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A«» Sta-t mt& (and.

Gießen. 2». August 1914. Wirtschaftsleben, NcchtSvcrliältnissc und Krieg.

Die mm den: biejige» Bürgerverein auf 'Donnerstag abend Einberufene, gut besuchte -B ü rgerversam m Itinj wurde von dem Vorsitzenden mit einem kurzen Rückblick auf die heutige We>t- läge und die Ereignisse der letzten Wochen eröffnet. Beigeordneter Kustizrai Grünewald fjrrad» dann über Wirtschaftsle­ben, Recbt s per b äl t n if f c und Krreg. Er führte aus: Obwvtü rn der jetzigen Zeit in erster Linie Taten verlangt wer­den müssen, brausten im Feld« und der uns zu Haus, wo es gilt, Not uns Elend zu lindern, lxit doch auch das Wort seine Berech­tigung. denn dunst eine gegenseitige Aussprache ist es möglich, irrige Anschauungen zu beseitigen, die sich in außergewöhnlichen Leiter: eiuzustellen pflegen. Eine solche außergewöhnliche Lage für das Wirlickusts- und Rcchtsleben wurde diirch den ausgebrockw- nen .Krieg geschaffen. Aber trotzdem ist die Krieg ozeit keine gesetz­lose Beit, sie schalst, infosern dies nicht ausdrücklich ausgesprochen wird, in den bestehenden Gesetzen absolut keine Aenderung.

Das irun die wirtschaftliche Lage anbctraf, so muß hervor- gehoben werden, daß diese schon vor Ausbruch des Krieges kri­tisch imd schwierig war. Das bewiesen die außerordentlich nie­deren Eiseiwreisc, so daß der Zustand trotz des niederen Bank­diskonts aut die Tauer unerträglich geworden wäre. Ta erfolgte die Kriegserklärung, die bewies, daß die heuchlerischen Friedens­beteuerungen Rußlands und Englands nur den einen Zweck ver­folgten. Zeit zu gewinnen. Welche Folge l>atte nun die Kriegs­erklärung av> unser gesamtes Wirrschiitsleben? In iveiten Lchich- ten der Bevölkerung brach eine Panik.aus, der sich sogar der be­sonnenere Teil nick ganz zu entziehen vermochte. Es zeigte sich dies« Pani! in der Bildung von Angstreserve» in Geld und Nah­rungsmitteln. Kaum vcrniocklen Banken. Kassen und Kaufläden dem Ansturm gerecht zu werden. Tas war natürlich nicht allein bei uns so, rs geschah dies auch in anderm Ländern. Unsere Reichs­bank aber hat ihre Ausgabe glänzeird gelöst. Währeud England den Wcchse.üiskont aus zehn Prozent hinaufsetzen musste^ und nur mit .StaatSuulcrstiitzung weiter arbeiten konnte und .Frankreich schamweise ''eine Ausweise verhüllte, l>at die Reichsbank mit ge­ringer Diskonte, l.öhung ihren Geschäftsbetrieb weiter geführt, so daß wir auch in dieser Beziehung der weiteren Entwickelung ruhig »ns Aeige scheu können.

Tie Krisis imirde vadurch verschärst. da» die Warenerzeugung vielfach aujhärtc. Es fehlte plötzlich an Arbeitskräften und an vom Ausland gelieferten Rohstoffen. so daß d:e Betriebe still standen. Die m,t dem Auslande angeknüplten .Handelsbeziehungen waren plötzlicli abg! schnitten, lganoel und Verkehr also größtenteils ladm- gelegt Tie anfangs gehegten Besorgnisse wegen der Einbringung der bereits begonnenen Ernte erwiese-, sich glücklicherweise als un­begründet. Ter Ausfall her lonüwirtschaitlichen Arbeitskräfte wurde

? >edeckt durch die frei werdenden Industriearbeiter, sowie durch die reiwillige Hilsc. di? allenthalben cinsetztc. Die reichlich ausge­fallene. zurzeit infolge des ausgezeichneten Wetters fast vollständig «unter Dach gebrachte Ernte, die insolge des Ausfuhrverbots im Anlande bleibt, ist imstande, uns au> ein ganzes Jahr zu ver­sorgen. Auch au Gemüse und Obst, das durch die Zufuhr aus Hollsno und Belgien in gewünschte: Weise ergänzt wird, ist kein Mangel.

Schon heute siebt mau. wie die insoige der veränderten Welt­lage cingetretenen Störungen immer mehr beseitigt werden. In «cht deutscher Art gebt man seinem Gewerbe nach: nicht ver­zweifeln. sondern besinnen aus seine Pflicht muß die Losung sein. Die durch Private und Behörden erlassenen Mahnungen hatten den crhofsien Zweck, de: Panik im Geldwesen zu steuern. Es machen sich jetzt schon erhebliche Rückflüsse bei der Reichsbank geltend. Durch Gründung von Rcichsdarlchnskafsen, die in vorausschanan­der Weise so vorbereitet «varen, daß sic an eiirem Tag in die Erscheinung treten konnten, und durch Schaffung von Kriegs- kreditkassen haben die Banken sich entlastet und so sich selbst ge­holfen, wie sic auch dem Grweroetreibenden und Kaufmann Helsen wollen. Daß über die Tätigkeit dieser Ncuschöpiungen hin und wieder Klagen laut wurden, ist nicht zu verwundern^ Man dar« in den Ansprüchen indessen nicht zu weit gehen und muß Vorschläge buachcn. Andererseits müssen die Banken, denen ia das Wohl und Wehe unseres wirtschaftlichen Lebens anvertraut ist, sich in der schweren Zeit ibrer hohen Ausgabe voll und ganz bewußt sein und ihren Blick nicht aus ihren eigenen Vorteil, sondern auss Gemein­wohl richten

Daß mit Ausbruch des Krieges die Börse geschlossen wurde, ist aus verschiedenen Gründen zu begrüßen und es erscheint auch setz! noch nicht zweckdienlich, sie wieder auizutun. Einen sehr schädigenden Einfluß pflegen Kriegszcitcn aus Warenlager und Nusstönde auszuüben, die ohne Zivrisel in ihren! Anschlagswert «sinken in besonderer Weise gilt das in der Modewarenindustrie. Äur Beruhigung darf jedoch gesagt sein, daß die Mode zunächst reine großen Sprünge machen wird, «nenn auch in absehbarer Zeit die Auslandssucht einen durchaus wünschenswerteu Ltoß erleidet.

Wie man sich allenthalben beinüht. die durch die Not der Zeit 'entstandenen Mängel zu beseitigen, davon gibt ein von der Han- 'delSkamnier zu Frankfurt o. M. nn die Bebörden gerichtete Ein­gabe. deren Kenntnis und Beachtung allen inaßgebenden Stellen nicht warm genug empfohlen werden kann, beredtes Zeugnis. Die Vorschläge zielen dahin, dem Gewerbetreibenden und Kaufmann ist? Möglichkeit seines Weitcrbestehens gewähren. Eine sehr wohl tätige und weise Einrichtung ist die Schäftung der Arbeitsorgani- satiausämter. durch die Nachfrage und Angebot geregelt wird. Es wuß niöglich gemacht werden, daß die Arbeitslosen verschwinden. Alle öftentlichen Arbeiten sind zu sörderu, nicht aufzuheben.

Tin und wieder sind Kricgskreditbankcn geschasfen worden, denn der Kreditwürdige soll und muß unterstützt «verden. Der hier­zu nötige Wechsclkrcdit ist von der Reichsbank flüssig zu machen. Es ist dann aber unbedingt nötig, daß alle Teile der Industrie und des Gewerbes sich beteiligen. Zusatzunterstützung der Kommunen und auch des Staates ist wünschenswert und Befreiung von Steuer und Stempel anzustreben. Die auf dem genossenickürftlichen Ge­danken ruhende Form ist der Aktiengesellschaft vorzuziehen.

Die Entscheidung der zwischen Gläubiger und Schuldner ent­stehenden Zwistigkeiten wird am cinsachftcn den zu schäftenden Eint» gungSänitern unterbreitet, die am besten ab und zu geben können. Eigennutz soll nicht sein. Jeder, der eine Existenz stützt, begeht eine patriotische Tat.

Alle anderen Staaten haben ein Moratorium eingeführt. In Deutschland Hofs! inan ohne ein solches diirchznkommen. Sicher bat ein Moratorium seine großen Schattenseiten, denn viele holten dann das Geld fest, und der andere, der cs brauchen könnte, be­kommt kein-. Die Selbsthilfe wird unterbiino.cn und rin Stillsland in unserer Zahliingssälngkeit ist die Folge. Verschiedene In­dustrien haben ihren Betrieb wieder ausgenommen, d-r Güter­verkehr hat eingesetzt. Unsere Ausblicke i» die Zukunft erfüllen uns mit Genugtuung und Hoffnung. Viele Wunden wird der unselige Krieg schlagen, große Opfer an Gut und Leben fordert er. aber wir dürfen auch hoffen, daß er in Wahrhut ein einig Volk von Brüdern aus uns machen ivird, das zusammenstcht in jeder Not und Gefahr.

Bezüglich des 2. Punktes der Tagesordnung: Anregung tzurGründungcinerHilfskreditkassefür den Mittcl- ftiaud. Handwerker und Gew-rbetreibenden Nnirde bestimmt, daß der Vorstand sich mit den vorbereitenden Arbeiten befassen und dann än den nächsten l4 Tagen eine neue Versammlung einberuscn, di: über die Gründung einer solchen Kasse Beschluß fassen soll.

** Elektrisch angetriebener Drescksatz. Da cs in der jetzige ' Kricgszeit schwierig ift. Koblcn für mit Damm be­triebene Dreschfätze zu erhalten, und außerdem das elektrische -Dreschen wesentlich billiger, beguemer und vorteilhafter ist ,3 »o ströherer Ausdrusch. hat sich die Bau- und Betriebsleitung der Elektrischen Ileberland-Anlage der Provinz Oberbessen in zuvor­kommender Weiie zur Ztromabgabe für besagten Zweck bereit erklärt. Landwirten, die eventuell gesonnen sind, sich des schönen aind guten Angebots bedienen zu wollen, wird seitens des Landw. ^ammer-AnsschufseZ angeraten, sich gefälligst an die Elektrische

Ueberland-Anlage der Provinz Oberhessen in Friedbcrg zu wenden, von welcher die StromlieferuugSbedinguligen usw. erhältlich sind.

** Rotes Kreuz. Wir verweile» iviederholl a»s die Be-

kanntnigchimg des Zweigvereiiis Eiche» vom Ro'en Kreuz im heutigen Anzeigenteil. Es ogrs bei dem bekannte» Opseisimi »»lerer Gi«Heuer Kiuivohnerschaft ivohl darnui gcie.hnct iverde». daß die Einzeichnungcn ln die Lei den in der Anzeige gciianntcn Sammel- nelle» «»'liegenden Listen im Interesse unserer verwundeten und kranken Krieger recht zahlreich erlolqc». Jeder, a»ch der geringste Betrag wird donkdar angenommen.

** Der Postverkehr. Für die Bezirke der Ober-Post- direklicncn in Trier, .Bromberg, Posen, BreSlau und Oppeln, in denen nach den Bekanntmachungen vom 1. und 10. August der Postkreditbrief-, der P o st Nachnahme - und der P o s! a u i t r a g s v e r k c h r eingestellt ist, wird dieser Verkehr mit der Maßgabe wieder z n ge lassen, daß die gc- naiinte:, Ober-Postdirckrionen berechtigt sind, in Grenzteilen ihrer Bezirke, wo es die Sicherheit eriordert, den Verkehr durch Ver- sügung an die Postanstalten auszuschließen. Da es nach Lage der Verhältnisse nicht angängig ist, von solchen Ausschließungen die anderen Postanstalten zu benachrichtigen, müssen die Absender von Postnackmahmesendungen und von Postausträgen nach Orten :m Grenzgebiete die Gefahr in Kauf nehmen, daß die Lendungen den Bestimmungsort nicht erreichen. Solche Sendungen werden mit Angabe des Grundes zurückgeleitet. Unter denselben Voraus­setzungen wird sür den Obervostdirektionsbezirk Metz der vor­stehend bezeichnet? Verkehr sowie der Postanweisungs-, Zahlkarten- und Zahlungsanweisungsverkehr wiediw zugelaften. Im Obcr-Post- direktlonsebzirk Königsberg ,Pr., hat sich die Wiedercln- stellung des Postanweisungs-, Zahlkarten- und Zahlungsanwei- sungsverkehr für den ganzen Bezirk als notwendig erwiesen.

** Für Postanweisungen nach den Niederlanden und den niederländischen Kolonien gilt von jetzt ab das UmrechnungS- verhältniS von 100 Gulden 174 Mark.

** Gießener Fröbel-Seminar. Am Mittwoch fand unter dem Vorsitz des Großh. Prüfungskommissars, Herrn Prof. Dr. Alles, die in ü n dl i ch e P r ü fun g der abgehenden Schüle­rinnen des Gießener Fröbel-Seminars statt. Alle zioölf Schüle­rinnen haben di? Prüfung bestanden. Die Prüfung fand vier Wochen früher als gewöhnlich statt, dainit die abgehenden Schüle­rinnen frei wurden, mn sich der sozialen Hilfsarbeit zu widmen. Alle Prüflinge hatten sich bereit erklärt, auf dem Lande die Lei­tung von Notkindergärten zu übernehmen. Für die übrigen Schüle­rinnen des Seminar» beginnt der geregelte Unterricht mit dem l. September wieder. Im übrigen verweisen wir auf die im Gießener Anzeiger" erscheinenden Anzeigen.

** Herberge zur Heimat. Im Monat August wurden in der Herberge 1070 Gäste ausgenommen (gegen 1410 im Juli des Vorjahrs'. Unter den Wanderern waren 374, noelch: die Ausnahme gegen Arbeitsleistung annahmen (392). Offene Stel­len waren gemeldet 109, besetzt ipurden 1Q5, davon nach außer­halb 27. Die untergebrachten Arbeitskräfte bestanden aus 52 Hand­werkern und 53 ungelernten Arbitern.

Lonvkreis Gießen.

th. G r o ß e n-Li n d e n , 28. Aug. Einer Aufforderung un­seres Bürgermeisters, für die Verwundeten grüne Bohnen und frische Eier zu spenden, ist schnell pnd in ungeahnter Weise entsprochen worden. Es wurde ein ganzer Wagen voll Bohnen in die Turnhalle gefahren. Innerhalb einer Stunde nach der Bekannt­machung waren in der Bürgermeisterei 2300 Eier abgeliesert.

8. Aus dem Lumdatal, 27. Aug. Den völlig ungerecht­fertigt erhöhten Mehlprcisen, mit denen die großen Mehl­händler auf begueme Weise ihren KriegSbeitrag herauszuschlagen haben, spürt mail jetzt auch auf dem Lande. Schlugen in einzelnen Orten, z. B. Allewdori und Treis die Bäcker schon am 31. Jutr sofort uin 210 Pfg. für ein 4-Psund-Brot auf, was einen Sturm der Entrüstung in der ärmeren Bevölkerung gab. die fa in erster Linie Bäckerbrot kaust, während die Bauersleute selber backen, so daß die Bäcker sofort wieder den Raubzug einstellton, so soll fetzt doch ein Aufschlag von 50 auf 56 Pfg. eintreten. Das Pfund Mehl wird zu 22 statt 19 Pfg., wie vor dem Krieg, verkauft. Die hohen H a f e r v r e i s e von 2324 Mt sür den Tovvelzentner sind fetzt für den neuen Hafer aus 20 Mk. gesunken. Die Händler kaufen alle Vorräte für Militärzwecke auf. TieS führt mit Sicherheit »weder zur Preistreiberei, wobei die Händler ihre Taschen auf Kosten der Käufer und Verkäufer füllen.

Kreis BüSlnhen.

a A n s der Wettern», 28. Aug. Dank des guten Wetters sind die E r n t e a r b e i t e » ioweit beendet. Tie Felder sind seit leer, nur »och Haler ist m die Scheune zu bringe», lieberall in den Dörfern stnd die Dreschnioscbinen fleißig an der Arbeit. Die Landwirt» lieier» den neuen Haler direkt an die Proviantämter, der Weizen ivird auch last überall gleich abgesetzt. Ucberast ist schon die Grunimetcriite in, Gang, d e sehr gut ausiällt.

Eine Frage!

Eine Frage, besonders im Hinblick auf das perfide Albivn! Er leben dauernd in Deutschland viele Ausländer, welche sämt lichc Vorteile unseres geordneten Staatswesens genießen, dabet aber sich den Hanvstftlickten in egoistischster Weise entziehen. Warum beschränkt man diesen stickt die Aufenthaltserlaubnis? Mögen sie doch um die deutsche Staatsangehörigkeit einkommen! In begründeten AüSnahmefällen könnte man ja davon abschen. Kl.

Lan-rvsr-tscftaft.

Nochmals unsere Geniüseerntc! Die Großh. Obstbau' und landwirtschaftliche Winterschnlc Friedberg schreibt uns: Schon vor 14 Tagen faben wir am die Gefahr aufmerksam gemacht, die unserer Gemüseernte drobt. liniere damalige Warnung bat sich vallaui bestätigt. Tausende von Raupen des Kohlweiß­lings sind heute an der Arbeit, unser Weißkraut, Rotkraut, Wir­sing usw. zu zerstören. Es ist also höchste Zeit, jetzt an da§ Ab­lesen resp. an daS Zerdrücken der Raupen heranzugehen, lim die .Tiere nicht in die Hand nehmen zu müssen, kann man dieselben auch mittelst einer Sckcrc zerschneiden. Wenn einnial der Fraß soweit vorgeschritten ist. daß die Blätter der K'ohlvslanzcn stark 3!ot gelitten haben, bei das Vertilgen der so gefräßigen Raupe» keinen großen Wert mehr. Die Bläiter, die wesentlich zur Ernäh­rung der Pflanzen beitragen, erfüllen diese Tätigkeit dann nicht mehr nollständia. Ein weiteres gedeihliches Wachstum der Pflanzen ist daher ausgeschlossen.

Gics;cncr Strafkammer.

G i c ß c n , 28. August 1914.

Tic B e r u s u li g des Lascüändlers Moritz N. zu Hainburg gegen das Urteil Großh. Amtsgerichts Herbstcin. wonach er eine Geldstrafe von 150 Mark erhielt, wurde verworfen. N. hatte einen Lotteriepkan. der in Hessen nicht zugelassenen Hamburger Stadtlottcrie an Einwohner in Freiensteinau gesandt.

Ein verlorener Sobn. ist der Angeklagte Georg Dck:.. der einer angesehenen Fanftlic in Oftcnbaeh entstammt, eine besiere Schule beiücht und als Ein­jähriger gedient hat. Gleich nach ieincr Militärzeit kam er aut Abwege, erlitt und verbüßte bereits wegen aller mögliche» Be- trügereien größere Gefängnisstrafen und solche brachten ihn auch heute wieder au: die Antlagrbank. Nack: Verbüßung feiner letzten Gefängnisstrafe in Butzbach bekam er eine Stelle in Rockenbach. Statt nun die ihm gebotene Gelegenheit, wieder aui den rechten Itzeq zu kommen, zu benutzen, fing er fei» altes Leben sofort wieder an, besncktc einen Ball und erschwindelte lick das Geld dazu, durch alle mögliche,i unwahren Angaben und besonders der, seine Mutter würde alles bezahlen, ivähre'ch seine Familie länglr mit ihm gebrochen batte. In Friedberg verschafftc er sich tage­lang Wohnung und erschwindelt« sich noch Geld von seiner Logis­wirtin. indem er angab. er sei slieserveoiftzier und habe die Zinsen, von 75 000 Mark zu verleben, weil er aber viel brauche, rück« seine HNailter nur am Ende des Monats mit Geld heraus.Trotz- alledem billigte ihm das Geiftckst nochmals mildernde Umstande

zu. bewahrte ihn vor dem Zuchthaus und verurteilte ihn zu einer Gesängnisstrafe von einem Jahr und sechs 'Monaten unü ipr«y ihm auch die bürgerlichen Elpenrechte auf die Tauer von fünf

Markte.

Gießen, 29. Aug Marktbericht. Aul d«m heutigen

Wochenuigrkle koßete: Butter da? Ü'ßllld 1,101.20 Mk.: Hühner­eier 1 Stück lO PIg., 2 Stück 00 Big.« Euteucier l St. >0 Ptg 2 St. »0 P'g : Gauseeier l St. 0-0 P!g.. 2 St. 00 Psg.« Käse

Pkd. 00 CO Pkg.: Welsche 452. 1 !f.: Ochienkleiich dasP!d. 8898 Big., Rindsteijch das Piuud 9094 Pfa., Kubsteisch 80 Psg., Tchwetne- kleisch das Pßuid 70-8828 Pkg . 5la!b,Irisch dar Ptd. 84-88 Psg.. Hnuiuielfteisch I Ptd. 7098P>g.: Kartoffel» iuiZeutuer44,5 > Mk., im Psuud n Psa.. Weißkraut dar Stück 20-35 Pig.: Zwiebeln der Ztr. 12,0715,00 Pik.: Alilch dar Liter 22 Psg.: 2l«plel der Zentner 1820 Alk.: Birne» da? Pkund 1520 Psg., Nüsse 100 Stück 00 Pkg., Zivetschen der Zentner 0000 Mk., Gurken 100 Stück 2,003,00 Pik., Bohnen 1 Pfund 10 bis 15 Pig. Marktzeit von 7 bl» 1 Uhr.

ob. Rieder-Ingelheim, 27. tzlug. Ob st markt. Reiueklaudsn

3,50 Mk.. dlvrikvsen 88 Mk-, Pfirßche 614 Mk.. Mirabellen 58 Alk., Fruhbirnen 68 Mk., Frühäpfel 6 Pik., Zwetschen 3,505 Alk. der Zentner.

Io. rSicSbadeu, 27. Aug. Heu» und Stroh markt. 2,'ngetahren: 18 Wagen Heu, 4 Mage» mit Stroh. Dia» notierte: He», neues, höchster Preis 3,90 Alk,, niedrigster Preis 2,70 Alk., Durchschnittspreis 3,42 Alk.: Richtstroh höchster Preis 2,20 Alk., »ledrigsler 2,10 Mk.« Durchschnittspreis 2,13 Mk. Kruminktroh höchster Preis 1,80 Mk., niedrigller 1,80 Mk,; Durchschnittspreis 1.80 Mk. F r u ch t in a r k I. Haler höchster Preis 12,50 Mk., niedrigster 11,00 Alk.« Durchschnittspreis 11,75 Alk. Alles sür 50 Kilo.

Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben

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Nebel

Höchste Teinveratnr am 27.-28. August 191 t -- -s- 24.6 ' Niedrigste , 27.-24. , 19U = 14,9'

Niederschlag ;',0 mn.

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Verantwortlich iür den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Go ekz

Sehr aciäbrlichc Monate ftir Säuglinge und kleine Kinder sind

August und Seoiembei. Keüe Mutter, die ihr Kind nicht selbst nährt, sollte deshalb .-»ehr als konst darauf bedacht kein, ihrem Liebling eine ptabrunq z» geben, die ihn diese heißen Atonale glück tick übersteben läßt. Ein solches Ikahrungsniiltel, das sicheren Schutz bietet gegen die im Sommer besonders Häring nustrctcnden Vrech- durchsälle und Diarrbäeu, ist das mahlichmeckendc Nestle'sche Kinder- inchi, eine im Gegensatz zur Kuhmilch sleis gieichbleibende. leicht verdauliche Nahrung. Probedose nebst Broschüre versenbet aus Wunsch kostensrei 'Nestle'sche Kindermehl G. m. b. H., Berlin W. 57.

850ss

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Damit Angehörige seindlicher Staaten nickt die sogenrnrrten Amerikaner-Züge und Amerikaner-Dampftchifte heimlich und ohne Passierscheine mitbenntzen. findet vor Besteigen des Zuges ledeS- inal eine genaue Paßrevision der Abreftenden statt. In den aller­nächsten Tagen wird ein solcher 'Amerikanerzug von Bad-Nauheim abfahren.

Gießen, den 27, August 1914.

Großherzogliches Kreisamt Gieße«.

_ Dr. U f i ng er. ___

Bekanntmachung.

Betr.: Sicherung der Ernte; hier: Drefchsatz mit elektr.

Betrieb.

Die Bau- und Betriebsleitung der elektr. Ilebcrlandanlageder Provinz Oberhessen teilt mit. daß sie in der Lage sei. einen Dreschfatz. bestehend m,s einem 30 bis 40-?3.-Motor und einer Dreschmaschine mit L>elbstcinlcger und Strohpressc leihweise zu erhalten, der dann gegen entsprechend« Leihgebühr zum Dreschen verliehen werden könnte Ter Dreschsatz müßte selbstverständlich mit Rücksicht aus die Größe des MotprS immer in der Nähe von Transsormatoren-Statronen zur Auf­stellung kommen, da die Ortsnetzleitungen für den 'Anschluß so großer Motoren nicht ausreichen und außerdem in den betrefteichan Transsormawren-Statioven erst die erforderlichen größeren Trans­formatoren angeschlosscn lverden müssen.

Es ist in der jetzigen KriegSzeit schwierig. Kohlen ftir mit Dampf betriebene Dreschsätze zu erhalten und außerdem ist das elektrische Dreschen wesentlich billiger, beguemer und vorterlhaster 1,3 Prozent hiberer Ausdrusch, Tic Stromsätze für Taeschtzetrieb sind in den Strom lieferungsbedingiingen sestgelegt: sic betragen bei eiuenl Jahresverbrauch von:

01000 K.W.St. 15 Pfg. für die K.W.St.

10012300 K.W.St. 14 P,g. sür die K.W.St.

20013900 K.W.St. 13 Psg. sür die K.W.St. über 3000 K.W.St. 12 Psg. sür die K.W.St.

Alle Stromabnehmer, welche sich sür elektrisches Drasch« b'.S heule eingerichtet haben, sind mit den Ergebnissen, sowohl was den Stromverbrauch, als auch die ftjcsamtkosten, unter Einschluß di« Verzinsung und Amortisation sür Dreschsätze und elektrische Ein- richtting betrifft, äußerst zufrieden.

Die Ban- und Betriebsleitting kann den Drefchsatz selbstver­ständlich nur dann leihweise übernehmen, wenn derselbe während der nächsten OAongie sortlausend weitervermietet >verd«n kann.

Wir fordern diejenigen Landwirte, die van der Hin­richtung Gebrauch machen wallen, auf. dies durch Vermitt­lung der Gratzh. Bürgermeistereien bei uns anzumelden. Bei der Anmeldung find die zum Dreschen vorgesehenen Gck- trcidemengcn anzugcben.

Gießen, 27. August 1914.

Grvßberzogliches .Kreisamt Gießen.

I. B.: H e m m e r d e.

An dir Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden

deS Kreises.

Dorstebendc Bekanntmachung wollen Sic. soweit die Gemeinden an die Ucberlandanlage der Provinz Oberhcften angcschlofte« sind, ortsüblich bekannt machen. 'Anmeldungen sind von Ihnen ent- gegenzunehmen und uns einzusenden.

Gießen, den 27. ?l»gust 1914.

Großherzoglickes .Kreisamt Gießen.

I. V.: He m mttbe.

Bekanntmachung.

Das Landwirtschaftliche Institut der Universität ist bereit. Unterweisung in Landarbeit zu erteilen an Männer, die geimllt sind, auf dem Lande mitzuhelsen Gießen, den 26. August 1914

Großherzogliches Kreis amt Gießen.

I. B.: H ein m erde.