Ausgabe 
11.7.1914
 
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Nr. 160 Zweiter Blatt |64. Zahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.

TieGietzcner Lamilienhlätter" werden dem .Anzeiger' «ermal wöchentlich beigelegt, das ttreirdlatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Di-randwirtschaslllchen öeit-

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeiger fiir Gberhessen

Samstag. ll.Zuli l9l4

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unwcrfitäts - Buch- und Slcindruckerei.

R. Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition und Driickcrei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=®51. Redaktion: L^KIIL. Tel.-Adr.:AnjeigcrG:eßen.

Die Llekttizitätsversorgung der Provinz Gberhessen.

Gießen, 11. Juli.

T re Elektrizitätsversorgung der Provinz Oberhessen, ihre Vorgeschichte und Turchsüh rung" behandelte Provinz,aldircktor Gehcimerat Tr Usingcr aus Anregung der naturwissenschaftliche,: Abteilung der Ober .hessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde und de, Bürger- vereinS Gießen gestern abend in einen, ossentlichcn Vorlrage i» der Reuen Aula der Universität. Rach einigen einleitenden Worten des Prof. Tr. Vcrsluhs in, Ramen der Sberbess Aesellschai, iür Ratur- und Heilkunde erglift Geheimerat Dr. u sing er das Dort, um an Hand einiger ausgehängter Karten der Provinz die seit dem Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts schwebenden Verhandlungen und Untrineh,nungen bezüglich der Sa ff er « und Elektrizitätsversorgung der Pro vinz Oberhcssen in ihrem Verlause und gegenwärtigen Stande eingehend zu schildern.

Eine wichtige Rolle spielten hierbei die dringenden Bedürfnisse von Frankturl und Bad-Nauheim. auch die Scheu des Staates, sich in solche angeblich den Staat nicht berührende Verhältnisse zu mischen: doch stellte sich mit der Zeit immer mehr heraus, daß sich die Interessen und Ausgaben des Staates und der Provinz hierin nicht völlig trennen ließen und der Provinzialtag bewilligte endlich^das Lißberger Projekt mit der geplanten Anlage eines Ltauweihcrs und zweier Turbinen, wozu noch eine Tompi- relcrve kommeir sollte. Schließlich erschienen die Kosten hierfür mit 3100000 Mk. aber zu hoch, und die Provinz wurde wieder bedenklich. To teilte das Finanzministerium mit, daß sitlo in Ver­bindung init der Brikettiabrik Wölfersheim eine Kraitzen- trale wohl anlegen lasse, und zeigte auch seine Geneigtheit, auf dieser Grundlage eine» Vertrag mit der Provinz abzuschließen. Wohl mußte hierbei aus die Gewinnung mancher landschaftlichen Schönheit verzichtet werden, doch bot WötferShcim so viele Vor­züge, daß der Vertrag zustande kam. Wer noäi Bedenken hegen mochte, mußte sie nach den Erfahrungen des trockenen Sommers 10 ll unbedingt schwinden lassen, und heute ist wohl niemand mehr, der den Vertrag durch den der 328 733 Hektar großen Provinz mit 126 Gemeinden und 309 000 Einwohnern dauernde Versorgung mit elektrischer Energie gewährleistet ist bedauert. Obwohl inzwischen Büdingen und Vilbel mit Gas versorgt wurden und auch die Stadt Gießen eine Ueberland- zentrale antegte, ist der Andrang zu dem Elektrizitätswerk der Provinz lebhaft und auch der Stadt bleibt genügend Spielraum, ihr Werk rentabel zu gestalten Taß in der ersten Zeit hier wie dort keine lleberfchüsse zu erzielen sein werden, ist freilich ge­nas,. Auch Wölfersheim muh für etwa 10 Jahre mit Zuschüssen rechuen.

Tr. II s i n q e r gab nun einige Zahlen aus dem Vcrsor- gungsqebiet der Provinz Tieses ist 181 505 Hektar groß und zählt 230 Gemeinden mit 160000 Einwohnern. Tic Stromspannung beträgt im allgeineincn 20000 Volt, in den schwächeren Leitungen 5000 Volt. Ter Bahnhof Friedberg zeigt schon jetzt einen Bedarf von 110000 Kilowattstunden. Tie Gebrauchskraft beläuft sich hin­sichtlich des Lichtes auf 127, hinsichtlich der Kraft auf 220 Volt. Tic Umwandlung erfolgt in den gleichzeitig als Transformatorcn- ßationen wirkenden Unischaltstationcn.

Einen großen Uebelstand bedeutet das geringeEntgegen- kommen mancher Grundeigentümer, die die Aufstellung der Lci- tuugsmaiteu nur zu unglaublich hohen Preisen (bis zu 500, ja 600 Mk.) gestatten wollten. Ihnen ist natürlich die Gewährung der neuen Beleuchtung versagt worden, und wo eine Enteignung nötig wurde, setzte das Gericht die Entschädigung auf den angemessen erscheinenden Preis von 56 Mk herab. Tie Häuschen für die Transformatorenstationen, bei deren Ban natürlich auf die H e i - mackschutzbestrcbungen Rücksicht genommen werden mußte, kosten meistens I I bis 1200 Mk., doch steigt ihr Preis, so bei Frirdbcrg, auch bis 6000 Mk. ohne Einrichtung. Ortsnetze und Straßenbeleuchtung wurden durch die Provinz hergestellt, doch leg- -n die Verträge mit den Gemeinden fest, daß diese "traßenbelcuchtung einzusühren hätten. Ihren Zweck, die elektrische leuchtung in Privatbäusern zu fördern, gut erfüllt hat auch die

nlligung der sog. G r a t i s l a m p e n , d. h. die Herausgabe ton 9Mk für jede dritte Lampe. Wenig Erfreuliches aber förderte die Zulassung unabhängiger I n st a l l a t e u r e im freien Wett­bewerb zutage, so daß in dieser Hinsicht jetzt manche Beschrän­kungen notwendig geworden sind. Zu bedauern ist auch der nied­rige Kurs der beiden ausgenommenen Anleihen: die erste wurde mit 96,78 Prozent verausgabt, die letzte gar nur mit 91,56 Pro­zent. Im Gegensatz dazu recht hock, ist der Preis von 6,9 Pfg. für die Kilowattstunde, den die Provinz an den Staat zu zahlen hat, doch ist auf oine Verbilligung zu hoffen. Geradezu komisch aber wirkt es, wenn wie tatsächlich geschehen ein privater Abnehmer der Zentrale zu dieser komme und sich über schlechtes Arbeiten des Zählers beschwere, weil dieser heute einen Pfennig Kosten mehr angezcigt habe als gestern. Möchte nur auch der An­schluß von Motoren in Zukunft stärker als bisher erfolgen, damit das Elektrizitätswerk sich bald von den Ueberschüssen des Wasserwerkes Inheiden frei machen kann.

Zum Schluß besprach der Redner die Versorgung der Kreise Alsfeld und Lautcrbach, die im Augenblick ja iroch zurück­stehen müssen Es handelt sich um 119 000 .Hektar und 60 000 Einwohner. Hier nwrdcn die Rheinischen Schuckert- Werke cinspringcn. Ter Pertrag zwischen der Provinz und dieser Firma ist bereits abgeschlossen und verpflichtet die Firma, Elektrizität zu gleichen Bedingungen wie das Wölfcrsheimer Werk abzugeben. Die von der Provinz aufzunchmendc Anleihe soll durck, die Gesellschaft verzinst werden. Rur die Genehmigung des Ministeriums steht noch aus. Tr. Usinger spricht die Erwartung aus, daß bei dem guten, treuen, konservativen Chat- tcusinn der dortigen Bewohner die Verhandlungen sich leichter und rascher abwickein werden als anderwärts, wo man an dem Vorhandensein eines gesunden Gemeinsinncs oft geradezu ver­zweifeln müßte. Zurzeit sind erst 157 Gemeinden mit 110000 Einwohnern der Provinz mit Elektrizität versorgt. ü)ie Zahlen werden betragen Ende 1911: 186 und 158000, 1915: 212 und 169000, 1. Juli 1916: 296 und 209 000. Mit Hilft der Rhei­nischen Schuckerlwerke wird bis 1920 die ganze Provinz inft Ausnahme verschwindender Teile an den Errungenschaften der Neuzeit teilhaben.Möchte sich das P l ä tz chen a n d e r So n n e, das sich Oberhessen bisher errungen hat, bald zu einem großen Platz auswachsen!"

Tem lebhaften Beifall, der diesen Ausiühruugen solgtc, gab Lehrer Val. Müller als Vorsitzender des Bürgcrvereins im Namen aller beredten Ausdruck.

AUS StciSt UNd Land-

Gießen. 11. Juli 1914.

»* Dom Stadttheatcr wird uns geschrieben: Zwei inter­essante Werke bringt das nächste Operrtten-Gastspicl des Großh Kurlheaters Bad-Rauheim am nächsten Tienstag, nämlich Suppäs entzückendeS chöne Galathö" und Leo FallsB rüder- l e i n sei n". Letzteres Werk hat bekanntlich seinerzeit beim Gast­spiel des Tarmstädtcr Hoftheaters ganz außerordentlichen Beifall gesunden. Die Vorstellung wird bei gewöhnlichen Preisen gegeben, doch zahlen Abonnenten bei Vorweis des 4, Ermäßigungskupons »ur kleine Preise.- Jetzt, zurzeit der Aboirnementsaiisgabe,

dürste es den Theaterinteressrnten besonders augcnchin sein, noch­mals darüber aufgeklärt zu werden, welche Mitglieder vom per gangencn Winter auch in der kommenden Sviel.zeü bleiben: bildet doch ein Stamm bewährter nnd cingesührter Kralle eine der Haupt- bürgschastcn sür ein ersprießliches Tlwatcrjahr Erireulicherweisc hat ein großer Teil unserer ersten Kräfte sür das kommende Spicl- lahr wieder abgeschlossen: wir nennen die Herren Goll, Tworkowskl. .Rolteck, Steinhoser. Höcker, Schubert und Grosser Brau», sowie die Damen Sonntag-Blume, Martini, Stcttner, Jüngling und Frenzel. Auch Herr Ludwig Großer hat eine anderweitige Verbindlichkeit nachträglich gelöst und ist in dem Verbände des Gießcncr Stadt- theatcrs geblieben, ein erfreulicher Beweis mehr daiür, daßNiere Bühne immer größere Anziehungskraft au, bewährte Künstler ausübt.

** Eine neue Bekämpft, ngsart des Rosenmcl - t a u e s ist neuerdings bekannt gcivorden. Ter Lehrmeister im Garten und Klcintierhos, Leipzig, schreibt darüber, daß sic den Meltau nicht nur gründlich beseitigt, sondern sich auch durch höchst einfache Awvendung, allergrößte Billigkeit und peinlichste Sauber­keit auszeichnet. Seit Jahren wird in verschiedenen Industrien znr Betqmpsung schädlicher Pilzsporen Salizylsäure verwendet. Ter Gedanke, dieses Mittel auch zur Vernichtung des Rosenmeltaues anzuwenden, lag sehr nahe. Eingehende Versuche haben hewreien, daß die Behandlung meltaukrankcr Rosen mit Salizylsäure über­raschend gute Erfolge brachte. Rach drei Tagen war aut den be­handelten Rosen auch nicht die geringste Spur von Meltau zu finden. Zur Verwendung gelangt eine Lösung, welche aus einem Liter Wasser und einem Gran»» Salizylsäure besteht. Tie Lösung wird mit einem Zerstäuber nebelartig auf die Pflanze gespritzt, daß nicht nur die erkrankten Teile sondern die ganze Krmic voll­kommen benetzt ist. In zwai bis drei Tagen ist der Meltau ver­schwunden, die Pflanze selbst bleibt dabei rein und jauber, so daß dieses Mittel allen anderen vorzuziehen ist.

*' Verkauf einer Fabrik. Die Zigarrensabcik von Friedrich B e n d e r & Co. zu Lollar ging durch Kauf in den Besitz des Zjgarrcnsabrikanten Geh. Kommerzicnra! Ga il - Gi e ße n über. Die Ucbecnahmc erfolgt am 1. August. Wie wir hören, will der neue Besitzer den Betrieb in vergrößerten! Umfange weiterbetreiben.

** Zur Warnung für Leichtgläubige. Ein hiesiger Geschüftsmanu erhielt folgenden Brief:

Madrid, den 7. Juli 1914.

Sehr gechrcter Herr!

Wegen Bankrott als Gefangener in hier bitte ich Sie mir zur Zurückziehung von Franken 800000 zu verhelfen, welche Summe ich in Banknoten in meinem aus cinent französischen Bahnhose lagernden Koster besitze! Um dies zu ermöglichen ist es unbedingt nötig daß Sie hierher kommen um durch Bezahlung der Prozeßkosten mein hier mit Beschlag belegtes Handgepäck aus­zulösen um auf diese Weift in den Besitz meiner Reisetaschen zu gelangen worin sich in einem Gcheimfache der Gepäck­schein der zur Zurückziehung des obigen Koffers absolut erfor­derlich ist befindet. Als Belohnung gebe ich Ihnen ben dritten Teil obiger Summe. In der Befürchtung daß Sie meinen Brief wicht erhalten könnten will ich erst Ihre güttge Rückantwort ab- warten woraus ich meinen vollständigen Namen unterzcichnen Und Ihnen mein ganzes Geheininis anvertrauen werde. Ta ich Ihre Antwort nicht direkt im Gefängnis empfangen kann bitte ich Sic nachfolgendes Telegramm an meine Dertrauensperfon welche Sic nachher kennen loerden zu senden die mir solches mft aller Zuver­lässigkeit überbringen wird. Ich anempfehle Ihnen strengste Ver­schwiegenheit uitd bitte Sie wiederholt mir nur durch Tele­gramm aber auf .keinen Fall brieflich zu antworten. Adresse und Text des Telegramms welches Sic mir senden werden: Roca- [Hvrtaleza 33 Patie tres Sicher-Schreiner Madrid.

Ihrer sofortigen Rückantworten gerne entgegensetzend verbleibe ich auf Weiteres ergebenst R. von S.

** Güterrechtsrcgister. Heinrich Weber, Schneider, und dessen Ehefrau Marie geh. Henning zu Kestrich haben Er- rungenschaitsgcmeinschaft vereinbart.

** Grundstücksverkehr. Ein Grundstück zu Gießen, Wetzlarer Weg 55, das aus den Namen des Johann Heinrich Langsdorf in Gießen eingetragen war, soll Freitag, den 25. September 1914, vormittags 9 Uhr, durch das Amtsgericht Gießen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. (Be- trag der Schätzung 51000 Mk.)

" Konkurse in Hesse». Im KonkurSversahren über den Nach­laß des Simon D e u t s ch m a n n, Kaustnann und Inhaber der Firma ,J. Wendel' in Worms, beträgt die Summe der bevor­rechtigten Forderungen Mk. 393.48 und die Summe der nicht be­vorrechtigten Forderimgen Mk. 3183.87. Nach Deckung der bevor- reckitigten Forderungen beträgt der zur Verteilung verfügbare Massenbestand Mk. 1479.35. Das Möbel- und Ausstattungs­geschäft von N. Fnchs, das in Hessen-Nassau und der Rheiupro- vinz fünlzeh» Filialen betreibt, bat am Freitag den Konkurs ange­meldet. Tie Passiven sollen über vier Millionen Mark be­tragen. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Metz­gers und Wirts Wilhelin Büttner von B n h b a ch ist, nachdem der Zwangsvergleich rechlskräitig bestätigt ist, ausgehoben worden. I» dem Konkursverfahren über den Nachlaß des Adam Eck III, in Heppenheim ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Ver­walters, zur Erhebung van Einwendungen gegen das Schlußver- zeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen der Schlußtermin aus Donnerstag, 30. Juli 1914, oornrillags 8)4 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgericht Lorsch bestimmt.

Landkreis Gießen.

Holzheim , 9. Juli. Zu dem M i s s i o » s f e st e hatten sich viele Gäste aus den umliegende» Ortschaften eingesunden. Nach einem Choral der Kapelle sprach Pfarrer Freitag au? Holzheim, daraus hielten noch Pfarrer P c tz m a » n aus Solingen und Mis­sionar Die hl Ansprachen.

Kreis ^riedberg.

r. B a d - N a u h c i m , 10. Juli. (Stadtverordneten­versammlung.) Tie Großh. Badeverwaltung hat einen Rcgcn- wasscrlanal nach dem Goldstein verlegen lassen und fordert von der Stadt die Erstattung der Kosten in Höhe von 1200 Mark. Ta die Stadt an diesem Kanal zurzeit kein Interesse hat, wird die For­derung abgclehnt. Tie Handelskammer Fricdberg-Büdingen hatte an die Stadt ein Gesuch gerichtet, daß die Vertreter erwählt werden, die mit Friedbcrg, dem Staat und dem Kreisamt in eine gemeinsame Besprechung über Erbauung einer Straßenbahn Bad-Nauheim Fricdberg eintreten sollen. Die Ver­sammlung verspricht sich von der Förderung dieses Projektes keinen Vorteil für Bad-Nauheim und lehnt das Gesuch gegen zwei Stimmen ab. Ter Feldweg zwischen Luther- und Mittel­straße, der zur Gasanstalt führt, wird mit Genehmigung der Ver­sammlung gesperrt.

. Hessen-Nassau.

= Frankfurt, 10. Juli. Der Ti erde stand des Zoo­logischen Gartens ist durch zahlreiche, zum Teil sehr interessante Neuerwerbungen vermehrt worden. Im Haus für kleine Säugetiere siftd drei hübsche Exemplare des kapi- schen KlrppjchttLsers, Tiere von der ungefähren Größe un­

seres Wildkaninchens, untcrgcbracht. Die übrigen Neuerwer­bungen, wie Sekretär, Scriema, Tschunja, Hornrabcn. Bunt- tukane und Flußregcnpfeifcr gehören der Vogelwelt an. Der Sekrelär oder Kranichgeier zeichnet sich vor allen übri­gen Raubvögeln durch seine langen Läufe aus, infolge deren seine Beine tatsächlich an die der Kraniche erinnern. Zwei nicht minder interessante Vögel sind die Scriema uno die Tschunja. Im exotischen Vogelhaus untcrgebracht ist ei» prächtiges Paar des abessinischen Hornradcn. Ein reden­der Vogel ist der an sandigen Stellen unserer Flüsse brü- lcndc Flußrcgcnpsciser.

Die Sicher Au?schtellung.

Wer sie noch nett geselle hat

Mutz sich e wingk beeile

Tenn sie rs schee das muß mer sa'

Mer frtt* kaa lange Weile

Die oberhessisch Industrie

Tie kann sich sehe losse

Mit ihrerErwett* Primawoar

Kaa Schund nett nn kaa Posse:

Mewel, Oese, Schülerbänk' Werkzeugmaschine, Kasseschränk'

Klubsessel, Vorhang, Himmelbette Fürnehme Dameioilette Gäulsgeschirr un Schbortbekleidung Druckerei sür Buch und Zeitung Architektur un Wohnungsbau Schikke Schuh sür Mann un Frau Honighäusche sür die Biene Landnnrtschastliche Maschine Inschtallatione, Badebütte Fusibäll, Schneeschuh, Rodelschlitte Fittings, Messing-, Eisegutz Alan sich genau aasehe muß Küh- un San- un Vferdekrippe Wiesecker un Marburger Tippe Bett- un Tisch- un Sophadecke Rucksack' un Touristeschtecke Grabschtei' un Friedhoisaalage Brecks un Lauterbacher Wage Mesischtab', Gabele, Messern, Schere, Kaminkachele, Zementröhre,

Salzschliner Wasser, Sternberq-Leise, Messingschtempel, Gummireife,

Reche, Sensewürf un Schbate, Wärmeflasche, Zinnsoldate Arbeite der Kunstschlosserei Konserve, Sekt und Eppelwei'

Aach die Kunst hat ausgeschtellt Bltder aus der ganze Welt An Geisteslebe un Natur I« reich die schöne Lit'ratur Noch ist nett alles nffgezehlt,

Aach manches is nett ausgeschtellt

Gs fehle noch verschiedene Fächer

Vor allem uns're Sigarrnmächer

Un noch viel git«* bekannte

Handwerksmaaster, Fabrikante

Läßt die AusschteÜung vermisse

Warum, wer'sch waas, wird's sicher wisse

Aber nett nor sür die Aage

Aach sür Lewer nu für Mage

Hat der Ausschtellungsvorschtand

Große Mühe ufsgewandt

In der Festhall', in Althesse

Gibts zu trinke un zu esse

Un sür Gebäckelches allerlei

Sorgt die Mufterbäckerei

Aach en ,Kortze" kann mer sinne

ImStaahäger* aus Großlinne

Es soll der edle Brauntewec'

Ganz antialkoholirei sei Dabei ergötzt noch Herz un Ohr Musik, Gesang und nach Humor Trum nix wie in die Ansschtellung nei' Drei Woche noch dann isl's vorbei

verinisclite».

* Genossenschaftliche Z t g a r r e n s a b r , ka t i o n dcrGroßcinkaufsgenosscnschast. Tie F:eijiunigc Zev tung schreibt: ,^sn der Gcne:alver,än,mlung der Großcinkaufs- gesellschast der sozialdemokrattsckxn Romumvercine erklärte der Geschästsftlhrer Lorenz-Hamburg u. a.: Unsere Zigarrensabriken haben einen sehr geringen Gewinn bei 2,642 Millionen Umsatz erzielt, wie man überhaupt bei dieser Industrie nur mit kleinen Ueberschüssen rechnen kann. Ter Arbeiter spart eben zunächst an den Gemißmittcln. Wir mußten seit März dieses Jahres, nachdem wir eben drei neue llntersabriken eingerichtet hatten, unsere Pro­duktion um 331/3 Proz. reduzieren, eine sehr bcdcnklick>e Erschei­nung. Ta nicht große Posten Zigarren aus das Lager gelegt werden können, blieb uns kern anderer Schritt übrig. Wir zahlen gegenüber der Konkurrenz bei geringerer Arbeitszeit an Löhnen 30 bis 40 Proz. mehr. In nächster Zeit werden wir aber wieder die volle Produktion aufnehmeu. Wir sind in Bezug aus die Löhne an der Grenze ünscrcr Leistungssähigkcit angelangt. Unsere Baulätigkeit ist recht lebhaft. Tic Hamburger Zigarrensabrik hat einen Aulwand von säst 400000 Mk., die Frankenberger einer solchen von über einer halben Million ersordett." Es genügt nicht (allein, Zigarrensabriken zu bauen und Zigarren zu produ­zieren, man muß sie auch verkausen!

* Schwacher Trost. Schauspieler:Tieser Kritiker hak 1 ja hingerichtct." Freund:Das bedeutet gar nichts. Er j nicht, was er schreibt, er wiederholt nur wie ein Papagei, alle Welt sagt."

Fahrrad-Vertreter: Adam Kircher.

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