auS allen Kalibern beschossen wurde, unversehrt seinen Bestimmungshafen erreichte.
16 französische Kriegsschisse waren nicht imstande, mit ihren groben Kanonen ein Torpedoboot zu tressen. Ein kleiner Kreuzer, die „Zenta", der beinahe 20 Jahre alt ist und nur 2300 Tonne,« l)a>, irnrrde abgedrängt und dürfte sich in einen neutralen Hasen geflüchtet haben. Hl Scklachtschiss« und Linienschisse! Tie Franzosen haben die seltsame Gewohnheit, ihre Dreadnoughts mit besonders geistreichen Namen zu belegen. Darunter gibt es sogar oslche, die nach Plstlosophen >oie Voltaire, Diderot und Condorcet ihre Flagge führen. Nicht genug damit: cs gibt eine „Instice" und eine „Vöritö" und nicht einmal ein geistreicher Skeptiker wie Einest Renan wird davon verschont, das; sein Name au, dem Bugsplit eines Schlachtschiffes zu lesen ist. Dieser Krieg zwischen Oesterreich-Ungarn und Frantreich beginnt dainiit, dass 16 grobe Schisse nicht einmal eine n Torpcdozerstörcc zu treffen vermögen und nur einen kleinen Kreuzer von unseren Häsen abdrängen. Schade, das; so grobe Namen nicht großen Zlvecken dienen! Es liegt aus der Hand, dag cs sich um das Gros der französischen Flotte gehandelt hat, da sonst nicht 16 Schlachtschisfc und Panzerkreuzer in den adriatischen Gcwässeni hätten austauchen können. 16 große Schlachtschisse und Panzerkreuzer suchten das kleine Fahrzeug niederzn- riugen. Längere Zeit war es deni feindlichen Femw ausgcseht und ein Hagel von Geschossen schlug rings um den Zerstörer ein. Aber kein Schuß tras von allen den Tausenden von Projektilen. Das ist 1-eXutsam. Tenn wenn mich die Torpedosahrzeuge nur kleine Schiffe sind, so haben sie doch immerhin eine Lunge von etwa 60 bis 70 Meter und eine Breite von etwa sechs und eine Höhe über Wasser von etwa vier Meter. Man könnte daher sagen, daß es ein Wunder sei, daß das schwache, fast nur aus dünnen Blechen und einer Maschine bestehende Fahrzeug unversehrt dem übermächtigen Feinde entronnen ist. Aber man wird gut tun, sich dreist Affäre nicht durch ein Wunder, sondern aus ganz natürliche Weise zu erklären. Die Franzosen haben einfach schlecht, ganz unerhört schlecht geschossen. Das niag vielleicht mit den bekannten Pulver an ständen im Zusammenhänge stehen, die der sranzösischen Marine in den letzten Jahren mitten im Frieden zwei starke Schlachtschiffe, die „Jena" und die „Libcrts", gekostet haben, bie beide infolge Selbstentzündung des Pulvers in den Muiritionsräumcn einer Explosion zunr Ovser sielen. Es muß aus die französische Flottenmanuschast einen höchst deprimierenden Ein- druck gemacht haben, daß nach langer und heftiger Beschießung ein so großes Ziel, wie es ein Tvrpedosghrzeng vorstellt, auch nicht von einem einzigen Geschoß getrosten wurde. Die Schisse und die Geschütze allein geben eben nicht den Ausschlag, den Erfolg ,u:r- bürgcn vielmehr in erster Linie die Männer, die aus den Schiffen hinter den Geschützen stehen.
Deutsch-feindliche Ausschreitungen in Marseille und Nizza.
Die „Nordd. Mlgem. Ztg." schreibt über deutschfeindliche Ausschreitungen in Marseille und Nizza:
lieber die durch die Presse bereits gemeldeten Ausschreitungen gegen Deutsche in Marseille und Nizza entnehmen wir weiteren Berichten noch folgendes:
Vor dem d c u t s ch e n K o n s ii l a t i n M a r s c i l l e sammelte sich bereits am Nachmittag des 4. August eine Schar meist jüngerer Franzosen an, die sich gruppenweise vor der Kanzlei unierhieltcn. Drei Schutzleute sorgten für die Ansrechterhaltung der Ordnung. Ilm 8 Uhr erschienen zwei junge Deulsckn im Kraftwagen und baten um die Visierung ihrer Pässe. Tie Menge war inzwischen aus mehrere Hundert angewachsen uno ivolltc die im Konsulat befindlichen Personen am Verlassen des Hauses verhindern. Es gelang noch, einem deutschen jungen Mädchen freien Abzug zu erzwingen, dagegen übersiel die Menge die beiden jungen Leute, als sic ihr Auto besteigen wollten und schlug trotz der Anwesenheit der Polizcibeamte» von allen weiten aus sic ein. Sie wurden erheblich verletzt, konnten aber schließlich doch im Auto entkommen. Infolge der Prügclszcne waren von allen Seiten loeitcre Menschcnmasscn herbeigeströnit, deren Zahl ctiva tausend betrug und denen Haß sich nunmehr in drohenden Aeußerungen gegen den Konsul entlud. Aus dessen Veranlassung nmrde die zuständige Polizcinmche von der drohenden Lage benachrichtigt und das Schutz,,,cninsauf- gebot verstärkt, ohne daß es indessen gelungen wäre, die Menge zu zerstreuen. Gegen 11 Uhr erschien der Polizeikvmmissar und riet dein Konstck, das Amtsgebäiwe vor 1 Uhr nachts niäst zu verlassen, bis zu welcher Stunde sich die Menge zweifellos zerstreut haben würde. Dieie Annalmie ernstes sich indessen als irrig. Um 1 Uhr ersuchte der Konsul den Präfekten des Bezirks der Rhoncmündung, für die Sicherheit seiner Person und der miteingeschlossenen beiden Beamten Sorge zu tragen, da von der Menge wiederholt Versuche unternommen wurden, die Türe zu erbrechen und das Konsulat zu e r st ü r m e n. Um 3 Uhr nachts erschien de, Präsekt an der Spitze von 150 Polizisten .und stellte die Ruhe wieder her. Dem Wunsche des Konsulats, das Konsulat mit den beiden Beamten zu verlassen und ein Hole! am Bahnhof aufzusuchen, glaubte er nicht entsprechen zu können, erklärte viel- niehr, daß er sie nur im Konsulat selbst schützen könne. Da noch verschiedene Briese in der Stadt zu bestellen waren und kleines Geld zur Reise gewechselt werden mußte, imirdc aus Versicherung des Präfekten, daß ein.Konsulatsbeamtcr dies ungesährdct tun könne, dieser mit Briefen und 500 Franken zum Wechseln hinausgeschickt. Bis st Uhr vormittags herrschte verhältnismäßige Ruhe, um diese Zeit aber lourden die verstärkten Nachitwsten eingezogen: es blieben nur drei Polizisten vor dem Hause und die Menge sammelte sich abermals an. Bald nach neun Uhr lehrte der abgeschickte Beamte zurück. Kaum hatte er den Hausflur betreten, als aus der Menge der Ruf erscholl: Voll st un! und diese zusammen mit den Polizisten, welche riesen: Fouillez-te!, sich ans Lchncr stürzten. Er wurde läminerlich verprügelt, sodaß er aus vielen Wunden blutete, des Geldes beraubt unv ans die Polizeiwache verbracht. Tie Szene war dem Präsekten alsbald genieldel worden, denn er erschien zustschen zckn, und elf Uhr von neuem bei dem Konsul und erklärte, Lehirer labe sich eines schweren Vergehens schuldig gemacht, da er emen Polizisten mit einem Revvl verschliß nicht unerheblich verletzt habe. Dem Präfekten wirrde jedock, sofort crirstvert, daß dies unzutreffend sein Müsse, da dem Beamten eine so unbedachte Handlung nicht zugetraut werden könne »ud keiner der Konfulats- beamten einen Schuß l,litte fallen bären. Um 4 Uhr nachmittags erschien der Präfekt mit mehreren hölieren Beamten uird Agenten der Geheimpolizei in drei Kraftwagen, begleitete den Konsul mit einem der Konsularbeamten, zusammen mit dem amerikanisckun Generalkonsul nach dem Vorortbahnhof La Blancarde, wo inzivisclzen auch der andere Beamte cingetroffen war. Um 5 Uhr nachiniitags reiste der Konsul mit den Beamten in Begleitung eines lzöheren Polizeibennitcn in Zivil in einem reservierte,« Eoupe erster Klasse in der Richtung nach B c n t i m i a l i a ab. Bis Nizza verlief die Reise ruhig. Nachdem der Zug in die Nizzacr Vahnhoshalle eingelausen umr, erklärte der begleitende (Keheim- I«imle nach -einer Bespreckunrg mit einenr uniformierten Gendarmen baut Konsul, er sei von den: Präfekten tti Marseille telegravbisch zurückberiifen und könne Um deshalb nick« weiter begleiten. Dieser angeblick« Rückkehrbesehl >oar indessen augenscheinkich nur ein Vorwand, um sich aus den. Staube zu machen. Mrs dem Balmboi in Nizza hatte sich nämlich eine vielhuudertköviicre Menge ,rn- gesammcst, die ans irgendeine Weise erfahren hatte, daß sah der deutsche Konsul in Plarieille in dem Zuge befand und ,'ick, in loßsiei! Drohungen und Beschimpsirngen erging. Wiederholt wur den von beiden Seiten die Wagentüren aufgerissen, wobei sich selÄt die Soldaten und EisenbahnbeaiNten beteilrglen. imd die Dro huug ousgestoßcu Ivurde, daß die Deutscktzm nicht lebend über die Grenze kommen würden. Nachdem der Zug die Bahnhofshalle beretts verlassen hatte und sich bereits in ziemlickrr Fahrt befand, erhob sich» der Konsul gcmde. um etioas ans dem Gepäckitetz zn nehmen, Ihr diesem Angeubkick wars ihm ein Unbekannter, der ossenbar aus dein Trittbrett des Wagens mttgefahren ivar, eine starke Flasche gegen den Kops, die in unzählige Sckwr- ben zcrstüittcrrc und tiefe Sckmitttmruden in irnd l«ntrr dem rechten Ohr verursachte. '-Auch in Mentone nahin die Menge eine drohende Haltung an, konnte indessen durch die Polczecbeaintru in Schach gehalten werden. Um 7 Uhr verließ der Zug den Bahn Iw, SJiaüoae, während dir «ns dem Bahusirig versammelte Menge ries:
A mort les allemands! Um ß Uhr vormittags langten die Beamten in Vcntimiglia an, wo sich der italienische StattonSvorsteher ihrer in zuvorkommendster Weise annahm.
Englische Abschiedsredcn an die Söldner.
Ei» Telegrmnm des „Nieuwe Rvtterdamsche Eoura.nl" aus London voin 18. August meldet: König Georg hat an die Truppen vor ihrer Ausreise nach Frankreich den folgenden Tagesbefehl gerichtet:
Ihr verlaßt das Land, um für die Sicherheit und die Ehre meines Landes zu kampscn. Belgien, das wir uns zu vericidigei« verpflichtet hab.n, ist angcgiiffcn worden und Fiankreich steht im Begriff, von demselben niächtigen Feind mrgegriffen zu werden. Ich habe imbegrenzles Vertrauen zu euch, meine Soldaten. Pflicht ist eure Parole, und ich weiß, dag ihr eure Pflicht in edler Art erfüllen Windei. Ich werde jede Bewegung von euch mit dem größten Interesse rersoigen und mit der größten Genugtuung den Fortschritt wahrnehmcn. den ihr jeden Tag macht. Euer Wohlergeben wird stets inein Gedanke sein. - Ich bitte zu Gott, daß er euch segne und behüte und euch als Sieger zuiückkehren lasse.
Dasselbe Telegramm meldet ferner: Kriegsminister Kitchener hat den Soldaten des Expeditionskorps, das nach dem Kriegsschauplay abgeht, Instruktionen mitgegeben, in denen es heißt:
„Ihr geht nach dem Auslände als Soldateir des Königs, um den sranzösischen Kameraden gegen den Angriff nnsercs gemcin- schaftlichen Feindes bcizustehen. Ihr werde! eine 'Aufgabe zu vollbringen haben, die allcuren Mut, eure Energie und eure Geduld erheischt. Erinnert euch, daß die Ehre des .britischen Heeres von eurer persönlichen Haltung abhäugt. Es ist eure Pslick«, nicht allein vorbildliche Disziplin und Ausdauer im Feuer zn zeigen, sondern auch die besleu Beziehungen mit denen zu unterhalten, dü ihr in ihrem Ringen uittcrstützt. Die Gefechte, an denen ihr teilnchmcn iverdct, werden zum größten Teil in einem befreundeten Lande stattlabe,!. Ihr könnt eurem eigenen Lande keinen besseren Dienst cirvi-ffcn. als indem ihr euch in Frankreich und Belgien als würdige Soldaten des englischen Heeres betragt. Seid immer böslich, besonnen .und freundlich, begeht kein Unrecht, vernick-tet kein Eigentum, betrachtet Plünderung als univürdiges Gebaren, dann werdet ihr überall willkommen sein und Vertrauen einslößcn. Eure Pflicht könnt ihr nicht nack, Gebühr erfüllen, wenn ihr nicht eure Gesundheit in acht nehmt. Vermeidet darum jede Ausschreitung. Fürckstet Gott und ehret den König.
Deutsch?» cundlichc Kundgebungen i» Prag.
Prag, 24. Aug. Gestern kam es in den Straßen zu patriotischen Kundgebungen, deren Veranlassung der Sieg der deutschen Armee bei Metz war. Die Menge zog unter Absingung der Volkshhmne zu dem deutschen Konsulat. Der Konsul erschien am Fenster des Konsulatsgebändes und hielt folgende Ansprache: Sehen wir diesen Sieg als gute Vorbedeutung für den glücklichen Verlauf des Krieges. Deutschland siegt und auch Oesterreich siegt. Blicken wir mit festen Vertrauen in die Zukunft. Der Konsul schloß seine Ansprache mit einem Hoch ans Kaiser Franz Josef. Die Menge zog sodann zum Radctzkpdenkmal, wo Hochrufe auf Kaiser Franz Josef, Kaiser Wilhelm und den 'bayerischen Kronprinzen ausgcbracht wurden. Gegenüber dem tschechischen Nationaldenkinal kain es zu einer großen a n l i r u s s i - scheu Kundgebung, die dadurch veranlaßt wurde, daß sich ans der Fensterscheibe des Casäs „Slawin" eine russische Inschrift befindet, deren Entfernung die Umzügler verlangten. Der Kasfeehausbesitzer versprach, die Inschrift entfernen zu lassen, worauf sich der Zug, der zum größten Teil ans, Tschechen bestand, in Ruhe anslöste.
Deutsche Militärpflichtige auf einem itakienischen Dampfer.
Berlin, 23. Aug. Der von New Park nach Neapel abgegangene italienische D a m v f e r „Ancona" wurde in der Nähe von Gibraltar angehalten und die auf dem Dampfer befindlichen militärpflichtigen Deutschen, etwa siebzig, nach Gibraltar als Gefangene übergeführt. Unter den Gefangenen befindet sich der Sohn des Direktors der Deutschen Bank, Herrmann.
Die Kaiserin bei den verwundete» Kriegern.
Berlin, 24. Aug. Gestern abend kurz nach 6 Uhr erschien die Kaiserin mit der Prinzessin August Wilhelm im GErnisonlazarctt zu Tempelhof, wo ein Teil der gestern in Berlin eingetroffenen Verwundeten, nntergebracht worden ist. Tie Kaiserin wurde durch deu Chefarzt und Lazarettverwaltungsdirektor empfangen imb- begab sich nach kurzer Begrüßung sofort zu dcit Verwundeten. Sie ging von Bett zu Bett, unterhielt sich mit jedem einzelnen Soldaten. L>ie ließ den Verwundeten Bllnneir überreichen. Nack, mehr als einstundigcm Aufenthalt verabschiedete sich die Kaiserin und erklärte, daß sie in den nächsten Tagen wiederkommen werde, um auch die anderen Verwundeten, die sie nicht mehr sprechen konnte, zu begrüßen. Vor dem Garnisontazarett hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, die der Kaiserin und der Prinzessin leblzafte Ovationen darbrachte.
Bus Luxemburg.
Köln, 23. Aug. Im Großhcrzogtum Luxemburg sind laut Mitteilung in der heutigen Versammlung der Luxemburger Vereine in Deutschland (Hauptsitz Köln) für die Zwecke des Roten Kreuzes 100 000 Mark gestiftet worden. Außerdem wurden tausend Betten für Lazarettzwecke bereit- gestellt.
Ter japanische Botschafter in Wien vor der Abreise.
Wien, 24. Ang. Ter japanische Botschafter in Wien trifft Vorbereitungen zur 'Abreise.
Die Befestigung Belgrads.
Wien, 34. Aug. Wie die „Südslawische Korresp." aus Sofia meldet, hat Prinz Georg von Serbien das Kommando über die serbischen Truppen in Belgrad über- nonrmen. Er läßt die beim Beginn des Krieges begonnenen Befestigungsarbeiten in der Stadt, namentlich auf der Land- seite, sortsetzcn. Damit erledigen sich die von russischer Seite ausgestellten Behauptungen von der angebliche» Un- geschütztheit Belgrads, das heute als vollständig befestigte Stadt anzusehcn ist und auch als solche behandelt werden kann.
Die Verbreitung deutscher Zeitungen.
Berlin, 24. Ang. Die „Norddeutsche Mlgemeinc Zeitung" schreibt: Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, können deutscheZeitungen wieder ungehindert in das neutrale Ausland gelangen.
Ausfuhrhandel nach dem neutralen Ausland.
Die „Nordd. Mlgem. Ztg." schreibt:
Eine der cinschneidenstcn Wirkungen des Weltkrieges ist die Unterbindung des Warenaustausches zwischen den kriegführenden Staaten. Der gewaltige Außenhandel Deutschlands mit den ihm im Kriege gegenüberstehellden Ländern beläuft sich aus viele Milliarden. lTarvch die plötzliche ILachnÄecrnng der gegeniriti- genHandelsbeziehungen leiden unsere Feinde zum Teil noch schwerer als wir selbst, da sie ihren besten Kunden ver loren haben. Doch airch ,vir werden hart betroffen. Umsomehr müssen wir bcdackn sein, den Handel mit dem neutralen Ausland aufrechtruerhalten, nachdem der EffenLahnfvacht-
verkehr wieder ausgenommen worden ist. In nranchen lkreisen scheint mau, soweit der überseeische Handel in Frage koiintt, der veränderten Sachlage ziemlich ratlos gegenüber zu stehen, da die altgcivohnten Bahnen des Transports über deutsche Häfen mit deutschen Schissen stir den außereuropäisäien Verkehr ungangbar gcivorden sind. Diese Sorge entbehrt aber der Begründung. Es wird eben darauf ankommen, Transportwege über neutrale Länder zu finden. Einige dieser Länder haben den Bedürfnissen der Zeit nach Errichtung neuer Schisfahrts- linicn bereits Rechnung getragen. So wird jeden Samstag von Rvtterdan, ein Schiss nach New Bork ab- gefertigt. Auch in Schweden wurde die überseeisck-c Schisss- verbindung eröffnet, die von Gothenburg ausgebt: der erste für Brasilien bestimmte Dampfer verläßt Gothen bürg um 24. August und läuft Kristiania am 27. iAugust an. Ebenso steht ein Weg über Genua offen. Ein anderer Weg i st der über Kopenhagen, aus den ganz besonders ausmcrk - sam zu niachen ist. Auch Bergen und Kristiania soivie Stockholm werden als Ausgangspunkte überseeischer Dampfer-' reisen in Frage lommc». Hier soll nur ans diese Verkehrsuiöglich-- keiten hingewiesen werden. Es wird Sache unserer Industriellen, sein, sich in, einzelnen bei den Svebitcuren darüber zu informieren, wie die neuen Verkehrswege nutzbar gemacht werden können. — ■ Es ist richtig, daß der Ausfuhr auch die aus Anlaß des Krieges notwendig geivordenen Ausfuhrverboie ihrem Worttmtt nach vielfach entgegenstehen. Es ist indes in allen bezüglichen Berordnimgen des Bundesrats dem Reichskanzler die Ermächtigung gegeben, von den Ausstihrverbotrn Ausnahmen zu gestatten. Wir haben guten Grund zu der Annahme, daß die Reichsleitung von dieser Ermächtigung den umfassendsten Gebrauch machen wird, insoweit es nur mit ihren militärischen Interessen irgendwie vereinbar ist. Bel dieser Sachlage kann unserer Expvrtindusttie nur dringend geraten werden, nicht die Hände in deu Schoß zu legen, sondern alles daran zu setzen, die nur zur Aufrcchterhalttmg unserer Ausfuhr gebotenen Gelegenheiten in vollem Uinsmige miszunuyen.
Aus den Kreisen der am deutschen ll eberseehandel beteiligten Firmen lvird uns geschrieben:
Durch de» Krieg sind unsere Deutsch-Südamerikanischen Uiiternchmunzei, in eine außerordentlich schwierige Lag« geraten, spamentlich betrifft dies di- in Argentinien ansässigen! Firmen, aber auch in den übrigen südaiiierikanischen Republiken! liegen die Verhältnisse ähnlich. Tie deutschen .Hcrndelsbänser in Argentinien stehen noch von der Zoiteher, als e - noch ksine deutschen Banken draußen gab, in regelmäßige,» Ges ch ä stsverkehr mit großen englischen Bankc-n, di« bei ihrem Ilmsangc und durch ihre langjährige Existenz sicher auch bisher noch einen großen Teil des deutschen Handels sinaiiziert haben. Jetzt iverden diese Banken sicherlich die den deutschen Firmen eingeränntten Kredite kündigen. Hier nrnssen die deiden deutschen, dniben bcsteixniden Banken, nämlich die Deutsche U e be r s c e i s ch e Bank und Deutsch- Süd am e r i ka n i s ch e Bank, einspringen imd sic sind, soweit loir hören, auch schon iwr längerer Zeit von einer autorisierten hochstehenden Persönlichkeit auf die Notivendigkcit hingewiesen worden, den deutschen Hmidcl mit aller Energie zu stützen, da weitere Zusammenbrüche alt angesehener deutscher Häuser das „a- tionalc Ansehen schädigen würden. Leider sind aber die deutsckew Ueberseebanken mtt Rücksicht aus die hinter ihnen stehenden und sie stützenden Großbanken (die Deutsche Bank und die Drt-sdeneri Banki nur mit geringen .iiapitalien ausgerüstet. Diese letztereir haben jetzt aber ihre ganze finanzielle Kraft zn sammeln, um deir an sie in Deutschland hcrantretenden außerordentlichen Forderungen gewachsen zu sein u»d haben auch ihre überseeischen Nicser- lassuiige» ebenso wie cs die Großbanken anderer Nationcit getan haben, schon in der letzten Juliwoche untersagt, Zahlungsanweisungen ans sie abzngeben. Sollten also unsere beiden Ueber» seebanken den seizt an sie in Südanverika Iwrantretendcn Ansprüchen der deutschen Handelshäuser allein nicht gen>ack»seii sein, so wäre wobl zn erwägen, ob die hierfür notwendi>ien Mittel nicht- durch ein Zusammengehen sämtlicher deutschen Kredittnstitutc ä-u.' beschaffen sein würden.
Erzbischof Likowöki.
Berlin, 24 Aug Weshbischof Likotv ski ist nunmehr definitiv zum Erzbischof ernannt worden. Die päpstlick«: Ernennung datiert vom 14. August und traf durch!' die Münchener Nunziatur am 20. ein.
Am dem Reiche.
Berlin, 23. Aug. Tie vor drei Fahren von Ernest Cassel in London begriuidetc Stiftung zur Untcr- ftsttzung großbritannischer Staatsangehöriger, die in Deutschland in Not geraten sind, hielt es nach dem Kriegsausbruch für ihre Pflicht, mit ihren beträchtlichen Mitteln die hier sich aufhMenden, in Not geratenen britischen Staatsangehörigen zu unterstützen. Sie ist hierbei von der festen Erwartung geleitet worden, daß die von demscllien Stifter in England begründete Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Deutscher in gleicher Weise verfährt. (Wir sind der Meinung, daß die Zeiten endgültig vorbei sind, wo solche Liebesdienste für Ausländer ins Leben gerufen werden. Wir wollen unsere Gaben unseren bedürftigen deutsche» Landsleuten znwcudcn'- Dabei wollet! wir natürlich christlick;« Mildtätigkeit überall da scheu, wo wirkliche Not vorliegt. Was den Engläitderi« recht ist, ist den anderen Ausländern billig; zuerst aber kommen unsere eigenen Landsleute! Red.)
Ari» StaSt und Lanv»
Gießen, 25. August 1914.
** Ernennung. Tic Großherzogin hat den Revi- sionskontrolleur bei dem Hauptstcucramt Worms Richard M üller zu Worms zuin Revisionsinspektor bei dem Haupt-- steueramt Darmstadt ernannt.
** Schuldien st nach richten. Ilebertragcn wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Schneider ails Wieseck die Lehrerstelle an der Volksschule zu Ober-Schöumattcnwag.
** D i e e r st e n V e r w u n d e t e u vom 116. Fus. Regt, sind gestern abend mit dem Persouenzug über Koblenz in die Garnison zurückgekehrt. ES sind dies Hmiptmann Ri eck von der 8. Kbmp., Lt. S ch r o c d e r von der 5 .Komp, und Lt. d. Res. Schmidt, sic sind leicht verwundet. Die Verwundeten fuhren bei ihrer Llnkunst per Autoinobil nach dem 1. Rescrve- lazarett, um sich frisch verbinden zu lassen. Vergangene Nacht passierte der erste Verwundetcnlransport (20 Wagen) zwischen 1 und 2 Uhr unsere Stadl. Die Leute wurden verpflegt und gingen dcrim in der Richttntg Kassel weiter. Heute morgen 6 Uhr traf ein weiterer Zug mit 200 Verwundeten ein. Die meist leicht Verwundeten ivurde» bis aus 20, die in das hiesige Lazarett übergeführt wurde ritz nach Marburg gebracht. Die Verwundeten gel>örteii zum großen Tell unserem Regiment an. — Zwischen 6—7 Uhr izeute vormittag durchfuhr ein Zug mit ca. 100 0 Gesa n g e n e n die hiesige Station in der Richtung nach Kassel.
** Gefangenen-Transport. Gegen V-3 Uhr passierte ein Transport französischer Kriegsgefangener, 2000 Mann stark, unseren Bahnhof. Er soll für die Festung Magdeburg bestimmt gewesen sein.
°* Rotes Kreuz Man schiribt »>is: Die Ausgaben des Roten Kreuzes sind gerade in diesem Weltkrieg anherordentlich ae- wacbsen und es bedarf der llnterllützung ager Kreise unseres Volkes, »m dem Rote» Kreuz die Mittel zu geben, deren es im Jnlcresse uiisercr Verwundeten und Kranken bedarf. Es sei daher besonders,


