*64- Jahrgang
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Sweites Blatt
Erschein! täglich mit Ausnahme dcS Sonntag?.
Tie „Lietzencr FamiliendläNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt fSr den Krtis Liehen" ziveimal wöchentlich. Tie „randwirtschaflltchen Seil-
fragen" erscheine» monatlich zweimal.
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General-Anzeiger für Gberheffen
Montag, lö.ZuN Mi
Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen UniversitätS»Buch- emo Eleindruckerei.
R. Lange, Gießem
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftra&e 7. Expedition und Verlag: e=S§»51. Redaktion: ^E112.Tcl.-Adr.:AnzeigerGiebcn.
Mien und Serbien.
Diplomatische Dementis müssen in unruhigen Zeiten mit besonderer Vorsicht gelesen werden. Denn also das .« u Tclcgraphen-itorrcjpondcnzbnreau in Wien erklärt, die Meldungen über die Ergebnisse der Audienz des Grafen Berch- told beim Kaiser Franz Joseph in Ischl entbehrten jeder authentischen Grundlage, so sehe man sich dort, ,cnc Meldungen noch einmal genau an. Das Reue Wiener Tagblatt hatte mitgcteilt, Gras Berchrold werde demnächst beim serbischen Kabinett die längst erwartete Demarche unternehmen. Ter Schritt iverdc aber keinen Eingriff in staatlickze Holfeits- rcchtc Serbiens enthalten. Das war vielleicht nicht „authentisch", aber cs ist die Wahrheit. Schon Gras Tisza, der ungarische Ministerpräsident, hatte anläßlich der Interpellation des Oppositionsführers Grasen Andrassy über djc Mordtat von Serajewo auf diese diplomatische Aktion hrngcwiesen. Und das offizielle Wiener Tclegraphcnburcau hätte dem deutschen Wolsfbureau nickst so viel Blätterineldungen über den diplomatischen Schritt Oesterreichs in Belgrad übermittelt, wenn es nicht den wahren Kern der Sache gewußt u,ch gebilligt hätte.
Was ist nun eine Demarche? Dieses alte Diplomaten- wort klingt immer noch etwas kriegerisch: man hört dabei von ferne schon so etwas wie den Schritt marschierender Bataillone. Es kann aber auch etwas sehr friedliches und gemütliches bedeuten. Es kommt eben immer darauf an, in welche Formen uwd Wendungen die Wünsche des „marschierenden" Staates gellcidet werden. Sehr ivahrjchcinlich nnrd das bosnische Bewcismaterial über das Attentat der serbischen Regierung lediglich zur „Kenntnis" gebracht und daran das „Ersuchen" geknüpft, erstens die in Serajewo geführte Untersuchung jortzusctzen und zweitens die Garantie zu bieten, daß in Zukunft die großscrbische Propaganda in Bosnien und in der Donaumonarchie keine Unterstützung durch die serbische Regierung finden werde. Das tväre überaus korrekt und fast zahm zu nennen. Es sind noch keine neun Monate her, da führten die Treibund- mächte Serbien gegenüber eine viel schärfere Sprache. Serbien hatte im "Verlaus des nordalbanischcn Aufstandes wichtige strategische Punkte im Norden des autonom er- klärten albanischen Staates besetzt. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schrieb damals: „Tie deutsche Regierung hat in den letzten Tagen in Belgrad ebenso woglhemeintc wie nachdrückliche Vorstellungen erhoben, um die serbische Regierung zu schleuniger Zurückziehung ihrer Truppen und voller Respektierung der Londoner Abmachungen zu veranlassen. Die serbische Regierung, die wiederholt Beweise politischer Klugheit und richtiger Wertung der Verhältnisse gegeben Istll, hat es in der Hand, durch unverzügliches Einlcnken die Situation zu llärcn." Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß jene Wendungen aus dem betreffenden Aktenstück der Berliner Wilhelmstraße herausgcschricbcn wurden. Oesterreich-Ungarn aber ging damals sogar mit einem Ultimatum vor. Und da sollte heute, im Verfolg des furchtbaren Ereignisses von Serajewo lirii' angesichts der auf- gedeckten großserbischen Verschwörung, eine „Demarche" ris- iiert und etwas zu weit gegangen sein? Schon hört man ja von recht zuverlässiger Seite, daß sogar die Mächte des Dreiverbands der serbischen Regierung dringend geraten haben, an ihrem Teil zur Aufdeckung und zur Sühne des Verbrechens von Serajewo bcizutragen, und die anderen in Frage kommenden Mächte tvissen es auch, daß Serbien bei den Wien-Belgrader Auseinandersetzungen am besten tut, höflich und vernünftig zu bleiben.
Ein vertraulicher Schritt Oesterreichs i» Serbien.
Berlin, ll.Juli. Aus hiesigen österrcichisclien diplomatischen Kreisen wird mitgcteilt, daß die Wiener Regierung das Ergebnis der Untersuchung in Serajewo der serbischen Regierung sowie der Belgrader Polizeibehörde zunächst vertraulich mitteilen tvcrde. Erst wenn danach Serbien bei der weiteren Aufdeckung des Vcrschwörernestes veriagcn sollte, werde von Wien ans das Ergebnis der österreichischen Untersuchung veröffentlicht, um so die serbische Regierung zu zwingen, gegen die Verschwörer ernstlich vorzugehcn.
Ein diplomatischer Schritt der Triplecntcnte?
Wien, ll.Juli. Das „N. W. T." erfährt von unterrichteter Seite, die Nachricht bestätige sich, daß die Mächte der Triplcentcnte durch ihre Belgrader Gesandten bei der serbischen Regierung Linen freundschaftlichen Schritt unternehmen werden, um aus die Notwendigkeit geeigneter Maßnahmen gegen die anarchistischen Elemente zu verweisen. Der Schritt der Triplcentcnte dürfte unmittelbar bevor- stchen und man habe Grund zu der Annahme, daß die Gesandten der Tripleentente in Belgrad ihren freundschaftlichen Rat auch in dem Sinne abgeben werden, daß Serbien durch seine Maßnahmen zur" Beruhigung Oesterreich- Ungarns beitragen möge.
Der gute Ton in der serbische» Presse.
Wien, ll.Juli. (Priv.-Telegr.) Das W. Korr.-Bur. "neidet aus Belgrad: Die „Politika" richtet nicht wicder- zugebende Beleidigungen gegen Mitglieder des Kaiserhauses. Ter „Balkan" greift die Serajewoer Polizei an und meint, Europa, welches noch vor kurzem mit dem „kranken Mann am Bosporus" sich beschäftigte, werde bald mit dem „kranken Manw an der Donau" zu tun bekommen. „Trgo- winski Glosnik" nennt die östcrrcichisch-ungarische Politik jesuitisch, rücksichtslos und unchrenhajt. Tic barbarisckw, räuberische Politik in Bosnien werde dem serbischen Volk eine Mahnung sein, daß es nicht in einem Kulturstaate lebe und deshalb stets bereit und bewaffnet sein müsse, um sich vor der Räuberei der Behörden zu verteidigen. — Die „Stanrpa" veröffentlicht ein offenes schreiben au den Bürgermeister Serajcwos, worin dieser beschuldigt wird, durch seinen Ausruf das mohammedanische und kroatische Gesindel zum Plündern und Morden der Serben^ aufgefordcrt zu haben. Die Zeit sei nicht fern, wo die Serben, welche die Macht der Türkei brachen und Bulgarien straften, um Ivan und Planrna kreisen würden, dann werde nichts pnd niemand den Bürgermeister vor der verdienten Strafe retten können, „Piemont" veröffentlicht einen Agramer Brief, worin er darlegt, daß an den Kundgebungen keine Kroaten, sondern nur Parteien teilgcnommen hätten, welche aus streberischen Geistlichen, kaiserlichen Beamten, Spionen, Juden, Magyaren, Deutschen und Italienern sich zusammensctzten und
welchen eine kroalisckw Firma ausgeprägt worden sei, — „Pravda" fordert unter dem Titel „Boykott gegen die Nichtsnutzigen^, zu einem Boykott gegen die österreichischen Firmen Belgrads sowie gegen österreichische Waren aus.
Vas auf den ttnicn liegende Zrankreich.
Paris, ll.Juli. Ter als Nachfolger Teroulödcs znm Obmann der Patriotenliga erwählte Deputierte und Aka- dcmikcr Moritz Barrös hielt bei der Ucbernahme seiner neuen Würde eine Rede, in der er u. a sagte: Von heute an liegt uns eine große Aufgabe ob, welche die Liga und jedes Mitglied unseres Bundes mit leidenschaftlicher Hingebung aus sich nehmen muß: vor allem für diejenigen Mitglieder, die nur ein tvenig die Entwickelung der gegenwärtigen Politik kennen, ist es offenlundig, daß eine einflußreiche Verschwörung besteht, um die Triplcentcnte zu zertrümmern und an deren Stelle ein Bündnis mit Deutschland zu setzen, d,h. ein vor dem Kaiser Wilhelm aus den Knien liegendes Frankreich. Die gegenwärtige und immer» währende Pflicht der Liga ist es, sich der moralischen und materiellen Abdankung unseres Vaterlandes zu widersetzen, mögen alle guten Franzosen unsere Reihen vermehren.
Zwischenfälle an öer bulgarisch-rumänischen Grenze.
Aus Bukarest, 13. Juli, meldet die Agcnce Rou maine: In der letzten Nacht ereignete sich an der Grenze bei dem Torfe Kuguudschuck ein neuer Zwischenfall, der durch bulgarische Soldaten hervorgcrufcn wurde. Drei bulgarische Grcnzwachter hatten sich ohne Erlaubnis in dieses Torf begeben, Sie wurden deshalb von den rumänischen Greuzwäch- tern aufgefordert, sich zurückzuziehen. Sie kehrten mit ihren Gewehren bewaffnet zurück, drangen mehr als einen Kilometer ans rumänisches Gebiet vor und schossen ans die rumänischen Soldaten, die schwer verwundet wurden, Ta sich in den letzten 14 Tagen ähnliche Zwischenfälle wiederholt haben und bereits fünf Opfer gefordert haben, nämlich den Tod eines rumänischen Soldaten und eines Landmanns und die Verwundung dreier rumänischer Soldaten, so zeigt sich die rumänische öffentliche Meinung aufgeregt und verlangt rasch eine wirksame Verhinderung derartiger Vorkommnisse, die mit den normalen Beziehungen zwischen Nachbarstaaten unvereinbar sind.
Aus Mexiko,
M e x i k o, 10, Juli. Der Vorsitzende des obersten Gerichtshofs Francesco Carbajal hat heute den Amtscid als Minister des Auswärtigen abgelegt. Tie Abgeordneteu- lammer wird am Montag zur Besprechung der Präsident- schastswahlen zusammentretew: wie man erfährt, werden sie sür ungültig erklärt werden.
Vera er uz, 12. Juli. Nach Berichten aus wohlunterrichteten Kreisen soll Huertas Entlassungsgesuch dem Kongreß in der morgigen Sitzung unterbreitet werden. Ter neue Minister des Acußern Earbajal, der wahrscheinlich sein Nachfolger wird, erklärte, daß seiner Ernennung im Geheimen von Carranza und den Vereinigten Staaten zugestimmt sei. Ter Zweck der Reise des englischen Admirals Eradock nach der Hauptstadt soll sein, Huerta und Familie nach der Küste zu begleiten, wo sie sich wahrscheinlich auf ein britisches Kriegsschiff begeben.
Dcuttcbe» Acich.
D i e K a i s e r j a ch t „H o h eir z o l l e r n" mit dem Kaiser an Bord ist von Bergen nach Balhojm abgefahren.
Ein Geschenk des Kaisers an den Pap st. Ter deutsche Kaiser machte das von den Benediktinern in Maria Laach rekonstruierte Feldzeichen Constantins des Großen als Labarum dem Papste sür die neue Constantin-Basilika in Rom, die 1913 zur Erinnerung an das Edikt Constantins erbaut wurde, zum Geschenk. In besonderer Audienz überreichte der Gesandte v. Mühlberg dem Papste das Labarum. Ter Gesandte war begleitet von dem Flügel» adiutantcn des Kaisers, Grasen Spee, der das Labarum inl Aufträge des Kaisers nach Rom brachte.
SuilanB.
In dem Berichte des Hecrcsausschusses des französischen Senats über den von der Kammer angenommenen Gesetzentwurf, wodurch der Kricgsminisler und der Marincminister zu einmaligen Ausgaben zu Zwecken der Bedürsnissc der nationalen Verteidigung ermächtigt werden, wird durch Charles Humbert sestgestellt. daß die Ausgaben, wie wichtig sie auch seien, wie erheblich auch die dadurch ermöglichten Verbesserungen seien, dieselben doch kaum genügen tverdcn, um alles das zu verwirklichen, was die Gegenwart erfordere und um eine Hecresvermehrung zu schassen, die fähig sei, die gewaltigcEntwickelung auszugleichen, die D e u t s ch- laud seiner ossensiven Macht gebe, und cs sei keineswegs sicher, daß das Deutsche Reich mit dieser kolossalen Anstrengung Halt machen werde, der Fränkisch solgen müsse, um nicht eines Tages vor dem Zusammenbruch zu stehen. Der deutsche Generalstab verfolge ein klares Ziel und seine fuccessiven Anstrengungen bewiesen den festen Willen, jederzeit über eine ausgcbildctc starke Armee zu verfügen, die bereit sei, unverzüglich ins Feld zu ziehen, ausgerüstet mit den modernsten Waffen, gestützt auf beinahe uneinnehmbare Festungen, Unter diesen Bedingungen drücke die Senatskommission die Meinung aus, daß cs ratsam sei, der Regierung die Dringlichkeit der geforderten Kredite zuzusprechcn: sie Ijolte es aber aus der anderen Seite sür angebracht, daraus hinzuweisen, daß die Vervollständigung, die das Programm nicht vorsehe, so schnell wie möglich erfolgen müsse itttb daß der Kriegsministcr i» allernächster Zeit neue Ermächtigungen fordern mühe sür außergewöhnliche Ausgaben, Eine neue beträchtliche Anstrengung werde sehr bald nötig sein, wenn Frankreich wirklich sich mit der Aufrechterhaltung des Friedens die Unverletzlichkeit seines vaterländischen Bodens und die Bewachung seines Platzes, den es sich in der Welt erobert hat, sichern wolle.
DieBeisetzungdcsvcrstorbeuenrussrschenGc- sandten v. Hartwig wird am nächsten Dienstag mit militärischen Ehren auf dem Belgrader Friedhof stattsinden. Die Kaus- lcute haben beschlossen, zum Zeichen der Trauer während der Beerdigung ihre Läden zu schließen.
Arbeiterbewegung.
Haag, 12. Juli. Die Straßenbahnangestelltcn haben den Elencralstreik erllärl. — Zum Ersatz der ausständigcnStra- ßcnbahnangc st eilten sind heute vormittag hundert Arbeitswillige aus Berlin eingetroffen. Als sie unter starker polizeilicher Bedeckung nach dem Straßenbahndcpot gebracht wurden, wurden sic von den 'Ausständigen INÜ Pfeiscn und Johlen empfangen. Der Straßenbahnverkehr Ivrrd nur teilweise aufrecht erhallen.
Vas Urteil über den Untergang dertkmpreh of Irland.
Qucbcck, 11. Juli. Lord M crsc h .verlas die Beschlüsse der Kommission zur Untersuchung der ,'vatastrophe der „E m p r c ß o s I r e I a n d ". Es heißt darin u. a, daß der Offizier Tustencs, welcher zurzeit des Un- gliicks die Beiantwortuna sür die Führung des „Storstad" trug, zu tadeln sei, weil er den KUrs des Kohlcuschifses geändert habe. Wir bedauern, fisch re Lord Mersch zu der Frage der Vcrautwvrtlichkcit an tum Unglück aus, irgend jemanden die Schuld bcimcsseu zu müssen, doch konnten tvir zu keinem anderen Ergebnis kommen als dem, daß Tustencs verkehrt und nachlässig handelte, als er bei Nebel! den Kurs änderte, wie er es unzweifelhaft getan hat. Er handelte falsch und nachlässig, indem er die Führung des Schiffes behielt und nicht den Kapitän rief, als er sali, daß Nebel kam. In keinem Fall kann das Unglück irgend einer besonderen Eigenart der St, Lorcnzwasserstraßeu zu- gcschrieben tvcrden. Es hätte sich unter den gleichen Ber- yällmssen auch anderswo zugetragen. Hinsichtlich der Frage, in welcher Weise sich die schisse einander näherten, führt der Bericht aus, daß die Frage der Verantwortlichkeit sehr einfach liege und sich aus der Beantivortung der Frage ergebe, welches der Schiffe seinen Kurs im Nebel änderte, Tustencs befand sich im Irrtum, wenn er glaubte, daß bei der „Emprcß of Jreland" die Absicht bestand, Backbord an Backbord aneinander vorbeizufahrcn, oder daß sie durch ihre Lichter die 'Absicht kundgetan habe, dies zu tun, Docht habe es den Anschein, als ob das Mißverständnis keine Folgen gehabt hätte, wenn nachher beide Schiffe ihren Kurs einhielten. Der Bericht drückt weiter die llcberzcu- gnng aus, daß der Kapitän Kendall vorsichtiger gehandelt hätte, wcim er weiter von der „Storstad" abgchalten hätte. Immerhin sei die Kommission nicht der Ansicht, daß darin, daß Kapitän Kendall zur größeren Vorsicht das Schiss stoppen ließ, eine unscemän'nische Handlungsweise zu erblicken sei, oder daß dem Umstand, daß er nicht weiter auswich, ein Teil Schuld an dem Unglück beiznmeffen sei. Der Grund für das rasche Sinken der „Empreß of Jreland" sei darin zu suchen, daß die Schließschotten zwischen den beiden Kcsselraumen beschädigt gewesen seien. Der Bericht cmpsiehlt, zukünftig bei Nebel die wasserdichten Schotten soweit als möglich geschlossen zu hakten, weiter empfwhll der Bericht die Verwendung von Flößen, welche ins Wasser gleiten, wenn das Schiss sinkt.
öundesfest des Lahntal-bängerbundes.
)l Sich, 12. Juli.
Das oberhcssische Städtchen Lich prangt in farbenprächtigem! Festschmuck, der dem mittelalterlichen Strahenbijd ein ganz besonders srcundliches Gepräge verleiht. Wenn so schon äußerlich den fremden Gästen ein herzlicher Dlllkoimn beschert wurde, so bot die Einwohnerschaft, NM den alten guten Rus, den Lich als Fcststadt hat, ül Ehren zn halten, aber auch in der gastlichen Ausnahme der etwa 1000 Sänger, die aus allen Teilen des Lahngaus heule angekommen sind, wieder ihr Bestes.
Das 30. Bundesfest des Lahntalsängerbundcs begann bereits gestern mit lokalen Veranstaltungen. Nachdem die Kapelle des Lcib-Dragoncr-Rcgimcnts Nr, 24 aus Darmstadt schon nachmittags vor dem Schlosse konzertiert hatte, fand abends aut dem geschmackvoll hergerichtetcn Fcstplatz, der zwisätcn Wetter und Bahndamm, dicht am Schloßgarten, sehr schön gelegen ist, Fest- kommers und Konzert der Dragonerkapelle statt. Im Verlause des: Abends ließ der Bau erst che Gesairgverein aus Gießen durch eine Abordnung dem hiesigen fcstgebenden Verein „Cäcilia", mit dem ih» schon lange nahe Freundschaftsbande verknüpfen, einen prachtvollen Pokal zum Andenken an das 70jährige Bestehen der „Cäcilia" überreichen. Der Präsident, Heinr. Schmidt, dankte herzlich für diese von den Gießener Sangesbrildcrn ernnesene Ehrung.
Heute früh fand nach dem üblichen Weckruf bereits um ff-8 Uhr ein feierlicher Festgottesdienst in der Marienstists- kirchc statt, wozu die Vereine Kirchenparade angesetzt hatten. Stistshechant Klingelhösfer widmete seine Fcsipredigt dem deutschen Lied. Die gemeinsame Wiedergabe des „Niederländischen Dankgebets" durch Orgel, Militärkapelle und Sängcrschar war in den (weiten Räumen der Stiftskirche von geradezu überwältigender Wirkung. Nach dem Festgottesbienstc trafen die meisten auswärsigen Sänger ein, die mit Musik von der Bahn abgeholt wurden. Am Rathausplatzc sammelte sich die vielhundertköviige Menge, die der Präsident der Cäcllia in Lick, willkommen hieß. Bald darauf begann dann in Steins Saalhau das Wertungssingen der erschienenenBundcSverrinc, Haupt- lchrcr Storch- Butzbach, der Bundcspräsidcnt, eröfsnetc die gut besuchte Veranstaltung mit Worten der Begrüßung. Besonders sprach er seine Freude Über das Effcheinen der Fürstlichen Familie aus. Daß Fürst Karl und seine kunstsinnige Gemahlin, den Bestrebungen des Lahntalsängerbundes schon von jeher ihr Interesse in hohem Maße zuwendcn, verdiene gcurz besonderen Dank. Am Singen, das Musikdirektor Pa rlo w-Frankfurt a. M. bewertete, beteiligten sich die folgenden Bundesvereine: Gesangverein „Gemütlichkcit"-G i e ß c n (Dirigent: Musiklehrer A.
Kasten): Gesangverein „Männerouartett"-Lich <Dir.: Hauptlehrer Roth): Gesangverein ,Liederkranz"-Weikburg (Dir.: Hauptlehrer Körber): Gesangverein ,Heitcrkeit"-Gic ß e n (Dir. : Lehrer L. Becker): Männergesangvcrein Grünberg (Dir.: Lehrer Lander): Gesangverein „Harmonie"-Gießcn (Ar.: Mufillehrcr Wickert): Maschinenbauer-Gesangverein-Gi e ßen (Dir. : O. Gutjahr):
Gesangverein „Orpheus"-Butzbach (Dir.: Lehrer Bauer); Gesangverein „Eintracht"-Hungen (Dir.: Lehrer Metz); Gesangverein „Liedertascl"-Marburg (Dir.: Richard Rohde): Gesangverein
„Liedcrkranz"-Dillcnburg (Dir.: A, Höfer): Gesangverein „Frvh- sinn"-Londorf (Dir,: Ä, Kasten): Mmmergesangvcrein-Wefstar (Dir,: E. Ense): Gesangverein „Cäcilia"-Lich (Dirigent: Lehrer W, Zimmer). Sämtliche Chöre, unter denen sich mehrere Kompositionen von Wcngert und Neumann befanden, wurden mit dankbarem Beifall aulgcrwmmen. Die Einzelcrgcbnisse des Wcrtungs- singens Iverden erst morgen auf dem Sänqertage bekannt gegeben. In seinen poetischen Schlußworten feierte Hauptlehrer Storch die hohe vaterländische Bedeutung des deutschen Liedes und brache' der fürstlichen Fainilie ein Hoch, Fürst Karl dankte und lobte die durchweg vorzüglichen Leistungen der Bundesvcrerne.
Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug der hiesigen Vereine, der Bundcsvcreine und zahlreichen Gastvereine nach dem Festplatz. Hier sprach zunächst F ü r st K a r l zu Solms-Hoben- solms-Lich dem scstgebenden Verein den Dank dafür aus, daß er ihn gebeten habe, das Protektorat über das Bundestest zu übernehmen. Er sei dieser Aufforderung gerne gefolgt, da ihm alles, was die Stadt Lich angehe, am Herzen liege und ihn ihre Feste in erster Linie interessierten. Einen mächtigen Widerhall fand das .Hoch, das Fürst Karl auf Kaiser und Großherzog ausbrachte. Nachdem daraus Bürgermeister D ö r m e r in kurzen Worten herzlicher Begrüßung die Tangesbrüder im Namen der Stadt Lich wülkommcn geheißen hatte, hielt Oberamtsrichtcr R a u s ch, der Vorsitzende des! Festausschusses, die Festansprache, die den vielsestigcn Wert des Männergestmgs verauschaulichte und in ein Hoch aus das deutsche


