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Der «letzeier Anzeiger

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Erst« Statt

*64- Jahrgang

Donnerstag, 30. Zuli *9*4

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Botati«»-nk hoö Verla- »er 8ribr(d)en Uviv.-SuH- und SteiBimtfetei B. ta^e. HrtafHon, Expedition und Druckerei - Schnlstrahe 7. ^ d-ndt; ,ür o°n

YezngSvret-:

monatlich7bPf., viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Pf.; durch die Post Mt. 2. Viertel­jahrs ausschl. Bestell^, Zeile rpreis: lokal IbPf^ mrSwärts 20 Mennig. Chefredakteur: A. Goer^ Verantwortlich für beit polit Teil: Aug. Goeq; für »Feuilleton^. »Ver­mischtes- und»Gerrchts- saal": Karl Neurath; für »Stadt und Land-

Anzeigenteil: H. Beck.

Der Krieg zwischen Oesterreich und Serbien.

Die schwierige Lage Rußlands.

Bon Prof. Tr. Goercke.

_. 9JcWa liegt die Entscheidung über Krieg und Frieden.

Sw ist ksher nicht gefallen, fein Wunder für den, der die außer- orde^üich schwierige Lage beachtet, in die Rußland geraten oder wohl bester gejagt sich iechft durch die (allgemein angenommenes Ermutigung Serbiens zum Widerstande gegen Oesterreich-Ungarn gebracht hat.

. m»i^reich verlang! und dies mit dem vollen Rechte, das aus der Pnicht der Lelbsterhaltmig entspringt, eine dauernde Kontrolle des Berholtens der serbiichen Regierung gegenüber den grvßserbi- schen Dreibereten. Setzt es diese Forderung durch, so gewinnt es zweifellos em gennttes Aussichtsrecht und. mag sich dies auch auf einen noch so nemenAusschnittderStaatsverwaltung beziehen, damit eine Art von Oberhoheit über Serbien, deren Bestehen zum min- desten den Anschein erwecken Muß, daß Serbien in dlbhänaigkeit von Oesterreich-Ungarn geraten ist. Gerade diese Abhängigkeit irgend ernes der Balkanvölker von der Tonaumonaribie zu verhindern, ta Mehr noch, nämlich möglichst viele von diesen in eine solche mm Rußland zu bugsieren, war mm aber das Ziel der tiifsischcn Balkanpotttik seit Jahrzehnten. Ob die den Rüsten erwünschte Stel­lung der Balkanvöller den Namen eines Freundschaftsverhältnisses oder emes Bündnisses trägt, oder db sie nur tu der in der Bolks- rumänischen, bulgarischen, serbischen, montenegrinischen, griechischen Volkes herrschenden Zuversicht auf russische Unter­stützung der eigenen politischen Bestrebungen und m dem ent­sprechenden Glauben an die russische Macht dazu begründet ist, dürste den Politikern in Petersburg ziemlich nebensächlich erscheinen. ue .Hauptsache ist das russische Prestige auf dem Balkan und seine Wirkung.

Und nach dieser Richtung hin hat Rußland in den letzten Jahren ohne FragatFortschritte gemacht- zu Serbien und Montene­gro, deren Erfolge im Balkankriege von ihnen mindestens teil­weise aus russische Rechnung gesetzt werden dürsten, hat sich Ru­mänien als Freund Rußlands gesellt. Daran ändern auch die kürzlich erfolgten offiziösen Aeußerungen auS Bukarest nichts, die ein hohes Lied von der völligen Unabhängigkeit des Königreichs von beiden Kaisermächten sangen. Dagegen würde darauf das Aus- ,bleiben des rumänischen Gesandten beim Abschied des Vertreters .Oesterreich-Ungarns aus Belgrad Hinweisen, zu dem sich das ge­samte diplomatische Korps mit Ausnahme eben der Freunde Ser­biens und Rußlands aus dem Babnbose versammelt botie, wenn diese ZeitungSmkldung richtig und nicht nur Mit erfunden ist.

Und nun wird alles in Frage gestellt! Denn daß Rußland Einfluß aus dem ^ganzen Balkan einen schweren Schlag erleiden würde, wenn es Serbien ganz im Stich ließe, das hält man in Petersburg für zweifellos. Hat doch eben erst auch wieder der serbische Ministerpräsident sein Vertrauen auf die Hilfe der Trivle- entente, b. i. in erster Linie also Rußlands ausgesprochen. Daß Oesterreich sich aber auch nur um Haaresbreite von seinen For- derirngen abbringen lassen sollte, ist nicht anzunehmen, weil deren Erfüllung einfach die Existenzfrage für den habsburgischen Kaiser­staat bedeutet. Rußland steht also, will es nicht Riihm und An­sehen bei seinen Freunden verlieren, vor der Aufgabe, Oesterreich mit Gewalt an der Durchsetzung seiner Friedensbedinaungen zu verhindern. Dafür ist aber, ganz abgesehen von aUer Verantwor­tung, die jede Kriegserklärung auf die Schultern der Entscheiden­den legt, abgesehen von allen humanitären und wirtschaftlichen Bedenken, die seder Friedensstörung entgegenstehen, die allgemeine Lage die für Rußland denkbar ungünstigste.

Die deutsche Politik und das deutsche Volk stehen fest zu Oester­reich. England hält sich zurück. In Frankreich bat das Bramarba­sieren einer Lächeln erregenden Katzenjammerstimmung Platz ge- macht, uiid sollte man von dort troiwem marschieren, so tritt Italien an die Seite der anderen Dreibundmächte. Für diese liegt also die Situation so günstig wie nur möglich, vielleicht so glück­lich, Wie sie kaum semass wiederkommen dürste, besonders ivenn beachtet wird, daß England nicht nur aus allgemeinen politischen Gründen, deren Wirkungskraft sich vielleicht mit der Zeit herab- mindern könnte, sondern auch seiner eigenen inneren Derhältnrssg wegen auf Neutralität als angemessenste Haltung geführt wird. So sind Rußlands Aussichten aut einen Sieg nicht sehr glänzend.

Aber trotzdem wird ihm die Entscheidung sür den Fischen nicht leicht sein. Denn der Ausgang eines Krieges ist steks ungewiß und auch das Allerunwahrscheinlichste ist in ihm schon oft Ereignis ge­worden. Der Prestige-Verlust im Falle des Zurückweichens vor Oesterreich ist aber gewiß, es müßte denn ein Ausweg gefunden werden, der Oesterreich sicher und dabei Rußland nicht bloßstettt. Die von Herrn Greh vorgeschlagene Botschafterkonsercnz freilich würde nicht zweckmäßig zu ihm hinleiten. Sie konnte ihrer Schwer­fälligkeit wegen wenig Anklang finden: denn alle ihre Beschlüsse bedürften doch erst der Zustimmung der Kabinette. Da verhandeln diese besser schon selbst miteinander, wie es bereits geschieht.

Freilich für ein? sind die Dreibundmächte nicht zu haben, Nämlich für eine irgendwie geartete Beschränkung oder Behinde­rung der mllitärischen Aktion Oesterreichs. Aber ein anderer Aus­weg bleibt Rußland noch aus seiner schwierigen Lage, nämlich der, Serbien zwar nicht vor der Durchsetzung der österreichischen Förderungen zu bewahren, sich aber als seinen Retter vor dem völligen llniergang seiner Selbständigkeit und somit immerhin doch noch als seinen Beschützer zu geben. Da Oesterreich an territoriale Erwerbungen kaum denken kann, dürfte es einer solchen Rolle Rußlands kaum Schwierigkeiten bereiten.

Die Herren an der Newa haben also die Wahl, Werden sie den Strudelweg wählen, der auch uns-mit in seinen Wirbel reißt, oder den anderen frier «»gedeuteten, der das russische Staatsschiff einigermaßen im Kurse halten würde? Wie es auch kommen mag, unser Volk das zeigt sich zu unserer stolzen Freude allerorten und in allen Gesellschaftsschickten sieht der Zukunft mit der ruhigen Entschlossenheit des Mannes von Zuversicht und gutem Gewissen entgegen,

Ocsterreichischc Erfolge.

Wien, 30. Juli, Nach einer Meldung derDeutschen Tageszeitung" ist es den Oesterreichern bei Foca.an der bosnischen Grenze, wo sie von den Serben angegriffen wurden, gelungen, die Serben zurückzuwerfen. Die Serben, die in Stärke von zwei Divisionen angriffen, halten an­geblich 800, die Oesterreicher 200 Tote,

Budapest, 30. Juli. Hier sind Gerüchte im Um­lauf, daß infolge der gestrigen Beschießung durch die Donau- Monitoren Belgrad t*m den österreichischen Truppen, fast

ohne Widerstand, genommen worden ist. DieVosftsche Zeitung" bringt ähnliche Meldungen. Auf die Siegesnach­richt hin herrschte in Budapest ungeheurer Jubel. Tausende hätten einen Fackelzug veranstaltet und seien mit.Musik über den Ring gezogen unter Hochrufen auf den König und dessen Bundesgenossen. >

Wie», 29. Juli. Tie Serben haben heute.um 1.30 Uhr früh die Brücke zwischen Semlin und Belgrad ge­sprengt. Unsere Infanterie und Artillerie hat darauf im Verein mit den Donauinonitorcn die serbischen Posi­tionen jenseits der Brücke beschossen. Die Serben haben sich nach kurzem "Kampf zurückgezogen. Unsere Verluste sind ganz unbedeutend. Gestern gelang es einer kleinen Abteilung Pioniere im Verein mit Mannschaften der Finanzwache, zwei serbische Dampfer, die mit Muuitioft und Minen beladen waren, ivegzunehmen. Die Pioniere und die Finanzwachen überwältigten nach kurzem, aber heftigem Kampf die an Zahl überlegene serbische 'Schisss- besatzung, setzten sich in Besitz des Schisses samt der ge­fährlichen Ladung und ließen sie mit zwei unserer Tonau- dampfer wegschleppen. (Die Brücke war angeblich schon am Sonntag gesprengt worden und diese Nachricht wurde erst gestern dementiert. Die Red.)

Ein österreichischer Ausruf.

Wien, 29. Juli, Der Unterrichtsminister Hussarel von Heinlein richtet an die akademische Fugend einen.Aufruf, in dem er daran erinnert, daß auch der nicht ins Feld gezogenen Jugend die Möglichkeit geboten wird, werktätig sür das Vaterland zu wirken, indem sie ihre Kräfte der freiwilligen Krankenpflege widmet und sich der öffentlichen Verwaltung zu Diensten für das allgemeine Wohl zur Verfügung stellt. Schließlich appelliert er an die Jugend, eingedenk zu sein in schicksalsschwerer Stunde der erhabenen Größe der Vergan­genheit, dann sei die Wiedergewinnung und Sicherung der Ehre und des Ruhmes des Vaterlandes auch ihre Tat.

Eine österreichische Erklärung.

Wien, 29, Juli, DasFrencdenblatt" konstatiert gegenüber den vielfachen Erörterungen der internationalen Presse, wonach der Sache des Friedens ein großer Dienst hätte geleistet werden können, wenn Oesterreich-Ungarn für die Beantwortung der Note Serbiens eine Fristerstreckung gewährte, daß die serbische Regierung drei Fristen verstrei­chen ließ, ohne sie zur Befriedigung des österreichischen Rechtsstandpunktes zu benutzen, nämlich die Frist von dem Serajewoer Mordtag bis zur Ucberreichung der Note am 23, Juli, sodann eine 48stündige Frist zur Beantwortung der österreichischen Note und schließlich eine Frist von dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen bis zu der gestrigen formellen Kriegserklärung, also neuerdings drei Tage, Die österreichische Regierung gab demnach Serbien vor' Beginn der Feindseligkeiten wiederholt Gelegenheit zur Besinnung und Rettung des Friedens,

Tic Mobilmachung in Oesterreich.

Wien, 29, Juli, Aus der ganzen Monarchie kommen Meldungen, daß die Mobilisierung unter großem Jubel der Bevölkerung und mit wahrer Begeisterung vor sich gehe. Be­sonders bemerkenswert ist, daß alle Nationalitäten des Reiches ohne Unterschied wetteifern, dem Ruf nach den Massen Folge zu leisten. Tausende von Freiwilligen melden sich zum Waffendienst,

Das ungarische Abgeordnetenhaus.

Budapest, 29. Juli. Ministerpräsident Tis za unter­breitete dem Haus den Bericht über das «Inkrafttreten der Ausnahmegesetze und führte aus: Anstelle von Reden mühten nunmehr die Waffen sprechen. Mit Stolz erfüllt wies er auf die Begeisterung des Volkes ohne Unterschied der Nationalitäten hin. Sündhafter Leichtsinn habe be­unruhigende Ansichten über die Nationalitäten verbreitet. Die ganze Nation folge begeistert dem Rufe.des Königs und werde den aufgezwungenen Kampf durchführen, bis die Ehre der Nation und der Frieden für die Zukunft gesichert sei. Namens der Opposition erklärte Graf Apponyi, alle seien davon durchdrungen, daß. der Kampf aufgezwungen sei. Die Nation sei vollständig einig im Kampfe. Ter Redner gab der Zuversicht Ausdruck, daß die Aktion von vollem Erfolg begleitet werden würde und daß dieHoffnung be­stehe, daß der Kampf lokalisiert bleibe. Wer wenn auch diese Hoffnung täusche, ängstige die Nation nichts, die auf die eigene Kraft und die bewährte Bundestreue vertraue. Sodann wurde ein allerhöchstes Handschreiben verlesen, durch welches das ungarische Parlament vertagt wird. Es herrschte eine unaussprechliche Begeisterung. Der Präsident flehte Gottes Segen auf König.und Vater­land herab, worauf die Sitzung geschlossen wurde, «.

Auch Oesterreich ist sür Vermittlung.

Wien, 29. Juli. Auf Grund der Erkundigungen pn informierter Seite melden die Blätter, daß Graf.Berch- told dem englischen Botschafter erklärt habe, daß die österreichisch-ungarische Regierung für den Vermitt­lungsvorschlag Sir Edward Greys sehr dankbar sei und die guten Absichten der englischen Regierung vollauf zu schätzen wisse. Eine friedliche Beilegung desgKonfli kts mit Serbien sei jedoch nicht mehr möKich da die Kriegs­erklärung an Serbien bereits unterzeichnet gewesen sei. i

Oesterreich will keine Gebietserweiterung.

Berlin, 29. Juli. Der hiesige russische Botschafter kehrte heute morgen von seinem Urlaub zurück. Die Konferenz des xusfischen Botschafters hatte

nur Jnformationszwecke. Bisher erfolgte weder eine Intervention, noch ein bestimmter diploma­tischer Schritt seitens Rußlands. Die Gerüchte, daß Rußland eine Neutralitätserklärung im Kriege mit Oesterreich-Ungarn nitd Serbien abgeve, ivenn Oesterreich- Ungarn sich verpflichte, keine Gebietserweiterung anzu­streben, entbehren, wie dasNeue Wiener Tagblatt" .betont, der Aktualität, da Lcsterretckz-Ungarn wiederholt dezidiert erklärt habe, daß Oestcrretch-Ungcrrn gar keine Gebiets­erweiterung anstrebe.

Rußland sichert seine Grenzen.

London, 29. Juli. Wie daS Rcutersche Bureau er­fährt, ist gestern abend im Süden und Südwesten Rußlands eine teilweise Mobilmachung angeordnet worden.

Erhaltung friedlicher Beziehungen.

Berlin, 29. Jüft. DieRorddeutfche Allgemeine Zei­tung" bemerkt in ihrer heutigen Wendausgabe zu der gestrigen amtlichen russischen Mitteilung: Der fticdliche Ton der amtlick>eit russischen Mitteilung fand hier leb­haften Widerhall. Die kaiserliche Regierung teilt den.Wunsch auf Erhaltung friedlicher Beziehungen und hofft, daß das deutsche Volk sie durch ferneres Bewahren einer maßvollen und ruhigen Haftung in ihren Bestrebungen unterstützt.

Russische Maßregeln gegen Oesterreich.

.Petersburg, 29. Juli. Die Seeverwaftung teilt mit, daß die Feuerschiffe vor Lllnru, Luserort und Sarytschefs von ihren Standorten entfernt worden sind. Der Leuchttirrm von Renszher und die Leuchtfeuer von Roengrund und omnftvn- :grund sind ausgclöscht worden. Bei «Sewastopol sind alle Feuer und Leuchttürme außerhalb des Chersones aus ge löscht worden. Die Einfahrt nach Sewastopol ist während der Nacht verboten.

Petersburg, 29. IM. Der Kaiser sagte in seiner Ansprache an die Aspiranten der Marineschule u. a.: Ich befahl, &ie angesichts der ernsten Ereignisse, welche RuWand jetzt durchzumachen hat, znsammenzuberufen. Während des Dienstes als Offizier, der sie erwartet, vergessen «Sie nichts was ich Ihnen sage: Glauben Sie an Gott, haben Sie Glau­ben an den Ruhm und die Größe unseres mächtigen Vater­landes.

London, 29.Juli. (Reuter.) Die russische Mobilisie­rung beschränkt sich auf die Militärbezirke von Kiew, Odessa, Moskau und Kasan. In jedem Bezirke stehen vier Armee- korvs in Friedensstärke. Durch die Mobilisation werden 16 Armeekorps auf die Stärke von 32 Armeekorps gebracht. Kasan ist der Zentralbezirk, von dem ans die Reserven für die Westgrenze zusammengezogen werden.

Die Besetzung Belgrads kein Kriegsfall.

Paris, 29. Juli. Gestern gegen Mitternacht verbreitete sich in hiesigen Kreisen.wie ein Lauffeuer folgende ans privater Quelle stammende Meldung ans Petersburg: In einer Unter­haltung mit dem österreichischen BotichastA in Petersburg hat der russische Minister des Aeuhern Sasfonow deutlich zu verstehen gegeben, daß die russische Regierung nicht daran denke, die Be­setzung Belgrads durch Oesterreich als casns belli sür Rußland zu betrachten. Im Falle eines weiteren Vordringens der Oester­reicher in nordserbisches Gebiet werde Rußland zunächst eine ab­wartende Haltung einnehmen. Diese Nachricht ist freute in den ersten Morgenstunden von dem russischen Boffchaster in Paris bestätigt worden. Sie ist aber so spät eingetroffen, daß sie von den Blättern nicht mehr gebracht werden komNc. Nur derMa­tin" ist in der «Lage, die Nachricht teilweise wiederzugeben.

Die Stimmung in Rußland.

Petersburg, 29. Juli. Die deutsche und die öster­reichisch-ungarische Botschaft werden von allen «Seiten durch verstärkte Polizeitruppen zu Pferde uud zu Fuß be­wacht. ES ist auch verboten, sich aufhen gegenüberliegenden Bürgersteigen aufzuhalten.

Odessa, 29. Juli. Hier fanden heute große Kund­gebungen für Serbien, Montenegro, Frankreich und Eng­land statt.

Petersburg, 29. Juli. Heute nachmittag wurde aus Anregung der Vereinigten slawischen Gesell­schaften in der Kathedrale von Kasan eine Messe zele­briert, der der serbische Gesandte, Spalaikowitfch und die Mitglieder der serbischen Gesandtschaft beüvohnten. Nach der Messe bildete sich ein aus Tausenden, hauptsächlich der In­telligenz angehürcnden Personen, ein Zug, der sich unter Wsingung der Nationalhymne und mit Hochrttsen auf Ser­bien über den Newski Prospekt bewegte. Bor der serbischen Gesandtschaft wurden Reden gehalten und vor der französi­schen Botschaft Hochrufe aus Frankreich und England aus­gebracht.

Petersburg, 29. Juli. WieRjetsch" meldet, er­klärte das Auswärtige Amt, daß zur Erfüllung seiner Auf­gabe äußerste Zurückhaltung der Presse und der öffentlichen Meinung notwendig sei. Fragen der Eigenliebe seien auszuscheiden. Nie habe Rußland vor einer solchen Lage gestanden. Es werde aber bis zum Ende seine Pflicht tun. Die hchitige Presse hat diesen Rat befolgt. DieNowoje Wremja" schreibt: Das Schicksal Europas hänge davon ab, wie die Großmächte die Zeit bis zum militärischen Zusam­menstoß ausnützlcn. Rußland habe einen festen Entschluß gefaßt. Die Zeitung hofft, daß die in der äußeren Politik erreichte Uebereinstimmung zwischen Regierung und'Volk auch die innere Politik gesunden lassen werde.Denj" er­fährt vom Auswärtigen Amt, daß die Kriegserklärung nicht die Möglichkeit von Verhandlungen ausschließe. Der Erfolg der diplomatischen Bemühungen zur Bermeidims eiaeä o>xsy