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Nr. <71

Drittes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieEtrtzener Zamlliendlätter" werden dem

.Anzeiger" »iermal wöchentlich beigelcgt, das Krtisbtoll sür den Ktcis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandsirtlchastllchen Seit- fragen" erscheinen monaltrch zweimal.

164. Jahrgang

euer Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

Kreitag, 24. Zull >W

RotLttonsdruck und Verlag der Brühl'fcheL UnwerfttLts - Buch- und Sterndruckereu R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« ftraße 7, Expedition und Verlag: s-^51. Redaktion:^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Der wettstny um die Erde.

Der Wettflng um die Erde aus Anlaß der Weltausstel­lung in San Francisco soll jetzt eine praktische Grundlage erhalten. Der Urheber des Plans, Arnold Krucknrann, ist jetzt ans seiner vorbereitenden Weltreise in London ein- getroffen. Sern Plan ist allerdrngs ehrgeizig, aber ange­sichts der heutigen Leistungen wohl durchführbar, Er ist an Schwierigkeiten mit dem Transatlantic-Flug nicht zu ver- gleichen, denn die längste Strecke llebersee, etwa 6<Xt M e i len zwischen Grönland und Irland, ist für Hun- der^von Flugzeugen zu durchmeffen. Es wird unter anderen auch speziell auf die letzten deutschenRekordleistun- gen im Dauer- und Höhenflug hingewiesen.

Der Flug soll am 15. Mai nächsten Jahres in San Francisco beginnen und über folgende Kontrovstationen mit obligatorischen Laichungen führen: Cheyenne, Chicago, New York oder Quebec, Bell« Isle, Cap Farewell aus Grön­land, Reikjawick aus Island, Faroer Inseln, Shetlands-In seln, London, Paris, Berlin, Petersburg, Moskau, Wladi wostock, >tobe, Tokio, Kurrl-Jnseln. Anadpe in Kamtschatka, Commander-Inseln, Alcuten, Sitka, Prince Rupert, Ban emwer, Seattle, San Francisco Wo irgend möglich, liegen lLontrollstationcn nickt niehr wie lllllll dlteile» auseinander, doch sind natürlich Iwislhcnlandungen nach Belieben ge stattet. Alle 7ll Meilen auf der ganzen Route werden Depois für Petroleum, Oel, Provisionen usw. errichtet. Bon San Francisco durch den amerikanischen Kontinent sind keine großen Schwierigkeiten. Es sind allerdings zwei groß« Ge­birgszüge zu überwinden, aber die Fahrt ist schon vor über zwei Fahren gemacht und Bahnen wie Telegraph überall vorhanden. In Quebec wird vielleicht eine große Zahl der Flieger ihre Apparate in Wasscrffngzeuge wandeln und den Loreuz hinunter nach Belle Isle gehen Hier sängt die wirkliche Schwierigkeit an, denn die Lab rad o r ste ist ungastlich und verlassen. Im Frühsommer säumt das Cis nochsdie Küste, aber dic Temperatur sinkt selten unter 5 Grad und die des Wassers ist noch höher. Line Kette von Tcvots ist jetzt schon errichtet und die Regierung will die 560 Meilen lauge Strecke bis Cap Farewelt durch Zerstörer und Torpedoboote Patrouillieren lassen. Dic jenseitige Küste ist üu Sommer gut bevölkert, hat mehrere drahtlose Stationen und Dampfer lausen zweimal in der Woche Tann tommt der längste Uebcrsce-Flug von 620 Meilen bis Reit jawff. Sie wird von dänischen Kriegsschiffen sorgfältig ab patrouilliert und jedes Flugzeug drahtlos weiter gemeldet werden. Sollte das benachrichtigte Schiff nach gebührender Zeit das Flugzeug nicht entdecken, so wird sofort ein Ab­suchen des betreffenden Bezirks begonnen werden

llcbrigens hat die Erfahrung durchweg gelehrt, daß im Sommer ein ständiger Wind von etwa 30 Merlen im ganzen dorttgen Distrikt aus Westen weht. Auch für die Secftrccke von Island nacki den F.ar ö r--In seln wird ein Pa» trouillendü'nst eingerichtet. Für dic nächste Etappe waren ursprünglich die Hebriden auserschen, aber auf dringen­den Rat Kruckmanns wurden wegen ihrer befferenLandungs- geleqenhcitcn und Verbindungen die Shetlands gewählt. Bis M os k a u ist dann die Route llar, von dort bis W l a d i- woftok folgt sic der sibirischen Bahn und der Kaiserliche Aerv-Mnb von Rußland hat bereits für Depots in kurzen ehrrischen räumen gesorgt. Erst nach Japan beginnen wieder die Schwierigkeiten und zwar die größten des ganzen Welt­slugs. Die nächste Kontrollstation liegt nämlich auf den wenig erforschten Kurilen. Aber nicht nur wird jedes Eiland ein Depot für Heizmaterial erhalten, sondern auch ein japanisches Detachement, das beobachten, Beistand leisten und kartographisch tätig sein soll. Kamtschatka ist wohl bevölkert und kommerziell entwickelt. Anaduc hat etwa 10 000 Einwohner. Die Commander-Inseln vor der sibirische» Küste werden entsprechend versehen. Die Alcuten vor Alaska hatten bereits vor zwei Jahren 15 Funkenslationen. Diese ganzen Regionen werden von amerikanischen Zollkultcrn abpatrouillicrt. Der letzte Teil des Fluges brauchst nur über von Land erngeschtossene Ge­wässer zu gehen. Als Preise sind 600000 Markin einer Friseo-Bank deponiert. Der erste Preisträger erhält 400000 Mark. Aber außerdem ist bereits eine Menge von Preisen gesttstct, dic zusammen über 800 000 Mark jetzt schon repräsentieren Der Flug muß in 121 Tag e n oder in vier Monaten vollendet sein. TaS macht bei einer Gesamt- streckc v o n 21 000 Meilcnetwa174MeilenproTag. Tie Flieger dürfen untcrivegs olle Reparaturen vornchnien, sogar neue Motoren einsetzen lassen. Wer will, kann auch seinen Apparat per Dampfer transportieren lassen, aber er mutz einen Teil des ettvaigen Preises nbqeben, wie auch für jeden Tag über drei Monate ein gewisser Abzug gemacht wird. -i Bisher haben sich vier amerikanische Flieger ge­meldet.

Die Technik der Bergbesteigung.

Die verschiedenen Nachrichten von Unglückssällcn in den Alven führen uns auch in diesem Sommer wieder die Schrecken deswei­ßen Todes" lebendig vor Augen und lassen die Frage entstehen, wie dieser wahrhaft furchtbaren Zunahme von Hochgebirgskata- strophen wirksam abzuhelicn ist. Darauf gibt die beste Antwort ein Auffap über Gefahren und Technik des Bergsteigens, der sich in den vor kurzem von Ernst Jenn» hcrausgcgcbencilHochgcbirgs- wandcrungen" des bekannten Napoleon-Forschers und ausgezeich­neten Hochtouristen AndrcasFischcr findet. Andreas Fischer, der durch sein vortreffliches Buch über Goethe und Napoleon sich in der Gclchrtenwclt einen hohen Rang erobert, genoß zugleich in den Kreisen der Alpinisten den Ruf eines Bergsteigers ersten Grades. Aus einer Familie hervorragender Bergführer stammend, hat er den Pater bei einem nächtlichen Abstieg vom Mont Blanc und den Bruder auf dem wilden Ostgrad des Dvchtau im Himalaja verloren. Trosdem lockte auch ihn, der als Oberlehrer in Baiet eine ausgebreitcte pädagogische und wissenschaftliche Tätigkeit ent- saltete, immer wieder der mächtigeRuf der Berge" zu kühnen Touren, dic er mit meisterhafter Geschicklichkeit und Kraft aus- führle, bis ihm schließlich im Juli 1912 bei einer ^Besteigung des Aletschhorn in einem furchtbaren Unwetter von Schnee und §is sein Schicksal ereilte und auch er dic ihm im Blute liegende Leidenschaft zu den ewigen Firnen mit dem Tode büßte.

Wenn auch der Hochtourist nie den Gefahren ganz wird ent­gehen können, in die die wankelmütigen Elemente ihn verstricken, wenn auch Fischer dasHeer der großen Toten", der abgestürzten besten Bergsteiger, in ahnungsvoller Dision alsZeugen der Ge­fahr nnb M-chnec zur Vorsicht" zun sich schweben jah, ko war

er doch der Ansicht, daß eine gute Ausbildung der Touriiien vor vlklcn Katastrophen bewahren würde. In den Jachen von 1850 bis 1885, also in den großen Zeitaltern der Bergbesteignngcn, da die Aloen erobert wurden, ereigneten sich im Hochgebirge zirka 50 Unfälle, dic zusammen 90 Menschenleben kosteten In den Jachen 19071909 sielen dem dochgebirgssport 80 Leben zum Ovier, mithin in drc, modernen Jahren fast so viel als in jenen 35 zusammen. Früchr aber wurde dafür auch eine gute Ausbildung, eine genaue Kenntnis der Technik des Bergsteigens jedem zur Pflicht gemacht, der iich an gefährliche Hochtouren wagen wollte. Bei den guten Führern ging man in die Lehre, und dic angehenden Alpinisten wurden regelmäßig zur Uebung in das Svaltengewirr des unteren Gornergletschers geschickt, wo sie an einem einzigen Nachmittag mehr Hindernisse zu überwinden halten, als auf einer ganzen Reich von Gipfel touren. die in gewöhnlicher Weife genomnien werden. Für ähnliche Ererzüien im Felsklcttern diente dos Raficlhorn, und erst »ach zahlreichen solchen Borübungcn durste sich der junge Hochtourist obessere Tinge" wegen, tri- ans Rimpjichhorn oder de» Monte Rosa: Lys- kam.n, Tcnt Blanche, Matterhorn blieben aber noch für spätere lIahre reserviert. jAuch war keiner, der sich nicht ganz sicher suhlte, so tollluhn, ohne Führer zu gehe» Nach de« sachkuudigent Autors Ansicht darf das nur chrienige wagen, derimstande ist, auf mittclichwrrrigen Touren das zu tun, was sonst der Verant­wortliche Führer tut" Diese Fädigkeit ist aber durchaich nicht leicht zu erreichen, Welch eine Knust ist allein das richtige Stufen- schlagen, das auch die besten Steigeisen nickst ersehen können. Tie Siusentrevpe muß in zwei Reihen nebeneinander, also mit Rücksicht mis rechten und linken Fuß für den Abstieg, geschlagen werden; dic Stufen dürfen nicht zu weit auseinander und vor allem nicht zu Nein sein. Fischer erzählt, wie er einmal einen berühmten Bergsteiger, den danials schon mehr als 70jährigen Cluistian Almer, beim S-tusenichiagcn beobachtete:Wie er nun, gleichsam wie ein Künstler seinen Marmorblock, den Kamm bc arbeitete, scheinbar ohne bedeutenden Kraftaufwand, und doch mit jedcnr Hieb wirksam und sicher treffend, und eine Treppe hcrstellte, in deren Stufen sich's so völlig bequem und sicher stebcn und gehen ließ das war das sauberste «tiitf Eisarbcit, das ich je gesehen." Früher gingen nur dic Führer allein: dic Amateure trauten iich dies wohlweislich nur in Ausnahmesällen tu. Selbst ein Meister, der viel allein ging, toie der Engländer Mummcrv. erllätte:Das Gefühl ter Verlassenheit ein Gefühl, das bei Einbruch von Nelst» nahezu schmerzhaft wird ist ge­eignet, eines Mannes Festigkeit und Geistesgegenwart zu er­schüttern; man braucht den Bergstcigerdurchschnitt mit sehr wenig zu leimen, um ichon überzeugt zu sein, daß von zehn ihrer neun dabei den Hals brechen würden." Für das Zusammengehen hielt Mummery arub mit Recht die Zahl von zwei Teilnehmern durch­aus nicht für so ungeeignet, wie sie gewöhnlich hingestcllt wird. Angenommen", sagte er,eine englische höhere Tochter will dem: Col du Geant überschreiten. Dari sic das nckt zwei Fülrrern toie Emile Rey voraus und Alexander Burgcner hinterdrein?"Eine ausgezeichnete Partie!"Well," zog er nun die verfküffendc 'Folgerung,denken wir mis die höhere Tochter aus der Mitte weg, dürfen die andern beiden ohne ihre Hilfe den C'ol du Geant überschreiten?" So stellt denn auch Fischer für die Teitnehmerzahl bei einer Tour am Seil die Formel aus:2 Tüchtige -ff X wobei X gleich sein kann jeder Zahl von 0 bis 3: mehr als Fünfe aber sollte man nicht an cinein Seile erblicken."

Wichtiger aber als die Technik des Anfeilcns, des Stusen- schlagens und all der arrbern so notwendigen .Künste bleibt dic richtige Beirrteslnng des Weges in Bezug auf Schwierigkeit und Geiahr, die Fähigkeit, das Borhandcnscin der Schründc recht­zeitig zu erkennen irrch das Terrain überhiuipt gut einzuschätzen Ein Kompaß leitet aus Rächt und Nebel unter Dach, schützt nrindcsteus vor ärgsten Irrfahrten auf weiten Schneescldern, Und in komplizierten ,Felsen, durch; die man tvieder herunter tvill, markiere man den Weg beim Aussteigcn, besonders dort, tvo man Gräte verläßt, uni seitwärts durch Wände oder Couloirs zu klet- tern. Kleine Steinmannli, Stteiscn roten Papiers als Weg­weiser angebracht, leisten unschätzbare Dienste, bewahren vor Zeit­verlust und bösen Mißgriffen und halten eine zuversichtliche Stim- ffrung auirecht. Und diese Stimmung bleibt ja doch Hauptbe- drngung stir den Genuß aus jedem Ausflug ins Hochgebirge.

verestisnachrichteil.

Der Verein chemal. 116er Kaiser Wilhelm Regiment Gießen feiert am Sonntag, den 26. Juti nachm auf der Liebigshöhe sein diesjähriges So mm er fest. Außer Geschenkverleilung an die Kinder der Mitglieder finden auch ver schiedene Prersspiele statt, zu denen dic Kinder nach gegebenem Signal um fünf Ilhr antretcn. Vorgesehen sind für dic Mädchen, IBallwersen und Eierlauf. für dic Buben Sackhüpsru uub Strumpl- wcttlauf. Für die Jugend sst ferner Pserd- und Eselreiten geplant, llm ein glattes Durchführen der Spiele zu ermöglichen, Imrd dringend gebeten, den Anordnungen der durch Schlcischen erkennt lichen Festordner- unbedingt Folge zu leisten. Preisschikßen und Tanz bieten für Alt und Jung genügend Abwechslung. Gemein­samer Cinmarsch in dic Stadt um IO 3 /, Uhr bis zum Ludwigsplatz mit Musik. Tgseibst Lluflösung, Nur durch Vcreinsabzcichen er kenntliche Mitglieder mit ihren Angehörigen haben Zutritt. Es empfiehlt sich, die Mitgliedskatte oder letzte Vierteliährqurttung bei sich zu führen. 1 i

<8ert<$tsfaaL

Büdingen, 23. Juli. Schöffengericht. Ter Molkereiqeknlse P. E. ans Elbing. *. Zt. in Birten b. Wesel wurde wegen Betrugs zum Nachteile des Gastwirts Karl Metz -in Büdingen zu 40 Mark oder 8 Tage Gefängnis verurteilt. Der Landwirt K. W. von Rohrbach wurde wegen Körperverletzung zu 10 Mk. oder 2 Tage Gefängnis verurteilt. Tie Gastwirte CH. Sch. und H. Kn., beide von Büdingen, hatten gegen amtsrichterliche Strafbesetzle rechtsgültig Einspruch eingelegt. Sie sollen angeblich an ans der Trinkerliste stehende Personen Getränke verabfolgt haben. Sch. wurde sreigeiprochen, während Kn. zu 10 Mk. event. zwei Tage Hast verurteilt wurde. Ter Landwirt P. P. von Rinderbügen hatte gegen einen aintsrichterlichen Strafbefehl wegen Uebertretnng des i)lrt. 112 des Polizeislrafgesetzes form- und frist­gerecht Elt,spr»lch eingelegt, aber ohne Erfolg, denn er wurde zu 1 Mk. event 1. Tag Ha't verurteilt. Ter Taglöhner I. R. von Hainchen wurde wegen Betrugs zu 20 Mk. oder 5 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Maurer H. G. von Büdingen wurde von der Anklage des Diebstahls freigesprochen. Der Taglöhner H- O. von Hanau a. M. erhielt wegen Bettelns eine Hattstraie von einer Woche. Ter Bauunternehmer H. B. von Gießen hatte gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl rechtsgültig Einspruch ein­gelegt ; er hatte die wegen Walzarbeiten polizeilich gesperrte Kreis­straße BüchesBüdingeil mit seinem Auto befahren- ^ Er erhielt eine Geldstrafe von 1 Mk. oder 1 Tag Haft. Tas Dienstmädchen W. H. von Düdelsheim erhielt wegen Diebstahls in zwei Fällen eine Gefamtgefänguisstrafe von 10 Tagen. Das Schöffengericht empnehlt sie zum'bedingten Strafansfchilb. Ter Karussellbesitzer I. Fr. Sch. von Büdingen, der gegen einen Strafbescheid des Großh. Finanzamts Grüiiberg wegen Zuwiderhandlung gegen das Wandergewerbesteuergesetz gerichtliche Entscheidung beantragt hatte, wurde sreigefprochen.

vermischte».

- Ein rabiater Bursche, Aus Magdeburg, 23, Juli, wirft gemeldet: Gestern früh erschoß in Oiterroddirrgen eiu gcwificr Kramer einen lungen Mann im Streite. Kramer wurfte einem Berhör unterzogen, darauf aber wieder ireigrlosscn. Erst abends wurde beschlossen, ihn in sicheren Govadrsam zu brfirgen. Als Krämer dies erfuhr, schloß er sich in ein Haus an uiH seucrte blindlings ani jeden, der in seine Nähe kam. Bis zuck Stunde hat er sechs Personen verletzt, zum Teil schwer, darunter, ein Kind, Kramer konnte bis heute vorurittag noch nicht ver­haftet werden,

- Wettersturz, Aus St Moritz, 23, Juli, wird ge­meldet : Nach einem schwülen Abend ist gcftcrn ein s ch w c r e r Wettersturz eingctreten. Im ganzen Engadin herrscht un­unterbrochen Tchnecsall,

Lingesauvt.

7>ür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arfikcl übernimmt dic Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung,)

Gießen, 21, Juli, Wie man vermmmt, sollen Ende dieses Monats die Blittcl tür den Umbau der alten Klinik zwecks Verlegung der städfischcn Aemter in dieselbe bmnlligt werden Man muß sich wirklich wun­dern, daß, nachdem sich säst */s der gesamten Bürgerschaft gegen dieses Projekt ausgesprochen hat, immer wieder eine Anzahl Herren des Stadtvorstandes daraus hinarbeitet, dic Verlegung vor den Neuwahlen der Stadtuerordneten noch rasch unter Dacht >,nd Fach bringen. Vielleicht befürchtet man, daß ein spätere« vollzähliges «todlvarlament dem genannten Umbau des jetzigen Ausstellnngs- gcbäudes, dessen Gänge und Räume infolge des Fehlens fast sämt­licher Türen augenblicklich annehmbar belichtet sind, weniger gnieigt sein dürste, woraus sich auch die eilige Betreibung des Projektes erklären läßt. Da nun auch nockt einzelne Mitglieder unseres kaum bcichlutzsähigen RumptparlamentS verreist sind, souisgen die noch anwesenden wenigen Vcttreter der Bnrgcrschast die ganze Verant­wortung für einen in unserer Kommunalpolifik namentlich angesichts der nicht gerade rosigen Finanzlage unserer Stadt lo wichtigen Beschluß zu tragen haben. Mit Recht muß man daher vor llebcrcilungcn, wie solche früher des vstcrcn vorkamcn z, B, Aktienbraucrei und »cberlandzemroie - warnen, umsomehr da die Erfadrui^ lehrt, daß bei solchen Proieffen, um die Sache schmackhafter zu machen, der Boranstölag niedrig gehalten wird, so daß Nachsorderungcn, die dann schkiesiich Irwhl oder Übel auch bewilligt Ivcrden müssen, unausbleiblich sind.

Sollte die Verwertung der alten ,'llinik nur der einzige Grund für dic Verlegung der Aemter sein, so müßte jeder einsichtige Kommunalpolitiker seine Zustimmung verweigern: denn abgesehen davon, daß sich weder Gebäude noch Platz an dem geräuschvollen Rangicrbahuhos zu einem Rathauschau cigneu, nräre man ge­zwungen, für einen rentablen Ausbau der leer werdende» jetzigen Bürgermeisterei und sonstiger städnjchen Gebäude zu sorgi-n, toas dann wiederum ganz erhebliche Kosten für dic Stadt bedeuten dürste. Unter allen Umständen sollte man daher die alle Klinik selbst bei einem evtl, Neinen Berlnstc veräußern. Dieses geringe Opsrr kann die Stadt »mso eher bringen, als sie vor Jahren schon durch Univcrfitäts- und Kliniksbauten von seiten des Staates sür d,c Uebcrnahme der alten Klinik entschädigt worden ist, Bor allen Dingen müßten wieder Verhandlungen mit der Erscnbahndirekfivn bei bescheidener Forderung eingcleitct werden, die dann vielleicht zum Ziele führen. Sollten diese Verhandlungen resultatlos ver­lausen, so kann durch Vermieten der Räume siehe: Aktien­brauerei und Margarctenhütte einst,vellcn eine annehmbare, Verzinsung erzielt werden. Nimmt man hei einem evtl. Verkaufe den Erlös und schlägt den vorgesehenen Betrag sür den geplanten Umbau der Klinik hinzu, so iväre bereits der größere Teil der Kosten für einen Ratbausneubau verfügbar. Als Bauplatz lncrfilr kann nur das ca, 3000 Quadratmeter große Gelände der jetzigen Bürgermeisterei in Frage kommen. Ans diese Weise käme das Gicßener Rathaus in den Mittelpunlt der Stadt, wohin es mit seinem regni, immer wachsenden Verkehr im Interesse der gesamten Bürgerschaft gchött.

Diesem Vorschläge werden auch selbst dic wenigen Bürger, die bezüglich des Standottes des Rathauses bisher gleichgültig gesinnt waren, angesichts der gegebenen Verhältnisse zustimmen können, um so eher, als hierbei keinProvisorium", lein Flickwcrk ^alte Klinik), sondern ein Neubau, nach Bedürfnis und zweckentsprechend^ mit kaum erheblicheren städtischen Mitteln geschaffen werden kann. Die jetzigen Herren Stadtverordneten mögen sich somit der Verantwortung bewußt sein, den Kredit zum Üinbau nicht bewil­ligen und die cndgülfige Lösung der Rathaussr^e einer vollzählig zusammengesetzten Vertretung der Gießencr Bürgerschaft über­lassen, X,

Märkte. -« v» «

ko Franssnrt a.M. Viehboi Marktbericht vom 23. Juli. Aultrieb: Rinder III, Ochsen 32, Bullen 0, Kühe und Färsen 7S,

Kälber 740, Sckake 48, Schweine 1081.

Tendenz: Kälber rege, Schafe ruhig, wird geräumt, Schiveine gedrückt, bleibt Ueberstand. Preis slir 100 PId.

Lebend- Schlacht­gewicht

Kälber, Mk. Mk,

Feinste Maklkälber .......... 80 - 64 100-107

Mittler» Mast. >md beste Saugkälber. . . . 50-55 85-93

Geringere Mast- und gute SaugkÄber . . . 45-43

Schale, ktallmastschake:

Mastlämmer «rd jüngere Masthammel , . . 40-41 Schmer n:.

Vvllssesschlg« Schweine von80 100 kt

Lebendgewicht........44.0117.0)

vollsteischigs Schweins unter 30 b»

Lebendgewicht........ 44,0046.00 67.0059.»

Vollfletfchige Schweine von 100120 k?

Lebendgewicht ........ 44,0017,0)

Vollsteischigs Schweins von 1201501;

Lebendgewicht ........ 42.0044.00

76 -83

86 - 88

58.09- 60.»

55.00-57»

52,0955.00

Efwas Besseres für die Zahnpflege ' piebt es nicht !