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geheilt Werken, um neu gekräftigt ins Feld zurückkehren zu kön- «en.

Ich machte einen Rundganq durch alle Anstalten unserer Stadt, rn denen sür das Wohl der Kämpfer sowohl wie für die Zurück- ücbliedencn gesorgt ist und ich mutz sagen, was ich da an freudiger Arbeitsleistung an schon Geschaffenem und noch Entstehenden! sah. übertrisft alle Erwartung.

Wie wir ans der Montagsnummer des Gictzencr Anzeigers 'bereits wissen, ist die Oberleitung über alle militärischen Lazarette öcm Oberstabsarzt a. D. Dr. Sieger! übertragen. Demselben sind die Chcsärzte Professor Tr. Walther und Lbcrstabsarzl Dr. Wintber dcigeordnct und 30 Zivilärzte, zum Teil aus der Stadl, zum Seil von autzcrhalb, haben sich schon zu FriedeiiSzeitcn weiter dein La zarett-Tienst zur Pcriügunggestellt und werden ,e nach Bcdari ein gerufen. Oberstabsarzt Tr. Siegelt bat uns am Ticnstao in cineni Vorträge ein anschauliches Bild entworfen von der Arbeit im Etappen-Gebiete und in den Kriegslazarettcn. Man staunt über die Fürsorge und die Umsicht, mit der vom Größten bis zum Kleinsten hinein alles zum Besten unserer aus dem Felde Erkrankten oder Verwundeten geordnet und geleitet ivird. Ter Oberstabsarzt Dr. Eiegeri hol schon den Feldzug 1870 mitge.nachl. Die reichen Er Fahrungen, die er dort sammelte, sein eingehende Studium aller seither gemachten Fortschritte in der Krankenpilegc und der Wissen schalt befähigen ihn vor allen Dingen zum Leiter alles de: in seiner vaiiü Zusammengesatztcn. Es bestehen hier die Re lervelazarettc I uich II. Zu I gehört das alte Garnison- Lazarett. das mit seinen freundlichen Blumenbrettern vor den Fen­stern einen säst heiteren Eindruck macht. Dann das Kaufmännische Dereinsbatls, das sür 28 Betten ausreicht Es Kal grotze Helle RäumL, ein schönes Bad und eine kleine Terrasse, von Bäumen umgeben, mit Tischen und Stühlen besetzt, sür solche, die sich schon rm Freien aufhalten können.

In der großen Turnhalle, die ebenfalls als Lazarett ein- ^gerichtet wird, ist man mit den Arbeiten noch nicht fertig. In dem großen lichten Saale sind in mehreren Reiben -irka 80 Betten »ausgestellt. Wie in allen Lazaretten ist immer am «op-ende des Geltes eine Tafel angebracht init Häkchen jnr die (Neider des Patienten und aus der Tafel sind der Name desselben, die Art der Verwundung und der Hcimatsort des Patienten genau an gegeben, sodatz Arzt und Pflegepersonal die Orientierung sehr 'erleichtert wird. Ucbrigcns bringt jeder Verwundete, an seiner Uniform angebestet, ein Wundtäselchen mir, so i\f; per lei: nee Arzt, wenn er den Zug mit den ankommendcn Venv-undeten ab itrlft, sich nur dieses Täielchen anzniehen hat um danach die Sichtung der Veewundeken voczunelmie r und jeden der Anstalt gnweijen kann, wo gerade er für seine besondere Verwundung am besten aufgehoben ist. Reben dem grotzen schönen Saal in der Turnlalle befindet sich ein Waschraum, liuks von bemirlben ein Baderaum mit zwei Badewannen und autzcrbem ein BerbanpS raum. Im Erdgeschoß ist dann das Zimmer sür den Polizci- Unterosiizier. Im Katholischen Bereinsbans sind zwe, große Säle hergerichtet, von denen der obere besonders sreimdlich und licht ist. Das Evangelische Schwesternhaus iv.rr sckwn teilweise belegt. ^Schwester Maria sorgte in müttcrlichel Weise sür ihre Pileqe- besohtenen. Es lagen hier besonders Schlefi r, sie aßen eben ihr Mittagsbrol und machten eine» zuiriedeuen Eindruck, sich in so guter Ordnung und Pflege zu wissen. Steins EKirtni ist bereits ganz belegt. Man hatte hier »ngesähr denselben Eindruck, wie in dem allen Garnison-Lazarett. Die kleinen Tische zwischen den Gelten ivaren mit Blumen geschmückt: überall sah mau Acrztc und Schwestern um die Kraulen bemüht, man hörte hier und da von den Bcnvundeie» Ereignisse von dem Schlachtfeld und Dankbarkeit und Zufriedenheit, daß mit einer so!ck>en Treue und Liebe hier in der Heimat sür sic gesorgt wurde. In Steins Garten sind besonders die Verwundeten aus Gießen und Umgebung. lJm ganzen entbaltcil die hier angeführten Unterlazarcrte des ersten Rciervelazarctts 4M Betten.

Sehr ist darüber geklagt, daß das Publikum an den ersten Heiden Tagen durch das Dineindrängen in die Räume sür die Verwundeten den Acrzten direkt ihre Arbeit erschwerte Man be­greift gut, daß jeder den Wunsch bat. zu crjahren, ob etwa jemand der Setnigcn unter den Verwundeten sei. Man bcgreijt, daß jeder den Verwundeten so viel Liebe und Freundlichkeit erweisen möchte wie nur möglich: aber die Rücklicht aus die Krauten gebietet eine gewisse Zurückhaltung. Und es ist nur anznerkeltnen, daß von Seiten des Leiters jetzt bestimmte Stunden für Besuche scstgclegt sind und daß allen Unbefugten der Eintritt verboten ist. Mit Freude sieht man. daß trotz der Verwundung nnd trotz großer Strapazen unsere iämliichcn Krieger im allganieinen mit gesunder Farbe und mit ungebrochener Kraft zurückgckommen sind. Aber sie sind erholungsbedürftig und je mehr man ihnen die Rübe gönnt und Arzt nnd Schwestern ungehindert wallen läßt, nmiomehr trägt jeder an seinem Teil zu ihrer völligen Wieder Herstellung und Kräs tiguiig bei. Und das ist ja doch, ivas ivir alle für sic erstreben Zum Reservelazarett jl gehören die alte Klinik und die Mimnerableilung 'des Siechenhauses. Letzteres eignet sich durch seine herrlickre »'a-ie in der Nähe des Waldes, durch die tiefe Ruhe und die wuu»crvollc Luit besonders sür solche, die einer längeren Ausspannung und Er­holung bedürfen. Tie freundlichen großen Räume, die verschieden artigen Bäder, der große Gemüsegarten, der schöne freie baum- hepilanzte Platz um die Häuser herum, machen es zu einem aus- erwählten Erholungsorte.

Die alte Klinik soll innerhalb von 6 Wochen zu einem Lazarett 'mit 300 bis 350 Betten uingewandelt werden Staunenswert ist es, wie der Leiter des Ganzen, Oberstabsarzt Sicgert es ver­standen hat, die ganz vcrichicdeneu Gebäude ein und demselben Zweck anzupasscn und alle? Vorhandene dafür nutzbar zu machen 'Tenn von ».wem einzigen Lazarett, so verschieden die vorge fundrucn Räume auch ursprünglich waren, dari man sagen, daß 'es allen Anforderungen der modernen Geiundheitspilege ent­sprechend hcrgerichtet ist. Der Militärbebördc untersteh: auch die -große Kriegsküche gm Bahnhof. Die Küche wird von Herrn Rie- mann aus» Beste verwaltet: es ist eine Freude, die mächtigen Kessel -zu sehen, in denen die kräftige Brühe und sonstige Speise sür die durchkommendeii Truppen bereitet wirb. Am Bahnho» befinde! sich auch unter Leftung von Professor Dr. Böttiger eine Verbands- station. Dem Professor Bötticher sind zwei Mediziner älteren Semesters, eine Alice-Schwester und zwei geprüfte Helferinnen, sowie vier Mitglieder der Sanitätsloloiine zngeteilt. In der Mitte des Bahnhofes ist das große Wartezimmer dritter Klasse völlig ausgeräumt und Tür die Venmindeien bcrgerichlcl. mit Tragbahren. Matratzen nsw. Daneben befindet sich ein kleiner OperationSzimmer und daneben wieder ein kleiner Waichraum mit Tesinftzicrvor- richtungcn, auch hier alles den hygienitchen Anforderungen ent­sprechend.

Von unserer Stadtoerwaitnng aus ist in umfassender Weise Fürsorge sür die Zurückgebliebenen unserer Krieger getrosien. Äußer der pekuniären Unterstützung hak die Stadt in der Volks­küche die tägliche Speisung von ca. M0 Personen ermöglicht. Dieser Betrieb wurde schon srüber eingehend imGictzencr An­zeiger" besprochen. Edenio hat die Stadl durch Fräulein Mec'er de« Kriegskindrrhort cingerichkcr. Herr Professor Eepperi lxn be­reitwilligst sein plarmokologisckes Institut dazu zur Verfügung 'gestellt ES ist eine Freude, die Neine Schar dort fröhlich sich tummeln zu sehen aus dem grotzen Hos, oder zu beobachten, wie sic mit Behagen ihre Milch schlürfen, wenn die freiwilligen Heilerinnen sie in den mit Bänren versehenen Zimmern dafür zusammenlrommeln. Ties ist ja eine Arbeit, die den Frauen ganz besonders liegt. Wohl mögen die kleinen Gäste zunächst eine rechte Last verursachen, aber das Lächeln, das herzliche Ver­trauen, das sie bald den freundlichen Hüterinnen entgcgenbringen, belohnt dieic reichlich sür alle Last und Mühe des Tages und ein wohltuendes Gefühl ist es, zu wissen, daß hier Kinderkraft erhalten bleibt, die sonst in der Rot der Zeit Schaden erleiden müßte, währritd Väter und Brüder ftir uns im Felde kämvien Eine der lohnendsten, aber sicher auch eine der schwierigsten Aufgaben ist in dieser Zeit dem Roten Kreuz zugciallcu. Herr Landgcrichtsrat Wiener hat seit vielen Jahren in Gießen die Leitung des Roten Kreuzes und in langer Friedensarbeit ist sorgsam vorbereitet, was jetzt in dieser schweren Zeit sich bewähren soll. Aber etwas anderes ist es, während der Friedenszcit ruhig auszugestaiten, zu erhallen und zu verbessern, als plötzlich den iuychtbaren. unoorhergcsehc- uen Anforderungen gewachsen zu sein, die der Krieg stellt. Nur ein

eingearbeitcter Leiter und eine bewährte Haiid konnte einer sol­chen Ausgabe gewachsen sein.

Gleich zu Anfang haben sich 1300 bis 1400 Menschen dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt: in erster Linie natürlich Frauen und Mädchen. Unter den Frauen wollte säst jede als Pflegerin dienen. Dies mutz cs dem Leiter und den ihm bcigeord- ncten Damen des Vorstandes unendlich erschwert haben. Es ist natürlich, daß jeder, der Brüder oder Verwandte im Feld stehen bat, den beißen Wunsch aussteiqcn fühlt, selber zu helfen, im Falle dcr^ Verwundung selber »liegen zu bürten. Aber dieser Trieb bat 1870 sehr böse Früchte gezeitigt, und, veranlaßt durch die da­mals gemachte,, Erfahrungen, ist längst die Bestiiimung getrosien, laß nur ausgcbildetc und im Dienst erfahrene Schwestern ins Feld ziehen, daß aber alle jetzt in der Kriegszeil ausgcbildetcn Pfle­gerinnen in die entstehenden Lücken geschoben werden im Lazarett- nnd Krankenhaus-Dienst. Wenn irgend wo, bedarf es gerade bei der Pflege einer sorgsamen Schulung, einer ungeheuren Aufmerk- samleit, einer bestimmten Sachkenntnis aller Anforderungen der modernen Hygiene.

Wollen wir Frauen in dieicr schlvcren Zeit wirklich Hilfe leisten, sc müssen wir vor allen Dingen begrcisen, daß ,vir unsere persönlichen Wünsche vollkommen der Sach: unierznordnen haben und daß ivir verstehen müssen, im richtigen Moment anzusaft'eii, :w richtigen Moment aber ziirückzutrele,,. Es ist unmöglich, da» ein jeder seine persönlichen Wünsche durchsetzt, soiideru gerade hier soll nie der Blick aus das Ganze und aut das Allgemeinwohl außer acht gelassen werden. Wünsckzeiiswcrt wäre in dieser scknvercn Zelt ein freudiges Zuiamuiengehen aller Kräfte aus alle» Ständen i.nd Vildungsschichtcn ohne Ansehen der Person, und dies Ziel wird auch sicher von allen Verstehenden immer erstrebt iverdcn. Da­neben muß man sich aber nickt verbehlen, baß es den Leitenden übcklassen bleiben mutz, sür die schwierigen Posten die besten Kräfte auszusuchen. Je mehr wir hier dem Wunsch und Killen der Führer und der Aerzte uns unierordnen, »mivmichr Helten, nur in der Tai. Es gibt in solckvr Zeit nicht nur zu Pflegeit, es gibt, wie wir nackcknr in Betrachtung der einzelnen Abteilungen sehen werden, unendlich viel größere und Neinere, gröbere und leinerc Arbeiten, di.' alle getan werden cktässcn, und je gewissenhafter, ic ftcuöiger sie ausgenibrt w-rde», umiomebr kommt es indirekt und direkt unseren Verwundeten zu gut. Die Haussra» im Hause, in der treuen Fürsorge sür die Ihrigen nnd alle, die ihr zeit- weise von der Militärbchirdc anverttant werden, das Dienstmäd­chen in der Küche, alle können durch die Sorgsamkeit in ihrer Pilichtersülliing genau io beitragen znm Wähle des Ganzen, wie andere, die oussch.iießlich der Pjlcge unserer Kranken sich widmen. Und wie dankbar u>erdcii wob! unsere Krieger im Felde er­kennen, daß treue Liebe und Aufopferung alle an ihrem Teil zum Gelingen des Ganzen beitragen.

Wir sehen, es gibt ein weilcs Feld zu beackern und auch hier gilt cs, ,.e:- sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist, der da wirket, alles in allen". Herr Landgerichtsrat Wiener. Frau Gc- heimval Gebhardt und alle Damen des Vorstandes haben in hin­gebender Weise versucki. all den verschiedensten Anforderungen gerech» zu werden. Und haben diese Anforderungen grotze An strengung für sic bedentet, so müssen sic sich reich belohn! fühlen durch das, was nach so kurzer Zeil bereits in den einzcliie» Ge­bieten von ihnen und von ben von ihnen geschaffenen oerschied-nen Gruppen geleistet >vore»n ist. Das Komitee für das Rote Kreuz tagt in der alten Klinik. Bildungskurse sür Pflegerinnen fanden bereits bei den Herren Professoren Doit. Poppen, Iaschke, Herrn Sanitätsrat Schliephakc. Herrn Dr. Klein, Herrn Tr. Waslö statt: und noch jetzt sind neue Kurse eingerichtet von den Pro­fessoren Boit, Povpert, Iaschke. Berücksichtigt wurden sür diese Kurse in erster Linie solche junge Mädchen, die bereits theoretisch ooegebilde! waren, sogenannte Samariterinnen Tüchtige Sama- riicrinnen wurden dann von den Aerzten auscrwählt.

Gleich zu Aniano übernahm das Rote Kreuz den Bahnhoss- dienst, b. f), die Erauickung der durchreisenden Truppen. Es war dies freilich nicht die eigentliche Ausgabe des Roten Kreuzes, sie übernahm es jedoch bereilwilligst, um die vielen Liebes­gaben möglichst zu verwerten, und weil die Militärverwaltung am Bahnhof damals auch nicht genilgegd Leute zur Verfügung hatte. Die EririschungSsteile am Bahnhof dagegen ist von vorn­herein eene Einrichtung des Raken Kreuzes und dien! dazu, unsere Verwundeten bei der Durchreise zu erauicken, die- jenigen, weiche Pier ausgeladen nnrden, zu unterstützen: beim Transport so viel >oie »nöglich zu helfen nnd in jeder Weile mit der »lititöri chen Sanitätskolonne Hand in Hand zu arbeiten. Tieie Eririschunasstelke bat eine nette kleine Kückte eingerichtet, tvo Äafsee Tee nnd derartiges hcrgestellt und die Butterbrötc von der Zeutralstefte in Empjang genommen iverdeu. Die dort Arbeitenden sind ebcntalls dem Arzte nnd d<pr leitenden Schwester unterstellt. Da - Ru»-- ':rn» beringt über acht Gruppen >>on je 15 nwiblichen und 8 niäunlichrn Kräften, die immer zwei Gruppenführer und -Führerimici» haben, und gewöhnlich Samariter und Samarite- rinnen genannt werden Sic alle haben ein-v Kursus abiotviert und sind gnind.'ich au-sgebildet >ür die Pflichten, die ihnen jetzt ob­liegen. In oer alten Klinik ist eine Abteilung für Liebesgaben. Di" selbe besteht aus vier (Kruppen von je vier Dame», ivelcke die Gaben auiiehmeu, ordnen, Butterbröte streichen, die Sendungen für das Feld b-reiten, und dergleichen mehr. Alles >>>-as hier an aller und neuer Wäsche zusammenkommt, wird durch freiwillige Helicrinnen de-:- Roten Kreuze - au-sgebesserr. Die Näh Abteilung untersteht den Damell des Roten Kreuzes. Es werden hier die vorschriftsmäßigen Binden, Hemden, Berbandgegenständc nackt crmoblen Mustern aus Berlin angescrligl. Von hier aus wird auch den Militär-Lazaretten so viel wie möglich mit Betken, Wäsche. dgl. aus geholfen. Es ist erstaunlich u. erfreulich, was hier alles an sreilo Gaben zniammc»- lomml: nicht nur Wäsche, sondern auch Räucherwareu, Kasse», Reis, GrieS und dergl. Es ist eine tvadrc Freude, durch die Vor- rntsräume zu geben, ober durch das Rähzimmer, um zu sehen, mit welcher Liebe hier Gaben niederqelegt und mit welchem Eifer hier bereits gearbeitet worden ist. Die Professoren Bossiiis, Popperl, Boit hoben sich und ihre Kliniken nach bestimmten Vereinbarungen ebenfalls dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt und entnehmen ihre Pftcgcrinncn auch vom Roten Kreuz als Enatz iür die aus geschiedenen Alice-Schwestern. Tie überslüssigen Pflegerinnen wer­den e.iii Wunich dann den Lazaretten zur Verfügung gestellt. In der Alten Klinik befindet sich autzerbalb des Hoiiptgebäuches noch eine grotze Waschanstalt, in der alle Berlnindssachen nnd alles sonst Erforderliche sür die Verbandstellc am Bahnhof gewaschen nnd hergerichte! wird.

Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß Herr Landqerichtsrat Wiener die Bestimmung getrosien hat, daß kein junges Mädchen unter 24 Jahren als Pflegerin eintrcten dari. Dagegen werde», wenn, so Gott will, unsere siegreichen Truppen bald zurückkehren, auch die jüngsten Mädchen Gelegenheit haben, ihnen durch Blumen usw. ihre Freude und ihren Dank auszudrücken

In der Micescdulc werden alle neuen Wäschestofte zweck­mäßig venvendet. Was an alten Sachen geschenkt ist, wird ge­richtet und ebenfalls verarbeitet. In der Aticefckmle ist auch die Waschanstalt sür alle neuen Sachen. Ebensö werden dort E bst und Gemüse eingemacht sür die Lazarette. In der Universität ist eine Sammclstclle sür geschenkte Bücher, Zeitschriften etc. sür die Verwundeten eingerichtet.

Bo» Tarmstadt aus wurde der Vorschlag gemacht, alle Geld­mittel, welrl'e hier beim Roten Kreuz zusammen kl letzen, nach Darmstadt zu senden, um sie von dort aus je nach Bedürfnis zu verteilen. Die Verwaltung des Roten Kreuzes in Gletzeu lehnte die:- ab, rem die hier zutammnifsicßendrn Mittel auch aus­schließlich für unser Gebiet venrwnden zu können

Jeder möchte, daß gerade seine Stadt in dieser Zeit das Vor­züglichste und Beste leistet nnd stößt er dann hie und da aus Mängel, so ist er emvört und bekümmett. Man mutz sich jedoch klar machen, daß alle die neu geschaffenen Einrichtungen sich in dieser schweren Zeit erst beivährcn sollen. Mängel werden sich überall zeigen und sickier möglichst soiort abaestellt werden. Dankenswert ist aber dos überall vorhandene Streben der Führer und der Ausübenden, ihre Kraft bis zum Aeußersten einzusetzen ,md das möglichst Beste zu leisten. Wir wollen nur münlchcn, daß die Kräfte in der ganzen Zeit nicht ertabmen. und daß sich sür etwa Ausscheidende immer neue Helfer und Helferinnen senden.

Die Zeit stellt große AnwrHerunqen, aber auch hier gilt ei, daß mit den Forderungen auch tue Kräfte wachsen. Die glänzende»

Siege unserer siegreichen Truppen stärken uns immer von neuem: Mut und Opserlreudigkeit. Drum getrost weiter aus der be»

schrrttenen Bahn:Mit Gott für König und Vaterland!"

P.L.

Amtlicher Wetterbericht.

D c f f e n t 1 1 cf) e Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichtcn in Hessen am Sauistag, den 29 . Aug. !2l1: Ziemlich heiter, trocken, wärmer, »achlS kühl, nordöstliche Winds

Letzte Nachrichten.

Tic Strafe für Löwen.

Köln, 28. ?luq. Der im großen Hauptquartier wel­lende Sonderberichterstatter derKöln. Zeitung" bestä­tigt, daß der lvahnwitzigc KTieg der Irregulären in Belgien mit seiner militärislijcn Zwecklosigkeit und seinen unver- meidlicksen Folgen sür die irregeleitete Bevölkerung trotz aller Warnungen weiler gehe. Gleich-seitig mit dem großen Ausfall der vier Divisioiien aus Anttverpcn gcgcil die Ab- schkießiingsarmee beganil die Zivilbevölkerung der Stadt Löwen aus allen Häusern ein regelrechtes Feuer auf die deutsckjku Truppen. Unzweifelhaft liege hier ein verabre­detes und ein organisiertes Zusammenwirken vor. Der Auf­ruhr wurde von den Unsrigen sofort nicdergeworscn und an der Stadt unerbittlich die Strafe vollzogen.

Die Zurückwcrsuiig des Antwerpener Ausfalles hat durch da-s ebenso sinnlose wie verbrecherische Vorgehen der Löivcner keinen Augenblick aufgehalten werden können.

An Einzelheiten über die Einnahme von L o n g w y wird noch bekannt, daß bei der Ucbergabc 3200 Unvcrwnndctc und 400 Verwundete gefangen wurden. N u r e i n Geschütz war noch schußfertig: 36 waren demoliert. DemKom- mandanlc», der sich durch Tapferkeit ausgezeichnet hatte, überließ der Kronprinz seinen Degen.

Im Hauptauartier besuchte gestern der Kaiser mit dem König von Bayern die Vcrwundclcn in den Lazaretten.

Der Kaiser an die Ostpreußen.

WDB. Berlin, 27. Aug. Vom Kaiser Und König ist dem Staatsministerium nachstehendes Telegramm p« gegangen:

Großes» Hauptquartier, 27. Aug. Die Heim­suchung Meiner tteuen Provinz Ostpreußen durch das Eindringen scindlicher Truppen erfüllt Mich mit herzlicher Teil­nahme. Ich kenne den in noch schwererer Zeit bewälirteil un­erschütterlichen Mut Meiner Ostpreußen zu genau, um nicht zu wissen, daß sie stets bereit sind, aus dem Altäre des Vaterlandes Gut und Blut zu opfern und die Schrecken des Krie­ges aus sich zu nehmen. Das Vcrttaucn zu der un­widerstehlichen Macht unseres heldenmütigen Heeres Ullti der unerschütterliche Glaube an die Hilfe des lebendigelt E-oltes, der dem deutsck»en Volke in seiner gerecktten Sackze und Notwehr bisher so lmmderbaren Beistaich geleistet hat, werben Niemanden in der Zuversicht aus die baldige Befreiung des Vaterlandes von dcir Fedrden ringsum wanken lasscit. Ich wünsch« aber, daß alles, was zirr Lmderung der mtgeirblicklickien Rot in Ostpreußen, sotoobl der voll ihrer Sckzolle vertriebenen, als auch der in ihrem Besitz und Gewerbe gestörten Bevölkerung gescl-ehen kann, als ein Akt der Dankbarkeit des Vaterlandes sogleich in Angriff genommen wird. Ich beauftrage das Staatsministr- rium, im Verein mit den Behörden des Staates, den provinziellen und städtischen Verbänden und beit Hilssvcrcinen aus den ver­schiedenen Gelneten der Fürsorge durchgreifende Maßimhmcn zu trcftcn und Mir von dem Gesckieheuen Meldung zn mack>en.

Kaiser Franz Josef an Kaiser Wilhelm.

Wien, 27. Aug. Kaiser Franz Joseph hat an Kaiser Wilhelm folgendes Tclegpamm gesandt:

Tic hcrrlicljen. den mächtigeil Feind niederwersenden Siege, welche das deutsche Heer unter Deiner obersten Füh­rung erkänlpft hat, haben ihre Gnmdlage nnd ihren Erfolg Deinem eisernen Willen zu danken, welcher das lonchtigc Schwert schärfte und schwang. Dein Lorbeer, der Dich als Sieger schmückt, mackste sich das hehrste ntili- täri'che Ehrcilzcichen, das wir besitzen, anreihen dürfen, in- dcn». ich Dich bitte, das Großtrcuz meines inili- tärischen Maria-Theresienordens als Zeichen Meiner hohen Werlschätznitg in treuer Waffenbrüderschaft annehmen zu wolleu. Die Insignien soll Dir, teurer Freund, ein besonderer Mgesandtcr übcrbriugen, sobald es Dir genehm ist. Wohl wissend, wie sehr Du und Dein Heer die genialen Leistungen des lffenerals der Infanterie o. Moltkc zu schätzeil wisse», verleihe ich ihm das Kom- mandeurkreuz des militärischen Maria-Thcresiciwrdens.

Ven'ammlung neutraler Ausländer in Berlin.

W. T. B. B c r l i n , 28. Aug. In dem überfüllten Saale des Architeklenhauscs veraustalteten gestern abend neu­trale Ausländer eine Versammlung, um gegen die in der ausländischen Presse verbreitete Ansicht zu protestieren, als ob die Ai»sländer in Deutschland belästigt oder mißhandelt würden. Alle neutralen Staaten lvarcu ver­treten, besonders stark Rumänien. Ter Schriftsteller Sckafsner-Baß wies in einer mit außerordentlichem Bei­fall aufgenomnrenen Rede nach, daß die Ausländer ftl Deutschland die Ehrenpflick/ß häbten, auszusprecheu, daß sie den gleichen Reck>tsschuy lstitten wie die Deutschen und daß sie mit der größten Zuvorkommenheit und Höflichkeit behandelt würden Ohne Aussprache stimntte die Versamm­lung einer Entschließung einstimmig zu, in der es unter anderem heißt, daß die allgemeine Ordnung nickst die geringste Erschütterung erlitten hlibe. Handel und Wandel bauern ungestört fort. Tie Organisation des Reiches betoöhrte sich auch in dieser schive- rkn Zeit. Ihre eminente Kraft und der politische Sinn des deutschen Volkes äußere sich in der ik b e r w ä l t i g c n - den Einmütigkeit gegenüber der Gefahr und der im - pvnierenden Ruhe unter dem Gmig der Ereignisse. Die Versammelten seien voll Bcw-underung angcsicvts der Beispiele von we l t ge s ch i chtl'iche r Reife, die sie «i dem deutschen Volke bclnerken und voll Dank für die wertvolle Gcrstsreundschaft, die ihnen das Reich gewähre.

Bei der Annahme der Entschließuilg sang die Veasamm- lungDeutschland. Deutschland über alles". Architekt Rosen Kid der schloß die Versammlung mtl einem dreisachen Hurra auf den deutschen Kaiser,