Ausgabe 
30.6.1914
 
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m. 150

pnftes Blatt

Erschewt -«Wch°*M »»«hm« d«S Sonntag;.

M- Jahrgang

Dirftitftcatt SamämtäätiKt werden dem »Anzeiger* wermat w«hentk«h beigelegt, dar XreisbiaN str deK tlrrir Gtetzen" zweimal cheirtlich. Ttze ^«»»irftchgftli^eo Zeft fr»S«r" ajdiemen owaatiich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Heoeral-Anzeiger für Gberhefjrn

Dienstag. 30. Zuni lM

Rotationsdruck Mid Verlag der Brühl'schen Univerfitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub» straße 7. Expedition und Verlag: e=^5L Redaktion: ««112. Tel.-Adr.:2lnze:gerGießen.

A Stadt und Lau».

Gießen, 30. Juni 1914.

Kahrkarten und Reisegepäck.

^^ iften>ri»er>mq de< :Rrisegevacks geschieht gegen Korzcigiurq von ^abrkorten für dre,clbe »trecke, über die das Gepäck bAördeü "^klen ist. dos Gepäck schon am Tage »sc An- ,Dic Fahrkarten der denffchen Staats- bahnen gelten Pier Tage, cs »)t al,v leickit möchich. dir starten vorher N.^en ünd das Kepack rechyeuig anizugcbcn. Das Enffcrnen alter ^ rtlkbezettel vo-n den Gepäckstücke» ist dringend zu empichlcn, denn

^'^bahn teiltet kernen Schadenersatz, wenn Gepäck msolge vernbleppt imrd. Der Frachtpreis ermäßigt iich. wenn .tteiieqcpnci nirbrrrrv zusammengehören der lutb nacti einer Bcstim- mnngsstalion reitende, Personen aut einem Gepäckschein aus- gegeben wird. Es ,t«ht jedem frei. Handgepäck mit in die Abteile zu nehmen, falls die Mitreisenden nickn belästigt werden und keine Z°llt«rschimen dies ver bieten. In der 1., 2. und .3. Wagenklatic Itc In iem neilenden nur der Raum über und unter seinem Sitzplatz zur Beringung Das .Handgepäck darf nicht länger als etwa 70 Zentimeter und auch ionst nicht zu umfangreich sein. In die Ab­teile der 4, Klasse kann der Fahrgast eine Traglast in dem llmfange, wie ne im allgemeinen em Fußgänger tragen kann, milnehmcn. .lut den Sitzplätzen dar) .handgepäck^nicht untergebracht werden.

... Dm Reisende muß aus seine Sachen selbst achtgeben, da die .Giienbabn nur insoweit haltet, als sie ein Bcrsckmlden trifft. Tiere dünen in die Personenwagen nicht mitgenommen werden: aus­genommen lind kleine Hunde und andere kleine Tiere, die aus dem »choß getragen werde , falls gegen ihre Mitnahme von den übrigen Reilende,^ Nichts <ni«ewcndet nnrd Gefährliche Gegenstände, wie geladene'Schußwaffen, exvlosii7Nsgeiäl:rlichennd übelriechende »toffe such vmi der Mititahine ausgeschlossen. Der Zuwiderhandelnde haftet für den Schaden und macht sich strafbar.

Die Auslieferung des Reisegepäcks erfolgt gegen Rückgabe des Gepäckscheins, die Eisenbahn ist nicht vervftickftet, die Berechtigung des Inhabers zu prüfen. Der Inhaber des Scheins ist berechtigt, aus der Bestimmungsstation die Auslieferung des Gepäcks an der Ausgabestelle zu verlangen, sobald die zur Bereitstellung erforder­liche .seit abgelaufen ist. Ter Reisende, dein das Gepäck nicht recht­zeitig ausqclieiert ist, kann verlaiigen, daß ihm auf dem Gepäck­schein Tag und Stunde der Abfordcrung bescheinigt werden. Diese Anerkenntnis ist von Wichtigkeit sowohl zur Vermeidung der Zahlung von Lagergeld als auch zur beschleunigten Herbeischaffung des Gepäcks >md epentl. Geltendmachung von Ersatzansvrüchen. Für den Verlust von Reisegepäck haftet die Eisenbahn nur, wenn das Gepäck binnen 14 Tagen nach der Ankunft des Zuges, zu de- es aufgrgeben war, auf der Bestimnrungsstation abgefordert wird. Ein fehlendes Gepäckstück gilt nach Ablauf von drei Tagen nach Ankunft des Zuges, zu dem es aufgcgcbcn war, als verloren. Wird das Gepäck fvätcr gefunden, so ivird der Reisende hiervon benachrichtigt. Er kann innerhalb 30 Tagen nach Enipfang der Nachricht ver­langen, daß ihm das Gepäck gegen Rückgabe des bereits gezahlten Ersatzbctrages abzüglich des ftir die Uebcrschrcitung der Liescsirist zu gewährenden Schadenersatzes kostenfrei - ausgchändigt werde. Eine Haftung der Balm fällt fort, wenn die Fristüberschreitung von einem Ereignisse berrübrt, das die Eisenbahn Nieder herbei getülni, noch abzuwenden vermochte. Die zuständige Instanz ist s,K den Inlanbsinnkehr das königliche Eilcnbghnverkehrsamt, für den AnslnndSverkehr die königliche Lifenbahndirektivn. Len Sitz der zuständigen Behörde vermag jeder Stationsvorsteher anzn- geben. kl. <

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** Herb stiibungen 1014. Mit Rücksicht aus die in diesem Herbst fast in allen Teilen des Großherzogtums Helsen skattsindendcn Truppenübungen und Manöver hat das Ministerium die Kreisämtcr angewiesen, dafür besorgt sein zu wollen, daß Instandsetzungen an den Kreisstraßen nsw., rnsoweit sic frische Beschotterung der Straßen be­treffen, im Interesse der Mannschaften, Pferde und Fahr­zeuge während der Herbstübungen möglichst vermieden werden.

** QVe r re ch-nirn gsAammer. Der Großher­zog hat den OberrechnnngSrevisor bei der Oberrechnungs- lammer Rechmrngsvat Karl Heinrich K e u tze r mit Wirkung vom 1. Juli 1014 an unter Belastung des Charakters als Rechnnngsrat zum Oberrevrsor bei der Oberrechnungscka in ­nrer ernannt.

" Die Ceylon-Aus stellung, welche vorgestern sich eines lebhaften Besuches erfreute, war am Nachmittag vom Verein Nassauischer Land- und Forstwirte besucht. Gestern statteten mehrere Schulklassen aus Bad-Nauheim der Ausstellung, die bis abends 8 Uhr geöffnet ist, einen Besuch ab.

** Der Odenwald-Sängerbund, dessen Grün­der und Vorsitzender Herr Reg.-Asiessor Dr, Siegert ist, feierte am 28. Juni sein zweites Bundesscst in Michelstadt. Ungefähr 70 Vereine nahmen daran teil. Ter Begrüßungs­abend am Tage vorher fand in der Festhalle statt. Das Pro­gramm bot eine Fülle musikalischer Genüsse. Männerchöre mit und ohne Begleitung und Solovorträge brachten reiche Abwechslung. Von den Darbietungen verdienen die des Rezitators Herrn H. B a k o f - Gießen besondere Erwähnung. Bei den ältniederländischen Volksliedern von Kremser sprach er in vortrefflicher Weise den verbindenden Text. Vor allem aber fesselte und erschütterte er die Zuhörer in Ernst Wil­denbruchsHexenlied" imelodram. Bearbeitung von Max Schillings) durch die Heranshotung und Wiedergabe des tiefen Stimmungsgehaltes. .Am Schluß des ersten Teils hielt Herr Reg.-Assessor Dr. Siege rt-Gießen eine glän­zende, weihevolle Festrede. Wie er die Herzen der Ödcn- wälder gewonnen hat, wie dankbar sic ihm jür seine selbst­lose, mühevolle Arbeit sind, wie bedingungslos iie seiner Führerschaft Gefolgschaft leisten, das zeigte der orausende Judesi der ihm beim Verlassen der Tribüne -ntgcgenscholl. Am Sonntag morgen 8 Uhr begann das Wertungssingen, an dem sich 56 Vereine, in drei Gruppen geteilt, beteilig­ten. Die Leistungen zeigten, nach dem einstimmigen Urteil der Preisrichter, einen entschiedenen Fortschritt gegenüber dem Vorjahre. Ein eindrucksvolles Bild bot der F-estzug. Auf dem Festplatz wurden drei Masienchöre vorgetragen, die unter der temperamentvollen und sicheren Leitung des .Herrn Lehrer Keidel einen mächtigen Eindruck hinter­ließen. Am Nachmittag entwickelte sich auf der Festwiese ein reges und frohes Leben. Kein Mißton störte die Har­monie. Neben dem Ringen um die Siegespalme brachte das Fest gleichzeitig eine Verbrüderung der tausendköpsigen Sängerschar, und mit dem Llbsingen des LiedesBrüder reicht die Hand znm Bunde" eine machtvolle Kundgebung fiir die Wertschätzung des deutschen Liedes.

Landkreis Gießen.

X Allendorf a. d. Ldcr. 29. Juni. Die hiesige Fcldbereinigung, welche vor sieben Jahren in An­griff genommen, aber zugunsten lleincrer Gemarkungen ,zu- rückgcstcllt wurde, soll nunmehr b c s chl c un r g t werden. In her vergangenen Woche ist das Wegnctz abgeskeckt wor­den. Unsere seit dem Jahre 1906 ohne Anstoß tätige Wasserleitung hat in der letzten Zeit durch verschie­dene Rohrbrüche zwischen den Quellen und dem Sam­melbehälter wiederholt Störungen erlitten.

Holzhcim, 30. Juni. Heute verläßt uns unser langjähriger Lehrer, Herr Ranft, um auf seine neue Stelle in Hausen b. Gießen überzusiedeln. Seit seinem Seminarabgang, 1893, ist er ununterbrochen in unermüd­licher, treuer Pflichterfüllung zum Wohlc der Gemeinde hier tätig gewesen. Er hat sich im Laufe dieser Zeit durch

seine gewinnende PersönlichUnt und seine aufopfernde Tä­tigkeit viele Freunde erworben. Di« Gemeinde läßt ihn nur sehr ungern scheiden.

Kreis Lautcrbach.

--- Allmenrod, 29. Juni. Nachdem die geplante Gruppenwasserversorgung im oberen Schwalm­tal nicht zur Ausführung gekommen ist, haben sich die daran interessierten Gemeinden des Kreises Lauterbäch: Dirlam­men, Friichborn und Wallcnrod eigene Wasserleitungen er- baut. Aus diesem Grunde ist auch unsere Gemeinde setzt genötigt, wn aus der Trinkwafserverlegenhcit herauszu­kommen, ein eigenes Wasserwerk anznlegen. Die Vorarbeiten hierzu sind bereits der Größt). Kulturinspektion Gießen übergeben. Die Quellen hofft man von der Frecherrkich Riedeselschcn Verwaltung im Stcigerswald zu erwerben.

Hessen-Nassau.

oh. Lorch a. Rh., 23, Juni. Mit dem S ch w a r z w ! I d, da? sowohl in der hiesigen, als auch in den umliegenden Gemarkungen ganz bedeutenden Schaden angerichtet hat, wurde in der letzten Woche tüchtig aulgeräumt. Nicht weniger als 40 Tiere, ältere und jüngere, wurden in den letzten Tagen erlegt. Auch die Sauiänge im Kammeriorsi und in den, Gcmeindewald Baniel haben sich gut bewährt. So sehr es in, Interesse der neichädigten Gemeinden zu begrüßen ist, so sehr ist das massenweise Abschüßen dieses seltenen Wildes sür die Allgemeinheit zu bedauern. Es gibt in Deutschland nicht niehr viel Gebiete, wo die Borstentiere sich in größerer Zahl aushalten. Tie Tiere müßten in diesen Gebieten aber aus die eine oder andere Weise erhalten werden.

Ein GberheUcher zeuerwehrtag in Vilbel.

A Vilbel, 28. Juni. Mit dem heuttgcn Fcucrtvehrlag verband'die freiwillige Feuerwehr ihr lOsabr 'Jubiläum, 'welches gestern abend durch eine Vorfeier eröffnet wurde. Die Begrüßungsansprache hielt Fenerwehrhäuptmann Wilhelm Schuch. Der ölsherige erste .Haupimann Fink wurde zum Brandmeister ernannt und erhielt eine Ehrenurkunde, sowie ein Beil mit Kette, Wilh. Ricbel von der Gießcner freiwilligen Feuerwehr übergab der hiesigen Wehr einen Fahncnnagcl, der Gesangverein Liedcr- kranz ließ eine Urkunde überreichen. Ter Haupimann Rtillmanr dankte sür das Geschenk. Unter Leitung des Lehrers Rödclsbcrger trugen die hiesigen Gesangvereine erneu Massenchor vor, Einzet- chöre und Musikstücke der Regimentskavelle aus Gießen schlossen sich an: auch die Turnvereine, eine Damenriegc und der Rad- sahrerverein wirkten zur Verschönerung des Abends mit. Leb­haften Bestall fanden die Vorführungen und Beilübungen der sogen. Damenseuerwcbr unter Leitung des Lehrers Otto Burck.

-- Deute stüh 9 Uhr begann die Vcrbandsiagung unter Leitung des Vorsitzenden F. Damm. Als Vertreter der Regierung war Rcgiernngsrat Herberg iFriedbergi erschienen, Bürgermeister Berg vertrat die Stadt Vilbel. Der Vorsitzende überbrachtc namens des hessischen Lcrndesvcrbairds und des Provinzialvcrbands der hiesigen Wehr die Glückwünsche. Die Perhmidlungcn drehten ÜBT in erster Linie um Vergütungen bei Waldbränden und Ersatz der den Wchrleuten entstandenen Schäden. Ter Vorsitzende gibt be­kannt, daß bei Schäden deni Bürgermeister Meldung erstattet werden muß, die Gcminndcn bezw. die Besitzer des Waldes Mid ersatzpslichtig. Bei Hausbränden soll man den Drähten der Orts­leitungen und Fernleitungen der elektrischen Zentrale fern bleiben. Regrcrungsrat Hcrberg stellt in Aussicht, daß die Vergütung sür Bespannung bei ausiväriigcn Bränden erhöht werden soll. Auch crllärt er, daß die Behörde stets die Beschwerden der Hauvt» leutc bei Fernbleiben der Wehrleutc von den Uebungrn beachten und die Fehlenden bcftrarcu werde. Aus Vorschlag des zwecken Hauvtmanns Kulimann -Vilbel! wird der bisherige Vorstand wie» dcrgcwähli. Den Fcucrwchrtag 1915 erhält Rodheim, das sein 40jähr. Silitimgssest begeht Mit einem Hoch aut den schutz- hcrrn der hessischen Feuerwehren, den Graßherzog, schloß der Vor­sitzende die Tagung.

lim els Uhr fand unter Leitung des ersten Hariptmanns Schuch am Rathaus Fußcxerzieren und ein Brandangriff auf das Rat-

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Aus drin Leben des Erzherzogs Franz Ferdinand.

Als Kronprinz Rudolf 1889 im Jagdschlösse Mcherling ein tragisches Ende gesuirden hatte, und dann auch des Erzherzogs Kater, Karl Ludwig, im Jahre 1896 gestorben war, da begann sich die allgemeine Aufmerksamkeit aus Franz Ferdinand zu richten. Franz Ferdinand war damals dem Publikum eine völlig siemdc, undurchsichtige Persönlichkeil. Sein jüngerer Brüder Otto loar in Wien trotz oder wegen seiner tollen Streiche beliebt gewesen: Franz Ferdinand Innargen hatte immer zurückgezogen gelebt, and man wußte von ihm kann, mehr, als daß er ein eifriger Soldat ,md Jäger sei. Zudem hieß cs, daß seine Gesundheit zu lvünschen übrig lasse- man sprach damals sogar von Tuberkulose, Vielleicht war 'es diese Rücksicht mit, die die große Weltreise des Erzherzogs im Jahre 1892 vermftaßte. Fast zwei Jahre n«r er unterwegs, und dos Buck, das er über diese Reise veröffentlicht hat, be­weist, daß er ein ernster und eifriger Beobachter war.

Zurückgekehrt, setzte er sein einsames Leben fort, Franz Fer­dinand war kein Freund der Oesfentlichkeit, des großen Lebens, der -^tädtc Er liebte die Natur uich gewisse Studien, mrt denen er fick »on srübaus besaßt hatte, besonders die Botanik und dic Arckäolagie Still seiner Soldatenpflrcht genügend hielt er llch auch in den folgenden Jahren zurück, und aus dem Prager Hrad- schsn wo er in Abgeschlossenheit residierte, drang kaum etwas in die wecke Welt. En't sein Liebes- und Heiratsroman slchrtc ihn und seine Persönlichkeit dein großen Publrkum naher.

Natürlich war von mancherlei Heiratsvlmren des Throniolgers bereits die Rede getoesen, und besonders bezerchnetc inan die Eez- b-rzoarn Ehristtne, die älteste Tochter des Erzherzogs Friedrich und der Erzherzogin Jsabelta. als Oesterreichs kunfttgr Kanerm. Wirklich verkehrte Franz Ferdinand mit onenkundtgee Bor rebe ~ emberz 'alrchen Hofe zu Preßburg. Aber es war nicht die sondern die Hofdame ihrer Mutte,, die Gräfin Ebuek, der Km Interesse galt. Tie Grasin war am l Marz 1868 als vierte Tockue: des damaligen osterreich,phen Ge,andlan ^55 ' ".niberastchcn Hole geboren. Es war ira Winter 1898 Z » «Ä Erzherzog vor seinen kaiserlichen Oheim mit dm Bitte trat, ihm die BerchArchung mit der Frau lern er Wahl ,u gestatten Kaiser Franz Josef gab ihm damals em pahr Bedenk- eit aber es beinährte sick, letzt das Urteil das c'nst pme <!°genb- ' ,o rw ... h( ... Erzlurzoa qerallt halten:r-chnvr -,u becni-

e^unk.ich zu lenket' Er hielt an seiner Liebe lest und am l Juli 1900 wurde zu Reichstädt unter den bekannten BedlN- ainiaen die Ehe vollzogen. Tie ersten Jabp waren sur das erz- bm-oalichk Paar mchi'ganz leicht. In peinlicher Zuruckgezogn^ b ck M es in dem schönen Scküosse Belvedere und erst nach und nach erfolgte die Versöhnung mit den verschiedenlien M.t- ä edeni des Kaisi-rhauie-s. Brei trug zu d.eicm glücklichen Er- aelintffe der große Takt bei, den die Fürstin Hohenberg entwickeit^ und'bald war es ein offenes Geheimnis, daß der greyc Monarch Äa Ne besonders in sein Herz geschlos.en hatte. Das siEllien- des erzhcrzoglichcn Paares gestaltete sich im übrigen rußerft

glücklich. Die Fürstin Holzenberg war eine ernste und gediegene Natur, die mit allen Fasern ihres Herzens an Mann und Kindern hing und als iüchttge Hausftau sich um alle Einzelheiten ihres Hauswesens bekümtnerle. Auch als die Gattin des Thron­folgers hielt sie an ihren einfachen Lebensgcwohnhecken fest, und nie hatPie sich dazu verstanden, großen Toilettenlurus zu ent­falten. Sie war gütigen Herzens und ihre Uprgebung hing an ihr. Als ihre Friseuse erkrankte, suchte sie sie sofort in ihrer vier Stockwerke hoch gelegenen Wohnung ans, ließ sie ins Hospital -schaffen und sorgte dafür, daß ihr alle Pflege zuteil wurde.

Wie Franz Ferdinand inzwischen Mehr und mehr in den Lichtkreis des öffentlichen Interesses trat, ist noch in allgemeiner frischer Erinnerung. Aber nach wie vor wollte er von der.Oessent- lichkeit nicht viel wissen. Er erinnerte in diesem Punkte an semen Ahnen Karl V., an dessen Züge auch sein ovales Gesicht mit den blauen Augen genurlmte. Sern Glück fand er im Garten des Belvederes, wenn er mit seinen Kindern, die er abgöttisch liebte, spazieren ging, nnd auf seinem böhmischen Schlosse Konovffcht. Tort, sowie auch in Brroni konnte er seinen botanischen Lieb­habereien nachgehen. Er vflanzte Bäume, schuf Parkanlagen, und Rosengärten und nahm sich dieser Dinge mit dem persönlichsten Interesse an. Seinen Verkehr suchte er sich hauvffächlich unter den benachbarten böhmischen Hochadel, aber des Erzherzogs Freund konnte sich niemand eigentlich nennen. Er war nnd blieb ver­schlossen. In der Erfüllung seiner Pflichten war er überaus streng, nnd selbst aus seinen Jagdsabrten ließ er sich immer ein Schreib­pult nachtragen, um im günstigen Augenblicke arbeiten zu können. Was von ihm dereinst auf dem Throne zu erwarten sei, das war die Neugierde wrd die Frage von ganz Europa. Jetzt haben die Schüsse von Serasewo alle Erwartungen, alle Hofftrnngen zerstört.

Anekdoten.

Bar estrigen Jahren weilte Erzherzog Franz Ferdinand in Marienbad. ?lus der Kurpromenade begegnete er dem beliebten Wiener Komiker Gustav Maran, den er aus das freundlichste mit einemGuten Tag" begrüßt. Maran (Zigarre im Munde, ein wenig von oben herab):Guten Tag." Erzherzog:Sie er­kennen mich nicht, Herr Maran!'? Wir haben »ns sa beim Grasen Thun kennen gcjernt!" Maran (leichthin murmelnd):Ja, sa beim Grasen Thun." Erzherzog:Sind Sic hier zur Kur'?" Maran: ,^Jch nicht. Meine Frau gebracht Moorbäder, die ihr sehr wohl tun," Erzherzog:Ich bin zum ersten Alal hier." -i Maran (gönnerhaft):Es wird Ihnen schon gefallen. In Marienbad ist es sehr schön." Erzherzog:Meine Frau ist auch mit." Ptoran (gedehnt, interesselos an der Zigarre kauend): Soooooh?!" Und jetzt denkt Blaran, er müsse doch auch etwas reden, und erzählt, daß er di Prag war, dort sei es sehr heiß gewesen nnd er habe ^nächtig geschwitzt! Erzhei^oH (ablenkend): Was wird denn die Theatersaiion Neues bringend?" Marmi isch-MÄrzelnd):Feine Sachen!" Der ErzherMg Unterdrückt ein Lächeln und veräbfchiedet sich, sodann sagt er zu seiner Gemahlin: Der Maran hat mich nicht erkannt, oder er hat mein Inkognito

mit aller Gewalt wahren wollen!" Maran aber machte, als er erfuhr, wer ihn durch eine so lange Ansprache ausgezeichnet hatte, esti Gesicht, das pvar nicht aus Bühnenwirkung berechnet war, aber so komisch wirkte, daß es Maräns lvürdrg war. Dann eilte er heim und schrieb an den Erzherzog einen Enstckiuldignugshrcks^

Bei Chlumetz besaß der Erzherzog Franz Ferdinand ein Jagd­revier. Angrenzend hat ein Bauer, der den Thronfolger von seinen Jagdausslügcn kannte, seine Felder. 2lls nun einmal der Erzherzog im Automobil an dem Bauer vorbeikams der aus seinem Felde arbeitete, ries ihm der Bauer einige Worte zu. Der Erzherzog ließ halten, ging aus den Bauer zu und fragte ihn, was er tvvllc.Ich will nichts, hoher Herr, aber ich habe was für Euch!"Was denn?" d,E>n Reh habe ich für Euch vcnieckt! Weirn Ihr wollt, so ltiitl ich es Euch zuireiben. Wartet ein Weilchen!" Damit trabte er in den Wald. Dir Erzherzog ließ sich sein Gewehr reichen und mußte lange warten, bis das Reh in Schußweite erschien. Gr legte an, schoß und fehlte. Mißmutig stieg er wieder in seinen Wagen und wollte eben weiiersahren, als der Bauer atemlos aus dem Walde zurückkam.Was, gefehlt habt Ihr? Na, macht Euch nichts daraus, ich weiß noch von drei Rehen. Kommt nur heraus aus den, Kasten und stellt Euch dort aus! Ta werdet Ihr gewiß etwas tressen." T« Thronfolger ließ sich nicht lange nötigen und folgte der Weisung des jagdknndigcn Bauern. Und als nun die Rehe aus dem Gehölze hervorbrachen, brachte der Erzherzog zwei Tiere zur Strecke. Sie wurden aus das Automobil geladen, und als der Bauer wieder mchien. bedankte sich der Erzherzog bei ihm und meinte:Da Ihr mir zu der Jagdbeute verholten habt, so könnt Ihr Euch ein halbes Reh aus dem Schlosse holen!" Der Bauer aber schüttelte den Kops, und verschn.itzt lächelnd cntgegnete er: Dank schön, hoher Herr, aber das Zeug Hab ich mir schon lang übergesscn!"

Dem Kaiser WUHelm hat Franz Ferdinand, der nicht ohne sinn für Humor war, bei einem seiner jüngsten Besuche ein hüb­sches witziges Scherzrätsel aufgcgcbcn, das dieser nicht zu lösen verniochte. Dieses Rätsel hatte solgenden Wortlaut:Wer ist das? Er hat keine Ohren, keine Nase, keinen Münd, ja sogar keinen Kops, keine Hände und Füße, und doch ist cs ein Mensch." Der Kaiser vermochte des Rätsels Lösung nicht zu linden, das diese merkwürdige Person darstellie, und lachend crllärte ihm der Erz­herzog, daß die Lösung des Räffels gar nicht so schwer sei, wie es den Anschein hakn. Man müsse zu diesem Zwecke nur den öster­reichischen Dialekt gut kennen, dann wirb man finden, daß diese merkwürdige Person ohne Augen, Nase, Mund und Kopf ein rich­tiger, gesunder nnd sehr vcrnünstiger Oesterrercher sein könne, d-->" ein solcher habe nach dorttgem Sprachgebrauch keine Augen, s-ndcrn Gnckerln, keine Ohren, sondern Wascheln, keine Nase, sondern einen Schmecker, keinen Mund, sondern einen Goschen. la auch kernen .Kopf, sondern einen Schädel, statt der .Hände, endlich Pratzen, und statt der Füße Haxen. Dieser Mensch ist.allo trotz des Mangels aller weseillichcn Merkmale doch ein Mensch.