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Nr. 169 Zweiter Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

164- Jahrgang

TieSießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger, viermal wöchentlich de,gelegt, daS llreirbiatt für den «reis Sieben" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Zeit-

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Vberhejfen

MiMoch. 22. Mi M4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universttäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld straße 7. Expedition und Verlag: e=£e*51. Redaktion:^K112. Tel.-Adr.: AnzergerGießen.

Die lllfterlonfcrenz.

L on d o n, 21. Juli. Bei der Eröffnung der Ulsterkonfe renz sagte der König: Meine Intervention kann als ein neues Verfahren betrachtet werden, aber die außergewöhn­lichen Umstande rechtfertigen meine Handlungsweise. Seit Monaten nehmen die Ereignisse in Irland sicherlich und be,iandig die Richtung auf einen Appell an die Gewalt an.

Leute ist der RufBürgerkrieg" arif allen Lippen. Es ist undenkbar, daß wir ail den Rrard des Bruderkrieges ge­bracht iverden sollten, nach den Ergebnissen, die offenbar so geeignet zu einer friedlichenBeilegung sind, ivenn sie im Geiste des Entgegenkommens behandelt werden. Ihre Ver­antwortlichkeit ist in der Tat groß, die «feit ist kurz, aber wie ich weiß, ist der Wille vorhanden, 'sie möglichst vor tcrlhafk zu verwenden und geduldig, ernstbast und persön­lich in sein im Hiiiblick ans die Größe der aus dem Spiele stehenden Interessen. Ich bete zu Gott, daß er Eure Be- ratungen so lenke, daß sie zu einer.friedlichen, ehrenvollen Berlcgung führen.

L on d o n, 21. Juli. Mehr als ION liberale Mitglieder des Unterhauses traten heute nachmittag zusammen, um über die Lage zu beraten. Sic richteten das Ersuchen an die Re gierung, leine Zugeständnisse zu machen, die für die Ratio »allsten nicht annehmbar seien und nicht darin cinzuwilligen, daß das Unterhaus aufgelöst werde, ehe der Gesetzentwurf bctr. die Abschaffung der Pluralivahlstimmcn Annahme fand.

Zlrbcitrrbewcgrrng.

Petersburg, 21,Juli. Rach amtlichen Fcststellnn gen ist die Zahl der Streikenden gestern aus HO OOO gestiegen. Sic trugen rote Flaggen und sangen revolutionäre Lieder, störten den Straßenbahnverkehr, bewarfen die Polizei mit Steinen und verletzten drei Polizciosfiziere, fünf Rcvierauf- scher und 11 Schutzleute. In einigen Fällen mußte die Poli­zei Revolvcrschüsjc abseuern, um die Menge zu zerstreuen, jedoch wurde niemand verletzt. 45 Arbeiter wurden vcrhaf tet. Abends gab cs ini Wiborger Stadtteil Ausschreitungen 2000 Arbeiter stürzten Pferdebahnwagen um. Tie cinschrci- lendc Polizei wurde von der Menge und aus' den Fenstern der Häuser mit Steinen beworfen, auch wurden Schüsse ab- gesencrt. Tic Polizei schoß aus die Demonstranten und auf die osfcncn Fenster. Ob jemand verwundet worden ist, ist noch nicht scstgestetlt. Drei Polizisten wurden verletzt.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 21. Juli.

Oberbürgermeister Keller eröffnet die Sitzung um > »6 Uhr. Zu Urtundspersonen werden die Stadtv. Habenicht und P l a n k bestellt. Tarauf macht der Vorsitzende folgende Mitteilungen.

Einladungen an die Sladtverordnetenversammlung imd er­gangen zur Hauptversammlung des Glcibergvereins und zum Juzendsest. Eine Eingabe voni P. H. C.. Zweigverein Gießen, beir. Errichtung einer Jugendherberge roirb dem vorberatcnden Ausschuß überwiesen: ebenso eine Eingabe des Vereins der städti­schen Beamten bctr. Einführung der ungeteilten Arbeitszeit.

Eine Eingabe der städtischen Beamten, der Volksschullehrcr, Lehrerinnen und Handarbeitslehrerinnen ersucht, daß die Be- soldungsvorlage noch vor Beginn der anr 1. August be­ginnenden Ferien erledigt werde, was bei einer sorgfältigen «Behandlung des Sloiics nach Arrjicht des Vorsitzende» unmöglich ist. Stadtv. Jann bittet, den Beschluß bald herbeizusühren, damit der Gegensatz zwischen den akadennsch gebildeten und Bolks- schtlllehrern nicht noch vergrößert wird.

Das Elektrizitätswerk der Provinz.

Der kürzlich zwischen der Provinz Oberhessen und der Rheinischen S ch u ck e r I - G c s c l l s ch a s I in Mannheim ab- geichloilcne Vertrag, krait dessen eine Belriebsgrmcinicbast zwi­schen der Provinz und der Gesellschaft begründet wurde und große Gebietsteile der Provinz durch diese Gesellschast mit elektrischer Energie versorgt werden sollen, bat in unserer Stadt Beunruhi­gungen bervorgernscn und den städtischen Porschlagsausichnß und die städtische Bennebsdepudation veranlaßt, als einmütiges Ergeb­nis gemcinsanicr Beratungen der Stadivcrordncicn Versammlung folgende Entschließung zur Annahme zu emvschlcn:

Die Provinz Oberbcssen hat kürzlich mit der Rheinischen Schnckert-Gesellschajl in Mannheim einen Vertrag abgeschlossen, der eine BetricbSgcmeinschait zwischen den Vertragsteilen begründet und der Rheinischen Schuckert-Gescllschajt das Recht gewährt, groß» Teile der Provinz Oberheffen mit elektrischer Energie zu versehen. Der Oberbürgermeister der sriadl Gießen hat »on diesem die In­teressen der städtischen Ucberlandanlage stark berührenden Vertrag lediglich in seiner Eigenschair als Mitglied des Provinzialans- schutses Kenntnis erlangt. Da der Vertrag ..aus Gründen gefchäit- licher Ratur als streng vertrauliw zu behandeln" war und auch die bezüglichen Verhandlungen des Provinzialtages geheime gewesen sind, ist es nicht möglich, die Bestimmungen dieses Vertrags der Stadtverordnctcn-Vcrsammlung bekannt zu geben, so sehr dies aus! zwei Gründen erwünscht wäre: erstens aus dem allgemeinen Grunde, weil die Versorgung großer Selbstverwaltungskörper mit Licht und Kraft keine rein geschäitliche, iondern eine gemeinnützige und kul­turelle und darum die Allgemeinheit in hohem Maße interessierende Angelegenheit ist: und zn>eitenS aus dem besonderen Grunde, weil der Vertrag bedenkliche Wirkungen zcstigen wird aus die Ucbcr- landanlage der Stadt Gießen.

Durch Abschluß des Vertrags mit einer Privatgesellschaft hat die Provinz weder im Einklang gehaiwclt den Abiichten beider Kammern der Landständc, noch mit denjenigen der Großhcrzoglichcn Staatsregicrnng-

Jn der Sitzung am 5. Dezember 1943 hat die Z w c it e Ka m- me r der L a n d st ä n d e mit allen Stimmen der Großhcrzog- lichen Regierung folgende Entschließung zur Berücksichtigung übcr- Wieseir:

,Lnr Vermeidung von Trustbildungen und sonstigen wirtschaft­lichen Mißstände» und Schädigungen bei Versorgung der Gemein­den mit Elektrizität, hält die Z,peile Kammer die Errichtung von Zweckvcrbänden unter Ausschluß der Bctelligung privater Unter- nedmer für die zweckmäßigste Form solcher Unternehmungen und richtet daber an Großherzogliche Regierung das Ersuchen, in allen cintrctenden Fällen auf die Bildung von Zwcckvcrbändcn hinzu­wirken und die Gemeinden dabei mit Rat und Tat zu unterstützen."

Die Erste Kammer der Stände hat in ihrer Sitzung am 30. Sinti 1914 der Regierung folgende Entschließung zur Be­rücksichtigung überwiesen:

,Zur Versorgung der Gemeinden insbesondere mit Elektrizität ist den Gemeinden zu empfehlen, sich zu Provinzialverbändeu oder Zweckoerbänden unter Führung einer größeren, durch den Besitz entsprechender Werke hierzu beionders befähigten Stadt ^isammeiG zuschlicßeu oder sich einer bestehenden st ä d t i scheu Ueberland- zentrale anzuschließen. R i chi zu empfehlen ist der Zusammen- -sthlilß von ländlichen Grinden siieirt ohne Führung eurer grö-!

ßcren Stadt zu solchen Zweckvcrbänden, ebensowenig der Zusam­menschluß von ländlichen Gemeinden und einer Privatgesellschaft oder der Abschluß von Lieserungsverträgen von ländlichenGe­meinden mit einer Privatgcicllscizatt"."

F i n a » z m i n i st c r Tr. Braun hat nach den, in der amt­lichen Tarmstädlcr Zeitung veröiientlichicn Bericht über die Sitzung der Zweiten Kammer am 8. Juli 1914 sich über den Vertrag folgendermaßen geäußert:

Ich bin der Ueberzeugung, daß die Verständigung mit der Provinz mit iimerer Notwendigkeit kommen m»ß. Richtig ist, daß der^Abschtuß des Vertrags zwilchen Provinz und den Rhei- nüchcn eochuckert-Werkcn die Verbandlungcn nicht unwesentlich er schwert hat. Ich teste die Ansicht des Abgeordneten Henrich, daß der Betrieb nichtzsaui die Rheinische Schuckert-Gcsellschait über­gehen fall, weil ich auch maine, daß die Leidtragenden dabei viel­leicht Staat und Provinz gemeinsam sein würden."

Es kann hinzugesügt werden, daß auch die Stadt Gießen viel­leicht Leidtragende sein wird.

Ter Provinz ist bekannt, daß die Stadt Gießen iür ihre Ueber- landanlage, die sich bereits auf 43 Gemeinden des Kreises Gießen, 1 Gemeinde des Kreises Alsield und 2 preußische Gemeinden er streckt, ein weiteres Absatzgebiet erstrebt, ja nach dem derzeitigen Ausbau ihres Werkes suchen muß. Nur unter nicht unerheblichen Schwierigkcftcn vermochte die Tl<ü>l Gießen dieses Veriorgungs- gcbiet zu erhallen und durch den nunmehr erfolgten Abschluß de-Ä Vertrags zwischen der Provinz und einer Privatgesellschaft ist der städtischen Uebcrlandanlage die notwendige weitere Ausgestaltung zur Unmöglichkeit geworden. Im Jahre 1912 war wie ein amtlicher Bericht des Oberbürgermeisters an die Großherzogliche Provinzialdirektton ergibt zwischen der Provinzialdirektion und der Stadt Gießen die Verabredung getrosten, daß die Stadt Gießen die Versorgung auch des Kreises Alsseld westlich der Linie Kirtorf- Groß-Felda übernehmen solle. Später hat die Provinz dieses der Stadt überwiesene Vcrsorgungsgebiet derart beschränkt, daß sie die Ortschaften mit größeren industriellen Anlagen und mit einem er­heblichen Tagesverbrauch sür sich beanspruchte, so daß die Stadl zu der Erklärung gezwungen war, daß die Versorgung des ver­bleibenden Teiles als nicht mehr wirtichaiilich der Stadl unmög­lich fei. Wie cs dm Anschein hat, ist durch den Vertrag der Pre- vinz nutzer Rheinischen Schnckerl-Gescllichast die Versorgung die­ses der Stadt Gießen ursprünglich zugcsprochenen Gebietes ein­schließlich des wirtschaftlich besseren Teiles der Rdcinischcn Schuk- kert-Gesellschait überlassen worden. Tic beabsichtigte Versorgung des vor den Toren der Stadt liegenden Braunstcinbergwerks durch das Elektrizitätswerk der Stadt Gießen begegnet bis jetzt erheb­lichen Schwierigkeiten seitens der Provinz.

Tie stadt Gießen muß bedauern, daß die Provinz Obcrhcssen den Allschluß eines Vertrages mit einer Privatgesellschait voll zogen hat, ohne zuvor eine Anfrage an die Stadt zu richten, cklr sie ihrerseits bereit sei, einen weiteren Teil der Provinz in» An'- schtuß an ihre kommunale Ucberlandanlage mit elektrischer Energie zu versorgen. Tie Stadl hat als Eigentümerin eines größeren städtischen und eines Uebcrlandwerkes das größte Interesse daran, an den Verhandlungen über Versorgung der Provinz mit Licht und Krait beteiligt zu werden. Tank dem Eintreten des Landtags abgeordneten Justizrates Grünewalo in der Sitzung der Zweiten Kammer und der darauihin erklärten Bereitwilligkeit Großhcrzog licher StaatSrcgieruna darf die Stadt Gießen nunmehr die Hofs nung hegen, bei weiteren Verhandlungen zugezogcn zu werden, die ergeben werden, ob und in welcher Weise eine Gesellschaft^ bildung zwischen Staat, Provinz und Stadt oder eine Gemein schait zwischen Staat und Stadt in Ansehung der Stromlieferung aus dem staatlichen Werk in Wölfersheim und dem städtische» Werk sich ermöglichen läßt. z

Es wird beantragt, die Stadkocrordneten-Versammlung möge an Großherzogliches Ministerium des Innern die Bitte richten, vor Genehmigung des zwischen der Provinz und der Rheinischen Schuckerl-Gcsellschaft in Mannheim abgeschlossenen Vertrags die Stadt Gießen an Verhandlungen zu beteiligen über eine Gcsell- schastsbildung zwischen Staat, Provinz und Stadt oder Herbei­führung einer Genieinschait zwischen Staat und Stadt in An­sehung der Ttrowlieierung aus dem staatlichen Werk in WölserS- hcim und dem städtischen Werk in Gießen.

Stadtv. S o m m e r stellt den Antrag, daß die Ent­schließung auch den beiden Kammern der Landständc und aus Antrag des Stadtv. Krumm auch den Mitgliedern des Pro vinziallandtagcS zugehen solle. Da cS sich nicht um eine spezifisch Gießener Angelegenheit handele, so meint Stadtv. Sommer weiter, solle man den Abdruck auch den Gemeinden übersenden.

Beigeordneter E NI m e l i u s führt aus, die Provinz hätte un­bedingt bei der Stadt ansragen solleni, ob sie die Lieferung über­nehmen wolle, umsomehr als sich die Stadt auf die Versorgung des Kreises AlSseld eingerichtet habe und die Stadt durch das Vorgehen der Provinz direkt geschädigt nwrden sei.

Stadto. Krumm weist darauf hin, daß der Berater der Provinz jetzt von der Privatgesellschait engagiert worden sei und in dieser Eigenschaft nunmehr den Vertrag mit der Provinz abge­schlossen habe. Solchen ®fi»beutunr)cit dürfe sich die Provinz nicht aussetzcn. Er weist ferner hin aut die Kritik, die der Land- tagsabgeordncte K o r c! l im vorigen Jahre im Landtag gerade an der Rheinischen Schuckert-Gesellschait geübt habe.

Stadtv. Löb er äußert sich auch zustimmcnd zu der Ent­schließung.

Stadtv. Habenicht bemerkt, daß die Stadt die guten Ort­schaften Großen-Lindcn, Grünberg und Lich von der Provinz nicht bekommen habe, daß die Provinz den besten Teil des Kreises Alsfeld der Stadt anfänglich zugesagt, diese Zusage jedoch später widerruscn habe. Das Elektrizitätswerk Gießen sei in der Lage, noch clektrischc^Encrgie abzugcbetz, es sei daher nur recht und billig, daß die üatavt ein weiteres Bersorgungsgebiel erhalle.

-stadtv. Ebel hebt hervor, daß der Llbschluß des Vertrages eine schwere Gefahr iür die Stadt Gießen bedeute und geeignet sei, die Provinzialhanvtstadt zu schädigen. Stadtv. aomiJtt regt an, die Stadt müsse sich entschieden wehren.

Der Antrag mit den Znsatzanträgcn Sommer und Krumm wird einstimmig a n g e n o m m c n.

Stiftung von 50 000 Mk. fi'ir den Saalbru.

Darauf machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß Geh. Kommerzienrat Heichelheim am 17. Januar 1912 aus An­laß seines vollendeten 70. Lebensjahres der Stadt Gießen 50000 Mark als Grundstock zur Errichtung eines SaalbaneS geschenkt habe unter der Bedingung, daß mit der Ausführung des Saal- baues spätestens am l. Julr 1944 begomicn werde. Ta diese Frist überschritten werden mußte, hat der Speicher die Bedingung fallen lassen. Die Spende wird mit dem Ausdrucke des Dankes angenommen.

Beigeordneter Grüncwald ist dafür, die Erbauung eines Soalbanes nicht mehr lange hinauszuschieben. Die Gewcrbcans- stclluim, die jetzt fast einJahrmarll" geworden sei. habe be­wiesen, daß ein Bedürfnis für den «aatban vorliege. Daraul kam er auf die Freilichtbühne zu sprechen und erklärte, die Kritik imGießener Anzeiger" über die Aufführung desPfarrers von Kirchseld" sei zu scharf, jalsch und geeignet, die Frellicht- bühne zu diSkreditteren.

Wie verkehrt und eim'eittg der Standpunkt des Beigeordneten Grünewald zu der Kritik rst, wurde ihm nachdrücklich vom Stadtv. Sch<risstädt vorgehalten und ebenfalls, wie auch vom! Stadtv. P.o tri, die Bezeichmung der Goverbeausstellung mitJahrmarll"

energisch zurückgcwicsen, da es sich um künstlerisch ausgeiührre Konzene handele, die dem Publikum eine notwendige Unterhaltung

böten.

Es folgt sodann die Beratung einiges .

Biugesuche.

Tie Emiricdigung des Grundstückes des Michael Kreiling. Rodle,mer Straße 2, wrd genehmgtii. Ebenio unter Widerruf die Einmedigung de? Grundstückes des Karl Noll an der (üoctbestraßk. 'Auch ntit dem Baugesllch des Georg Euler für Hammstraßc 1, der einen Schuppen errichien will, erklärt iich die Beriemmlung einverstanden. Zum Anschluß doc Abortanlagc des MaichinendauicS des Elektrizitätswerkes an den städtischen Kanal wird die Genehmigung der Kosten erte.lt. Zum Anschluß des W a s s e r w c r k c s der Gcincinde G ö b e l a r o d an die llcbcrland-, anlagc wird ein Kredit von 6250 Blark humüigt.

Verschiedenes.

Ter Ortstafel! wird gemäß g 149 der R. V.O festge­setzt, er beträgt sür männliche Arbeiter über 21 Jahren 3.40 Mk., von 1624 Jahren 2,80 Mk., unter 16 Jahren 1,80 Mk: für weibliche Perionen über 21 Jahren 2,40 Mk., von 1621 Jahren 1,90 Mk. und unter 16 Jahren 1,40 Mk,

Tic sricheren Beiiitzer für das Ka u s m a n n s ger r ch t? Kommerzienrat Adolf 9! oll. Trogist August Noll, Franz H o l t e r h o s s und Moritz Straß werden iviedergewählt.

Als Vorsitzender sür das Gewerbe- imd Kaus- m a n n g e r r ch t wird der bisherige Vorsitzende, Oberbürger­meister Keller, wiederum ans drei Jahre gewählt, während zu stellvertretenden Vorsitzenden OKrichtsasiesjor Tr, Seid und Dcl- gcordnetcr Krenzien gewählt werden,

Tas Gesuch des J-oh. G c r I i rfi c r um Erlaubnis zum Schank- wirtichaitsbetricbe im Hause Aliccstraße 20 wird gerrehmigt.

Schluß der Sitzmrg 7 llhr.

Giehener Zugendwe^r.

Sonntag, den IS. Juli, iand ei» KriegSspiel zwischen der Jugendivehr (Ließen einerseits und den Jugendioehren Wetzlar und Klein-Allenslädten andererlcitS statt, Tie Leitung hatte Herr Major Stephan. Mit Rücksicht daraus, daß gerade vor 44 Jahren die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen criolgte, war der Uebung eine illusgabe ans dem Erenzschiitz zu Olrnnde gelegt:Die Landes arenze zivischen Preußen und Hessen bildet die (Lrenzc zivtschen Blau <Wesl) und Rot (Ost). Beiderseits ist die Aiobilniachnng besohlen; erster Mobilmachnngstag war der 18, 7, Tie Grenze ivird vor­läufig nur durch Kavallerie bewacht. Die Kriegserklärung ist noch nicht crlolgt, doch stündlich zu erivarlcn. Eine Abteilung der Juaendivehr Wetzlar und Kleiu-iAlleuilädten erhält den Beschl, das (Lelände von Nlünchholzhanseu einschließlich bis Torlar ausschließ­lich durch Posten und Patrouille» z» beobachten und eine Störung des in Wetzlar am IS, 7. abznhaltenden Plerdeaushebungsgeschältes durch ieindliche Truppen des Standortes Gieße» lJugeiidwehr Gießen) zu verhindern,^ Um h,7 Uhr trat die Jugendwehr Gießen au der ehemaligen katholischen Kirche an und empfing die Kon- iervcn und die nötigen Aluminiumkcsiel zum Abkochen, Auch mit den anderen zinn Abkochen erforderlichen Ausrüstungsstücken waren die Jungens versehe», so daß wir an Ort und Stelle keine fremde Hille in Anspruch zu nehine» brauchten. Die Uebung selbst nahm eine» äußerst interessanten Verlauf. Eineni Primaner der Gießener Jugendwehr gelang es, mit einer Abteilung von über 40 Jungens sich unbemerkt an die seindliche Stellung aiiznschleichen. Es war erlrenlich, zu sehen, ivle gewandt sich die Jungens im Ge­lände bewegten, inte sie lautlos, aus den Wink ihres Führers nchkend, sich durch den mehrere Kilometer langen, meist mit dichtem Unterholz durchsetzten Wald zwischen Tntenlioke» und Wetzlar durch- arbciteten. Es sei übrigens bemerkt, daß bei sämtlichen Abieilwigen allere Herren zugegen waren, die die Jungens im Auge hatten und daraus achteten, daß sie sich in dem sremde» Gelände nicht verlieien. Nach einer Besprechung zogen die vereinten Jugend­wehren mit klingendem Spiet in die Unteroifizierschuke Wetzlar, die unter sachgemäßer Führung besichtigt wurde. Alsdann wurde aus srciem Felde adgekocht, Sllich hier war es eine Freude zu sehen, wie sich die Jungens ganz allein schmackhaite Linsensuppe mit Fleisch zurecht machten und mit große», Appetit verzehrten. Mit dem 4-Uhr-Zuge traf man wieder i» Gießen ein.

In nächster Zeit findet eine Uebung mit Biwakieren zulamme,, mit der Jugendwehr Wetzlar und Weilburg statt. Es wäre sehr zu wünschen, wenn an diesen Veranstaltungen eine noch größere Zahl von Jungens teilnelimcu.

Unzählige Besucher der Nord- und Ostsee werden in diesem Jahre den Weg zum Badeorte oder die Rückfahrt über Altona- Hamburg nehmen, um der Gartenbau-Ausstellung in Altona an der bekannten Elb-Chaussee einen Besuch abzustottcn, und sic wer­den diesen Abstecher wahrlich nicht zu bereuen haben. Eine ent­zückendere Loge, ein günstigeres Gelände ließe sich für eine Aus­stellung fraglicher Art kaum finden. Unter rauschenden, alten Bäu­men schweift der Blick über malerische Terrassen mit üppigen, iar- bcnfreudigcn Beeten und blühendem Buschwerk zum breiten Elb­strom hinunter, auf dessen Rücken die flinke,I Keinen Tampsör, die wcißbeschwingtcn Segler und die brummenden Ozcanriesen vor- beigleitcn, Unmittelbar neben dem Rosengarten, gleichsam um­wogt vom süßen Älustmecr der unzähligen Rosenbiüten, erhebt sich, halb im Grün versteckt, ein reizendes Tempclchen, ein Heiligtum der Göttin Flora, das all die zarten flüchtigen Blumcnseelen ver­einigt in sich birgt, die die Sinne der Menschen entzücken. Pro­saischer gesagt: ein Pavillon der bekannten Parfümerie Dralle, Altona-Damburg. Ein Blick in die eleganten und wundervoll de­korierten Schauschränke zeigt dem Besucher eine Fülle von köst­lichen Blumcndust-Erzeugnisscn in mannigfacher Ausstattung. In erster Linie ist die weltbekannteIllusion im Leuchtturm" zu nen­nen, jene alkoholfreien Blütentropsen, die das Natürlichste dar­stellen, das bisher in der Parsümerie hcrvorgcbracht wurde. Ta- ,Idiot sei auch noch daS nützlicheBirkcn-Haarwasseck« erwähnt, das ja aus den bekannten Dralleschen 'Annoncen bekannt ist. Kurz: der PavillonDralle" ist eine Sehenswürdigkeit der Ausstellung und seine Besichttgung sollte kein Besucher versäumen. ss 23 /,

Universität Frankfurt a. M.

Das Verzeichnis der Vorlesungen für das Winter­semester 1914/15 ist erschienen und wird auf Ver­langen vom Sekretariat (Jordanstr. 17) unentgeltlich zugesandt.

In der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. wird die vor­malige Handelshochschule (Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften) weitergeführt. 8612ss

Eine reizende Neubeit, welche die Kinder spielend Geschicklich­keit erlangen lätzt und gleichzeitig Anregung verschafft, erhält auf Wunsch jeder Leser dieser Zeilen kostenfrei von NenleS-Kindermehl- Gesellschast, Berlin W. 57. Es ist dies eine Ausschneidepuvve mit drei verschiedenen, allerliebsten Gewändern, womit die Kruder sehr gerne und lange fvielen. Aus Wunsch wird auch eine Probedose des berühmten §lmdermehls umsonst beigefügi. 850ss