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Nr. *J2 Zweiter Blatt 164. Jahrgang

Erschein! ffigllch mit Ausnahme deS Sonntag?.

TieSietzener Zainillenblätter" werden dem .Anzeigeft viermal wöchentlich beiqelegt, da? ..KrrHblÄtt (Sr den itreir Siesten" ,wei»,«l wochcnüich. Tielazidmirftchafilichen Zeit- fronen erscheinen monatlich zwei mal.

ieyener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vonnerrtag. 6. August

Roiationsdriick und Verlag der Drübl'schen UniversilälS - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Bietzen.

Redaktion, Expedition und Truckcrei: Schul­strabe 7. Expedition und Verlag: e=®51. Redaktion:s^I12. Tcl.-Adr.: AnzcigerGictzcii.

Yie denkwürdige Zitzung der Reichstags.

Berlin, 4 Ang Heute mittag 1 Uhr wurde im Weißen Aaalc de? König!, Schlotte» der Reichstag eröffnel Ter Reich» kan«ler, in Draqonerunftorm, der danniche sandte >Gra' von -Lepcheineld und die Staatsseftcmre nadten im Zuge und stellten iut> zur Linken des Thrones auf, wo die B,-»vllorachiigten «im Bundesra, vollzählig erichiencn waren ;iur Rechten des Ihrem r» staub die EieneraUtät und Admiralrral, an ihrer rrnrtz» General- feltmran'chaU n, h, Goltz. die Generäle san alle in Feidunirorm, Der Kaiser, rn feldgrauer Generalsuniiorm mrr dem Bande des Schwarzen Adlerordens, erschien kurt nach 1.15 Uhr Der Abge­ordnete Ta c nrv f brachte drei Hoch» aus. die brausenden Wider­hall saobeii Der Reichskanzler überreichte dem »äiftr, nairdem dieser vor dem Thromeiftl ?luistellunq genommen barte, die Thron­rede Der Kaücr bederkre das Haupt init deni Helm und vertas die Rede nrft fester, lauter Stimme Die Rebe nnrrbe imedervolt von Bvavorusen unterbrochen, die sich immer mehr steiqertrn. Der Tarier sprach noch folgende Worte:Sie staben gelesen, meine Herren, was ich »u meinem Volke vom Ballon des Schlosses aus gesagt hohe 7Tb wiederhole:7t ch kenne keine Partei «ehir. ich kenne nur Deutsche Und »um Zeichen dessen, dag -Sie fest entschlossen sind, ohne Parterunrerichiede, ohne Stan­des- und Konftffronsiinierichiede zusammen ».»halten m,t >nir tmvcki dick und dünn, durch Rot und Tod, fordere ich die Vorstände der Parteien aus, herairzutreten und mir dies in die Hand »u ge­loben/ Dann ,raten die amnejenden Parteivorstände vor Jedem schüttelte der Kaiser kroitig die Hand (Mraf v Lerchenseld brachte ein drerimbeo Hurra aus. Die Anwesenden slrurmien daraui die Aatioiuilbumne an, die der Kaiser entblößten Hauptes anhörte

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Der Eröffnung des Reichstages im Wersten Saale folgte iim 3 111 k die Sitzung im Reichstag, Vor dem Reichstaqs- gehüude hotte sich eine graste Menschenmenge eingesmrdrn, die den Reich.» lonzler lebstasi begrüstle, und inr Rerckslagsiaal waren tue Dristüncn und die Bundesestradcn überfüllt Ani Re- oierungsiisch waren der Reichskanzler mit sämtllchen Staats- lekrerären und preußischen Ministern friAtatcn. Von den wbl- reich anwesenden Abgeordneten staben viele die Uniform an, in der sie ins Feld ziehen wollen.

Gemäß der Geschäftsordnung erössnet Dr. Kaempi als Präsident der vorigen Srssion die Sitzung, Gras Westarp beamiragt sodann, das alte Präsidium, bestestend ans den Astg, Dr Kaempi, Paasche und Dove, sowie die alten Schristfüstrer der vorigen Session wiedersuivästien. Dieser Vorschlag wurde mit lebstaltenl Beifall auigeiwmmen und einstimmig wurde das alte Präsidium wiedrrgewästll,

Präschenr Kaemps dankt für seine Wieberwadl und das chm dadurch erwiesene Vertrauen und lügt hinzu, er werbe nicht unterlassen, dem Kaiser von der Konstituierung des Reichstages kRitteibung ur machen. Der Kaiser bat auch bereits, so fuhr er linier lebstosiem Verfall fort, den Wunsch ansgesmorsten, das Präschiuui deute astcich 7 Uhr zu empfangen und ich bosse, in der Lage sein zu können, dem Kaiser dann davon Mitteilung zu mackwn, dast sämtliche Vorlagen, die auf der Tagesordnung unserer heutigen zweiten «ntzung flehen, erledigt sein werben, (Lebhafter Beifall )

Nunmehr erhält das Wort

Reichskanzler v, Brllnnann Hollweg:

\ Sin gewaltiges Schicksal bricht über Europa sterern,

! Seit wir unser Völkerrecht und sein Ansehen in der Welt er­kämpften, tusten tvir 14 Trahrr lang fti Frieden gelebt und den Frieden Europas geschirmt, TVn friedlicher Arbeit sind wir stark und mächtig geworden und darum beneidet. Mit zäher Geduld haben wir cs ertragen, wir unter dem Vorivand, dast Deutschland kriegslüstern sei. in Ost und West Feindschaft genährt und Fesseln gegen nnS geschmiedet wurden. Der Wind, der da gesät worden, acht jetzt als Sturm auf. Wir ivollte» in friedlicher Arbeit weiter leben, und wie ein unausgesprochenes Gelübde ging es vom Käfter Hxs zum .längsten Soldat: Nur »irr Verteidigung einer «rechten Sache soll unser Schwert aus der Scheibe fliegen, (Leb­hafter Seisall gus allen Seilen des Hauses/ Der Tag, da wir es Ziesten müssen, ist erschienen, gegen unseren Willen, gegen unser redliches Bemühen, Rustland Hai die Brandfackel an dos ^>aus gelegt. lAllieiftge lebhafte Zusrinrnrung/ Wir stehen »i einem qezzoungenen Kriege mii Rustland und Frankreich, Meine Herren, eine Reiste vo» Schriftstiuken, »usammenqe- stellt in dem Drang der sich überstürzenden Ereignisse, ist Ihnen zugegangen, Der Kanzler bespricht die bekannten Taftachen und 'fährt iort:

Sollten nnr weiter geduldig warten, bis etwa die Mächte, zwischen denen wir eingekeilt sind, den Zeitpunkt »um Los- ^ schlagen wählten? Dieser Gefahr Deutschland auszusetzen, wäre ein Verbrechen gewesen, (Stürmische Zustimmung. Dar um forderten wir noch am 31, Juli von Rustland die De Mobilisierung als die einzige Mastregel, welche noch den euro­päischen Frieden erhalten lönne Der kaiserl, Botschafter in Peters­burg erhielt ferner den Auftrag, der russischen Regierung zuerllären, dost wir im Falle der Ablehnung unserer Forderung den Kriegs­zustand als eftrgetreien betrachten müssen Der kaiserliche Bot- schafter hat diesen Auftrag ausgesühri. Wie Rustlands Ant­wort aus unsere Forderung lautet, wissen wir beute noch nicht «Lebhaftes Hört! Hört!) Telegraphische Meldungen aus Petersburg darüber sind nicht bis an uus ge­langt, obwohl der Telegraph weit unwichtigere Meldungen »och übermittelte So sah sich, als die gestellte Frist längst verstrichen war, der Kaiser am l, August, nachmfttags 5 Uhr, genötigt, unsere Wehrniacht mobil zu machen, Lebhafter Beifall/ Zugleich nrustten wft uns versichern, wie sich Frankreich stellen wirb Aus unsere bestimmte Frage, ob es in einem dcuftch- russischen Kriege neutral bleibe, hat es uns geantwortet, es werde tun, was ihn seine Interessen gebieten iGclöchter, Das war i ein Ausweichen aus unsere Frage, wenn nicht eine Verneinung (Sehr richtig!) Trotzdem gab der Kaiser den Beseht, dast drr sran- zösistbe (8ren»c unbedingt zu reipekfteren sei. Dieser Beseht wurde strengstens besvlgt, bis am eine einzige Ausnahme, Frankreich, das zu derselben Stunde mobil machte, wie wir, erklärte uns, es werde eine Zs«e von »cbn Kilometern an der Grenze respek tieren. Was geschab in Wirklichkeit? Bvmbenwersende 7 Flieger, Kavalleriepatrouillcn, aus reickslän- disches Gebiet eingebrocheue Komvagnien Damit hat Frankreich, obwohl der Kriegszustand noch nicht eingckreren . war. den Frieden gebrochen und tatsächlich angegriftcn CAll- gemeine Bewegung.) Was icne Ausnahme betrifft, so babe ich vom Eher des Generalftabes heute die Meldung erhalten: Bon den f sranzösischen Beschwerden über Grenzverletzungen unsercrseiis ist i nur eine einzige zugegeben Geaen den ausdrücklichen Bciedl bai !. eine anscheinend von einem Oftizicr geiübrie Patrouille des t 14. Armeekorps am 2. August d>e Grenze überschritten. Sie ist ? anscheinend abgeschosscn worden Rur ein Mann ist »urück- > gekehrt. Aber lange bevor diese einzige kleine Grenzüberschrei » tung erfolgte, haben ftanzösische Flieger gut innere Bohnlftnen A Bomben abgavorreii, haben am T ch l u ch t p a st iranzölische Trur % pen unsere Grenztruppen angegriiien. Unsere Truvven haben sich $ dem Befehl gemäst zunächst gänzlich aui die Abwehr beschrank: j» Las ist die Wahrheit.

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Bi r finti in der Notwehr, und Not kennt kein E-ehol. Unsere Truppen haben Luxemburg besetzt und viel­leicht icho« belgisches «scbict betreten. Beungung und Beifall.) Das widenvricht den Geboten des Völkerrechts, Tic ftan- -iöid'che Reglernug hat z>var in Brüssel erllärt, d>e Neniralität Belgiens reipekiieren zu wollen, so lange der lüegner sie respeftiere. Wir wußten aber, dast Frankreich zum Eiiiiall dereft stand, Frank­reich konnic märten, mir nicht. Ein ftanzöiiicher Einiall in unsere Flanke, i» unsere Reihen halle verhängnisvoll werden können. So waren wir gezwungen, uns über den berechllgtcn Protest Luxemburgs und der belgischen Reg,erging hinweg,zusctzen. Das Unrecht, das wir damit tun. worden wir wieder gut machen, sobald unser militärisches Ziel er­reicht ist, i Lebhoster Beftall.) Wer so l:edrolit ist wie wir und um sein Höchstes kämpft, der dars n. ur daran denken, wie er sich durchhaut, (Unqeheijre Bewegung, stürmisch wiederholter Beiiail, Händeklatschen, in döis auchSozialdcmo k r a t e n e i n st i m m e n.

Was die Haltung Englands betiftsft, so haben die Erklärun­gen, die Sir Edward Gren gestern in, eiiqlisctieii Unicrhaus ad gegeben hat, den Staiidpunkt klargr-stelll. den die englische Re­gierung fimrrmmt Wr haben der »englischen Regierung die Er- llärung abgegeben, dast. solange.'sich England neutral verhält, unsere Flotte die R o r!p k ü st e F r a n k r e i chs nichl angreifen wird und dast wir dift territoriale Integrität nnd die llnabhängigkeit Belgiens nicht ankasten werden Diese Erklärung wiederhole ich hiermit ösTentlich vor aller S®eft, und ich kann hinzusetzcn, dast, solange ELiglond neutral bleibt, nnr auch bereit wären. i»i Falle der tbege nseftigkinl keine feindlichen Ope< rallonen gegen die sronzösischc Hanhclssrtnssahrt vorzunehmen, (Leb­hafter Beisall ,) «t

Ich wiederhole das Wort »-egiKaisers: Mit reinem Elewissen zieht Deutschiaiid in den Kampfs Allgemeine und lebhafte Zu» stimmung imd Beifsoll/ Wir käuip/-n um die Früchte unserer sriedtickwn Arl-ell, um das Erbe einer groß«« Vergangenheit und um um'ere Zukunft, Tie hO Jahre sind noch äw-jit vergangen, von denen Moltke sprach, dast wir gerüstet da stet»-n enüstlen, um die Errungev'chafteil von lft7ll zu verteidigen. Jetzt IVt die groste Stunbe der Prüfung für unser Volk geschlagen»: aber mit heller Zuversicht sehen wir ihr entgegen (Stürm-ftchc Zu­stimmung) Unsere ?lrmcr steht im Felde, unsere Flotte in llaiups- dereit, (Mt erhobener Stimme/ Hinter uns steht d-.as ganzedcutscheVolk (Stürnrftcher, sich immer wiederholender- Beisall und Händeklatschen auf allen Seiten des Hauses und aus den Tribünen ) Der Redner wiedcrbolt die letzten Worte, indem er mit Emphase die Hand zur Sozialdemokratie ausstreckt, das ganze deutsche Volk serncuter Beifall im ganzen Hause und aus den Tridünenl, das ganze demsche Voll ist eiustimmig, Sic meine Herren, kennen Tkbre Pflicht fti Tihrer ganzen Graste: es bedari keiner Begründnug mehr Ich bitte um schnelle Erledigung, stürmischer, nicht endcnwollender Beisall nnd Händeklatschen, ttese allgemeine Bewegung )

Präsident Kiremps:

Wir sind uns bewiistt, dast der Krieg, fti den m ziehen nur gezwungen sind, ein Ka nrps der Abwehr ist, »fteichgeitig aber auch für Deutschland ein Kamps um die höchsten geistigen und materiellen ibüter der Rafton, ein Kamps auf Leben und Tod, ein Kamps um unsere ganze Existenz, (Stüriniscke Zu­stimmung/ Der Augenblick, in dem der Reichstag sich anschickt, angesichts des Ausbruches des Krieges die istesefte zu volleren, die für den Krieg und für dos Wirtschaftslebe» der Nation während des Krieges die sichere Grundlage zu bieten hestmrnll sind, ist ein feierlicher und nes ernster, zu gleicher Zeft aber auch ein unendlich groster nn-h erhebender. CErneuter lebhafter Beftall/ Schioere Lasten müssen dem ganzen Volke mfterlegt, schtoere Opfer von jedem einzelnen gesordell werden Aber es gibt niemand im ganzen TKillscheu Reich, der iiicht efti volles Ver­ständnis hätte für das, was aus dem Spiele steht, und der nützt freudig dies« Lasten übernimmt, freudig bereit i st, diese Opfer dem Vaterlande darzubringeii. (Erneuter Bei­fallssturm/ Die Begeisterung, die wie ein Sturm durch das ganze Land braust, ist ein Zeuge davon, dast das ganze deuftche Volk Gut und Blut zu opsern gewillt ist für die Ehre des deutschen Reiches, (Stürmischer Beisall.) Niemals hat das Volk ein­mütiger zusammengestanden als heute, ?buch die- senigen, die sonst sich grundsätzlich als Gegner des Kncges be- kcimen, eilen zu den Fahnen. Ishrc Vertreter ftn Reichstage bc- willigen ungeslftimi die für die Verteidigung des Reiches not­wendigen Mittel, ! Aberwaliger Sturm des Beftall» nnd andau­erndes Händeklaftäwn auf allen Seiten des Hauses, Die Gesamt­heit des Volkes steht somit fest und brüderlich ein für die Sühne des uns zugeiügteii Unrechts und für die Abwehr des uns aus- qedrungeneu Kamlftes, Wir wftsen uns hierbei eins mft den verbündeten Regiellmgeu, Wir alle, Regierungen und Volk, haben nur den einen Gedanken: die Ehre, Wohlfahrt und Gröste des deutschen Reiches, iLlllgeineine Zustimmung Sregesfroh und sie- grsgewist stehen wft zur Leitung unseres Heeres nnd unserer Alo- nne, T>ft Einmüilgkeit der ganzen Nation, die Stärke des Volkes in Waften, dft Kaltblütigkeft der Heeres- und Marineleitung verbürgen uns den Sieg in dem Kampfe, den wir mit dem Bewusttt'ein der Gerechtigkeit imserer Sache führen, zur Berteibigung der Ehre und «tröste unseres Vaterlandes (Lei»- Hafter Beifall und Händeklatschen auf allen Seiten des Hauses und auf den Tribünen.)

Der Präsident schlägt daraus vor, die Sitzung jetzt zu schließen und die nächste Sitzung um fünf Uhr nachmMogs zur Beratung der Vorlagen abzuhalten.

Das Haus stimmt dem Vorschläge zu,

Schluß 3.50 Uhr,

In der

zweiten Sitzung

teilt der Präsident mit, daß ein Teil der Abgeordneten sich ent­schuldigt habe, weil sie nicht vechtzettig noch Berlin kommen konitten.

Aus der Tagesordnung stehen sodann die durch den Krieg notwendig gewordenen Gesetzentwürse. Dft erste Beratung sämt­licher Gesetzentwürfe wird verbunden.

Das Wort erhält der

Abg. Hause tSozialtzemolrak):

Meine Herren! Im Aufträge meiner Fraktion habe ich fol­gende Erklärung abzugehen: Wir stehen nor erner Kriegsabstim - mutig, hie Folge her imperialistischen Politik, durch die ein ver­hängnisvolles Wettrüsten herbergesührl und die Gsgensätze unter den Völker« verschärft worden sind. Die Veraniwollung hierfür falle den Trägern dieser Polillk zu. Wir lehnen sie ab, (Zu­stimmung, Dft Soziotdemokroric hat dreft verhängnisvolle Ent­wickelung mft allen Kräften bekämptt. und bis in die letzten Sninden hinein bat sft durch luarhrvolle Kundgebungen in allen Ländern, namentlich im innigen Einvernehmen mft den ftanzö- ,'iichen Brüdern sAuillmmiing bei oen Sozialdemokraten i auf di» Anftechrerhalllnig de- Friedens gedrungen, Ihre Anstrengungen sind vergchtsch gewesen. Jetzt stehe nen Tatsache des Krieges der feindlichen Invmion, Nicht wir jetzt zu entscheiden, sondern reidigung des Landes zu denken an die Milli

ohne ihre Schuld in dieses Verhängnis hineingezogen worden sind »nd die vo» den Verheerungen des Krieges mit schwersten ge­kreisen sind lLehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hgriste Wünsche h e g l e i te u unsere zu den Fahnen gerufe­nen Brüder ohne Unter schied der Partei, l Stür­mischer Be,soll bei ollen Parteien/ ÄÄr denken an die Mütter, die ihre Söhne hergehen müssen, an die Frauen und die »inder, die ihrer Ernährer heranttz werden und zu den drobmden Sciweckeir des Hungers werden noch dft Zehntausende verumudeler und ver­stümmelte! Kämpfer kommen Ihnen allen hcizusllehen und ihr Schicksal zu erlenüteru, dftsr ungeheuren Schrecken zu lindern, eraftüen nur als eure zwingende Pflicht, Lebhailer Beftall/ Wie »nag es mir unierm Volke und nimrr sreideitticheii Zukunft stehen bei dein Siege des rnssischeu Despotismus, der sich mit dem Bluft der Besten des eigenen Volkes befleckt btt ? Vieles, wenn nicht alles, steht auf dem Spiele Es gilt, diese Gefahren abzuioehren, KnUur und lliiabhäugigkeft: unftres eigenen Landes zu sielrern Da maftien wir ivahr, was wir immer betont haben. Wir lassen in der Stunde der tseiahr das eigene Vaterlandnictit im Stieb, (Stür- mfteber Beisall be, allen Parteien ) Wir iühlen »ns im Ein­vernehmen mit der Inftrnalionale, die das R-i-chl jedes Volkes aus nationale Selbständigkeit und 2elbslveneft>lgung»derzeit an­erkennt. wenn wir in llebereinstinnnnng nnt ihr >eden Erobe­rungskrieg vernrftilen, Wir sordern. das: dem Kriege, ivenn das Ziel der Silbernng erreicht ist und die tRgner zum F-rftden ge­neigt sind, ein End>» -lemacht mird. ein Ende, das die Freundschaft mit den Nachbarvölkern ermöglicht. Das fordern wir niä» nur ,m Interesse der internationalen Solidaritäl, sondern auch im Interesse des deutsix-n Volkes, »Wir lunjen, bis; die grauftmieii e>llinden der Kriegsleiden in Millionen den Ab»cheu vor dem Kriege wecken und sft für das Ideal des Lölkersriedens und de» Sozialisnuis gewinm-,, werden Von diesem Grundsatz geleitet, bewilligen wir die geforderten Kredite, (Seb- hafter Beisall )

Die bürgerlichen Parftic» nahmen nicht das Wort, Es nmr- hen d i c s ä n, t l i ch e n V o r l a g e n c i n st i m m i g a n g e n »in - men. auch in dritter Lesung, was lehhaslen, stürinischim Beisall hervorrust. Ebenso wird der Antrag aus Vertagung bis 24, No­vember angenommen,

Präsident Dr. stttenlpf:

Wir haben mit der Schnelligkeit, die der Ernst der Lage er­fordert. unsere Arbeit beendet. Unsere Segenswünsche be- öftesten unser agnzes Herr und unsere ganze Marine, tiftavo/ Wt.r sind des scll'ensesftn Berftauens, dast die Schlachtfelder, die rnil dem »Blitte unserer Helden getränkt werden, eine Saat chrrvorbringen iverde», die dazu berusen ist, eine Frucht zu tragen, so schon, nne wir sie nur wünschen können, die Früchte ncüvr Blüte, neuer Wohlfahrt und neuer Macht des de-.ntschcn Vaterlandes, (Leblxister Beftall.)

Reichsliänzler v, Beilimilnn Hollweg:

Am Schluffe diesbll' kurzen, aber ernsten Tagung ei» kurzes Wort: Nicht das Gewicött dieser Beschlüsse gibt dieser Tagung ihre »Bedeutung, sondern der rGeist. aus dem heraus sie ergangen sind: Der Geist der Eiichen Deutschlands, des unbedingten rücklxaltlosen g eg en s rei.*,, 1 f n Vertrauens^ aus Lebennd Tod »Braro!> Wo»»-- bisUgenb der vierft Anglist >Rt 4 wird bis in alle Ewigkeit hinein,, an der größten Tage Deutschlands sein, -Bravi-chc V Kaiser und seine hohen Berbündetcn haben mir den Aulschaft geben, dem Reichstag zu danken, Ter Reichskanzlei,,es Ha dann die kaiserliche Botschaft, durch welche der Reick»stag !je llntcr- »24, November vertagt wird, »s zurück-

Präsltzent Kaempf: ufter das

sstach diesen »Schlustworten des ReichskanzlerS bleibt übrig, nochmals zu beteuern, daß das deutsche Volk eftis 7^^,!,, ,,,' den letzten Ntann. zu siegen oder zu sterben Schlachtsekde für dft deutsche Ehre, und sür die deutsch' 7 / Ottern heil, l'Bravo!) Wir treunen uns mit dem Ruse: »JJtniel 1 u Kaiser, Volk »nd Vaterland, sie leben hoch!» liche bürgerlichen Parteftn stimmen lebdalt in den Ruf ein, Sozialdeni-okraten, dft mit den anderen Ülbgeordneten den ganze, Schlußakt stehend angehöxt haben, beteftigen sich an den Hochrufen selbst nicht/

Schluß 5.45 Uhr,

Die entscheidende englische Regierungs- ertlärung im Unterhause.

London, 4, Arrg, Isn der gestrigen Sitzung des Unterhauses gab Minister G r e >, folgende Erklärimg ab:

Es ist jetzt llar, dast der Friede Europas nicht ge­wahrt iveichen kann Wir haben bis gestern nichts mehr als dipln- mettische Utmrrsttltzung versprochen. Er, Gren, sei zur Zeit der »?llgeciraS-Konserenz gefragt worden, ob England beivassnete Unter stiiynilg geben werde. Er habe gesagt, er könne kei:rcr fremden »Macht etwas versprechen, was nicht aus vollem Herzen die Unter­stützung der öffentlichen Meinung erhielte. Er gab kein Verspre­chen, erllärte aber sowohl dem französischen wie dem deutschen Botschafter, dast, wenn Frankreich ein Krieg ausgrzwungen würde, dir öffentliche Meinung aus Frankreichs Seite treten würde. Er willigte in den sranzölischen Vorschlag aus Besprechung mili­tärischer und seemännischer Sachverständigen Englands und Frank­reichs ein, da England sonst nicht in der Lage sein würde, im Falle einer plötzlich eintreteird>»n Krisis Frankreich Beistand zu ge­währen, wenn cs ihn gewähren wollte.

Die gegenwärtige Frage ist mrf* aus einer Frage entstanden, die ursprünglich Frankreich betrat Keine Regierung und kein Land hat weniger gewünscht, in den österreichisch-serbischen Streit ver- wickelt zu werden, als Frankreich: es wurde ehrenhalber durch seine Verpflichtungen darein verwickelt. Wir hatten eine lange und andauernde Freundschast mit Frankreich, »nd inwieweit diese Verpflichtungen und die Freundschast modifiziert sind, darüber möge ledermann sein eigenes Herz und seine Emvnndnngen zu Rate ziehen und das Maß der Verpflichtungen abschätzen,

Gren erllärte, daß er gestern abend dem sranzösftchen Bot­schafter die Versicherung abgegeben habe, dast, wenn die deutsche Flotte in den Pinal und die Nordsee ginge,in die sranzösifche Schiffahrt oder die Küste anzugreisen, die britische Flotte jeden in ihrer Macht stehenden Schritt gewähren würde. Er habe erfahren, dast die deutsche Regierung bereit sein würde, wenn England sich zur Neutralität verpflichten wurde, zuzustimmen, dast die deutsche Flotte die Nordküste Frankreichs nicht angreifen würde. Dies sei eine viel zu schmale Basis für Verpflichtungen englischerseits, ^Beisall)

Ferner bestehe die Frage der belgischen Neutrali- i ä t. Als die Mobilisierung begann, habe er der französischen und der deittschen Regierung telegraphiert, ob sie hie belgische Neu­tralität respeftieren würden Frankreich erwiderte, dast es hierzu bereit sei. salls nicht eine andere Macht jene Neutralität verletze, Ter deutsche Staatssekretär erwiderte, dast er nicht antworten könnte, bevor er sich mit dem Kaiser und dem Reichskanzler beraten habe.

Er gab zu verstehen, dast er zweifele, ob cs möglich sein werde, eine Antwort zu geben, weil diese Antwort die deutschen Pläne ent­hüllen würde

Grey teilte weiter mit, daß England in der vorigen Woche son-