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Mettes Blatt
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Di« „SUjjtner Lamil>e»hl<iüer" werden dem .Anzeiger' mernial wöchentlich beigelegt, das „«reirdl»« fflr 6ttt Kr«ts Ließen" zweimal
wöchentlich. Die „Lgyöwletlchalllichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
lb4- Jahrgang
ich« Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Lamstag, Juli
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersiläls - Brich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition rrnd Verlag: Redaktionen 112. Tel.-Ad.:Anze,gerGießen»
Die politische Wendung im Laillaxr-Prozeh.
Frau Caillaux in ihrer eng anschließenden schwarzen Tüllrobe mil den schwarzen, bis zu den Ellbogen reichenden Tüllhandichuhen, dem kleinen, dunklen Ltrobhui, der vorn zwei gekreuzte Rabenflügel tragt, steht nicht mehr im Mit- relvunkt des Prozesses, der sür Paris trotz der hochsommerlichen Zeit die Affäre geworden ist, ohne die man im Leine- Babel einmal nicht leben kann. Zuerst schien es, als ob dm .noch immer jugendlich ausichauendc Frau, zu dcrem Blondhaar, rosige» Teint und den blauen, etwa; stählernen Augen die ein wenig finstere Trauergewandung gar nicht übel paßt, sich wie eine Charlotte Corday vor den Geschworenen hin- stellen würde, daß sic stolz erklären würde: ,^ch tat, was ich tun mußte, meine Ehre forderte die Tat, gebietet die Strafe! Ich folgte einem dunklen, unerbittlichen Drange: vielleicht tat ich schlimmeres, um Schlimmes zu verhüten/' Doch sie, die in ihrem kleinbürgerliche» Verstände die Irr- gange der politischen Machenschaften nichi enträtseln konnte, hat daraus verzichtet, die große tragische Schuld, wie wir sie aus dem antiken Drama kennen, aus sich zu nehmen. Sie til nicht mehr die stolze, zielbcwußtc Rächerin ihrer eigenen Ehre und der ihres Mannes, sie weiß selber nicht mehr, was sie getan, und marinst sie so gehandelt hat. Sie beruft sich auf den Revolver, der von selber losgehl Aber die blonde, schwache Frau, die sich an die Nachsicht und Milde des Gerichts wendet, hat einen unerwarteten Bundesgenossen erhalten: in der Politik.
Ihr Gatte, den sic von dem lästigen Gegner sür immer befreien wollte, hat es durch seine dreistündige Zeugenaussage verstände», dem Prozeß eine vollständig von der bisherigen abweichende Richtung zu geben: es ist nicht mehr een Prozeß gegen Frau Caillaux, die Calmette getötet, es ist jetzt der Prozeß des „Figaro" und Calmettes. Ein Prozeß, in dem der frühere irauzösischc Frnanzminister das Blatt und seinen getöteten Leiter schwerer Verfehlungen anklagt: der Freiheit, desMangels an Vaterlandsliebe und der persönlichen Unredlichkeit. Im Gerichtssaol prallen die wütendsten politischen Leidenschaften auseinander. Eine große Anzahl jüngerer Rechtsanwälte, denen ihre Berussrobe den Zotritt in den gegen andere so streng gehüteten Saal sichert, geben sich wilden, reaktionären Kundgebungen hin, während die kleinere Anzahl Zuhörer — von ihren Gegnern als Ge- heirnpolizisten bezeichnet — mit ebenso heftigen Gegenkund- qebungen zugunsten Caillaur und seiner Gattin antworten. Die Zeiten des Drehfus-Handels, des Zola-Prozesses leben wieder aus. Io letzter Reihe stehen hier im Gerichtssaal Revolution und Gegenrevolution, die Herrschaft einer kleinen, bevorrechtigten Gesellschaftsklasse von Abkömmlingen der ehemals regierenden Stände und ihren neuen Klienten und Rekruten aus anderen Kreisen und die weit geöffnete Derno-- kratie einander gegenüber.
Caillaux hot entschlossen den Spieß umgedreht Er ging geradeswcgs auf sein Ziel los. Der „Figaro" hatte verschiedentlich angcdcutet, es sei ein Dokument vorhanden, aus dem unstveideutiq hervorgehe, daß Caillaur in der Marokko- assäre „sein Vaterland verraten", es „an Deutschland verkauft habe". Aber die Aufregung war umsonst: das berühmte „grüne Dokument", das seit langem in der französischen Presse svuktc, existiert gar nicht! Das ging aus einer Erklärung hervor, die Gcneralstaatsanwalt Hcrbeaux bei Beginn der Mittwochs-Verhandlung im 'Austrage der Regierung abgab. Caillaux und seine Anhänger haben den Spieß umgedreht. Sie beschuldigen nun ihrerseits den „Figaro", in deutschem Solde zu stehen. Die Palastrevolution im „Figaro", die im Jahre 1902 den Redaktionssekretär Calmette an die Spitze des Blattes brachte und ein noch ungeklärtes
Kapitel in der Geschichte dieser wandlungssähigen Zeitung! bildet, habe nur mit dem Gelbe der Dresdener Bank durch geführt werden können. Auch der Abgeordnete Liebknecht wird als Kronzeuge für die „deutschfreundliche" Gesinnung des t'ranzöiischen Aristokratenblaues angeführt, das sür .grupp Reklame gemacht habe. Flammende Entrüstungsrusc im und außer dem Gerichtssaal. Der „Figaro" schließt zorneut- slammt seinen Artikel:
„Clamettc mag ruhig sein, wir werden ihn nicht entehren lassen. Caillaux sagte gestern, er werde vor nichts zurückschreckeu, um sich zu verteidigen: um gegen ihn das Andenken des Mannes zu verteidigen, der unser beiden» mutiger und lovaler Freund war, werden auch wir vor nichts zurürkwetchen."
Man kann gespannt sein, was kür Enthüllungen noch kommen. Vorläufig send Caillaux' Freunde im Vormarsch begriffen. Der „Gil Blas", einer feiner Getreuesten, schreibt: „Wir haben zwei Testamente in Händen, ans denen hervorgeht, daß CalmeUe im Jahre 1888 keinerlei Vermögen hatte und daß ,m Jahre 191.3 sein Vermögen über 13 Millionen betrug. Wir sind nicht die einzigen Revublikaner, die dieses Schriftstück besitzen: es wird notgedrungen nocki vor Schluß des Prozesses oervfscntlicht werden." Es wird also immer schwereres Geschütz aufgesahren Ob aber die von ihm vere sandten Geschosse mehr als bloße Feuerwerkskörper sind, wer will das jetzt schon sagen? An die Aussagen des einstigen Ministerpräsidenten Barlhou, des früheren Freundes von Caillaux, werden sich noch allerlei Kommentare knüpfen, die grell die Zerklüftung der inneren Verhältnisse der französischen Republik beleuchten. Fast vergißt man über all diesen Enthüllungen und Anschuldigungen, daß Frau Caillaux aus der Anklagebank sitzt, beschuldigt des Mordes.
wieviel Sas wird in Deutschland erzeugt?
Der gewaltige Energiebedarf der deutschen Volkswirtschaft wird am besten daraus ersichtlich daß allein für Leuchtzwecke ca. 1350 Milliarden >uicht Millionen) Kerzen- stuiiden von öffentlichen Werken abgegeben werde», wozu noch 255 Milliarde» aus Petroleum berechnet werden müssen. Ms Licht für Wärmczwecke werden allein ans Gas 3000Milliarden Wärmeeinheiten jährlich erzeugt Bei diesem gewaltigen Bedarf ist es interessant, die Frage austzuwersen, ipittnel Gas jährlich insgesamt vou der deutschen De Völkern ug verbraucht wird Die Antwort hierauf gibt ein Lchau- sttick, das auf der Münchener Ausstellung „Das Gas" sich befrndet Darnach beträgt die gegenwärtige Gaserzeugung 2,7Milliard Kübikmir Gas Wie gewaltig der Bedarf airGas gesriegen ist, veiuxegeiiwärtigt cuirbesten die Tatsache, daß noch 1839 die Gefanrterzeugung nur ca. 44,5 Mill. KübSmeter betrug, 1890 ca. 600 MI. Kubikmeter: somit hat sich noch im letzten Vierteljohrhundert die Gaserzeugung mehr als ver- vierfachi, ist als» stärker als d>ie Bevölkerung gestiegen. Die zu dieser Gaserzeugung gütigen Steinkohlenmengen betragen 8,45 Millionen Dannen mit einem Wert von 145,2 MUl. Märk. Der Erlös aus dem gewonuenen Gas hingegen erreicht die csummr von 384,5 Mill. Mark Der Wert der bei der Gaserzeugung gewonnenen Nebenprodukte beträgt ungefähr V« Milliarde Mark. Durch die Tätigkeit der deutschen Gaswerke wird also der Wert des Ausgangsmaterials der Steinkohle um das 3>/?fache vergrößert. Es dürste wohl wenig Industrien geben, die annähernd gleich gewaltige Zahlenwerte diesem an die Seite stellen können. Wenn schon diese Zahlen die Wichtigkeit der Kohlenveredlung durch die Vergasung dartun, so set doch gestattet, noch darauf hinzu- weisen, daß bei jeder Verbrennung von Kohle im offenen Feuer der größere Dell als Rauch und Ruß in die Atmosphäre aufsteigt, um hier durch Wollenbildung gesundheit-
! liche Schäden der mannigsachsten Art sowohl sür Tier- und Pstanzenwelt zu verursachen. Beispielsweise werden bei der | Umsetzung der Kohle in elektrische Energie nur 10—20 Prvz. der in der Kohle enthaltenen Energie nutzbar gemacht, wahrend 80—90 Prozent verloren gehen
Vergegenwärtigt man sich dieses Zahlenverhältnis, so wcrden die oben angegebenen Zahlen noch bedeutungsvoller für die Volkswirtschaft wie für die Technik.
veretilLnachrichten.
— Usenborn, 23. Juli. Zu dem Fahnenweibsest des Gesangvereins „Liederkran»", verbunden mit dem jährlichen Jundessest der „Bogelsbcrge Sängcrvereini- g u n g", waren sämtliche Bundesoereine und einige Gastvereine erschienen Lehrer Meininger, der Dirigent des seslgrbendcn Vereins, hielt die Begrüßungsansprache, Lehrer 6. Mohr- Ober- Lais, der Bnndesvräfident der „Bogelsberger Sängervereinigung", die Festrede Er schilderst die Ausgaben des deutschen BollSgc- sanges Fräulein Schmidt überreichte die neue Fahne, Fräulein Neun eine von Frauen und Jungfrauen des Ortes gestistete Fab- ncufchteise. Nach dem Weiheatt wurde der Maffcnchor „Waldandacht" von Mit unter Leitung des Bundespräsidente» vorgetragen: jeder Bundesverein brachte einen Einzelchor von der Tribüne aus zu Gehör.
Lnftschinahr«.
Englischau! der „Viktoria Luise".
Frankfurt a. M, 23. Juli Von der „Telag" geht uns folgende Erklärung zu: Ein T>il der deutschen Presse brachte dieser Tage eine Noäz aus einem Gladbacher Blatte, derzujolge im Delag- Instschiff „Viktoria Luise" Fahrgäste von einem Beamten mit Namen Klein auf Englisch angeshrochen worden seien: es werden hieran Erörterungen geknüvit, die offenbar die Tendenz haben, glauben zu machen, daß aus den Luftschiffen der „Delag" Prinzipien Englisch geivrochen werde. Jeder, der die Delag, ihre Ziele und ihre Geschäftsführung kennt, wird das Absurde solcher Bemerkungen ohne weiteres durchichauen Tatsächlich handelt es sich um einen Luftschiff-Kellner, der, ossenbar aus Berschen, einzelne deutsche Poi>> logiere in einem zu neun Zehntel mit Engländern besetzten SlAsfe sür Engländer hielt, ein sehr erklärlicher Irrtum der Berücksich- tigung der — leider — seüzustcllenden Tatsache, daß die Anzahl der an den Fahrten der Delag teilnehmenden Ausländer „nver- hältnismäßig größer ist als die der Inländer. Es ist auch daraus hiuzuweisen, daß sehr oft mir Amerikaner oder Eugländcr die Pas- sagicrkabine füllen, ja das ganze Schisi chartern, in welchen Fällen notgedrungen auch von unseren Angestellten Englisch gesprochen loird. Uebttgens ist an keiner der leitenden Stellen irgend etwas von einer Beschwerde jener Gladbacher Herren über die angebliche bartnäckige Verweigerung des Gebrauches der deutschen Sprache seitens des „Misters Klein" bekanM: es würde eine solche keinesfalls geduldet oder gntgeheißen werden. Es ist auch nicht richtig!, daß die Passagiere in englischer Sprache ausgerustn werden; solcher Ausriff geschieht überhauvt nicht.
«ftaridn^faal.
Lich, 22. Juli Das Schöffengericht verhandelte heute gegen den Taglöhner L. Gr. oon Lich, welcher, sehr stark betrunken, ruhe störcnden Lärm verursacht hatte und hierbei auch die Ehefrau des 55*. S. von Lich beleidigte Uich bedrohte. Der Ehemann S. kam hinzu und versetzte Gr. mit einem leichten Stock einen Schlag über den Kops. Urteil gegen L. Gr. 10 Mk. oder 4 Tage Hast, gegen W. S. 5Mlk. oder 1 Tag Gefängnis. In einer anderen Sache erhielt L. Gr. von Lich Ivegen Ruhestörung nochmals eine Geld- strase von 4 Mk. oder 2 Tagen Hast. Der hier in Halt beiilidliche Schuhmacher H. U. von Willershausen erhielt wegen Bettelns 3 Wochen Hast; weil er schon öiters wegen Bettelns vorbestraft ist, wurde noch auf Ueberweisnng an die Landespolizeibehördc erkannt. — Unter Ausschluß der Oeffcntlichkeit erhielt die Ehefrau M. H. von Lich wegen Unzucht eine Haftstrafe von l Tag.
Nancy, 23. Juli. Die Strafkammer in Nancy verhandelte gegen die Deutschen Hacht und Harder, gegen den Schweizer Mlc- mane imd den Oestcrreicher Segucst, die im letzten Monat in Nancy unter dem Verdacht, die Desertion eines Soldaten begünstigt zu
Fraucii'Nrin-fchn»,.
Berühmte Frauen aller Völker und Zeiten — eine Statistik.
Welches ist die berühmteste Frau? Wie viele berühmte Frauen gibt cs überhauvt? Wer sind diele? Alle diese Fragen und noch viele andere beantwortet eine merkwürdige Statisttk der Amerikanerin Dr. Eora Sutton Castle, die soeben in New Jork erschcc- nen ist. Ehe Frau Dr. Castle das Ergebnis ihrer umfangreichen Untersuchungen mitstilt, gibt sic natürlich an, wie stc berühmte Frauen definiert. Sic Hot dazu einen ziemlich einwandsrcicn Weg gewählt: sie hat nämlich sechs der größten .Kmweffatious- lexcka — zwei deutsche, zwei amerikanische, ein englisches und ein — französisches — genommen, alle darin angeführten bedeutenden lFraucn herausgeschtteben und schließlich die ausgesondert. die in wenigstens drei der Lexika angeführt waren. Sv hat sie im ganzen 868 berühmte Frauen aller Völker und Zellen znsam- mcngestcllt. Diese hat sie nach dem Grade ihrer Berülnntheü geordnet, und zwar hat ihr dabei die Anzahl von Zeilen, die jedes Lexikon verwandte, als Maßstab gedient. Dieser Maßstab ist wohl im allgemeinen brauchbar, nur versagt er da, wo über eine berühmte Frau desivrgcn nur wenige Zeilen im Lexikon stehen, well man über chr Leben nur sehr wenig wußte.
Im Durchschnitt bringen nach der Amerikanerin Blockhaus und Mcoer 24,1 und 24 2 Zeilen über I«de berühmte Frau: Liovm- cott bringt 11,6, de Larousse 19,1, die britische Enzyllopädie 52,8 Zeilen. Diese Zahlen find nach einer Proportion — wahrscheinlich dem Gefämtumfauge des Nachschlagewerkes — verrechnet und danach ist die Reihenfolge dann ausgestellt. Die berühmteste Frau aller Völker und Zeiten ist danach Maria Stuart 1607,67 Zeilen . Es folgen Johanna von Arc^ .Königin Viktoria, Elisabeth von England, George Sand, Frau v. Stael, Katharina II. von Rußland, Maria Theresia, Marie Antoinette, Königin Anna von England, die Sevigne, Marie I. von England, George Elliot, Christine von Schweden, Elisabeth Barret Brownrng, die Main- tenon, Josevhine, die Gemahlin Navoleons, Katharina oon Medici, Klevpatra und Harriet Beecher Stowe, die Dichterin von OnkelTonrs Hütte. Nach diesem Maßstabc der Berühmtheiten ergeben sich manche tt-eltsamkeiten: die Schriftstellerin Ouiüa steht z. B. an 157. Stelle, die Boier-Eddy, die Gründerin der christlichen Wissenschaft, hot die lausende Nummer 127, und die Mutter Napoleons Laetttia Ranwlini, steht an 821. Stelle. Tie einzelnen Lexika behandeln die ciwstlnen berühmten Frauen osr recht vett'chieden. »her Maria Sttiart scheint überall nach dem verwandten Rauni an der Spitze zu stehen. Bleibt man zunächst bei den ersten 20 berühmten Frauen, so sicht man, daß sic sechs Jahrhnnderten unb neun Völkern angehören. Zwischen dem Beginne unserer Zeitrechnung und dem 15. Jahrhundert ist überhaupt keine Frau von Berühmtheiten unter de» ersten 20. Johanna von Arc (1411 geboren! ist dann die einzige im 15. Jahrhundert, 4 gehören dem 16. Jahrhundert an. 4 den, 17., 5 dem 18., und 5 dem 19. Die Hälfte der 20 sind Herrscherinnen, 6 Schttnstkll«innen, Eng
land Und Frankreich haben je sechs der 20 gestellt, Deutschland, Oesterreich, Schottland, Schweden, Italien, Rußland, Aegypten und Amerika je eine. Die Neuzeit hat viel mehr beiMmst Frauen ihervorgebvacht, als die ältere Zeit. Unter den 868 gehören 6 dem 10. Jährhuudert an. 12 dem 12., 32 dem 15., 45 dem 16., 84 dem 17., 213 dem 18. und 335 dem 19. Nach Böllern geordnet steht England an der Spitze: es folgen Frankreich, Deutschland (114), Amerika mft 75, obwohl nur^wci Jahrhunderte _in Frage kommen. Italien, Rom, Oesterreich, zopanren, Rußland, Schlveden, IGriechcnloich, Schottland, Byzanz und Holland. Me diese Völker haben mehr als zehn berühmte Frauen hcrvorgrbrocht.
In der Neuzeit scheint nach der Amerikanettn England in der Erzeugung berühmter Frauen den anderen Völkern weit voran zu sein. Ilms Jahr 1880 kommen nämlich auf 10 Millionen Einwohner an berühmten Frauen in England 31,5, in Frankreich 11,4, in Deutschland 11,2, in Italien 5,8, in Amerika 13,3. Doch ist, abgesehen von Italien, gegen das oorangegangene Jahrhundert überall ein RncksÄntt zu verzeichnen: die entsprechenden Zahlen fflr dos Jahr 1780 sind nänilich: ,73 — 21,9 —• 20,3 — 5,4 — 15,2. Frau Dr. Castle hat die berühmten Frauen auch nach .gerufen" geordnet. Am häusigstrn sind die berühmten Frauen der Lfteratur (337). 5Leiter gibt es 59 Herrscherinnen unter den 868, 56 Schauspielerinnen, 49 Musckerinnen, 11 die wegen ihres tragischen Geschickes berühmt sind, 6 Tänzerinneu, 6 berühmte Schönheiten. Nur 142 berühmte Frauen waren unverheiratet. 29,8 Prozent unter den übrigen 746 waren mft berühmten Männern vermählt. Die Ehen der berühmten Frauen waren im allgemeinen nicht glücklich, denn 11,6 Prozent der Heiraten haben mit Scheidung oder Trennung geeiidet.
kl. Mütterberatung. Ein ivichttger Zweig aller Bemühungen um die Bekämpning der Säuglingssterblichleit ist die (Mütterberatung. Ursprünglich war es schwer, die Frauen aus dem Bolk für diese Ausllärung zu gewiimeu. Teils fmir.zclten volkstümliche 53orurieile zu fest. Teils waren die Frauen zu ungeübt in der 'Ansnahme theoretischer Belehrungen. Jetzt zeigt aber die Jn- ansvcuchnahnie der Berawng einen allgeineinen Aufftieg. Der soeben erschienene Bericht über die Sänglingsfürsorge im Reg - Bez. Düsseldorf erwähm, daß oon drei Wanderlehrerinnen in 26 Städten in einem Jahr 105 zusammenhängende .Kurse gehalten wurden, die von beinahe 1600 Frauen besucht waren. Der Eifer der Frauen zeigt sich darin, doch drei Bieete! der Schülerinnen sich das Zeugnis geben ließen, das nur die bekommen, die den ganzeti Knffus regelmäßig besticht haben. Unter ihnen war auch ein crheblickei' Teil von berufstättgen Fpruen, Fabrikarbefterinnen, Angestellte, Dienstboten, die sich hier für künftige Mütter pflichten vorbildeten. Neben fetten Kursen wird eine Beratung in ärztlichen Svrachstcklen eingerichtet. Auch sic wird steigend in An- svruckr genommen. Die Fronen gewödnen sich mehr nnd mehr danan, ihre t-äuglinge dem 5lrzt regelmäßig vorzustellen. Nachdem z. K. m der Stadt Düsseldorf erst am 1. Jian oorigeu Jahres
solche Sprvchstelleii cingerichtct waren, war der Besuch schon am l. März 1914 auf über 11000 Personen gestiegen. Einen schönen lZng gegensettiger Hilfe der Frauen untereinander berichtet die Beratungsstelle einer anderen Stadt, der es in 50 Fällen gelungen ist, armen kümmerlichen jtzindern Brustnahrung zu verschaffen, indem sie kräftige Frauen aus dem Besucherkreis dev Beratungsstelle dafür gewann, solchen Flaschenkindern toenigstens cinigemale täglich die Brust zu geben In der Bekämpfung der Säugliugssterblichkeft arbeiten neben den Aerzten fast ausschließlich Frauen: als Säuglingspflegrrinuen, Kreisfürlorgerinnen, Wandcrlchrerinnen, Hanspstegerinncn, in der Waisenvlleg«, als Vormünder, Auffichtspersonen usw. Während einersctts die soziale Säuglingspflege als ebenso befriedigender, wie aussichtsreichey lFxaucnberut noch mehr Zuspruch finden soMe, werden andercrscsts ehrenamtliche Kräfte in großer Zahl gebraucht.
—Schmerzlose Geburten. In der Pariser Akademie sür Medizin erstattete Prof. Ribemont-Dessaignes über ein nen- entdeches Hilssinittel der Gcburtsbilsc einen Bericht, der unter den Llerzten und Gelchtteu das größte Ilufsebcn erregt. Es handckt sich um ein von dem französischen Chemiker A. George Paulin entdecktes schmerzbetäubendes Mittel, das alle jene nachteiligen Begleiterscheinungen, die bisher die Anwendung von Narcottcis bei Geburten nicht ratsam erscheinen ließ, vermissen läßt. Mit anderen Watten: die ärztliche Wissenlchatt vermag in Zukunft der Geburt alle Schmerzen zu nehmen, vollkommen schmerzlos wird fortan die Frau Kinder gebären. Bei dem Medikament handelt cs sich um ttn Produkt, das Paulin erzielte, indem er lebende Gährstoffe wie Bierhefe auf salzsanres Morphium einwirkcn ließ. Die An- vaffung lebttider Gährstoffe an ein gütiges Milien ist in jüngster Zeit Gegenstand mannigsachcr Unlersuchungeii geworden: Paulin ging bei seinen Expettmentcn den entgegengesetzten 5Aeg und legt« das Schwergewicht seiner Untersuchungen auf die Veränderungen, die das Giltmilicu uMer der Einivirkung lebender Gährswfse cr- sähtt. Das Mittel wirkt auf die Ncrvcnzentren, nach 2—3 Minuten emvffnden die Frauen einen leichten Anfall allgemeinen Unbehagens, dann aber schläft die Wöchnerin ein, nicht aber in einen ttcicn schweren Schlaf, sondern in einen leichten Halbschlummer, aus dem eine halblaute Frage die Patientin erwecken kann. Manche Frauen entschlummctten auch gar mckt, sondern konnten sich während der Gebiltt Mit der Umgebung unterhalten: kein Schnierz war fühlbar. Die Bedeutung des neuen Mittels liegt in den Umstand, daß es die Gebättäffgkert uild die Muskclkonzentrattoucii nickt schwächt. Fast alle bisherigen Bettuche mit ichmerzstillendcu Mn- tcln bei Geburtsfällcn hatten die Schattenseite, daß sie die Muskel- tättgkeit schwächten und die Gebutt verlangsamten. Pros. Ribemont- Dessaignes hat bisher 112 Wöchneriiinen mit dem neuen Medikament behandelt. Es ichlvinden nickt nur alle Schmmzcn und Depressionen, sondern auch alle uerväje Erregung, nach der Geburt tritt keine Schlaflosigkeit ein, das 5lllgemeiiibeiinden scheint gehoben, irgend welck»e nachteiligen Folgeerscheinungen blieben völlig aus, und auch aus die Neugeborenen blieb das Medikament ohne gefährliche oder auch nur uirgünsttge Wirkung.


