Rr. m
viertes Blatt
!64. Jahrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Cießenee Zamllienblättek" werden dem .Anzeige:' viermal wache,ulich de,gelegt, das „rreeftblaN für den Kreis Sichen" zweimal
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit fragen" erscheinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Gberhessen
Samstag, I. August
Rotationsdruck »nd Verlag der Brühl'jch^q UnivcrsitälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Ervcdifton und Verlag: 5L
Redaktion:e-^II2. Tel.-Adr.:?I»jcigerGieße»-
aus einmal sieben unmündige Kinder zugesallcn ftrib. Die Gemeinden hoben dann begreifliche riveise weniger das Bestreben. für die Kinder gehörig zu sorgen, als sie möglichst bald wieder abzu» schieb«, Auch durch Privalvettrcige sucht man vielfach die Verpflichtungen der Gemeinde abzuwalzen. ohne zu bedenken, daß ein solches BeriaHren unzulässig und zumeist rechtsunwrrksam ist
lim solchen Mißständen zu begegnen, wäre es erwünscht, daß die Armenpflege durch größere leistungssähige Verbände ausqeübt werde, wie dies z. A, in Preußen zum Teil durch die Provinzen geschielst. Ausgeschlossen erscheint eine Erziedungstäligkeit durch die organisierte Armenpilege selbst, Ihre Ausgabe erstreckt sich daraus, die richtige Erziehuirgssorm zu ermitteln, die im Eiw- »elsall angezeigt erschcim, und die passende Erziedungsftelle ftLslege- eltern, Pilegeamialten auszumachcn Hierzu ist criorderlich. daß die Lrganjsaiwn auch die Kinder jellgt kennen lernt Zn einzelnen größeren Städten bestehen zu diesem Zweck Beobachtungs- aiistal ten. sog, Waisendevots. z, B, Hamburg, Leipzig, Ter Neberganq aus der Familie in die Fürsorgepflege erweckt neue Betrachtungen, Das Kind ist aus seineu Gesundheitszustand zu untersuchen, insbesondere auch aus das Gebiß, von dem wiederum die Ernädrung im Koben Grade abhängig ist: es muß Rücksicht genommen werden aus die geistige Qualität, etwaige Abnormität oder Minderwertigkeit usw. Um alles dies sestzustellen und hiernach die richtige Erziebungsstelle für das Kind zu ermitteln, sind die BcobaMungsanstalren von außerordentlichem Werl und bedeuten einen großen Fortschritt aus dem Gebiete der Kindersürsorge,
Aber auch die Fürsorge für die Schulentlassenen ist von außerordentlicher Wichtigkeit, Es ist eine Ersahrungstatsache, daß aus den sog, „ungeterntm" Berufe» eine wert größere Anzahl von Der» breckwrn hervorqedt, als aus den „gelernten", Desbolb isteme gründliche, den Fähigkeiten im Einzeliall angemessene Berussausbildung der Fürsorgepslickligen durchaus notwendig Gute Lehrer und Meister und gute Ausbildungsstellcn sind hierzu in erster Linie erforderlich, an ihnen sehlt'S leider vielsacki noch recht sehr. Im atlgo- meinen hat man die Ersahrnng gemacht, daß die jungen schulentlassenen Leute gerne die Ausbildungsgelegenheften wabrnehmen, sobald sie etwas fürs Leben lernen können und daß sie irühe eine gewisse Selbständig keil zu gewinnen pflegen Man ist dabec mit Recht bestrebt, die Ausbildung der Schulentlassenen namentlich auch in größeren Anstalten unter tüchtiger Leitung mehr und mehr zu fördern.
Auch die Vormundschaft liat im Lause der Zeiten mancherlei Wesensändcningen erfahren und die VormundiftL'- des BkG B entspricht nicht mehr derienigen in den ent« Fahr zehntel» des vorigen Jahrhunderts, Früher bat man einmal cmt die Frage: „WaS ist ein Vormund?" die launige Antwort gehabt: „Ein Main», zu dem bas Kind „Onkel" lagen kann," Der Bornnmd solllc Elternstelle an seinem Mündel versehen nnd nicht nur für dessen ordentliche Unterkunft und Pflege, sondern vor allem auch für seine Erziehung sorgen. — Diese Zeiten liegen weit zurück. Hatte gilt es als allgemeine Regel, daß die Mündel nicht mehr durch den Vormund er,v-ien werden: an seine Stelle sind ats Erzieher Pflegeeltern und Arrsdalten getreten
Der Einzelvorinund, wie ihit das B.G.B geschaffen Hai, ist sehr häufig nicht fähig, die ihm obliegenden Pflichten zu erfüllen. Abgesehen davon, daß der Vormund sehr oft nicht imstande ist, die richtige Pflege- und Unterkunstsstelle für sein Mündel aus ziiwähien, versagt er erfahrungsgemäß vielfach auch bei Durch- führung der Alftnentatronsprozesse und deS ZtvonqSvoUstrecknnqs- versahrens Rehen der mangelhaften Qualifikation des Einzel- Vormundes Hst aber auch der lluksdand rnißftänbig, daß die Bestellung des Vormundes meist SU spät erfolgt. Besonders bei unehelichen Kindern ist es durchaus notwendig, daß sofort semand Vorhand« ist, der sich um sie kümmert und für fie Sorge trügt. Erfahrungsgemäß ist die Sterblichkeit der Kinder in der frühesten Lebens- Veriode am größten, und zwar wieder bei den uneheliche' doppelt so groß als bei den ehelichen. Vielfach ist hieran mit schuld die schlechte Alimattierung der Kinder seitens der Verpflichteten und infolge hiervon die mangelhafte Ernährung. Eine andere wichtige Ursache der großen Sterblichkeit mfter den neugebarenen unehe- lichen Kindern ist aber auch der häufige Pslcgewechsel. Es ist sest- gcstellt, daß nur etwa */s aller unehelichen Kinder nach Ablauf des erst« Leb«ziLhrks noch an der ersten Psleqestelle zu sein pflegen. Der Uuterhaltspslicht seit«s der natürlichen Väter wird
nur sehr unzureüliend genügt, 00». befahlen überhaupt nichts, während von den -10der zahlend« wiederum ein großer Teil nur ein« geringe» Teil des zum Unterhalt Erforderlichen leistet. Sehr wichtig wäxe es auch, wenn für N«gebor«e stets sofort eine geeignete weibliche Fürsorgerin vorhanden wäre, eine Pflegerin, die unler Aussicht eines Arztes für die richtige Unterkunft und Pflege der Säuglinge zu sorg« hätte.
AU« dies« Enordernissen kann die Vormundschaft des BGB. nicht genügen. — Hier kann nur eine wohlgeordnete Organisation wirksam bels«, eine Berussvormuirdichast. welcher nicht nur eine planmäßige Unterbringung und die verständige Pflege aller Mündel iirnerhalb eines bestimmten Kreises obliegen würde, ivndem mit de- auch eine ständige ärztliche Aussicht über die Kinder verbunden sein imißre und die auch deren Rechtsansprüche in ivirksamerer Weise durchzunihrm hatte, als dies dem Einzelvormund möglich ist. Die Aussicht über das Kind muß sofort mit Hess« Geburt beginn«, das Lind muß. sobald es ins Leben tritt, einer im voraus bestimmt« Person unterstellt sein.
Wie die Berussvormundschatt. die daS BEiB. als solche nicht k«nt, rechtlich zu gcstallen wäre, ist »ickü unbestritt«, Do sir eiw» grführt ist, kam, sic rechllich nur aus Art. 136 des Eiirsührungs- gesetzes ;um BGB, gerechtscrligt werd« bezw, sie ist auf Eirund dirser «Gesetzesbestimmung stillschweigend geduldet. Dir Bernssvor- mundschast kann hiernach aber nur von Personen ausqeübl werd«, d«en bereits die Fürsorqetätigkeit in Ansehung der zu berwo- inunüend« Kinder obliegt, d. h, die Macht ihres Amtes verpflichtet iind, sofort nach der Geburt eines der Vormundichast bedürftigen Kindes fürsorgmd für dasselbe einzutreten. Berufsvvrmuudschatl« in diesem Sinne und bereits vielsach, namentlich in groß« Städt«, in Wirksamkeit,
Io Deutschland strh« zurzeit ettva 200000 Kinder mrtrr Be- rnisvpewnndschast Es kommt vor, daß K000 Kinder einem einzigen devartt-c:-, Bernssvormund unterstellt sind. Bei einer Berussvvr- mundschotzl der Art bedarl es selbstverständlich zablrrichrr Hilfi- lräste, Aei.zie. Pflegerinnm, freiwillige Helfer und Helferinn« sind dabei unentbebrlich, Auch erfordert eme solche Organisation riu tzevße,:- BeweoV' dem oft auch ein besonderes Rechtsbureau zur Seite steh« Mittelbar sind bäusig mich Vereine für die Brrufs- vornnmdsümst rfific, ohne Glieder der Organisation zu sein. Me grsßvorr-iindschasUiibe Bewegung gewinnt mehr und mehr n«es Feld, ivenci sie sich zunächst auch nocl, naturgemäß im wesentlich« ans die Stcwtc beschrankt, Roch ungelöst ist die Frage, wie n«an etwa aucki das Lamd der Berussvormundschast zugänglich machen könnte, In Hess« ist der Grdcmke erwogen worden, ob sich nicht die Zentrale sür Säuglingsflirsorge zu diesem Zwecke diuistbar machen ließe und i.im, nicht etwa die Pslegerinn« in geeignet« Fällen als Bormünde, bestellen könne. Die praktische Lösung dieser Frage, insbesondere der Ermittlung der best« Form sür die Ein - führnnq der Berussvocumndsckait auf dem Lande wird wohl iw rer st noch manchen Bed«krn rechtlicher und tatsächlicher Art begegne». Das Wes« der Vormundschaft hat sich im »rufe der Zeit« geändert, deshalb eul w i ck el n suh neben der gesetzlich« Bo i i nund schu se detz BGB bezw zum Teil an deff« Stelle n«e Form« der Vormundschaft parallel mit der Fürsorgctätiqkeit imd man ist in unserer Zeit im Begriff, diese verschied«« Tätigkeit« nach Möglichkeit in einer groß« Organifatioii zu vereinig« mit dem letzt« — allerdings wohl noch recht sernftehend« — Ziel eines eigen« Ministeriums sür Kindererzsehung und Kindersürsorge,
Cm seltsamer Edelstein.
Wvn Fritz Seitz.
Au allen Zeilen hat der Mensch an farbigen oder
glitzerttden Steinen seine naive Freude gehabt. Römische Schriftsteller rühmen die Smaragde und Rubinen, mit denen die alten Inder ihre goldenen und silbernen Gefäße zierten. Unter der Aschendeckc, die das römische Pompeji deckte, nnd in ägvptischen Gräbern fand man Edelsteine, deren Glanz einst eine junge Schöne schmückte. Schon 1650 v. Ehr, wurden die Smarogdgruben zu itosseir am Roten Meer bet riehen, wie uns eine alte Inschrift berrclitet. Auch heute noch üben Schmucksterne einen besonderen Reiz auf das Auge aus, sie haben trotz der gesteigerten Ausbeute und der reicheren AnS-
Ktnöcrfürforgc und Verufrvormimdschast.
Nicht immer hob« iich die öfsentlichen Organe, Behörden und Austalien m dem Maße mit der Sorge und Pflege des großen hllssbedürillg« Krnhervolks belaßt als dies heute der Fall ist. Ueber der Enrwutlung und d« heutig« Stand der Kinderfur- sorge >im weiter« Sinn, dieies überaus wichtig« Kapitels unieres Volkslebms, dos Bemerkensweneire zu wiiien, in gewiß für alle von Fniereiie. die ein Her» nir die Klein« und Schwachen und das »ölige Verständnis für die Ded«lunq der Kinderfüttorgc rm Hinblick au» die Zukutm unieres Volkes beiie«. In einer Zeit, rn der man alleron« über Geburt«rückgang Nagt, in der andererseits aber auch die iittliche Gefahrdmig unierer Jugend vielfach «in« recht bedenklich« Grad erreicht dal und die Zahl der iu- gendlichen Uebeltäter mehr und mehr anwachst, ist es mehr d«n ie eme iuttionale Pflicht geworden, alles daran zu setz«, um ein gesundes, starkes, aber auch ein sittlich hochstehendes ZukunitS- ichlecht heranzubilden und zu erhalt« Esoll hier nicht die ede sein von der Arbeit der Z«tta!e sür Säuglingsschuh, dio scu einig« Jahr« Mil dank«sweriem Elier nnd großer Umsicht am Werke ist, und die ein ganz besonderes, eig«artiges Kapitel der Kindersürsorgr bildel, das hier nicht eingehender erörtert weiden kann, Togegen mücht« nnr hier einiges von dem bringen, wa; von einer Autorität au» dem Gebiet des Ktiidenüriorge- »oeiens und der Beruisvornrundichoi: gelegentliä, eines Borirags- tun'us der Gesellschaft sür nnrlschaslliche Ausbildung vor kurzem in Frankrun a, M, ausgefüdrt worden ist. nämlich von Professor Dr Klumcker, eiiwm Manne von außergewöhnlicher Erfahrung und langiihriger erfolgreicher Täligleil aus dem hier in Betracht kommenden Gebiete,
Wir bär« von ihm zunächst, daß bas eig«iliche .Zeitalter des Kindes" die Zeit um die Wende des ld und lll, Z^hrhunderts gewesen ist. eine Zeit, in der die «in»er»nrsorgc in umsassender Weise aiisgeich' irmrde, bis im Laufe der erst« Jahrzehnte des voriger, Iohrhundens in dieser Täligkeit ein langsamer aber ständiger Rückschritt einttal. Erst seil 1870 ist dam, wieder rine beinerk«swerie Vorwärtsbewegung aui dem Fürsorgegebnt zu koniiatier«, die allgemach zu ein«i allgemein« Auftchivung dcS Kinderpflege- und Liiidererzichungsivesen» gerührt hat, Irideß war lange Zeit hindurch bas charakterlstiichr Krnnzeicben dieser Fürsorgeräligkeit in unserem Vatcrlande eine große Zersvlitterung der Kräfte zwiich« zahllosen Vereinen, Anstalt« und Behörd«, »in großes Nebeneinander und Turchrinaiider, ja oft sogar ein direkies Geg«einander,
In diese unerft«Iiche Uelgestaltigkeit des Kinderiüriorge- nmens im allgemeinen- Ordnung und Einbeitlichkrit zu bring«, ist dar Bestreb« unserer Tage, das auch wohl ans manchem Sve- zialaebiet der Kindersürsorge, s, z, B aui dem des Pormund- scha»lswes«s, durch das BGB zu einem voiitiven Erfolg ge- führt Hot
Die Kinderfürsorge im wefter« Sinne ist zu unterscheiden in die Waisenvflege, die Bormundschair und die Fürsorgeerziehung. Da ,st eS tvohl nicht uninteressanl zu hören, daß sich in Fürsorgeerziehung etwa 60OfK», in össentlicknr Waisciwsl-fle rund Million und in Vormundschaft etwas über eine Million Kiuder unter 14 Jahren beftnd«.
Tic älteste Form der Fürsorge war die össentliche ArmenuMer- stützung Während hierbei icdoch früher das erziehliche 'Moment mehr zur Geltung kam, betätigte sich nach und nach die Arm«- vslegr mehr durch UMerstützung hilssbedürstiger Kinder mft und in ihrer Famllie, Die Rechtsprechung, wonach die öffentlichc Arm«- pflvge nicht verpflichtet ist. erzieherisch tätig zu sein, hält Pwf, Klumcker für unrichtig und dem Gesetz >vikersprech«d.
In der Organisatton der Arnieiipslege bestehen große Tchtvierig- keilen, einmal dadurch, daß sic vielsach noch durch Personen ausge- üdt wird, die dm Anforderungen nicht gewachsm sind und zum andern durch die große Zahl der zu pslegcndeii Kinder, So kann es Vorkommen, daß Kinder aui dem Wege der Submission „an den Denigslnebmend«" gewissermaßen „verkauft" werden Das sind, wie der Vortragende wobl nicht ganz ohne G«nd betonte, „unkulliviene Zustände", Schuld daran trägt icdoch die Organisation Die flcineren Gemeinden sind mchl leislungsiähig ßcnug. Es »st vorgekommen, daß einer Gemeinde durch eine Eheschließung
Frattcii.Rundsctja«.
Nrubriten der Uederftanstsmode.
Seit kurzem ist der Strvhhut nicht mehr der Alleinherrscher der sommerlichen H u t m o d e , er dal innigen nmartiqen und recht reizvollen Erscheinung« Play mach« nrüss«. Da ist nun »»erst der weiße Filzdui, Er erinnert in der Form etwas an den Herrmtut, die Lrempe ist steil und ganz w«ig ausgebog«. die.Grundsorm ickuvakdoval. der Kops ist wncb und wird in der An der Herrmbute gekniist, entweder mit der bekannt!« Eulbuckz- tung, die non voni nach hinter verläuft, oder mit einer kreisförmigen Mulde, die Nick',! immer durchaus in der Mille zu ieur brauch!, sondern cs ist der Willkür der Trägerin überlass«, sie kokttl reckts- oder linksseitig onzubring«, Ter Hart, detz nichi zu schwer sein dar», ist gerade aui den Lops zu icy«. und, wird zlemlicb wert in die Stirn gedrückt. Er muß io »vcü und dock, sein, daß er beouem aus den Kov» gcdruck: wtb« kann, nw er dann — ohne die lästige Hutnadel! lest und sicher sitzt. Er dürfte suh. da er sowohl für Blonde wie iür Brünette iehr kleidsam ist, bald großer Beliebtheit erfreu«, Ueberhaupt werben die weich« Hüte wohl ziemlich verdrängt werd«, und überall wird in der lommend« M»>dr die bekannte Matclot-Form twr- gezoq« werden. Die Krcmve ist immer steif, meist gerade, der Kol» von miltterrr Höhe, ebmialls stets gehalten, und die aller- obettie Plalte ist weick». tvabricheinlich, damit der HM nickt zu schwer »mrd Mid fick, b« Kops der Trägerin leicbler anpoßt. Diese Hüte werd« in versckncb«orngenl Material an gefertigt und sind immer in ziemlich lebhaft« Färb« gebalt«: in leichtem zan« Filz in Hellblau. Rosa, Hellgrau und einem mittler« Grün in Sammei in d« gleichen Färb«: nur hal man die Oberseite der Krempe oft mft anderssaibigem Sam! überzog«, v B, rosa Hüte mft Schwarz, hellblaue mit Dunkelblau, ganz hellgraue mit ein«, satt« Rot, 'Außerbem bat mau dieselben Formen noch mft bunter Seide bezog«, meist dunkelgrün — oder dtau nrft bunten Stten« ,n Rot und Weift Zur Krempe werd ein kreis»örmiges Stück so aus der Seide g-schnitt«, daß die Streifen bei dem »ertig« Hute gleichmäßig von vcwn nach hinter» lausen. Weüde llernc Hund« in d:r Form wie <oüdwes!er, nur kleiner werden mit geblümter Seide überzogen, an einer Seite tiochgeklavol gettag«, eigen« »'ich aber nur für Kinder und »ehr junge Mädchen.
Das Kostüm, dos ja memals aus der Mrix verschwind« wird, bar zi«ilichr Aenderung« eriahr«. Sehr beliebt ist der lTopvelrock, Heber dem erg«llick>:n Rock, der so eng wac möglich ist. fällt ein zweiter bis über die Wad« reictumder und recht weiter Rock Es sieht aus. ais sollte der solange verscholl«- Falreirrock wieder zu Ehren kommen: man trägt ihn j-vt über d-m «g« Rocke, wo er ja ng«rlid> sein« Zweck nnbt ganz erfüllt, aber recht anmuttg bei einer schlank« Trägerin russeb« kann. Die Falten werd« im Gürtel gelegt, und feit grbügell, nicht mehr gestcom, nnc ftcüder, dadurch iälli der Rock freier, der barunrer liegende «ge Rock wirkt manchmal durch überlriebene Enge wie eine — Herr« Hose, besonders, da er inchr mehr ge-
sehlrtzt getvag« wird. Dos gilt jedoch rrirr für d« eb« beschriebenen Rock, andere Röcke werd« noch immer geschlitzt getraq«: ganz glatte Röcke Hab« ein« unaussällig« Schlitz vv« oder hcn- t«, der nur beftn Geh« zu sehen ist, andere sind zu beide« Seit« geschlitzt, noch andere liab« d« zi«rlich hoh« Schlitz am Knie, dahinter aber ein sehr hübsches, fächerförmig cmsfallmdes Falt«- stück, das d« Rock im Sich« «g erschein« läßt, ein bequemes Geh« ermöglicht und sich darum besonders zur Reise als recht ang«ehni erweis« kann. Sehr hübsch und neuartig sind die „Cape-Kvstüurc" »nenn man sie so nenn« kann. Zu eftiem sehr cllcgaitt« Rock »wird ein Cape in gleicher Farbe gearbe i tet. Wenn es ein Weftencape ist, tvirkt es von vo« geseh« wie eine halb- bosc Jacke: die Weste geht spitz nach unten, etwa »vie die Mediei- gittlel, und ist tn einer andeven Farbe gehakt«, dieselbe Farbe ftndtt man am Krag« der Capmhon wieder. Die Kragen sind ziemlicl, breit und beginn« erst au» txr Schulter, die (sapWchvns sind sehr »venh und leicht, nv'omloie Capes iind vorne ziemlich kurz, etwa in jEllbogenlimga «id lauf« ärachchotten rn «rm schmale Spitze aus, die bis zum Kftie reicht oder noch länger ist. Sie sind i»»eik«s uftt breit« Träge« die unter dem Cape im Rück« befestigt »ver- d«, verieh« und Hab« oft bunte Krag« vcm rcnirtich gestteifter Seide, Es wird auck, ein .LKittelding zwischen Cape und loser Jacke g et ragen, das hilft« balbanülFießend ist, und des!« loser Teil über d« Arm« nne ein sehr weü« Aermel nnrkl Diese sirrd immer kurz, sie geh« ettva bis rum Tallkenschlussc oder eift wmia darüber, Än Färb« nnrd,m Rvl, Mrtze und sandfarben qewäistt, rrwhrend für das Jvktenrockkkcld nur DzorkÄbiau in Betracht komm« kann.
— Weibliche Dipl»m inye nieure. Die Zahl^ der Frau«, die auf den technisch« Hoch'chulen das Baufach studier«, ist in den letzt« Jahr« stetig gestiegen. Im Sommersemcster 1910 war« es 4, h«te ftnd es bereits 17, Diese Zunahme ist cchne Zweifel aus die guten Erfolge der »leiblichen Arrhüekten »iiruckzu- »übr«, die als erste ein« Versuch in den Be«s machten. Die erste Frau, die in Twutscbland das Examen als Diplomrngmieur bestanden hat. war Fräulein Elisabeth von Knobelsdorfs, Sie legte es an der Ehattvttmburger Hochschule An»a»»q 1912 mit dem Prädikat gut ab und ist jetzt in Berlin tätig. Roch im selb« Jahre folgte ihr eine Münchnerin. die in rheinilch« Städten berens mehrere Baut« auSgeiührt hat. Im Jahre 1913 Hab« gleichsalls zwei Frau« die Prüfung bestanden und auch in diesem Jahr hat in Charlottenburg sich eine Frau der Prüfling mir gutem Erfolg uirtmo»«. Als Architektin ist außerdem in Berlin Fräulein Emilie Winkelmann bekannt und geschätzt. Sie hat das Leistiko»»- Haus in Berlin und das „Haus der Frau" auf der Bugra in Leipzig gebaut.
kos. Sind Liebesehen die glücklichsten? lleber diese immer junge und reizvolle Frage har die englische Monatsschrift The Strand Magazine von einer Reihe bervvrrag«der Engländer und Ausländer Antwort« eingehoft, die sft kürzlich ver- öfsenSichtr Es hat sich, um dos Ergebnis nmwgymeh*«, heraus» geiicllr, daß trog d«S f ktfcu Anteils französische: Stimm« ftn gan-
z« 4 Fäinftek der Befvaqt« der Liebesheirat vor der .FKrnwftts- beivat" d« Roizug geben Dr Saleebv. der vftkgenonnte «glifche
Hiigieiukec. tritt «epgijck für die Liebesheirat ein, die anch, allem in Darwinsch«! ömne zur Entwicklung und Birraelnng der menschlich« Rasse beitrag« könne, AUerdings will er die Liebe rocht verstund« wrfs«. nicht als dlofte» vorübergehend« Sftrnesrnusch, sondern als tiese Zuneigung, die die Feuirprobe eines langandcruerndm Verlöbnisses besieh« müssr Im vle««- satz dazu meint Frau Wvddrngwn, die Witwe des bekannteic Staatsmanns, als Vertreterin des „iranzöjlschm" Standpunkts, daß Vernunfteh« im ganz« ebecho glücklich seien »vie die Lader« „Sic »veid« geioöhn sich von Leut« der gleich« Gesellschaft «llasse und ntvglichst von gleichem Vermögen geschlosser, " Die F-ärstin lBariattnskb HAt dir Liebesheiraten für gkückrnrheißender äk? me anbewm. Aber auch sie vxrrnt davor, die Leidenschaft mit Lrebo zu perwechsetn und verlangt, daß die Ehekandidat« gemeinfamc: Jnlerefst-n Hab«. Zvos sich mn best« in einer lang« Braut^rb nuÄoeise, Daß -Sarah Bernhardt der Liebesheiral dos Work redet, ist nicht erstaunlich. Doch auch sie null „wahre" Lrebe„ über das Siunkiche hinausgeheiidr Zirneigung und käme: aüschaft- liche Gesftmunq nnd hält die Probe einer laug« Verlobung für ettvümcht, Elk« Kev endtikl' ttftt begeistert für d« Grundsatz ein, daß Liebes he, oar« für die einzeln« wie für das ganze, Geschlecht am best« seftm. Renn von zehn Vernunfteh« würde:! nur geschloss«, um gebroch« zu »verd«, Ihr aus Achttuig und auch Neigung gegründeter- Glück sei ein Glück biederer Art, „Das leidenschaftliche Leid«, das in der Liebesehe onrk onm -e n karrn, kemü die Berrrauftehc nicht: kein Herz »vird qebroch«, »veft kerns gogeb« rrmrde. Aber dauert der Leg« ehrlicher Luba auch nur ein Jahr, so ist das besser als ein halbes Jahrhamderc ruhig« Geuäg«s^?
— Das Seftwein als Schofttier der Modernen: Dame, Vo r ein iger Zeft sührlr eine rungr Schauspielerin in Parts am iticem Svasrergange rm Bois ein« jung« Panter mit sich herum. Das tvnrde verbot«, denn es ist rminerhiii gefähr- Iich für die -.paWerqäuger, wenn sich ein Raubtier unter ihnezr> bewegt, l>esonders tvmin es nur vyn d« schwachen Arm« einer Dame geholt« wird. Aus London »mrd setzt eme neue Ex z e u tri z itäl- oemelde t Dor t erre gte j üngst, »vie „Pokitikm" crngibt, eine juitg« Dame großes AuÄeh«. die rm Hhdepark mit einem jungc-.r, S'chorinchen am Bändchm fhazier« ging. Es verlautet bis jetzt mcht, ob auch dies verboten wurde, aber es ist kaum wahröchehi- krch, denn ein Ecküveni karrn fick» mit rurrm Panter <nt Gesährlickkeit- Uftbt mess«. Der Anblick eines so apvetitlich« Tieres erweckt stttmi Schreck« mrd Bestürzung, er dürfte rm Gageutell bei virk« Lem« vecht angenehme GedanftmverbrndiMg« auslös«. Nie rnancher Feinschmecker voirb sich ft, seinem Gadernk« das Tierchen^ gleich in gebrat«em Zustand aus einer Schüssel avpetftlich äuge-! richtet, mft lecher IFftrone rm Mmcke lvencstell« und die Backiißhe vor all« Ding« »veft>« das rosenrote, gepflegt ausseheude Llstven»- ch« sicher „hrnrmLjchi^ oder „süß" sind«.


