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Der Slehener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SithenerHamilienbläNer; zweimal wöchenll.Nreis- blott sürden Ureis Sietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monntl. Land­wirtschaftliche Zeitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse sür Depeschen: Anzeiger Gieße». Annahme von Anzeigen iür die Tagesnuunner bis vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt

(64. Jahrgang

iehenerAnzeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

Donnerrtag, (6. Juli 19(4

Bezugspreis:

monattich75Pi.,vteriel-

jährlich Mt. 2.20; durch Abhole- »u Zweigstellen uwnatlich 65 Pf.; durch diePost Alk. 2. viertel« jährl. ausschl. Bestell«, Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Bfenniq. Clieiredakteur: 21. Goetz. Verantwortlich sür den polil. Teil: Aug. Goel;; sur .FeliMetonE, .Ver­mischtes" und^Gercchts» saal": Karl Neurath; iür .Stadl und Land^:

Notationrdnlck mid v«rlog der vrühl'schen Uaiv.Svch- und §tti»druck«r«i 8. Lange. Nedattion. Lrpedttion und Vruckerci: Schulftrotze 7. An^igcmest:' H? «-L

Eine neue wehroorlage?

Reue Steuer- und Monopolplanc.

Ir weniger aktuelle Fragen tu dicicr sommerlichen parlamcnkslosen Zeit die Ceffcntlidtfcit bewege», besiv eifri­ger wird hinter de» Mtiliffcn gearbeitet odergeparlainen- >elt", wie sich einst der alte Liebknecht anSdrückc Gerüchte über eine neue Wehroorlage, neue Steuern und Monopole, eine eveiitnelle Auslösung des Reichstags schwirren umher. Eine halbe Milliarde siir strategische Zwecke soll im nächsten Winter dem Reichstag abverlangt iverdcic. 3o behauptet wenigstens ein Mitglied des Reuchstags in einer Zuschrift an den Vorwärts, die von der bec uns nie abrcißendeu Frage: Neue Steuern oder nicht 7 auSqeht, Das brauche natürlich nicht notwendigenoecle einestiüsrungs- Vorlage" zu sein, aber sie könnte sich doch - uni nur ein Beispiel zu nennen aus Eisenbahnbautcn beziehen, Diese Vorlage solle eoentuell zur Auflösung des Reichstags be­nutzt werden. Das M d R, betont, daß cs aus sehr guter Quelle geschöpft habe.

Vom bayerischen Kriegsministerium wird diese Dar­stellung bestritten, doch ist das kein Beweis, daß sie nicht richtig ist. Es scheint auch als bestände ganz ernsthast in Regierungskreiscii die Absicht oder aber inan steht vor einer Notwcndigleit neue Steuern zu erfinden, da man wieder Geld benötigt. Eine neue F l o t t c n vor­lag e wird sicher kommen und zwar noch vor 'Ablaus dcS Flottengesepes von1900. Es wird schon nicht mehr be­stritten, daß in diesem oder spätestens im nächsten Fahre die Marineverwaltung eine Vermehrung der Mannschaften und die Vergrößerung unserer AuSIandsslotte fordern wird. Auch noch andere Aufgaben, die ipit großen «osten ver­knüpft sind, müssen gelöst werden, da sich Reichstag und Regierung schon aus sie scstgelegt haben:BesoldungSerhöhun- gcn, Ausbesserungen der Altpensionäre, bessere Beleranen- iursorgc und vielleicht eine Herabsetzung der Altersgrenze bei her Invalidenversicherung,

Eine Deckung ,ür alle diese Ausgaben ist nicht vorhan den. Der Wehrbeitrag wird kaum inehr bringen als die verlangte Milliarde, 'Mer es gilt noch etwa 200 .Millionen flüssig zu machen ftir fortdauernde Ausgaben des letzten Wehrgcsetzes bis zum Jahre 1917. Man hatte gehofft, d, h. nicht in RcgierungSkrejsen! daß der Wehrbeitrag 1 200 Millionen ergeben wurde, Tann wäre diese Sorge nicht nötig geivesen. Man hofft setzt Deching finden durch das Rennwettgesetz, ein Zigarren und Zigarettesi- monopol. Ein parlamentarischer Optimist rechnet schon in einem süddeutsclhcn Zcntrumsblatte aus, das Zigarettcn- monopol werde dem Staate IM Millionen jährlich bringen! Dann macht er noch eine interessante Andeutung, indem er jagt, eS schwebten Vorarbeiten sür ein weit wichtigeres Monopol einer Materie, deren Besteuerung der Reichstag schon früher abgelehnt habe. Hiermit kann weiter nichts gemeint sein als das Branntwein-Monopol, das Fürst Bülow 1908 mit seinem Steucrbukett dem Reichspa rla- meut überreichte. In unterrichteten Berliner Kreisen wird bestätigt, daß tatsächlich dieser Plan im Reichsschatzamt eifrig bearbeitet wird, aber man fügt pessimistisch Hinz», der neue Gesetzentwurf werde noch viel mehr die Inter, essen der agrarischen Spirituszentralc wahrnehmcn, als der Entwurf von 1908, Auch wird zugegeben, daß man

verschiedene andere Monopvlpläne in den Kreis der Er­örterungen einbezogcn hat.

Sind so die Aussichten sür den deutschen SIcuerzalster nicht sehr rosig, so dürsten doch die Leute, die von einer im Herbst bcoorstchenden Reichstagsauslösung orakeln, völlig unrecht haben. Auch in Rcgicrungskrcisen wird ein gesehen, das; man an der langen und zum Teil unfrucht­baren letzten Session des Reichstags initschuldig rst. und man will in diesem Herbst neue Wege finden, um ein er­sprießliches Zusammenarbeiten zwischen Regierung und Par lamcnt zu erzielen. Vor allem sollen neue Vorlagen nach einem vom Bundesrat und Scnwrcnkonvent gemeinsam zu bestimmenden Arbeitsplan dem Plenum vörgelegt wer­den, Man glaubt dadurch eine bessere Verteilung und schnellere Erledigung in den Kommissionen zu erzielen. Bei seinem Zusammentritt soll der Reichstag schon eine Liste der Regierungswünsche vorsrnden, deren Verabschie­dung die Regierung als dringend betrachtet. Das sind imnicrhin Zeichen von gutem Willen und Anfänge einer Besserung, die wieder der Reichstag unterstützen könnte durch eine Einschränkung der jetzt geradezu endlosen Etats- dcbattcn. Im Zusanimenltang mit den neuen Steuerplänen und den sonst zu erwartcichen Gesetzentwürfen muß noch hcrvorgchoben werden, daß die Ultrakonjcrvotivcn ein leb lpiltes Kesseltreiben gegen den Reichskanzler beginne», weil er den Reichssäckelmeister Kühn und den Staatssekretär de.s Auswärtigen zu Mitgliedern des preußi scheu Staatsmcnisteriums gemocht hat. DieKons. Korr," ivendet sich heilig gegen Herrn v, Bethmann, da nun schon fünf Staatssekretäre dem preußischen Ministerium ange­hören unddie Reichsstimmen den preußischen säst die Wage halten!" Man sicht, die Konservativen habe» Angst um ihre Vorteile, Ter Kanzler wird sich aber durch diese Treibereien nicht verblüffen lassen. Man kann den konser­vativen Zorn ja verstehen : Denn man darf annchmen, daß Herr v, Bethmann seine Stellung als Reichskanzler, die in der letzten Zeit nicht gebührend gewürdigt wurde, auch als Präsident des preußischen Ministeriums stärker betonen will. Das ist anerkennend' zu begriißcn, weil nur so den ostelbischen Bestrebungen, die reaktionäre Welle noch mehr zu verstärken, ein wirksamer Tamm entgegengesetzt werden kann.

Zraittreich.

Poincaräs Abreise verschoben,

Paris, 15. Juli, T ie Abreise des Präsiden­ten Poincare nach Rußland, die auf heute vormittag 11,20 Uhr festgesetzt war, wird, falls Kammer und Senat im Lause des Vormittag» betreffend des BudgclS nicht einig werden sollten, eine kleine Verzögerung erfahren. Man hält eS für inöglich, daß der Präsident der Republik seine Reise deshalb erst morgen früh antrcten könne. In dicsenr Falle lverde er sich statt nach Cherbourg nach, Dünkirchen begeben, um sich von dort nach Kronstadt cinzuschrffen.

Die Beratungen der Kammer.

Die französische Kammer nahm in der Nacht- sitzkPg die direkten Steuern sür 191,5 an, zugleich mit einer Entschließung, wodurch die Regierung ansgesordert wird, bei der im Oktober beginnenden Session eine Vorlage ein­zubringen, beireffend die Herabsetzung der Personal-, Mo­

biliar , Tür- und Fcnslersteucr im entsprechenden Verhält­nis zum Ergebnis der Einkommensteuer,

Paris, 15, Juli, Ter »ationali iichc Abgeordnete Tr > ant führte aus. baß der Feldzug, tvelcher ilb vorbereitete. daraus ab­ziele, eine» W e rtt f c 1 i m Oberkommando hcrbmimibrcn und an diele Stelle eine politisch-militärisch- kliguc zu setzen, General Pedova, erklärte Triam, bat mir forbcit ganz ansrltblig ge tagt: wir wollen General Fosirc durch General Sarrail ersetzin.

: Widerspruch rechts, Pedova rnlt: Fa! Lebhafter Beitall link? »Nb Lärnt, Rechts wird gerufen: Angeber! Denunziant!) Triam dielt daraus eine temperamentvolle Lobrede ans Iossre, der seit drei Jahren methodisch »tid konseguenl gearbeitet bade. Er schloß: Wir ioollen nicht, daß Iosire durch eine» Politiker ersetzt wird, der seit Fahren die Armee verfolgt bat, Beisall rechts, Wider- ivruch links Andrö Lesevrc erklärte, piß der ungenügende Instand de-- MalerialS von den ungenügenden Krediten derkäme. Es ist unzulässig, sagte er, einzelne Beamte zu beschuldigen, Rich- - ilg ist, dost das Land seit 15 Fahren nicht die iür die Verteidigung notwendigen Opfer bewilligte, KriegSminister Messt mp ersuchte die Kammer, sich nicht in persönlichen Fragen z» verlieren. Er versprach die sreizügigslc und lonalste Mitivirkung bei der Kon­trolle über die Aiiwendung der- neiibcwilligtcn Kredite, iBcisall links,) Präsident Tcschanel machte daraus ausmerksam, daß Pedova seinen Resolution» an trag zurückgezogen babe und daß die Tagesordnung erschöpft sei Finanznnnistrr Nou» lenS beantragte, das Budget an den Senat zurückzuoerweyen, Die Kammer nahm dann mit 513 gegen 244 Stimmen entgegen dem Beschluß des^ Senats den Artikel des Einkommensteuerenlwuris. der voii Einschätzung iiach dem Tode handelt, an, TaS gesamte Budget wurde schließlich mit 378 gegen 103 Stimmen angenom­men, Heute findet noch eine Nachmittagssitzung statt.

Nachdem Senat und Kammer nach längerer Beratung über olle Punkte des Budgets einig geworden ivacen, verlas deute abend kurz vor 8 Uhr der Iustlzminister Bjenvcnu-Martcn im Senat und Minister de» Fnnern Malvy in der Kammer dos Dekret über tut Schließung der Session, Finanzminister Noulens legte aus dem Bureau der Kammer das Budget sür 1915 nieder.

DieEnlhiilliingen" und die Presse,

Paris, 15, Juli, Auch die gestrige Senalsaussprach« wird in der Presse eifrig erörtert und von den Blättern der einzelnen Parteien zumeist zu scharfen Angriffen gegen die politischen Gegner benutzt. Das natio­nalistischeEcho de Pari»" sagt:Es ist zu töricht, wenn die Radikalen die Schuld für die enthülllen Zustände aus die Bureaus des KricgSmiiiisteriumS uud den lßeneralstad abwülzen wollen. lieber diesen steht der veranttvorlltche Minister, Tas Land kennt nun dicicnigen, welche dresc be­ängstigende Lage geschaffen haben: das sind die P o l i t i k c r des Eombismus, das sind die geeinigten Radikalen, die sich dem TreisabrcSsnstcm widersetzt haben und die unab- weiSlichcn Kredite für die Wiederherstellung unseres Kriegs­materials verweigern, DerFigar o" bemerkt, daß der Kriegsminister Messimy an den gegenwärtigen Zuständen mitschuldig sei: habe er doch im Fabre 1908 als Bericht­erstatter für das Kriegsbndget geschrieben, daß eS ein Wahnsinn wäre, die militärischen Anstrengungen Denffch- lands blindlings nachzuahmen, und verlang!, daß das Kriegsbndgct möglichst eingeschränkt werde. Man dürfe nicht zögern, habe Messimy damals erklärt, all­jährlich etliche 10 Millionen vom K ricgsbubget wegzu nehmen, um sie Schutzmaßnahmen gegen Krank- heit und Tod zu Ividmen, Ianres schreibt in derHu­man ile": Was das Kchlimmste und Traurigste an den Enthüllungen" HumbertS ist, das ist die Tatsache, daß sie in Wirklichleit keine En thüllungen sind. Seit langem

ZpaziergSige durch die Gewerdeausstellung.

VIII.

Die sich immer höher entiöiclelnbe Kultur stellt auch immer höhere Ausgaben: dem ernsten Besucher unserer Ausstellung be­gegnen aui Schritt und Tritt Beispiele genug, nicht ,um wenigsten, wenn er sich Zeit und Mühe nimmt zum Studium der Wähnungs- kunkt, die uns die Architekten vor Augen zu führen besttebt ivaren, Baukunst und Baustil wiegeln so recht eigentlich den gei­stigen Kulrurstand eines Volkes und einer Zeit under, wr er sich aus Sitte, Religion und Bedürfnis ünd zugleich aus dem zur Verfügung stehenden Baumaterial zu einer in sich fertigen Form herausgebtldtt hat. Wir hatten bereits Gelegenheit, in unse­rer letzten Besprechung über die Gewcrbcausstellung (VI1 aut die hervorragende» Arbeiten von Architekt HanS Meyer Gieße»' hinzuweiscn und wollen im folgenden nun im zweiten Obcrgetchoß des Hauptgebäudes die Zimmer der Reihe nach durchwandern und mit Kämpfer »nd Wissenbach, Architekten in tzanau-Keiselstadt begrünen: sie zeigen uns durch zahlreiche Amcarelle und Pho­tographien EigenhauSanlagcn, Beispiele und Gegenbeispiele von -Wohnungseinrichtungen, Reihenhäuser und einen Plan sür die Ko­lonie von Emiamilcenwoknhäuscrn,

Hieran schließt sich: Gemcindebauweien der kreise der Provinz Oberhessen unter Leitung der Großherzoglicheil Bauinsycktoren, Vertreten ist der Kreis S dt o 11 c n mit zwölf photographischen Abbildungen von Schul' und Psarrbäusecn, während der Kreis Büdingen die altbekannte Straßenbrücke, eine Innenauinahme des Rathaussääles, beides in Büdingen selbst, ein Schul Haus in Hainbach und anderes im ganzen sechs große Photographien ansstellt. Der Kreis Fried-

bcrg betätigt sich ebenfalls mit Schul- und Rathäusern in gefälliger Form, Vor den an den Wänden hängenden Bildern sind lange Tische angebracht, aui denen Mavven liegen, mit Plänen vom Gemeinde-Bauwesen Kreis Gießen, d, h, von schul- und Pfarrhäusern, einem Pacibaus, der Novelle der Provinzial-Sicchen Anstalt und einer Klcinkindcrschulc, - Eine sehr große Mappe enthält Photographie» von den Hochbehältern in Reiskirchcn und Watzenbvrn-Stcinbcrg, dent Pumpenhaus in Kesselbach, neun Schulhäusern, der Kapelle in sAllcttshausrn und der kreiscibdcckciei; hierher gehören auch noch Photographien über Transsmmai Sta­tionen nttö eine graste Mappe mit Plänen von den Friedhöfen i» StoclHausen, Staufenberg, Rabertshausen, Laoten, Beuern und Geilshausen, sowie ein Platt der Platzanloge iür Hungen vor der neuen Schule. Die Kreise Alsfeld und Lanterbach ltc- ieiligcn sich mit vorzüglichen Pboiographien von Lchul- und an­deren Häusern sowie mit zahlreichen Plänen in Mappen,

Wir verlassen den Raum und finden draußen an der Wand im Gang.F, Reuter, Baumeister und H, Reuter, Architekt, beide in Lauterbach mit einer große» Zahl von Photographien und Plänen verireren; besonders beachtenswert sind Billen, Arbeiler-

und Forstmarthäufer und cm sehr schönes Trcppenhaussenster in der Billa Tichm zu Lauterbach,

Wir begegnen bei diesen beiden Architekien auch erstmals einem sehr hübschen und genau gearbeiteten Modell mit Plänen eines sür vier Familien bestimmteit Arbeiter-Wohnhauses der Firma R, u, M. Wcgener Blitzenrod gehörend. und ser ner einem Modell der Forstmeister-Dienstwohnung zu Weißenbach in Untersianken, geräumig und sehr oraktiich konstruiert, mit Stallung. Gemüsegarten usw, Letzteres im Besitz des Frei­herr» von Thüngen,

Ter nächste Raum ist der Dcutichen Freien Architektenschast, Zweigverein Giesen, reserviert: außer Konkurrenz! Links und rechts vom Eingang hat Gustav Hamann, Architekt in Gießen, interessante Photographien und Pläne über Architektur, Fnnen- Ausbau, Kunstgewerbe und Gartenbau ausgestellt: ihm schließt sich nach links an: Ernst Schmidt mit hübschen Federzeichnungen, Photographien und Aatwrellen, und ein Weitbewerb-Entwurs der Moselbrücke in Trier als Aauarell mit vorzüglicher Per spcktivc. Es folgt: Th, Nicolaus, Architekt mit besonders großen Äauarellen, dann: L, Rohrbacd, Architekt ln Alsfeld mit Poto- graphicn und Pläne», Tann: Christian, Karl Freundlich iFried- berg mit Photographien non Villen und Plänen: lehr beachiens wert ist sein Neubau eines Schuhgeschäfts von Ehrlich in Frfcd- berg, seine Modesl-Pboiographien und seine Innen Architektur,

Tie Architekten Fifcher und Zipp -Gieße» treten mit dem Umbau der alten Klinik, Wettbewerb Rathaus Gießen als Schau­bild mit Kennwott,Frühlina" lürvvr, ebenia mit Photograpltzcii von Grabdenkmälern, Geschäfts- »nd Fonthäuiern u. a, m, Herr Koäerdcck zeigt uns das stimmungsvolle Innere einer Kirche und diven'e andere -Bauten und führt uns ein in das Reich der Skizzen,

Einen eigenen Raum Hai Regierungsbaumeister a, T, Karl Schön, Architekt B, T, A, n»d T, W, B, belegt, zweifellos die größte Ausstellimg unter seinen Fachgenossen, Mit viel Sorg­falt und Fleiß in eigener Werkstatt gefertigte Modelle fallen icdem Besucher sofort aus: zunächst Pläne und Modelle von der Schule und dem Friedhosshäuschen in Bobenhain, dann ein Modell und Entwurf der Außen-Ausicht des Wohnhauses von Frau Dr, Kempsk ^Gießen, dazu Phkographien der Innen-Einrichtung aus diesem Hause,

Vom Ausbau der Domäne Schiffcnberg legen drei große Photograpkien beredtes Zeugnis ab. Zwei sehr geschmackvolle Muster-Kacheln eines bunten Kachelofens iit der Halle eines Herr ichaitshauses hängen zusammen mit der Photographie dieses Ofens au der Wand, Auel; der Kachelofen in der Hesienkneive und Pläne sowie Entwurf und Modell eines Wohnhauses in Güttingen sind zu sehen. Ferner verschiedene Phocograpbien, darunter ein reizendes Jagdhaus ..Rehsclde" in der Hohen .Kühnsdorier Heide, das als Modell in der Mitte des Zimmers Platz gefunden hat.

Auch eine Innen-Anncht vonRehielde" läßt die Behaglich­keit und oraktischc Anordnung in beschränktem Raume erkennen.

Bon ?lrchitekt Schön stammt weiter das noohl vielen Gceßenern bekannte, neue Wohnhaus, im Besitz von Professor Tr, vot, Eicken: wenn man das Modell siebt, glaubt man nicht in der Ausstellung, sondern var dem Hause selbst in der Friedrichstraße Nr, 37 zu stekeii, so natürlich und bekannt tritt es in die Erscheinung, Auch Pläne und Pb-oiographicn der sehr geschmarkvollei,nd neuzeil- lichc» Innen-Einrichtung dieses Hauses vcranichauliche» das Ganze, Ferner führt uns eine größere Anzahl ausgezeichneter Photo­graphien die Heil- und Pflege Anstalt in Gießen vor Angen: so die Flurhallc in der Verwaltung, einzelne Gebäude oder mehrera zusammen, die Direktor-Wohnung und die Kapelle,

Einen ganzen Komplet: von Mödellen bilden die Neubauten aus dem Rittergut Menüisch-Ahlsdori im Regierungsbezirk Merse­burg, Frau Di Georg von Siemens-Berlin gehörend Erklärende Pläne über Eisiellerbau -Stalle sind bei gesüßt, Ebenio Pläne und Modelle des Kammergutes Reinsdorf in der Mark mit Ge­meindehaus und Kleinkindcrichulc, Dopvelnwhnhaus, Beamten- wohmingeu, Arbeiterhäuieni sür zwei icnd vier Familien alles im Besitz von Frau van Siemens. Ermähnt sei auch der behagliche Kamin-Oscn mit Holzbank im Schön'schen Zimmer,

KreiSittaßenmcister Mohr zeigt uns Weitbewerdsentwurte kür eine Schule in Fulda und für die Baugenoiicnichgst des Evanz Arbeitervereins,

Von Bauiechniker Senßselder finden ioir ctit giu gelungenes Modell einer bäuerlichen Hoireike mit Grundriß in Alten-Buieck, Von allgemeinem und für Landwirte von beiowdercm Inter­esse sind die von den kulturiechnikern Reitz und Roos aiisgestellten Reliefs einer Gemarkung vor und nach der Feldbereiniguug, Tic beiden Reliris iind räumlich und landfchastlich ganz gleich: das Tori ist aui beiden in der Mitte gelegen, verfügte vor der Be­reinigung über' 16430 Meter und nach derselben über nur noch 5195 Meter Feldwege, die Tinerenz ist also zu Aäerland geworden, Waren früher 5807 Parzellen vorhanden, io kommen nach der Zusammenlegung nur noch 1351 in Betracht, dis bedeutet z, B, iür einen der beteiligten Landwirte, daß er statt seiner trühecen 71 Parzellen jetzt nur upch deren 9 zu bewirtschaften hat. Ter Vorteil liegt auf der Hand: cs ist klar, daß ivenige und größere Parzellen leichter und ertragsreicher zu bebauen iind und mit weniger Zeitverlust als so und io viele, die zerstreut in der Ge­markung liegen: diö Feldbereinignng wirb daher auch von den meisten Gemeinden angcsttebt und durchgeisthrt.

Es folgt noch: Leornhard Kraft, Architekt, B, D, A, -Bad- Nauheim , Auch er stellt vorzügliche Modelle zur Schau, die an Größe alle anderen übertreffen, und zwar sehen wir das Iohanni- terkrankenhaus in Nieder-Weisel, die Kinderheclstäite Elisabeth- Haus in iBad-Nauheim, ein Waiserturmproiekt als^Aouarell, Photv- aravhien der Tamvnväiche ,md die Billa Lchautnsland als Modell, beide in Bad-Nauhcim.

Wir verlassen niete lehrreiche Abteilung der Gewerbe-AnS- Itellung und wünschen den 'Ausstellern Ivic den Fittercsjciiten gleich guten Erfolg für die Zukiinsl.