Nr. |55
Zweiter Matt
M- Jahrgang
Erschein l « Wich mit 1
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberhefjen
Montag. b.M J9J4
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen
Unwersitüts - T-uch- und Steindriltterei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition rmd Verlag: 51.
Redaktion: ^«112. Tel.-Adr.:AnzergerGießen.
A«» ßcffctt.
Der Erwerb »er Sal-s-Sramffekbschen Bkau»r«hlt»tz«»»en i» »er Wetter««,
Der Erste Ausschuß der Zweiten Kummer hat bearttragt, die bekannte Regierungsvorlage bctr Erwerb der ZolmS- Brannjelsschen Brannkohlenq enden rn der Wetterxru an die Grstzh, Regierung Mrüetzuverweiseu I», dem gcdwaukt vorliegenden Bericht des Ausschusses hieitzt eä:
Ne Sfqienmg sordert in der Vorlage 360000 War! iirat Saut der in der Wetterau gelegenen Fürstlich Svlms-Brauntcls- ichen Braunkohlengrnbcn Es bandelt sich dabe, nm dos WolterS- heimer Grudenield, Weckersheimer Grutnmield, Wilhelms-Hoffnung, Gruben selb Barbara, Grubenscld Birklar und Grubcnfeld Hungen, Die Mächtigkeit der hur in Frage kommenden Biannkoblcnlaqer in durch drei (»»lachten festgefielli Das erste ißutachtrn ,m Jahre l'-00 erstattet, setzte emc Mächtigkeit van 260 MUlionen .Hektoliter »- Rechnung Dos -werte Gutachten vom Jahre 1007 rechnete mit 210 Millionen Hektoliter, während das »ritte Gutachten erst in letzterer Zeit durch die heslischeu Bergbehörden veranlaßt, mit 510 Mülionen heltolüer rechnet, wobei allerdings ticier liegend« Lager miiberechne, wurden Damit wären die beim 'Auitauchen der Nachricht vom Kauf der Gruben durch den Staat auttrerenden Gerüchte von ungenügende» Kohlenvvrräten wolst widerlegt, so daß diese Beiürchtunqeu. es würden die 360000 Mark sür loertlosc Grichenjelder ansgegehen, als unberechtigt angegeben werden müssen.
Im Aarsschuß, zumal ,n der Sitzung der Finanzausschüsse Geller und Zweiter Kaimner, wurden weucre Erläuterungen über die Mächtigkeit »er Grubenielder gegeben, so daß schließlich keinerlei ernstliche Bciüochtungen mebr laut wurden. Bestglich des geforderten Preises wurden verschiedentlich Bemerkungen laut, die dahin gingen, daß dieser Preis zu hoch sei, während die Recheruug der Anschauung ist, daß der Preis durchaus ak notabel und viel niedriger sei, als in früheren Jahren verlangt wurde. Dazu kommt, daß die Zahlungsleistung erleichtert werde» toll dadurch, daß ein Teil des Kaufpreises in höhe von 200 000 P'iarf alsbald in bar zu entrichten wäre und in Farm einer Anleihe aufgebracht werden sollte. Der Rest des Preises soll im Biege der Adrcntung derart getilgt werden, daß der sürsllichen Vermattung während der Jahre 1915 bis 1044 30 Annuitäten van ie 6050 Mk., die alljährlich unter Kapitel 114 des hauvt- vvranschlags verrechnet werden 'ollen, bezahlt werden.
Im ÄnStchuK mar man anfänglich geneigt, der Vorlage zu- zunrnrmen, «Nein bei näherer Prüfung mußte dach zugestanben werden, daß der Ankauf uns au> Jahrzehnte h»,m,s, wenn nicht gar aui mehr als ein Jahrhundert lang belasten würde, ohne daß Sicherheit dcksüe gegeben wäre, daß eine Pertvendnng der Braun k.üuentclder nötig wäre Das ichien dem Ausschuß doch bedenklich, und so kam er, ohne direkt die Ablehnung ausiprechen zu wollen, zu der Austastung, daß eine gründliche Prüfung der Frage, wann dann die Felder zur Venm-ndung kammrn könnten, notwendig sein dürste, bevor ein definitiver Beschluß hinsichtlich der Etr- wcrbirng enutsohlen werdz-n könne. Der Ausschuß war deshalb der Meinung, die Beschlußfassung über die Vorlage so lange zurück- ziistcllen, bis die ertordestkichei, Berechnrmqen vorliegen, was auf dieiem Landtag .nicht mehr möglich fein dürfte.
Die Barlage betr. Ausbau M Krastwerkes Ludwigshoffnung wurde vom ersten Ausschuß abgelchnt, In dem Aus- schußbericht beißt es:
Die von der Regierung über die Entwickelung des Bedarfs im Kraftwerk Ludwigsboffirnng seit dem 1. Avrü 1013 gegebenen Ausschlüsse zeigen znptr eine starke Steigerung der abgegebenen Kilowattstunden, lassen aber doch nicht recht erkennen, daß zur Beschaffung der ersorderlichen Reserven ,etzt schon eine derartig oi.ßerrirdeniliche Neuantchaffung, verbunden mit neuen baulichen Anlagen absolut nötig wäre. Man machte im Ausschuß daraut ausmerlsam, daß mich der Anschluß weiterer 25 Ortschaften und die in Aussicht siebende eventuelle liebernahm« eines neuen Verso- anngsqebikts in dem Kreise AlSteld-Lauterbach nicht binreichten. um ine Nenfarderiing durchschlagend zu begründen, da ja die vvr- baiiSenen Maschinenaggregatc zurzeit die Lcittungcn einschließlich Reserven nahezu zu ichaiic» imstande sind. Dazu kam, daß man ,m Ausschuß daraus aufmerksam machte, daß im Falle der Nat rechtzeitig Fürsorgc getroffen werden könnte, daß sowohl das ftaat- liilt« Elctiriziiätrwerk in Nauheim als Reserve herangchagen werden könnte und nötigenfalls auch die Zentrale Bnderus in Wetzlar zu haben sein würde. Aus diesen Gründen kam man im Ausschuß zu der Aussassung, daß die Anforderung des Kraftwerks zu früh gestellt iverde und eine nicht unbedeutende Bc- Ilaitnng des kaum iich erholenden Kraftwerkes zur Folge Imben müßte. Dabei wurde im Ausschuß auch noch darant'hingewiesen, daß bei gegenseitiger Verständigung zwischen der Provinz Ober- iciscn und der ..Staatsverwaltung die als so gefährlich in den fii dergrimd gerückte Bestimmung des ff 2 des Vertrages zwischen Siaat und Provinz weniger ängstlich sein dürfte und auch bei den dermaligen Maschinenaggiegatcn des Kraftwerks Ludwtgs- lst-ffirmig 5 » crtüllen sein würde. Man wollte im Ausschuß eins weitere Steigerung der Differenzen zwischen Provinz und Staat niwt unterstütze» und glaubte, daß eine Reviiion des Vertrages zwischen diesen beiden baldmöglich in die Wege geleitet werden sollte, wobei nicht verkannt wurde, daß die zurzeit des Vertragsabschlusses angesetzten Strompreise eine Ermäßigung vertragen können, zumal wenn bei der Vertragsänderung eine Vergetell- schaftung der beiden Kontrahenten ins Auge gefaßt »nd eventuell auch das Wasserwerk Inheiden in den .Kreis der gemeinsam arbeitenden Gesellschaft hincinqezogen werde. Dabei bedauerte man allerdings, daß der Versuch gemacht worden sei, einen Tritten in die Gesellschatt hincinznbringen, der möglicherweise die Verständigung zwischen Provinz Oberhessen und Staat erschweren könnte. Jmmerbrn aber war man der Meinung, daß zunächst alles autge- boien werden tollte, um eine Verständigung zwischen der Provinz Oberhcffcn und der Slaatsvcrwaltmrg herdcizusülwrn.
Der Landtagsabgeordnete Oekonomierat Fricderich, der schon seit längerer Zeit krernkheits- balber sein Mandat nicht mehr ausüben konnte, ist im 2llter von 53 Jahren in Großrohrheim, seinem Heimatorte, gestorben. Jviederich, der auch der Landwirtschaftskammer als Mitglied angehörte, war bei den letzten Landtags- maiten im November 1011 im Wahlkreis Geriisheit».Pfungstadt in der Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Kandidaten Raab gewählt worden. Er gehörte der Fraktion des Bauernbundes an. Ter Wahlkreis ist außerordentlich umstritten, da außer den Sozialdemokraten rmd dcn Banern- bündlern auch die Nationallcheralen und die Fortschrittliche Bolkspartci über belräckstliche Stimmenzahlen ver- fn gen. _ .__
Zeichen der Zeit in LIsah-Lothringen.
Straßburg lEls.h 4,Juli. Die amtliche Korrespondenz veröffentlicht folgende Erklärnng: Es ist in letzter Zeit beobachtet worden, daß insbesondere bei der Rückkehr von Ausflügen über die Grenze Fahnen und Embleme aller Art in den französischen Farben in aufsälli- l c r Weise getragen werden. Es empfiehlt sich daher
der Hinweis, daß das öffentliche Ausslellen dieser Farben nl»t> Artikel6 Ziffer3 des Dekrets vom 11, August 1848 in Verbindung mit ff 15 des Gesetzes vom 11, Mai 1868 und nach vielfache,, gerichtlichen Entscheidungen eine strafbare Handlung darstellt, die mit Gefängnis und mit erheblichen Geldstrafen geahndet wird,
Saarburg, 4, Juli, Der käiserllche Statthalter Herr v. Da llwitz hat gestern dem Kreise Saarburg einen Besuch abgestattet. Dabei ereignete sich ein Zwischenfall in dem Orte ,Harziveiler, wo der Pfarrer sich weigerte, ans diesem Anlaß die Kirchenglocken läuten zu lassen. Der Bürgermeister ließ daraufhin bei der Krrisdirettion ansragcn, die bestätigte, daß vorschriftsmäßig die Glocken zu läuten seien. Da der Pfarrer sich immer noch weigerte, bedurfte es des Eingreifens der Gendarmerie, Der Pfarrer wurde aufgcforderi, die Schlüssel heranszugeben, was ohne weiteres geschah. Dar aus wurde» die Glocken geläutet.
veuticlie» Aeirtz.
Die Kaiserin begibt sich am heutigen Montag zu längerem Auscnthalt nach Wilhelmshöhc bei Kassel,
Großadmiral von Tirpitz in Süddeutschlau d, Groftadniiral von Tirpitz trat seinen bis August währenden Sommerurlaub an, den er in Süddeutschland zubringt.
Die Staatssekretäre Kühn und p.Jagow zu 2 t a a t S m i n i st e r n ernannt. Der Kaiser und König hat den Staatssekretär des Reichsschatzamtes Kühn und den Staatssekretär des Sluswürtigen v, Jagow zu Staatsministern und Mitgliedern des preußischen Ataatsministe- riums ernannt.
Die deutsche Rheinmündung, Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten in Berlin fand am Samstag eine Besprechung zur Vorbereitung der wirtschaftlichen Untersuchungen und Projektierungsarbeiten für die Kanalverbindung vom Rhein zu der deutschen Nordsee statt, an der als Sachverständige Vertreter der großen Seercde- reien und verschiedener Handelskammern der Küsten- und Binnenstädtc teilnahmen,
Gedenkfeicrder schwäbischen Volks Partei, Am Sonntag feierte die schwäbische Voltspartei das fünfzigjährige Jubiläum ihrer Gründung auf der Burg der alten Reichsstadt Eßlingen, Hier hat vor 7,0 Fahren die konstituierende Landesversammlung der Volkspartci stattgejuu- den. Dem Festessen wohnten Abordnungen der Brndecorga- nisationen aus Batzern, Baden und denr Elsaß bei, 2lach der Festrede des Reichstags ab geord treten Payer, in der er einen llcbcrblick über den Werdegang der Partei gab, sprachen u, a, noch Konrad Haußmann und Redakteur Jung- Frankfurt a, M,
2fit*IattO.
Oberstleutnant v, Winterfeldt hat am Samstag m Begleitung ieiner Gemahlin Grissolles verlatscn, wo er bekanntluh seit seinem Unfall krank darniedcrlag, und sich »ach Aneamvillc bei Tvnlvmc begeben, wo er seine völlige ltzenesung vbtvarten will, Bor der Abreise sprach Frau v, Wintcrselüt dein Bürgermeister den Dank ans sür die liebenswürdige Ausnahme seitens der Bevölkerung,
Die französische Regierung und der Bergor- beiterausstand, Ministerpräsident Di viani empsing eine Abordnung von Bergarbeitern, denni er vcnprgch, daß die Ruhegehälter der Bercheute ohne Ausnahme durchschnittlich 700 Frs, betragen sollen. Die Regierung werbe noch vor Ablaut der gegenwärtigen Parlamentstagung entsprechende Maßiiahmen Vorschlägen, Französische Kämpfe in Marokko, Wie aus R a - b a t gemeldet wird, wurde das Lager der Generale Banmgarten und Gaurraud am Jnauen-Flnß von Riate-Leuteu angegrinen. Die Marokkaner wurden zurückgejchlagcn Und erlüten sehr große Verluste, Die Franzosen hatten neun Tote, darumer einen Lanptmann, und 20 Verwundete, darunter zwei Offiziere, Jaurss schreibt in der „Hnmanite":
„Wie weit sind wir von der Pacistzierung dort, die man ims alle Tage ankündigt! Die Eroberung wird immer schwieriger und kostipieltger werden, je größer die zu besetzendi-n Gebiete sind. Ein sehr großer Teil der militärischen und tinan- zielten Hilfsquellen Frankreichs wird dieser undankbaren Aut- gabe zngewendct werden müssen gerade jetzt, wo unsere Finanzlage eine traurige ist und der europäische 5dorizont trüber wird," Präsidentenwahl in Mexiko, Rach einer Meldung aus Mexiko hat Pedro Lascourain die größte Aussicht, bei der morgigen Präsidentenwahl gmvählt zu werden, Huerta werde, so heißt es, als diplomatiscktei' Vertreter Mexikos nach dem Auslande, wahrscheinlich Frankreich, entsandt werden.
Heer und MoLte.
Berlin. 4, Juli, Das „Militärwockienblatt" meldet! v, Storch, Generalmajor und sßommandeur der 15, Ka- Valleriebrigade, wurde mit der Führung der Gardekavalle- rie-Tivision beauftragt, v. Rosenberg-LiPinskN, Oberst und Kommandeur des Regiments der Königsjägrr zu Pferde Nr, 1. mit der Führung der 15, Kaoalleriebrigade veauslragt, Graf zu SolmsWildenfels, Major und persönlicher 2ll>jntant des Kronprinzen von Preußen, wurde unter Versetzung zu dem Regiment Königsjäger zu Pferde Nr, 1 init der Führung dieses Regiments beauftragt, von Müller, Hauptmann im Generalstab der 21, Division, wurde unter Belastung seiner bislserigen Unisorni zum persönlichen Adjutanten des Kronprinzen von Preußen ernannt. Von der Rückfahrt des englischen Besuchs- geschwadcrs sa,ldte dessen Ches, Vizeadmiral SirG-orge Warrendcr, an den Ehef der Marinestation der Ostsee Admiral v, Cörpcr, durch Funkspruch folgendes Telegramm: Bor dem Verlassen der Kieler Bucht bitte ich Sie als den Höchstkommandierendeii im Hose» den herzlick>e» Dank des britischen Get'chwaderS tür die großartige, den Offizieren u»d Mannschaften erwiesene Gosmenndtchaft ciitgegenzunehmen, Kameraden in der Vergangenheit und allerwege!
Daraus ist solgrudcs Aniworttelegpamn: eingegaargen: Herzlickien Dank für Ihr iicimdliches Telegramm, Es'war unS Offizieren der dentichcn Marine eine große Freude, unsere englischen Kameraden und Freunde in Kiel 'w begrüßen und die Gairfreundschaii, die uns aut Schiffen der englischen Marine und m den englffcben 'Kotonren tlnine-' erwieieii -irra^ zu erwidern, totven es nm-s nt »er kurzen Zeü ^shres Auteikthalkes möglich war. Beste Wünsche sür glücküchc Fahrt, v, Cörper,
Tagung öer Techntter Hessens und der angrenzenden Gebiete.
K B, Gießen, 5, Juli,
Die Tagung begann am Samstag nachmittag mit einer Besichtigung de, Gail schcirTamps Ziegelei, an der etwa 100 Herren teilnahmen.
Der
Begrühungsabko»
in Steins Garten war sehr zablreich besucht Ter Borsitzende der Gicßcncr Techncker, Kulturtcchnikcr R e i tz, hieß die Versammelten willkommen und begrüßte die Ebrcngästc, u»ter ihnen dir Vertreter der Prooini und der Stadt Gießen, den Vorswnd und Vertreter der Baubebördc, der Handelskammer und dcS AusstellungS- vorstandes: besondere Begrüßungsworte widmete er dem anwesenden Mitgliede des Reichstages Proiefior Tr, Werner und dem Vertreter des Landtages Prvieisvr II r ft o b t Dann wies Herr Rcitz aut die Gründe bin, die zu dem Abbalten der Tagung gcsührt hatten: Die Gelcgcnhett, den anstvärtigen Kollegen die Gcwerbe- ausslellimg Gießen zu ihrer Belehrung und Weiterbildung zeigen zu können, die dringend notwendige Anerkennung der Techniker und ihrer Arbeit und das Kennenlernen und Verstehcnlcrnen der Techniker untereinander. Mit dem. Wunsche, daß die Tagung weing- stcns ein Stück dieser Ziele bringen möge, schloß der Redm-r, Sein Hoch galt den Förderern, der deutschen Teckmik, dem Kaiser »Md dem Großberzog, Stehend sang man daraus die Narioualhnmnc,
Baurat Hechler nahm in Vertretung für den verhinderten Provinzialdircktor Gcbeimerat Dr, Ufingcr das Wort und Itvb die große BedeuMng der Technik in dem wirtschailltchen und kulturellen Ausschwuiig Deutschlands hervor, Beigeordneter RcgieruilgSbmlmcistcr Krenzicn ivrach die Hoffnung aus, datz sich die Teilnehmer der Tagung in ttzicßen wvbl fühlen möchten, und wünschte der Tagung selbst einen guten Erfolg Als Vertreter der Handelskammer ivrach Fabrilant Zur buch, für den ßlus» ttclluiigSvorstand Fabrikdircktor T h o m e.
Landtagsabgcordncter Professor Urstadt beleuchtete die Leistungen der Techniker in der geschichtlichen Entwicklung Deutschlands, durch die ein Wohlstand geschaffen nwrdcn sei und die auch Kunst und Geistesarbeiten neu beiruchtct hätten. Bei solchen Leistungen sei cS aber nötig, daß auch der Volksvertretung Techniker angchörten: im hessischen Parlament sei, abgesehen von einem Geometer, der aber nicht mehr im Amte sei, lein einziger Techniker zu sindcii.
In dcmiclbcn Sinne sprach auch Rcichstagsabgeordneter Pros, Tr, Werner, 2l„ch er wünscht Fachleute ans dem Technikcrstande im Parlamciit und hält sür die Vorbedingung, dieses Ziel zu erreichen, die Einigkeit im Technikcrstande, der iich oft bei wichtigen Fragen in Tondergruvpen zerspalte. In dieser Einigten ivcrden die Techniker neben vielen Bmutswüiiichen auch eine geiellichaftlichc Stellung erreiche», wie sie ihnen gebührt,
lieber den Wert und die Wertung technischer 21 r - beit sprach darauf Ina, E, Sin m c stc r. In leicht verständlicher Art schilderte er zunächst an der Hand einer Effenbahntadrt in die Jndustiicbczirke, was die moderne Technik bedeute und wie wenig sic ihre» Verdiensten entsprechend gewürdigt wird, Tie Mißachtung der Techniker und ihrer ?lrhcttsleistung zeigt sich u, a. besonders in den Stellungsangeboten mit kümmerlichen Gehältern, dann in den Vmvrechungen von Leitern technischer Schulen, die jedem Zögling eine gute 'Anstellung verichaffen wollen, was nach ?l»sicht des Redners unmöglich ist, da ein icdes Bnrea» tunt*'' Anfänger, sondern gereffter Techniker bedarf: die Mißachtung zeigt sich auch in dem Kontrollieren der Ingenieure und Techniker beim Kommen und Gehen, das viele Fabriken durch untere Angestellte vornehmen lasse». Das sind jedoch mir 'Ausnahmen, im allgemeinen achtet man den Technikerstaich und weiß, daß kein anderer Berat mehr ohne ihn auskommen kann. Daß der dRensch durch den täglichen Gebrauch lleincr und großer Maschinen „selbst zur Maiäst-ie werde»" soll, glaubt der Redner nicht, denn der Gebrauch aller von der Technik geichaffcner Instrumente erfordere eine geistige Betätigung,
Ein Schlußwort svrach Architekt K o ck e r b e ck , worin er den
Vertretern danttc und sie bat, den Technikern bcizustchen, damit die deutsche Technik das erreiche, wa-5 ihr gebühre.
Den unterhaltenden Teil des stlbcnds hatte der Gesangverein „Heiterkeit" übernommen mrd errang durch mehrere Lieder unge- teilten Beifall,
?Im Sonntag vormittag wurde zunächst die Gewerbeausstellung eingehend besichtigt. Daraus fand in der AnsstcllimgSioirtschaft „Alt-Lessen" eine sehr stark besuchte
öffentliche Versammlung
statt, die von Herrn Rcitz-Gießen mit eindringlichen Worten, in denen er zni» Zusammenschluß malmte, eröffnet wurde,
Herr O eh men aus Lahr i.Baden) vom Vorstände des Deutschen Werkmeisterbundes behandelte das Thema „Einheitlicher A n g est el l t e N r e ch t". Er meinte, daß man fetzt im großen und ganzen die wirtschaftliche Bedeutung der Technik anerkenne, daß aber die soziale Gesetzgebung den Technikern bisher wenig geboten habe. So seien die Kündignngsiristen von sechs shezw, vier) Wochen zu kurz, die Konkurrenzklausel wirke in ihrer jetzigen 5dand- habmig zu hemmend, das Eriinderschutzgesev müsse dahin erweitert werden, daß auch die Angestellten am Gewinn Anteil haben könnten. Besonders sei aber das Recht auf Urlaub überall anzuerkennen: während die Urlaubsverhältniffe ffi Norddeutschland verhältnismäßig gut seien, werde in Süddcutichland in 00 Prozent Stellen kein Urlaub erteilt. Daher sei ein einheitliches sticbeits- und 2lnk- gestclltcnrecht zu erwünschen Um dieses zu erkämvtcn, müßten sämtliche Verbände technischer Angestellten zusammentretc» und gemeinschaftlich handeln. Auch Einilutz aui das politische Leben und Vertretung in den Parlamenten sei anzustrcben.
Darauf nahm der Direktor des Deutschen Techniker-Verbandes, Dr, H ö fl c - Berlin, das Wort zu einem Bortrage über „Tech n i k e r und V o l k s w i r i i ch a f t". Er führte aus, daß bei dem Vorwärtsstreben eines nicht vergessen werden dürfe, nämlich die Rücksichtnahme ans die iortschreitendc Entwicklung nnseres gciam- len Wirtschaitslebcns, in den .Kreisen der Techniker tindc man aber bisweilen 'Anscltanunge.i. wonach nur die Dinge zu beachte» seien, die den Technikerstaiid direkt berühren, Tahin gehöre auch das Streben der Fra», dem Maune gleich gewertet zu werde». Diese Forderung sei billig und gerecht und man müsse die Frau als gleichwertiges Glied in die Verbände auinchmen, Tann kam der Redner aui die wirtschattliche Unselbständigkeit der Techniker zu ivrechcn »nd beklagte cs, daß sür die Haiidlnugsgehilien in der sozialen Gesetzgebung weit besser gesorgt sei, obwohl doch auch die Techniker das Gleiche beanspruchen können. In keinem Stande sei istc llnffcherheit der Lage größer, nach amtlicher Statisti kbetragc der Geltalksdurchschnitt fiir alle Techniker nur 1D41 Mark für das Jahr, das „geiähriiche Alter" sei besonders im Tcchinkerstandc zu befürchten und endlich müsse das Recht der Persönlichkeit frei sein. Im Hinblick aui die Angestcllteiibeivegilng betonte Herr Höffe, daß sie selbstäichsg und frei von>der Arbeiterbewegung sein müsse, aus der Erwägung heraus, daß die wirtschastliche Stellung des Privat angestellten grundsätzlich und prinzipiell verschieden von der Stej, lung des Arbeiters sei, und daß sich die Angeslelltenbewegmig auf politisch und religiös neutraler Grundlage entwickeln müsse. Zum Schluß behandelte er die Stellung des Technikers als Produzent nud als Konsument und kam zu dem Schluffe, daß sich ern Oualftäts- arbrtler uur aus gesunder wirtjchaftiichcr Basis entwickciu könne und


