Au» Stadt «nd Lanv.
Gießen, 31. August 1914.
Organiftert die innere KricgShilfe vernünftig:
(Aus einem Aufsatz von Dr. Rohrbach in der „Hilfe".)
Dieser Krieg ist für uns, so schreibt Dr. Rohrbach in der „Hilfe", noch mehr eine moralische, als eine militärische Kraftprobe. Die kriegstechnischc Ausgabe, den Gegner zu schlagen, wird unser Heer, menschlicher Boraussicht nach, sicher bewältigen. Niemand aber vermag im voraus zu sagen, lme lange das dauern wird. Es kann leicht sein. es dauert so lange, daß die Unterstützung der Arbeitslosen ebenso große Opfer verlangt, wie die Kriegsausgaben selber. Wenn diese Ausgabe im großen Stil an uns herantreten sollte, so wird sie, darauf vertrauen wir, auch eine Lösung finden, die der Größe der Zeit wert ist. In kleinerem Maßstabe aber hat die Aufgabe schon mit dem ersten Tage des Krieges begonnen, und es ist notwendig, daß man ihr nicht nur mit Begeiste-- rung und gutem Willen, sondern auch mit Verstand und nüchternem Nachdenken gegenübertritt.
Alle Welt sammelt und gibt jetzt für das Rote Kreuz, für die Pflege der Verwundeten: in zweiter Linie wird für die Familien gesorgt, deren Ernährer ins Feld gerufen sind. Diesen beiden Klassen von Hilfsbedürftigen gegenüber haben die öffentlichen Körperschaften, Staat und Gemeinde, Pflichten. Es versteht sich von selbst, und wir sehen, daß diese Pflichten auch anerkannt werden. Selbst wenn niemand sonst :m Volk sich um die Verwundeten kümmern würde, so müßte der Staat ihnen Pflege und Heilung gewährleisten. Ebenso übernimmt er es, den zurückbleibenden Frauen und Kindern Beihilfen zu geben, und die Gemeinden vergrößern diese noch, wo sie können.
Es ist materiell und moralisch ini höchsten Grade wertvoll, daß außerdem auch noch die private Hilfsbcgeistcrung den vom Kriege direkt Betroffenen beispringt. I m A u g e n - blickaberisteshüchstuotmendig.andicVielen zude ii kcn.dieoh neu um ittelbare Beteiligung an dem Kriegsopfer ihren Erwerb verloren haben oder ihn beschränkt und bedroht sehen. Es wird nicht viele Geschäfte, nicht viele Familien in Deutschland geben, denen diese Zeit keine Einschränkungen auserlegh. Am besten sind heute alle Beamten dran, die ein festes Einkommen aus öffentlichen Mitteln beziehen. Ihnen tut der Krieg vorläufig wenig: die geringfügige Steigerung der Üebensmittelprcise spielt keine ernstlichc^Rollc. Was soll man vom vaterländischen und menschlichen Standpunkt aus dazu sagen, wenn solche Leute mit gutem Einkommen z. B. einem armen Musiklehrer sein Brot nehmen, um zu „sparen"? Das ist nicht nur gedankenlos, sondern unwürdig, schlecht gehandelt. Wer sich in seinem eignen Lebenskreise umsieht, wird bald erkennen, auf wieviel Fälle verwandter Art der Grundsatz vom „moralischen Nachdenken" über solche Nächstliegenden Pflichten zur H'ilseleistung noch anzuwenden ist.
Ein jeder von uns ist in irgendwelchem llmsange Arbeitgeber und andere Volksgeirossen sind von ihm rnit einem größeren oder kleineren Stück ihrer Existenz materiell abhängig. Wer nur denkt, wie er seine Ausgaben verringern kann, ohne daß er sich zugleich durchs Herz gehen läßt/ wie er bei allen Einschränkungen doch immer noch anderen, die auf seine 'Ausgaben «rgewiesen sind, einen Teil ihres Einkommens erhalten kann, der handelt volkssittlich miuder- tverllg, auch wenn er Geld fürs Rote Krewz gibt und sich auf den Dahnhof stellt, um unsere durchfahrenden Soldaten zu erquicke«. So zu tun, entspringt gewiß auch gutem Willen, aber es gehört weder viel Nachdenken, noch viel Opferfähigkeit dazu, Unter dem Einfluß einer begeisterten Massenstim- mung dieselbe Straße zu laufen, in denselben Topf eine Gabe zu werfe», wo alle es tun. Selbstzucht und Verant- wortlichkeitsgesühl, viel mehr als die Menge besitzt, gehören über dazu, sich die Frage vorzulegen und zu. beantworten : wie kann ich in der Stille, wo kein Mensch hinsiebt und keine Masse läuft, auch bei verringerten Mitteln etwas dazu tun, um Existenzen zu halte«, die ins Leere fallen, wenn jedermann beim Sparen nur ans „Daß" rmd nicht anS „Wie" denkt.
Diejenigen Geschäfte z. B. handeln verständig und volkssittlich, die von ihrem Personal soviel wie irgend möglich bebakten — Wenns geht, alles —, aber ihren Angestellten erklären: wir können nur zwei Drittel, nur die Hälfte, den Höchstbezahlten vielleicht nur ein Drittel ihres Gehaltes weiterzahlcn, aber wir wollen versuchen, euch alle durchzuhalten. Je weiter die Kriegszeit vorschreitet, desto notwendiger wird es sein, die öffentliche Hilfeleistung und den einsichtigen Opserwillen der Privaten miteinander zu ver- binden. Wie schön aber und wie erhebend wäre es, wenn die Gebildeten in unscrm Volk — ich meine die Gebildeten des nioralischen Urteils, nicht die des gesellschaftlichen Schliffs und der Schulbank —, sich rechtzeitig miteinander darauf besannen: dem Volksgenossen ein Stück seiner Arbeit er- izalten, ist noch mehr "wert, als patriotische GabenspendenI
»
** Kriegsteilnehmer vom hessischen Adel. Zwölf Mitglieder der Freiherrn von Riedesel im Heer. Unter dem hessische» Adel, welcher feine Söhne in den Tienst des bedrohten Vaterlandes gestellt hat, nimmt die Familie v. RieLestl wohl »ach der Zahl seiner Kriegsteilnehmer die erst« Stelle ein. Die Familie Riedestl zu Altendurg stellt 3 Söknc, desgl. die bamilie Rüdest! zu Stockhansen 3 Söhne, deSal. die Familie Riedestl zu Ludwigseck 3 Sühne, deSgl. die Familie Sr. Ex,. de? Oberstallmcisiers v. Riedestl ebenialis 3 Söhne. Tann ist der Freiherr Alhrecht o. Riedestl als Johanniter im Felde. Er hat au! seinem Gute Sickendorf bei Lanterdach 80 Betlen z»m ErholnngS- heini iür Verwundete eingerichtet. Ter Oberstallmeister, der eden» stlls wieder in die Front eintreten wollte, ist nur anl vcrsönliche Vorstellung des GroßherzogS davon ndgebracht worden; er ist bekanntlich ei» treuer Freund und Ratgeber in der Grobherzoglichen Familie.
** „Nun wird Deutsch geredet un d Fra ktur geschrieben!" Die Darmstädter Zeitung schreibt: so sagen wir bildlich, wenn wir der Meinung sind, es müsse einem, der auf gute Worte bisher nicht hören ivollte, einmal gehörig der Kops gewaschen und zurecht gZetzt werden. Wie unvergleichlich unsere wackeren Truppen in jener Losung gehorchen, das reißt uns zu sreu» digster Bewunderung hin. Aber dürsten wir dabeim Gebliebene die 2 Ausdrücke „Deutsch reden" und „Fraktur schreiben" nicht auch >:i ihrem ursprünglichen Sinne beherzigen? „Fein Fremdwort für das. was deutsch gut ausgedrückt werden kann," so lautet der gewiß maßvolle Wahlsprnch des Sprachvereins, der ebenfalls für Deutschlands Ehre kämpft; denn die unnütze Einmengung entbehrlicher 'remder Ausdrücke ist nicht eine belanglose Aeußerlichkeit, nicht bloß ein Hindeniis gründlicher Volksbildung; sie ist ein Kennzeichen jener schmachvollen Zeiten, da wir vor Ludwig XIV. und Napoleon gedemütigt im Staube lagen. Warum aber wollen wir vnS heute noch französischer und englischer Brocken bedienen, und die von unserem eigenen Volke hervorgebrachten Wörter verschmähen? „Gedenke, daß du ein Deutscher bist!" Ebenso müssen wir uns darauf besinnen, daß wir eine deutscheSchrift haben, die schon 400 Jahre lang als deutsches Merkmal gegolten hat, aber in letzter Zeit bei gar vielen unsrer Volksgenossen in Veraw- kung geraten ist. Bon dem Wahne, ivir könnten uns durch Nachgiebigkeit die Welt zu Freunden gewinnen, werden wir jetzt geheilt. Wollen mir nicht auch unsere ererbten deutschen Buchstaben
als wertvolles Heimatsgut wieder schätzen lernen? Mögen sich Franzosen und Engländer weiterhin der Alckiqua, d. ü. der Lateinschrift, bedienen: uns aber zienit es, deutsch zu schreiben und Fraktur zu drucken!
’* Zentralkasi« der hessischen l a » d iv irisch ait -
1 i ch e n Genossenschaften. Wie wir hören, sind die Bar- eingäuge bei der Zcnlralkasst, die zum überwiegenden Teil aus den den Landwirten gezahlie» Pstrdegeldern slaminen dürilen, in ständiger erireniicher Zunahme. Sie belrugen in der abgelanstne» Woche annähernd 2ä0 000 Mark.
Landkreis Gießen.
n. H o l z h e inr, 30. Aug. Schnhmachermeister Balthasar Sann und seine Ehestau Katharina geb. Dern aus Garnbach begingen heute in seltener körperlicher und geistiger 'Frische das Fest der goldenen Hochzeit.
r. M u s ch e n h c i m , 29. Aug. Auch in unserer Geineindc ward eifrig für das Rote Kreuz gesammelt. Die erste Sammlung in Geld betrug 288 Mark, die Rtrchenkollekte 45 Mark. Die Schul- linüer haben aui 'Anregung des Lehrers Günther Achren gelesen und der Ausdrusch ergab 361 Pfund Weizen; die zweite Aehrcnlese. hat begonnen. Weiter wurden Bohnen gesammelt; Frauen und Mädchen kamen mit Bohnenschncidmaschinen und Messern aus 'das Rathaus, um die Bobuen zu schneiden. 2luch 800 Eier nmrdcn gc- saninieli. Eine zweite Gcldsaminlung ergab die Summe von tzdOM.
-i. Ettingshausen, 29. Äug Der Gemeinderat beschloß, die ins Feld gezogenen Gemeindeangehörigen bei der.Hess. KriegS- verfichcrung auf Gemeindekosten zu versichern. Für das Rote Kreuz wurden vom Evang. Pfarramt Ettingshausen-Hattenrod bis jetzt über 1500 Marl abgesandt.
KreiS Fricvberg.
r. Butzbach, 30. Aug. Die ani Samstag abgchaltcnc Kric- gcrvereinsocrsainmlung war stark besucht. Der Jahresbericht und die Fiechnung für das abgelanstne Jahr wurden verlcicn. Ter gesamte Vorstand wurde durch Zuruf einstimnng wicdcrgewählt. Dem Antrag, alle Familien, deren Väter in den Krieg gezogen sind, zu unterstützen, wurde zugestimmt. Der Antrag, Äuieil- scheine der Kriegsversichemmg für die Krüger zu erwerdcu und die hierfür zu entrichtenden Beträge aus der Veremskasst zu bezahlen, ivurde genchinigt.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 28. Aug. Vor der Fericnkammcr des hiesigen Landgerichts stand heute einer der g e s ä h r l i ck e n E i n b r e ch c r, die Ende Juni im südlichen Teile des Kreises Bstdcnkopi viel von sich reden machten und die auch in Gladenbach einen Gendarmeriewachtmeister so verletzten, daß dieser bis jetzt noch nicht wiederhergestellt ist. Es handelt sich um einen aus- Oesterreich stammenden Mann namens Wicdinger, der beschuldigt wurde, in der Nacht zuni 25. Juni in Niederwcidbach in Gemeinschaft mit einem Genossen. der leider noch nicht orwisHt ist, in den Gastwirtschaften Rcntsch und Roth, sowie in der schrcinerschcn Handlung cingc- brochen zu sein nrid Geld, Wertsachen, Kleidungsstücke, Zigarren, Wein und Eßwaren gestohlen zu haben. Der Angeklagte, ver schon viel in der Welt herumgekommen ist und auch schon manche Strase verbüßt hat, trug ein freches Wesen zur Schau. Er >vurdc zu
2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
m Kirchhain, 30. Llug. Durch noch unaufgeklärte Ursache entstand gestern früh inr Anwesen des Landwirts Rutz Feuer. Es verbrannten die beiden Scheunen des Unwesens und das angrenzende Braunsche Wohnhaus. Der erhebliche Schaden ist nur zmn Teil durch Versicherung gedeckt. - Im Hotel Mosebach fand gestern abend eine Uoschstdsfei.er für den zur Armee angehenden .Herrn Landrat v. Gelsa statt.
wie Kriegsgefangene transportiert werden.
Die großen Massen von Gefangenen, die schon letzt in diesem Kriege gemacht worden sind, stellen unsere sveerführung vor eine schwierige Ausgabe, denn es handelt sich mm dü Transportierung, Festhaltung und Verpflegung einer sebr großen Anzahl von Menschen. Auch für diese Frage sind die Ersahrungen von 1870/71 vorbildlich geworden, und die Grundsätze, nach 'denen vovl Großen Generalslab bei der Fortbringung und Gefangcnbaltung feindlicher Trnvpeirmassen verjähren wird, sind in aller Ausführlichkeit in cinenr Aufsatz der Vierteliahrshrste für Truppeniührung und Heereskundc dargelegt. Durch bte Kapitulation von Sedan gerieten 83 000 Mann in Kriegsgesangenschift, und es schien ickuvierig, dieses Heer zu sammeln und untcrzubringen. Doch Moltkes scharfer Blick hatte rasch den günstigsten Ort heransgejunden. Aui einer von der Maas umflossenen Halbinsel bei Bilette und Jgcs ersolgtc das Sammeln, das bis zuni 4. September abends dauerte. Ein Entweichen von dort war fast unmöglich, und deshalb genügten zur Bewachung zwei Armeekorps und zioei Kavallericbrigaden. Selten aber ist ein so günstiger Punkt vorhanden; gewöhnlich müssen die Kriegsgefangenen in mehreren Biwaks vereinigt werden. So sammelte man die nach der "Kapitulation von Metz gefangenen INannschaflen in sechs großen Lagern. Für die Transpoitc zu Fuß, die sich bis zum Erreichen der «nächsten Eisenbahnstation nicht vermeiden lassen, werden dann die Gefangenen.geordnet, und zwar so, daß die Offiziere in einem besonderen Transport zusammengefaßt sind, während die Mannschaften nach Truppenteilen unter ihre eigenen kriegsgcfangenen Unteroffiziere gestellt werden. Bei sehr großen Massen von Gelungenen können die Transporte nur ganz allmählich und müssen auf meisteren Straßen ersolgen. Tie Mannschaften weiden in Marschsbaffeln erngeteiU, von denen jede durchschn.. nicht mehr als 2000 Gefangene umfassen darf. Um die Schlagserstgkeit der eigenen Armee nicht zu schwachen, muß die Bedeckung möglichst gering sein, aber doch zunächst stets von der Feldarmee gestellt werden. Man hat erkannt, daß die geringste Bcdcckungsmannschaft für je 100 Gefangene 10 Mann und einige Reiter nebst den zugehörigen Offizieren und Unteroffizieren sind. In den Kriegen 1864, 1666 und 1870 schwankte die Zahl der Bcdeckungsmannschasten zwischen 5 und 11 Prozent der Gefangenen, doch erwies sich der Schutz vielfach als zu schvach. Von den in den Kämpfen uni Sedan gemachten 108 000 Gefangenen sind über 14000 aus dem Landtransport entwichen.
Besonders schwierig gestaltet sich die Bewachung zur Nacht, wo der Bcdeckuugsniannschaft noch 5 Prozent Jnsautrrie hinzuzufügen sind. Bei der Beförderung aus Eisenbahnen kann die Bedeckung er- hcblich schwacher sein. Jedenfalls muß nach größeren Schlachten zum Aufräumen der Walstatt, zum sammeln der Kriegsbeute und hauptsächlich zum Transport der Gefangenen mit sehr beträchtlichen Kräften der Feldarmee für längere Zeit gerechnet werden. Als Bedeckung kommt in erster Linie Infanterie in Betracht; einige Reiter dienen zur Aufklärung und Begleitung. Die Gesungenen marschieren dicht aufgeschlossen in breüer Front. Für die Gefangenen von Sedan war rasch das Kommando „Zu 5 in einer Reihe" gesunden. Im Falle eines feindlichen Angriffes müssen sich die Gefangenen, das Gesicht dem Erdboden zugewandt, hinlegcn, und auf jeden, der den Versuch macht, sich zu erheben, wird geschossen. Der geringfügigste Anlaß schon, ein Schuß, das Austauchen einiger Franktireurs, kann eine panikartige Wirkung aus die Gefangenen ansüben und die' Bedcckungsmannschast gefährden. Sv glückte es z. B. 1806 50 Husaren, 4000 von den Franzosen Gefangene zu besrcien, indem sie die Nachhut der Bedeckung über denHauien warfen, worauf die Gefangenen den Fran-oseu die Waffen entrissen u. in wenigen Minuten frei waren. Besonders durch ivaldigcs Terrain oder Einbruch der Dunkelheit wird die Massenflucht begünstigt: deshalb muß man bei den Transporten möglichst die Wege vermeiden, die Wälder anfweisen, muß auch die Städte und Dörfer umgehen, um wicht die Bevölkerung zu erregen, und schon vor Einbruch der Nacht im Quartier anlangen. Als die in den Kämpfen von Orleans Gefangenen iorttransportiert wurden, büßte die erste Marschslassel, die ans 70 Offizieren und 907 Mann bestand, beim Durchqueren des Waldes von Fontainebleau 64 Offiziere und 281 Mann ein. Die Marschleistungen der Gesan-genen müssen, so weit es ihr geschwächter Korperzusiand zuläßt, möglichst groß sein. Deshalb werden alle Kranken aus^esondert und für besonders Schwache einige Wagen mitgeführt. So leisteten die bei Sedan Gesangenen täglich nahezu doppelte Tagesmärsche, zwischen 40 und 48 Klm. Zur Ver
pflegung wird man sich an das Land halten, durch da? man marschiert, oder an die „eiserne Portion", iE denen i-tzt die Manm-»
schaften säst aller europäischen Armeen ausgerüstet sind. Dü 8er- pslegungskolonnen der eigenen Truppen dürfen nur im äußerst« Notfälle herangezogeii werden. Möglichst rasch werden dü Geian- geneii ans die Eisenlxihn überführt, wo sie dann leichter nach ihren» Beltimmungsort transportiert werden können.
Büchertisch.
— 3. Kriegs Nummer der „Illustrierten Zeitung" «Verlag I. I. Weber, Leipzig). Auch die dürwächig« Nummer (3712) enthält wieder ein außerordentlich reiches Material über die Kriegscreignisse. An zeitgeniüßen interessanten Artikel» aus den Federn namhastcr schriststeller seien genannt; „Unsere gcrechl- Sache" von Prof. Dr. Eucken, Jena; „Unsere Aussickzten im Weltkriege" von Oberstleutnant Frhr. von d. Osten-Sacken und vom Rhein; „Tie englische Wehrmacht" usw. Außerdem enthält die Nummer die Fortsetzung der wöchentlichen Ksticgschronck, dü durch eine Fülle vorzüglicher und interessanter Bilder illustrürt ist. Außer einer großen Anzahl von Photographien sind verschiedene Spezialzeichner der „Illustrierten Zeitung" mü flotten stwi- mungsbildcrn von der Mobilisation, dem Äusrücken der Truppen, französischen und belgischen Gefangcntrauspvrten usw. vertreten. Besonders erwähnt sec dabei Felix Schwornstädt mü einem dovvel- stitigen prächtigen, gut deutschen Humor kennzeichnenden Bilde „Verpflegung durchfahrender Soldaten ans einem Leipziger Vor- ortsbahnhos". Ferner seien nock genannt Bilder von der englischen, französischen und österreichischen Armee und der deutschen und französischen Flotte. Einen besonderen Schmuck erhält die Nummer ferner durch ein wirknngsvollcs doppelseitiges Bnntbild. den „Sturm der 26 er aus das Bois de Gipvdeau in der Schlacht bei Beoumont am 30. August 1870" darstellend. Sie ist in allen Buchhandlmigcu einzeln zum Preise von 1 Mark zu haben, Brertel- jahrs-Abvnnrmcnts losten 8,50 Mark.
— Wie verständigen sich die Mannschaften der Fcldtruppen mit den f r an z ö fisch s prachlichen Ein- wo hn c r n? Düst im gegenwärtigen Krüge wieder aktuelle Frage findet eine recht beiricdigende Lösung durch dü im Verlage von Gerhard Stalling. Oldenburg i. Gr., erfolgte Ausgabe eines Fran- zösischen Sprachführers für llnteroffizürc und Mannschaften Das- von Leutnant Movzisckewitz verfaßte billige Heftchen icinzeln 25 Pfg., bei Masscnücstcllungcn 20 Pfg.) muß selbst in den Hände» des cinsachen Musketiers, der noch nie ioclsche Laute gehört bat. praktisch wirken, denn es ioird hier nicht etwa ein Erlernen der französischen Sprackze gefordert, sondern der Führer ist so eingerichtet, daß der Mann, um sich verständlich zu machen, nur aus die der deutschen Redensart gegenüberstebende französische Ucbersetzung mit dem Finger zu zeigen hat. Wie wir hören, hat sich der Führer bereits in den letzten lothringischen Manövern bewährt.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Tie ungünstigsten Poilverhältnisse dürste z. Zt. wohl die 2760 Seelen zählende Gemeinde Henchelheim haben. Sie erhält morgenr '1,0 und um 12 Uhr die Postsendungen von Gießen, was also vielleicht schon morgeuS um 11 Uhr in 6)ießen eintrifft, erhalt man erst den anderen Tag zwischen 9—12 Uhr. Aui eine Eingabe an dar Postamt, di« Postiendung um 13 Uhr auSiallen z» lniien, dagegen ucn ‘1,7 Uhr mit der Biebertalbahn zu bestellen^ hat keinen Eriolg gehalst, es soll an Personal fehlen.
I» dieser schweren Zeit, wo jedermann aui Nachricht ieiner Liebe» im neide wartet, sollte man doch etwas mehr Entgegenkommen zeigen, ganz abgelehen von den großen Geschästen am Piatz, welche edensallS von dieser Einrichtung nicht erbaut sind. ä.
Märkte. v
FC. Wiesbaden. Biehhok-Marktbericht vom 28. Augusts
Auftrüb. Rinder 128 cOchsen 30, Bullen 19, Kühe und Färsen 79), NSlbrz S , Schal« 34, Schweine 174. Preist iür loa Pfd.
Geschäft: mittel. Lebend» Schlacht«
Och'rn. gewicht
VolMelkchlg«, ausgemästete. höchsten Schlacht» ML Mt.
wertes im Alter non 4—7 Jahren .... 47—S2 89 —98
Tü noch nicht gezoaen haben lnngejochte) . . 48—SÜ 87—91
Jung«, fleischige, nicht vnsgemästste unk» ältere
ausgemästele . ......... 42—46 79—87
B ul 1.«'v
Dol!fleischige, auSge«, höchsten Schlacht!» . . 40—45 70—76
BoLsteischtge, jünger» ......... 37—40 66 — 70
Färsen. Kü h e.
Vollileischig« auSgemästet« Färsen höchst«
Schlochtwertes...........46-41 66—94
Dollfleischig« ouSeemäilete Küh» höchsten
Cchlachlwerte« bis zu 7 Jahren..... 37—44 70—80
Wenig gut entwickelte Färsen....... 40—44 77—84
Aeitere ousgemästete Kühe ... .... 84—36 64—69
Kälber.
Mittlere Mast- und beste Saugkälber .... 57—80 96-1«
Geringere Dtast- nnb gute Saugkälber . . . 53 —56 88— 94
Gering« Saugkälber. . . .......48—51 81—86
Schake.
Weidenrastschast ••
Mostlämmer und Masthamme!.... 45,50—00.60 91-00
S chweine. koflfleischtg, Schwein« von §0—100 b* J-bend-
gewtcht..............48K 60 62-64
Dollfleiichig« Schweine unter §0 kg;Lebendgewicht 47K-48 61-62
Lollfleischige Schwein« von 100 —120 k; Sebent*
gewicht.............. 49*/ 2 51 62-61
Dollfstischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht .............. 48 00 80 - 00
Feltschweine über 150 ksr Lebendgewicht . . 43-15 54—56
wöqentl. Ueberfilht der Todesfälle i. d. Stadt Sietzen.
32. Woche. Dom 2. bis 8. August 1914. (Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 15,80%, nach Abzug von 6 OrtSsremdsn: 6,32
Kinder
Er starben an: Zusammen:
Erwachsene:
im
vom
1. Lebensjahr:
2.-15. Jahr r
Tuberkulose
3 (2)
3 (2)
—
Bronchialkatarrh
I (1)
1 (1)
—
Darmkatarrh
1
1
Hcrzichlaq
1
1
—
Rnckenmarkentzündung 1 (1)
1 (1)
—
Bnnchseuentzuiiduno
1 (1)
1 (1)
Blinddarmentzündung 1 (1)
1(1)
—
Krebs
1
I
—
—
Summa: 10 (6) 9 (6) i — ~
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ler Todesfälle in der betreffenden Krankheü aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Sttindercnntrnacbrichten.
Gießen.
Aufgebote; August 22. Hermann Christian Wilhelm Schnruch, Buchbinder, mit Sophie Adelheid Lampe, beide in Bremen. — 24. Adolf Theodor Willi Schicktze, Schreiner, mü Marie Margarete Lisette Trank, beide in Gießen. — Jakob Wilhelm Fuchs, Oberlehrer in Frankfurt a. M., mir Maria Elffaberh Auguste Braun in Gießen. . ,
Eheschließungen: Aug. 26 Erich Moritz Julius Otto Langerhaunß. Chemiker in Gießen, mit^Elisabeth Auguste Frieda: Marie Brandt in Rostock (Mecklb.). — Samuel Teller, S'autmanB^ mit Frime Ehrenbrod, beide in Gießen.
Geborene; August 17. Tmn Kanalarbeiler Max Pap* Psitzner eine Tochter. Anna. — Dem Hausdiener Marunilüv».' Pohl eine Tochter, Marie Elisabeth. — 19. Dem Gwß». Ober»


