontbreite wie damals. Die Schlacht von Gravelotte-St, Privat, die größte des Krieges von 1870/71, wurde auf deutscher Seite von acht Armeekorps geschlagen, deren beide feindliche Flügel umfassende Front eine Länge von 18 Klm, halte. Der amtliche deutsche Bericht vom 27. d, Mts, über die letzten Kämpfe in dem gegenwärtigen Kriege führt sieben deutsche Armeen namentlich an, denen sich allem Anscheine nach die gesamten Feld- und Feldreserve-Streitkräste Frankreichs, die ganze sogenannte Expeditionsarmec Englands sowie der noch kampffähige Teil der belgischen Armee gegenicher befindet oder befunden hat. Die deutsche Schlachtsront ist, von Mau- bcuge bis vorwärts Metz und von da über Lunsville bis in das obere Vogesengebiet über MO Klm, lang. Die Schlacht besteht aus einer Reche von Einzelschlachten der Armeen, die, zum Teil selbst mehrere Tage dauernd, sich ^auf eine Reche von Tagen verteilen. An die Stelle der Stundcn- rechuung früherer Schlachten ist jetzt für eine große Entscheidungsschlacht die Rechnung nach Tagen getreten. Die EruhelUichkeit der räumlich und! zeitlich weit ausgedehnten Mesamchandlung aber wird dadurch angestrebt, daß den Armeen die von ihnen zu lösenden Aufgaben andauernd von, dem obersten Feldherrn gestellt werden, der ftlr sein Haupst quartier esten derartigen Aufenthaltsort wählt, daß er in ununterbrochenem telegraphischen Verkehr mit allen Armee- komnraudos steht, während jedes der letzteren gleichartige Verbindung mit den Rachbararmecn unterhält. Es ist anzu nehmen, daß unsere Gegner ein ähnliches Verfahren für ihre Heeresleitung gewählt haben. Sie haben hierbei die Vorteile voraus, die die Kriegführung im eigenen Lande besonders auch dadurch gewährt, daß das Eisenbahnnetz des letzteren -ihnen Truppenverschiebungen größeren Umfangs erleichtert, solche selbst während einer mehrtägigen Schlacht ermöglicht. Während nun die Operationen der deutschen Heere im gegenwärtigen Kriege mit einer energischen Offensive durch Belgien begannen, die in wenigen Tagen den größter^ Teil dieses Landes mit den beiden starken Maasfeftun-geni | und der Hauptstadt in unsere Gewalt brachten, nahm die " Schlackst ihren Anfang mit dem Vorstoß einer sehr starken französischen Armee gegen unseren linken Flügel in Deutsch- Lothringen, der am 20, d, M, durch den Kronprinzen von Bayern siegreich zurückgewiesen wurde. Der Kronprinz verfolgte den geschlagenen Feind, der hierbei schtnere Verluste, besonders ans seinem in die Vogesen gedrängten rechten Flügel erlitt, in südlicher Richtung bis über die Linie 'Luueville—Mamont, Dann wurde er von neuen feindlichen Kräften, die aus der Gegend von Raney und aus südlicher Richtung vorbrachen, angegriffen, wies aber auch diesen Angriff ab. Inzwischen hat die Armee des Generalobersten v, Heeringen die Verfolgung in den Vogesen nach Süden fortgesetzt, der Feind das Elsaß, geräumt.
Kurz nach dem ersten Siege des .Kronprinzen pon Bayern schritten nördlich von Metz-Tiedcnhosen der Deutsche 'Kronprinz am 22. August bei Longwy und zu seiner Rechten am 23, der Herzog Mbrecht von Württemberg, dieser zu beiden Seiten von Renfchateau vorgehend, zum Angriff aus :die vor ihnen befindlichen beträchtlichen festblichen Streii- kräfie, schlugen diese vollständig und haben, sie kräftig verfolgend, bereits die Maas überschritten, der Deutsche Kron-
f — Prinz, nachdem er einen von Verdun aus gegen seine linke Mcmke unternommenen Vorstoß abgewiesen. Die kleine ! Festung Longwy ist nach heftiger Gegenwehr tu unsere Hände gefallen.
Während dieser Ereigniffe ist auch der rechte Flügel des deutschen Heeres gegen den besonders starken linken des Gegners in Tätigkeit getreten. Die General-Obersten von Bmow und Freiherr v, Hausen haben mit ihren Armeen acht Armeekorps französischer und belgffcher Truppen zwischen Sambre, Ncrmur und Maas in mehrtägigen Kämpfen
vollstärrdig geschlagen und verfolgen sie jetzt östlich der Festung Maubeuge vorbei, deren Angriff eingelettet ist. Es scheint hiernach, daß diese Verfolgung in südlicher oder doch südwestlicher Richtung stattsindct. Denn bei Maübeuge hat der Generaloberst v, Kluck die Engländer erfolgreich angegriffen, den Angriff auf sie sowie auf drei französische Derri- torial-Divisionen, die sich ihnen angcschloffen hatten, erneuert und sie vollständig geschlagen. Sie besinnen sich in vollem Rückzuge über St, Quentin, mehrere Tausend Gefangene, sieben Feldbatterien und eine schwere Batterie in unseren Händen zurncklassend. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß am 25, und 26, August vier belgische Divisionen einen Vorstoß gegen unsere Verbindungen in der Richtung auf Brüssel unternommen haben, aber gleichfalls unter schweren Verlusten zurückgewiesen worden sind.
Sonach st ein Sieg errungen, der alle Teile der gesäurten Streitmacht unserer westlichen Feinde, esten pack) dem anderen, aufs sctstverste unmittelbar getroffen hat. Sie alle besinden sich ans dem Rückzüge, wenn nicht aus der Flucht, Ob und wo es ihnen getingen ivird, unseren, ihnen sicherlich von allen Seiten energisch nach drängeichen Armeen mit irgend welcher Aussicht auf Erfolg, weiteren Widerstand entgegenzusctzen, wird die Mkunst testen. Wir wollen die Zästcsteit unserer Feinde nicht unterschätzen, aber auch von der Entschlossenheit unsers Willens, den uns aufgedrungcnen Krieg zu siegreichem Ende zu sthren, nicht das Geringste Nachlassen, gleichviel welche Opfer zu diesem Zweck noch gebracht werden müssen.
v, Blume, General d, Inf, z, D.
Ueber die siegreiche Schlacht in Masuren
berichtet Paul Lindenberg, der Kriegsberichterstatter des „Berliner Tageblatt" aus dem Osten unter dem 3 0, August:
„Morgen vormittag Besuch des Schlackffeldes bei Hohenstein: Abfahrt 6 Uhr, die Ordonnanzen bewatsnet, die Herren vielleicht auch. Es sind noch Tausende Russen in den Wäldern und viele Versprengte, auch Verwundete, di« noch nicht ausgeiuuden, Eo lautete gestern abend, während die Stadt im Lichtcrschmuck zu Ehren des Sieges leuchtete, die Ankündigung unseres Generalstabshauptmanns, Unter seiner umsichtigen Führung irard feute morgen die Fahrt nach Hohenstein angelreteu,, wo es sich um eine wichtcgfte Entscheidung gehandelt hat, durch die zunächst Osterode mit festem reichen Hinterland vor grausamem Geschick bewahrt blieb. Mit uns surrten mehrere Flieger los, denn ist der Fand hier auch glänzend zurückgesckstageu und zum wesentlichsten Teil vernichtet, so gibt es doch noch genug andere große müitärische Ausgaben zu lösen. Längs der mit alten Eichen und Ulmen begrenzten Chaussee boten sich erschütternde Bilder dar. Hunderte von Fa milien aus dem durch die Russen gänzlich zerstörten Neidenburg uud Hohenstein führten aus den Feldern ihr Nomadenleben, Zum Teil hatten sie sich st Strohmüten singewiWt, teils schliefen sie aus und unter isten Gefährten,
Regstes soldatisches Leben herrschte überall. Die Fähnchen berittener Patrouillen flatterten im Winde, Melder aut Motorrädern sausten dahst, die Wagen der Feldpost rasselten vorüber, die schweren Lazaresiautos mit ihren doppelten Tragbahrengestellen ließen Hupensignale ertönen, Ost Tllnün Kraftwagen mit beskmrmter Flagge überholten uns die Offiziere des Oberkommandos, dann lauge Kolonnen von Munitw-n, und Proviant, Feldtelegraphen und Feldküchen, Alles deutete auf energische Vorwärtsbewegungen hin.
Vorüber an verlassenen Biwakvlätzcn mit Kochgeräten und Pserdepflöcken, Stroh- und Hatschichten: rückkestende Flüchtlinge mit Wagen, Pferden und Vieh hatten sie in Besitz genommen. Wie werden sie die Heimat wiederfstden? Sest schnell sollten wtr die Antwort erhalten. Zertrümmerte und zur Verteidigung ein berichtete Häuser unb^ Geferste längs des Weges, st den unteren Raumen blutiges Stroh, aus dem! Verwundete gebettet gewesen, rechts beim Graben am Waldesrand, der erste russische Tote, dahstter ein völlig ausgebranntes Haus, Weinend erzählt die Besitzerin: „Dreißig Jahre haben wir hier gewohnt, alles ist nun dahin, alles Vieh fort!" Ber dem Hause steht ein Holzkreuz aus einer Rnssenlanze mit der Inschrift:! „25 Russen begraben 28, August 1914," Uud nun folgen immer drängender und estdrstglicher die grausamsten Spuren des Kampfes, Erst einige Tote, dann Dutzende, dann der lstke Graben völlig ausgefüllt vou^ ihnen. Russische Jnsanteristen, dazwischen tote Pferde, Kühe, Schweste und Geflügel, zerschossene Wägen uud zahllose Waffen, Das Ins a nter t ef eu er der Unsereu hat verheerend gewirkt. In der Ferne zeigt sich eine Staubwolke, Auf Kosakenpserden nahen einige Landwehrsoldaten, dann Beglsitmaunschaften zu Fuß!, Zweitausend Gefangene sind gestern hört gemacht worben und werden an uns
vorbsigsiührt, Stumps trotten sic dahst. Wenn man diese rohen Gesichter sieht, glaubt man das Schlimmste der Gerüchte. „Galgenvögel sstd's, Mordbrenner, keine Soldaten", meinen unsere Landwehrleute, was mir später Ossiziere bestätigten, „Sie haben überall unsagbar gehaust, alle Häuser geplündert, alles nach Wertsachen durchsucht und mitgenommen, dann Feuer angelegt, Tie Kugel ist für diese Schuste viel zu scljade,"
Wir kommen nach H o h c n st c i n , einem freundlichen Städtchen von 30 000 Eimvohuern, Aber statt der Freundlichkctt herrscht hier des '.Krieges ganzes Grausen, Alles liegt in Trümmern, Durch die zerschossenen Häuserfronten sieht man ins kuncrc. Nichts ist ganz geblieben. Hier ichwelt es noch m dichten Wolken, da lodern müh die Flammen^ unerträgliche Glut ver- breflenü. Tote ,Ruffen lügen in den Straßen und totes Vieh: der Geruch ist kaum zu ertragen. Die Russen hatten feer vier Tage gehaust, dann wurden sü vertrieben. Unsere schwere Artillerie, die Hervorragendes leistet, heizü ihnen gehörig den Abschied est, Einc Scheune, in der sich hundert Kosaken verschanzt hatten, wurde in Brand geschossen. Gestern und auch heute noch fand man in deu Kellern v e r st e ck t und verbarrikadiert Russen, Einige von ihnen erschossen heimtückisch heute zwei Landwefemänner; die Meuchler schützen nicht mehr, Grvßarsiges hat hier bei Hohenstein einc gemischte Land- wchrbrigade geleffüt. Sie »rußte den ersten Stoß der Russen aushalten, die nach Nordwesten durchbrechen wollten. Hier setzte treffend die schwere Artillerie ein.
Den ,Weg, den wir gefahren, hatte auch unsere Ländwehr genommen, unterstützt von einer rechten Nebendivisron und nördlich von einem von Al len stein kommenden Armeekorps. Nach fettigem Kamps wurden die Russen geworfen und mehrere tausend Gefangene gemacht: auch Geschütze und Maschinengewehre erbeutet. Die Russen wurden östlich gegen die Seen zurückqedrängt; zugleich gsist das südlich von unserer Landwehr stehende Armeekorps über Neidenburg mit stark vor- genommatem rechten Flügel an. Nördlich der Landwehrdstifrou gingen über Allenftein, Wartcnburg, Bischofsburg weitere starke Teile unserer Truppen vor, und zwar mit starkem linken Flügel über Passenheim, so daß die Russen von drei, ja, fast von vier Seiten gefaßt und in die Sümpfe und Seen geworfen wurden. Gekämpft wurde überall gegen eine große Uebermacht, Durch geschicktes Ansetzen und sichtiges Opesicren wurden die herrlichen Esiolge erzielt, natürlich auch durch die bewunderswerte Tapferkeit aller unserer Truppen, die Niegeglaubtes vollbrachten, Tie Erfolge lassen sich noch gar nicht ganz übesiehen. Man zählt vorläufig drsißigtauiend Gefangene mit vülcu hohen Offizieren, die dem ffüher gerühmten russischen Mut wenig Ehre gemacht haben und froh waren, daß man nicht kurzen Prozeß mit ihnen gemacht hat. Heute danesien die Kämpfe mit sinem entwischten russischen Armeekorps noch an, !Bei Neidenburg tobten meist erbitterte siegreiche Waldgefechte, Was unsere Truppen ausbalten können, zeigten uns die mittags durch Hohenstsin ziehenden einzelnen Telle von Kavallesic, Jnsantesie und Artillerie, fast ausschließlich Reserve. Wü flott und frisch saßen di« Leute zu Pferde, wie stramm wurde marschiert, wie gitt war dü Stimmung trotz all des Durchgemacbien der letzten Tage! „Wir packen noch die anderen, dü noch st Ostpreußen sind," hieß es: „die Kerle sollen uns noch kennen lernen, keiner dasi hinaus!" Die Schlacht bei Tannenberg, wie man vielleicht biefe viertägigen Kämpfe nennen wird, wisi» immerdar zu den höchsten Ruhmestaten des deutschen Heeres zählen.
Die Schreckenstage in Saarburg.
Wir haben schon wiederholt Berichte von Augenzeugen über die dreitägige Franzosenhcrrschast in der lothringischen Kreisstadt Saarburg veröffentlicht, und über die Leiden, die die dortige Bevölkerung in den Tagen vom 17, bis 20, August auszustehen hatte. In der Woche vom 9, bis 15, August hatten sich die deutschen Truppen aus wohlerwogenen Gründen aus dem Gebiete zwischen Saarburg und der französischen Grenze zurückgezogen, die meisten Familien hattenSaar- burg verlassen. Und nun begannen die Schreckcnstage in der Stadt, worüber das Saarburgcr Wochenblatt vom 25. August, nachdem es zehn Tage hindurch nicht hatte erscheinen können, folgende Schilderung gibt:
Und dann brachen drsi furchtbare Tage über unser Saarburg und besten Umgegend bersin. Am Vormittag des Dienstag, den 18. August, erfolgte in der Richtung von Jmlingen her der Ein- masich der französischen Horden, Kurz nach 8 Uhr war cs, als die Vorposten furchtsam, zaghaft, an den Häusern entlang schleichend, in die Stadt kamen. Bald folgten größere Trupps und endlich in bunter Reihenfolge, sin malerisches, wildes Bild bietend, Kürassiere und Chasseure ä cheval, sine Radfahrerkomvagnü, die Jnsan- terieregimenter 95, 29 und 8,5, Artillerie, Gebirgsarsillerie und Maschinengewehrabtellungen, Ein Divisions- und Bsigadekomman- deur nahmen hier Quartier, Zunächst blieb alles ruhig: die Franzosen kampierün größtenteils in den Straßen der Stadt, wo sie auch abkochten, Die Einwohner flüchteten in sichere Keller und hielten ihre Geschäfte und Wohnungen vesichlossen.
Das Schöne im Nriege.
Der prächtige Friedrich Theodor Bischer, der große Prediger des Schönen in unserem Schristlum, der zugleich festst ein echter Dichter und ein kernhaster deutscher Mann war, hat im Kriege 1870 spät im Silberhaar das große Erlebnis seines Daseins gesunden und sein Weltgesühl aus eine ganz neue Warte gestellt. Er, der seinen lieben Deutschen so oft im zornigen Ernst und derben Spott einen Spiegel ihrer' Unsitten und Fehler oorgehaltcn, er wurde zum Lohredner des geeinten Vaterlandes, nahm als greiser Bänkelsänger die verstaubte Jugendharfc von der Wand und sang im Ton des seligen Philipp Ulrich Scharlenmaycr sein Heldengedicht vom deutschen Krieg, Auch dem Monumentalwerk seiner Aesthetik hat er damals ein neues .Kapitel angefügt, indem er in seinem berühmt gewordenen Vortrag „Der Krieg uud die Künste" in unvergänglichen Warten das Schöne im Ksiege darstcllte. Diese hallenden Worte des Meisters finden heute wieder ihren besonderen tiefen Klang. „Der Krieg ist darum nicht unästhetisch, weil er wild, weil er furchtbar ist", sagt Bischer,
„Tenn auch das Schreckliche hat ästh «tuchen Reiz. Wir legen den vomei triefe weg, wenn wir lesen, mit welcher grausamen Genauigkeit er Bcrwundungen beschreibt: — wir steigen gern die Treppe des Kapüols hinauf, um die «taste des sterbenden Fechters zu sehen, wie er, zu Boden gesunken, mit der bvetten Wunde in der Brnst, noch esten Augenblick den Oberleib aufrecht hält," Aber von düser Shauerwelt furchtbarer Gefühle, in die uns dos Bill» der Zerstörung versenkt, wenden wir uns empor zum Bild der zerstörenden Kraft und Uhlen uns eins nrit dem Helden, wachsen an ihm und mit ihm, „Der Ksieg läßt die Kr a ft ^erscheinen," So leuchtet uns das Bild des wilden, hohen, furchtbar schönen Heros, wenn A-cMes auf die Feinde:estwStet, «wst «stttstrbeln-
der Waldbrand": wenn dü herrlichen Gestalten der altgsiechischen Tempelreliefs gegensinander stürmen, „Doch nicht nur im Kampfe der .Estzelnen liegt das sstnffch Schöne 1>es Ksieges: das Getümmel, dü Menge, der Drang, der unaufhaltsame Sturm und Stoß von Massen verestigt die tätigen Kräfü zu siner gehäuften imb dadurch für Auge und Phantasie um so gewalttgeren Wirkung," Und von den äutzeren machtvollen Erscheinungen des Krieges stsigen wir ans zu ssinem höheren Inhalt, „Es ist dü mächtige Bewegung der itveele, es ist das Bild des Willens, der im höchsten Aufschwung seiner ganzen Kraft die Schrecken des Todes nicht fürchtsi: es ist noch mehr das Bild seiner Erhabenheit st dem furchtbaren Augenblick, wo von dem hstgeopferten Leibe icheidend der Gsist noch im letzten Seufzer bezeugt, daß es Güter gibt, dü ihm mehr gelten als' das Leben, Heldentod ist schöner und großer Tod, am schönsten dann, wenn der Sterbende noch wissen dasi, daß der Sieg gewiß ist, ,Begt mich in die Sonne, wendet mich nach der Sonne!" Sie wffsen, einer der llnsrigen sagte es, als er tödlich qettoffen stederfiel am blusigen Tage von Billiers: er schaute fettem, bis sü sank, die Siegeskunde erreichte ihn noch, und mit dem herrlichen Gessirn des Tages sank auch sein stgend- liches Mannesleben hinab," Groß und schön ist der Mut des Ksiegers im Kampfe, ist die Ruhe des Feldherrn mitten im Feuer, ist das nuerschütterte Ausharren ganzer Scharen im Angesicht des ringsum mähenden Todes. „Man sollte meinen, ein Leben, wo jede Stunde solche Schvecknijü bringen kann, müsse sine Alensthen- seele verdüstern. Aber dü Stturmung des Tapsern ist frei und feiler. Es lügt, ich wsiß mcht welcher Druck der Bangigkeit auf dem Leben: man braucht mcht fsig zu Üin, um oft von sinem Gefühle beäugsügt zu werden, als lauern Gsipestter hinter den bekannten Gestalten des Lebens, Es gibt mehr als esten Weg, sich von dieser Angst zu besieün: Arbsit, Wifsenfchait, Kunst, Rsiigwn — die reine nämlich, denn dü trübe macht nur noch mehr Angst —, aber einer disier Wege und nicht der letzte ist außoi' Zweifel die Fajsiing des Gsistes im Ksiege, Wer abgeschlossen hat mit dem Lebe», wer eurjcfeoyeu jft, bem wird das Gemüt hell uud tnaffegfa ej' j tq t i tu nustr bar btoijathen S9jtfi*ni des Todes, ja
doppelt und dreifach gemeßt er das Gefühl des Lebens, „Gefaßt ssin ist alles," Offenfert so der Krieg alle Wunder der Kraft, so schafft er sisilich ^auch sine Welt des Leidens, „Die Kunst aber, der Genius des Schönen folgt ihm auch ans diese feste Lsidens- wege: der .Krieg fft darum nicht unästhetisch, wsil er Leiden be- rsitet, Leiden rühsi zum Mitleid: das Mitleid aber ist schön, well es dü Frcmdhsit zwischen Mensch und Memch auffebt, weis es getrennte Xinte zu sinem Akkord versinigt," Da ist der rührende Schmerz des Abschiedes, wie ihn Homer so wundervoll in dem Bilde verklärt, da Hekwr von Andromacfe und ssinem Knäb- lest schadet, „Den Anblick ttanernder Bräute, Frauen, verwaffter Familün, benot die geliebten Häupter nicht nsiederkehren, wie mag ihn dü Knust st immer neuen Darsüllnngen uns zu bsingen? Und wie wsit ist das Feld her pflegenden, hellenden, tröstenden Tättgksit der Liebe, dü, sin Kriege selbst tätig, eine Welt von sittlicher Schönhsit hart neben die klaffenden Wunden, Bäche des Blutes und brechenden Augen stellt! Man behauptet, daß den Ksieg mch tbeurteüen könne, wer nicht sin Feldspital gesehen habe. Wahrlich, auch st dü Stätten da: Krankhat, der Wunden, des Todes kehrt mit dem Erbarmen der Matschlichkeit da Engel des Schönen est," Und ohne Ksieg kauen Sieg! Ohne Sieg kan Hsimzug, nicht das Bild da blumenga'chmückün Scharen, da Freudemränen, des Jubels und Janchzens i m^ wim melnden Volk, düs Wundabilb, dos das Schöne im Ksiege bekröm l
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— Die Nordpokarexvedition Sedosf, Wü dü Petersb. Telegr.-Agentur aus Petersburg meldet, kam dre Erpeditron des Leutnants Sedofs nach dem Nordpol, uachdem sie im Wruter 1912 und 1913 Neuland entdeckt hatte, nach iwmr- Iosephs-Lmch. Sedoff ist von dort nnt zwei Matrosen nach dem Pol ausgebrochen, er wurde aut der Rerse krank und starb. Die Expedition kehrte nach Archangelsk zurück.


