Nr. 168
Der Sleffener Anzeiger
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Erster Blatt
164- Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Dienstag. 2 \. Juli M4
Offiziere alz Aritiker.
Die bedauerliche Fälle von Solttatenmißhandlung" Prozessen, die wir leider in der letzten Zeit erlebten, hat einen „altardienten Frontossizicr" veranlaß,, im Anschluß an den fchlgejchlagcncn Luremburg-Prozeß in einem rheinischen Zentrumsblatt Vorschläge zu machen, wie der »amps gegen die zahlreichen Mißhandlungen in der Armee zu rühren sei. Es müsse mit der leider bei vielen Vorgesetzten noch immer gangbaren Meinung: „Ein FagdhieK schadet nichts; zu Hanse werden die Leute auch nicht mit S«mt- handschuhrn angefaßt", gründlich auigcräumt werden Ter alte Ossizier bczwriselt vor allem, ob der Kriegsminister durch die Anstrengung des Luxemburg Prozesses gerade besonders gesclncki die Interessen der Armee vertreten >>at und wendet sich scharf eingehend gegen das Nachexerzieren, gegen die Strafbücher und gegen die jetzige, ganz unzulängliche Art des Beschwerderechts. Der Versasser rechnet damit, daß er nrit seiner Meinung aus manchen Widerspruch stoßen nätd, ebenso mit der, daß jeder Vorgesetzte, der Untergebene mißl-andelt, aus der Armee heraus muß.
Gleichzeitig erscheint nun eine Broschüre, die der che malige Kompognicchef im 07. Infanterieregiment in Soar- burg, der Hauptmann a. T. V o in m e r herausgegeben hat, unter dem Titel „Zwanzig Jahre als Infanterieossizier in den Reichslanden" richtet der Lssizier schwere Anklagen gegen Ofsizierkorps und Heeresverwaltung Er kritisiert vor allem die nicht einwandfreie Lebensführung eines großen Teils der Offiziere, besonders in den Grenzgebieten. ,;ur seine Behauptungen inuß ihm natürlich die Verani- wortrrng überlassen bleiben, doch wirkt der sachliche und ruhige Ton der Ä'ritif Überzeugend und ausrichtig. Als einen Krebsschaden bezeichnet Pommer die Strasvcrsetzung von Offizieren an die Grenzen, Er meint, diese Strafversetzungen müßten für das Osfiziertorps der Grenzregimenter moralisch nicderdriickend wirken und die Strafversetzten, deren Lebenswandel schon in den „vornehmen" Garnisonen unliebsames Aussehen erregte, trieben cs in den Grenzgar, risoncn nackt wller. Er behauptet, „daß gerade die- lerrigen Ossiziere, deren Standesdünkel am ausfälligsten ist, sich bei den Liebesmählern zu einem Vandalismus hin- reiße.n lasse, der jeder Beschreibung spotte." Er konstatiert im Anschluß an das Abschiedsessen des Osfiziertorps einer Kavalleritchivision im Lager von Elsenborn, bei dem -der hohe Adel und sogar ein.Prinz vcrrreten war, die bedauerliche Tatsache, „baß der Firniß der Zivilisafion auf diesen Herrenmenschen nur ganz dünn aufgetragen ist". Besonders scharf kritisiert Pommer das Verhalten der Lfsi- zzere beim Pserdehondel und beim Spiel, Er erhebt gegen die Heeresverwaltung den Vorwurj der ungleichmäßigen Behandlung je nach dem, ob sie adlig oder bürgerlich find. Im Reich-stap haben die verschiedenen KriegSministcr die gleichen Vorwürfe innncr mit einein Achselzucken abgestcit ten. Als Beispiel führt Pommer den Wechsel im Offizier korpS des lö. Ulanen-Rcgiments an, das von Straßburg nackt Saarburq versetzt wurde. In Straßdurg bestand das Osfiziertorps zum allergrößten Teil aus Adeligen, Freiherren und Grasen, sogar ein Fürstensohn war darunter. Mit der Verlegung nach Saarburg trat ein Wechsel ein und nach zwölf Jahren gab eS im Regiment nur noch bürgerliche Ossiziere.
Mit einem idealen Feuereifer bekämpst Herr Pommer in seinem Buche gogeu den Luxus im Ofsizierkorps und wendet sich gegen die hohen materiellen Forderungen, die an einen Offizier bei seiner Eheschließung gestellt werden.
Aus der Gftseite.
Eine amerikanische Plauderei.
0r. 6. Neuyork.im Juni. ,It looks least" pflegt man in Ncuvork zur Bezeichnung dessen zu sagen, was vo» der OAefte kommt oder dortbin gehör!. Am der Ostscite, besonders bi» zur lk. Straße, geht cs aber oft noch etwas mittelalterlich zu. Tenu hier machen die vielen russischen und südeurovüischen Einwanderer ihre „greenhorn-Zeit", ihre Karenzzeit, wenn man so sagen darf, durch. Und die engen, meist vierstöckigen Häuserreiben sind buchstäblich mit Mensche» vollgestopft. Und auf den Straßen stehen Tafclknrren in langen Reihen mit allen erdenklichen Sachen, Fraucnputz, unechten kckmiucklachen, gclrockneten Fiichcn, Bananen, Haaröl, alten Kleidern, alten sachnden und dergleichen mehr. Bis in die sinkende Rach, zwängen sich die dunklen Massen aneinander vorbei, haschen sich Kinder, stirten orientalische Schönheiten von oft ausgesucht seinem ttzesichtsschnitt, —
Wob! begegnet man hier der Armut, selten aber der Not und nie der Resignation. Sie scheinen alle zu wissen, daß Arbeit in den Berenngten Staaten zum Paradiese führt, aber sie scheinen sich auch darüber im klaren zu sei», baß die Mühsal des Erwerbes ihnen ihr Beites untergräbt, nnd gehe» voriichllg auf die Suche, bevor iie ihre» Haken irgendwo anicktlagen
Hier war es auch, wo ich unverfälschtem Judentum zum ersten Mole grgenübertrat. Bei einem Heine» Flickschneider, der sich m Firmenichildc imrürlich „Jmporting Taiior" »aimie und ganz nett beim Aufbügeln verdiente, worauf man am einer Galerie im bnueigrundc seiner -rochwitzbudc warten konnte. — Er war Riist'c, gehörte den gebildeten Ständen au, konnte aber weder englisch irockt deutsch schreiben, ivrach aber beides recht fließend. | Ich pflegte bei ihm twrzujvrechen, weil interessantes Iah reiches Volk bei ihm verkchne Große, hagere, alte Herren im betitln, kleine Ticke mit Makkabäerbart und ialttgcm Eblad, >md ncrvoic junge Braufckövsc, die noch nicht wußten, daß sie ihre, nnier dem Truck der volitischen Verhältnisse erblühten Ideale in den Dcreiiiigten Staaten nicht diskontieren konnten.
Israel Zangtirills „Meiling Pot" der Lxhmelztiegel, >oar taniols nocki nicht über die Bretter gegangen, worin so bezeichnend vechgewiestm wird, daß sich in der allen Welt einander jo scktroft bsgrnübcrstehendc Nationalitäten unter dem Sternenbanner oft bis »um Verschwinden der Rast'enmerkmale ausgleichen. —
Dich; bei dem Tchneiderladen dingen dre, große goldene Rugeln noc einem vielbesuchten Hause. Das Molkabäerwavpen "" drei Kirschen an einem Stengel — als Ausdruck der Fülle.
Tie Svtdatcnmißhandiunge» stellt er als eine vollzogene Tatsache hin und gib« zu ihrer Ahstellung ähnliche Anregun gen. wie der cingmigs erwähnte-Frontoffizier Viele seiner Borwürse ivcrden bei de» nächsten Militärdebatte» im Reichs Parlament sicher zur Sprache kommen und >r»enn wir auch davon überzeugt find, daß cs sich nur um bedauerliche Auswüchse handelt, so entsteht doch für unsere Heeres Verwaltung die 'Pflicht, den Behauptungen nachzugchen und da, wo sich Mängel und Schäden zeige», diese rückhaltlos und rücksichtslos auszumerzen. Daß die Behauptungen nicht aus der Luft gegriffen sind, zeigt eine große Reihe von Beispielen, die der Versasser — ohne Namen zu nennen ansührt, die aber für den Kenner der Verhältnisse durch sichtig genug sind Tie Kritil stammt nicht vo» einem Verärgerten, der Verfasser lieb ich beute seinen srühcrc» Beruf und saßt ihn hoch hehr >..is Man sieht das, wenn er sagt: politisch hak sich der Lssizier naturgemäß passiv zu verhalte», denn als Stütze des Thrones und der Bersassung muß er sich den Anordnungen seines Monarchen bedingungslos untcrwrrsen, ivcnn auch sei» Tente» und Fühle» ihm vielleicht manches Resormbedürstige zum Bewußtsein bringt. An dieser Kritil eines Patrioten wird auch der Kriegsminister nicht ohne weiteres vorübergehen können und man dars wohl erwarten, daß — ihre volle Berechtigung vorausgesetzt - Remedur erfolgt.
Poincare und der 3ar.
Kronstadt, 20. Juli, Heute nachmittag um 3 Uhr ist Präsident Poincaie a» Bord des Linienschiffes .France' hier cingetroffen. Tcr Zar begrüßte de» Präsidenten an Bord der Kaiserjacht .Alexandria' tmf der kleinen Reede. Der Kaiser empring den Präsidenten an der Schjffsireppe der Pacht und begrüßte ihn in herzlicher Weise. An, Großmast ging die Flagge des Präsidenten hoch. In Begleitung des Kaisers befanden sich die Hofnsinister, die Minister des Aeiißern und der Marine, der französische Botschafter, französische Militärattache nnd der Marmcaitachs, der rnssijche Botichastcr in Paris und daS Gefolge. Präsident Poincars betrat >» Begleitung des MarineniinislcrS Grigorowitsch die Pacht, die dann die Rückfahrt nach Peterhof anstai.
An bei» La»d>ing-5platz in Petcrhos, ivo eine Ehren- ivachc ansgestellt ivar, wurde Poincars von den Großfürsten, den Generalen, den, Gouverneur von Petersburg, dev, Kom- u, andante» von Peterhos, dem Personal der französischen Botschaft begrüßt. Der Zar geleitete den Präsidenten in einer vierspännige,. Eqnipagc, die von jiuei Zügen dcS kaiserliche» ConvoiS begleitet ivar, in das Große Palais, wo der Präsident Aufenthalt nahm. Bald nach dem Eintreffen wurde der Präsident von der Zarin einpsangcn,
Trinksprnch des Zaren.
Bei der Galatasel, die heute Abend 7 »/ 2 Uhr im Großen Palais stattjänd, richtete der Kaiser folgenden Trinkspruch an den Präsidenten Poincare:
Herr Präsidciit! Lassen Sic mich Ihnen zum Ausdruck brmgen, wie glücklich ich bin, Sie hier willkommen zu heißen. TaS Ober- Hanoi des verbündeten Staates ist inimer sicher, in Rußland der wärmsten Ausnahme zu begegnen: aber heute ist unsere Befriedigung, den Präsidenten der französischen Rcvublik begrüßen zu können, noch verdoppelt durch das Vergnügen, in Ihnen einen alten Bekannten zu finde», mit dem ich vor zwei Jahren persönliche Beziehungen anzuknüpien die Freude hatte. Vereinigt von langher durch die gegenseitige Sympathie der Völker un» durch ge- meinsame Interessen sind Frankreich und Rußland bald ein Viertcl- jahrhundcrt eng verbunden, um bester dasselbe Ziel zu oer-
Tahliiier ltziustc aber Herr Hilvoidstciner, eine gewichtige Per- söniichlcit, ein Onkel, irre man den Pfandleiber in den V^- cinigtc» Staaten nennt. Ein trüberer Gardeossizicr zählte zu scinc» besten Äundeii und erhielt für halb wertlose Sachen oft kingeheure Preise, iveil er ein: Rente bezog und wieder einzulösen pstegte. AlS er aber einmal einen kostbaren, kaum getragene» Winterrock seines Paters erhielt, versetzte er ihn spornstreichs nach dem Grundsätze: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um cs zu besitzen," Ta er aber zehn Tollar für de» Rock erhalten hatte, hotte er ihn nicht ivieder ab, sondern vermietete sich für die bitterkalten Wintermonate als Laundrh- man, Wäscher, in einem Hotel
Jn Neunork findet man überall Juden,, unter den Schutz- leuten, Kondukteuren, Soldaten, Kellnern und Beamten jeder Klasse und Schattierung.
Unter Offizieren und Richtern auch? Unter crsteren ja, wenn der Kongreßmann oder i-cnator ihres Bezirke» sic wie jeden anderen empiahi. Unter letzteren auch >a, wenn iie dazu gewählt wurden. Richter fein, ist aber kein angenehmer Posten in den Vereinigten Staaten, da die richterliche Auiorität mit dem Verlosten des Gerichtssaaies auihort.
Weiter südlich, bei der Ost HO. bis 123. Straße, östlich der dritten Avemie, erstreckt sich das größte Juoenvicttcl der Welt. Hier hinein ergießen sich nach Gejchäftsichluß Taniende und Aber tausende, Mit der Hochbahn, dem Subwan, und oerschiedeneir Straßenbahnlinien kommen sic aus allen Himmelsrichtungen her bei. Scho» am Nachmittage kann man niete dieser Straßmi kaum noch vaiiicren, so groß ist der Kindersegen der Neuyorker Jude».
schaff.
In Ebikago war eS, nur diesmal ioaeci, eS^ nicht Kinder, sondern die langen Züge der Streikenden, die die Sttaßen füllten Bei Maffenstreils läßi man zur Säuberung der Straßen U. S Postwagen die Geleise entlang lausen. Einen solchen Hallen Strecker angegriffen, und es wurde aus Freiwilligen zusammengesetztes Militär reguiriert, unter denen sich sehr viele Juden befanden, die auch erfolgreich daranl losbrannten, dann oher — in andere Staaten versetzt werden mußten.
Ein Mr. Mark Grat, der dann noch lange Jahre eine Ber- lraue>»sstellung im Rrwseveltschen republilanisthen Hauptguartier rnne hatte, hat mir dies hübichc Stückchen ioäler selber erzählt Amerika ist eben kein Boden für anarchisttsche Umtriebe. ES geht dorr vielmehr doch rech! hartherzig-ariiwkratiich zu, — und zwar auch in dem Sinne, daß man geben muß, wenn man nehmen will.
iolgen, das darr» besteht, ihre Jntcresic zu ioahren. indem iie Mitarbeiten a» der Erballung des Gtcickig, mchis und des Friedens IN Europa Ich zweifele nicht, daß unser' beiden Länder, getreu itreni .ftiedtichen Ideale, i>ch stützend au> ibr ermodies Bündnis, ebenso wie ani qeineiniämc Freundichailen auch icrnerbin die Wohltaten des durcki die Fülle ihrer Kräfte gesicherten Friedens genießen werden, indem sie die Ban!»', die sie einigen, immer iestcr knüpfen. I» diesem ied-r anirüliligen Wunsche erbebe ich mein Glas airi Ihre Geftiirdheit, Herr Präjideni, cbemo wie auf die Wohlfahrt und den Ruhm Frankreich».
Ter Trinksprnch Poincartzs.
Präsident Poincare antworirle ani den Tnnkivruch deS Zaren wie iolgli Ich danke Eurer Maiestal für die l>erz>ichc Ausnahme und bitte Sie. zu glauben, daß es mir lehr angenehm geiveien ist, hier dem erhabenen Herrscher des betreunbrtcn und verbündeten Volkes einen neuen Betuch abzustatien. Getreu der Uebcrtieierung. der »ieuic ehrenwerten Vorgänger gefolgt sind, Itabe ich Eurer Majestät und Rußland das ieierlickie Zeugnis von Gefühle» bringen wollen, die unverändert in allen iranzöiischcn Herzen wohnen. Beinabe 35 Jahre sind vergangen, seit liniere Länder i» einer klaren Vision ihre Geschicke »nd Anstrengungen ihrer Tiplomaten vereinigt haben nnd die glücklickte Wirksamkeit dieser dauernden Verbindung mackst sich alle Tage süblbar in den, Gleichgewicht der Welt. Olegründet aus die Gemeinsamkeit der Jmeressen, geweiht durch den irirdiicheii Willen der beiden Regierungen, gestützt aus Armeen zu Wasser und zu Lande, die sich kenne», sich schätzen und sich gewöhnt haben zu verbrüdern, gefestigt durch eine lange Eriabrung und ergänzt durch wertvolle Freundschaften hat das Bündnis, zu dem dcr crltabene Kaiser Alexander III und der betrauerte Präsident Earnot die erste Jnittative ergnffen haben, seitdem beständig den Beweis seiner wohltäkigcn Wirkung und seiner unencktüiter- lichen Festtgkesi gegeben. Eure Majestät kann versichert sein, daß Frankreich nach wie vor in Einigkeit und täglichem Zusammenwirken mit seinem Verbündeten da» Werk des Friedens und der Zivil liätion verfolgen wird, an dem die beiden Regicrunaen und die beiden Nationen nicht autgchön hnben zu arbeiten. Ich erheb» mein Glas zu Ehren Eurer Maiestät, Ihrer Majestät der Kaiserin, Ihrer Majestät der Kaiserinmultcr, Seiner Kaiiertichen Hoheit des Großsürst Thronfolgers imi der ganze» Kaiserlichen Familie. Ich trinke aus die Größe und die Wohlsahri Rußlands.
Au» iieffen.
Von der LandtagswahI.
Im 14. Starlenburgcr Wcrhllreis Groß-Gerau hat die sozialdemokratische Partei dem bisherigen bauernbünd- lerischcn Abgeordneten Senßseldcr in Buitelborn, dessen Wahlzeit abgelaufen ist, der aber wieder kandidiert, den Gemeindcrat Peter Feutner in Trebur gegenübergesteklt.
vsutscbe» Reich-
Rc>>e Steuern. Die „Tägliche Rundschau' behauptet, unter den Vorschlägen der Reichsleilung zur Beschaffung weiterer Ein- nahme» stehe an erster Stelle das Z ignretteimi onopol. Der Erlrng werde mii 100 bis 120 Millionen jährlich angenommen. Das Monovol sei als Fabrikationsmonopol mit einen, damii verbundenem Verkaussmonopol gedacht.
Die S t i ch >v a h i u» ReiclistngSwahIkreis Lab iau - Wehiau ist au! Touuerslag, deu '23, Jiili augeseiit ivorde».
Das sächsische Justizministcrium iägl cillärcu, daß die sächsische Justizverwaltung die Warnung verschiedener sächsilcher Schwingerichtspräsidenlen vor einer RechiSbeugnug nicht veranlaß» und nicht billige.
Auslanv.
Ein höchst bedeutsamer Schritt zur Beilegung der inneren Krisis ist in Engt and dcr , Tim eS'zulolge ge- Icheheii: Ter König Hai Eiiiladungen zu einer Kouscrenz »n Buckinghampalast ergehe» laffen, a» dcr die hauptsächlichst beteiligte» Parteien, nämiich die Regierung, die Opvosilion, die Naiimialisten und die Ulsterleule durch je zwei Mitglieder vcr- ireieu sei» sollen. Die Konlerenz soll am heutigen Dienstag sial>-
TumaS gegen Schiller. Ter Dichter dcr „Trci lNuskcticre" verfügte über eure weitbekannte Phantasie und Erfindungsgabe. Schier unerschöpstich schien sic zu sein. Dennoch hatte er selbst wohl die Empsindnng, daß es nöttg wäre, sich ab und zu Airreguugen und »eilen Stofs zuzuiühren. Er benutzte dazu alte Schatteten und Abenteurer- und Ritterromanc, die^ in -deutscher Sprache efichienen, ihni nur dadurch zugänqlich waren, daß eine junge Elsässerin, mit der er zusammenlcbte, sie Ins und ihm ihren Inhalt imcdererzähltc. Aber nicht nur auf diese alten Schmöker beschränkte sich TumaS Kenntnis der deutschen Literatur. Tie Geliebte, Halbdeutsche von Geburt, machte >knt auch mit Schillers Werken bekannt, und von dicini war xs natürlich die „Jungftau von Orleans", die sein größtes Interesse weckte Er mußte zugeben, daß Schiller „kein gewöhnlicher Geist" sei. „Aber," sagte er, „eine unverzeihlich-: Ollbernheit hat er dennoch begangen; wie war es möglich, daß er die Jungftau von Orleans in einen Engländer verliebt machen konnte? Eine ^Französin in einen Engländer verliebt! das verhunzt das ganze Ltück."
— Sin seltsames Geldstü ck. Zu den merrwuedigstev. kblünzen der Welt gehören die sog. Manillas, die i» manchen Städten und Töriern von coüdwest-Nigeria an der Westküste von Afrika noch in Geltung sind. Ticse Geldstücke ähneln in ihrer Form Huieiscn, deren Enden wie Kamelftiß- gestattet icirb T» sie ganz aus Kupier bestehen imd Zoll dick sind, wiegen iie pro Stück last ' j Pfund. Ta 7 Manillas den Wert eines Schilling ausmachen, io muß der, der eine größere Zahlung in dieser Münze machen will, ein sehr kräftiger Lastträger sein. Teshalb ist auch der (gebrauch der Manillas jetzt nur noch aut einige kleinere Gebiete beschränkt, nnd die Münze wird bereits zu einer ethno- gravbilchen Seltenheit, deren Liebhaberwert größer ist als der wirkliche.
— Tie schlimmste Kritik. Ter bckannic amerilanischc Schauivicler William H. Eranc saß dieser Tage mit einem allen Kollegen und plauderte von »ergangenen Tagen. „Entsinnst du dich noch RIF?" „Al Travers, des Dramatikers? 'Aber gewiß. Was ist aus ihm geworden? „Weiß nicht, sah ibn seit Jahren nicht. Sah in zuletzt in der ersten Parkettreide des Theaters in Tavannad. Es war die Premiere icines letzten Stückes. Es fiel durch, es fiel iänimcrttch durch 'Ai laß kreidebleich, abc,' gefaßt, innritten des Zilchcns. Tann aber lam d a s S ck I i m m st e. Eine Dame hinter ihm beugte sich vor m,' jagte „Verzeihung, ich wußte nicht, daß Sic der Dichter sin» und schnitt m,r vor Beginn des Tviels eine Locke Ihres Haares ab. Gestatten Si» nun. sic Ihnen zurückzugebcn," Das war das letzte, .


