Notfälle >kfie°«n Mann in den Tod-gehen. Der Sulbanchosse.
d>rß die Armee ihre Pflicht tun werde. — Das Sfrieg-sS« m i n ist t rin m-begleiket die Proklamation des Sultans mit einem Tages bcsedl, in dem es heißt:
Tic unentwegte -Ausdauer und Vaterlandsliebe, welche die Nation i.üibrend der ersten Adobilinarlnmgsivoche an den Tag gelegt hat. ist ein grneS Vorzeichen für die ottomanische Armee. Diese ist verpflichtet, ün gegebenen Augenblick grosse Opfer auf sich zu uelnuen, uni den Makel des tOallankrirges zu tilgen. Die Erbaltung des Kalifats und des Osmanentums bängt von den Verdiensten und der Selbstverleugnung der Armee ab. Der Tagesbefehl schließt mit Ratschlägen bürsichtlich der Pflichten der Offiziere und Soldaten.
Wechsel im italienischen Marineministerium.
Rom, 13. Aug. (?lgenzia Stcsani.) Mariilcminister Millo, der noch immer nicht von den Folgen des Sturzes in Genu», wo er ein Bein brach, genesen ist, hl,/ sein wiederholt schon ein- gercübtcs Entlasst! ngsgesuch er neuert. Ter ü'önig hat sein tzKsuch mit dem Mi s druck grössten Bedauern? und Wünschen sür baldige Genesung genehmigt. Vizeadmiral Leone Viale ist zum Marineminister ernannt worden.
Sofia—Konstantinopel.
Sofia, 13. Aug. (Agence Aula) Der Eisenbahnverkehr mit Konstantinopel ist wieder ausgenommen worden.
Gras Tisza und die Rumänen.
Ofenpest, 13. Aug. Ministerpräsident Graf Tisza hat an den -llbgeordneten der rumänischen Partei, Alexander Baj da, den er in einer Sitzung der letzten Parlamentssession infolge eines von dem panslawistischen Agitator Gerowszky an Basda gerichteten Schreibens der Teilnahme an der panslawistischen Agitation beschuldigt hatte, ein offenes Schreiben gerichtet, in dem er an eine von Vajda beim Kriegsausbruch inr Bnkarester „Adeverul" veröfsentlichte drcibundsreundliche patriotische Erilärnng «rnknüpst und bereitwillig anerkennt, daß durch Vajdas jetziges Auftreten des Ministers frühere Annahme widerlegt werde. Tisza fährt dann fort:
„Dir erleben setzt entscheidend« Stunden. Das rumänische Volk muh zeigen, ob es eine Verständigung und ein Zusammenwirken mit dem Deutschtum und dem Ungarntum wünscht oder ob es sich dem panslawistischen Koloß in die Arme werfen will. Jeder Akt treuer Vaterlandsliebe bildet heute einen Granitwürfel zu dem Fundamente einer schöneren, sich auf gegenseitigem Vertrauen und gegeirseitiger Shmpathic aufbauendcn Zukunst."
Gold gab ich sür Eisen.
Wien, 13. Aug. Gestern wurde dem Hilfskomitee „Gold gab ich für Eisen" der 500 0. Ehering z-um Einschmelzen übergeben. — Ter Andrang zu den Pflege- rinnenkursen ist so groß, daß die Anmeldung geschossen werden mußte.
Roheiten belgischer Frauen.
Kopenhagen, 12. Aug. Ans Herbestal ein^e- troffenen Meldungen zufolge verteidigten die in den Lütticher Wasfensabriken beschäftigten Frauen die Häuser, indem sie kochendes Wasser auf die stürmenden deutschen Soldaten gossen.
Der Eisenbahnverkehr.
Berlin. 12. Aug. Tank der ausgezeichneten Leistungen der deutschen Eisenbahnen hat es sich ermöglichen lassen, jetzt schon erhebliche Erleichterungen für den öffentlichen Verkehr anznordncn. In ivelchem Umfange dieses in den einzelnen Direktion?bezirken und ans den einzelnen Strecken geschieht, wird von der Bahnverwaltung midge- teilt werden.
Eine Mahnung zur Verschwiegenheit und Besonnenheit!
Das Wolsf-Bnreau schreibt in amtlichem ?lustrag>:
In den ernsten Zeiten, die über uns bereingebrochen sind, fordert das Vaterland neben vielen und großen Opfern auch eine unbedingte Verschwiegenheit über alle Mahnahmen, die mit dem Kriege im Zuianrmcnhang stehen. Dies gilt nicht nur von den militärischen Maßnahmen, sondern auch von den Anordnungen der Zivilbeftötden, den Vorgängen in Privatbetrieben nnd sonstigen Vorfällen irgend welcher Art. die von dem alltäglichen Leben abweicken und dadurch den Feinden zu Schlüssen über die militärischen Mahnahnicn Veranlassung geben können. Insbesondere dürfen Nachrichten, die Angehörige vom Kriegsschauplatz senden, nicht weitcrgegcben werden. Auch über Vorkommnisse und Mahnahmen bet unseren Verbündeten muh Stillschweigen beobachtet werden.
Ter Reichskanzler bat ans Eirund des Gesetzes gegen den Verrat niilitärischer Geheimnisse durch die Bekanntmachung vom 31. Juli 1914 Veröfsentlichungen über militärisch wichtige Nachrichten verboten. Die vorsätzliche Uebertretung dieses Verbots wird mit Gefängnis oder Festungshaft bis zu 3 Jahren oder mit Geldstrafe bis zu 5000 Mk. bestraft.
Mit Gefängnis bis zu einem Jahre wird bestraft, wer in Beziehung auf die Zahl. die Marschrichtung oder angeblichen Siege der Feinde wissentlich falsche Gerüchte ausstreut oder verbreitet, welche geeignet such, die Zivil- oder Militärbehörden! hinsichtlich ihrer Mahrcgeln irrrzuführen.
Eine gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher, sei es auch nur fahrlässig, die Verbote Übertritt, die in dieser Hinsicht die Militärbeschlshaber aus Grund des Kriegszustandes erlassen haben. *
Ein jeder tut deshalb gut, bei seinen Mitteilungen gröhte Vorsicht walten zu lassen, im m ü n d l i ch e n Verkehr sowohl wie auch rm Brief-, Fcrnsprech- und Telcgrammverkehr, nicht allein nach dem Äuslaich, sondern auch im Inland. Tie Interessen des Reiches fordern, dah rücksichtslos gegen unbefugte Verbreiter der oben bc.zeichnetrn Nachrichten eingeschritten wich. Zuversichtlich hoffen aber die Kriegsleitungen des Heeres und der Marine, dah sie in keinen! Falle zu einem derartigen Einschreiten gezwungen werden, sondern dah alle Stände allerorts ihren Wünschen mit Verständnis für den Ernst der Lage und mit patriotischem Empfinden entgegenkommen werden.
Durch den Grohen Gencralstab und den Admiralsstab der Marine in Berlin werden den Tageszeitungen dauernd Nachrichten über die Ereignisse auf den Kriegsschauplätzen zugeheu. Sie werden so reichbaltig und ausführlich gehalten werden, wie es das Reichswohl gestattet. Hiermit muh sich die Allgemeinheit genügen lassen: alles weitere schädigt das Reich.
Besonders wichtig blecht dauernd die Erhaltung aller Verkehrseinrichtungcn, namentlich der Kunstbauten an Eisenbahnen, Kanälen und Wegen, sowie aller der Schisfahrt dienenden Einriäilungcn. Eisenbahnen, Kanäle und Brücken wer- !>cn dauernd militärisch scharf bewacht: die unerlaubte Annäherung an Bahnstrecken und Brücken ist daher mit Lebensgefahr verbunden. Jedem, der einen verbrecherischen Anschlag gegen unsere Verkchrsvorrichtungen vereitelt und den Verbrecher cinlicsert oder zu seiner Festnahme verhilst, loird hohe Bechhnung zuaesichert.
Auch bei dieser Gelegenheit wird aber nochmals daraus hingewiesen, daß der dienstliche Automobilverkehr nicht durch falsch betätigte Wachsamkeit gestört werden darf, weil sonst die gröhtcn Nachteile für die Befehls- und Nach- richtenübermittvlung mtstchen würden. Fremde Autos sind jetzt nicht mehr im Lande.
Freiwillige Flugzeugführer.
Berlin, 13. August. Das Kriegsministerium erläßt folgenden Aufruf:
Tie glänzende Entwicklung unseres nationalen Flugwesens darf durch den Krieg nicht zum Stillstand kommen; sie
muß in, Gegenteil weiter gefordert werde», damit die jüngste Masse
mit vollem Erfolg sür die Verteidigung des Vaterlandes mit eingesetzt werden kann. Der Nachschub von Flugzeugen an die Armee uich Marine ist durch besondere Mahuahmen, durch Verwendung von Zivilpiloten im Deere? und Marinedienst euigeleite:. Die Fliegerschulen setzen ihren Ansbildungsbetrieb fort. Aber die Möglichkeit großer Abgänge, mit der int Kriege naturgemäß noch mehr als im Frieden zu rechnen ist, zwingt zu rechtzeitiger Vorsorge für die Ausbildung weiterer Flugzeugführer sür den Krieg. Die Mcwungcn Kriegsfreiwilliger überschreiten zwar, lote bei allen Waffen, so auch bei der Fliegertruppe, den augenblicklichen Bedarf weitaus. .Indessen muh hier eine besonders sorgfältige Auswahl getroffen werden. Auch von den Ausgewäbltcn werden im Lause der Ausbildung noch viele znrücktreten müssen. Es kommt deshalb daraus mi, von vornherein die geeignetsten Kriegsfreiwilligen einzuslcllen, d. h. solche, die neben der erforderlichen Intelligenz und tüchtigen Eparaktcreigen« sckasten auch säwn Borkenntnisse in der Bedienung und Pflege von Flugmowren besitzen. Solche Persönlichkeiten weiden sich namentlich unter demenigen Studierenden der Technischen Hochschulen und anderer technischer Lehraustalten finden, die sich diesem Sonderfach zugewandt haben. Außerdem werden.geübte Mechaniker und Monteure gebraucht. Kriegsfreiwillige melden sich zur Ausbildung als Flugzeugführer oder zur Einstellung als Hilssmonteure bei der Königlichen Jnspeltion der Fliegertrupven. Berlin-Schönebcrg, Alte Mserne, Fiskalische Straße, auswärtige schriftlich.
Spenden sür die Rationalstiftung für Hinterbliebene
im Kriege Gefallener.
Berlin. 13. Aug. Der Staatssekretär des Reichspost- amts Kraetke hat angeordnet, daß sämtliche Reichsposd- anstalten, Postämter, Postagcnturen und Posthilssstcllen Spenden für die National st iftung für Hinterbliebene im Kriege Gefallener entgegennehmen können. Das Bureau der Nationalstistnng befiitfaet sich in Berlin NW. 40. Alseustr. 11.
Die Einziehung von Schuldsordcrungen feindlicher Staaten.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Dem russischen, französischen, belgischen oder englischen Staate sollen gegen eine Reihe von Banken, Gesellschaften, Instituten uslv. in ganz Deutschland nicht unerhebliche Forderungen zustehen. Die A b s ü h r u n g solcher Guthaben an die .feindlichen Mächte nach dem Äusbrnch des Krieges schädigt das Baterlaird. Wer auf diese Weise dem Feinde Vorschub leistet, wird unter Umständen nach 889 des Reichsstrafgesetzbuches wegen Landesverrats bestraft.
In Berlin beschlagnahmte der Oberbefehlshaber in den Marken die dem russischen Reiche gegen seine Schuldner zustehenden Forderungen, namentlich aus Bank- und^Kredit- geschäften aller Art, als Eigentum eines feindlichen Staates, und überwies sie dem Fiskus des deutschen Reiches, vertreten durch den Staatssekretär des Reichsschatzamtes, zur Einziehung. Den Reichsinteressen würde es dienen, wenn das Bestehen solcher Forderungen dem Reichsschatzamt in weitestem Umfange bekannt gemacht würde, damit wegen ihrer Beschlagnahme das Erforderliche veranlaßt werden könnte.
Keine Eholcragefahr.
Gegenüber der Besorgnis, ob die zurzeit in
Rußland angeblich herrschende Cholera auf Deutschland übergrcifcn wird, sei auf folgendes hingewiesen: Rußland nntrbc im letzten Jahrzehnt wiederholt von der Cholera heimgesucht; es hatte z. B. im Jahre 1905 eine schwere Choleraepidemic. Obgleich aber die lange deutsch- russische Grenze dem Vordringen der Krankheit nach Deutschland keinerlei natürliche Hindernisse bietet, im Gegenteil die Weichsel mit ihrem Schtffahrtsverkchr geradezu ein Einsallstor darsteüt, drang die Seuche niemals über die Grenze hinaus. Einzelne bei uns eingeschleppte Fälle wurden dicht an der Grenze sogleich erkannt und durch die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln alsbald unschädlich gemacht. Diesen Erfolg verdankt Deutschland seinem vorzüglich organisierten Seuchenschutz, lieber das ganze Reich sind zahlreiche Medizinaluntersuchungsämter (Bakteriologische Stationen) ausgebreitet, welche zur sofortigen Feststellung ansteckender Krankheiten dienen. Treten irgcndivo solche Krankheiten gehäuft aus, so können diese Aemter „fliegende Laboratorien" in die gefährdete Gegend senden, um an Ort unb Stelle noch rascher und nachdrücklicher die Seuche zu unterdrücken. Durch Isolierungen und Desinfektion wird die Ansteckungsquelle unschädlich gemacht und eine Ausbreitung der Krankheit dadurch verhindert. Auch bei unserem Heere befinden sich zahlreiche tragbare bakteriologische, nach den neuesten Anforderungen der hygienischen Wissenschaft eingerichtete Laboratorien, damit jeder Seuchenverdacht sofort an Ort und Stelle geklärt werden kann. Hygienisch wohlgeschulte Sanitätsoffiziere begleiten die Truppen. Je ein hygienisch spezia- listisch ausgebildeter Sanitätsoffizier befindet sich bei einem jeden Korpsarzt und schließlich bei einem jeden Armcearzt je ei» beratender Hygieniker, die aus den ordentlichen Professoren der .Hygiene an den Universitäten und Instituten! anSgewählt sind. Ein sachverständiger Rat in gesundheitlichen Fragen steht hiermit ausreichend zur Verfügung. Gegen den Typhus und die Cholera gibt es ferner eine ziocckntäßige 'Schutzimpfung, welche das Krirgs- ministerium natürlich längst in den Plan zur Bekämpfung der Seuchen etnbezogen hat. Impfstoff steht zur Verfügung, Zum Abkochen des Wassers sind fahrbare Trinklvasser- bereiter und zur Ausführung von Destnsektionen fahrbare Desinsektionsapparate vorhanden. Ein solcher neuzeitlicher auf Kraftwagen montierter Desinfektionsapparat ist mit einer großen Feldwäschereianlage, gleichfalls auf .Kraftwagen montiert, verbunden. Gegen die Pocken ist das .Heer durch Impfung geschützt. Wir dürfen demnach mit Sicherheit daraus vertrauen, 'daß wir auch sür den Kampf mit den Seuchen auf das beste gerüstet sind.
Unterstützung der Kolonialbeamten.
Berlin, 13. Aug. Seitdem der Schiffsverkehr mit den deutschen Kolonien gestört ist, werden manche in Deutschland lebenden Angehörigen von Kolonialbeamten und sonstigen Angestellten des Kaiserlichen Gouvernements in Afrika und der Südsee sich sorgen, woher diese jetzt die Mittel zuni Leben nehmen sollen, die ihnen, sonst regelmäßig durch die Baulhänser oder durch die Post nach Anweisung aus den Kolonien zugegangen sind. Diese Sorgen sind nunmehr dadurch behoben, daß Staatssekretär Dr. L>ols Bestimmungen für die Hilfeleistung getroffen hat. Wie wir hören, wird dadurch solchen in Not befindlichen Antragstellern ein Teil der Gcbnhrnisse ihrer bei den Gouvernements augestellten Dtänner, Söhne, Brüder usw. während des Krieges in jedem Monat durch die Kolonialhauptkasse oder deren Vermittelung ansgezahlt, wenn sie Nachweisen, daß ihnen Geldbeträge zum Lebensunterhalt in regelmäßigen Zeitabschnitten aus den Kolonien ücherwiesen wurden.
Rn Fron Sophie Nebel von Türkyri«.
Du singst in Hessen hohe Lieder,
Aus Schwaben tönt das Echo wider —!
Wie einstens zwischen Hirsch und Leu Wird alte Freundschaft wieder neu. —'J
Die deutsche Treue hoch in Ehren! —
Ja! — tapfer wollen wir uns wehren Wir Brüder all' aus deutschem Land,
Dein Lied ist uns ein Unterpfand.
Wir werden nimmermehr verderben»
Wir, alten deutschen Ruhmes Erben,
So lang in einem deutschen Gau x.
Roch singt wie du, die deutsche Frau! —»
Am Hohenstaufen, 11. Aug. 1914. H. v. W.
Aus dem Reiche.
Berlin, 13. Aug. In der Charlottenburger
Stadtverordnetenversammlung wurden gestern eine Million Mark bewilligt zur Durchführung von Maßregeln der Lebensmittelversorgung zwecks Steuerung einer Lebensmittelverteuerung.
Essen (Ruhr), 13. August. Frau Friedrich Msred Krupp hat für verschiedene Zentralen und die örtlichen Organisationen des Kriegsliebesdienstes 50000>0 Mark zur Verfiigung gestellt.
Bismarck über England.
Jetzt wo England die Maske hat fallen lassen und als unser offener Feind hervorgetreten ist, gewinnen die Aeuße- rungen Bismarcks besondere Bedeutung, in denen er immer wieder auf die Selbstsucht und Heuchelei der englischen Politik und auf die Gefährlichkeit des Treibens unserer „Vettern" hingewiesen hat. Die Anständigkeit des einzelnen Engländers hob er in einem „Tischgespräch" mit Poschinger hervor. „Die englische Politik hingegen sei von allem das Gegenteil; ihre hervorstechendste Eigenschaft sei die Henchelei, sie wende alle Mittel an, die der einzelne Engländer verabscheue. In Frankreich sei ja die Politik zu Zeiten auch nicht sehr wählerisch in ihren Mitteln gewesen, namentlich schwächeren Volksstämmen im Auslande gegenüber sei sie ebenso grau-^ sam und brutal verfahren wie die englische; Gewalttaten und Ueberlistung seien ebenso vorgekommen wie im englischen Regime, aber das Maß von Heuchelei und Perfidie, wie es der englischen Politik häufig eigen ist, sei doch an ihr nicht nachzuweiscn." Dieser Gedanke wird des Näheren aus- gesührt in einer Betrachtung, die Busch in seinen Tagebuchblättern aufzeichnet. Bismarck weist hier nach, daß die englische Politik in der ganzen Neuzeit immer darauf ausgegan- gcn sei, „unter den Mächten des Kontinents Zwietracht zu stiften oder zu erhalten und sich der einen gegen die anderen zu bedienen, so daß sie zu Englands Vorteil geschwächt und geschädigt wurden". Besonders hätten die EnAänder immer versucht, »ns gegen die Russen auszuspielen. „1877, als der russisch-türkische Krieg sich ankündigte, sollten wir ihn durch Einspruch in Petersburg verhinocrn, im Interesse der Menschlichkeit, wie die Times demonstrierte, und die Königin Viktoria uns ans Herz legte, in einem Briefe an den Kaiser, der von Augusta übermittelt und befürwortet wurde, und in zweien an mich. Menschlichkeit, Friede und Freiheit ist immer ihr Vorwand, wenn es nicht Christentum und Ausbreitung der Segnungen der Gesittung unter Wilden und Halbbarbaren sein kann, zur Abwechslung. In Wahrheit aber schrieben die „Times" und die Königin im Interesse von England, das mit dem unfern nichts gemein hatte. Das Interesse Englands ist, daß das Deutsche Reich mit Rußland schlecht steht, unser Interesse, daß wir mit ihm so gut stehen, als es der Sachlage nach möglich ist."
Wie England den Haß zwischen Deutschland und Rußland schürt, daraus kommt er immer wieder zu sprechen. „England braucht nicht mit Rußland zu kämpfen, wenn ihm Deutschland die Mühe abnimmt," sagte er 1892 zu Poschinger. „So versuchte England auch stets während des Krimkrieges, den Kriegsschauplatz von der Krim nach der Weichsel zu verlegen. England hat recht. Wenn ich einen großen und starken dummen Kerl finden könnte, der für mich mit meinenr Feind kämpft, so würde ich ihn absolut nicht daran zu hindern suchen, und wenn ich ein englischer Staatsmann wäre, würde ich es ebenso machen wie sie. Ich wäre ein Esel, wenn ich es nicht täte." Und ein andermal meint er: „Hoffentlich wird unser Kaiser durch die Enttäuschungen, welche ihm seine Freundschaft sür England einbringen wird, von der unseligen Gewohnheit der deutschen Fürsten abkommcn, dem Wolf John Bull gegenüber die undankbare Rolle des gutmütigen Kranichs zu spielen und für das englische Interesse Krieg auf dem Festlande zu führen. Als wir im Gedränge waren, hat England sich auf die Seite unserer Feinde gestellt und das Geschäft auf zwei Seiten zu machen gesucht. Wenn also England zwischen das welsche Roß und den russischen Elefanten kommt, wollen wir Deutsche nicht mit der großen Ofengabel drein fahren, sondern ruhig zuschauen, wie der steifleinene Lord gequetscht wird, daß er nach Gott schreit!" Auch über die Bedeutungslosigkeit der englischen Streitkräfte auf dem Lande war er sich stets im Klaren, und wie gering er die Wirkung Englands sei einem Kampf auf dem Kontinent einschätzte, geht aus den Worten hervor: „Dieses England mit seinen paar Tausend Mann Linienlruppen und seiner — dadurch halb gezwungenen — Niclitintcrvcntionspolitik ist eine ganz gleichgültige Großmacht, die sich nur durch ewiges lantenbaftes Bevormunden einen gewissen künstlichen Einfluß geschaffen hat, den man auf seine reale Grundlage wieder zurücksühren muß!" Ebenso hat er auf die Raficnver- wandtschaft zwischen Engländern und Deutschen nie viel gegeben. „Blut ist dicker als Wasser. Das mag sein," sagte er 1896 zu Sidney Whitman. „Jedenfalls ist Blut eine zähe Flüssigkeit: ich kann mich aber nicht erinnern, daß Blutsverwandtschaft jemals einer Fehde das Tödliche genonrmen habe. Die Geschichte erzählt uns, daß keine Kriege so grausam! waren, als jene zwischen Völkern derselben Rasse: Zeuge dessen die Gehässigkeit, die in den Bürgerkriegen zutage tritt."
Die Verwundetenversorgung an Bord unserer Kriegsschiffe.
Man spricht mit Recht von einer besonderen See kriegs- chirurgie, denn nicht nur weichen die Verwundungen an Bord in ihrer Art von anderen Massenverwundungen erheblich ab, sondern die besondere Bauart unserer Kriegsschiffe verlangt auch eine besondere Art des Transports und der Versorgung der Verletzten. Die gesamte Kenntnis von der Seekriegschirurgie ist kürzlich von einem schwedischen Marincarzt in einem großen Sonderwcrk nicdergelegt, doch bestehen auch in Deutschland zahlreiche Werke und Einzclschristen über dies Thema. Das Wichtigste sei im folgenden mitgeteilt. Nach den Erfahrungen der letzten Seekriege rechnet man bei einem Kampfe moderner Flotten mit 5 Prozent unmittelbaren Bev-


