Ar. 172
Zweiter Blatt
16§. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntags.
Di- „«itfcmct ZmmNeitblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wächentlich be,gelegt, das „Lreiidlatl skr den Krtis Kietzen" zweimal wöchentlich. Die .Daadrsinichafilithea z-t>-
frogeir" erscheinen monatlich zwennal.
Eichener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Nberhejjen
Lcnnrtag. 25. Juli
RotLtiorr5di-uck und Verlag der Bruhl'fchen Unweri"näts - Blich- und Steindruckerer.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition unt' Druckerei: Schul- strcche 7. Expedition und Verlag: ^Obl. Redaktion:^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
England und der Friede.
London, 23. 3u.lt Im Unteichulls erf[<irte Lloyd Cieorgr: 3<fi wer immer der Ansicht, daß es unmogUch sei. die Rüstungen durch eine rein politische Kritik oder d-rrch einen Appell an die .Humanität aufzu hätten. Ich glunde säst, daß dies nur geschehen kann, wenn die großen simrnvellen Interessen der Welt wirksam *u werden bc- gtnnm. Ich glaube. Sie beginnen jetzt sich zu vergegenwärtigen. was sur eine Bedrohung die Rüstungen für 'das Kapital. das Eigentum, die Industrie und die Wohlsolzrt der Welt sind. Austen Chamberlain sagte, diese Sache hänge nicht von uns allein ab 3 * gebe zu, daß es sehr schwen ist für eine Nation, diese wirklich schrerkliche Entwickelung aufzachaiten Dir können uns selbst nicht ohne Verteidrgnng lassen, wenn andere Nationen riesige Summen anstbringen für das, was nicht nur Bertcidigungs-, sondern auch An- gristswaife ist Das ermutigende Symptom, dos ich beodachte, ist, daß die Bewegung der Sorge über die Rüstungen kosmopolitisch und international ist. Ob sie in diesem oder im nächsten Jahre Frucht dringen >oird, weiß ich urcht, aber ich bin gewiß, daß ich deutliche Zeichen einer «eaktion in der ganzen Wett sehe Beachten Sie einen unserer Nachbarn, mit dem wir vor fünf Jahren viel zu tun hatte» l die Beziehungen sind jetzt sehr viel besser. Da ist nichts von Gemurmel, das Sie besonders in der Presse — ich will nicht sagen dieser beiden großen rivalisierenden Nationen — sondern in der der Großmächte zu hören gewohnt sind. Die Stimmung ist sehr viel besser. Man beginnt sich zn sagen, daß man für die gemeinsamen Zwecke zusainmenarbeite» konnte und daß die Punkte dieses Zu- janimenarbcitens größer und wichtiger sind als die Punkte aller Disserenzen. Der Herzog von Wellington bezeichnete im Jahre 1842 die Ausgabe von lö Millionen Pfund sur die Armee und die Flotte als die Voraussetzung für einen Krieg. Europa gibt heute 350 Millionen Pfund jährlich für die Vorbereitung von Mordmcrschinen aus. Sollte man annehmen können, daß das Unterhaus das als einen Zustand ausehe, der fortdauern müsse? Ich kann das nicht glauben. Man würde wirklich verzweifeln müssen an dem gesunden Verstand der Nationen, wenn man sich vvrstcllte, daß dieser Zustand, nicht des bewafsneten Friedens, sondern der .Rüstung, die gleichbedeutend ist mit dem Krieg, fortdaueru sollte, sollte iricht die Zchilisation, die zwischen dem Indi- vümum und den kleineren Gemeinschaften ein gesundes und wohlgeordnetes Schiedswesen hervorgebracht hat, im- ftarckie sei. diese Einrichtung auf eine weitere Sphäre von Streitigkeiten unter den Völkern auszudehnen 9 Wenn das gelingen sollte, so wurde das eine Biri bessere Methode sein, Mittel für die soziale Reform aufzubringen, als durch Steuern. Ich schaue vorwärts in die Zeit, wo der Sch-rtz- kanzler die Mittel für diese Zwecke nicht ledtMch durch eine Steigerung der Lasten auszubringen braucht, sondern, wo er imstande ist, zu sagen, daß der gesunde Verstand unter den Völkern sich selbst hergestellt hat und daß wir imsdande sind, alle diese riesenhasten Ausgaben, die ietzt durch Kriegsplane aujerlegt sind, zu ersparen. (Beifall.)
Neue Trinksprüche in Kronstadt.
Petersburg, 23. Juli. Nach dem Frühstück begaben sich der Kaiser und Präsident Poinrarö nach Peterhos und fuhren von dort um 6Pl> Uhr abends an Bord der Jacht „Alexandra" nach Kronstadt. Um 7,30 Uhr fand an Bord des französischen Panzerschiffes „La France"" ein Diner statt Dabei brachte Präsident Poincars folgenden Trink- spruch ans'
Sire! Ich will mich nicht von diesen Gestaden entfernen, ohne Eurer Majestät nochmals zu sagen, wie sehr ich gerührt bin von der reizenden Herzlichkeit. die Majestät mir während meines Aufenthalts bezeugten und von dem tvarmen Empfang, den ich seitens des rnssfichen Volkes hatte Mein Land wird in den Beweisen der Aufmerksamkeit, mst denen ick überschüttet wurde, ein neues Unterpfand sehen fixe die Gefühle, die Eure Majestät immer Frankreich gegenüber gezeigt haben und die nachträgliche Bestättguug des un- löÄichen Bündnisses, das Rußland und Frankreich eint. Gegenüber allen Fragen, die täglich an die beiden Regierungen herantretcm die die verabredete Tätigkeit ihrer Divlomaiiim erfordern, kam ti immer zu einer Uebcreinstimmung und es wird immer wieder dazu kommen, mit UM so größerer Leichttgkeit. als die beiden Länder manchesmal Vorteile, die jedem von ihnen durch düse regelmäßige Zusammenarbeit verschasst worden sind, erfahren haben und als sie beide dasselbe Ideal des Friedens in der Kraft, der Ehre und der Würde liaben. Ich trinke aus das Wohl der Majestäten, der Kaiserin Maria Feodorowna. des Großfürsten Thronfolgers und der ganzen kaiserlichen Familie, ich trinke aus den Ruhm des russischen Kaiserreiches.
Der Kaiser antworteten
Herr Präsident! Indem ich Ihnen für die liebenswürdigen Worte danke, lege ich Wert darauf. Ihnen noch einmal zu sagen; wü viel Vergnügen wir davon hatten, Sie unter uns zu sehen. Wenn Sie nach Frankreich zurückgekehrt sind, wollen Sie bitte Ihrem schönen Lande den Ausdruck treuer Freundschaft und herzlicher Sympalhie ganz Rußlands überbringen. Das verabredete Vorgehen unserer beiden Diplomatien und die Bruderschaft, die zwischen Uw'eren beiden Armeen zu Lande und zu Wasser besteht, weiden die Ausgaben unserer beiden Regierungen erleichtern, dü dazu berufen sind, über die Interessen der beiden verbündeten Böller zu wachen , indem Tie sich für das Friedensidcal begeistern, das unsere beiden Völker in dem Bewußtsein ihrer Stärke sich gesetzt haben. An Bord dieses schönen Schisses, das den ruhmreichen Namen „La France"" trägt, lege ich Wert darauf, ganz besonders die tapfere sranzösische Marine in die Wünsche einzuschließen, die ich ausspreche, indem ick das Glas erhebe auf Ihre Gesundheit, Herr Präsident, und aus den Ruhm und das Wohlergehen Frankreichs. _
Tschechische Unruhen.
Wien, 23. Juli. Die Lokalkvrrespvndenz meldet aus Troppau: Troppauer deutsche Turner unternahmen gestern einen Ausflug. Als sie durch das tschechische Dorf Zimr»- vitz zogen, feuerte ein Teilnehmer an dem Ausflug aus U&ermut einen Revolverschuß in die Luft Die Bevölkerung, die hierdurch alarmiert wurde, stürzte aus den Häusern und warf sich aus die Turner Es entsband eine große Prügelei, bei üvelcher aus beiden Seiten zahlreiche Personen verletzt wurden Die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her und nahm einige Verhaftungen vor. — Von Olmutz sind zwei Bataillone nach Mährisch L-shrau abgegangen.
Ans Albanien.
Wien, 24 . Juli. Gestern abend herrschte in Durazzo allgemein die Empfindung vor, daß die Krisis chrem Höhe- Punkt entgegcugeht Auf das letzte Schreiben der "Aufständischen, das eine Beleidigung des Fürsten enthält, sowie die Drohung, Durazzo in eine Schlach-tstötte umzuwandcln, jolls ihren Wünschen nach Entfernung des Fürsten und Uebergabc der Stadt nicht entsprochen werde, beschlossen die Vertreter der Großmächte, die Note gar nicht zu beantworten. Damit sind die Verhandlungen mit den Aufständischen als endgültig abgebrochen zu betrachten.
wanbern und Reisen, väder und Sommerfrischen.
— Bad. Nauheim, 24. Juli. Bis zum 23. Juli 1914 sind 23 483 Kurgäste «ngefommen. Bäder wurden bis zum 23, Juli 277 004 obgegeben.
— Limbmrq im Lahntal. Der Strom der demschen Ferien» >md Touristenreisenden — soweit er nicht lokaler Natur ist — kennt nur einige wenige Ziele: Ost- und Nordsee, die Schweiz, das Rieüngebirge, den Harz, Rhein, Taunus und dcn «ochwarz- waid. Diele herrliche deutsche Gauen werden so vernachlässigt, sehr zum Schaden der Erhvhrmisrersenden, die immer wieder Gebiete aussiicheu, die iu der Hochsaison durch Ue&erfüThmq stark an Reiz einbüßen, während sie IN anderen still und verlassen bleibenden viel größere Ruhe und Erholung finden würben. Von unjern ichönen. deutschen Ftutztälern gibt mancher den Preis nicht dem von aller!Welt besungenen Rhein, nicht d-r ihn an Mannigfaltigkeit der sü umwohnenden Böller überlreffenden Donau, nicht der träumerischen Weichsel, mcku der seeerweüerten Hovel, n,wt der reizvollen, märchenhaften Weser, sondern — der Lahn Wonnig ist es, in der schönen Sommerzeit leichten Schrittes und stischen fVdules durch daS liebliche Lahntal zu ioandern. Mannigfach und bunt find Sagen und Erinnerungen, die sich daran knüpfen, zahlreich die Wunderwerke der Namr, denen wir aus unserem Wege begegnen. Fast im Mittelpunkte des Lahngebietes und geographisch auch zu seiner Hauptstadt bestimmt, liegt, burchrmycht von ben blinkenden Fluten der Lahn — in einem ehemaligen Süßwass'er- becken — Lim'burg, das schon seit den frühesten Zetten üne hervorragende Bedeutung im Lohngebiete hatte und einer der ersten Plätze nn Lahngau war. Lünburg fft der Thpus einer anmutigen, mittelalterlich-malerischen und doch auch wieder modernen Stadt mit vielen interettanien Sehenswürdigkeiten. An prachtvollen ?ln- lagen. hübschen Spaziergängen und lohnenden Ausflügen ins reizende Laimtal, in den Taunus und Westerwald ist Limburg reich durch den vaterstädttichen Sinn einzelner Bürger, wie durch die Tätigkeit des Verschönernngsoereiires und der Stadtverwaltung.
— Bad Brückenau. Auf der ärztlichen Studienreise be- griffeu, trafen jüngst gegen 70 Aerzte in staatlichen Autos van Bad Kffsrngen trnmnotß in Bad Brückenau ein und begaben sich sofort in das von König Ludwig I. erbaute, monumentale Kursoal- gebäude, wo !Dr. Schneider in einer kurzen Ansprache BodKrückenan als Svezttttbnd für Nieren- und Harnleiden oorstellic. Zu erneut Spezialbad für diese Leiden macht es die Wirkung des Weruarzer» wafsers. die Kohlensäure- und Moorbäder rnit den anderen Quellen, der Stahlguelle und der sörnbergerquelle, wü kein zweites Bad geeignet. Im Anschluß wurden die Anstalten der einzelnen Aerzte besichtigt, wo neue urologisch-technische Eingriffe, wü z. B. dre Operation van Blasengeschwülsten ohne blutige Operation gezeigt wurde.
— Norderney. Bon der Gemeindeverwallnng in Nvrdev- nch ist unterm 14. Juli eine Mitteilung an dü Presse versandt worden, dü den Zweck verfolgt, den auf dem Festlande verbreiteten kürüchten von einer Ueberfüllüng entgegenzutreben. Dabei wird dü Behauptung ausgestellt, Nordernev habe wett mehr als 14 000 Fremdenbetten. „beinahe soviel als in allen anderen Nardsee- bädern zusammengenommen"", zur Verfügung. Diese Behauptting, ist, soweit sic dü andern Nordseebäder betrifft, vollständig unwahr, und nur geeignet, die andern Nordseebäder auf's Schwerste zu schädigen. So hoi Borkum allein 14 000 Betten Mit Verfügung, auch Westerland, Helgoland, Whk und Cuxhaven tÄrften ähnlickie Zahlen auszuweisen haben, und dazu kommen dann noch die vielen kleineren Bäder. Jedermann kann sich hiernach leicht ansrechnen, daß die für Nordernev angegebene Zahl garnicht viel hoher sein, kann als in andern großen Bädern. Auch van den anderen Bädern werden häufig aus dem Festlande Gerüchte von einer Ueberfüllüng verbreitet, die ieber Begründung entbehren. Insbesondere bietet Borkum noch Raum für Tausende von Kurgästen, obwohl es in diesem Jahre bis jetzt mehr kurtaxzahlende Besucher auszuweiscii hat als Norderney.
Sport.
— Bad-Nauheim, 24. Juli. Vom 29. Juli bis 1. August findet auf dem am Fuße des Johannisbergs gelegenen Gottplatz ein Golfturnier statt. Es haben sich bereits zahlreiche Teilnehmer gemeldet, hauptsächlich Amerikaner und Engländer. — Am 2. August veranstaltet der 1. Frankfurter Schwimmklub im großen Teich wieder eins seiner interessanten Schmim,nieste, die sich alljährlich deS größten Beifalls erfreuen. In diesem Jahr wird die Veranstaltung ganz besonders fesselnd sein, da der Schwimmklub Neptun-Hannover als mitteldeutscher Meister gegen den 1. Frankfurter Schwimmklub als suddeutscher Meister um die Deutsche Wasscrball-Meisterschaft kämpfen wird.
vermischter.
— Sonnen« und Lichtbäder gehören heute, wo die Heilmittel der Natur mit besonderer Vorliebe ausgenutzt werden, zürn wesenllichen Rüstzeug des Therapeuten. Bor allem benöttgt — so äußert.sich Dr. Klinkerfuß im „Kasinos"' — der in der Entwicklung befindliche Körper des Kindes der reichlichsten Lichtzufuhr, aber mit Maß, da z. B. der Sonnenbrand j>er Haut sich auch in Entzündungen äußern kann. Die in den wommoiferün sich so häuffg einstellende Hautbräunung schützt gegen Entzündungen. dagegen zeigt sich die Haut NM so strahlenempnndlickier, je weißer sie ist. So ist es ferner einleuchtend, daß das beliebte Sonnenbad, in dem der nackte Körper ganz unter dem Ettislusse der den Stoffwechsel erhöhenden, die Blutbildung iördernden Strahlen steht, sich auch als wirksames Mittel gegen Krankheiten bewähren kann. Die gesteigerte Schweißabsonderung reinigt den Körper . . . Nach einer neueren, von Pros. Neuberg verttetenen Auffassung ist überbmipt jede Brunnen- und Badekur, genau betrachtet, eine Lichtheilnng, bei der die Salze der Mineralwässer auch die an sich nicht lichtempsindliäten Verbindungen in unserem Körper für nutzbringende Ernslüsse empsänglrch machen. Dem- emsprechend ist es auch von nicht geringer Bedeutung, datz man für dü Badereisen die Zeit der stärffün Sonnenwirkimg, den Swmmer, wählt.
— Was ist ein echter „Panama"? Die Panamahüte führen ihren Namen zu unrecht, sie stammen keineswegs ans Panama. Wer sein Hittiv. mit einem feingeflochtenen „Panama" vor Sonne und Wetter schützt, weiß in den wenigsün Fällen, was er aus dem Kvpü ttägt. Natürlich keinen Panama, sondern — wenn es sich um einen wirllich „echten Panamahitt"" bandett — einen ,Ii ft japas". Jene Hutgeflechte, die Eunova Panama getauft har. kommen aus der Republtt Ecuador und zwar
aus der Provinz Manabi. Das einzige Material, das bei der Anserriguug eines ersrllasjigen Hutes zur Verwendung kommt, ist die „loauilla", die Fasern eines bestimmten Palmenbaumes, der zwar auch ui den südamerikonischen Nachbarrepubliken vorkommk. die beste Jaiernguolttät aber nur in Ecuador envmckett. Das Hamäzentrum der Dniindusttie ist die kleine Stadt Ji » ,avas und von ihr empfing der Hut auch seinen urivrünglichen Namen. Den Europäern werden die ecknen Ji ,i >avas durch Vermittlung der Kaufteukelvon Guanaguil -.ugängkich gemacht. Und dann werden aus den Ji ji nipas die „echten Pnnalnas"', dü ihre dessen Abnehmer in England, in zweiter Linie in den Vereinigten Staaten und Deutlchland ftnden. Die romanischen Völker scheine» dem echten Panama iveniger Neigung entgeger zu bringen Auf einen ktzranzosen deispielsweise, der einen Panama trägt, enffallen nicht weniger als 20 mir Ji ji ,apas ausgerüsttte Engländer. Aber vom Panama hören die Franzosen nicht gerne . .
Börscn-Wochcnbericht.
— F r a n k s n r t a. M., 24. Juli.
Die täglichen Erörterungen scher die von Oesterreich gegen Serbien einzuichlagenden Schritte ließen die Botte nicht zur Riche kommen heule, nachdem das nach Belgrad gerichtete Ultimatum veröffentlicht wurde, hat sich die Nervosität noch gesteigert. Man gibt sich über den Ernst der Situatton keinem Zweifel mehr bin. Die österreichisch-uiigattsche Regierung drängt jetzt darauf, Ordnung zu schassen, sie beanlprucht eine Mitwirkung bei der Unterdrückung der umstürzlerischen großserbischen Bestrebungen und dadurch gewinnt die Note einen besonders ernsten Charakter. Ob und welche Konseauenzen sü nach sich züht. läßt sich IM Augenblick mit Sicherheit noch nicht beurteilen. Tie Börse unterschätzt aber nicht die Gefahren, die jetzt am politischen Horizont ausziehen und trägt dieser Situation Rechnung durch iveiigehende Votticki. Daß unter diestti Umständen vielfach Angstverkäuse vorgenommen wurden, darf nicht Wunder nehmen. Zu Überstürzten Verkäufen ist es dabei allerdings irichi gekmnmeu, dann man hält immer no chdaran seit, dag sich die augenblickliche unergnickliche Lage zu einem Wellbrand nicke auswachsen wird. Immerhin sind die .Kutte aus den meisten Berkehrsgebieten diese Woche wieder stärker zurückgegangen.
Das andauernde Sinken der Kurse hatte naturgemäß auch manche Zwangsverkäuie zur Folge. Wer Poviere mit geliehenem (Selbe erworben hatte und nicht in der Lage war. den aesorderltti Nachschuß zu leisten, mußte sich wohl oder Übel von seinem Bttitz trennen. Die Kreditirage spielt deute wieder eine größere Rolle. Trotzdem Geld außerordenttich slüssig ist, beobachten die Geldgeber doch größere Vorsicht als in normalen Zetten. Wer nicht erstllassigen Kredit genießt und seine Engagements aus den näMeu Monat überttagen will, muß Ueberdeckung bieten köitnen. Durch diese Verhältnisse kommen manche Bezugsverpilichiungen zur Lösung, was ans die Kutte drückt. Erhöbt wird dieser Druck »och dadurch, daß die Kontremine an der Arbeit ist und jede ungünsttg lautende Meldung für ihre Zwecke auszuschlachten sucht. Einhalt wird ihr ettt dann geboten werden, wenn die volitischen Besorgnisse wieder eimual weichen Neben den volittschen Sorgen sind es natürlich auch wittschaitliche Gründe, die eine bessere Stimmung an der Börse vorerst nicht auskonimen lassen. Dü Errichtung der iu der Schwerindustrie augestrebten Verbände, die von großer Tragweite für das Eisengewerkv sind, stößt ans Schwierigkeiten und das verstimmt natürlich gleichsalls. Solange man in diesen Bestrebungen nicht Wetter vom Fleck kommt, wird neue Unternehmungslust an der Börse Nicht leicht auskommen Manche in der siingsten Zett bekannt gewordenen Quartalsweise logen Zeugnis dafür ab, daß die Uebettchüsse bei der gegemvärtigen nngünsttgen Verfassung des Moittanmarktes stark zuttlckgegangen sind. Das drückt besonders auf Montanpopiere, die durchweg wieder stärker zurückgegangen sind. Angeboten und erheblich niedriger waren auch Kaliaktün, weil mit der Möglichkeit einer baldigen Konkurrenz durch Spanien gerechnet wird, wodurch die Monopolstellung der deutschen Kaliindustrie erschwett werden könnte. Bankaktien kamen rntt Einbußen von einigen Prozent davon. Schiss- fabrtsaktien gingen schart zurück, trotzdem die Zwischendecks- vreise erhöht worben stnd. Der Frachtenmarkt läßt eben immer noch zu wünschen übrig. Auch Eisenbahnaktien waren neuerdings mehrere Prozent matter, namentlich wurden Baltimore und Ohio stärker gewott'en. Der Industrie markt war durchweg schwach, selbst Elektrizttätsaktien wurden empsindlich zuiuckgedrängt, trotzdem die Lage der Elekirizitätsiudustrü immer noch günstig ge- schikden wird. Für einen Pariser Spekulanten sollen Entlastungs- verkäuse darin ausgesührt worden sein. Mehr noch waren aber bis Aktien chemischer Unternehmen gedrückt, besonders Anllin, was mit der Ausübung des Bezugsrechts aus dü neuen Aktien zusammen- bängt, weil dadurch mehrfach Material an den Marft kommt. Mo- schineniabttkaktien woren gleichfalls wieder etwas niedriger. Ausländische Renten sind durchweg uüdttger, besonders waren Russen durch die Streikunruhen gedrückt, ebenso amerikanische Eisenbahn- Privataktten, von denen Chieago Rosch Island neuerdings eine stärkere Einbuße erlitten haben. — Privaünskont anziehend 2 4 /s°/o-
Märkte.
Gießen, 2b, Juli. Marktbericht. Auk den, heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pkund 1,15—1,23 Mt,: Hühnereier I Stück 7—8 Pka„ 2 Stile! 00 Psq.: Enteneier 1 St. s Pta., 2 St. 00 Pkg.; Gänseeier 1 St. 0-0 Pkg., 2 St. 00 Psg.: Käse das Stück 10—12 Mg^ Käsemalte 2 Stück 5—6 Psg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk„ Hübner das Stück 1,50—3,00 Mt„ Hahnen das Stück 1,50-3,00 Mt.. Enten bas Stück 3,00-4,00 Mk„ Gänse das P!d. 00-00 Psg.i Welsche 4—5!')(.: Ochlenfleiich daSPid. 86-96 Pig., Rindfleisch das Ptund 90 — 94 Psa., Kubfleisch 80 Psg., Schweine- steisch das Ptund 60 — 80—90 Psg, Kalbfleisch das Dsd. 90 — 94 Psg., Hammelsteisch daS PId. 70—96 Psg,: Kartoffeln 100 Kq. 8,00 bi* 9,00 'Ulf.; Weißkraut das Stück 25—30 Pig.: Zwiebeln der Ztr. 20,00—25,00 Mt.: Milch das Liter 22 Pkg.: Aeplel der Zentner 00—00 Mk,: Birnen das Ptund 20—25 Psg„ Nüsse 100 Stück 50 P!g,, Kirschen das Ptd. 20—30 Ptg., Erdbeeren das Ptd. 50 bis 60 Psg., Walderdbeeren 1 Liter 80—90 Psg., Heidelbeeren 1 Liter 36 —00 Pkg., Himbeeren 1 Liter 50—60 PIg„ Stachelbeeren I Ptd. 10—15 Big., Johannisbeeren rote I Pld. 15—26 Psg., schwarz» I Psd. 15-20 Pta., Erbsen I Pld. 15-20 Psg.. Bohnen I Psund 20—30 Psg. — Marktzeit von 7 bis 1 Uhr.
Je, Franksttrt o. SR., 24.Juli. Heu- und Tt roün, arkt. Angetahren waren 6 Wagen Heu, 0 Wagen Stroh. Bezahlt wurde sür Heu (neuest 2,50—3,30Mk., Stroh(Kornlangslroh) 0.00—d.00Mk., Wirrslroh 0 , 00 —0,00 Mark, Atter je 50 Kilo. Geschält tubig. Tie Zukuhren waren au» Oberhejse» und aus dem Kreise Tieburg.
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