Ausgabe 
2.7.1914
 
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Kr. 152

Derkfttntr Snzelger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich

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»weimat wöchentl.llreir- »latlfiirdenllrei. Sieben (Dienstag »ni> Freitag); zweimal monall. Land- wielschastliche äeitfrogen siernirwech - Anschlüße: lür d« Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «icße». L»«ch»e oav SnzeigeH kür di« Tageseniminer bis vormittags S Uhr.

Erster viatt

tf>4. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Kotaftonrdnick u»0 Verlag der vrihl'schen Uaiv.-S«»- »nd Steindruckerei R. Lange. «edattion. Lrpedition und Vrvckerei: Schulfirahe

vonnerrlag, 2.)uli 19^

Vez«q»vreiA:

monatlich 75 Pj., viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. Viertel­jahrs ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ausrvärts 20 Pfeinng. Chefredakteur: A. Goe!;. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeh: für ^Feuilleton", ^Ver­mischtes^ und^Gerrchts- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Land": Kurt Bendt; für den Arrzeigenteil: H. Beck.

Vien und Zerajewo.

Eine angebliche Note der Wiener Regierung hatte begreis- Iicherweite Au ge heu und Erregung bervorgerufen. Heute ium> diese Nachricht aber schon dementiert und alle an diesen ^xl)ritt geknüpften Befürchtungen sind deshalb vor lauftg uberftussig.

Pariser Figaro soeben über die beabsichtigt' serbisch.montenegrinische Union enthüllte, 'ist überall tti Europa vom serbischen Federn befürwortet und angekündigt worben. Ein gewiß ernst zu nehmenber chiann nne der frühere serbische Ministerpräsident Tr. Wladan Gcorgclmtsch hat noch ganz kürzlich i,n Anschluß an die alba- nhchen Schwierigkeiten der Bereinigung von Serbien und Montenegro das Wort gesprochen. Fetzt oder nie sei der Moment für Oesterreich gekommen, seine Fehler wieder gut zumachen und sich mit der Zusammenschelzung der serbisch- lroatt^en Ration abznsinden Zollte auch dieser Augenblick verpaßt werden, dann sei man eben gezwungen, den Kampf auszurrehmen. Wiederholt hak (tzeorgewitsch in össentlichen Borttägcn in Berlin erklärt, die serbische Frage müsse mit Gewalt gelöst werden. Die beiden serbischen Staaten rnüßten ihre ganze Anfmertsainkeit der Entwickelung ihrer Armeen und der Volksaufklärung widmen, sie müßten die nationale Energie in den eroberten Teilen der serbsichen Ration (!) aufrecht erhalten, um die nächste Gelegenheit zu benutzen! Tie Berontwortung für die Ereignisse, inc eintrctcn würden, fic(c aus das kleritül dynastische Oesterreich Ungarn, das mit seiner bekannten Bureaukratie und seiner polizeilichen Ad­ministration nicht jene humanen Külturwege betreten wolle, die ihnr vorgezeichnct sind. In Bosnien und der Herzegowina wachse nicht nur das Mißtrauen, sondern auch der tiefe, un­ausrottbare haß gegen den Eroberer. Der Tag fti nicht fern, an dem Bosnien imd die Herzegowina mit -Serbien und Montenegro vereinigt werden könnten.

Auch andere serbische Politiker, wie z. B. Pros. Jowan Zwijitsch haben in Broschüren und Zeitungsartikeln, die in ganz Europa erschienen, die neue serbische Bewegung gegen Oesterreich verraten und klargelegi. Bot man in Wien neben den Sorgen der albanischen Frage gar keine Zeit ge­sunden, sich mit der ansziehcitden Gewitterwolke zu beschäf­tigen und das Unheil beizeiten zu beschwören? Tas Schreck­liche. das in Seraiewo geschah, ist nicht toieder gutzumachcn. vossentlich wird die gcsährliche situano», die dadurch ent­stand, jetzt durch eine kluge und weitblickende Diplomatie üderlvlrnden.

Ueber die Vorgänge erhalten wir folgende Drahtnach­richten:

Die Untersuchung.

Serajewo, l. Juli. Die Einzelheiten der Unter­suchung wegen des Attentats werden geheim gehalten ; man weiß aus der bisherigen Untersuchung, daß Ca- brinowic und Princip in Belgrad von einem Komitatschi namens Miho Tschiganowitsch fürden Mord gedungen und mit Bomben und Brownings aus­gerüstet worden tvaren. Princip sagte aus, er habe ursprüng­lich das Attentat in To risch in, dem .Hauptquartier der Manöverlcitung, verüben wollen, habe diese Absicht aber wegen der strengen militärischen Msperrung ausgegeben. Bei mehreren Verhafteten wurde nur nachgewiesen, daß sie

mil Cabrinowic uud Princip in persönlichem Verkehr ge­standen hatten Ans Anregung des hiesigen Majors Pi ffl, Lehrer am Militärknabenpensionat, sind Sammlungen sür ein sühnedenkmal cingcleitct worden. Tie erste Gabenliste weist 2000 Kronen aus

Wien, l.Juli. Aus Serajewo zurückgekehrtc Ver­so,ilichkeiteu aus dem Gefolge des Erzherzogs Franz Fer- dinaud erzählen, daß noch eine Reihe von Anschlägen geplant war. Unter der im Konak zum Frühsttick gedeckten Tafel ivurden zwei Bomben mit U h r m e r k gefunden, im nämlichen Gemach eine Bombe mit Uhrwerk Im Rauch­sang bei einer Frau in I l i d z c wurden sieben Bom­ben gesunden und beschlagnahmt. Tie Epplosivkngel aus dem Browning ging beim Erzherzog durch den Kragen unterhalb der goldenen DistiktionSsterne hindurch, die un­versehrt blieben, bei der Herzogin durch eine Planchette deS Korsetts, die mit in die Wunde gerissen tvurdc.

Erzbischof Stadler über das Attentat.

Wie auS Budapest gemeldet wird, erklärte der Erz­bischof Stadler in einem Interview: Es ist ketti cinsacher Zufall, daß das Attentat am Jahrestage der Schlacht auf dem Aniselfeldc verübt wurde Alle serbischen Bewegungen auf dem Boden der austro-ungarischen Monarchie haben sich stets an diesem Tage oder um diesen Tag herum abgespielt. ES ist ganz sicher, daß, wenn der Thronfolger und seine Gc- tnahlin nicht an der Stelle, wo dies geschah, erschossen wor­den wären, die Attentäter an demselben Tage Gelegenheit gesucht und gefunden hätten, ihren furchtbaren Plan aus- zuführcn. Ganz -Sarajewo tvar voll von Verschwörern, die bereit waren, das Thronsolgerpaar aus dem Wege zu räumen.

Serbcnseindlichc Kundgebungen.

Serajewo, l.Juli. In Livno, wo die serbischen Läden und die serbische Schule bombardiert wurden, ferner in Stolatz, Oplicici, Sicnitza, Bosnisch Brod und T e i cha n j veranstalteten die Muselmanen und K at ft o l i k c n Trauerseiern und a n t i s c r b i s ch e K u n d- ae düngen, wobei die Fenster in zahlreichen serbischen Häusern und Gebäuden cingetvvrsen und die Einrichtting in Gasthbscn und Geschäftslokalen zertrümmert wurde. In allen Fällen wurde die Ruhe wiederhergestellt. In B a n- jaluka nahmen an der Trauerfeier auch die serbisch- nationalen Vereine teil. In Zavidovic sammelten sich vorgestern abend eine große Anzahl von Muselmanen und Katholiken vor dem serbischen Lescverein an. Man sah durch das Fenster das Bill. .-g Peters : her Wand hängen, die Menge drang in das Haus ein und zertrüm­merte die Einrichtung. Polizei zerstreute danu die Temonstranteu. Tie drei oppositionellen BlätterSrpe- karijcc",Rarod" undOtazbina" werden vorläufig nicht erscheinen, da ihre Druckereien verwüstet sind. In Dolnatuzla und Maglaj sind Ausschreitungen vorgekommen. In beiden Orten wurde das Standrccht verhängt.

Rach Privatineldungcii aus A g r a ni haben die K u n d - gebungengegen die Serben bis in die Morgenstun­den fortgedauert. An den Gebäuden der serbischen Äirchen- gcmcinde und des serbischen SokolvcreinS sowie an zahl­reichen Geschäftslokalen wurden die Fensterscheiben cinge- schlagen und die Firmenschilder abgerissen. Das Cafe

Rational, aus dessen Innern Steine gegen das von der Menge getragene B i l d d e s T h r o n f o l g e r s ge­worfen wurden, wurde von der B lismengc gestürmt. Tie Tische, Stühle und Lüster und di hcrausgerifsenen Fenster­rahmen wurden auf die Straße gcivarscn. Mehrere serbische Gäste des Easöhauses wurden verletzt. Zwischen der Polizei und den Tcnioiistrantcii kam es iviederholt zu Zusammen - stößen. Tie Polizei machte von der blanken Waffe Ge­brauch und verletzte eine Reihe von Mensck»en. Zahlreiche Verhaftnngen wurden vorgcnommen.

Belgrad, l. Juli. Die für morgen ungesagte Protest- Versammlung gegen die von den Kroaten in sarchäwo. Agram und ut anderen Orten veranstalteten serbenseind lichen Kundgebungen wurde behördlich verboten

Wien,!. Juli. Heute abend versuchten 150 junge Leute, Studenten, Handwerlcr usw, n>clche später bis auf ü>00 an wuchsen, von mehreren Hauptstraßen zur serbischen Gesandt­schaft zu ziehen. Infolge des genügenden Wachtaus gebot s mißlang das Vorhaben. Die jungen Leute demonstrierten mit Rufen und Absingen der Dolkshymne. lim 10 Uhr abends war die Kundgebung beendet.

Ltandrccht über Bosnien und die Herzegowina.

Serajewo, l. Juli. Nachdem sich in Dolna Tuzla und Maglaj ähnliche Ausschreitungen wie in Sarajewo wieder­holt haben uich in (Sabella, Bezirk Stolar, die dortige ser bische Kirche von einem Hausen katholischer und muselman, scher Bauern gesttirmt und verwüstet worden ist, hat der Landeschcs das Standrccht über ganz Bosnien und die Herzegowina verfügt.

Prcffeftimmcn.

Wien, fl. Juli. Das Wiener Eorr.-Bureau meldet aus Belgrad:In Besprechung des Attentats in etto, Itlto vertreten die serbischen Blätter den Standpunkt, daß dieses eine bedauerliche Folgeerscheinung des in Oeslerreüb-Ungorn berrschendcn Systems sei. welches die berechtigten Wünsche und Forderungen der slawischen Völker nicht beachte, sondern die staatliche Autotttät nur durch polizttltche Gewalt ausrechtznerhatken beftrebt sei. In ebnem gesunden Staate, Ivo den nationalen Be- dürsnissen des Volkes Rechnimg gcttagen tvcrde, kämen polittschc Rttentatc nicht vor oder nur ganz vereinzelt. Oesterreich- Ungarn sei aber in den letzten Jahren der Schauplatz ver­schiede IIartiger politischer Attentate geworden, die von 2lngehörigcu verschiedener Nationalitäten verübt worden seien. Es wäre daher boä» an der Zeit,' durch die Beseitigung des wahren UebelS, des polizeilichen (Kewalkregunes, eine Konsolidie­rung der inneren Lage in der Monarchie herbey». führen. Es sei ganz verfehlt, wegen der Untat zweier unreifer Fünalinge zu Revressalicu gegen einen ganzen PükSÜLMm zu läueiten, weit üadurä) ooS Uebet nicht vcseittgi. u>>ioern nm vcrgrößen lverde. Die Liebe deS Volkes zum Staate könne im zwanzigsten Jahrhundert niän durch oalizeilichc ltzewaltmaßnah- men und durch Verletzung einzelner »ationalcr Bolksftäinme untei . einander, sondern nur durch ein weises Regierungssystem erweckt werden, wodurch allein normale Zustände hergcsteüt und erhakten werden könnten."

DasF r em d e n b la t t" bezeichnet die Sprache einzelner^ serbischer Blätter als unerhött. TicReue Freie Preise" schreibt: 5liur mit entern Gesübl der Scham für die Menschheit kann cs vernonimeu werden, daß in solchen Tagen sich rraurigr Helden fhiden, tvclchc die eigene rochuld durch beleidigende Hergussorde- rungcn zu verdecken suchen. DieR e i ch s p o st" führt aus: Daß man cs in Serbicu wagen konnte, die Ermordung des Thron- folgcrs und seiner Geniabliti zu verherrlichen, übett'lcigt aNcS Maß von Bosheit, lvclche wir von Serbien gewohnt sind. Wird

Aus der Geschichte der Universitätsbibliothek ^88519|4.

Gießen, 2. Juli.

Als der jetzige Direktor der Universitätsbibliothek >m Oktober 1885 seinen Dienst antrai, fand cr als erste Ausgabe vor, iür ncucS Personal zu sorgen, denn von den Herren, die Anfang Juni dasselbe gebildet batten, war keiner mehr aus der Bibliothek bc- schästigt. Sein Amtsvorgänger war am 15. Juni gestorben, dessen Vertreter am 23. Juni, der dritte Beamte war ausgetreten, der Diener in Pension gegangen, tauch er starb noch im selben Jahre). Die Bezahlung der verschiedenen Stellen war freilich nur gering und von der der Beomten an der Hofbibliotbck in Tarmstadt sehr verschieden. Während an der Hosbibliothek der Tirektor 5100 Mk. bezog, wurde» hier itur t000 Mk. gewährt, soviel wie der 2. Be­amte in Tarmstadt erhielt: der hiesige 2. Beamte dagegen be,zog (bei allerdings täglich nur vier Stunden Dienst! 1200 Mk.: der 3. in Tarmstadt erhielt 3300 Mk, der hiesige (bei täglich 2 Stun­den Dienst! 500 Mk., daher zuletzt ein Student:Oec 4. in Tarm- smdt 2500 Mk., während es hier keinen vierten gab. Rur der Diener war sogar besser bezahlt als in Tarmstadt, denn er bekam hier 1500 Mk., in Tarmstadt nur 1340 Mk. Außerdem gab es in Tarmstadt einen angeftcllteii mittleren Beamten. Tie Reube- setzmigcn mögen angesichts dieser auch sür damals geringen Be­zahlungen mancherlei Schwiettgkeitc» bereitet haben, sie gelangen indeß natürlich doät. Ter Inhaber der damals als Kustos bezcich- ueten Stelle ist noch hier im Tienst, toähreild die Besetzung der übrigen Stellen wiederholt gewechselt hat. beute besteht das Per­sonal der Bibliothek außer dem Direktor ^ aus vier angefteUten Bibliothekaren mit einem Einkommen, das wie auch das der übrigen Beamten dank besonders dem Eintreten des damaligen hiesigen Abgeordneten Metz bei der Bcsoldungsretorm deS Jahres 1898 iiir die hiesigen Wünsche dem der Herren an der Hosblbliothck qleschsteht. aus einem Hilisbibliothekar, einem wissenschastlichen Hilfsarbeiter, einem Vorsteher der Ausleihe, drei weiteren mitt­leren Beamten (allerdings zunächst nur Anwärtern) und drei Dlc- uern (einem angcstellicn und nvei provisorischen). Dazu kommt zurzeit, wie schon öfters, noch ein Volontär. Wie gesagt, haoen die Inhaber der verschiedenen Stellen in den bald 30 Jahren mit einer Ausnahme zum Teil wiederholt schon gewechselt. Einer der truhcren hiesigen Beamten ist setzt Leiter dev ^otadtbibliothek in Krefeld, einer Vofttand der Scnckenbcrgitcktz-n Bibliothek in Frankiurt a M , einer Leiter der Büchcrhallc in Hamburg, einer Lbcrbibliothekar in Jena, einer HiliSarbeiter i» Posen: mehrere ynd auS dem Bibliothekdiewt ganz ausgeschiede». darunter einer durch lieber« tritt m den Pfarrdienst und niedrere diiräi Einttitt in den w-anil dienst' einer der trüberen Hilisarheiter ist ordenttichcr llniversiiäts- prokevor in .Halle a.d.S., ein anderer Pfarrer IN Gicycu.

Tic ganze Peftonalvermchrung war nötig, weil die Verhältnisse der Alblivthek yach icöer Richümg hm audertey. lieber die

Benutzung derselben wird demnächst noch von anderer Seite ge­sprochen werden, so daß hier davon nicht die Rede zu sein braucht.

Am l. April ds. Js. zählte die Bibliothek 271 935 Bände und außerdem besonders ausgestellt. 157 077 Sttick seit 1885 erschiencn- Tissertationen und Schulschritten loissenichastlicheu Inhalts. <Tie z. Zt. (besetzten Bücherbret er alle uebeneinander gestellt würlcn rund >0,900 Meter Länge cinnehme»-. Am l. Mai 1886 dagegen waren es nur 159 615 Bände.

Im Jahre 1885/86 betrug das ganze sachliche Budget der Bibliothek 14 00t) Mk., zurzeit abgesehen von einer Anzahl Vergütungen sür Dienstleistungen) dagegen 42 212 Mk., wovon sür Anschassungen und den Einband von Büchern 1885 86 13 170 Mk. ausgegeben wurden, während jetzt dafür 35 282 Mk. zur Verfügung stehen und eine weitere Erhöhung für das nächste Jahr in Aus­sicht genommen ist. Tie Hosbibliothek hatte insgesamt iür sachliche Ausgaben 1885/86 24 750 Mk. zu verwenden, jie erhielt später sür Bücheranschassungcn eine Zulage von 10 000 Mk. jährlich auf einen Schlag, und hat jetzt ohne die Bindckosten allein sür Ankaus von Büchern 33 000 Mk. zu verbrauchen. Ein anderer Teil deS BücherzuwackscS besteht in Geschenken: zu erwähnen ist von größeren Reihe» die ständige Abgabe von Töppeln durch die Hosbibliothek sowie die zahlreichen Bücher, die die Bibliothek im IlniversitätSjnbeltahrc >907 von deutschen Verlegern erhielt, sowie im selben Jahre Geldgeschenke zur Bcichassnng von Büchern im Be­trage von insgesamt 35 420Mk. Auch zu anderen Zeiten hat sich die Bibliothek der Freigebigkeit der verschiedensten Herren zu erfreuen gehabt, (von ihnen wird wohl demnächst die Rede sein!. Hoffentlich bleibt das auch in Zukunft so. so daß sich die Bibliothek mit den Beftäiiden einzelner Fächer ganz besonders sehen lassen kann, tvie zurzeit z. B. mit denen der Missions­literatur, zu deren Pflege der im vorigen Jahre gestorbene ehemalige Pfarrer von Auerbach a. d. Bergstr. Levdhecker ein malig 3000 Mk. und außerdem dauernd jährlich 80 Mk. gespendet hat. Tas kürzlich im Truck erschienene Verzeichnis dieser Literatur umfaßt 753 Nummern. Ami: die Geschichte des UniverlitätS- und und des Studenlenwesciis ist sehr gut vertreten, wie auch dank verschiedener Stiftungen die Volkskunde. Auch die klassische Philo logie der älteren Zeit ist nicht schlecht vertreten, da die auS den Mitteln des philologischen Seminars beschafften Werke (ans heuen aber früher auch die Archäologie bedacht wurde größtenteils au) der Universitätsbibliothek ausgestellt werden. Auch hat sich ge­rade dieser Zweig der Wissensckoast der Förderung durch größere Gcichenkc durch die Familie Elemm zu ertreueu gehabt. Vermehrt wird die Bibliothek auch durch die Zugänge der hiesigen Ivissen- schastlichen Vereine. Die der oberhessischc» Gescllschast sür Ratur- iind Heilkunde waren schon 1876 einverleibt worden, 1888 kamen dazu die des oberheisil'chen Geschichtsvcreins: 1906 die der Ver­einigung für Volkskunde, während die der Geiellschost sür Erd- lund Völkerkunde, die 1903 der Bibliothek itberwiescn worden waren, 1911 wieder zurückgezogen wurden. 'Auch das Burschen-

schaftliche Archiv ist der Bibliothek angegliedett (wie in Marburg das der Korps).

1885 besand sich die Bibliothek im ehemaligen Univeriitäts- aeboude am Brandplatz, in bas sic nach Fettigstettung des jetzigen Kollegienhauses in der Ludivigsttaße im Herbste 1880 cingezogen war. Sic hatte das Gebäude jedoch nicht allem innc, sondern der größte Teil des Erdgeschosses gehöttc dem botanischen Institut.

Heizbar waren nur die Geschäftsräume Zange Jahre durch Oesen, in denen Braunkohlen verseuett wurden»; die Beleuch­tung bestand nur auS 2 tragbaren Petroleumlamre»; mehr loaren auch nickt nötig, da die Bibliothek schon um vier Uhr geschloisen wurde lgeöffnet tvar sie von 91 und außer Donnerstags von 3- -1, also wöchentlich an 29 Stunden. Als in der Zeit der Oeftniing »ach und nach ein Wandel cintrat, wurde natürlich die Beleuchtung wie auch die Heizung verbessert. Jetzt ist die Bibliothek geöffnet im Sommer von 81 und außer Sams­tags von 36, int Winter von 91 und außer Samstags von 37, insgesamt also 45 Stunden in der Woche.

Weihnachten 1885 wurde der alphabetische Katalog anders auigcstcttt. Er umfaßte darnach 210 Kapseln von ie 15 Ztm. Tiefe, würde also 31,50 Mir. lang gewesen sein. Jetzt sind es 511 Kapseln zu je 21 Ztm. Tiefe, also 107,31 Mir. insgesamt: er bedarf aber demnächst »vicder der Erweiterung, wie auch der systematische Katalog, der jetzt 129 Kapseln zählt gegen 94 in 1889.

Sehr bald schon stellte sich Raummangel ein: im Jahre 1892 niußic daher das boianische Institut auszicheu: aber auch der dadurch gewonnene Raum reichte nicht: cs wurde daher ein

Anbau in den botanischen Garten in Aussicht genommen und auch bewilligt, jedoch gelangte er nicht zur Ausführung, son­dern 1901 wurde in der StcphanSmark mit eineni Neubau be- gonnen, der ani 21. November 1904 in volle Benutzung genoni- men werden konnte. Glücklicherweise ist man bei Erwerb des Bauplatzes Iveftsichtig genug gewesen, so daß ftir eine in abseh­barer Zeit notwendig werdende Erweiterung hinreichend Raum vorhanden ist. Ter Bau wurde au) der Bibliothekarvcttammlung in Münster im Jahre 1909 sehr gelobt: auch jetzt noch wirb e» sehr häutig von auswärtigen Bibliothetären, die vor der Frage eines Neubaues stehen, und deren Architekten betucht und leine Einrichtungen als zweckmäßig und z. T. vorbildlich befunden.

Hr.

Karze Nachrichten auS Kunst und Wissen­schaft. Ter Deutsche Verein für öffentliche Ge- sundheitsptlege hält seine 39. Versammlung in Stutt­gart in den Tagen vom 16. bis 19. September 1914 ab. Ter Altertunissorschcr und ftärtbige Sekretär der Akademie der In­schriften in Paris, George P c c r o t, ist am Dienstag abend plötzlich int Alter von 82 Jahren g e st o r h e n.