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Ter Sleheaer Anzeiger
erscheint täglich, außer Sanntags, - Beilagen: viermal wöchentlich •iejjenerSamtlieoMiitltr, jivctinal ivödienil.KreiS: Man für »eaLreisSletzen (Dieustag »nd Freitag); zweiuial nionatl, l«»d- wirffihasNlche Zeitfragen Feruiprech - A»lchli>ye: lür die Redaktion 112, Verlag 11. Expedition öl Adresse lür Teoelchen: Anzeiger »ießea. Annahme von Anzeigen hit die Tages» unnner bis vormittags S Uhr.
Erstes Blatt
Wk. Zahrgang
Zreitag. 24 . Zuli 19*4
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Notationrdnuk mi» Verlag der vrihl'schen Unio.-Yoch. mb Steiadruckerei H. Lange. Reiaftion, Erptdrlion und Vrv-kerei: Schvlstrahe 7. A^igmtttü'
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monatlichTbVl., vierteljährlich Mt. 2.20: durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post Mt. 2.— viertel« jc' hrl. ausschl. Bestellq» Zeilenvrei-s: lokal 15 Ps^ auswärts 20 Pfennig C-hefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", »Vermischtes" und.Gerrchts- saal": Karl Neurath; für »Stadt und Land":
Die heutige Nummer umfatzl 12 Seiten.
Oesterreichs Ulttmatum.
Oesterreich fjat mit kühler Entschiedenheit, die keinen Zweifel an seinem ernsten Entsclchns-, aufiommen laßt, Serbien vor die Alternntive gestellt, indem es gestern feine Note überreichen liest. Ter Stein ist im Rollen, und des Ans- ganges kein Ubsehen. Tie Forderungen Oesterreichs sind so sein politischer Natur, und greifen so tief in die Hoheits- rechte Serbiens ein, dast sich die serbische Regierung ihnen wohl kaum unterwerfen kann. Die Entscheidung steht vor der Türe, >
Belgrad, 23. Juli. Der österreichisch-ungarische Gesandte überreichte heule abend 6 Uhr der serbischen Regierung eine Verbalnote mit den Forderungen der österreichisch- ungarischen Regierung. In der Note wird die Antwort bis Samstag, den 25 . Juli, 6 Uhr abends, verlangt.
Dir Note.
Wien, 23. Juli. Der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad hat heute nachmittag der königlich serbischen Regierung nachfolgende Note überreicht:
Am 31. März 1909 hat der königlich serbische Gesandte am Wiener Dos im Austrage seiner Regierung der K. K. Regierung folgende Erklärirng abgegeben: Serbien erkennt an, dass es durch die in Bosnien geschaffenen Tatsachen in seinen Rechten nicht berührt wurde und dass es sich demgemäss den Entschließungen anpassen Ivirtt, welche die Mächte inbezug auf den Artikel 25 des Berliner Vertrages treffen werden. Indem Serbien den Ratschlägen der Großmächte Folge leistet, oervslichtet es sich, die Haltung des Protestes und Widerstandes, die es hinsichtlich der Annexion seit dem vergangenen Oktober eingenommen hat, aufzugeben und vervslichtet sich ferner, die Richtung seiner gegen wärtigen Politik gegenüber Oesterreich-Ungarn zu ändern und künstighin mit diesem Lande auf dem Fusse sreundnachbarlicher Beziehungen zu lebe».
Die Geschichte der letzten Jahre und insbesondere die schmerzliche» Ereignisse des 28. Juni haben das Vorhandensein einer subversiven Bewegung in Serbien erwiesen, deren Ziel es ist, von der österreichisch-ungarischen Monarchie gewisse Teile ihres Gebietes loszutrennen. Diese Bewegung, die unter den Augen der serbischen Regierung entstand, hat in der Folge jenseits des Gebietes des Königreiches durch Akte des Terrorismus, durch eine Reihe von Attentaten und durch Morde Ausdruck gesunden. Weit entkernt, die in der Erklärung vom 31. März 1909 enthaltenen Verpflichtungen zu erfüllen, hat die königlich serbische Regierung nichts getan, um diese Bewegung zu unterdrücken. Sie duldete das verbrecherische Treiben der verschiedenen gegen die Monarchie gelichteten Vereine und Vereinigungen, die zügellose Sprache der Presse, die Verherrlichung von Urhebern von Attentaten, die Teilnahme von Offizieren und Beamten an den subversiven Umtrieben. Sie duldete eine ungesunde Propaganda im öffentlichen Unterricht und duldete schliesslich alle Manifestationen, tvelche die serbische Bevölkerung zum Hass gegen die Monarchie und zur Verachtung ihrer Einrichtungen verleiten konnten. Diese Tu!» düng, der sich die königlich serbische Regierung schuldig machte, hat noch in jenem Moment angedauert, in dem die Ereignisse des 28. Juni der ganzen Welt die grauenhaften Folgen solcher Duldung zeigten.
Es erhellt aus den Aussagen und Geständnissen der verbrecherischen Urheber des Attentats vom 28. Juni, dast der Mord von Serajewo in Belgrad aus geheckt wurde, dass die Mörder die Waffen und Bomben, mit denen sie ausgestattet waren, von serbischen Offizieren und Beamten erhielten, die der „Narodna Obrana" angehören und dass schliesslich die Beförderung der Verbrecher nach Bosnien von leitenden serbischen Grenz
organen veranstaltet und durckzgeführt wurde. Die angeführten Ergebnisse der Untersuchung gestatten es der K. K. Regierung nicht, noch länger die Haltung zuwartender Langmut zu beobachten, die sie den jahrelanWm Treibereien gegenüber eingenommen Hot, die ihren Mittelpunkt in Belgrad haben und von da ant bas Gebiet der Monarchie übertragen ,verden. Diese Ergebnisse legen her St. K. Regierung vielmehr die Pflicht aus, diesen Umtrieben ein Ende zu bereiten, die eine ständige Bedrohung für die Ruhe der Monarckne bilden. Um diesen Zweck zu erreichen, sieht sich die K. K. Regierung gezwungen, von der serbischen Regierung eine osffzielle Versicherung zu verlangen, dass sie die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda verurteilt, d. h. die Gesamtheit der Bestrebungen, deren Endziel es ist, von der Monarchie Gebiete abzulösen, die ihr angehören und dass diese sick, verpsticknet. diese verbrecherische und terroristische Propaganda mü allen Mitteln zu unterdrücken. Um diesen Ver- pstichtuugen einen feierlichen Charakter zu geben, wird die königlich- serbische Regierung aus der ersten Seite ihres offiziellen Organs vom 13. Juli nachfolgende Erklärung veröffentlichen:
„Die königlich serbische Regierung verurteilt die gegen Oester- xetch-Ungarn gerick>tete Propaganda, d, h. die (Gesamtheit ,ener Bestrebungen, deren Ziel es ist, von der österreichischen Monarchie Gebiete loszutrennen, die ihr angehören und sie bedauert aufrichtig» die grauenhaften Folgen dieser verbrecherischen Handlungen. Die königlich serbische Regierung bedauert, dass serbische Offiziere und Beamte an der vorgenannten Propaganda teilgcnvnrmen und damit die sreuntmochbarlichen Beziehungen gefährdet haben, die zu pflegen sich die Königliche Regierung durch ihre Erklärung vom 31. März 1909 feierlich verpflichtet hat. Die königliche Regierung, die jeden Gedanken oder jeden Versuch einer Einmischung in die Geschicke der Bewohner welchen Teiles Oesterreich-Ungarns auch immer-missbilligt und zurüclwefft, erackstct es für ihre Pfficht, die Offiziere und Beamten und die gesamte Bevölkerung des Königreichs ganz anÄncüikllch aufmerksam zu machen, dass sie künftig mit äußerster Strenge gegen jene Personen Vorgehen wird, die sich derartiger Handlungen schuldig machen sollten. Handlungen, denen vorzubeugen und sie zu unterdrücken, sie alle Anstrengungen machen wird,"
Diese Erklärung wird gleichzeittg zur Kenntnis der König- lichrn Armee durch einen Tagesbefehl Sr. Majestät des Königs gebracht und in dem offiziellen Organ der Armee veröffentlicht werden.
Die königlich serbische Regierung vervstichtet sich überdies: 1. jede Publikation zu unterdrücken, die zum Hasse und zur Verachtung der Monarchie ausreizt und deren allgemeine Tendenz gegen die territoriale Integrität des Landes gerichtet ist, 2 . sofort mit der Auflösung des Vereins „Narodna Obrana" vorzugehen, dessen gesamte Propagandamittel zu konfiszieren und in derselben Weise gegen die anderen Vereine und Bereinigungen in Serbien! einzuschreiten, die sich mü der Propaganda gegen Oesterreickz- Ungarn beschästtgen. Die königliche Regierung wird die nötigen Maßregeln treffen, danüi die ausgelösten Vereine nicht etwa ihre Tätigkeit unter anderem Namen oder in anderer Form sortsessen, 3, ohne Verzug aus dem öffentlichen Unterricht in Serbien sowohl was den Lehrkörper als auch die Lehrmittel betrifft, alles zu beseitigen, was dazu dient oder dienen könnte, die Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn zu nähren, -t. aus dem Militärdienst und der Verwaltung im allgemeinen alle Offiziere und Beamte zu entfernen, die der Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn schuldig sind und deren Namen unter Mitteilung des gegen sie vorliegenden Materials der königlichen Regierung bekannt zu geben, sich die K. K. Regierung vorbehält, 5. einzuwlltigen, dass in Serbien Organe der K. K, Regierung bei der Unterdrückung der gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichteten subversiven Bewegungen Mitwirken, 6. eine gerichtliche Untersuchung gegen jene Teilnehmer des Komplottes vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf serbischem Terrüorium befinden. — Bon der K. K. Regierung hierzu delegierte Orguie werden an diesbezüglichen Erhebungen teilnehmen, 7. mit aller Beschleunigung die Verhaftung des Majors Voja Tankovic und eines gewissen Müan Ciganovic, serbischen
Staatsbeamten vvizunebmen, welche durch hie Ergebnisse der Untersuchung kompromittiert sind, 8. durch wirksame Massnahmen die Teilnahme der serbischen Behörden an dem Einschmnggeln von Wassen und Exvlosivkörvern über die Grenze zu verhindern und jene Organe des Grenzdienstes von Scha'-ats und Lozncea, die de» Uehebern des Verbrechens von Scraietw beim Uebertritt über die Grenze behilstich waren, ans dem Dienste zu entlassen und strenge zu bestrafen, 9. der K. K. Regierung Ausklärung zu gehen über die nicht zu rechtsertigenden Aeusserunqen hoher serbischer Funktionäre in Serbien und im Auslande, die ihrer offiziellen, Stellung ungeachtet, nicht gezögert haben, sich nach dem Affen-« tat vom 28, Juni in Interviews gegen Oesterreich-Ungarn auszu- sprechen, 10. die K. SV. Regierung von der Durchsühn,ng der in den vorigen Punkten zusammengefassten Massnahmen zu verständigen.
Die K. K. Regierung erwartet die Antwort der königlichen! Regierung
spätestens bis Samshag, den 25. d. Mts., um 6 Uhr nachm.
Eine umfassende Zusammenstellung der Ergebnisse der Untersuchung von Serajewo, soweit sie sich aus die in Punkt 7 und 8 genannten Funktionäre bezieht, ist dieser Note bei-- zuschließen, Sie lautet:
Die bei dem Gericht in Serajewo gegen Gabrielo Princip und Geiwssen wegen des am 28. Juni d. I. begangenen Meuchelmordes bezw. wegen Mitschuld hieran anhängige Strasunterluchung hat bisher zu folgenden Fesfftell ungen geführt:
I. Ter Plan, den Erzherzog Franz Frrdinand während seines AusenthalteS in Serajewo zu ermorden, wurde in Belgrad von Gabriele Princip, Ndeljko, Cabrinovie, einem gewissen Milaneigano- vie und Trifko Grabez unter Beihilfe des Majors Voja Tankovic ausgeheckt. 2. die sechs Bomben nick» vier Bcowningpiitolen, deren sich die Verbrecher als Werkzeug bedienten, wurden dem Princip, Gabrinovic und Grabez in Belgrad von einem geivissen Milan Ciganovic und dem Major Voja Tankovic verschafft und übergeben, 3. die Boniben sind Handgranaten, die aus den, Wäffendepot der serbischen. Armee in Kragujewatz entstammen, -t. um das Gelingen des Attentats zu sichern, unterwies Milan Ciganovic Princip und Gabrinovic und Grabez in der Handhabung der Granaten und gab in einen, Walde neben dem Schietzselde von Topschider dem Princip und Grabez Unterricht im Schießen mit Brvwningpistolen. 5 . um dem Princip, Gabrinovic und Grabez den Uebergang über die bos- nisch-herzegvwinische Grenze und das Einschmnggeln ihrer Waffen zu ermöglichen, wlrrde ein ganz geheimes Transvvrtshstem durch Ciganovic organisiert. Der Eintritt der Verbrecher samt ihren Waisen nach Bosnien und der Herzegowina wurde von de» Grenzhaupt- leuten von Schabass (Rade Popovie) und Lezniea sowie von den Zollorqanen Rudivoj Grbic von Loznica mit Beihilfe mehrerer anderer Personen durchgeführt.
Kundgebungen im ungarischen Abgeordnetenhause,
Budapest, 23.Juli. In der gestern bis Mitternacht dauernden Sitzung des Abgeordnetenhauses erklärte: Graf Julius Andrasjy, daß- er gemäss dem Wunsche des Ministerpräsidenten darauf verzichte, seine Interpellation zu stellen. Er wolle nicht so fehr Aufklärungen, als endlich Taten sehen. Die Erörterung der auswärtigen Lage würde übrigens weniger Schaden angerichtet haben, als die durch die Feindseligkeit der Parteien geschaffene parlamentarische Lage, tuelche die Interessen des Landes aus das tiefste schädige. Graf Tisza erklärte, daß man in der gegenwärtigen Lage, die er keinestvegs als tragisch ausmaleu wolle, die aber ernst sei, eine Erschioerung der parlamentarischen Lage vermeiden müsse. Er sei überzeugt, daß es im Falle des Ernstes keinen Ungarn ohne Unterschied der Partei gebe, der nicht bereit sei, alles für das Wohl des Vaterlandes zu tun. (Lebhafter Beifall.) Der Oppositionelle Rakowszkh zog
Ricarda Huchs veutuna des menschlichen Gesicht?.
„Ta alles Aeussere die Erscheinung eines Inneren ist, so versteh« sich von selbst, dass das Aeussere des Menschen sein Inneres oüsdrückt." So leitet Ricarda Huch, die grosse Dichterin, deren 50. Geburtstag jesst allenthalben gefeiert worden ist, Betro.ck»- tungni ein, in denen sie im Rahmen eines neuen, soeben von ihr veröffentlichten kultuiphilosophischen Werkes die Erscheinung des Menschen ausdeutet.
„Natur und Geist als die WurzÄn des Lebens und der Kunst" heisst diese bei Ernst Reinhard in München erschienene Arbeit, in der die Dichterin eine Erklärung der Welt und der Weltgeschichte aus dem männlichen und weiblichen Prinziv des Lebens^ versucht und trotz einer lveitgehenden romanttschen Symbolik und Schematik so manch hellseherischen Blick in die Rätsel des Daseins tut. Wie sie in ihrer Schilderung des Helden zugleich ein persönliches künstlerisches Bekenntnis ablegt, so wird man auch in ihrer Ausdeutung des menschlichen Gesichts, die hinter der sichtbaren Gestalt Seele und Geist ahnt, die Dichterin nicht verkennen dürfen. So sagt sie vom Munde: „Der Rknird ist nicht mir das essende, sondern auch das sprechende, singende und küssende Glied: er bezeichnet den Punkt, wo das Unbewusste bewusst wird. Insofern sieht man am Munde hauptsächlich, wie der Mensch als sich kleussertwer beschaffen, ob er verschwenderisch oder geizig, offen oder verschlossen ist. Ter volle Mund gehört der Natur an und drückt ihre Fülle und Berfckevendung aus; der schöne weibliche Mund, nickt voll, nickt schmal, edles Mass: der Mund des innerlichen, geistigen Menschen ist dünnlipvig, manchmal verkniffen, und bedeutet Geiz und nfferwilliges Sichäussern: denn der Geist spart, die Natur verschwendet." In dem Kinn sieht Rieardr Huch die Grundlage des Gesichts. „Ein Gesicht ohne Kinn, d. h. mit sehr verkümmertem Kinn, deutet auf das Fehlen der iwrmalen Basis und auf eine wackelige Existenz." Doch muss über das Kinn die Stirn herrschen. „Die Stirn ist die Sonne im Anttitz, das Strahlende, das zuerst ins Auge satten soll: nicht vom sitze der elementaren Kraft, sondern vom Thron des Geistes ans soll der Mensch herrschen Die verhältnismässig niedrige Stirn ilt für das Gesicht des modernen Menschen charakteristisch und nähert es häuffg dem Derbrechertvpus: denn die enge, niedrige Stirn bezeichnet, mit brutalem Untergesicht verbunden, den Verbrecher. Es ist das Weib im Menschen, das sich in Stirn und Auge osten- hart: eine hohe und breite Stirn ist das erste Erfordernis weiblicher Schönheit. Man sieht de> Stirn an. dass sie Geist birgt, nichts männlichen, entwickelnden lsseist, sondern den innerlichen, positiven, der in zutreffenden Einiällen, ans unerschöpflichem Füllhorn verschwendeten Wundern überraschend zutage tritt." „In den Augen liegt dos Erleunen und Anichauen, und zwar sind schmale, längliche Augen mehr ins Innere, grosse, runde mehr miss Aeussere gerichtet: jene wirken geistiger, diese sinnlicher." Eine hvh: Bedeutung für die psychologische Ergründung des Ant
litzes spricht die Dichterin der Nase zu. Die Verschmelzung von Stirn und Nase bei den Griechen der Antike erscheint ihr als ein Anzeichen dafür, daß die beiden Prinzipien des Männlichen und des Weiblichen hier Iwch nicht scharf von einander geschieden sind. „Die Nase, die im Antlitz den Mann repräsentiert, gibt dem Ge- sicht seinen Charakter, wie es ja auch die Persönlichkeit ist, die für die entscheidende Wirkung des Menschen den Ausschlag gibt. Nirgends zeigt sich die Symbolik des menschlichen Aeiissern schlagender, als in der wesentlichen Veränderung des anttken Gefülltes durch das Borsprrngen der Nase: es macht die Losreissuirg des Geistes von der Natur, das Selbstbewnsstwerden sinnfällig. Durch das Vorspringen der Nase hat das Antlitz an chvischer Schönheit verloren, die persönliche Schönheit und unendliche Mannigfaltigkeit ist dadurch erst geschaffen , , . Weite Nüsteim drücken Genuss- sähigkeit aus: man sieht die Seele, die das Leben verschlingen möchte: sie werden sich gewöhnlich mit vollen Lippen zusammen finden. Ein Gesicht mit schöner Nase kann nicht hässlich, ein Gesicht mit hässlicher Nase kann nicht schön sein," Auch die Farbe des Haares wird deni Schema eines positiven und negativen Prinzivs g!ntergeordnet. „Schwarzes Haar ist positiv, das Haar des primitiven, unbewusstm Menschen, braunes Haar neutral, blondes Haar negativ (die blonde Bestie), Rotes Haar, die Fenersarbe, bedeutet die äußerste Negativ», es ist das Haar der Loreleien und Zauberer, destruktiver, ran erregender, nicht gebender Menschen."
— !150 unveröffentlichte W erke von Rossini. Aus eine interessante Taffache lenkt der Guido Muiieal die Aufmerksamkeit, indem er die Frage nach dem Schicksal der bisher unveröffentlichten Komposiffonen Rossinis autwirit. Es gibt nicht weniger als 150 Werke des Meisters, die bisher der Oeffent- lichkeit ambekannt geblieben sein. Als der Schöpfer des „Barbier von Sevilla" im Jahre >862 die Augen schloss, wurde die Frage, was mit seinen hinterlassenen Koinpoiiffonen geschehen solle, vertagt: die Witwe Roffinis hatte zwar die Absicht, dae Werke sofort zu veräußern, aber sie stellte derarffg hohe Ansprüclse, täass kein Verleger sich imstande sah, die Kompoiitionen zu erwerben. Erst im Jahre 1873 erschien ein Käufer. Allem er veröffentlichte dam: mir vier Stücke von den 154 unbekannten Kompositionen des Nachlasses: alle Rellamaffonen der Witwe Rossinis blieben erfolglos. Dabei sind die hinterlassenen Arberte» für das Wesen und das Temperament des Meisters höchst bezeichnend, sie zeigen, dass Roffinis unerschöpfliche Phantasie auch die Ijereeeu und ironischen Intermezzi liebte. Schon die Titel der Kompositionen lassen das spüren. Sie spiegeln den von Rossini beliebten Wechsel der Stilarten, bei dem auch m'osikalisckie Ironie und Satire mitzuklingen scheinen, llütt" den Walzern finden wir beispielsweise einen „Boudoir-Walzer", einen „Antttanz-Walzer", einen Trauerwalzer, einen „Volle toriurse", einen „hinkenden Walzer", während uns unter den „Präludien" Titel begegnen
wie Präludium des ancieit legime". „Pr-ilndium meiner Zeit", „Anspruck>svolles Präludium", „Hygienisches Präludium", ferner ein ländliches, ein krampshastes, ein ungefährliches Mid ein Zu- kunfispräludium. Ter ganze Landschriftenschatz gliedert die 154 Kompositionen in 16 Albums, darunter vier AlbnmS mit zusammen 74 Gesangstücken, ein „Album der Nichtigkeiten" für Klavier, eine Hvmne an Napoleon III., eine Fanfare „Tie Krone Italiens", einen Band mit zwölf Klavierkompositionen sür „iugendliche Kinder", einen gleichen 'Band für „ausgeweckte Kinder",,vier „horS- d'oeuvre" lRadieschen, Anchovis, Gurken, Butler), sodann die „vier Bettler" (Feigen, Nüsse, Mandeln, Rosinen) und noch eine grosse Reihe von Klavierstücken,
— Die Aufdeckung eines merowingipchen Friedhofes. Eine sehr interessante archäologische Entdeckung ist, wie der Bericht der archäologischen Gesellscl>ast der Ehrn» -igne mitteilt, in dem französischen Ort Bannes gelungen. In einiger Entserrnmg von den berühmten Sümpfen von Saint-Gond, >vo man seiner Zeit Psahlbaulen fand, ist ein alter Friedhol jreigelegt norden, dessen Gräber in die Skreidefelsen eingehauen waren. Man hat in den 260 Gräbern, die auSgegraben wurden, Tongesäße, Waffen und Münzen der Merowingerzeit gesunden. In einem der Gräber stieß man auf die Reste eines Häuptlings, dem sein Schwert in einer hölzernen mit Bronze beschlagenen Scheide mitgegeben war: ausserdem lagen an seiner jeüe zivei grosse Messer, eine schönverzierte Bronzeschnalle, Stoffstücke und silberne Sporen. Besonders zahlreich waren die Plünzen. die geborgen wurden, und unter ihnen befanden sich römische Geldstücke der veffchie>n- sten Art. DaS Nichtvorhandensein von Schmuck lässt daraus schließen, daß die Bewohner der Gegend außerordentlich arm waren, denn man weiß von anderen Funden her, mit wieviel Schmuck und kostbaren Steinen die alten Gallier sonst ihre Toten ver- sahen, Airdere Ausgrabungen der archäologischen Gesellichast der Champagne führten zur Aufdeckung des Hügels von La '.Uiotfe* Heriton. der sich auf dem Wege von Biffly-le-RevoS nach Freine findet. Dieser Hügel, der aus Kreide- und Sandsteinblöcken ausgerichtet ist, hat einen Durchmesser von etwa zwanzig Meter und eine Höhe von 2,50 Meter. Zahlreiche menschliche Gebeine ivurden am Kusse des Hügels gesunden, ebenso zahkreichc Basen und Bronze- aegenNände. Der Hügel ist wahrscheinlich für einen religiösen Zleeck erbaut worden: ec diente in der römischen Zeit als Wegweiser und tvar vielleicht ein Denkmal, das die Römer dem Gott der Wege an einer ihrer Chausseen errichteten,
— Neue Funde antiker Kunstwerke. Aus Ky- rene, 23. Juli wird gemeldet: Bei den Ausgrabungen an dem Apollotempet wurden neue Künsttverke aufgeffinden, dairinter eine Statue der Artemis als Jägerin, ein Apollo mit der Leier, eine Mänade, ein don Bogen spannender Eros, Marniorkövse t>:r Aphrodite. der Athene, des Bacchus und des Hermes, schliesslich eme Goldplatte mit der vorzüglichen archaischen Darstellung eines Kampfes,


