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oIUt Gutgesinnten der %utivn ftic sich, tdeim die Konferenz auch keinen Erfolg gehchstt hat.

Die Stichwahl in, R c ichSt a g swah lkre i s e

legenr konservalivc Kandidat, der Amtsrat Schrcwc, es nu *' ' ul f st»,nne» brachte. Der Fortschrittler IM also

ü"^'dnl>chen Btehrheit von 1400 Stimmen gesiegt. Ber der hanhtwahl am 16. Juli erhielt Schrcwe 7522, ^r-agiicr 6131 und der Sozialdemokrat Linde 8186 Stimmen. Die Sozialdemvkratcn sind also geschlossen für den Fort- eingetreten, während die Konservativen jetzt nur 1.0 ^ihlcr.mehr aus die Beine zu dringen vermochten. Die ^dttlage tst für sie, zumal es sich um einen ostpreußischen Wahi kreis handelt, sehr scksmerzilich, sie wird mit den Ernte- arveiten und dem in deir konservativen Blättern gemachten Hwwers auf die skrupellose Agitation der Freisinnigen jeden- ausreichend erklärt, und man muß sich schon zu der Auffassung bequemen, daß der konservativ« Gedanke auch rn den ländlichen Wahlkreisen an Wcrbekraft einzubüßen begrünt. Insofern scheint uns der Ausfall der Wahl in La- biau-Wehlau doch eine einigermaßen symptomatische Bedeu­tung zu lmben, eine Erkenntnis, der sich auch die Konserva- t«en nicht werden verschließen können, zumal sie doch selbst noch kurz vor der Wahl aus starke Reserven hokltcn, die nun ausgeblieben sind.

Oesterreich und Serbien.

Fass in der ganzen zivilisierten Welt wird der Inhalt der österreichischen Note gebilligt, mit der endlich einem wochenlangen Hangen und Bangen ein Ende gemacht ist. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß Lesterreich im Inter­esse seines Ansehens nicht anders konnte, und daß Serbien vernünftig genug sein werde, um einen Krieg zu vermei­den Die Lage ist heute unverkennbar sehr ernst, denn wenn Nußland marschierte, wäre der Weltkrieg da, aber diese Annahme hat, wie wir in der heutigen Wochenschau näher ausgeführt haben, nur sehr wenig für sich, zuimil England ganz entschieden abrückt. Sofern cs also doch izü einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen sollte, wird es aller Voraussicht nach bei einem Wassengang zu zweit bleiben, also lediglich bei einer Auseinandersetzung zwischen Lestcrreich und Serbien.

Leider benutzt aber auch die deutsche Revolverpresse dieses Ereignis zu einer skrupellosen Sensotionsmache, in deni sie den Weltkrieg als unvermeidlich hinsteAt, um aus der küusllich ins Publikum getragenen Aufregung finan­zielle Vorteile zu erhaschen. Bedauerlicherweise machen auch Zeitungen in unserer nächsten Umgebung dieses gewissen­lose und schädliche Treiben mit, weshalb wir nicht nach­drücklich genug darauf Hinweisen können, daß für uns in Deutschlaiid mcht die geringste Befürchtung besteht. Wir würden nur dann in einen Krieg verwickelt werden, trenn Rußland gegen Oesterreich vorginge, und das ist kaum airznnehmrn. Mit welchen Mitteln aber teilweise gearbeitet wird, das beweist die Aeußerung des Pariser Blattes P a t rie, das eine angeblicheUnterredung mit dem serbischen Gesandten Wesnilsch verösfentlicht, in der dieser behauptet haben soll, die österreichischen Forderungen seien für Serbien völlig unannehmbar. Der Gesandte erklärt, daß er der Bcrösfentlichung vollkommen sernstehe und mit keinem Journalisten eine Besprechung gehabt habe.

Um keine unnötigen Befürchtungen wachzurusen, be­schränken wir uns auf die Wiedergabe der wirklich feststehen­den Ereignisse und lassen die unbewiesenen Alarmnachrichtcn, hie auch in Blättern unserer nächsten Umgebung Aufnahme gefunden haben, unbeachtet.

Die Mitteilung an die Großmächte.

Wien, 24. Juli. Den K. K. Botschafter im Deutschen Reiche, in Frankeich, Großbritannien, Italien, Rußland und der Tür­kei sind von ihrer Regierung beauttragt worden, den Inhalt der österreichisch-ungarischen Note an die serbische Regien,ng zur Kenntnis der Regierung zu bringen, bei der sic beglaubigt sind, und folgendes hinzuzusügen:

Am 31. März 1909 hat die königlich serbische Re­gierung an Oesterreich-Ungarn eine Erklärung ge­richtet, deren Wortlaut oben wiedcrgegeben ist. Fast einen Tag nach dieser Erklärung hat die Polin! Serbiens in Bahnen ein- gclenkt, die dazu geführt haben, bei den serbischen StaatSangchörr- gcn der österreichisch-ungarischen Monarchie subversive Ideen zu erwecken und dadurch die Losreißung jener Gebiete von Oesterreich- Ungarn vorzuberciten, die an Serbien angrenzen. Serbien wurde der Herd einer verbrecherischen Agitation: es büdeten sich Ver­eine und Bereinigungen, die vor aller Welt oder im geheimen dazu bestimmt waren, aus österreichisch-ungarischem Terrüorium Unruhen bervorzurusen. Diese Vereine und Vereinigungen zählen zu ihren Mitgliedern Generale und Diplomaten, Staatsbeamte und Richter, mit einem Wort führende Persönlichkeiten der offi­ziellen und nichtofsiziellen Welt des Königreichs. Die serbische Presse steht fast vollständig im Dienste dieser gegen Oesterreich- Ungarn gerichteten Propaganda und kein Tag vergeht, ohne daß die Organe der serbischen Presse ihre Leser zum Haß und zur Verachtung der Nachbarmonarchic oder zu Attentaten ausreizen und mehr oder minder offen gegen die territoriale Sicherheit der letzteren gerichtet sind. Eine große Anzahl von Agenten ist damit beschäftigt, die Agitation gegen Oesterreich-Ungarn mit allen Mit­teln zu fördern und die Jugend der an Serbien angrenzenden öster­reichisch-ungarischen Gebiete zu verführen. Der Geist der Verschwö­rung, der die vvlitisiercnden Kreise Serbiens beherrscht und der seine blutigen Spuren in den Annalen der serbischen Geschichte hinterlasscn hat, ist seit der letzten Balkankrise im Wachsen begriffen. Mitglieder von Banden, die bisher in Mazedonien Beschäftigung fanden, haben sich der terroristischen Propaganda gegen Oesterreich- Ungarn zur Verfügung gestellt. Die serbische Regierung hat sich nicht bemüßigt gesehen, gegen diese Umtriebe, denen Oesterreich-Ungarn seit Jahren ausgesetzt ist, in irgend einer Weise cinzuschrcüen. Die königlich serbische Regierung hat so der feierlichen Erklärung vom 31. März 1909 nicht Genüge getan und sich solchergestalt in Wider- svruch gesetzt gegenüber Eurova und der gegenüber Oesterreich- Ungarn eingegangenen Verpslichwng. Die Langmut, welche die k. k. Regierung der heraussordernden Haltung Serbiens gegenüber beobachtet hat, war daraus zurückzusühren, daß sie sich frei von territorialem Eigennutz wußte und die Hoffnung nicht aufgab, daß die serbische Regierung die Freundschaft Oesterreich-Ungarns schließ, lich richtig bewerten werde. Die k. k. Regierung halte geglaubt, daß eine wohlwollende Haltung gegenüber den politischen Interessen Serbiens das Königreich doch am Ende veranlassen werde, eine gleiche Haltung zu beobachten. Oesterreich-Ungarn erwarte eine solche Evolution der politischen Ideen in Serbien, insbesondere in dem Moment, als nach den Ereignissen des Jahres 19t2 die k. k. Regierung durch ihre desinteressierte und von jedem Uebel- wollen freie Haltung die so bedeutende Vergröberung Serbiens möglich machte. Das dem Nachbarstaate seitens Oesterreich-Ungarns bekundete Wohlwollen hat jedoch die Vorgangswcise des Königreichs Serbien nicht geändert, das sortsuhr, aus seinem Territorium eine Propaganda zu dulden, deren traurige Folgen am 28. Juni ds. Js. der ganzen Welt ofscnüar iourden, an jenem Tage, da der Thron- solger der Monarchie und seine Gemahlin einer in Belgrad ent­standenen Verschwörung zum Opfer sielen. Bei dieser Lage der Tinge hat die f. k. Regierung sich genötigt gesehen, einen neuen »nd dringenden Schritt in Belgrad zu unternehmen, um solcherart die serbische Regierung dazu zu zwingen, der Bewegung Einhalt

zu gebieten, welche die Sicherheit und Integrität Oesterreich- Ungarns bedroht. Die t. k. Regierung ist überzeugt, indem sie die­sen Schritt unternimmt, sich in vollem Einklang mit den Gefühlen aller zivilisierten Rationen zu befinden, die es nicht zugeben könnt len, daß der Königsmord eine Waise wird, der man sich ungestraft im politischen Kampsc bcdiciien dürfte und daß der Friede Europas unausgesetzt durch die Umtriebe gestört würde, die von Belgrad aus- gehcn. Zur Unterstützung des Gesandten hält die k. T Regierung zur Verfügung der Regierung ein Dossier bereit. daS über die serbische Propaganda und deren Zusammenhang mit dem Morde am 28. Juni Aufklärung gibt. Eine gleiche Mitteilung ergeht an die l. k. -Vertreter bei den übrigen Signatarmäästen.

Eine Erklärung Tiszas.

Büd apest, 24.Juli. Bei Beginn der Sitzung des Ab­geordnetenhauses sagte der Ministerpräsident: Der Schritt. Oesterreich-Ungarns bedarf keiner Rechtfertigung. Es müßte vielmehr erklärt werden, warum der Schritt erst jetzt erfolgte. Wir wollten abwarten, bis die Untersuchung in Serajewo über gewisse Umstände vollständige Klarheit geschasst hatte. Auch wollten wir den Anschein vermeiden, als ob Leiden­schaft oder berechtigte Entrüstung uns geleitet hat: der Schritt ist vielmehr nach reiflichster Ueberlegung unternommen wor­den. Der Schritt ist keineswegs aggressiv, noch bedeutet er eine Provokation, da wir in der Rote nichts anderes for­dern, als was Serbien aus natürlicher nachbarlicher Pflicht gewähren muß. Niemand kann uns vorwerfen, daß wir den Krieg suchen. Wir sind vielmehr bis zur äußersten Grenze der Geduld gegangen. (Lebhafte Zustimmung.) In der Ueber- zeugung, daß der Schritt durch die Lebensintcressen der Mo­narchie und der ungarischen Nation gefordert wurde, werden wir die gesamten Konsequenzen tragen. (Allgemeiner stür­mischer Beifall.) Die Mitglieder der Regierungspartei er­hoben sich von ihren Sitzen und brachten dem Ministerpräsi- dcnten Ovalionen dar.) Graf Andrassy ergriff das Wort namens sämtlicher Fraktionen der Opposition. Er erklärte, daß die Beziehungen zu Serbien unhaltbar geworden seien. In dein Maße, als Serbien seine Erfolge und seine terri-» toriale Vergrößerung errungen habe, sei sein Haß gegen die Monarchie gewachsen. Andrassy behielt sich die Kritik der aus­wärtigen Politik vor, erklärte jedoch, daß in diesem Augen­blicke die Opposition trotz ihres prinzipiellen Gegensatzes zur Regierung ihre patriotische Pflicht voll und ganz erfülle. Er hoffe, daß das Beispiel sür jeden Ungarn maßgebend sei. Schließlich ersuchte Andrassy das Haus, sich zu vertagen. Nach einer Pause, die der Präsident anordnete, erklärte dieser, daß, falls die aus der Tagesordnung stehende Gesetzesvorlage heute erledigt würde, würde er keine neuen Gegenstände aus die Tagesordnung stellen, ' '

Ei» serbischer Miuistcrrat.

Belgr ad, 24. Juli. Heute vormittag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Paschitsch ein dringlich ein berufener Mini st errat statt, in dem über die durch die österreichisch-ungarische Note geschaffene Lage be­raten wurde.

Die Ausnahme der Note in Belgrad.

Belgrad, 24. Juli. (Wiener Corr. Bureau). Der Text der östcrreichisch-uugarischcn Note gelangte abends durch Sonder- olusgabcn der Blätter zur allgemeinen Kenntnis. Wie verlautet, ist die autgclöste Skupscktina für den 26. Juli zu einer außer­ordentlichen Session cinberusen und die Neuwahlen aus unbe­stimmte Zeit vertagt worden.

Anweisung des österreichische» Gesandten.

W i e n, 24. Juli. Der K. K. Gesandte in Belgrad. Frei­herr v. Giesl, hat den Auftrag, falls die Königlich serbische Regierung bis Samstag, abends 6 llhr, pünktlich die vor­behaltlose Annahme der in der Note vom 23. d. Mts. ange­führten Forderungen nicht notifiziert haben sollte, mit dem Personal der Gesandtschaft Serbien zu verlassen.

Die Haltung Rußlands.

Petersburg, 24. Juli. (W. B.) Das amtliche Organ veröffentlicht folgendes Communiqus: Die Kaiserliche Re­gierung, lebhaft besorgt durch die überraschenden Ereignisse und durch das an Sevbien von der österreichisch-ungarischen Regierung gerichtete Ultimatum, verfolgt mit Aufmerksam­keit die Entwicklung des österreichisch-serbischen Konfliktes, in welchem Rußland nicht indifferent bleiben kann.

London, 24. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg: Der heutige Ministerrat dauerte vier Stunden. Man versichert, daß Rußland unverzüglich inter­venieren und von Oesterreich-Ungarn verlangen wird, die Frist des Ultimatums hinauszuschieben, um der europäischen Diplomatie Zeit zu geben, ihren Einfluß geltend zu machen.

Petersburg, 24.Juli. Der Besuch, den der Präsi­dent der französischen Republik soeben dem Kaiser von Ruß­land gemacht hat, hat den beiden befreundeten und verbün­deten Regierungen Gelegenheit gegeben, die vollkommene Gemeinsamkeit ihrer Ansichten über die verschiedenen Pro­bleme festzustellen, vor die die Sorge um den allgemeinen Frieden und für das europäische Gleichgewicht die Mächte, namentlich im Orient stellt.

Die Ansicht der deutschen Preste.

Köln, 24. Juli. DieKölnische Zeitung" schreibt: Die öster­reichische Note stellt eine Anllazcrede von einer Wucht und einem Ernst dar, wie man sie zwischen einem Staat und einem Staat der neuesten Geschichte noch nicht gehört hat. Die Befristung ver­stärkt den Zug unbedingter Entschlossenheit. Mit Erstaunen wird Europa aus den Einzelheiten der Note cntnehmsn, bis wohin die Fäden der Verschwörung gereicht haben, deren Ergebnis der Mord von Serajewo ist. Man sieht in einen Abgrund politischer Entar­tung und Unkultur, wenn man liest, wie das verbrecherische Treiben wahnwitziger Mörder unterstützt und gefördert wird. Dies gibt der Angelegenheit eine allgemein europäische Bedeutung. Angesichts des bedeutsamen Inhalts der Note wird es wohl niemand in Europa zweiselhast sein, daß es das JMcresse des Friedens erfordert, daß durch die Sprache der europäischen Presse in Belgrad der Eindruck vertieft werde, daß Serbien solchen gerechten Forderungen nach- geben müsse, um einen Konflikt zu vermeiden. Aus den Tatsachen der Note ergibt sich, daß politische Vernunft und die elementarste Gerechtigkeit eS gebieten, in die Auseinandersetzung nicht einzu- grcisen und einen möglichen Zusammenstoß örtlich begrenzt zu hal­ten. Für alle europäischen Zuschauer bei der Auseinandersetzung erfordert cs die Rücksicht auf den europäischen Frieden, demjenigen, der in dem Streit so schwer unrecht hatte, nicht den Rücken zu üärkcn, sondern ihn zum Entgegenkommen zu mahnen, damit der Streit Sache der österreichisch-serbischen Beziehungen bleibe. Vom europäischen Standpunkt ist es wünschenswert, daß, nachdem Ser­bien Genugtuung gegeben hat, die Beziehungen sich doch wieder normal und ersprießlich gestalten.

Berlin, 24. Juli. Von den Abendblättern sogt derLokal­anzeiger": Der Totaleinbruck der österreichisch-ungarischen Note läßt sich in die.Worte zusanrmcnfassen: scharf aber gerecht. Es wird vielleicht Leute geben, welche die Forderungen der Wiener Note als zu scharf ansehen: denen können nur die Tatsachen ent- gcgengehalten werben, die diesen Schritt der Donaumonarchie ansgezwungen haben. Wenn anders nicht der Glaube an den Fortbestand des monarchischen Gedankens in Eurova in Frage gestellt werden soll, muß auch dort ein Gesühl von Gerechtigkett irnd itaatlichcr wie monarchischer Solidarität bestehen, von wo nt Serbien auf Beistand gerechnet wird. Serbien wird die öster- rerckischeu Forderungen erfüllen, oder cs wich zugrunde gehen. Im .^Berliner Tageblatt" heißt es: Man wird die Forderungen, vre am btt österreichischen, Regierung art die Feststellungen über

die großserbische Agitation geknüpft werden, für burckxnrs begründet

Hallen müssen. War man endlich entschlossen, in das serbische Wespennest zu greisen, so mutzte es mit fester Hand geschehen. Wir glauben, datz eine Ausdehnung der serbisck>-östcrretck>i!chcn Differenzen, ein Ueberspriiigen de« Funkens aut die übrigen euro­päischen Mächte sehr tvohl vermieden werden kann. Die deutsche Regierung hat schon seit der akuten Zuspitzung des Konfliktes keinen Zweifel daran gelassen, datz sic durchaus hinter ihrem österreichischen Verbündeten steht, datz sie aber alles tim wird, was in ihren Kräften steht, um den Konftikt zu lokalisieren, DieKreuzzeitung" schreibt: Die Note entspricht in jedem Pirnkte den Rücksichten, die Oesterreich-Ungarn nach dem 'Attentat vom 28. Juni seinem Ansehen und seiner Würde als Großmacht schuldig ist. Seit dem Sturze der Obrcnowitsch und der erneuten Thronbesteigung eines Karageorgewitsch hat die serbische Polftik einen dauernden latenten Kriegszustand in den Beziehungen des Königreichs zur Donannronarchie lierbeigesührt durch den Umstand, daß Serbien bisher bei allen seinen Provokationen Oesterreichs auf Unterstützung Rußlands rechnen zu können glaubt; das macht cs Oesterreich gebieterisch zur Pflicht, dem unruhigen Nachbar im Süden endlich einmal mit vollem Ernste entgegenzuköten und ihn vor die Frage von Krieg oder Frieden zu stellen. Me Deutsche Tageszeitung" führt aus: Wir kürmen ernstlich nicht annehmen, daß irgend ein Staat aus irgend welchen Gründen Serbien den Nacken steifen oder der österreichischen Regierung Sänoierigkeiten machen werde. Wir glauben das am wenigsten von Rußland, trotz alles dessen, was in Rußland während der letzten Wockun laut geworden ist. Dos deutsche Reich kann nur den Wunsch hegen, daß Oesterreich die bekundete Entschiedenheit tveitcr bezeigen möge und daß cs mit allem Ernst und Nachdruck seina Forderungen aufrecht erholte. Es hegt den weiteren Wunsch, daß der Konftikt, wenn er unvermeidlich ist, sich auf die becheni beteiligten Staaten beschränke. Wenn die Beschräickung des Kvn- sliktes wider Erwarten nickst möglich sein sollte, würde das deutsche Reick, seine Bündnispfticht ohne Winkelzüge und mit aller Kraft

erfüllen. DieGermania" meint: Im ganzen zibillüertön Eu­ropa würden sowohl *üte 'österreichisch-ungarische Note wie die heu­tigen (Darlegungen desWiener Fremden! tatts" wie die Be­freiung von einem schweren Alp wirken. Mit kaum mehr zu bemeisternder Ungeduld habe man daS entscheidende Wort: ,Ais hierher und nicht weiter", erwartet. Jetzt sei es gesprochen und überall atme Man erleichtert aus, nicht nur in der Donaumonarchie,

Die Preste in Oesterreich und Italien.

Wien, 24. Juli. Die feste Entschlossenheit, welche die öster­reichische Regierung bei der gestrigen Demarche bekundet hat, ivird, wie aus den Abendblättern hervorgeht, hier und m der ganzen Monarchie mit größter Befriedigung und einmütiger Zu­stimmung ausgenommen. Die aus der Provinz einlausenden Mel­dungen stellen übereinstimmend fest, daß der gestrige Schritt allent­halben als eine Erlösung aus der geradezu lähmenden Stim­mung, welche sich seit des Serajewvcr Attentats der Bevölkerung bemächtigt hatte, wirkte.

Wien, 24. Juli. Me Blätter erklären übereinstim­mend, daß die an Serbien gerichtet« Note der Beginn einer Verteidigung, nicht des Angriffs sei, daß sie di« Willens^ feftigfeit der Monarchie zeige, aber nichts von Serbien ver­lange als das, was es längst aus eigenen Stücken Kur Wahrung seines Ansehens vor Europa hätte tun sollen. Me gesinnte Presse spricht die Hoffnung aus, daß Serbien durch die rasche Annahme der Forderungen Oesterreich-Ungarns jeden Verdacht der Gemeinschaft mit den Mördern abweisen und einsichtsvoll genug sein werde, nicht den Krieg, sondern den Frieden zu wählen.

Budapest, 25. Juli. Mr Pcster Lloyd schreibt: Ein Aus­weichen ist ausgeschlossen. Wenn die Frist verrinnt, müssen wir ein llares Ja hören: jede pudere Antwott würde als ein klares Nein aufgesaßt werden und die entsprechenden Folgen nach sich ziehen. Selbst die Möglichkeü weitgehender schwieriger Kom- plikattonen kann unsere Monarchie nicht dazu bestimmen, von der Verholtungslinie, die sic sich nun einmal vorgezeichnet hat, auch nur um Haaresbreite ahzuwcichen: mag unser Krieg 'in Serbien lokalisiert bleiben ober nicht, mag biesct Konflikt noch wciter- gehcndc Verwickelungen nach sich ziehen oder nicht, uniehlbar und unverzüglich wird die Monarchie das Schwert ziehen.

Rom, 25. Juni. Me Blätter sprechen die Erwartung aus, daß Serbien maßvoll und gerecht die Haltung der Mvrmrchic be­herzigen und dem ernsten Zwischenfall eine versöhnliche ftiedliche Wendung geben werde. DerPopvlo Romano" schreibt, die i Kulturwelt stehe auf der Seite Oestcrreich-Ungarns. Die Fvr- ! derungen der Wiener Kanzlei seien so billig und selbstverständlich, daß Serbien sich ihnen unmöglich entziehen könne.

Rom, 24. Juli. DasGtornale d'Jtalia" schreibt zur österreichisch-ungarischen Note: Dieser Schtttt hat den ganzen feierlichen Ernst, den die Forderungen haben müssen. 'Daß für morgen Antwort verlangt wird, kann nicht überraschen, denn die von Serbien verlangten Bcrpslichtungen sind zu natürlich, zu berechtigt, NM irgend eine Diskussion zuzulassen. Gerade daß eine solche Diskussion unmöglich ist, gibt die Hoffnung, daß der Konflikt morgen geregelt sein wird.Bfta" versichert, daß die diplomatischen Kreise überzeugt sind, daß der österreichisch- serbische Konftikt ans ftiedliche Weise erledigt werde,

Tie Auffassung in England.

London, 24. Juli. MePallmall Gazette" schreibt: Die i österreichisch-ungarische Note an Serbien zeichnet sich durch die Ver­bindung von Festigkeit mit Zurückhaltung aus. Es ist unleugbar, j daß Belgrad die Pflanzschule der Verschwörung gegen die Ruhe des I Nachbarstaates ist. Es ist die Pflicht der serbischen Regierung, sich nicht nur selbst von solchen Machenschaften sernzuhalten, sondern : ihnen auch den Schutz ihrer JuttSdiktton zu verweigern. Oesterreich j ist berechtigt, die ftrifte Erfüllung dieser Verpflichtungen zu sordern, ' »nd wir erwarten, daß die Amwott auf ihre Aufforderung auf Sei- ! ten der Regierenden Serbiens die ehrliche Bereftschaft zeigen wird, ! das Land von dieser Anftage zu reinigen.

London, 24. Juli.Westminster Gazette" schreibt über die Wiener Note: Wir wissen nicht, welches Matz von Wahrheit in den Anschuldigungen enthalten ist, aber sie sind bestimmt. Wenn sie erhärtet werden, handelt es sich nicht allein um die Frag« des Asylrechts. Die Beschuldigung ist. daß serbische Beamte direkt darin verwickelt siR>. Wir können nicht glauben, daß Serbien so schlecht ! beraten ist, die Anllagen nicht mit großer Achtung und Ernst zu . behandeln. Wir sagen keineswegs, daß die Anschuldigungen zuge- : geben werden müssen: das hängt von dem Beweismatcttal ab, j über das ein Utteil ab,zugeben wir nicht in der Lage sind. Wir 1 sagen nur, daß die serbische Antwott notwendig eine ernsthafte Er- j widcrung aus ttne Rtthc schwerer Anschuldigungen sein muß. Man j sprach viel von Rußlands Haltung in dieser Frage, aber wenn die in der Note enthaltenen Anschuldigungen substantiiert werden können, j glauben wir nicht, daß die russische Regierung einen sehr erheb- 1 lichen Einsprucki erheben dürste, daß Serbien genötigt sein wird, ' Ocsterrcicki-Ungarn eine Genugtuung zu geben.

Hu* StaSt «nv Land«

Gießen, 25. Juli 1944.

** T a g e s k a l c n dc r lür Samstag, den 26.,nd Sonntag, den SS. Juli: G e w e r be - A i, s st c l I u n g: Rote-Kre»z-Tag am Samstag. Sonntag: Konzert der Regtmentskapell« von 4 bis 7 Uhr nachmittags uiid 8II Uhr abends.

Freilichtbühne:Tie versunkene Glocke', Samstagabend « Ubr.

Ceylon-Aus st ellung in. Botanischen Garten. Sonntag geöffnet vormittags von 8IS Uhr und nachmittags von 27 Uhr.

Verein ehemaliger IlScr: Sonntag nachm. 3'/, Uhr auf der LiebigShöbe Sommettest.

Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

U i o n - T h ea I e r: Täglich Vorstellmig.

Tte Anlagemusik findet bei guiem Wetter am Sonntag vormillag um II Uhr mit solgendein Svielvlau statt: 4. Hoch niein Regiment I Marsch von W. Kommallein; 2. Oiivertüre zur komischen OperDichter und Bauer' von Ir. v. Suppö; 3. Sei