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iDwtftWWitatlfc« keine territoriale Ausdehnung beabsichtige Mr mttffen mit Serbien sympathisieren oder glauben, daß ti eine wohl- verdiente Züchtigung erhalt. Aber cs ist niemandenS Auigabe, es M schützen, und keine Macht ist verpskichwt, cinzugreisen, wenn -Oesterreich-llngarn sich a»s die politische Linie beschränkt, die es gezogen hat. Unter ähnlichen Umständen würde jede Großmacht, Lie von einer kleineren Macht beleidigt oder belästigt wird, dasselbe tun. Wir haben genau dieselbe Absicht vertreten, als wir in den .Äriefl gegen dee Burenrevnblik zogen DteDaily Mail" sagt - Deutschland hat den Borschlag Sir Edward Greys abgelehnt aber iu vollkomwen sreundirchcr Art mit der sehr vernünsngen Be- Zckftchuug, dah die «esprechnagen znnschen Oefterrcich-Ungarn und Rutzland den brrtischen Vorschlag unnötig machen. Der Daily Oesterreich-Ungarn muh von seinen Freunden und -Aerbinwetcn geraten werden, seine Ambitionen in vernünftigen Grenzen z» halten. IrdechvUs muh Ruhland von seinen Freunden rn der TnpIe^nteute geraten werden, dah es nicht nur seinem SÄchüng Serbren gut zarcdet. und dah es Sorge trägt, dah seine Sirlluug als Vorkammer der slawischen Rasse keine Heraussordc- rung des Germanentuurs werde.

Kundgebungen in Stuttgart.

Stuttgart, 29. Juli. Zu den gestrigen Temonstra- tionen meldet der Poltzerberrcht: In den zwei sozialdemo­kratisch«, Versammlungen, die gestern abend in All- Stnttgarl stattsanden, wurde zu einem Demon- strackouSzugnoch dem Tageblatt" aufgesordert. Mehrere tausend Personen, die unter Absiugung sozialdemokratischer Lieder gegen den verabredeten Tresspunkl hin marschierten, nmrden bei der Einmündung der Tübinger Straße von Schuhmannsketten abgehalten und zerstreuten sich zunächst in einzelne starke Trupps über die Stadt. Einem dieser Züge, die meist unter wüstem Gejohle sich sortbewegten, gelang'cs später, dicht am Tagblattgebäude von einer kleinen Seiten­straße her die Schutzleute zu Wersen und dabei eine Fenster­scheibe zu zertrümmern. Dem wiederholten Versuch auf dem Schloßplatz vor der Residenz, dann vor allem in die abge- sverrte Kronen- und stevplcrstraße einzubrechcn. wurde mil Erfolg begegnet. Da ixe Beunruhigung im Stadtzenlrum kein Ende nahm und Schutzmcmnschasten an sehr vielen Punk­ten gleichzeitig benötigt wurden, mußte um 11 Uhr zur Ab­sperrung des Gesandtschaftsguartiers vom königlichen Gou­vernement das Feuerpikelt des Grenadierregiments Königin Olga in Anspruch genommen werden, das um 12V» Uhr noch einmal einen Anprall, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen, zu bestehen hatte. Zu verschiedenen Malen war die Situation sehr kritisch. Die Polizeiorgane wurden andauernd schwer beschimpft. Vor dem Schlosse wurden Schutzleute mit Steinen beworsklr. Auch wurde versucht, den Berittenen in die Zügel zu fallen. Mehrere Personen wurden sistiert.

Umzüge verboten.

Berlin. 29. Juli. DieNordd. Allst. Mg." schreibt: Wie bekannt, werden von dem Berliner Polizeipräsidium die öffent­lichen Umzüge, die in den letzten Tagen Unllcr den Linden und in anderen Straßen stattgcfundcn haben, nicht mehr zugelassen.

von der Negierung mit Beschlag belegt worden. Die Baal-

brücke bei Nimwegen wird von den Kolonialtrnppeii besetzt gehalten. Weitere Detachements der Kolonialtruppen such nach Gcnnev und Mook abgrgangen, um dir Maasbrücken zu

bewachen. Der Kriegsminister hat den Bürgermeister von Winlerswijk angewiesen, elwa 80 Mann Landsturm zur Be­wachung der Mell,rucke entzutn-rusen. Es wurde bekannt gegeben, daß die Brücken eventuell in die Lust gesprengt wer­den würden. Die Bevölkerung hat Vcrwaltungsmaßregeln erhallen. Auch die Mfelbrücke bei Zulvhcu wird militärisch bewacht. Das Fort Imuiden ist mobilisiert worden.

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Oefterreichische Stimmungen.

Vien, 29. Juli. Tie Kriegserklärung und das Mani­fest Kaiser Franz Josefs finden in der ganzen Monarchie begeisterten Widerhall, der in den Blättern aller Parteien in flammenden Wollen zum Ausdruck kommt. DasNeue Wiener Tageblatt" schreibt: Mit glühenden Lettern graben sich die Sätze des Manifestes, dieses Dokumentes edelster inonarchischer Gesinnung, in aller Herzen. Sie können nie vergessen werden. Als kostbarstes Bermächtnis sei cs den kommenden Geschlechtern überantwortet. Das Reich, wcl chcs Kaiser Franz Josef regiert, stchk einzig da in der Welt und Ehre, Macht und Ruhm sind ihm gesichert für und für. Kein Opfer ist zu groß für einen solchen Monarchen. Er ist der Glan; und die mächlige Kraft des Reiches, er ist die erhabene Bürgschaft für das Wohl unser aller. Es lebe der Kaiser! In derNeuen Freien Presse" heißt es: Von sämtlichen Krieg-smanisestcn, die im Lause der Zeit vcrössent- licht worden sind, hat wohl keines dem Feinde vor der ganzen Welt solche Anklagen ins Gesicht geschleudert, auf daß er für immer unter den gesittelcn Menschen gekennzeichnet ist. Die Worte des Kaisers werden eine» starke» Widerhall in der ganzen Monarchie haben und tiefen Eindruck in Europa machen. DieRcichspost" erklärt: Es ist gut, daß die Diplomaten zu spät kamen: sie hätten uns nicht den Frieden, sondern nur gefährliche Verwickelungen bringen können. Je rascher Oesterreich-Ungarn von seiner vollen Bereitschaft überzeugt und den Mächten zeigt, daß es nicht aus Eroberung ausgehe und die Waffen im Namen des Rechts und der höch­sten sittlichen Güter der Welt erhebe, desto mehr wird dadurch für die Lokalisierung des Krieges geschehen sein. Das ent­schiedene Handeln ist jetzt die größte Gewähr für den Erfolg.

Serbische Freischaren.

Paris, 29. Juli. Der Belgrader Korrespondent des Journal" meldet, daß ein aus zahlreichen Komitatschis, Serben aus Bosnien, der Herzegowina und Dalmatien bestehendes Freiwilligenkorps unter der Führung des Majors JankoNntsch, dessen Verhaftung Oesterreich wegen der Teilnahme an dem Serajewoer Attentat verlangt hatte, sich anschickt, die Save zu überschreiten und an Bosnien einzudringen, um Oesterreich in den Rücken zu fallen.

Die Börsen:

Berlin, 29. Juli. Amtliche Erklärung des Börsen­chorstandes. Eine Notierung von Terminkursen in Wert­papieren findet bis auf weiteres nicht statt: «um die Ab­wickelung von laufenden Termingeschäften per Ultimo Juli ermöglichen, soll heute gleichzeitig mit der Feststellung r Kaffenkurse um IV, Uhr, soweit wie möglich, eine No­tierung der Ternrinkurse per Ultimo dieses Monatserfolgen.

Frankfurt, 29. Juli. Inder heute früh abgehaltenen Sitzung des DörsenvorstaudeS wurde beschlossen: Jeder Ultimoverkehr, auch für den Monat Juli, ist untersagt. Dasselbe gilt auch für die Abcndbörse.

Hamburg, 29. Juli. Ter Borstand der Hamburger Fondsbörse hat beschlossen, den Terminlurndcl bis aus wei­teres emzustellen und nur per Kasse aNgcscUossene»Geschäfte tu notiren. Ferner wird der Privatverkehr an der Abend- börse bis auf weiteres eingestellt. Die Zuckerbörse be­schloß. mit Ausnahme der Notierungen für Juli und August die offiziellen Notierungen emzustellen. I

Bern, 29, Juli Der Verkehr an der Züricher Börse ist heute nach zweitägiger Unterbrechung wieder aus­genommen worden, dach beschränkte sich der Umsatz auf fest verbindliche Werte. Mit Rücksicht auf die allgemein« politische Vage, die für die Schweiz unter »Umständen schwie­rige Verhältnisse bringen kann, hat das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank beschlossen, alle Geschäfts- bezsehungen mit Firmen abzubrechen, die aus Spekulation, tim Kursgewinne zu erzielen oder die für Operationen, die ohne Barschaftexpvrt geregell werden kömien, Gold-- und Silbermünzen mi das Ausland aus führen. Dadurch erhält die Bank der Schweiz Metallreserven von mehr als 200 Mil­lionen Franken, die der Bank eine für falle Bedürfnisse aus­reichende Emissionskraft sichern. \ 1

Amsterdam, 29 Juli Nachmittags fand eine Ver­sammlung der wichtigsten Bankinstitute und Finanzleute statt, die mit dem Börsenvorstand konferierten. Voraussicht^ lich wird ein kapitalkräftiges Banckierstindikat gebildet zur Stützung des Geldmarktes, was zur Wiedereröffnung der Effektenbörse führen dürfte. Dem BlattTelegraf' zufolge wird daS provisorische Banftersyndikat über ein vorläufiges Kapital von 25 Millionen Gulden verfügen, das.zur Dis- pvsition des Börsenvvrstandes gestellt wird. Der Satz für Leib-gell» auf Renten wird 1 Prozent höher sein, »als die offizielle Bankrate. (

Rom, 29. Juli. Die Börsen von Rom »und Mailand haben das Termingeschäft eingestellt.

Petersburg, 29. Juli. Die Petersburger Börse bleibt am Donnerstag, Freitag und Samstag geschloffen. Wenn die Umstände es erlauben, wird sie »früher wieder «röffnet werden. i

Wien, 29. Juli Die erste österreichische Sparkasse vcr- .öffentlicht eine Mitteilung, wonach die Anzahl der Rückzah­lungsparteien heute 3500 betrug. Diese haben 2 l k Millionen Kronen zurückerhalten. Die Zahl der Einlageparteien betrug 500 mit einer Einlage von l % Millionen Kronen. Es hat den Anschein, als ob die Beruhigung des Publikums große Fort­schritte machte.

Der König von Griechenland.

A! t h e n, 29. Jüli. Die Agence Athene meldet: Im Laufe der Woche begibt sich der König an Bord eines Torpedobaotszerstörers nach Mudhrvs, um den großen See- manövern beizunwhnen. j

Vorsichtsmaßregeln in Holland.

Amsterdam, 29. Juli.Algemeen Handelsblad" meldet: Angesichts der internationalen Spannung hat die holländische Regierung bereits verschiedene Maßnahmen, um die Grenze zu sichern, getroffen. Der Generalstabschcf wurde aus Deutschland zurückgeruien. Eine Reihe anderer Offiziere kehrten aus echenem Antriebe zurück. Die einberufenen Re­serven werden einstweilen unter den Waffen behalten. Ein Uebergang der ältesten Reservejahrgänge zum Landsturm fin­det augenblicklich nicht statt. Sämtliche Schlepper in der Ahejrumindung und in den Llchen von Schenreningen sind

Soden (Taunusß, 29. Juli. Fürst und Fürstin Theodor Galizin, Senator aits St. Petersburg, haben heute nach- unttag 2.32 Uhr nach einem fünfwöchigen Kuraufenthalt Soden wieder verlassen und sind nach Petersburg zurück­gereist. Das von Russen stark besuchte Bad hat infolge der Kriegsunruhen nur vereinzelte Abreisen zir ver­zeichnen und der Zuzug ist bis jetzt mach unverändert ein guter geblieben.

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Wien , 30. Juli. Das Pulvcrlager von Narson ist durch Dynamit in die Luft aesprcngt worden. Es verlautet, daß eine Revolution der polnischen Sozialisten ausgebrochen sei.

Die Franzosen in MaroNo.

Köln, 29. Juli. Die Kölnische Zeitung" meldet aus Tanger: Die französischen Offiziere über Majorsrang erhielten den Befehl, nach Frankreich zurückzukehren. General Lyaaley erklärte, wenn Frankreich in einen Krieg verwickelt würde, so würben die französischen Trupven das Innere Marokkos räumen Und nur Rabat und Casablanca halten; ähnliches werde in Algier und Tunis geschehen. ,

Die Marokkaner verfolgen Mit Interesse den österreichisch- serbvckren Gegensatz. Es steht fest, daß geioiise unter Frankreichs Herrschaft störende rmd eine ziemliche Selbständigkeit genießende Größen sich sofort nach Kriegsausbruch gegen Frankreich erklären würden.

Aus Albanien.

Rom, 29. Juli. TicAgenzia Stefani" erfährt aus D u - razzo: Gestern um 10 Uhr vormittags und heute vormittag begaben sich die Offiziere der holläichischen Mission zu dem Fürsten, um ihm die Unmöglichkeit ouseinanderzusetzen, ihr Mandat zu cr- süllen. Der Fürst hat sich die Entscheidung Vorbehalten. Es gebt das Gerücht, daß die holländischen Offiziere ihr Entlassungsgesuch der internationalen Kontrollkommission überreichen werden. » Mufid Bey ist zum Gesandten in Rom ernanM worden.

Suslanfi.

Der albairische Ministerpräsident Turkhan Pascha ist von Wien nach Turazzo abgercist.

Au» Stadt und Cant,

©ic Seit, 30. Juli 1914.

** Tageskalender fiir Tonnerstag,30. Juli: Gewerbe» AuS stet lang: Abschiedsabend des Kapellmeisters Zir» i der Festhalle, 8 Uhr abends.

StilIIS Garten: 6. llehtes) Abonnements-Kon­zert der Regimentskapelle. Abends 8J4 Uhr.

Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Lehrer Wilhelm Strack zu Orleshausen anläßlich seine? 50jährigen TienstjublläumS das Ritterkreuz 2. Klaffe der Ver­dienstordens Philipp? des Großmütigen verliehen.

* AuS dem Schuldienste. Uebertragen wurde am 24. Juli ds. IS. dem Lehrer Johann Troll zu Ober- Erlenbach, Kreis Friedberg, eine Lehrecstellc an der Volks­schule zu Urberach, Kreis Dieburg: dem Lehrer Friedrich Anton Spiclmann zu Engelthal, Kreis Büdingen, eine Lchrcrstelle an der katholischen Volksschule zu Hcldenbergen, Kreis Friedberg: dem Lehrer Joseph Wehrte zu Urberach, Kreis Dieburg, die erledigte Lehrerstelle an der katholischen Volksschule zu Engelthal, Kreis Büdingen.

** Die Tätigkeit der Kreis au s sch ü sse in Des­sen. Nach der amtlichen Slafistik hielten die Kreisausschüssc des Großherzogtums Hessen im Jahre 191.3 261 Sitzungen ab, in loelchen zusammen 7687 Gegenstände, davon 7126 ohne mündliches Verfahren erledigt wurden, die Mehrzahl der verhandcktcn Gegen­stände betr. Landesarmensachen <2444), es folgen Kreisangclegcn- heiten 1769, 553 Zwangs«,iehungsangelegrnheitcn, 547 freiwil­lige Armenpflege, 305 Gemcindcvcrwaltnngsiachen, 252 Gewerbe- fachen, 191 Ortsstatute, >85 Baudisvenlationsqesuche, 184 Polizei­verordnungen, 155 Ortsbaupläne und FlnchUinienpläne, 157 Be­schwerden gegen Bcschlüise der Gemeindevertretungen, 32 Ueber- trrtungcn gegen das Wildschadengrsctz und 710 sonstige Angelegen­heiten. Die Provinzialaitsschüss« hielten in der gleichen Zeit 36 .Sitzungen üb. 1 > -

** Einen Protest gogen den Krieg zu erheben, war der Zweck einer öffentlichen Versammlung, die die Sozialdemokratie »u gestern abend in den Sälen des (5afe Leib crnbirufen hatte.. Der Redner deS Abends war der Schriftsteller Sssnc-n Katzen- stein-Berlin, ein Giehencr tcknd. Er wandte sich vor allein gegen die Kriegstreiber, die mit mehr Eifer als politssetznc Reise den Kampf der Denffchen gegen das Slaoentum predigen und rief dagegen alle guf, deren (fristenz auf Bewahrung des Völkeisricdcns gebaut ist. Daraus schilderte der Redner die Dinge, wie sic sich auf dem Balkan enpoickelt und den Krieg zwifchen Oesterreich-Ungarn und Serbien veranlaßt haben. Die Haupt- stlruld au dem blutigen StUnfliTt maß er den sckyoerrn Fehlern der Donaumonarchie in der Behandlung der Serben »u und fand als solche die Absperrung der Grenze gegen die serbische Cchoeineriniuhr. die Verhinderung des serinsttz-bulgackjchen Han­delsvertrages, die Abdrängung Serbiens von der Ser, die An­nexion Bösnims und der Öerzogewma, das Rasseln mit dem deutschem Säbel und verschiedene andere Dinge. Das Haupt icner Politik, die die nationalen und religiösen Gegensätze in so be­dauerlicher Werse geschärt habe, sei der ihr jetzt selbst zun, Opfer gelallciie Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand gewesen. Nun dürfe nian allerdings Oesterreich keinen Vorwort daraus mackien, daß es in Belgrad die nötigen Schritte tue, big Wiederkehr solcher Bluttaten zu verhüten, aber das deutsch Volk habe keinen Grund, die serbisch Bewegung an sich zn veruneilcn und die in der lrekannten Note enthaltenen Forderungen gingen weit über das Mast dessen lfinaus, was zur lErhaltung der Rrch Europas nvvocndig sci. Wie sich die übrigen Staotrn Euroors zn dem Konflikt steilen I eärden, sei ungewist: um so mehr hätten die Sioialisten aller zkickurftoaten die Pflicht, der Gefahr eines allgemeinen K 'icges entgegenzn- arbciten. Die nnoerantwoftlichn Kriegstreiber seien meist von volitischr Harmlosigkeit und zudenr schwerlich zum ernstlichen Kriegsdienst verpssichet und bciähigt. Dar herrschende bewoslnete Friede sei gcwist kein Ideal, aber gegen die Schrecken eines Weltkrieges sci er mir ein Mnderspiel. Auch sei zu lwfien, dast der Kaiser seine fchn wiederholt bekundete Friedensliebe mit Esfolg betäfigen werde. 'Der möglich Krieg mit Rußland bedeute keinen Kampf gegen den Zarismus, sondern einen Wafienqang zwischen Standesgenossen. Darum müsse alles ver- suckit werden, mit Frankreich und England ins Ein­vernehmen zu treten, um in Wien und Petersburg auf die Rückkehr ftiedlickicr Zustände hinUiorbciten. Die Sozialdeinokratie habe aber sickier keine Veranlwvrtimg. wenn das Wort Jacvbis Es werden freie Meissckien mif Erben wandeln imd ein Blut­bad nmer ihnen wird nicht niebr sein!" nockz nich so bald ur Erfüllung gehen werde. In der AuSsvrach sraqt -Bertram an, was denn die Arbn'erfilift NIM posifio hin iolle, »vrim der Krieg doch ausbrechn sollte. Die Sozialdemokratie würde daran ein großes Teil Scknild tragen, weil sie den Antimilitarismus nicht genng vropagirrt habe. Ihm entgegnet Katzcnstein in seinem Schlußwoet. daß er ans diese Frage keine runde Antwort geben könne, Nun die Arbeiterbewegung bade kein Interesse daran, ihre besten Kräfte unter der Herrschst des »Belagerungszustandes bot« zeitig bingerichtet oder ins Zuchhans gesteckt zu sehen. Was int gegebenen Falle zn geschhen habe, werde sich aus der Organi­sation heraus von selbst ergeben. Darauf tmrrde folgende Ent­schließung angenommen:

Die heute in großer Zahl in Gießen versammckten Männer imd Fronen bekunden ihren entschiedenen Willen zur Erhaltung des Friedens. Sie crblichi in der Genwltvolitik Oesterreich, die sicki äußerte in der Absperrung Serbiens vom Weltmärkte und in der Unterdrückung der serdisckzen Volksgenossen in Oesterreich, den Hanptanlgß der lange bestehenden Svairmmg zwischn bechn Ländern, die jetzt von Oesterreich in frevelhafter Eroberungssucht bis zunr Krieg gesteigert worden ist. Die Versammelten fordern, daß die deutsche Reichreaierung in den gegenwärtigen Konssikt nicht anders als allsgleichend und schlichtend eingreist, in der Wesse, wie es die Regierimg Engsgnds bereits angehghnt hat. Den österrensssschen und serbischen Arbeitern und allen Freunden des Friedens Und der Kultur in der ganzen Welt entbieten die Versammelten Gruß, mit dem Gelöbnis, zu kämpfen, bis mit dem System des Kapitalismus und der Völkcrverhetzung auch die stete Gefälnbung des Friedens fällt."

Mit einem H och an f den Fri edel! zwischen allen Völkerft trennte sich die Versammlung gegen eis Uhr in aller Ruhe.

** Gießener Freilichtbühne. Wie man uns mitteilt, werden voraussichtlich der Fürst und die Fürstin zu Solms-Hoben- solms-Lich der morgigen Ausführung (Der Pfarrer von Kirch- feld") beiwohnen.

'Ermordung eines speisen in Brasilien. Ans fremder Erde hot durch Mörderband der 28jihrige Sohn Vasenfin des Sckmeidermeisters 2ldam Wctzcl von Ovvenheim den Tod gesunden. Balenffn Wetzei, der in Brasilien weilte, war bei einer beirenndeten Familie zu einer lleinen Feier geladen.- AUt dlbcnd verübten Rowdies vor dem Hause allerhand Unfug. Als der Gastgeber und Söekel binaiisgingen. um Ruhe zu sssften, wurde Wetzäl von den Kecken überfallen und totgcstochcn.

** Stcnogrgpyen-Gelellschaft G g k> cl s b er ger. Bei dem Wettschreiben des Deutschen SterwargphenbimdeS GabelS- beraer in Düsseedock am 25. ds. Mts erhielten folgende Mit­glieder der Gestlllchaft Preise: 120 Silben: 1. Preis: Alwin Welf. Lina Brasch. 2 Pr. Paula Bonarius. Tilli Karn, Will,. Marker: 140 Silben: 1. Pr. Konr. Sckwer. 2. Pr. Karl Langsdorf: 160 Silben: I. Pr. Heinr. Schmidt, Mnckin Jung: 180 Silben: 1 Pr. egnd med. Klipstein: 220 Sil­ben: 1. Pr. L. Lenz. Die Geftälschaft bat damit die beste Ge­samtleistung von den am Wettschreiben beteiligten Vereinen des Bezirks Gießen erzielt. lieber die Zuteilung von Ehrenpreisen entscheidet die Bundesleitung eckt in einiger Zeit.

** Pilzvergiftungen. Wir nähern uns der Hoch­saison der Pilze, und es vergeht fast kckne Woche, ssi her nicht Meldungen über Prlzoergiltunqen kämen. Eine Pilzvergistnng zeigt sich getoöbnlich deck bis vier Stunden nach dein Genuß der Pilze durch Uebelkeit, Erbrechen Und bcktigen Lckbschmcrz, Am besten ist natückich, sofort die Magenpumoe anzntvenden: da dies aber mckst erst durch deu Arzt geschrhen kann, so empfiehlt es sich, Brechmittel einzimebmen, und wenn solche nicht zu mhallen sind, den Brechreiz kimstlich herbeiznftibren. Auch ein Aufguß von Tannin und Galläpfeln oder Weideuckndc, recht beiß ge­trunken, wirkt als Gegengift: ebenso cknsacher grüner Tee, Die Bergsstimg lorrd »war dadurch nicht ganz bescktigt, doch die Lebensackahr vermindert, 7luch recht rckchlich Rizinusöl, in schwar­zem Kassee genossen, ist sehr ratsam, um eine schnellere Darm- enkleernna zu vmansgf'en. Zum Schlüsse reibe man den Er­krankten stark mit Eitigwasser ab, frottiere chn gut und bette ihn. Dadurch verhindert man das Eintrcken von einer Ohnmacift Und des Starrkrampfes, der gerade bet Pilzvergiftungen sehr häufig austcktt,

Kreis Schotten,

= Ober-Seibertenrod, 30. Juki Zu dem Schnl- hausNeubau in Ober-Sckbeckenrod hat man bcrckts damit be­gonnen, die Fundamente auszngraben. Die ausgewockene Erde wird an den abschüssigen Stellen loieder aufgkfüllt. Das Schiilhaus, das alle modernen Einrichtungen, wie Bad lür Lehrer sowohl als auch Schüler enthalten soll, kommt an die Krcksstraße Ober-Scibertcn- rod-Bobenhansen, direkt neben die Kirche, zu stehen.

Meine Tagerchronik.

Aus Tudela (Provinz Navarras wird gemeldet, daß dort infolge der Explosion eines Feuerwerks bck einem Volks­fest 25 Personen getötet mch etwa 50 verwundet wur­den. Bon den Verwundeten liegen mehrere im Sterben.

Amtlicher Wetterdrricht.

Oeffentlicher Wetterdienst- Gießen. Wettcrausfichten in Hessen am Freitag, deu 31. Juli 1914: Vorwiegend wolkig, meist trocken, etwas wärmer, nordwestliche bis nördliche Winde.